Titel: Der Transportgurt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325 (S. 68–71)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/ar325021

Der Transportgurt.

Von Ingenieur Hubert Hermanns, Aachen.

(Fortsetzung von S. 51 d. Bd.)

Die Verbindung der Gurtenden wird in der Regel durch besonders hierfür hergestellte Krallen bewerkstelligt. Fig. 10 veranschaulicht eine solche ausgestanzte Kralle sowohl in gebogenem als auch im ungebogenen Zustande, welche Methode eine zuverlässige und bequeme Verbindung ergibt. Oft auch werden die Bänder endlos hergestellt. Indessen wird hierdurch die Montage erschwert, weshalb diese Art der Endenverbindung nicht zu empfehlen ist. Vielfach werden die Stoßstellen auch durch Uebernähen mit Segeltuch oder dünnem Leder miteinander verbunden.

Die Antriebskraft für den Gurtförderer wird wohl meist durch einen Elektromotor geliefert. In besonderen Fällen kann die Kraft auch von einer vorhandenen Transmission abgenommen werden. Ein wesentlicher Vorteil, |69| der dem Fördergurt vor den meisten anderen Fördermitteln eigentümlich ist, ist der Umstand, daß der Antriebsmechanismus an jeder beliebigen Stelle der Förderstrecke aufgestellt werden kann, während die meisten übrigen Fördereinrichtungen den Antrieb nur an einem bestimmten Punkte zulassen Wichtig ist dieser Umstand besonders bei mit Steigung arbeitenden Gurten, bei denen für das Tragen des Gurtes mit den Stützrollen ein Unterbau aus Eisenkonstruktion benötigt wird. Bei diesen wird der Antrieb zweckmäßigerweise an den Fuß der Steigung verlegt. Eine Anlage des Antriebes auf der Höhe der Steigung würde außer der notwendig werdenden Verstärkung und somit Verteuerung des Unterbaues außerdem noch eine Erhöhung der Montagekosten bedingen.

Textabbildung Bd. 325, S. 69

Zwei hintereinanderliegende Gurte, von denen der eine das Fördergut an den nächstfolgenden abgibt, erhalten zweckmäßig einen gemeinsamen Antriebsmotor, der seine Aufstellung an der Trennungsstelle erhält. Auf diese Weise kann selbst ein System von vier hintereinanderliegenden Gurten durch einen einzigen Motor angetrieben werden, wobei die Kraft von dem Ende des einen Gurtes auf den Anfang des nächstfolgenden etwa durch Kette und Kettenrad in zweckmäßiger Weise übertragen wird.

Die Tab. 3 enthält die bei den verschiedenen Breiten der Gurte je nach der Anzahl der Leinwandeinlagen erforderlichen Durchmesser der Umführungsscheiben.

Tabelle 3. Durchmesser der Antriebsscheiben.

Breite
des Gurtes
mm
Durchmesser
der Scheibe
mm
Breite
des Gurtes
mm
Durchmesser
der Scheibe
mm
300 400–450 650 600– 750
350 400–450 700 600– 750
400 450–600 750 750– 900
450 500–600 800 750– 900
500 500–600 850 750–1050
550 500–750 900 750–1200
600 600–750

Mit zunehmender Leistung des Gurtes müssen die Umführungsscheiben, um eine vergrößerte Auflagefläche zu erzielen, vergrößert werden. Hierbei ist es aber vorteilhaft, an Stelle einer großen Scheibe zwei Scheiben mit kleinerem Durchmesser anzuwenden, wodurch außerdem noch eine entsprechende Vereinfachung der Uebersetzung erzielt wird. Auch kann der Gurt bei Anwendung des Mehrscheibenantriebes lockerer laufen, als bei Anwendung nur einer Scheibe, so daß der Gurt selbst geschont wird. Zur Vergrößerung der Adhäsion des Gurtes auf der Scheibe kann diese mit einem Gummiüberzug versehen werden, eine Einrichtung, die sich besonders an stark staubenden Arbeitsstellen empfiehlt. Bei schweren Gurten sollten indessen Scheiben mit zu kleinem Durchmesser vermieden werden, da der Gurt infolge der starken Biegung auf der Scheibe leicht zerstört werden kann, jedenfalls aber seine Lebensdauer wesentlich verringert wird.

Bei der Förderung von nassem und klebrigem Material ist eine fortwährende Reinigung der Oberfläche des Gurtes ratsam. Dies kann in primitiver Weise durch einen kräftigen Wasserstrahl geschehen, was jedoch eine unwirtschaftliche Methode darstellt. Zweckmäßiger ist eine unter dem Gurt angebrachte Drehbürste, die von der Gurtantriebsscheibe betätigt wird und mit großer Geschwindigkeit rotiert. Heitmann hat in seinem mehrfach erwähnten Aufsatz eine solche Bürsten-Reinigungsvorrichtung schon besprochen, so daß sich ein näheres Eingehen darauf erübrigt.

