Titel: Neuerungen im Telegraphen- und Fernsprechwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1909, Band 324 (S. 643–647)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj324/ar324197

Neuerungen im Telegraphen- und Fernsprechwesen.

Von Otto Arendt, Kaiserl. Telegrapheningenieur.

(Fortsetzung von S. 634 d. Bd.)

An dieser Stelle mögen noch die „Systemkabel“ erwähnt werden, die nicht zur unterirdischen Verlegung bestimmt sind, sondern die innerhalb der Umschaltesysteme für Fernsprechämter zur Verbindung der Klinken untereinander und mit den Außenleitungen dienen und – mit Bleimantel geschützt – auch zum Abschluß der Papierkabel benutzt werden. Zur Isolation ist Gummi am besten geeignet, aber wegen der hohen Ladungskapazität wieder weniger zu empfehlen. Man verwendet doppelte Umspinnung mit reiner Seide, und darüber zur Auffüllung und Verminderung der Kapazität Baumwolle. Zum Schutz gegen Feuchtigkeit, den vor allem die sehr hygroskopische Baumwolle verlangt, werden die Adern mit etwa 0,15 mm starkem Bleiband umwickelt. Darüber folgt Manilapapier und eine doppelte Baumwollumklöpplung, sowie die Tränkung mit feuersicherer Farbe. Um innerhalb der Aemter bei der Führung dieser Kabel den Raum möglichst auszunutzen, werden sie häufig mit ovalem Querschnitt hergestellt, indem – bei den kleineren Typen – ursprünglich runde Kabel flach gepreßt werden oder indem mehrere runde Stränge nebeneinander gelegt und gemeinschaftlich zu einer fast rechteckigen Form durch eine Umklöpplung vereinigt werden.

Die Telegraphenkabel werden meist unmittelbar in die Erde gelegt, 1 m tief und mit Ziegelsteinen oder Formstücken abgedeckt, oder sie werden zu mehreren gemeinschaftlich (auch einzeln) in gußeiserne Röhren eingezogen. Flußkabel erhalten je nach der Beschaffenheit des Flußbettes oder der Strömung stärkere Bewehrung oder sie werden auf ihrer ganzen Länge mit eisernen Muffen umkleidet, die durch Kugelgelenke miteinander verbunden sind. Fernsprechkabel für Teilnehmerleitungen werden nur da in die Erde gelegt, wo eine Vermehrung auf absehbare Zeit nicht zu erwarten ist; sonst sind allgemein Zementkanäle mit mehreren Oeffnungen für je ein Kabel im Gebrauch. In Schweden werden nach dem Hultmannschen System Formstücke |644| mit hufeisenförmigem Querschnitt und sieben Oeffnungen, in Deutschland rechteckige Zementblöcke mit zwei, drei oder vier Oeffnungen aneinandergereiht, im Bedarfsfalle mehrere solcher Formstücke übereinander, von denen das oberste eine gewölbte Decke hat, die für einen Raddruck von 4000 kg berechnet ist bei einer Bodenüberfüllung von etwa 32 cm. Die Kabel werden meist ohne Bewehrung eingezogen. Um das Einziehen, Spleißen, Untersuchen usw. zu erleichtern und Winkelpunkte zu nehmen, werden in längeren Abständen Brunnen in die Zementkanäle eingebaut. In Amerika werden die Fernsprechkabel neuerdings in Fiberröhren verlegt, wie solche schon seit 14 Jahren als Wasserröhren benutzt werden. In Längen von 1,5 bis 2 m und bis zu 25 cm weit werden sie mit 10 mm starker Wandung aus mehreren Lagen einer mit Bitumenmischung getränkten Fiber hergestellt und an den Stößen mit Nut und Falz verbunden und mit Bitumen gegen Wasser und Gas abgedichtet. Die Röhren dienen zur Aufnahme je eines Kabels; sie werden zu mehreren in einer Lage nebeneinander und zu mehreren Lagen, durch Betonschichten getrennt, übereinander verlegt.

Textabbildung Bd. 324, S. 644

Kabelkanäle sind von Zeit zu Zeit durch Abheben der Brunnendeckel oder durch Auspumpen zu lüften, um die Ansammlung gesundheitschädlicher oder brennbarer Gase zu verhüten. Es sind schon mehrere Gasexplosionen in Kabelkanälen zu verzeichnen.

Nach dem im Reichspostgebiet üblichen System der unterirdischen Verteilung der Anschlußleitungen wird jeder Häuserblock mit einem oder mehreren Kabeln an das Vermittlungsamt angeschlossen. Die Kabel (Hauptkabel) endigen an einem Hauptverteiler, dessen wesentlicher Bestandteil die in Fig. 17 senkrecht zur Zeichenebene stehend abgebildete Schaltplatte aus Ebonit ist, in der 2 × 150 von beiden Seiten erreichbare Messingklemmen stecken. Zwei weitere Tafeln mit je 2 × 50 Klemmen können nach Bedarf angesetzt werden. Die Papierkabel treten von unten in den wettergeschützten Hohlraum ein, werden mit Gummiabschlußkabeln verbunden, deren Bleimantel an der Spleißstelle mit der bleiernen Muffe verlötet wird. Die Gummiadern werden von hinten durch die Locher des an der Rückwand sichtbaren Führungsbrettes gezogen und dann von rechts zu den Klemmen des Schaltbrettes geführt. Von der linken Seite dieser Klemmen führen die ebenfalls mit Gummikabeln abgeschlossenen „Verteilungskabel,“ meist 50-paarig, zu den Sprechstellen.

Textabbildung Bd. 324, S. 644

In den Verteilungs-Zementkanal (mit ein oder zwei Oeffnungen) sind nach Bedarf Abzweigkästen eingebaut, in weichen von den 50-paarigen Kabeln mit Hilfe der in Fig. 16 (S. 633) dargestellten Muffe dünnere Kabel mit 5, 10, 20 Aderpaaren nach den einzelnen Grundstücken abgezweigt werden, wo sie in Höfen, im Treppenhaus oder dergl. an den mittels Konsolen an der Wand befestigten Einzelverteilern endigen. Fig. 18 zeigt diesen in drei Teile zerlegt, am untersten Teil das Klemmbrett, darüber zwei Schutzkappen. Zu jedem Grundstück wird ein so großer Vorrat an Leitungen geführt, daß er auf absehbare Zeit für allein dem Grundstück zu erwartenden Haupt- und Nebenanschlüsse ausreicht. Das vom Hauptverteiler kommende Verteilungskabel, das sich durch die Abzweigungen nach den einzelnen Grundstücken allmählich auflöst, bleibt daher unverändert liegen. Seine Adern liegen an der linken Seite des Schaltbrettes im Hauptverteiler dauernd wohlgeordnet fest Um einen Fernsprechanschluß herzustellen, wird die Sprechstelle durch isolierte Drähte (auf Porzellanrollen) an ein freies Adernpaar des zum Grundstück gehörigen Einzelverteilers angeschlossen und erhält dann Verbindung mit dem Vermittlungsamt dadurch, daß im Hauptverteiler an die entsprechenden Klemmen des Verteilungskabels ein freies Adernpaar des Hauptkabels angeschlossen wird – eine sichere und schnell auszuführende Schaltweise. Während die Verteilungskabel für viele Jahre Vorratsadern erhalten, werden die Hauptkabel nicht wesentlich stärker gewählt, als es der derzeitige Bedarf an Anschlüssen erfordert. Vom Vermittlungsamt gehen die Hauptkabel allerdings immer mit möglichst hoher Adernzahl aus (bis zu 2 × 500); sie verzweigen sich jedoch unterwegs nach verschiedenen Hauptverteilern, indem sie in geeigneten Kabelbrunnen mit Hilfe von Verteilungsmuffen |645| (Fig. 16) in mehrere dünnere Kabel aufgelöst werden, benachbarte Hauptverteiler werden unter sich durch 20-paarige Kabel verbunden, um Reserve an Hauptadern von anderen Hauptverteilern herüberholen und um Nebenanschlüsse ohne die Inanspruchnahme von Hauptkabeln anschließen zu können. (Näheres E.T.Z. 1902, Heft 15).

Die bayrische Telegraphenverwaltung benutzt ein anderes System der unterirdischen Verteilung, indem sie an einer mit Fernsprechanschlüssen zu versorgenden Häuserreihe ein 21-paariges sog. Zwischenkabel vorbeiführt, das an beiden Enden in einem Kabelverteiler an den Klemmen einer Schaltplatte aus Hartgummi endigt. Eine zweite Schaltplatte nimmt das vom Amt kommende Hauptkabel auf. In das Zwischenkabel sind zur Abzweigung der Anschlüsse in kurzen Entfernungen (für je 2 bis 3 Grundstücke) Anschlußkästen eingeschaltet. Das Zwischenkabel ist im Anschlußkasten geschnitten; beide Enden sind an Lötstifte geführt, die für gewöhnlich durch kurze Schaltdrähte verbunden sind. Ferner mündet im Anschlußkasten das von den Grundstücken kommende Anschlußkabel, dessen Adern ebenfalls an Lötstiften befestigt sind. In den Kabelverteilern sind die Zwischenkabel alle aneinander angeschlossen. Ist ein Anschluß herzustellen, so wird ein Adernpaar des Zwischenkabels in dem Anschlußkasten vor dem betr. Grundstück und in dem zunächst gelegenen Kabelverteiler getrennt und erhält hier Verbindung mit einem freien Adernpaar des Hauptkabels nach dem Amt hin und dort mit einem freien Adernpaar des nach dem Grundstück führenden Anschlußkabels. Da so ein Stück aus dem Adernpaar des Zwischenkabels ganz herausgetrennt wird, kann dasselbe Paar auf anderen Strecken von anderen Kabelverteilern aus zum Anschluß weiterer Sprechstellen benutzt werden. (Vgl. E.T.Z. 1906, Heft 50 u. 515 Blätter f. Post u. Telegr. 1907, Heft 14 u. 15.)

Beim Vermittlungsamt endigen die Kabel an Endverschlüssen, die weiter unten beschrieben werden sollen.

Unterseekabel sind seit 1850 im Betriebe. Die erste dauernde Kabelverbindung zwischen Europa und Amerika besteht seit 1866. Sie war der Erfolg eines unermüdlichen, jahrelangen Strebens unerschrockener Männer, welche die Ausdauer auch angesichts niederschmetternder Mißerfolge nicht verloren. – Zur Isolation der Seekabel dient allgemein Guttapercha. Auf kürzere Strecken werden die Kabel mehradrig hergestellt (zwischen Deutschland und England liegen z.B. mehrere vieradrige Kabel), die großen transatlantischen Kabel sind alle einadrig, weil die gegenseitige Induktion das gleichzeitige Arbeiten in mehreren Adern stören würde. Die Bewehrung richtet sich nach der Beschaffenheit des Meeresbodens. Für Tiefsenkkabel ist sie ganz leicht, für felsigen Untergrund, für Küstenkabel und seichte, durch Schiffsanker gefährdete Stellen ist sie schwerer.

Die Benutzung der öffentlichen Wege zur Errichtung ober- oder unterirdischer Telegraphenanlagen durch die Reichs-Telegraphenverwaltung ist durch das Telegraphen-Wegegesetz vom 18. Dezember 1899 geregelt. Der Telegraphenverwaltung wird das Vorrecht zur Benutzung der Verkehrswege zugesprochen, sofern deren Gemeingebrauch nicht dauernd beschränkt oder gegen den vorher ausgelegten Plan berechtigter Einspruch erhoben wird, der sich aus den im folgenden skizzierten weiteren Bestimmungen des Gesetzes begründet. Die Telegraphenverwaltung darf die Ausästung von Baumpflanzungen verlangen oder selbst ausführen, muß aber die Kosten tragen und etwa entstehenden Schaden ersetzen. Auf ihr Verlangen sind besondere Anlagen (Gas-, Wasser-, Starkstromanlagen und dergl.) zu entfernen oder abzuändern, wenn sonst die Errichtung der Telegraphenanlage überhaupt unterbleiben müßte und wenn ferner die Verlegung der besonderen Anlage ohne verhältnismäßigen Schaden für sie möglich ist. Wird aber vom Wegeunterhaltungspflichtigen eine besondere Anlage aus Gründen des öffentlichen Interesses angelegt, so hat die Telegraphenverwaltung ein Vorrecht nur dann, wenn ihre Anlagen dem Fernverkehr dienen und nicht ohne verhältnismäßig hohe Kosten anderweit untergebracht werden können. Den Luftraum über Privatgrundstücken darf die Telegraphenverwaltung benutzen, wenn dadurch die Benutzung des Grundstückes nicht dauernd wesentlich beeinträchtigt wird. Die Aufstellung ihrer Gestänge auf dem Gelände der Eisenbahn ist der Telegraphenverwaltung schon nach dem Bundesratsbeschluß vom 21. Dezember 1868 gestattet, gegen die Uebernahme gewisser Verpflichtung der Eisenbahnverwaltung gegenüber.

Apparate und Schaltungen für Telegraphenleitungen.

Textabbildung Bd. 324, S. 645

Im Rahmen dieses Aufsatzes eine umfassende Darstellung der im Telegraphen- und Fernsprechbetriebe benutzten Apparate und Schaltungen zu geben, ist nicht möglich und nicht beabsichtigt. Es sei auf das kürzlich erschienene Werk „Geschichte der Telegraphie von Th. Karraß“3) verwiesen, welches alle technischen Betriebseinrichtungen eingehend behandelt, dabei in vortrefflicher Weise ihre geschichtliche Entwicklung begründet und einen reichen Schatz von Literaturhinweisen birgt. Hier soll nur ganz kurz die Einrichtung eines mittleren und eines größeren Telegraphen- und Fernsprechamtes skizziert werden, um einen Ueberblick zu geben und Anknüpfungspunkte zu haben, wenn die spätere Besprechung von Neuerungen auf dem einen oder dem anderen Gebiet Gelegenheit zu eingehenderer Behandlung bieten wird.

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Unmittelbar hinter der Einführung in die Betriebsräume sind Blitzableiter zum Schütze gegen atmosphärische Entladungen und Sicherungen zum Schütze gegen übertretende starke Ströme in die Leitungen eingeschaltet. Der Konstruktion der Blitzableiter, auf dem Prinzip der Spitzenwirkung beruhend, ist die Gegenüberstellung scharfer Spitzen oder Kanten gemeinsam, von denen die einen mit der Leitung, die andern mit der Erde in Verbindung stehen. Fig. 19a zeigt den in Deutschland gebräuchlichsten Plattenblitzableiter. Zwei mit scharfkantigen Querriefelungen versehene Messingplatten p1 und p2 ruhen – isoliert gegeneinander und gegen ihre Unterlage – in einem mit der Erde verbundenen Messingrahmen R. Die ankommende Telegraphenleitung ist oben mit der linken Platte, der abgehende Leitungszweig oben mit der rechten Platte verbunden. Zwischen den unteren Klemmschrauben beider Platten liegen die Telegraphenapparate der Stationseinrichtung. Ueber beide Platten wird ein auf den unteren Rahmen passender Deckel d aus Messing gestülpt (Fig. 19b), der im Innern ebenfalls scharfkantige Reifelungen, jedoch rechtwinklig zu denjenigen der Platten verlaufend, besitzt. Die Reifelungen der Leitungsplatten und des durch sein Unterlager mit Erde verbundenen Deckels lassen nur einen ganz geringen Raum zwischen sich frei, welchen die atmosphärische Elektrizität, die etwa durch einen Blitzschlag in die Leitung gelangt ist, überspringt, um zur Erde abzufließen.

Textabbildung Bd. 324, S. 646

Vier Löcher im Deckel, denen die Ausschnitte 1, 2, 3 u. 4 (Fig. 19a) in den Leitungsplatten entsprechen, gestatten mit Hilfe eines Stöpsels S (Fig. 19b) die Leitungsplatten und die mit ihnen verbundenen Leitungszweige einzeln oder gemeinsam mit Erde zu verbinden oder unter Kurzschließung der Stationseinrichtung untereinander zu verbinden. Das für diesen Zweck bestimmte Loch 3 des Deckels ist mit Hartgummi gefüttert, um eine Erdverbindung zu verhindern.

Textabbildung Bd. 324, S. 646

Wo eine größere Anzahl von Leitungen zu schützen ist, sind die Siemensschen Luftleerblitzableiter (Fig. 20) am Platze. Durch Auspumpen der Luft aus dem Glasrohr g und möglichste Verminderung des Abstandes der in dem Glasrohr sichtbaren mit spitzen Reifelungen versehenen, mit den messingenen Verschlußkappen m verbundenen, gegeneinander aber isolierten Kohlenelektroden k ist die Empfindlichkeit dieser Blitzableiter gesteigert worden, daß Spannungen von etwa 100 V den Raum zwischen der Leitungs- und der Erdelektrode zu überspringen vermögen. Die Blitzableiter werden einzeln oder in größerer Anzahl auf Porzellansockel montiert, indem die an den Enden des Glasrohres sichtbaren, mit den Elektroden verbundenen Messingkappen min Messingfedern eingeklemmt werden, an welche die Verbindungsdrähte zur Erde und zur Leitung angeschlossen werden.

Fernsprechleitungen erhalten vorwiegend Kohlenblitzableiter, die ebenfalls sehr empfindlich sind und nur geringen Raum beanspruchen. Sie bestehen aus zwei kleinen Kohleklötzchen, die durch einen Papierstreifen getrennt, einander gegenübergestellt sind und von denen die eine mit der Leitung, die andere mit der Erde verbunden ist.

Textabbildung Bd. 324, S. 646

Als Sicherungen zum Schutz gegen den Eintritt starker Ströme in die Leitungen und Apparate (etwa aus benachbarten Starkstromanlagen) werden sog. Grob- und Feinsicherungen verwendet. Die Grobsicherung4) (Fig. 21) dient zur sofortigen Unterbrechung der Leitung bei plötzlich auftretenden Strömen. Das Glasrohr G, das zwischen die auf dem Porzellansockel S befestigten Doppelfedern f1 und f2 eingeklemmt (also auswechselbar) ist, enthält einen mit den metallenen Verschlußkappen verlöteten 0,3 mm starken, 50 mm langen Rheotandraht R. Zwei Asbestplättchen a schließen das 5 mm lange, mit einem ganz engen besonderen Glasröhrchen g umgebene mittlere Stück des Schmelzdrahtes gegen die mit Schmirgel gefüllten seitlichen Kammern ab. Um die Leitung nach dem Durchschmelzen der Sicherung, die unmittelbar hinter der Einführung in das Betriebsgebäude vor dem Blitzableiter eingeschaltet ist, nicht ohne Blitzschutz zu lassen, ist ein Spitzenblitzableiter Sp mit einer Empfindlichkeit von etwa 600 V mit der Sicherung vereinigt, indem an die zur Aufnahme der Außenleitung bestimmte Klemmschraube ein in eine Spitze auslaufender Winkel angeschlossen ist, welcher die zur Erde abgeleitete Zinkplatte Z gegenübersteht. Die Schmelzstromstärke beträgt für momentane Belastung 6 Amp., bei Dauerbelastung hält die Sicherung bis zu 3 Amp. aus. Da empfindlichere Sicherungen auf atmosphärische Entladungen ansprechen, die ohne Schaden für die Apparate und ohne Unterbrechung der Leitung auch durch die Blitzableiter abgeleitet werden, ist die Verminderung der Schmelstromstärke nicht ratsam. Anderseits erfordern die für eine Höchstbelastung mit 0,1 bis 0,3 Amp. gebauten Fernsprech- und Telegraphenapparate einen weiteren |647| Schutz, der ihnen durch die Feinsicherungen gegeben wird, deren Prinzip Fig. 22 erläutert. Eine Metallhülse h, in die mit Woodschem Metall w ein Metallstift mit breitem Kopf S eingelötet ist, wird durch die Hartgummizwischenlagen i isoliert, in dem Verschlußkopf V mittels der Kapsel k festgehalten. Um die Hülse h ist eine Spule s aus isoliertem Nickelindraht gelegt, deren Enden mit h bzw. V verbunden sind. Diese Sicherung wird zwischen zwei entsprechend ausgegeschlitzten Federn eingesetzt, wie z.B. in Fig. 23 zwischen die Federn f1 und f2, wodurch ein Stromweg vom ankommenden Leitungszweig über die eine Feder, die Sicherung und die andere Feder zum abgehenden Leitungszweige geschlossen wird. Die Federn f1 und f2 denen nach außen.

Textabbildung Bd. 324, S. 647
Textabbildung Bd. 324, S. 647
Textabbildung Bd. 324, S. 647
Textabbildung Bd. 324, S. 647
Textabbildung Bd. 324, S. 647

Uebersteigt der Strom in der Hitzspule eine bestimmte Stärke, so weicht die erzeugte Stromwärme das Woodsche Lot so weit, daß die Federn den in Fig. 22 und 23 gezeichneten Stift S aus der Hülse h (Fig. 22) ziehen und den Stromweg unterbrechen. Fig. 24 läßt erkennen, wie die Federn f1 und f2 aus Neusilberblech gestanzt und gebogen werden.

Die Feinsicherung wirkt nur auf langsam anschwellende Ströme. Ein plötzlich hindurchfließender starker Strom würde die Hitzspule s (Fig. 22) zerstören und mit der Hülse h zusammenschmelzen, bevor das Woodsche Lot ausreichend erweicht ist, so daß eine Trennung der Leitung nicht erfolgt. Grob- und Feinsicherungen ergänzen sich daher sehr vorteilhaft.

Bei einer neueren Form von Feinsicherung ist der Kopf des Stiftes 8 aus Fig. 22 zu einem Sternrade ausgebildet, an dem die Feder f zieht, wie es Fig. 25 zeigt. Wird das Lot erweicht, so dreht sich das Sternrad, dem Zuge der Feder f folgend und gibt diese frei. Hierdurch wird die Leitung unterbrochen und gleichzeitig der Alarmkontakt h geschlossen. Nach dem Erkalten der Lötmasse sitzt das Sternrad wieder fest und man hat nur die Feder f wieder herunter zu drücken und in das Sternrad einzuhaken, um die Leitung wieder betriebsfähig zu machen.

Textabbildung Bd. 324, S. 647

Bei kleineren Aemtern führen die Leitungen vom Blitzableiter unmittelbar zum Apparatsystem, bei größeren Zentralen zunächst an Umschalter, welche die Vertauschung der mit den Leitungen zu verbindenden Apparate und der Betriebsbatterien gestatten. Im Gebrauch sind für diesen Zweck Linienumschalter nach Fig. 26, deren Längs- und Querschienen nach Wahl durch Stöpsel miteinander verbunden werden können. Größere Aemter erhalten Klinkenumschalter, deren Prinzip Fig. 27 erläutert.

f1 ruht federnd auf dem Unterlager u1, wird aber, wenn der Stöpsel Si in die Klinke K1 eingesetzt wird, durch dessen metallische Spitze abgehoben, so daß Ltg. 1 über den Stöpsel S1 mit der Leitungsschnur und dem Stöpsel S2 Verbindung erhält, während die Verbindung mit dem Auflager u1 und dem über die Klinke K2 angeschlossenen Apparat aufgehoben wird. Mit Hilfe von S2 und einer der anderen Klinken kann nun Leitung 1 mit Leitung 2 oder mit dem Apparat 2 verbunden werden. In ähnlicher Weise werden auch die Batterien umgeschaltet.

(Fortsetzung folgt.)

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Geschichte der Telegraphie von Th. Karraß, Geh. Postrat, Ober-Telegrapheningenieur im Reichs-Postamt; Bd. IV. des von demselben herausgegebenen Sammelwerkes: Telegraphen- und Fernsprechtechnik in Einzeldarstellungen. Verlag von Vieweg & Sohn, Braunschweig.

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Vergl. Strecker, Mitteilungen aus d. Telegr. Versuchsamt des Reichs-Postamt II und III.

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