Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1909, Band 324 (S. 796–800)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj324/ar324243

Polytechnische Rundschau.

Lokomotivfeuerbüchse.

Stehbolzenbrüche in der Feuerbüchse einer Lokomotive lassen sich auch bei guter Konstruktion und Verwendung von geeignetem Material für diese Bolzen nie ganz vermeiden. Bei der Belpair-Feuerbüchse hat sich ergeben, daß sehr wenig Stehbolzenbrüche eintreten, wenn man den Wasserraum auch an der engsten Stelle der, Feuerbüchse relativ groß nimmt. Lokomotiven der Pacific-Type mit solcher Feuerbüchse hatten nach Zurücklegung von 115000 km keine Stehbolzenbrüche aufzuweisen.

Textabbildung Bd. 324, S. 796
Textabbildung Bd. 324, S. 796

Fig. 1 zeigt die Form einer Feuerbüchse, wie sie vielfach in Amerika für große Lokomotiven verwendet wird. Bei dieser Bauart treten sehr häufig Stehbolzenbrüche auf. Bei der Feuerbüchse Fig. 2 sind die Stehbolzen an der Schulterkrümmung weggelassen, dadurch ist die Feuerbüchse weniger starr und Stehbolzenbrüche sind seltener. Diese Bauart wird sehr häufig von europäischen Eisenbahnen, so auch von der preußischen Staatsbahn, in Amerika von der Harriman Eisenbahngesellschaft verwendet. [The Engineer. 1909 S. 104].

W.

Güterzugslokomotiven.

Der Bericht der Generaldirektion der italienischen Staatsbahn enthält auch Ergebnisse über Versuchsfahrten mit Güterzugslokomotiven. Mit einer in Italien gebauten Güterzug-Verbundlokomotive mit 4 gekuppelten Radachsen wurden eingehende Versuchsfahrten ausgeführt. Auf langen Steigungen von 25 v.T. konnte diese Lokomotive (No. 7534) 164 t Zuglast mit 30 km Geschwindigkeit befördern. Der Kessel hatte bei dieser Beanspruchung eine genügend große Verdampfungsfähigkeit, war leicht zu speisen ohne fühlbaren Druckabfall. Das Brennmaterial war dasselbe wie früher angegeben (s. S. 589 d. Bd.)

Die Versuchsfahrten, die mit der Güterzugslokomotive No. 7316 ausgeführt wurden, entsprachen vollkommen den Erwartungen. Die Lokomotive zeigte leichten Lauf beim Durchfahren von Kurven mit 300 m Radius auch bei größeren Geschwindigkeiten. Bei Fahrten im Gefälle stieg die Geschwindigkeit bis zu 70 km. Bei normalen Arbeitsbedingungen ergab die Lokomotive ohne Ueberanstrengung eine Leistung von 1000 PSi. Mit einem Wagengewicht von 138–177 t wurden mehrere Versuchsfahrten mit 35 km Geschwindigkeit auf Steigungen von 25 v.T. ausgeführt, im Gefälle von 1 v.H. konnte diese Lokomotive mit 30 km Geschwindigkeit 480 t befördern. Die Lokomotiven dieser Bauart sind für schwere Güterzüge mit 30–50 km bestimmt. Ihre Brauchbarkeit auch für den Bergdienst und zur Aushilfe im Personenzugdienst haben die Versuchsfahrten bestätigt.

Die Zusammenstellung enthält Versuchsergebnisse, die mit diesen und D. P. J. 1909 S. 604 besprochenen Lokomotiven erhalten wurden.

Textabbildung Bd. 324, S. 796

(Il monitori tecnico 1909 S. 147–149).

W.

Elektrische Lokomotiven in Braunkohlengruben.

