Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1909, Band 324 (S. 251–256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj324/ar324079

Polytechnische Rundschau.

New York–New Haven and Hardford-Eisenbahn.

Die New York–New Haven-Linie war die erste Vollbahn in Amerika, auf der elektrischer Betrieb mit Einphasenwechselstrom eingeführt wurde. Im Verlauf etwa einjähriger Betriebsführung sind nunmehr die bei dieser Anlage unterlaufenen Fehler beseitigt, die bei der Einrichtung des Kraftwerkes, beim Bau der Fahrleitung und auch bei der Herstellung der elektrischen Lokomotiven gemacht wurden. Bei der Beurteilung dieser Fehler darf nicht außer acht gelassen werden, daß es sich bei dieser Anlage um die Lösung zahlreicher Aufgaben handelte, für die in der Technik noch keine Erfahrungen vorhanden waren.

Zur Stromlieferung dienen vier Turbogeneratoren, von denen drei je 3750 KVA und der vierte 6000 KVA Einphasenstrom mit 11000 Volt Spannung liefern sollten. Obgleich die Stromerzeuger kräftig bemessen waren, ergab sich, daß der Drehstromwicklung mit Rücksicht |252| auf das entstehende Drehfeld Einphasenstrom nur in Hohe von 66 v.H. der angegebenen Leistung entnommen werden konnte. Bei größeren Leistungen ergab sich eine anormal schnelle Erwärmung, obgleich die Stromerzeuger 50 v.H. Ueberlastung zwei Stunden lang und 100 v.H. Ueberlastung zwei Minuten lang bedingungsgemäß aushalten sollten. Als gutes Hilfsmittel erwies sich die Anbringung einer den umlaufenden Teil des Stromerzeugers umgebenden Kurzschlußwicklung, die nach Art eines Käfigankers hergestellt war. Die so verbesserten Stromerzeuger geben nunmehr die verlangte Leistung'. Auch die Isolation der Stromerzeugerwicklung war besonders reichlich bemessen, da eine Klemme geerdet werden sollte. Trotzdem ereigneten sich bei starken Kurzschlüssen auf der Strecke häufig Durchschläge, die man darauf zurückführt, daß durch die starken Ströme in den Spulen mechanische Kräfte auftraten, welche die Spulen bewegten.

Bei der Fahrleitung zeigten sich anfangs viele Isolatordurchschläge, und zwar wurden besonders diejenigen Isolatoren beschädigt, welche unmittelbar von den aus den Schornsteinen der Dampflokomotiven ausströmenden Gasen getroffen wurden. Zur Abhilfe werden teils die Isolatoren verdoppelt, teils wurden an Stelle von Isolatoren aus Preßmasse solche aus Porzellan verwendet. Auch für die Speiseleitungen will man zur Vermeidung von Störungen die einfachen Rollenisolatoren unter den Brücken durch Porzellanisolatoren der üblichen Form mit Doppelglocken ersetzen.

Da die bei Kurzschlüssen zu unterbrechende Energie mit Rücksicht auf die große Leistung und die beträchtliche Drehzahl der Turbogeneratoren sehr hoch ist, so versagten anfangs die Höchststromausschalter, wofür man längere Zeit keine Erklärung fand, da diese Schalter besonders reichliche Abmessungen erhalten hatten. Durch Vergrößerung der Leitungslänge zwischen Kraftwerk und Ausschalter, die sich durch Verlegung des Anschlusses der Speiseleitung an die die ganze Bahn entlang geführte Zusatzleitung einfach bewerkstelligen ließ, wurde der Uebelstand behoben. Da somit die Vergrößerung des Leitungswiderstandes als Abhilfsmittel erkannt war, wurden in die Speiseleitungen Induktionsspulen eingebaut und die Abänderung der Schaltung wieder beseitigt. Besondere Schwierigkeiten bereitete der Fahrdraht selbst, der aus hartgezogenem Kupferdraht bestand; denn nach einer Betriebszeit von wenigen Monaten war der Querschnitt des Fahrdrahtes so wesentlich vermindert, daß seine Weiterverwendung betriebsgefährdend und daher ausgeschlossen erschien. Zur Abhilfe wurden versuchsweise 3 km Stahldraht als Fahrdraht eingebaut, und zwar wurde dieser Draht mittels Klemmen an den bisherigen Fahrdraht aufgehängt. Sofort nach seinem Einbau wurde unter ihm in der nächtlichen Betriebspause ein mit zwei Lokomotiven bespannter Siebenwagenzug mehrere Stunden lang hin und her gefahren. Desgleichen wurde ein Draht aus einer harten Kupferlegierung in gleicher Weise aufgehängt und einer Prüfung unterzogen. Bei der Entscheidung für den Stahldraht war in erster Linie die Kostenfrage ausschlaggebend, da es sich um die sofortige Beschaffung von 160 km Draht handelte. Ueberdies ist auch Stahldraht wegen seiner größeren Härte, seines kleineren Ausdehnungskoeffizienten und seiner höheren Elastizität für den vorliegenden Zweck besonders geeignet. Die beschriebene Stahldrahtanordnung ist nunmehr- seit mehreren Monaten auf der ganzen Strecke eingebaut; nur an einigen Unterführungen mit sehr geringer Durchfahrtshöhe sind zwei Drähte nebeneinander verwendet. Es hat sich an den Aufhängepunkten bisher keine Abbiegung gezeigt, so daß entsprechend den Erwartungen eine weiche und und nahezu funkenlose Stromabnahme erfolgt.

Die in der Fahrleitung eingebauten Streckenisolatoren gaben dadurch zu Anständen Anlaß, daß das letzte Ende des Fahrdrahtes an einem Holzrahmen starr geführt war. Dieser Rahmen verzog sich und es entstand ein Knick in der Fahrleitung; dadurch klappte an dieser Stelle beim Vorübergleiten der Stromabnehmer von der Fahrleitung ab und zog einen Funken, der häufig nach Erde überschlug. Durch nachgiebige Lagerung des Hilfsdrähtes auch unter dem Streckenisolator wurde dieser Uebelstand völlig behoben. Ferner ergaben sich Kurzschlüsse und Störungen dadurch, daß die die Strecke entlang geführten Zusatzleitungen mit Signalleitungen an denselben Masten aufgehängt waren. Zur Abhilfe wurden, wenn angängig, für die Leitungsgruppen verschiedene Masten gewählt. Mußten beide an demselben Mast befestigt werden, so wurde die eine Gruppe auf den dem Gleise zugekehrten Hälften der Querarme und die andere Gruppe jenseits des Mastes aufgehängt.

Große Schwierigkeit bereitete das Auffinden eines geeigneten Materials für den Stromabnehmerschuh. Aluminium, Kupfer, Stahl u.a. Stoffe, ebenso wie starre und auch federnde Lagerung wurden für den Stromabnehmerschuh versucht. Hierbei hat sich herausgestellt, daß Rauch und Ruß, welcher sich von darunter hindurch fahrenden Dampflokomotiven an dem Fahrdraht absetzt, die Lebensdauer des Stromabnehmerschuhes wesentlich beeinflußt. Für die letztere wurden 1000–2000 Lokomotivkilometer für verschiedene Stoffe ermittelt, während andere Bahnen, auf denen keine Dampflokomotiven verkehren, Werte bis zu 40000 km allerdings bei geringerer Fahrgeschwindigkeit erreicht haben.

Zur Bewältigung des Personenverkehrs waren anfangs 35 Lokomotiven beschafft worden, welche für 25 v.H. der Züge paarweise als Doppellokomotiven und für die übrigen 75 v.H. einzeln verwendet werden sollten. Bereits zu Anfang des Betriebes stellte es sich heraus, daß die Transformatoren und Motoren eine größere, als die verlangte Leistung hergaben. Diesen erhöhten Leistungen entsprachen jedoch einzelne Teile der übrigen elektrischen und mechanischen Ausrüstungen nicht. Für den inzwischen gesteigerten Verkehr wurden deshalb sofort sechs weitere Lokomotiven bestellt. Vor der entgültigen Genehmigung der Bauzeichnungen wurden sämtliche Teile der im Betriebe befindlichen Lokomotiven genau nachgeprüft. Als besonders nötig erwies sich die Vergrößerung der Schalter, sowie die Verbesserung der Isolation der Bürstenhalter in den Motoren. Am mechanischen Teile stellte sich eine Verstärkung des Untergestelles, sowie die Hinzufügung von einer Laufachse an jedem Ende der Lokomotive als nötig- heraus. Außerdem wurde der Motor auf der Laufachse nicht unmittelbar, sondern wie es für Achsmotoren bekannt geworden ist, mittels einer federnd gelagerten hohlen Welle gestützt. Im übrigen muß anerkannt werden, daß die liefernde Firma die Lokomotiven ausreichend bemessen hat, da als leichteste Züge nicht, wie ihr angegeben war, Züge von 200 t, sondern tatsächlich solche von 212 t Gewicht verkehren und diese erhöhte Leistung anstandslos geliefert wird.

Im Vergleich mit dem Dampfbetriebe hat sich eine wesentliche Ueberlegenheit der elektrischen Lokomotive herausgestellt, da die letztere täglich im Mittel 345 km und damit etwa 43 v.H. mehr als eine Dampflokomotive leistete.

Die mit dem Einphasenbetriebe verbundenen Telegraphen- und Telephonstörungen wurden durch kleine Transformatoren beseitigt, deren Sekundärwicklungen mit diesen Leistungen in Reihe geschaltet waren, während |253| die Primärwicklungen an die Spannung der zunächst liegenden Wechselstromleitungen angeschlossen waren. Die Sekundärspannung eines Transformators, die hierbei gleich und entgegengesetzt der in der Schwachstromleitung induzierten Spannung ist, hebt infolgedessen die letztere auf, und zwar so vollkommen, daß jede Verlegung von Schwachstromleitungen, zu der man sich unbedingt gezwungen glaubte, unnötig wurde. (Murray) [Procedings of the American Institute of Electrical Engineers 1908 S. 1611–1660].

Pr.

2 × 3/3 gekuppelte Tenderlokomotive.

Für die Nitrate Railway Comp. in Chili hat die Yorkshire Engine Comp. Sheffield eine sehr schwere und starke Tenderlokomotive gebaut, die bestimmt ist, eine Wagenlast von 200 t auf Steigungen von 2,8 bis 4 v.H. mit starken Krümmungen bis zu 92 m Radius mit einer Geschwindigkeit von 14 km/St. zu befördern. Auf der 32 km langen Strecke kann die Lokomotive ihren Kohlen- und Wasservorrat nicht erneuern.

Die Lokomotive besitzt zwei Drehgestelle mit je zwei Dampfzylindern von 440 mm und 570 mm Hub. Die Umsteuerung, Bauart Walschaert, hat entlastete Dampfschieber aus Phosphorbronze. Der Dampfdruck beträgt 13,5 Atm. Die Lokomotive hat zwei Seitentender und einen Tender hinter dem Führerstand. In denselben ist ein Speisewasservorwärmer eingebaut, der vom Abdampf der Zylinder am hinteren Drehgestell geheizt wird. Die Tender fassen 15 cbm Wasser, der Kohlenvorrat beträgt 4 t Kohle. Der Kessel besitzt zwei. Ramsbottom-Sicherheitsventile mit je zwei Ventilen und ist mit einem mechanischen Kesselreiniger, System Hulburd ausgerüstet. In dem Kessel befinden sich 262 Rauchröhren 2'' , die Heizfläche beträgt 214 qm, die Rostfläche 3,65 qm, die Heizfläche des Vorwärmers hat 13,5 qm. Auf dem mittleren Kesselschluß befindet sich ein Dampfsandstreuer, Bauart Craven. Das Dienstgewicht der Lokomotive ist 118 t. (Engineering 1909, S. 13–14.)

W.

Die Wasserkräfte des Staates New York.

Wie neuerdings die meisten Länder es tun, so hat auch die Verwaltung des Staates New York schon im Jahre 1907 durch einen Ausschuß umfangreiche Erhebungen über den staatlichen Ausbau von Wasserkräften anstellen lassen. Nach dem vorläufigen Bericht können die (abgesehen vom Niagara- und vom St. Lorenzstrom) durch Anlage geeigneter Staubecken im Staate New York verfügbaren Wasserkräfte auf etwa 1 Million PS beziffert werden, wovon allein 25 v.H. durch Mangel an geeigneten Stauanlagen verloren gehen. Zu dem Wert, welchen diese Kraft darstellt, kommen noch die Hochwasserschäden, die alljährlich etwa 4,2 Millionen M. betragen und welche beim Aufstauen der Hochwasser naturgemäß auch fortfallen würden. Der Ausschuß befürwortet lebhaft die Inangriffnahme des Ausbaues von Wasserkräften durch den Staat, indem er darauf hinweist, daß private Unternehmer niemals in der Lage sein würden, solche Arbeiten in dem gewünschten Umfange auszuführen. Der private Unternehmer ist unmittelbar darauf angewiesen, nur solche Arbeiten zu vollführen, die eine Aussicht auf baldigen Gewinn in sich bergen, und alle anderen Arbeiten beiseite zu lassen oder auf später zu verschieben, wie wichtig sie auch im allgemeinen Interesse sein mögen. Die Anlage von Stauwerken verbessert nun nicht nur die Wasserverhältnisse eines einzelnen Wasserkraftwerkes, sondern auch diejenige eines ganzen Flußlaufes. Infolgedessen läuft ein Unternehmer, wenn er wirklich geneigt wäre, diese Arbeiten in dem vollen Umfange auszuführen. Gefahr, seinen benachbarten Konkurrenten zu unterstützen, was ihm Schaden bringen kann. Wo mehrere Unternehmer vielleicht gemeinsam zur Anlage von Staubecken bereit wären, fehlt ihnen jede Erlaubnis, einzelne Teile des Landes unter Wasser zu setzen, und sie müssen deshalb ebenfalls erst an den Staat herantreten.

Von den in den Vereinigten Staaten im Jahre 1905 durch Wasserkraft erzeugten 1647969 PS entfielen 27½ v.H. allein auf den Staat New York, mehr als doppelt soviel wie auf den Staat Maine und mehr als die Hälfte der durch Dampfkraft gewonnenen Leistung. Im Verlauf der Jahre 1900 bis 1905 hat dabei die Leistung der Wasserkraftanlagen des Staates New York um 100000 PS zugenommen. Nur durch Anlage geeigneter Stauwerke, welche die Hochwässer zurückhalten, ließe sich die Leistung der vorhandenen Wasserkraftwerke auf das Doppelte erhöhen. Daraus würden sich Einkünfte ergeben, die nicht nur genügen würden, um die Dämme zu erhalten und die Anlagekosten zu verzinsen, sondern welche auch eine ewige Einnahmequelle des Staates bilden könnten.

Die Vorteile, die durch die Ausführung der erwähnten Stauanlagen durch den Staat erreicht werden können, sind daher: 1. Fortfall der Hochwasserschäden, 2. Erhöhung der mittleren Abflußmengen der Gewässer und damit Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse, 3. Vertiefung des Hudsonflusses und Verbesserung der Schiffahrt darauf, 4. Verbilligung der Betriebskraft und Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten durch Einführung neuer Betriebe, 5. Erhöhung der Jahreseinnahmen des Staates.

Von den in dem angeführten Bericht bereits näher erörterten Plänen sind zu erwähnen:

Der Plan, am Oberlaufe des Sacandagaflusses, etwa 102 km unterhalb seiner Quellen, in den Adirondackbergen ein Staubecken bei Conklinsville zu errichten, welches bei einem Inhalt von 736000000 cbm entweder an dieser Stelle fortlaufend 60000 PS liefern würde, also mehr als die Wasserkraftanlagen bei Lowell und Holyoke, Mass., oder den Wasserkraftwerken weiter flußabwärts am Hudson eine Mehrleistung von 70000 PS ermöglichen würde. Ferner haben bereits Probebohrungen stattgefunden, um zu untersuchen, ob die Anlage eines Staudammes bei Hadley im Hudsonfluß möglich wäre, durch welchen die 13 Kraftwerke flußabwärts großen Gewinn an Leistung erzielen würden.

Am Geneseefluß wird die Anlage eines Staubeckens bei Portage erwogen, wo ein See von etwa 40 Quadratkilometer Fläche und 510000000 cbm Inhalt geschaffen werden könnte, der einen gleichmäßigen Wasserabfluß von 51 cbm in der Sekunde ermöglichen würde. (Power 1908, S. 521 bis 522).

H.

Gummifundierung für Dampfturbinen.

Eine kürzlich von Willans & Robinson, Ltd. in Rugby gebaute 2000 KW Dampfturbine ist auf eine besondere Gummifundierung nach dem Prache-System montiert. Das Turbinenaggregat ist mit einem 610 mm dicken, mittels Stahlrost verstärkten Betonblock verschraubt, der auf einer Reihe auf der gewöhnlichen Betonfundierung stehenden Gummilager ruht. Der obere Block ist in keiner Weise mit dem Boden des Maschinenraumes verbunden. Um den oberen Block herum ist eine Rinne freigelassen, um die Gummilager jederzeit nachsehen zu können.

Jedes Gummilager wird von einem Zylinder gebildet, der im vom Turbinengewicht zusammengedrückten Zustand 100 mm in der Mittellinie und 75 mm in der Höhe mißt. Jedes Gummilager kann unabhängig von den anderen erneuert werden, indem es zu seiner Entfernung |254| möglich ist, es mit Hilfe von Schrauben und Spänner, die es umfassen, noch weiter zusammenzudrücken. Erneuerung ist aber selten notwendig, da die Gummiblöcke lange aushalten. [Engineering 1909, S. 183.]

Ky.

Ein neuer Stahl.

Von den Continental Steel Works, Firma Jonas & Colver in Scheffield ist ein neuer Arbeitsstahl auf den Markt gebracht worden, dessen Schneidfähigkeit diejenige des gewöhnlichen Schnelldrehstahls bedeutend übersteigt und der sowohl in Wasser, Oel oder Paraffin wie im Luftstrom gehärtet werden kann.

Der neue Stahl zeigt seine hervorragenden Eigenschaften besonders bei der Bearbeitung sehr harten Materials, indem hier eine fünffache Schneidfähigkeit gegenüber gewöhnlichem Schnelldrehstahl erreicht wird, ohne daß dem irgendwelche Nachteile in bezug auf das Schmieden oder Ueberhitzen gegenüberstehen. Es ist der erste Stahl, dessen Schneidecke bei der Bearbeitung harten Materials bis zur hellen Rotglut erhitzt und der dennoch im Wasser gehärtet werden kann.

Bei der Bearbeitung weicher Stahlsorten läßt sich etwa das Doppelte bis Dreifache der gegenwärtigen Schnittgeschwindigkeit erreichen. [Engineering 1909, S, 190.]

Ky.

Windsichtmaschine.

Textabbildung Bd. 324, S. 254

Die Windsichtmaschine „Selektor,“ den die Firma Gebrüder Pfeiffer in Kaiserslautern in weiterer Vervollkommnung ihrer Sichtmaschinen nach dem Entwurf von Moodie baut, soll in der gesamten Hartmüllerei, Farbenindustrie und zum Teil auch in der Weichmüllerei Verwendung finden zur Erzielung von Mehlen allerhöchster Feinheit. Die Anordnung und die Wirkungsweise sind unter Ausschaltung von Sieben und Geweben die folgenden. Das zu sichtende Material wird durch die Zuführungen h und i (Fig. 1 und 2) auf den Verteilungs- und Streuteller j aufgegeben und sinkt darauf in den Ringraum g, regen artig aufgelöst, abwärts. Hierbei begegnet es einem vom Ventilator c kommenden Luftstrom, dessen Weg in Fig. 1 durch Pfeile angedeutet ist. Die Schleuderteller d haben die Aufgabe, die gröberen Teilchen, welche infolge ihrer Schwere während des Durchzuges mit ihnen in Berührung kommen, wieder nach außen zu schleudern, während sie den Durchtritt des feinsten und infolgedessen leichten Staubes nicht hindern. Die Griese verlassen den Apparat bei l, die Feinmehle bei m. Außerdem ist noch eine Anzahl von Hilfs-vorrichtungen angebracht, wie Luftführungen, Sammelkränze und andere, die jedoch hier weniger interessieren.

Internationales Institut für Techno-Bibliographie.

Ueber Organisation und Programm des in Berlin neubegründeten Instituts für Techno-Bibliographie entnehmen wir einem Aufsatz: „Zur Organisation der technischen Auskunft“ von Dr. Hermann Beck, Berlin in „Technik und Wirtschaft“ folgende Angaben:

Als Aufgaben des Institutes werden bezeichnet:

  • 1. Die Sammlung der gesamten technischen Literatur, nämlich
    • a) der Patentschriften aller Länder,
    • b) der Bücher und Broschürenliteratur (einschl. der wichtigen Kataloge),
    • c) der Zeitschriftenliteratur, wobei jedes Land die Bearbeitung seiner eigenen Literatur in die Hand nimmt;
  • 2. die Registrierung und Ordnung dieser Literatur;
  • 3. die Erschließung des Inhaltes dieser Arbeiten durch fachmännische Referate;
  • 4. die periodische Veröffentlichung dieser Informationen an einer Zentralstelle, aber in verschiedensprachigen Ausgaben, die auf diese Weise allen Interessenten gegen eine verhältnismäßig geringe Vergütung zur Verfügung stehen;
  • 5. die Zusammenfassung der veröffentlichten Informationen in Karten-Repertorien, die in jedem Lande in mehreren Exemplaren nach verschiedenen Gesichtspunkten zu ordnen sind;
  • 6. die Nutzbarmachung der Karten-Repertorien durch Auskunfterteilung gegen geringe Gebühren; Austausch der Materialien der Auskunftsstellen der verschiedenen Länder an einer Zentrale;
  • 7. die Ergänzung der bisher genannten kurzen Informationen über das, was erschienen ist, durch folgende Einrichtungen, die in jedem Lande zu treffen wären;
    • a) Lieferung von kurzen oder ausführlicheren Auszügen aus den einzelnen Arbeiten, wobei fremdsprachige Texte gleich zu übersetzen sind;
    • b) Lieferung von Abschriften bzw. Uebersetzungen der Arbeiten, deren Neuerscheinen zunächst nur kurz angezeigt wurde;
    • c) die Lieferung des Materials selbst, d.h. Vermittlung der buchhändlerischen Beschaffung bzw. Abgabe von einzelnen Ausschnitten aus Zeitschriften.

Gegen Zahlung von 25 Mk. jährlich (für technische Studierende nur 15 Mk.) wird man Mitglied des Institutes und erhält als solches 40–50000 technisch-literarische Auskünfte unentgeltlich durch Lieferung des Institutsorganes, der Monatschrift „Technische Auskunft,“ Außerdem genießt man eine Reihe anderer Vergünstigungen. Die etwa 160–200 Seiten starken Monatshefte enthalten in einem I. Teile neben den Nachrichten der Institutsleitung1) Mitteilungen der Technischen Auskunftstelle, ferner eine Tafel, auf der die neu erscheinenden sowie die ihr Erscheinen einstellenden technischen Zeitschriften aller Länder verzeichnet sind, ferner eine Abteilung „Zeitschriftencharakteristik.“ In dieser finden sich eingehende Beschreibungen aller vorhandenen technischen und industriellen Periodika.

Der II. Teil der Zeitschrift enthält die „Bibliographie der Technik, Neue Folge des früher im Kaiserlichen Patentamt herausgegebenen Repertoriums der technischen Journal-Literatur.“ Das seit 1824 bearbeitete und seit 1856 in Jahresbänden veröffentlichte „Repertorium“ stellt |255| also von 1908 ab2) sein Erscheinen ein, oder besser: findet seine Fortsetzung in den Veröffentlichungen des I.I.T.B. Selbstverständlich gibt auch das Institut Jahresbände heraus: Zusammenfassungen der Monatszusammenstellungen, denen übersichtliche Register beigegeben werden.

Die äußere Anlage der genannten Institutsveröffentlichungen entspricht im wesentlichen der des „Repertoriums,“ schon um die Kontinuität mit dem altehrwürdigen amtlichen Werke zu wahren. Die Fortsetzung ist aber dadurch beträchtlich erweitert worden, daß die Zahl der bearbeiteten Zeitschriften von 430 auf rund 600 erhöht wurde, und daß neben der Zeitschriftenliteratur die gesamte Buch- und Broschürenliteratur Aufnahme findet. Auch die Kataloge und Gelegenheitsschriften der Firmen finden Aufnahme, soweit sie dem Institut eingesandt oder sonstig bekannt werden. Nicht einbezogen sind dagegen die Patentschriften, die erst später, wenn die finanziellen Kräfte des Institutes gewachsen sind, aufgenommen werden sollen. Alle ermittelten Arbeiten werden unter alphabetisch angeordneten Stichwörtern alphabetisch aufgeführt. Neben den einfachen bibliographischen Daten werden auch kurze Referate beigegeben, deren Ausarbeitung einer großen Anzahl von Mitarbeitern (darunter zahlreiche Spezialisten aus dem Kaiserlichen Patentamt) im In- und Auslande übertragen ist. Die ganze Arbeit wird also zunächst in Berlin geleistet, soll aber nach und nach an die Zweigbureaus der einzelnen Länder abgetreten werden, so daß schließlich in Berlin nur noch die deutsche Literatur bearbeitet wird. Ob man die Zentralstelle dauernd in Berlin beläßt, braucht so lange nicht entschieden zu werden, als eine große bibliographische Zentralstelle in einem neutralen Lande (man hat z.B. an den Haag gedacht) noch nicht besteht und die Royal Society in London als Sitz für die internationale naturwissenschaftliche Bibliographie festhält.

Das Gesagte betrifft aber nur den ersten Teil des Programmes: den Nachweis und die knappe Charakteristik der gesamten internationalen neuerschinenen technischen Literatur.

Der zweite Teil des Programmes ist aber auch bereits teils verwirklicht, teils der Verwirklichung nahe. Bereits im Betrieb ist die Beschaffung des Originalmaterials, die dem Verlage des Institutes, dem „Bibliographischen Zentral-Verlag, G.m.b.H.“, Berlin, Spichernstraße 17, übertragen ist. Insbesondere kann auf diesem Wege auch das ausländische Material schnell beschafft werden.

Noch unvollendet ist die Auskunftstelle, die sich ihr Quellenmaterial erst noch selbst schaffen muß. Trotzdem kann man von dem aktuellen Material schon jetzt Auszüge und Uebersetzungen haben. Schwieriger steht es schon um die ältere Literatur, sobald das „Repertorium“ versagt. Hier kann erst rationell gearbeitet werden, wenn dem Institut noch größere Mittel zur Verfügung stehen. Aber in dem Maße, wie sich die Technik und Industrie des neuen Unternehmens mehr und mehr bedienen werden, wird das Institut sich erweitern können. Damit wird das Institut der Industrie immer mehr mühsame Sammel- und Recherchearbeit abnehmen, diese Arbeiten vereinfachen und verbilligen.

Als besonders glücklich darf vielleicht noch die enge Beziehung des neuen Unternehmens zu dem im Jahre 1905 begründeten und aus Reichsmitteln mit jährlich 15000 Mk. subventionierten Internationalen Institut für Sozialbibliographie bezeichnet werden. Dieses analog organisierte Unternehmen arbeitet vornehmlich auf wirtschaftlichem Gebiete und vermittelt die Kenntnis der industriell- wirtschaftlichen literarischen Neuerscheinungen, – ebenfalls durch Monatshefte, Jahrbücher eine Auskunftsstelle usw. Mitglieder des I.I.T.B. können nebenbei bemerkt die Mitgliedschaft des I.I.S.B. zu Vorzugsbedingungen erwerben. Wer sich für die Frage des Zusammenhanges beider Unternehmungen und die internationalen Bestrebungen der Bibliographie überhaupt näher interessiert, findet Aufschluß in einem Schriftchen: „Die internationale Bibliographie und ihre Zukunft“ (Dresden, 1908, O.V. Böhmert, 1 Mk.)

Deutsches Museum.

Die Sammlungen des Deutschen Museums wurden dieser Tage durch eine Stiftung bereichert, welche für die Geschichte der Naturwissenschaften von größter Bedeutung ist.

Der berühmte Chemiker W. Ramsay überwies dem Museum Proben der von ihm entdeckten gasförmigen Elemente Argon, Helium, Krypton, Neon und Xenon. Die Proben wurden von ihm mit großer Mühe eigenhändig hergestellt und in Spektralröhren gefüllt dem Museum übersandt.

Sir W. Ramsay, welcher einige Jahre an der Universität Tübingen studierte und dort die Doktorwürde erwarb, ist seit 1887 Professor am University College in London.

Der englische Chemiker Cavendish hatte bereits im Jahre 1785 das Vorhandensein eines unbekannten Gases in der Luft neben den damals schon bekannten Gasen Sauerstoff und Stickstoff geahnt. Aber erst im Jahre 1894 gelang es Ramsay im Verein mit Lord Rayleigh die Existenz dieses Gases, Argon genannt, mit Sicherheit nachzuweisen.

Der Entdeckung des Argons, welches zu über 1% in der Luft enthalten ist, folgte die Entdeckung der in weit geringerem Maße in der Luft vertretenen Gase Krypton, Xenon und Neon. Die Entdeckung derselben war erst möglich geworden, nachdem es gelungen war, flüssige Luft in größeren Mengen zu erzeugen, aus deren Verdunstungsrückständen Krypton und Xenon hergestellt werden können, während Neon aus verflüssigtem Roh-Argongas gewonnen wird.

Die interessanteste Geschichte hat das Helium. Dieses Element wurde im Jahre 1868 zuerst von Janssen in der Sonnenchromosphäre und den Sonnenprotuberanzen spektral analytisch aufgefunden. Palmieri fand 1882 dieselbe, das Helium anzeigende Spektrallinie bei bei spektroskopischer Untersuchung einer Vesuvlava. Hergestellt wurde das Gas erstmals 1895 durch Ramsay und gleichzeitig durch Cleve aus dem Mineral Cleveit.

Da das Helium neuerdings als Umwandlungsprodukt des Radiums betrachtet wird, ist es wiederum in den Vordergrund des wissenschaftlichen Interesses getreten.

Bei der fast vollständigen oder gänzlichen Unfähigkeit der genannten Elemente, in chemische Verbindungen einzutreten – man hat sie deshalb Edelgase genannt – ist man bei Identifizierung derselben auf Feststellung der physikalischen Eigenschaften angewiesen, wie z.B. des spezifischen Gewichtes, besonders aber der Spektren, welche das beste Unterscheidungsmerkmal bieten.

Die Forschungen Ramsays beweisen von neuem, daß sich auch auf scheinbar gut bekannten Forschungsgebieten noch interessante Entdeckungen machen lassen, und dürfte daher die Ueberweisung von Originalbelegstücken dieser Forschungen an das Deutsche Museum ein allgemeineres Interesse beanspruchen.

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Verband für autogene Metallbearbeitung.

Am 16. März fand in Stuttgart die konstituierende Versammlung- eines Verbandes für autogene Metallbearbeitung statt, welche von zahlreichen industriellen Firmen besucht war.

Die Organisation hat sich die Förderung der autogenen Schweißung und der ihr verwandten Industrien zur Aufgabe gemacht, und es sollen ihre Zwecke durch die Veranstaltung von Lehrkursen an verschiedenen technischen Unterrichtsanstalten, durch die Herausgabe einer Verbandszeitschrift und durch unentgeltliche Erteilung von technischen Auskünften erreicht werden. Nach den Statuten dürfen Personen, die geschäftliche Interessen an dem Vertriebe von Einrichtungen zur autogenen Metallbearbeitung haben, nicht in den Vorstandgewählt werden. Auskünfte werden von der Geschäftsstelle: Ing. Theod. Kautny in Rodenkirchen bei Cöln erteilt.

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Vorsitzender des Vorstandes ist Geh. Reg.-Rat. Prof. Kammerer, Beisitzer Ingenieur Conrad Matschoß und Dr. Hermann Beck.

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Der die Literatur des Jahres 1908 umfassende Band wird Ende 1909 erscheinen.

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