Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1909, Band 324 (S. 767–768)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj324/ar324234

Polytechnische Rundschau.

Wasserkraft-Elektrizitätswerk der Southern Wisconsin Power Company.

Zur Unterstützung eines vorhandenen Dampfkraftwerkes der Milwaukee Electric Railway & Light Company in Watertown, Wis., wird am Wisconsion River bei Kilbourn eine 6000 KW-Anlage für niedriges Gefälle errichtet. Die an dieser Stelle verfügbare Mindestwassermenge beträgt 113 bis 140 cbm i.d. Sekunde, während zur Zeit von Hochwasser bis zu 2265 cbm i.d. Sekunde ablaufen. Durch einen quer über das Flußbett gelegten Damm von 122 m Länge wird ein Nutzgefälle von 5,18 m Höhe verfügbar gemacht. Dieser Damm ist insofern bemerkenswert, als er auf einem mit Steinen beschwerten Unterbau von 47 m Breite aus Holzkonstruktion gegründet ist, weil es wegen der Tiefe und Geschwindigkeit des Wassers an dieser Stelle nicht möglich war, eine durch Kofferdämme abgeschlossene, entwässerte Baugrube herzustellen. Auf dem Holzunterbau, der in seinem hinteren Teil gleichzeitig zum Schutz des Flußbettes gegen Unterwaschungen dient, ruht der an der Sohle etwa 15 m breite, etwa 3 m hohe Körper des eigentlichen Dammes aus Stampfbeton, der ganz als Ueberfallwehr ausgeführt ist und dessen Stauhöhe durch 7,5 m breite und 2,4 m hohe Schützen geregelt werden kann. Die Schützen sind zwischen Betonsäulen geführt und werden von einer durchlaufenden, hochliegenden Welle aus mit Hilfe eines 15pferdigen Elektromotors betätigt. Annähernd senkrecht zur Längsrichtung des Dammes ist ein vorläufig erst zur Hälfte ausgebauter, 36 m langer Einlauf angeordnet, dessen Mauerwerk aus Eisenbeton 11 unter Wasser liegende Oeffnungen von 2,4 m Breite und 7,2 m Höhe enthält. Hieran schließt sich ein kurzer Oberwasserkanal, aus welchem das Wasser durch sechs getrennte Kanäle dem an den Damm angebauten Kraftwerk zufließt. Diese Kanäle, von denen die vier äußeren je 12 m und die beiden inneren je 3,3 m breit sind, setzen sich bis unter das Maschinenhaus fort, und können nach außen hin durch 14 Schützen abgeschlossen werden. In jedem der breiten Kanäle sind drei Doppelturbinen von 1448 mm Laufraddurchmesser angeordnet, deren gemeinsame wagerechte Welle einen der großen 1500 KW-Stromerzeuger antreibt. Die Turbinen haben 90 v.H. Wirkungsgrad und leisten bei 100 Umdrehungen i.d. Minute und 5,18 m Nutzgefälle je 2778 PS. Neuartig ist die Anordnung von schirmartigen Dächern über den Laufrädern dieser Turbinen, durch welche die Bildung von Wirbeln und das Ansaugen von Luft verhindert werden soll. Nachdem Versuche in dem Versuchsgerinne von Holyoke die Vorteile dieser Schirme erwiesen hatten, hat man bei diesem Werk davon Gebrauch gemacht und war dadurch in der Lage, die Turbinen |768| etwa 1 m näher am Normalwasserspiegel anzuordnen, als es sonst möglich gewesen wäre. Die Erregerturbinen treiben Gleichstromerzeuger von 250 V mit 200 Umdrehungen i.d. Minute an und leisten je 250 PS. Der mit 2300 V erzeugte Drehstrom wird auf 44000 V (später auf 70000 V) Hochspannung gebracht und 112 km weit nach Watertown fortgeleitet. (The Engineering Record 1909 II, S. 256 bis 261).

H.

Schienenreinigungswagen.

Bei der Reinigung der Straßen mittels Kehrmaschinen, deren schräg gestellte Walzen den Straßenschmutz vor sich herschieben, wird letzterer in die Rillen der Fahrschienen hineingedrückt und durch die Räder der Straßenbahnwagen festgewalzt. Da die entstehende Schmutzschicht den Stromverbrauch der Wagen unverhältnismäßig erhöht, müssen die Straßenbahngleise häufig gründlich gereinigt werden. Um die hierfür aufzuwendenden Kosten zu verringern, hat sich die Straßenbahn Hannover einen besonderen Schienenreinigungswagen gebaut, der in seiner äußeren Erscheinung einem normalen zweiachsigen Motorwagen gleicht und mit zwei 25 PS-Motoren angetrieben wird. Die Reinigung erfolgt in der Weise, daß vier zwischen den Rädern angeordnete Kratzvorrichtungen, den in den Rillen abgelagerten Schmutz losreißen und daß der gelöste Schmutz durch vier Rohre mittels Saugluft in einen auf dem im Untergestell des Wagens eingebauten und zwischen die Achsen der Laufräder hinabragenden Sammelkessel befördert wird. Die Saugwirkung bringt eine elektrisch angetriebene Pumpe hervor, die an den Schmutzbehälter angeschlossen ist. Um bei trockener Witterung eine Staubentwicklung zu vermeiden, werden die Schienen nach Bedarf angefeuchtet. Das hierzu erforderliche Wasser wird in zwei Behältern von je 3,5 cbm Inhalt auf dem Fahrzeuge mitgeführt.

Da der Schienenreinigungswagen sich jeder Geschwindigkeit im Straßenverkehr bis zu 25 km/St, anpassen kann und auch bei der höchsten Geschwindigkeit noch gut arbeitet, so kann er ohne weiteres in jeden fahrplanmäßigen Betriebe eingestellt werden. Seine Bedienung erfordert einen Mann und der gesamte Stromverbrauch beträgt bei 15 km/St. Fahrgeschwindigkeit etwa 1500 Watt für den Kilometer. Der Wagen kann täglich im Mittel 70 km Gleis reinigen, verbraucht für den Kilometer je nach der Witterung bis zu 0,5 cbm Wasser und nimmt bis zu 0,5 cbm Schmutz von 1 km Gleis auf. (Schörling). (Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen 1909, S. 411–412).

Pr.

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