Textabbildung Bd. 325, S. 69

Die Aufgabe des Transportgutes auf den Gurt gestaltet sich sehr einfach. Entweder kann dieselbe von Hand an jeder beliebigen Stelle erfolgen oder man wendet eine einfache Schurre an, die das Fördergut kontinuierlich abgibt. Es ist nur bei der Konstruktion dieser Schurre darauf zu achten, daß einerseits das Material in der Richtung des Gurtlaufes aufgegeben wird, und daß dasselbe möglichst mit der Geschwindigkeit des Gurtes auf diesen auftrifft. Andererseits ist jedoch eine Beschädigung des Gurtes durch scharfkantige Stücke zu verhindern, was z.B. bei der Förderung von Erzen von wesentlicher Wichtigkeit ist. Der Gurt kann zweckmäßig mit anderen Fördermitteln, wie Ladebrücken, Schüttelrinnen kombiniert werden, wobei etwa die Ladebrücke in den Aufgabetrichter des Gurtes fördert.

Textabbildung Bd. 325, S. 69

Das Abladen des Fördergutes vom Gurt kann an beliebiger Stelle erfolgen. Es werden hierzu besondere Abwurfwagen benutzt, die entweder stationär oder beweglich ausgeführt werden. Im Prinzip unterscheiden die beiden Anordnungen sich nicht voneinander. Die stationäre Abwurfvorrichtung besteht aus einer eisernen Ablaufschurre und zwei Rollen, um die das Band in Form eines S umgeleitet ist. Der bewegliche Abwurfwagen ist auf einem Geleise montiert und wird entweder automatisch oder durch Handkurbel bewegt. Einen beweglichen Abwurfwagen Muth-Schmidtscher Ausführung hat bereits Heitmann beschrieben.1) Einen von Luther, Braunschweig, gebauten Abwurfwagen mit Bewegung von Hand zeigt Fig. 11. Die Entladung geschieht nach beiden Seiten des Gleises. Der automatische Ablader nach Fig. 12, ebenfalls nach Lutherscher Bauart, wird durch vom Gurt abgenommene Kraft angetrieben und bewegt sich dann zwischen auf dem Schienengleise angebrachten Anschlägen hin und her, so daß sich die Abladestelle fortwährend ändert und ein langgestrecktes Lager gleichmäßig beschüttet werden kann. Einen diesem ähnlichen Lutherschen Abwurfwagen veranschaulicht Fig. 13. Derselbe unterscheidet sich von dem vorerwähnten nur dadurch, daß der Wagen drei Ablaufschurren besitzt, von denen |70| die dritte, vordere, einen Teil des Transportgutes nach vorne auf den Gurt abwirft, um an anderer Stelle entladen zu werden. Fig. 14 endlich zeigt eine von Luther gebaute Abwurfvorrichtung für die Entladung von Säcken oder Ballen, welche über die Rollen in eine Rutsche oder dergleichen befördert werden können.

Textabbildung Bd. 325, S. 70

Die Leistungsfähigkeit des Transportgurtes hängt außer von den Abmessungen des Gurtes, der Geschwindigkeit, der zur Verfügung stehenden Kraft usw. von den gegebenen örtlichen Bedingungen und dem Charakter des zur Beförderung bestimmten Materials ab. Nähere Angaben darüber enthält die Tab. 4.

Textabbildung Bd. 325, S. 70

Tabelle 4.

Breite
des
Gurtes
mm
Höchst zulässige
Größe der
einzelnen Stücke
mm
Leistung in
cbm/Std. bei einer
Geschwindigkeit
von 30 m/Min.

Höchst zulässige
Geschwindigkeit
in m/Min.
Leistung in cbm
bei höchst zu-
lässiger
Geschwindigkeit
300 50 13 90 39
350 62 19 90 57
400 75 23 90 69
450 100 29 105 102
500 125 36 105 126
550 150 44 120 176
600 200 48 120 192
650 225 62 135 279
700 300 71 135 320
750 350 82 135 370
800 375 93 150 465
850 400 105 150 525
900 450 119 150 595
950 475 130 165 715
1000 500 144 165 792
1050 500 158 165 869
1100 550 176 180 1056
1150 550 193 180 1158
1200 600 210 180 1260

Das Nachspannen des schlaff gewordenen Gurtes geschieht entweder durch eine von Hand betätigte Schraubenspannvorrichtung oder durch eine selbsttägige Spannvorrichtung, deren Vorteil neben dem Wegfall von Handarbeit darin besteht, daß eine bestimmte Spannung sicher eingehalten wird, und daß auftretende Stöße von derselben aufgenommen und unwirksam gebracht werden. Solche Spannvorrichtungen können entweder aus Federn, oder aber, wie es in den meisten Fällen geschieht, durch Belastungsgewichte erzielt werden. Unnötig schwere Gewichte sind hierbei zu vermeiden, da hierdurch Kraftverbrauch und Verschleiß des Gurtes ungünstig beeinflußt werden. Zweckmäßig wird das Gewicht in einzelnen Scheiben hergestellt und darauf das geeignete Gewicht durch Ausprobieren ermittelt.

Bei der Bemessung der Geschwindigkeit ist zunächst und in erster Linie darauf Rücksicht zu nehmen, daß ein langsam laufender Transportgurt höher beschüttet werden kann als ein schnellaufender. Im übrigen ist die Geschwindigkeit desselben einerseits von der Menge des stündlich zu fördernden Materials, andererseits von der Größe der einzelnen Stücke abhängig. Bei schnellaufenden Gurten von geringer Breite verteilt sich das Fördergut infolge der Einflüsse der Erschütterungen über die ganze Tragfläche und gerät so in Gefahr seitlich herabzufallen, so daß die wachsende Geschwindigkeit durchaus nicht eine in demselben Verhältnis wachsende Leistungsfähigkeit bedingt.

Die Breite des Bandes richtet sich einesteils nach den zu fördernden Materialmengen, sodann nach den auftretenden Zugbeanspruchungen und endlich nach der zu erzielenden Geschwindigkeit. Zu Ladung und Geschwindigkeit steht naturgemäß die Gurtbreite in nahen Beziehungen. Die Bestimmung der Länge ist abhängig von der Breite und der Zugbeanspruchung eines bestimmten Gurtes. Natürlich kann sich die Länge eines in wagerechter Richtung fördernden Gurtes in weiter gesteckten Grenzen bewegen als ein mit Steigung arbeitender Gurt.

Für die Bemessung der für den Betrieb eines Gurttransporteurs erforderlichen Kraft gibt C. Kemble Balwin in „The Journal of the American Society of Mechanical Engineers“ folgende Formeln an.

Für wagerecht laufende Gurte:

Für geneigte Gurte:

In diesen Formeln bezeichnet

HP = die erforderliche Kraft in PS,

C = konstante Kraft nach nachfolgender Tab. 5,

T = Ladung in t/Std.,

L = Länge des Gurtes zwischen den Umführungsscheiben in Fuß,

H = senkrechte Hubhöhe in Fuß.

Es ist also bei der Anwendung auf unsere Verhältnisse eine Umrechnung des englischen Maßsystems in unsere metrischen Maßeinheiten notwendig. Weiterhin gibt derselbe Verfasser noch die nachfolgenden Angaben:

Für einen Gurt unter 50' Länge ist zu dem obigen Resultat ein Zuschlag von 20 v. H., für solche von 50 bis 100' Länge ein Zuschlag von 10 v. H. zu machen. Ebenso ist die Reibung etwa angewandter Zahnräder nicht berücksichtigt. Endlich ist für jeden festen und beweglichen Abwurfapparat ein Zuschlag zu machen, dessen jeweilige Höhe aus nachfolgender Tab. 5 hervorgeht.

Diese Tabelle ist derselben Abhandlung von C. Kemble Balwin entnommen, und habe ich in derselben die englischen Maße und Gewichte in das metrische System umgerechnet. Mit Hilfe der Kraftverbrauchsformeln in Verbindung mit Tabelle 5 und der Leistungstabelle 4 ist es leicht, die erforderlichen Rechnungen sicher und bequem durchzuführen.

|71|

Tabelle 5.


Breite
des Gurtes
mm
C
für Material
von
400–1200 kg
f. d. cbm
C
für Material
von
1200–2000 kg
f. d. cbm
PS
für jeden
beweglichen
oder festen
Abwurfw.

Kleinste
Anzahl der
Leinwand-
einlagen

Größte
Anzahl der
Leinwand-
einlagen
300 0,234 0,147 0,5 3 4
350 0,226 0,143 0,5 3 4
400 0,220 0,140 0,75 4 5
450 0,209 0,138 1,0 4 5
500 0,205 0,136 1,25 4 6
550 0,199 0,133 1,5 5 6
600 0,195 0,131 1,75 5 7
650 0,187 0,127 2,0 5 7
700 0,175 0,121 2,25 5 8
750 0,167 0,117 2,5 6 8
800 0,163 0,115 2,75 6 9
850 0,161 0,114 3,0 6 10
900 0,157 0,112 3,25 6 10

Nach der Angabe der Hütte berechnet sich der Kraftbedarf des Transportgurtes unter Berücksichtigung der Förderhöhe, der Förderlänge, der Reibungsarbeit der Scheiben, Stütz- und Leitrollen sowie des Gurtes selbst, wenn

A den Arbeitsbedarf in PS,

T die Fördermenge in t/Std.,

h die tatsächliche Förderhöhe in m,

l die Gesamtlänge von Endrolle zu Endrolle in m,

l1 die tatsächliche Förderlänge in m und

x die Anzahl der Ablenkrollen des Bandes ohne Antriebsrolle

bedeutet, nach der Formel:

Bei der Wahl des Motors ist zu berücksichtigen, daß die Anlaufwiderstände bis zum zwei- bis dreifachen der normalen Widerstände anwachsen können. Bei der Beförderung von gefüllten Säcken und Ballen ergibt sich der Kraftbedarf, wenn

q das Gewicht des einzelnen Sackes in kg und

f je nach der Güte der Ausführung = 0,08 – 0,15 ist, aus der Formel:

(Schluß folgt.)

|69|

s. D. p J. 1908, Bd. 323, S. 247.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: