Titel: Rationelle Fabrikation von Hebezeugen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1909, Band 324 (S. 545–549)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj324/ar324167

Rationelle Fabrikation von Hebezeugen.

Von Dr.-Ing. Otto Schaefer-Hamburg.

Die Entwicklung- der Technik vollzieht sich in zwei Richtungen. Einerseits geht das Streben dahin, die bislang erreichten Leistungen an Großartigkeit immer wieder zu übertreffen, wobei nur an die Dimensionen der Schiffe, der Brücken und Tunnels, der Hafenkrane, an die Geschwindigkeiten der Eisenbahnen und Schiffe, und schließlich an die „Eroberung der Luft“ erinnert werden mag. Anderseits veranlaßt der Wunsch, die schon bekannten und gebräuchlichen Maschinen besser und billiger herzustellen, erneute Anstrengungen, deren Erfolge wohl für den Laien weniger augenfällig sind, aber auf die wirtschaftliche Entwicklung um so einschneidender wirken.

Als Hilfsmittel für die Verbilligung dienen die Arbeitsteilung und die verschiedenen Konstruktions- und Herstellungsweisen, welche man unter dem Stichwort „Massenfabrikation“ zusammenzufassen pflegt. Bei Massenfabrikation in diesem Sinne ist es nicht erforderlich, daß die Anzahl der hergestellten gleichen Teile sehr groß ist, vielmehr treten die Vorteile oft schon bei zwei gleichen Stücken auf, da die Herstellung der beiden Stücke unmittelbar nacheinander oder gleichzeitig infolge der nur einmal erforderlichen Zeichnung, Aufspannvorrichtung, Ueberlegung über die Art der Bearbeitung- usw. billiger wird als die Einzelherstellung. Man kann also streng genommen schon bei zwei gleichen Stücken von „Massenfabrikation“ reden. Bei größeren Gegenständen, wie den hier zu betrachtenden normalen Werkstatt- oder Hafenkranen kann von einem Bedarf der ganzen Krane in großer Menge kaum je die Rede sein, wohl aber kann es dem Konstrukteur gelingen, die Einzelteile, wie Lager, Kupplungen, Zahnräder, Schneckentriebe usw. so zu entwerfen, daß gleiche Stücke für verschiedenartige Krane Verwendung finden, und deshalb in Massen hergestellt und auf Vorrat gelegt werden können.

Als Grundlage jeder Fabrikation ist das Meßsystem in der Werkstatt anzusehen. Da man im Kranbau die blankgezogenen, komprimierten Wellen sehr viel benutzt, die in verschiedenen Durchmessern und mit gewissen, ziemlich engen Toleranzen erhältlich sind, so ist es zweckmäßig, ein Grenzlehrensystem mit besonderer Berücksichtigung dieser Wellen aufzustellen. Aus Fig. 1 ist ersichtlich, welche Toleranzen für die Bohrungen und Wellen bei den verschiedenen Zwecken Laufsitz, Schiebesitz und Preßsitz zugelassen sind. Eine Welle von 70 mm darf danach höchstens 70 + 0,013 mm und muß mindestens 70 – 0,012 mm stark sein. Der Durchmesser einer Bohrung, die mit Preßsitz auf dieser Welle sitzen soll, muß zwischen 70 + 0,02 mm und 70 – 0,025 mm liegen. Bei Schiebesitz müßte dieser Durchmesser zwischen 70 + 0,006 mm und 70 + 0,02 mm, bei Laufsitz zwischen 70 + 0,12 mm und 70 + 0,06 mm liegen. Die Maßnahme, daß das Maximum beim Preßsitz (70 + 0,02 mm) mit dem Minimum für Schiebesitz zusammenfällt und das Maximum für Schiebesitz (70 + 0,06 mm) mit dem Minimum für Laufsitz ist getroffen, weil man an den teuren Meßwerkzeugen sparen wollte.

Textabbildung Bd. 324, S. 545

Die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Arten des Sitzes ist nicht scharf, vielmehr kann es vorkommen, |546| daß zwei für Preßsitz gearbeitete Teile, wenn die Welle 70 – 0,012 mm und die Bohrung 70 + 0,02 mm messen, leichter gehen als zwei für Schiebesitz bestimmte, bei denen zufällig die Welle 70 + 0,013 mm und die Bohrung 70 + 0,02 geworden ist. Im Durchschnitt ist trotzdem gewährleistet, daß bei Preßsitz die Bohrung kleiner als die Welle ist, daß bei Schiebesitz die Bohrung um etwa 0,04 mm und bei Laufsitz um etwa 0,08 mm größer als der Wellendurchmesser ist.

Zur Anwendung kommen:

der Preßsitz für nicht zu lösende Verbindung (Zahnrad auf Laufradnabe),

der Schiebesitz für Teile, die vor dem Aufkeilen um größere Strecker; verschoben werden müssen oder die das Aufpressen nicht vertragen würden (Zahnräder in der Mitte von Transmissionswellen, Kupplungs- und Bremsscheiben),

der Laufsitz für betriebsmäßig sich bewegende Teile (Lager, auf festen Achsen laufende Räder).

Zur Prüfung der für die Messung der Wellen erforderlichen Rachenlehren dienen besondere Kontrollkaliber; zur Prüfung der für die Bohrung nötigen Kaliber dienen Kontrollehren. Kontrollkaliber und -lehren dürfen in der Werkstatt überhaupt nicht benutzt werden, sondern dienen nur zum Gebrauch durch den Meister bei der Prüfung der auszugebenden Meßwerkzeuge.

Textabbildung Bd. 324, S. 546
Nummer I II III IV V VI VII
Lagerbohrung mm 30 40 55 70 85 100 120
Lagerlänge A mm 40 60 80 100 120 140 170
Fußbreite B mm 30 45 65 80 100 120 150
Fußschraubendurchmesser C Zoll ½ 8/4 1 1⅛ 18/8
Baulänge D mm 140 180 230 280 340 400 460
Baulänge E mm 180 230 280 340 400 450 520
Baulänge F mm 230 280 340 400 460 520 600

Nur hierdurch kann auf die Dauer eine solche Genauigkeit gewährleistet werden, daß Teile, die zu verschiedenen Zeiten und völlig unabhängig voneinander bearbeitet sind, ohne jede Schwierigkeit, vor allem ohne jede Nacharbeit zueinander passen. Um die Zahl der Meßwerkzeuge nach Möglichkeit zu beschränken, sind nur die in Fig. 1 angegebenen Durchmesser zugelassen. Gleichzeitig ist hierdurch die Zahl der ebenfalls kostspieligen Bohrer und Reibahlen gering gehalten.

Nachdem die zulässigen Durchmesser festgelegt sind, liegt es nahe, auch die zur Befestigung von Rädern dienenden Keile nach Größe, Anzahl und Lage für jeden Durchmesser zu bestimmen. Die bei der Befestigung von Achsen verwendeten Riegel sind ebenfalls von vornherein vorgeschrieben. Für den Konstrukteur ist eine solche Maßnahme sehr bequem, weil er des Nachdenkens über lästige Kleinigkeiten überhoben ist, wichtiger ist sie für die Werkstatt, weil diese sich einen Vorrat der Riegel und Keile anlegen kann und dabei sicher ist, ihn stets wieder verwenden zu können..

Die Lager für die Wellen sind je nach ihrem besonderen Zweck verschieden ausgebildet. Die einfachste Art sind die Froschlager, die im allgemeinen nur für untergeordnete Zwecke benutzt werden. Häufig ist es zur Erleichterung des Ein- und Ausbaues der Welle erforderlich, geteilte Lager – Lager mit abnehmbarem Deckel – zu verwenden. Bei langen Transmissionen wie denen der Kranfahrwerke bei Laufkranen, muß den Wellen eine gewisse Beweglichkeit gestattet werden, die mit Hilfe von sich selbst einstellenden Lagerschalen – Lager mit Kugelbewegung – erreicht wird. Besonders die Montage wird durch Verwendung dieser Lager sehr erleichtert, da sich nur ihr Mittelpunkt in der richtigen Höhen- und Seitenlage zu befinden braucht, während die Achse des Lagers sich von selbst richtig stellt. Diese drei Arten von Lagern sind in verschiedenen Größen, wie Fig. 2 zeigt, ausgeführt, wobei darauf Rücksicht genommen ist, daß einerseits nicht zu viel Modelle erforderlich sind, anderseits der Sprung von einer Große zur nächsten nicht zu bedeutend wird. Werden die Stufen zu weit gewählt, so muß man häufig ein übermäßig starkes Lager verwenden, weil die nächst kleinere Nummer gerade nicht mehr reicht. Nimmt man die Stufen zu eng, so überwiegen die Nachteile wie: viele Mooelle, viele Bohrschablonen, großer erforderlicher Vorrat, Unübersichtlichkeit.

Die Entscheidung über den zulässigen Lagerdruck darf nicht dem Konstrukteur überlassen bleiben, sondern muß ein für allemal gegeben sein, z.B. in Form eines Diagrammes (Fig. 3). Die Benutzung dieser Diagramme erfolgt in der Weise, daß der Konstrukteur den nach Größe und Richtung bekannten Lagerdruck vom Mittelpunkt M ab in das Diagramm unter Beachtung des angegebenen Maßstabes einzeichnet. In Fig. 3 ist eine unter 45° nach oben wirkende Kraft von 4 t angenommen, welche, wie man sieht, den durch die Diagrammlinie begrenzten zulässigen Wert noch nicht erreicht. Das Bohren der Löcher für die Fuß- und Deckelschrauben geschieht mit Hilfe fester Schablonen, welche ein Anreißen überflüssig machen und außerdem Gewähr bieten, daß man für ein etwa auszuwechselndes Lager ein beliebiges, auf Vorrat liegendes, ohne Schwierigkeit einbauen kann.

Die übrigen, häufiger wiederkehrenden Maschinenteile, wie Wellenkupplungen, elastische Kupplungen, Zahnräder, Bremsscheiben sind nach ähnlichen Gesichtspunkten durchkonstruiert. Ihre nähere Betrachtungwürde daher hier, wo es sich gerade um die Klarstellung der Gesichtspunkte handelt, nichts Neues bieten, wohl |547| aber mag ein Maschinenteil, genauer eine sich immer wiederholende Zusammenstellung- von Einzelteilen, noch erwähnt werden, weil er einen entscheidenden Einfluß auf die Bauart der ganzen Laufkatzen ausübt, nämlich der Schneckentrieb. Dieser besteht aus einem Gehäuse, das die Trag- und Spurlager für die Schnecke und die Schneckenradwelle in sich vereinigt. Mit zwei Größen dieser Gehäuse, der einen vorwiegend für Hubwerke, der andern für Katzfahrwerke, beherrscht man fast das ganze Gebiet des Kranbaues, da nur die Fälle, wo hohe Umdrehungsgeschwindigkeit der Trommel bei langsam laufendem Motor verlangt wird, ausgeschlossen sind. Trotz der unveränderlichen Entfernung von Schnecke und Schneckenradwelle ist es möglich, sämtliche Uebersetzungen von 1 : 6 bis 1 : 120 zu erzielen, allerdings unter Verzicht auf die gebräuchlichen Teilungen in Schneckenrad und Schnecke. Dadurch, daß die Veränderung der Uebersetzung zwischen Motor und Seiltrommel in den Schneckentrieb verlegt wird, ist es ermöglicht, alle andern Uebersetzungen, wie Unterflasche und Zahnrädervorgelege, für eine Laufkatze von bestimmter Tragkraft konstant zu lassen, also die ganze Laufkatze mit Ausnahme der Schnecke und des Schneckenrades auf Vorrat zu arbeiten und später bei Bestellung doch jede beliebige Geschwindigkeit zu erzielen. Ferner kann man sich natürlich damit begnügen, die einzelnen Teile, Stahlgußräder, Unterflasche, Kupplungen, Lager, Wellen auf Vorrat herzustellen oder doch, was bei Stahlguß zeitweilig äußerst wichtig ist, frühzeitig auswärts in Auftrag geben.

Textabbildung Bd. 324, S. 547

Da nun die Lager und Schneckentriebe stets an dieselbe Stelle des Katzenrahmens zu sitzen kommen, so liegt es nahe, diesen zur Aufnahme jener Teile besonders vorzurichten und zwar geschieht dies durch Aufnieten von Unterlagen, die nachher behobelt werden. Dadurch, daß der ganze Rahmen auf die Hobelmaschine genommen wird und alle Stellen für Lager derselben Welle ohne Umstellen gehobelt werden, ist ausreichende Genauigkeit gewährleistet, so daß jede Anpaßarbeit beim Aufsetzen der ja ebenfalls genau gearbeiteten Lager vermieden ist.

Bei oberflächlicher Betrachtung der Tabelle Fig. 2 oder einer in gleicher Weise für andere Maschinenteile aufgestellten Tabelle könnte es scheinen, als ob alle Teile derselben Gattung, z.B. alle Froschlager geometrisch ähnlich wären, da doch dieselbe Figur für alle Größen gilt. Wenn man jedoch bedenkt, daß bei einer Vergrößerung der linearen Abmessungen auf das Doppelte, die Flächen auf das Vierfache und die Eigengewichte auf das Achtfache steigen, so erkennt man leicht, daß geometrische Aehnlichkeit nicht allgemein bestehen kann. Auf den Begriff der „mechanischen Aehnlichkeit,“ welche in derartigen Untersuchungen an Stelle der geometrischen Aehnlichkeit tritt, soll hier nicht eingegangen werden. (Näheres findet sich in Föppl, Vorlesungen über technische Mechanik, 2. Aufl., Bd. IV., S. 349.) Vernachlässigt man das Eigengewicht der Lager gegenüber den äußeren Kräften, so ergibt sich, daß dann der Theorie nach geometrische Aehnlichkeit bestehen müßte, daß also versucht werden kann, aus den Abmessungen eines Lagers für beispielsweise 70 mm Bohrung die entsprechenden Abmessungen von Lagern für die Bohrungen d = 30, 40, 55, (70), 85, 100, 120 herzuleiten1).

Textabbildung Bd. 324, S. 547

Dann ist die Aufstellung der Lagerlängen A ohne weiteres möglich, da sie proportional den Durchmessern d genommen werden können, indem man d : A konstant setzt. Kleine Abweichungen entstehen auch hier schon, denn man wird natürlich für A runde Zahlen haben wollen und auf genau konstanten Wert von d : A, der nur auf dem Papier steht, weniger Gewicht legen. Immerhin sind diese Abweichungen, welche bald positiv, bald negativ sind, nur gering, so daß beim Auftragen von d und A als Koordinaten in Fig. 4 doch eine angenäherte Gerade entsteht, die durch den Nullpunkt hindurchgeht. Bei Bestimmung der Fußbreite B des Lagers ist zu bedenken, daß es einerseits für die Standfestigkeit vorteilhaft ist, wenn der Fuß breit ist, daß aber mit Rücksicht auf die Bearbeitung B kleiner als A sein muß. Wegen der Ungenauigkeit des rohen Abgusses muß der Unterschied zwischen A und B bei größeren Lagern größer sein als bei den kleineren, jedoch braucht ein Wert von 20 mm – 10 mm an jeder Seite – auch bei den größten Lagern nicht überschritten zu werden. Wie aus der Tabelle zu Fig. 2 ersichtlich, ist der Unterschied A-B bis zum Lager No. IV zu 20 mm angenommen, dann folgt ein Unterschied von 15 mm, bei dem kleinsten Lager kommt man mit 10 mm aus. Damit ist nun die Proportionalität zwischen A und B und somit auch zwischen A und d aufgegeben. Da man für große wie kleine Lager dieselbe Flächenpressung k kg/qcm zuläßt, so ist der Lagerdruck P gleich k . d . A, also P proportional d2. Macht man nun den Querschnitt der Befestigungsschrauben abhängig von P, so ergibt sich, daß der Durchmesser G dieser Schrauben proportional d sein muß. Trägt man also C und d als Koordinaten auf, so muß man eine Gerade erhalten. Fig. 4 zeigt, daß trotz der Abweichungen, die dadurch bedingt sind, daß die Schraubendurchmesser nach dem üblichen Whitworth-System gewählt wurden, im großen und ganzen allerdings eine Gerade erreicht wurde, aber die Gerade liegt nicht so, daß sie durch den Nullpunkt geht. Bedenkt man nämlich, daß durch kräftiges Anziehen der Schraubenmuttern seitens des Arbeiters kleine Schrauben stärker beansprucht werden als große, so erscheint es berechtigt, |548| die kleinen Schrauben relativ stärker zu wählen. Also auch zwischen C und d herrscht keine Proportionalität.

Textabbildung Bd. 324, S. 548

Eine strenge Durchführung des Prinzips der Aehnlichkeit ist also unmöglich und doch erweist sich der Versuch als nützlich. Denn erstens wurde der Konstrukteur gezwungen, sich Rechenschaft darüber abzulegen, warum er von den theoretischen Werten abwich, und zweitens sind die aufgestellten Kurven nicht wertlos. Eine falsch gewählte Abmessung würde sich nämlich bei der Auftragung unbedingt bemerkbar machen und eine genaue Kontrolle hervorrufen – ein Vorteil, der nicht unterschätzt werden darf. Die Anwendung der Auftragung als Kontrolle bleibt nicht auf die zunächst aus d entwickelten Abmessungen beschränkt, sondern es zeigt sich, daß auch solche Abmessungen, die auf recht komplizierte Weise mit d zusammenhängen und auf großen mit Fehlerquellen behafteten Umwegen ermittelt wurden, doch immer wieder auf einer glatt verlaufenden Kurve liegen. Als Beispiele hierfür sind die Baulängen D, E und F in Fig. 4 eingetragen. Die Baulängen eines Froschlagers, eines geteilten Lagers und eines Lagers mit Kugelbewegung gleichen Durchmessers sind natürlich verschieden wegen des Platzes, den die Deckelschrauben und die Kugelschalen beanspruchen. Trotzdem ist es möglich, dieselben Maße bei den verschiedenen Lagerarten wieder zu erreichen, indem die Baulänge eines Froschlagers gleich der Baulänge des nächst kleineren geteilten Lagers und gleich der des übernächsten Lagers mit Kugelbewegung ist. Diese Uebereinstimmung läßt sich freilich nur dadurch erreichen, daß man einigen Lagern eine etwas größere Baulänge gibt, als sie unbedingt haben müßten. Dieser geringen Materialvergeudung steht der Vorteil gegenüber, daß man nur eine Aufspannvorrichtung für drei verschiedene Lager braucht und daß man ferner, da die Entfernungen der Fußschrauben in derselben Weise miteinander übereinstimmen wie die Baulängen, auch nur je eine Bohrschablone nötig hat. Auch ein gelegentlich erforderlicher Ersatz eines Lagers durch ein Lager anderer Bauart läßt sich leichter bewerkstelligen.

Bei ganzen Hubwerken, Fahrwerken und Laufkatzen tritt der Grundsatz der Aehnlichkeit in Widerspruch mit einem andern Grundsatz der rationellen Fabrikation, nämlich dem der Ausnutzung eines bestimmten Elementes für möglichst verschiedene Zwecke. Man könnte aus dem in Fig. 5 dargestellten Hubwerk für 5 t in entsprechender Weise wie bei den Lagern ein solches für 10 t entwickeln, indem man sämtliche Abmessungen vergrößert. Zweckmäßiger ist es jedoch, das Zahrädervorgelege derartig zu ändern, daß der Schneckentrieb derselbe bleiben kann. Die Aehnlichkeit schrumpft dann auf eine gewisse Uebereinstimmung des Aussehens zusammen. Bei Umwandlung dieses Hubwerkes für 10 t in ein solches für 20 t kommt man jedoch mit einem einzigen Zahnrädervorgelege nicht mehr aus, sondern man muß ein zweites hinzunehmen, um den Achsialdruck des Schneckengetriebes auf das zulässige Maß zu beschränken. Auf recht erfolgreiche Weise kann man nun aber die Teile eines 20 t Hubwerkes für ein 40 t Hubwerk verwenden, nämlich durch Einfügung zweier neuer Rollen in die Unterflasche und zweier Rollen als Oberflasche. Seildicke, Trommeldurchmesser, Zahnräder usw. bleiben also gänzlich unverändert, da sie dieselben Kräfte zu übertragen haben. Mit Rücksicht auf die geringere Zahl der Vorratsteile ist dies ein sehr großer Vorteil. Die Frage, warum denn nicht die Umwandlung eines 10 t Hubwerks in ein 20 t Hubwerk auf dieselbe Weise geschah, läßt sich dahin beantworten, daß dann das auf gleiche Art aus dem 20 t Hubwerk entwickelte Hubwerk für 40 t eine außerordentlich lange, verhältnismäßig dünne Trommel und eine sehr unförmliche achtrollige Unterflasche bekommen hätte.

Die hier geschilderte Bauart von Hubwerken erfüllt die Bedingungen, welche man vom Standpunkt der rationellen Fabrikation stellen kann, in hohem Grade. Zunächst kann man die Wünsche der Abnehmer, was Hubhöhe und Geschwindigkeit betrifft, leicht befriedigen. Die einzigen Teile, welche man nicht auf Vorrat legen kann, weil sie mit der Geschwindigkeit wechseln, sind Motoren, Schnecken und Schneckenräder. Die Trommel fällt zwar auch für verschiedene Hubhöhen verschieden lang aus und die Breite der Katzen ist demnach ebenfalls veränderlich. Da aber die Höhen gewöhnlicher Werkstätten nicht allzu verschieden sind, so braucht man nur reichlich lang bemessene Trommeln zu nehmen, um sicher zu sein, daß man die auf Vorrat gearbeiteten bis auf Motoren, Schnecken und Schneckenräder fertigen Laufkatzen später verwenden kann. Natürlich kann es vorkommen, daß man eine Katze mit 10 m Hub liefern muß, wo eine solche für 7 m Hub genügt hätte. Der Preisunterschied ist aber viel geringer als die Vorteile: Arbeit für die Werkstatt in schlechten Zeiten und kurze Lieferfristen.

Eine weitere Ueberlegung ist die, ob die Abstufungen zwischen den verschiedenen Größen richtig gewählt sind, oder, um die Frage gleich an einem bestimmten Beispiel zu erörtern, ob es ratsam ist, zwischen 10 t und 20 t Katze noch eine 15 t Katze einzufügen. Bei Bestimmung der Tragkraft eines neu anzuschaffenden Kranes wird der Betriebsingenieur zu Rate gezogen. Welche Lasten der neue Kran zu heben bekommen |549| wird, kann er meist nicht bestimmt angeben, sondern er wird sich etwa so äußern: „Die größte Last, die wir überhaupt hatten, war 14 t, Lasten von 12 t sind mehrmals dagewesen.“ Häufig wird sich der Abnehmer dann sagen können, daß statt einer Last von 14 t auch eine solche von 16 t oder 18 t auftreten kann, und sich dazu entschließen, einen 20 t Kran zu kaufen, um auf alle Fälle vorbereitet zu sein. Andernfalls wäre es vielleicht auch möglich gewesen, das Stück von 14 t zu vermeiden, indem man es erst auf der Baustelle zusammennietete oder dgl., und die vorkommenden Stücke von 12 t kann man schließlich auch mit einem 101 Kran heben, wenn es selten genug geschieht und mit ganz besonderer Vorsicht ausgeführt wird. Der Abnehmer wird sich noch leichter für den 10 t oder den 20 t Kran entscheiden, statt auf der Anschaffung eines zwischenliegenden zu bestehen, wenn er einsieht, welche Vorteile ihm daraus entstehen, daß er ein der Fabrikation seines Lieferanten entsprechendes Objekt kauft. Diese Vorteile sind der relativ geringe Preis, besonders gut durchgearbeitete Konstruktion und die Gewißheit, jederzeit Ersatzteile bekommen zu können.

Nun mag aber wirklich der Auftrag auf einen 15 t Kran ausbleiben, so ist jedoch zu überlegen, ob dieser Schaden nicht geringer ist als der Nutzen, den das konsequente Festhalten an den einmal beschlossenen Größen bringt. Um diese Kalkulationsaufgabe einwandfrei lösen zu können, muß man die relative Häufigkeit der 15 t Krane und die durch Verringerung der Typenzahl erreichte Verbilligung kennen, andernfalls ist man auf Schätzungen angewiesen. Ganz ähnliche Aufgaben sind jedesmal da zu lösen, wo eine Reihe für gleiche Maschinen oder Maschinenteile aufzustellen ist, mag es sich um die Abstufung von ganzen Laufkatzen oder von Lagern – wie oben erwähnt – oder Kupplungen, Bremsscheiben, Schneckentrieben usw. handeln.

Die sämtlichen hier aufgestellten Grundsätze sind sinngemäß auch auf Flaschenzüge, Fahrwerke und Drehwerke anwendbar, ohne daß sich neue Gesichtspunkte ergäben. Eine Besprechung derselben soll daher hier unterbleiben.

Dem Ausbau der erwähnten Reihen für Einzelteile oder Triebwerke hat die Entscheidung über die Grundkonstruktion vorauszugehen, z.B. muß von vornherein festgelegt sein, ob man Lautkatzen mit unter dem Rahmen oder über demselben liegender Trommel bauen will. Beide Bauarten haben ihre Vorzüge und ihre Nachteile, beide gestatten aber eine rationelle Fabrikation im Sinne der obigen Auseinandersetzungen, so daß eine Entscheidung nach letzteren nicht getroffen werden kann. Jedenfalls ist aber zu den bekannten Anforderungen: Einfachheit, Zugänglichkeit, guter Wirkungsgrad noch die Forderung hinzugekommen, daß die Konstruktion auch ausbaufähig sein muß, daß der Konstrukteur also beim Entwurf eines Teiles bestimmter Große bis zu einem gewissen Grade alle andern Größen mit bedenken muß.

|547|

Für die Kranhaken, die ja ebenfalls in mehreren Größen erforderlich sind, ist eine derartige Betrachtung von G. Griffel in dieser Zeitschrift 1904, S. 129 u.f. bereits durchgeführt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: