Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1909, Band 324 (S. 332–336)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj324/ar324103

Polytechnische Rundschau.

Amperestundenzähler.

Seit langem ist als Uebelstand der Amperestundenzähler bekannt, daß schon nach kurzer Betriebsdauer bei niederen Belastungen Minusfehler auftreten und daß bisweilen Apparate bei V20 bis V10 Belastung nahezu stillstehen. Sicher ist, daß diese Erscheinung von dem Kollektor und der Bürste ausgeht; die Ursache ist jedoch doch strittig. Auf Grund von Versuchen mit Gleich- und Wechselstrom bestreitet der Verfasser, daß die Erscheinungen auf gegenelektromotorische Kräfte zurückgeführt werden dürfen, die sich zwischen Kollektor und Bürste infolge des Stromdurchganges bilden; er ist vielmehr der Ansicht, daß allein die Bildung von Uebergangswiderständen als Ursache der Erscheinungen zu betrachten ist. Die letztere Ansicht wird auch von anderen seit längerer Zeit vertreten- und von ihr ausgehend sind zahlreiche Vorschläge zur Abhilfe gemacht worden. Beispielsweise hat man durch Eintauchen der Kollektors in ein Schmiermittel oder durch eine andere reichliche Zuführung von Oel zwar das Eintreten der Uebelstände verzögert, jedoch keine Sicherheit für dauernd konstanten Gang erhalten. Die Firma Keiser & Schmidt hat in den Ankerstromkreis einen Widerstand eingeschaltet und auf den Kollektor außer den beiden Strom-zufühnmgsbürsten noch zwei Hilfsbürsten aufgelegt, die durch einen Widerstand kurzgeschlossen sind. Der dem Kollektor zugeführte Strom gelangt infolgedessen nur zum Teil in die Ankerwicklung, während der andere Teil in dem an die Bürsten angeschlossenen Nebenschlußwiderstand verbraucht wird. Tritt hierbei ein Uebergangswiderstand zwischen den Stromzuführungsbürsten und dem Kollektor auf, so sinkt der zugeführte Strom. Anderseits wird auch zwischen den Hilfsbürsten und dem Kollektor derselbe Uebergangswiderstand wirken und dementsprechend wird dem Anker auch nur eine geringere Strommenge entzogen. Durch geeignete Wahl des Anker- und des Nebenschlußwiderstandes läßt sich eine vollständige Kompensation des Uebergangswiderstandes erreichen. Nachteilig bei dieser Anordnungist der durch den Nebenschluß widerstand bedingte erhöhte Wattverbrauch.

Eine Reihe weiterer Abhilfseinrichtungen beruht auf der Tatsache, daß durch Erschütterung des Kollektors oder der Bürsten der Minusgang für einige Zeit aufgehoben werden kann. Prismatische oder exzentrische Anordnung der Kollektoroberfläche, sowie Erschütterung der Bürsten vom Zählwerk aus oder durch eine besondere Magnetanordnung sollen in diesem Sinne bessernd wirken. Teils beeinflussen diese Mittel jedoch ungünstig die Anlaufstromstärke des Zählers, teils bedingen sie eine verwickelte Bauart desselben. Als einfacheres Mittel verwenden Keiser & Schmidt neuerdings eine Säuberungsvorrichtung für den Kollektor, die in einem Stückchen härtesten Graphits besteht und mit einem solchen Auflagedruck angepreßt wird, daß bei 1/10 der Belastung eine Vergrößerung des Fehlers um nicht mehr als 1,5 bis 2 v.H. eintritt. Durch eine derartige Bürste wird der Niederschlag entfernt, welcher sich im Laufe der Zeit durch Staubteilchen, Ausdünstungen der Spulen oder sonstiger lackierter Teile auf dem Kollektor bildet. Die Entstehung von Uebergangswiderständen infolge chemischer Einwirkungen wird durch Verwendung von Gold für den Kollektor oder die Bürsten beseitigt und schließlich ist ein kräftiger Bürstendruck gewählt, der erfahrungsgemäß das Auftreten von Fehlern verzögert. (Schwartz.) Elektrotechnische Zeitschrift 1909 S. 15–17.)

Pr.

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Versuche an einer 10000pferdigen Francis-Hochdruckturbine.

Die 10000pferdige Francis-Turbine, welche die California Gas and Electric Corporation in ihrem Kraftwerk Centerville am Kern River aufgestellt hat, ist vor kurzer Zeit eingehenden Versuchen unterworfen worden. Wegen der Größe der Maschine war es nicht möglich gewesen, sie mechanisch abzubremsen, obgleich zum Beispiel die Westinghouse Maschine Company in ihrer Fabrik in Pittsburg Dampfturbinen mit Wasserbremsen prüft, welche bis zu 10000 PS bei 750 Umdrehungen in der Minute ohne Schwierigkeit aufnehmen können. Ebenso war es in dem Centerville-Kraftwerk aus Betriebsgründen nicht möglich, die Turbine mit der von ihr angetriebenen Dynamomaschine künstlich durch Wasserwiderstände zu belasten. Man mußte sich daher damit begnügen, den erzeugten Strom an das Netz abzugeben, welches aber genügend groß ist, um nicht allzu störende Schwankungen in der Belastung der Maschinengruppe zu verursachen. Die Ergebnisse von einigen Messungen, welche je Mittelwerte aus drei fünf Minuten lang gemachten Ablesungen darstellen, sind nachstehend angeführt.

Textabbildung Bd. 324, S. 333

Die Versuche zeigen, daß die Wirkungsgrade der Turbine die garantierten Werte noch übertreffen. Der beste Wirkungsgrad von 85,44 v.H. liegt in der Nähe von ¾ Belastung, wie schon vorher die Berechnung ergeben hatte.

Eine kürzlich vorgenommene Untersuchung der Turbine hat keinerlei Abnutzung erkennen lassen, obgleich die Turbine schon seit dem November 1907 im Betriebe ist und den kalifornischen Witterungsverhältnissen gemäß die schlimmste Hälfte des Jahres, nämlich die Sturzregenzeit mit sehr trüben Betriebswasser durchgemacht hat. (Pfau) (Zeitschrift des Vereines deutsch. Ingenieure 1909 S. 276 bis 277.)

H.

Straßenbahnwagen.

Die Wagen der Sunbury Selings Grove Electric Railway, welche bei einer Länge von 10,2 m und einer Breite von etwa 2,5 m im Innern 40 Sitzplätze auf auf Querbänken haben, weichen schon in ihrem Äußern von der Bauart der üblichen Straßenbahnwagen ab, da sowohl die End- als auch die Seitenflächen vollständig eben ausgeführt sind und ferner auf dem schwach gewölbten Dach ein Lüftungsaufbau fehlt. Außerdem liegt der Fußboden der Plattformen in gleicher Höhe mit dem des Wageninnern. Durch diese einfache Bauart ist nicht nur an Gewicht gespart, sondern es sind auch jedwede Winkel und Ecken vermieden, in denen sich Schmutz ansammeln kann. Die Reinigung der Wagen ist hierdurch wesentlich erleichtert.

Besondere Beachtung verdient die Befestigung der Wagenkästen auf den Untergestellen, die einen Radstand von 3,65 m besitzen. Der Wagenkasten ist nämlich nicht in der üblichen Weise auf der ganzen Länge der Seitenträger des Untergestelles gelagert; vielmehr sind an den Untergestellenden in der Mitte gleichsam zwei Drehpunkte geschaffen, indem fünf Paar elliptischer Federbündel sowohl am Untergestell als auch an einem unter dem Wagen sitzenden Mittelträger befestigt sind. Diese Anordnung ermöglicht eine seitliche Verschiebung des Wagenkastens gegenüber dem Untergestell um 300 mm, die durch je zwei Paar in der Mitte des Wagens zwischen den Seitenträgern des Untergestelles und dem Wagenkasten sitzender gleichfalls elliptischer Blattfederbündel begrenzt wird.

Schließlich erfolgt das Anlegen der Bremsklötze an die Räder nicht mittels einer Hebelübersetzung, sondern durch eine hydraulische Kraftübertragung. Der Führer muß hierbei zum Bremsen mittels eines Hebels den Kolben einer Pumpe bewegen, durch die Druckwasser den je einen Bremsklotz steuerden Bremszylindern zugeführt wird. Zum Lösen der Bremse wird das Druckventil der Pumpe mittels des Bedienungshebels angehoben. Ein Clorkalziumzusatz zu dem Betriebswasser soll ein Einfrieren der Bremse verhindern. Das Gesamtgewicht des Wagens beträgt 10,2 t, so daß auf einen Sitzplatz der geringe Betrag von 270 kg kommt. Die Wagen wurden von der Barber Car Company in York, Pa gebaut. (Electric Railway Journal, 1900 Bd. 1 S. 37–38.)

Pr.

Durchbiegung der Eisenbetonträger.

Bei Trägern aus homogenem Stoff kann die Durchbiegung als Maß für die Güte des Bauwerkes ohne weiteres angesehen werden. Hierbei ist zu beachten, daß die Durchbiegung an irgend einer Stelle der Ausdruck des statischen Zustandes sämtlicher vorhandener Querschnitte ist. Solange, wie bei Eisen, der Elastizitätsmodul E konstant ist, lassen sich die erforderlichen Integrationen leicht ausführen. Bei Beton ist E schon innerhalb der zulässigen Spannungen veränderlich und für Zug und Druck verschieden, außerdem ist E von der Herstellung und dem Alter des Betons abhängig, so daß die Einführung eines Mittelwertes von E zu Vereinfachung der Rechnung nur eine rohe Annäherung ist. Bei Eisenbetonträgern wirkt der Beton auf Zug nur |334| bis zur Erschöpfung der Zugfestigkeit mit; dann übernehmen die Eiseneinlagen allein die ganzen Zugspannungen. Ferner beeinflußt die Sicherung der Verbundwirkung am Auflager die Bruchlast eines Eisenbetonträgers in hohem Maße. Es ist unmöglich alle diese Umstände, die die Durchbiegung beeinflussen, mit ausreichender Genauigkeit in einer Formel zum Ausdruck zu bringen. In der Regel bleibt die gemessene Durchbiegung hinter der unter vereinfachenden Annahmen (konstantes E, Verzicht auf Betonzugspannungen) berechneten zurück. Es ist daher nur möglich, aus der gemessenen Durchbiegung auf die Sicherheit des Bauwerkes zu schließen, wenn man den ganzen Verlauf der Durchbiegungen und die Art ihrer Steigerung bei Vergrößerung der Belastung betrachtet.

Hierzu wird zweckmäßig das Durchbiegungsdiagramm, Schaulinie vom Verlauf der Durchbiegung mit wachsender Belastung, benutzt.

Diese Schaulinie zerfällt in drei Abschnitte. Solange der Beton auf Zug mitwirkt, erhält man eine zur Kräfteachse flach geneigte Gerade. Nach Ueberwindung der Betonzugspannungen wird die Biegungslinie gekrümmt und mit einer ausgesprochenen Richtungsänderung steiler. Nähert sich der Träger dem Bruche, so schließt sich unter nochmaliger Richtungsänderung eine noch steilere, fast senkrechte Gerade an. Im ersten Abschnitt kommt der Prozentsatz der Bewehrung kaum zum Ausdruck, da die Aufnahme der Zugspannungen durch das Eisen nur gering ist. Dagegen tritt die erste Richtungsänderung um so früher ein, je schlechter und jünger der Beton ist. Die zweite Richtungsänderung tritt um so eher ein, je schwächer die Bewehrung ist, Das Eintreten dieser Richtungsänderungen ist ein Maßstab für die Sicherheit der Konstruktion. Daher kann man aus den Durchbiegungslinien die Einflüsse der Bewehrung und der Sicherung der Verbundwirkung auf die Güte und Sicherheit der Eisenbetonbauten beurteilen, während die absolute Größe einer Durchbiegung noch keinem Maßstab für die Beurteilung einer Konstruktion bildet. (Kleinlogel) [Beton und Eisen 1908. S. 398–399, 1909 S. 22–24 und 32–34].

Dr.-Ing. Weiske.

Das Gießen von Ton.

Nach dem Verfahren von Dr. Weber wird Ton, der zum Gießen von Glashäfen bestimmt ist, durch Zusatz einer kleinen Menge Soda verflüssigt1). Ueber diesen merkwürdigen Einfluß von Alkali bringt ein Vortrag, den Dr. G. Keppeler im Hannoverschen Bezirksverein Deutscher Chemiker hielt, neue wertvolle Tatsachen.

Die keramische Masse wird, um in Gipsformen gegossen zu werden, mit soviel Wasser versetzt, daß eine dicke Suppe entsteht, der sogenannte „Schlicker.“ Die poröse Form saugt Wasser an, die Tonmasse setzt sich an die Wandung und bildet einen immer dicker werdenden Scherben. Ist der Scherben stark genug, so wird die noch übrige Flüssigkeit ausgegossen. Nach einiger Zeit kann der Guß aus der Form genommen werden.

Der Schlicker darf, wenn er brauchbar sein soll, nicht absetzen. Wie bei allen Suspensionen feinster Teilchen bzw. kolloiden Lösungen wirken kleine Mengen von Elektrolyten teils ausflockend, teils erhöhen sie die Beständigkeit der Aufschlämmung. Säure flockt aus, Alkali hält im allgemeinen in Lösung. Aber Kaolin wird von 1/20 normaler Alkalilauge bald ausgeflockt, während fetter Steingutton bei diesem Zusatz wochenlang in der Schwebe bleibt. Dieser auffällige Unterschied hängt von der Konzentration des Alkali ab: 1/1000 normales Alkali hält, auch den Kaolin in Suspension, starke Alkalilauge (doppelt normal) flockt auch den fetten Steingutton aus.

Der Schlicker muß ferner wasserarm sein, damit die Gipsform nicht zu naß wird und mehrere Male nacheinander gebraucht werden kann. Je weniger Wasser der Schicker enthielt, um so weniger enthält auch der Scherben und um so geringer schwindet er. Je geringer die Schwindung, um so kleiner die Gefahr, daß der Guß Risse bekommt.

Der Wassergehalt den ein Ton nötig hat, um gießbar zu sein, ist je nach der Tonart sehr verschieden; für denselben Ton ändert er sich bedeutend je nach der zugesetzten Alkalimenge. Eine steife Paste von fettem Steingutton wird durch einige Kubikzentimeter Natronlauge dünnflüssig, währe eine steife Paste von Kaolin durch die gleiche Laugenmenge gar nicht verändert wird. Keppeler hat für eine Anzahl von Tonen die Alkalikonzentration festgestellt, bei der man möglichst wenig Wasser zum Anrühren braucht.

Flockt man die Suspension von Steingutton durch Zusatz von viel Alkali aus, so steht über dem niedergefallenen Ton eine braune Lösung, die Humussäure enthält. Dieser Gehalt an Humussäure bedingt den oben dargelegten Unterschied, den Steingutton gegenüber dem Kaolin zeigt. Bringen wir Humussäure zum Kaolin, so bleibt dessen Aufschlämmung auch gegen 1/20 normales Alkali beständig; die Paste von Kaolin, die durch Alkali allein nicht flüssig wurde, zergeht nach Zusatz von Humussäure zu einer dünnen Flüssigkeit. Man kann also durch diesen Zusatz auch aus Kaolin einen wasserarmen, gießbaren Schlicker herstellen.

Nunmehr kann man jeden Ton zum Gießverfahren benutzen und auch sehr große Stücke aus grobem Material gießen.

Fällt man die Humussäure durch Zusatz von Kalksalzen und Säuren aus, so wird der Schlicker steif.

Durch geeigneten Zusatz von Humussäure kann auch die Plastizität der Tone wesentlich erhöht werden. (Zeitsch. f. angewandte Chemie 1909, S. 526–527.)

A.

Wasserkraft-Elektrizitätswerk der Société des Forces Motrices de la Vis bei Madieres (Hérault).

Die Société des Forces Motrices de la Vis nutzt in ihrem Kraftwerk bei Madières ein Gefälle von 107 m Höhe aus, welches auf dem 10 km langen Unterlauf des Flusses Vis unmittelbar vor seiner Einmündung in den Fluß Hérault gewonnen wird. Das Stauwerk aus gewöhnlichem Mauerwerk ist außerordentlich einfach gebaut und ruht auf einem ungefähr 5 m hohen und 4 m dicken Block aus Beton, der an beiden Seiten durch Spundwände gesichert ist. Die Krone des Staudammes liegt nur 0,95 m über dem mittleren Wasserspiegel. Das angestaute Wasser wird durch einen etwa 10 km langen Triebwerksgraben fortgeleitet, welcher mit rechteckigem Querschnitt von 2 m Breite und 1,6 m Höhe angelegt ist und auf etwa 3700 m Länge in den Kalkfelsen tunnelartig eingesprengt ist, wobei der längste Tunnel 450 m lang ist. Der Triebwerkskanal ist an 2 Stellen mit Ueberfallwehren versehen und mündet in ein ebenfalls in den Felsen ausgesprengtes, als Staubecken dienendes Wasserschloß, dessen Inhalt 11000 cbm beträgt, derart, daß durch Absenken des Wasserspiegels um 5 m eine zusätzliche Wassermenge von 1000 ltr. i.d. Sekunde, entsprechend einer zusätzlichen Leistung von 1000 PS im Kraftwerk, 3 Stunden lang |335| verfügbar gemacht werden kann. Vom Wasserschloß gehen 2 Druckleitungen von je 1200 mm Weite ab, deren Teile aus Stahlblechen in den Längsnähten doppelt, und in den Rundnähten einfach genietet sind. Die Leitungen sind an der Stelle, wo sie nach abwärts umbiegen, mit Standrohren aus Eisenbeton versehen, die dazu bestimmt sind, Druckschwankungen auszugleichen. An ihren unteren Enden sind die Druckleitungen mit Absperrschiebern versehen und münden in einen zylindrischen Sammler von 1,75 m , aus welchem Wasser von 3 Atmosphären Druck für verschiedene Zwecke, unter anderem auch für die Wasserversorgung des Ortes Madières entnommen wird. Von dem Sammler sind 5 Leitungen zum Betrieb der 5 großen Maschinengruppen sowie 2 Leitungen für den Betrieb der Erregergruppen abgezweigt. Die großen Turbinen, die je 1000 PS bei 500 Umdrehungen i.d. Minute und 105 m Rohgefälle leisten, sind Francis-Turbinen, deren Saugrohre bis in das 5 m tiefer gelegene Unterwasser tauchen, und auf diese Weise auch den Rest des verfügbaren Gefälles ausnutzen. Die beweglichen Leitschaufeln dieser Turbinen werden mit Hilfe eines Servomotors mit mechanischem Antrieb so eingestellt, daß die Geschwindigkeitsänderung bei plötzlicher Entlastung 12% nicht übersteigt. Um Stöße in den Druckleitungen zu verhindern, öffnet sich gleichzeitig mit dem schnellen Schließen des Regulators ein Hilfsventil, welches das Druckwasser ableitet, sich aber nach kurzer Zeit unter der Wirkung eines Bremskolbens wieder schließt. Die wagerechten Wellen der Turbinen sind mit schweren Schwungrädern versehen und mit Drehstromdynamos von 3000 Volt Spannung gekuppelt. Für Erregerzwecke sind 2 Pelton-Turbinen von je 120 PS vorhanden, die Gleichstromdynamos von je 80 KW und 110 Volt mit 575 Umdrehungen i.d. Minute antreiben. Der erzeugte Strom wird in 3 Batterien, bestehend aus je drei 500 KVA-Transformatoren in Sternschaltung, auf 33000 Volt Hochspannung gebracht und dem Umformerwerk Sommières zugeführt, welches dem Verteilnetz der Société du Sud-Electrique angehört. (Berthou) [Le Génie Civil 1908/09 S. 193 bis 198.]

H.

Vorrichtung zum Messen der Wassertiefe in Flußläufen usw.

Die von der Firma Julius Pintsch in Berlin ausgeführte, sehr einfache Vorrichtung beruht auf der Messung des hydrostatischen Druckes. Wie die Fig. 1 erkennen läßt, besteht die ganze Einrichtung aus einem kleinen, mit Wasser teilweise gefüllten Windkessel W, an welchen eine Luftpumpe P für Handbetrieb, sowie ein durch ein Gitter gegen Beschädigungen geschütztes Manometer M angeschlossen ist. Vor Ingebrauchnahme des Gerätes wird in den Windkessel durch die Oeffnung c Wasser eingegossen, bis es bei der Schraube b austritt. Nachdem diese beiden Stellen wieder fest verschraubt worden sind, wird ein zu dieser Vorrichtung gehörender, gegen Einknicken und Zusammendrücken sicherer Schlauch bei d angesetzt, dessen freies, mit einem Rückschlag-Lippenventil versehenes Ende in das zu untersuchende Wasser hinabgelassen wird, bis es mit Sicherheit am Grunde angelangt ist. Ein ähnliches Rückschlagventil wie am Ende des Schlauches ist das Druckventil a der Luftpumpe, welches in den Windkessel W hineinragt, während das entsprechende Saugventil sich in der Mitte des mit einer Ledermanschette f versehenen Luftpumpenkolbens e befindet. Man drückt nun mit Hilfe der Pumpe Luft in den Windkessel und in den damit verbundenen Schlauch. Diese Luft wird so lange im Schlauch eingeschlossen bleiben und zur Erhöhung des Druckes darin beitragen, bis der Druck genügend groß geworden ist, um den hydrostatischen Druck zu überwinden, welcher auf dem Ventil am Ende des Schlauches unten auf dem Grunde des Wassers lastet. Ist diese Grenze erreicht, so steigt der Luftdruck, welcher an dem Manometer abgelesenwerden kann, gar nicht mehr, sondern alle noch später eingepumpte Luft entweicht wieder am Ende des Schlauches und steigt in Blasen zur Oberfläche. Aus dem abgelesenen Manometerdruck kann man durch einfaches Vergleichen der Ablesungen bei bekannten Wassertiefen die zu ermittelnde Tiefe sofort bestimmen. Solange alles dicht bleibt, kann man mit dieser Vorrichtung auch länger andauernde Tiefenmessungen ausführen, denn sinkt der Wasserspiegel, so entweicht ein Teil der gepreßten Luft aus dem Schlauch solange, bis wieder Gleichgewicht herrscht, und das Manometer zeigt einen veränderten Druck, entsprechend der veränderten Wassertiefe an. Bei zunehmender Wassertiefe hingegen muß so lange nachgepumpt werden, bis der Zeiger des Manometers nicht mehr steigt. Natürlich hängt die Zuverlässigkeit des Meßgerätes von der Dichtheit aller Teile ab, die aber, da es sich um eine sehr einfache Einrichtung handelt, nicht schwer zu errreichen sein dürfte.

Textabbildung Bd. 324, S. 335

H.

Wasserkraft-Elektrizitätswerke in den Vereinigten Staaten im Jahre 1908.

Die Entwicklung und Ausnutzung der Wasserkräfte durch Anlage von Elektrizitätswerken bildet einen Hauptteil der Ingenieurwerke in den Vereinigten Staaten. Von den zahllosen in verschiedenen Stufen des Entstehens oder des Baues befindlichen Anlagen seien hier einige angeführt. Die Anlage am Stanislaus River in Kalifornien, die sich der Vollendung nähert, arbeitet mit einer Oberwasser-Zuleitung von 19200 m Länge, die größtenteils als hölzernes Gerinne und auf 1600 m Länge als in den Felsen eingesprengter Kanal ausgeführt ist und mit Hilfe einer stählernen Druckleitung zum Kraftwerk ein Nutzgefälle von 457 m Höhe liefert. Das Maschinenhaus enthält 6 Peltonturbinen, welche paarweise mit einem Drehstromdynamo von 6700 KW Leistung bei 4000 Volt Spannung gekuppelt sind. Die Fernleitung ist 160 km. lang und auf eisernen Masten von 240 m Abstand verspannt. Eine andere Anlage, welche mit einem Nutzgefälle von 610 m arbeiten soll, ist die bei Centerville, ebenfalls in Kalifornien, welche durch eine Francisturbine mit dem außergewöhnlich hohen Nutzgefälle von 172,5 m, bei einem Abstand von 180 m zwischen Ober- und Unterwasserspiegel, bemerkenswert ist. Die Turbine entwickelt 9700 PS bei 400 Umdrehungen i.d. Minute und treibt einen Drehstromerzeuger von 5500 KW Leistung an. Das gleiche Kraftwerk enthält ferner ein Tangential-Schaufelrad, welches mit 176 m Nutzgefälle arbeitet und bei 1500 PS Leistung mit einem Stromerzeuger von 900 KW gekuppelt ist. Besondere Durchbildung erfordern bei den erwähnten Kraftwerken mit so hohen Gefällen die Einrichtungen für den Schutz der |336| Druckleitungen gegen Stoße bei der Regulierung. Aber auch kleine Gefälle werden in den Vereinigten Staaten vielfach ausgenutzt. Das neueste Kraftwerk dieser Art ist das bei Berrien Springs, mit 6,1 m. Gefälle, die vierte Wasserkraftanlage am St. Joseph River. Das Gefälle wird durch einen 533 m langen Staudamm geschaffen, welcher teilweise aus Stampfbeton, teilweise aus Erdreich aufgeführt ist. Außer einem Ueberfallwehr enthält der Staudamm 6 Tainter-Rollschützen für den Durchlaß der Hochwassermengen. Die wagerechten Wellen jedes der Stromerzeuger von 1800 KW Leistung, 2300 Volt Spannung und 60 Perioden i.d. Sekunde sind durch Stopfbüchsen nach den Turbinenkammern verlängert und tragen hier je 4 Paare von Leffel-Turbinenlaufrädern von 1143 mm . Auch die Inland Empire Electric Railway besitzt eine Niederdruckwasserkraftanlage für 18,3 m Nutzgefälle, welche eine 208 km lange Oberleitung ihrer Ueberlandbahn mit einphasigem Wechselstrom speist. Der aus Granitbruchstein und Zement gemauerte Staudamm dieses Kraftwerkes, welcher zu einem Teil von dem Maschinenhaus selbst gebildet wird, liefert Kraftwasser für 2 Maschinengruppen, bestehend aus je 4 Turbinenrädern von 1067 mm 0 mit wagerechten Wellen, welche bei 183 m Gefälle und 240 Umdrehungen i.d. Minute je 6850 PS leisten und Westinghouse-Drehstromerzeuger von 3750 KW, 2200 Volt und 60 Perioden i.d. Sekunde antreiben.

Die meisten großen Wasserkraftanlagen finden sich im westlichen Teil der Vereinigten Staaten, doch schreitet auch im östlichen Teil die Entwicklung ständig vorwärts, umso mehr, als die Kohlenpreise in den letzten 10 Jahren um etwa die Hälfte gestiegen sind. Zu den Werken im Osten der Vereinigten Staaten wäre dasjenige in Vermont am Connecticut-River zu rechnen, welches 1600 P.S. leistet und Hochspannungsstrom von 70000 Volt auf Entfernungen bis zu 96 km überträgt. Die Fernleitungen sind auf einem von der Gesellschaft angekauften, 30,5 m breiten Landstreifen mit Hilfe von eisernen Leitungsmasten errichtet. In Verbindung mit den Wasserkraftwerken auf dem Kanadischen Ufer der Niagara-Fälle ist beschlossen worden, eine Hochspannungsleitung nach Toronto und Montreal, das heißt auf eine Entfernung von 480 km. zu errichten. Die Leitung soll auf Kosten der Regierung mit einem Aufwand von etwa 5080000 M. ausgeführt werden, während die Anlage von Umformerwerken und Verteilnetzen den mit Strom versorgten Ortschaften überlassen bleiben soll. Störungen durch Blitzschläge haben sich insbesondere bei der über hohe Berge hinweggeführten Fernleitung der Animas Power Company in Colorado ergeben, doch sind Betriebsstörungen des Werkes durch Verwendung von Aluminium-Zellen sowie von elektrolytischen oder Flüssigkeits-Blitzschutzeinrichtungen vermieden worden. Die beiden Fernleitungen dieser Gesellschaft, von welchen die eine 40 km lang ist und 45 000 Volt Hochspannung führt, die andere bei 96 km Länge 17000 Volt überträgt, überschreiten allerdings Bergrücken von 2750–3960 m Höhe über dem Meere. (The Engineer 1909, I, S. 78.)

H.

|334|

Dinglers polytechn. Journal 1906, Bd. 321, S. 462.

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