Neuerdings werden in den Tagebauten von Braunkohlengruben zum Fortschaffen des Abraumes, der mittels elektrisch angetriebener Trockenbagger in Wagen befördert wird, elektrische Lokomotiven verwendet, die vor den Dampflokomotiven den Vorzug besitzen, daß ihre Betriebskrat, der elektrische Strom, unter Verwendung von Rohkohle in einer ortsfesten Kesselanlage erzeugt werden kann, während die Dampflokomotiven zur Heizung die teuren Briketts erfordern. Hierzu kommt als günstiger Umstand hinzu, daß in Braunkohlengruben für die Brikettfabrikation eine große Dampfkesselanlage bereits vorhanden ist. Ferner erfordern |797| die auf Steigungen bis zu 25 a.d. Tausend zu befördernden 200 t schweren Züge zwei Dampflokomotiven, für deren Betrieb vier Mann erforderlich sind, während eine einzige von einem Mann bediente vierachsige elektrische Lokomotive dieselbe Arbeit leisten kann.

Eine Schwierigkeit, die der Verwendung elektrischer Lokomotiven hisher im Wege war, besteht darin, daß die Gleise täglich mehrmals seitlich verschoben werden müssen. Die Lagerung der Oberleitung auf Masten, die in der üblichen Weise in den Boden eingesetzt sind, konnte daher nicht verwendet werden; anderseits kommen auch Akkumulatorenlokomotiven nicht in Betracht, da der Betrieb zu schwer und unruhig ist. Dieser Schwierigkeit sind die Siemens-Schuckertwerke durch eine besondere Oberleitungsanordnung Herr geworden, bei der die Mastfüße aus im rechten Winkel umgebogenen und unmittelbar an den Fahrschienen angeklemmten U-Eisen bestehen. An die hochstehenden Schenkel dieser U-Eisen sind unter Verwendung von Schellen als Galgen gebogene kräftige Gasrohre angeklemmt, die mittels isolierter Aufhängungen den Fahrdraht tragen.

Hierbei ist jedoch der Fahrdraht durch die Tragklemme nicht fest mit dem Isolator verbunden, sondern unter Zwischenschaltung eines Gleitstückes verschiebbar aufgehängt. Infolge dieser Mastbefestigung wird beim Verrücken des Gleises die Oberleitung ohne weiteres gleichzeitig verschoben, und etwaige Längsverschiebungen des Fahrdrahtes sind durch die besonderen Aufhängungen ermöglicht. Die Mastentfernung beträgt im Mittel 10 m.

Der Fahrstrom besitzt eine Spannung von 500 bis 600 Volt und wird durch Bügel abgenommen, die bei der ungenauen Lage der Fahrleitung im Gegensatz zur Rolle allein verwendbar sind. Da in der Baggerdurchfahrt die Oberleitung nur 2,55 m über S.O. auf der übrigen Strecke dagegen im Mittel etwa 4 m und an einer Wegkreuzung sogar 5 m über S.O. liegt und die abzunehmenden Stromstärken bis zu 800 Amp. betragen, so mußte eine neue Stromabnehmerbauart geschaffen werden. Letztere besteht aus einem auf dem Lokomotivdache gelagerten schräg nach aufwärts gerichteten Gestell, welches einen mit zwei Schleifstücken versehenen rechteckigen, drehbaren Rahmen trägt. Beide Teile stehen derartig unter Federdruck und sind so bemessen, daß bis zu 4 m Leitungshöhe der Rahmen wagerecht liegt und beide Schleifstücke die Fahrleitung berühren. Bei größerer Oberleitungshöhe klappt ein Schleifstück von der Oberleitung ab, und der Rahmen nimmt eine geneigte Lage ein, so daß er nur noch mit einem Schleifstücke an der Fahrleitung anliegt. Auf dem Dache jeder Lokomotive sind zwei derartige Stromabnehmer angebracht.

Die Lokomotiven sind für 900 mm Spur und mit Rücksicht auf die Baggerdurchfahrt mit sehr kleinem Umgrenzungsquerschnitt gebaut. Sie besitzen zwei zweiachsige Drehgestelle, die so weit auseinander gezogen sind, daß der versenkte Führerstand zwischen ihnen Platz findet. Die Länge der Lokomotiven beträgt infolgedessen über die Buffer gemessen etwa 10 m. Die auf dem Kauscherwerke im Betriebe befindlichen 28 t schweren Lokomotiven leisten normal je 240 PS, die der Ilse Bergbau A.-G. je 325 PS. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt in beiden Fällen 15–20 km/Std. (Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen 1909, S. 370–372).

Pr.

Gelötete kupferne Rohre.

Zur Beantwortung der Frage, bei welcher Höchsttemperatur die Verwendbarkeit von Schlaglot zur Herstellung von kupfernen, auf inneren Druck beanspruchten Rohren aufhört, sind im Kgl. Materialprüfungsamte zu Gr.-Lichterfelde Versuche angestellt. Sie erstreckten sich zugleich auf den Einfluß, den die Arbeitsprozesse, welche bei der Herstellung der Rohre angewendet werden, auf die Festigkeit des Kupfers und die Lötnaht haben. Diese Prozesse sind: 1. das Aufrollen des Bleches in die Rohrform, 2. das Erhitzen an der Lötstelle und 3. das Glätten der Lötstelle durch Ziehen des Rohres. Die Beurteilung erfolgte an Hand der Ergebnisse von Zerreißversuchen bei verschiedenen Temperaturen, ausgeführt sowohl an ungeloteten Proben aus den verarbeiteten Blechen und zwar 1. im Zustande der Anlieferung des Materiales an die Kupferschmiede, 2. nach sorgfältigem Ausglühen und 3. wie unter 1. aber auf den Durchmesser des zu fertigenden Rohres kalt aufgerollt und kalt wieder gerichtet, als auch an überlappt gelöteten Proben, die 4. nicht weiter bearbeitet, 5. nach dem Löten gezogen, und 6. nach dem Ziehen ausgeglüht waren. Bei den gelöteten Proben lag die Naht in der Mitte des Stabes senkrecht zu dessen Achse. Die Länge der Ueberlappung betrug 20, 25 und 35 mm, entsprechend den Blechdicken von 3,5 und 8 mm, die Rohrdurchmesser 80 mm bei den 3 und 5 mm Blechen, 140 mm bei dem 8 mm Blech.

Die Versuche mit den gelöteten Proben ergaben, daß die Bleche in der Längs- und Querrichtung auch bei hohen Temperaturen die gleichen Festigkeitseigenschaften besaßen und aus sehr weichem Kupfer bestanden. Durch das Ausglühen ging die Streckgrenze um etwa 50 v.H. herunter; die Zugfestigkeit und die Bruchdehnung änderten sich hierbei wenig. Durch das Aufrollen der Bleche in die Rohrform und das hierauffolgende Wiedergeraderichten im kalten Zustande ist die Streckgrenze um 64, 22 und 27 v.H. gehoben und die Dehnung um 6–16 v.H. vermindert, während die Zugfestigkeit nicht wesentlich verändert wurde.

Durch das Loten ging die infolge des Aufrollens eingetretene Erhöhung der Streckgrenze größtenteils wieder verloren. Die Gefahr, daß der Bruch an der Lötstelle oder in der Naht erfolgt, erwies sich bei den dickeren Blechen größer als bei den dünneren. Das Ziehen der Rohre nach dem Löten erhöhte die Streckgrenze des Materials und zwar bei dünner Wandstärke mehr als bei dicker. Durch nachfolgendes Glühen wurde diese Materialveränderung wieder beseitigt.

Die Prüfung bei höheren Wärmegraden ergab, daß die Streckgrenze der ausgeglühten, ungeloteten Bleche bis 400° C keine wesentliche Veränderung erlitt. Die Streckgrenze der ungeglühten Bleche ging mit wachsender Versuchstemperatur herunter, aber wesentlich weniger als die Bruchfestigkeit, die nahezu umgekehrt proportional mit der Temperatur abnahm. Die Bruchdehnung der ungeloteten Bleche nahm ebenfalls mit steigender Temperatur ab, besonders zwischen 200 bis 300° C. Die gelöteten Proben verhielten sich im allgemeinen wie die ungeloteten. Die bei Zimmertemperatur beobachtete Erhöhung der Streckgrenze durch das Biegen zum Rohr machte sich auch bei höheren Temperaturen geltend. Die Festigkeit der Lötnaht war von 300° C ab geringer als die des vollen Bleches. Durch das Ziehen scheint sie günstig beeinflußt zu sein. Bei gut gelungener Lötnaht verhielten sich die gelöteten Proben Zugspannungen gegenüber fast ebenso als die Proben ohne Lötnaht. (Rudeloff). (Mitteilungen aus dem Königlichen Materialprüfungsamt 1909, S. 317 bis 338).

ε.

|798|

Hochleistungs-Wasserrohrkessel mit Saugzuganlage.

Die Entwicklung des Kraftwerkes Schöneberg der Elektrizitätswerk-Südwest-A.-G. führte dazu, daß bei neuen Maschinen- und Kesselsätzen immer größere Einheiten gewählt werden mußten. Heute stehen in dem Werke vier stehende Dampfmaschinen, darunter zwei von 650 PS, eine von 1000 PS und eine von 2500 PS, drei Dampfturbinen von je 1250 KW und eine Turbine von 3500 KW. Die Gesamtheizfläche der Dampfkesselanlage beträgt jetzt 3284 qm. Zur Deckung- des infolge der Aufstellung der beiden letzten Dampfturbinen bedingten gesteigerten Kraftbedarfes wurden anstelle von drei der ältesten Kessel zwei Hochleistungs-Wasserrohrkessel beschafft. Die Normalleistung der alten Kessel betrug insgesamt rund 12000 kg-/St. Dampf bei 70 v.H. Wirkungsgrad. Die neuen Kessel haben je 450 qm Heizfläche bei 14,8 qm Rostfläche und sind mit je zwei Ueberhitzern von 145,6 qm gesamter Heizfläche und je einem Vorwärmer von 288 qm Heizfläche ausgestattet. Sie sind von den deutschen Babcok- & Wilcox-Dampfkesselwerken in Oberhausen für 12 Atm. Betriebsdruck in der sog. Schiffskesselbauart hergestellt. Die nach hinten aufsteigenden Rohre sind in 36 Elementen zu 13 Rohren untergebracht. Die Ueberhitzer bestehen aus je 29 Rohrbündeln zu je 4 schlangenförmig gebogenen nahtlosen Rohren, die in den Sammelkasten eingewalzt sind. Der Vorwärmer Greenscher Bauart hat 10 Elemente zu je 25 Stück gußeiserner stehender Rohre. Jeder Kessel ist mit einer Saugzuganlage nach dem System Schivabach ausgerüstet. Der elektrisch angetriebene Ventilator bläst die dem Kesselhaus entnommene Frischluft durch einer an das Druckrohr angeschlossenen Düse in die Saugvorrichtung im Schornstein-Abzugsrohr hinein und erzeugt so nach Art des Ejektors den Unterdruck. Die normale Dampferzeugung eines Kessels beträgt bei 10800 kg stündlicher Leistung 24 kg/St, für 1 qm Heizfläche bei 82 v.H. Wirkungsgrad. Bei dem angegebenen Wirkungsgrad ist der Kraftbedarf des Ventilators, der 14–17 PS beträgt, noch nicht in Abzug gebracht. (Generlich.) (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1909. S. 1435.)

J.

Die spezifische Umlaufzahl von Wasserturbinen.

Diese für den Vergleich von verschiedenen Bauarten von Turbinen in bezug auf Wirkungsgrad, Leistung und Geschwindigkeit wichtige Größe kann auf zwei verschiedenen Wegen abgeleitet werden. Als reine Beziehung zwischen Leistung, Gefälle und Geschwindigkeit irgendeiner Turbinenbauart, die unabhängig ist von Abmessungen und Eigenart der Wirkungsweise dieser Bauart, ergibt sie sich, wenn man zunächst die Geschwindigkeit der betrachteten Turbinenbauart bei 1 m Gefälle berechnet und sich dann die Turbine bis auf 1 PS verkleinert denkt. Die Geschwindigkeit dieser Turbine ist die gesuchte Vergleichszahl. Verkleinert man also bei einer Turbine von N PS Leistung bei H m Gefälle und n Umdrehungen i.d. Minute bei unveränderlichen Abmessungen das Gefälle auf im, so verändern sich die Wassergeschwindigkeiten im Verhältnis von 1 : √H, die Wassermenge proportional den Wassergeschwindigkeiten und die Leistung proportional dem Produkt Q . H. Bei unverändertem Durchmesser der Turbine verändert sich ferner n proportional der Umfangsgeschwindigkeit, also proportional √H. Wir haben also:

Q = konst. H½

N = konst. Q . H = konst. H

n = konst. H½.

Die Leistung N1m (bei 1 m Gefälle) ist daher

und die Umlaufzahl

Verkleinert man nunmehr bei unverändertem Gefälle die Abmessungen der Turbine derart, daß sie immer in dem früheren Verhältnis zum Laufraddurchmesser D bleiben, während die Querschnitte das gleiche Verhältnis zu D2 beibehalten, so gilt dann

Q = konst. D2

N = konst. Q = konst. D2; D = konst. √N

n = konst.

Es folgt somit

n1 PS = nN und

n1 PS, 1 m = ns = n1mN1m,

was, die obigen Werte eingesetzt, ergibt:

Der zweite Vorgang zur Ableitung der spezifischen Umlaufzahl baut sich auf die Formel für den Austrittsverlust in v.H. auf und ergibt den gleichen Wert für ns. (Moody). (Zeitschrift für d. ges. Turbinenwesen 1909, S. 392 bis 395).

H.

Einfluß von Gefälle, Wasserwärme, Turbinengröße und Rauheit der Kanäle auf den Wirkungsgrad.

Die Prüfung dieses Einflusses ist dort von Bedeutung, wo man aus bekannten Wirkungsgraden ausgeführter Turbinen auf das Verhalten ähnlicher Bauarten unter geänderten Bedingungen schließen will, wie dies bei der auf Versuchsturbinen gegründeten Reihenfabrikation von Wasserturbinen neuerdings geschieht. Betrachtet man eine Turbine bei der günstigsten Umlaufzahl und der günstigsten Beaufschlagung, so kann man, da Stoß- und Wirbelungsverluste bei einer gut konstruierten Turbine verhältnismäßig geringe Bedeutung haben, und auch der Austrittsverlust verschwindend klein gemacht werden kann, wenn das Wasser das Saugrohr angenähert mit der im Untergraben gewünschten Geschwindigkeit verläßt, sämtliche auftretende Reibungsverluste als Verluste in Röhren und Kanälen auffassen, für welche die Formel von Biel verwendbar ist:

Hierin sind:

h der Druckverlust in m Flüssigkeitssäule,

L die Länge der Rohrleitung in m,

F der Querschnitt „ in qm,

U der Umfang „ in m,

v die Wassergeschwindigkeit in m i.d. Sekunde,

f eine Rauheitzahl,

[η] die Zähigkeit in absolutem Maße.

γ die spezifische Masse in absolutem Maße.

Die rechnerische Behandlung praktischer Fälle mit Hilfe dieser Formel ergibt nun, daß mit ziemlicher Annäherung beim Vergleich der besten Wirkungsgrade |799| ähnlich gebauter und ähnlich eingebauter Turbinen, wie er bei der auf Versuchsturbinen gegründeten Reihenfabrikation wichtig ist, ein Wechsel von Wassertemperatur und Gefälle keine Rolle spielt, dagegen die Turbinengröße und die Rauheit der Kanäle entsprechend berücksichtigt werden müssen. (Camerer.) (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure 1909 S. 1541 bis 1543).

H.

Wasserkraftanlage der Great Western Power Company.

Ein für die Versorgung von San Francisco und den benachbarten Städten bestimmtes Wasserkraft-Elektrizitätswerk, welches schon wegen der Größe seiner Maschineneinheiten zu den bemerkenswertesten von Kalifornien gezählt zu werden verdient, hat die Great Western Power Company vor kurzer Zeit im ersten Ausbau fertig gestellt. Das Werk nutzt ein Rohgefälle von 137 m Höhe aus, welches durch Abschneiden einer hufeisenförmigen Krümmung am Nordarme des Feather River gewonnen wird, und seine gegenwärtige Mindestwassermenge beträgt 28,32 cbm in der Sekunde, soll aber durch Anlage eines großen Staubeckens für den Bedarf der regenlosen Monate auf 50,97 cbm in der Sekunde erhöht werden können. Der Einlauf befindet sich unmittelbar am nördlichen Ende der Hufeisenkrümmung. Hier waren vor einigen Jahren ein hölzernes Stauwehr und ein etwa 3600 m langer Tunnel angelegt worden, um das Flußbett zu entwässern und daraus Gold zu gewinnen. Die Gesellschaft hat diese Anlagen erworben, den Tunnel erweitert, so daß sein Querschnitt nunmehr etwa 20,44 qm beträgt und ihn durch Verkleidung mit Zement gegen Drücke bis zu 6 kg/qcm abgedichtet. Außerdem ist an diesen Tunnel ein ungefähr 1000 m langes Stück neu angesetzt, welches zu einer Stelle oberhalb des Kraftwerkes führt.

Neuartig ist die Ausbildung des Einlaufwehres als Turm. Der aus Eisenbeton hergestellte, etwa 180 m oberhalb des Stauwehres befindliche Bau enthält 24 Schützenöffnungen von 1 × 1,2 m und vier Oeffnungen von 1,5 × 3,7 m Weite, die in verschiedenen Höhen liegen, sodaß je nach dem Wasserstande möglichst immer reines Wasser abgelassen werden kann. Die entsprechenden Schützen werden von einer Drehscheibe auf dem Turm mit Hilfe von elektrisch betriebenen Laufkatzen betätigt. Der Gefällsverlust, der sich dadurch ergibt, daß der Einlauf in den Tunnel an der tiefsten Stelle des Flußbettes liegt, kann hier, wo ein hohes Gefälle verfügbar ist, in den Kauf genommen werden.

An den Tunnel schließt sich eine 75 m in den Tunnel hineinreichende Blechleitung von 25,4 bis 12,7 mm Wandstärke, deren Weite von 5,1 auf 2,7 m abnimmt, und an welche vorläufig vier Druckleitungen von 1524 m und eine von 610 mm Weite für die Erregermaschinen angeschlossen sind. Die Sammelleitung ist über die Druckrohranschlüsse hinaus verlängert und mit einem Leerlaufauslaß versehen. Die Druckrohre, deren Wandstärke von 10 auf 17 mm zunimmt, haben je 137 m Länge und außer Entlüftungs- und Ueberdruckventilen Absperrschieber, die auf elektrischem Wege vom Schaltbrette des Kraftwerkes aus eingestellt werden können.

In dem annähernd 56 m langen und 22 m breiten Maschinenhause sind vorläufig aufgestellt: vier 18000pferdige Reaktionsturbinen, gekuppelt mit Drehstromerzeugern von 10000 KW Leistung, 11000 Volt Spannung und 60 Perioden in der Sekunde, zwei 500pferdige Peltonturbinen, gekuppelt mit Gleichstromerzeugern von 250 KW Leistung und 250 Volt Spannung und vier 10000 KW-Drehstromtransformatoren mit Wasserkühlung und Oelisolierung, welche die Spannung von 11000 auf 100000 Volt erhöhen. Jeder dieser Transformatoren hat ein Gewicht von 90,6 t.

Die von der J.P. Morris Company in Philadelphia gebauten Hauptturbinen sind mit senkrechter Welle als Francisturbinen ausgeführt, und eine angesichts des großen Gefälles beachtenswerte Leistung. Sie sollen ihre Geschwindigkeit von 400 Umdrehungen beibehalten, selbst wenn das Nutzgefälle später auf 160 m erhöht werden sollte, und unabhängig von der Höhe des Nutzgefälles bei voller Belastung 80 v.H., bei ¾ Belastung 82 v.H. und bei halber Belastung 76 v.H. Wirkungsgrad liefern. Die Turbinen haben in einem Stück gegossene Laufräder von 1524 mm Durchmesser aus Bronze, Leitschaufeln und Spiralgehäuse aus Gußstahl und dürften die größten bis heute ausgeführten darstellen. Das Gewicht der umlaufenden Teile, welches für die Turbine 11600 kg und für den Stromerzeuger 54500 kg beträgt, wird von einem Spurlager getragen, zwischen dessen Scheiben Oel von etwa 17,5 kg/qcm Pressung eingeführt wird. Die mit Drucköl betriebenen Regulatoren sowie die Preßpumpen befinden sich auf einer etwa 8 m oberhalb der Turbinen liegenden Plattform.

Das Kraftwerk ist durch eine Fernleitung von 264 km Gesamtlänge an die Orte Oroville, Marysville, Sacramento, Antioch und Oakland angeschlossen und soll durch eine über die Bucht geführte Leitung bis nach San Francisco Strom liefern. Im vollständigen Ausbau dürfte die Leistung auf 120000 PS steigen. (Electrical World 1909 II, S. 471 bis 475).

H.

Wasserkräfte in Finnland.

Die Gewässer, welche 12 bis 13 v.H. der Oberfläche von Finnland bedecken, weisen schon durch ihre weiten Verästelungen, ihre vielen kleinen Inseln und ihre außerordentlich wechselnden Tiefen- und Strömungsverhältnisse eine Eigenart auf, die den Binnenwasserverkehr äußerst schwierig gestaltet und schon frühzeitig zur Anlage von künstlichen Wasserstraßen und zur künstlichen Vertiefung vorhandener Wasserwege Veranlassung geboten hat. Dazu kommen die strengen Winter, in denen alle Zeichen für die Sichtbarmachung der Wassertiefe vernichtet werden und die auch den Betrieb von Wasserkraftanlagen erschweren. Nichts destoweniger bietet auch dieses Gebiet, ähnlich wie Schweden und Norwegen der Ausnutzung der Wasserkräfte ein weites, ersprießliches Feld. Abgesehen von den großen Wasserläufen im hohen Norden, die als Verkehrsstraßen eine Rolle spielen, kann man im mittleren und südlichen Teile von Finnland drei große Flußgebiete unterscheiden, von denen das westliche mit einem Niederschlagsgebiet von 34000 qkm durch den Kümo entwässert wird und bei den Städten Tammerfors und Tavastehüs ziemlich bedeutende Industrieorte enthält. Bei Tammerfors ist ein Gefälle von 18 m bei einer mittleren Wassermenge von 63 cbm in der Sekunde verfügbar, das seit längerer Zeit nutzbar gemacht wird. Im mittleren Teil von Finnland befindet sich ein Niederschlagsgebiet von 36000 qkm Fläche, welches von dem Kymmenefluß entwässert wird und an diesem Wasserlauf zahlreiche, nur zum geringsten Teile verwertete Wasserkräfte aufweist. Der Kymmenefluß bildet den Abfluß des Päijänne-Sees, dessen Arme sich über ein Gebiet von 250 km Breite erstrecken und dessen Oberfläche 1142 qkm beträgt, und seine Wassermenge schwankt zwischen 180 und 450 cbm in der Sekunde, |800| Die größeren Fälle befinden sich bei Voikka (6,5 m), Knusankoski (9,5 m), Myllykoski (3,6 m), Anjala (7,8 m) usw. mit einer Gesamtleistungsfähigkeit von etwa 50000 PS.

Das bedeutendste Flußgebiet befindet sich aber im Südosten von Finnland. Aus dem Niederschlagsgebiet von 60200 qkm Oberfläche gelangen die gesamten Wassermengen in den Saima-See, einem Becken von 130 km Länge und 100 km Breite, dessen Wasserspiegel 75,9 m über dem Meere liegt und dessen einziger Abfluß der in das Ladogameer mündende Wuoksenfluß bildet. An diesem Wasserlauf befinden sich zahlreiche Fälle, deren Höhe bis zu 18,3 m beträgt und deren Gesamtleistung bei Mindestwassermenge auf 300000 PS veranschlagt wird. Einer dieser Fälle, der bei Imatra, ist allerdings von der Verwertung ausgeschlossen. Das landschaftlich besonders reizvolle Gebiet dieses Falles ist zum Nationalpark bestimmt und bildet alljährlich das Ziel vieler Ausflüge. Aber auch ohne diesen Fall sind genügend große Wasserkräfte vorhanden, deren Verwertung der Industrie und dem Verkehr Finnlands zugute kommen würde. (The Engineer 1909 II, S. 285 bis 288).

H.

Dauerbrandöfen für Braunkohlenbriketts.

Dauerbrandöfen im weitesten Sinn sind Oefen, die es gestatten, das Feuer in ihnen tagelang ohne Unterbrechung zu unterhalten. Die leichte Entzündlichkeit und der hohe Wassergehalt der Briketts erschweren ihre Verwendung im Dauerbrande. Infolge ihrer raschen Entflammung gerät leicht der ganze Brennstoffinhalt der Daueröfen fast gleichzeitig in Brand. Ihr Wassergehalt hingegen macht sich bei der Aufstapelung im Füllschacht des Dauerbrandofens unangenehm bemerkbar. Der Füllschacht bei solchen Oefen ist demnach so anzulegen, daß die darin aufgestapelten Briketts nicht vorzeitig zur Entzündung kommen und sich entwickelnde Schwelgase und Dämpfe so abgezogen werden, daß sie durch die etwa schlecht schließende Fülltür nicht entweichen und gesundheitsschädlich wirken können. Bei dem von der Aktiengesellschaft Lauchhammer in Lauchhammer und von der Firma Cl. Linien in Unna i.W. bereits während der letzten neun Jahre gelieferten Lignitdauerbrandofen ist der Füllschacht überhaupt weggelassen. Zwar ist über dem nach unten durch einen Schüttelrost abgeschlossenen und durch eine Feuertür zugänglichen Feuertopf ein zylindrischer Schacht in den Ofen eingebaut, doch dient dieser nicht zur Stapelung der Briketts, sondern zur Füllung des Ofens und zur Trocknung der in ihm aufsteigenden Schwelgase und Dämpfe. Letztere Wirkung wird durch Beheizung des Schachtes mittels eines um ihn gelegten Feuerzuges bewirkt. Die vollständige Ausnutzung der Schwelgase wird durch von oben in den Schacht eintretende Verbrennungsluft gewährleistet. Durch Schließen einer am Ofen angebrachten Rosette läßt sich die Verbrennung so weit einschränken, daß das Feuer gerade noch unterhalten wird und nicht erlischt, z.B. über Nacht, wenn am Abend noch zwei bis drei Briketts aufgegeben werden. Trotzdem dieser Ofen ziemlicher Wartung bedarf, um gute Resultate zu ergeben, hat er sich wegen seines sparsamen Kohlenverbrauches und des geruchlosen Verbrennens des Brennstoffes vielfach eingebürgert.

Ein zweiter Dauerbrandofen für Braunkohlenbriketts ist der Küpperbusch-Ofen. Er hat außer einem sparsamen Brikettverbrauch eine gleichmäßige und leicht regelbare Wärmeabgabe gezeigt. Dieser von der Firma Küpperbusch & Söhne A.-G., Gelsenkirchen-Schalke in den Handel gebrachte Ofen ist eine wesentlich verbesserte und abgeänderte Ausführung des Ende der neunziger Jahre von der Ilse-Bergbau-Aktiengesellschaft gebauten Brikettdauerbrandofens. Der über dem Feuertopf befindliche Füllschacht ist etwas aus dem Ofen herausgebaut. Die Schwelgase werden aus ihm durch Abzugsöffnungen der Verbrennungsstelle wieder zugeführt. Nach dem Anheizen des Ofens und der Füllung des Füllschachtes wird die Feuertür und die Aschenfalltür geschlossen. Die Verbrennungsluft tritt durch eine seitliche Rosette in den Ofen. (Braunkohle 1909, Seite 417).

J.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: