Titel: Die Tätigkeit des Königlichen Materialprüfungsamtes der Technischen Hochschule zu Berlin usw.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325 (S. 73–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/ar325023

Die Tätigkeit des Königlichen Materialprüfungsamtes der Technischen Hochschule zu Berlin im Betriebsjahr 1908.

Bezüglich der Aufgaben des Amtes sei auf den vorjährigen Bericht verwiesen. Die dort erwähnten Verhandlungen über Erweiterungen des Arbeitsgebietes durch Uebernahme von Untersuchungen und schiedsrichterliche Entscheidungen in Textilfragen schweben noch. Verhandlungen über Mittel und Wege, um eine wirksame chemische Kontrolle der Gummihüllen für isolierte Leitungsdrähte herbeizuführen, stehen dicht vor dem Abschluß.

Auf dem Gebiete der mechanischen Prüfung von Weichgummisorten wurden Dauerversuche mit verschiedenen Gummisorten in einer nach den Anregungen von Martens von der Firma L. Schopper in Leipzig gebauten Dauerversuchsmaschine ausgeführt, ferner Zugversuche auf der Maschine von Schopper-Daten. Sie erstrecken sich auf den Einfluß der Probenform (ring- und stabförmige Zerreißprobe), sowie der Zusammensetzung und des Vulkanisierungsgrades auf die Festigkeitseigenschaften. Die Ergebnisse sind in den „Mitt.“ Heft IV veröffentlicht.

Die ebenfalls bereits erwähnten Dauerversuche mit Flußeisen sind fortgeführt. Ueber die hierbei gemachten Erfahrungen bezüglich der Erwärmung der Probestäbe durch elektrische Oefen sowie der Messung der Wärme mittels Thermoelemente ist ein Bericht angekündigt.

Für die Erwärmung der Probestäbe über 400° hinaus hat sich, da die Stäbe bei der Bauart der verwendeten Oefen im Luftbade erhitzt werden, bislang die eintretende starke Verzunderung der Staboberfläche hindernd in den Weg gestellt. Diese Verzunderung erschwert die nach dem Arbeitsplan für die Dauerversuche vorgesehene Messung der Längen- und Querschnittsänderung nach bestimmten Lastwechselzahlen, weswegen vor der Hand die Versuche nur bis 400° regelrecht durchgeführt wurden. Es sind indessen Arbeiten im Gange, um auch über die Schwierigkeiten der höheren Erwärmungen hinwegzukommen.

Die als Kraftmesser an den Dauerversuchsmaschinen verwendeten Meßdosen haben sich auch im abgelaufenen Jahre als durchaus betriebssicher erwiesen. An 13 von 20 Maschinen sind noch die ersten Dosenbleche (Messingblech von 0,35 mm Dicke mit aufgeklebter Paragummischeibe von 1 mm Dicke) nun bereits 2½ Jahre im Betrieb, was etwa einer Gesamtzahl von 8-10 Millionen Anstrengungen entspricht.

Unter den Arbeiten der Abteilung für Metallprüfung seien genannt:

1. Prüfungen von sechs Festigkeitsmaschinen, Bauart Losenhausen, Mohr & Federhaff, Martens, sowie einer |74| Röhrenpresse nach Koenen auf Richtigkeit der Kraftanzeige, ferner einer Presse der Aktiebolaget Alpha, Stockholm für Kugeldruckproben nach Brinell.

Außerdem wurde eine Betonstampfmaschine, Bauart Schmidt, D. R. P. 193956 und 194710, Hersteller Max Hasse & Co., Berlin, zum Einstampfen der Probewürfel für Druckversuche untersucht.

Die Maschine soll die beim Einstampfen von Hand verbleibenden Ungleichmäßigkeiten verringern. Ihre Grundaufgaben bestehen darin, die Fallhöhe des Stampfers, den Ort der Stampf schlage und deren Zahl genau festzulegen. Die Maschine erfüllte die gestellten Anforderungen.

Zur Prüfung von Festigkeitsprobiermaschinen sind auch in diesem Jahr wieder fünf Kontrollstäbe für Belastungen von 10 bis 100 t an andere Anstalten und Werke abgegeben.

2. Unter den im vorjährigen Bericht erwähnten wissenschaftlichen Arbeiten sind die umfangreichen Versuche mit Fichtenholz zur Ermittlung des Einflusses des Standortes und des Wildschälens, sowie die Untersuchungen des mit Zuckerlösung getränkten Holzes zum Abschluß gekommen. Die Veröffentlichung der Ergebnisse ist in Aussicht genommen.

3. Allgemeines Interesse verdienen die neu aufgenommenen Festigkeitsversuche mit Eisenkonstruktionen, auf Antrag und für Kosten des Vereins Deutscher Brücken- und Eisenbaufabriken. Ueber die bisher zum Abschluß gebrachten Reihen haben wir bereits an anderer Stelle berichtet (s. D. p. J. 1909, S. 449). Weitere Berichte werden folgen.

Die zur Prüfung ganzer Konstruktionen erforderlichen großen Kraftleistungen bedingen die Aufstellung einer neuen Prüfungsmaschine; der Verein hat daher beschlossen, dem Amt die Mittel zur Beschaffung einer 3000 t-Maschine für Zug und Druck zur Verfügung zu stellen.

4. Unter den Untersuchungen mit im Betriebe gebrochenen Konstruktions- und Bauteilen auf Güte des Materials und Bruchursache seien hervorgehoben die Versuche mit

  • a) einer beim Anfahren gegen einen Wagen gebrochenen Automobilvorderachse. Das Material zeigte geringe und ungleichmäßige Dehnung (12,6 bis 20,3 v. H.) und war besonders empfindlich gegen stoßweise Beanspruchung. Durch Glühen wurden die Eigenschaften des Materials nicht verbessert;
  • b) einer gebrochenen Eisenbahnwagenachse, die an der Bruchstelle durch einen eingeschlagenen Stempel verletzt war. Aus den Versuchen konnte geschlossen werden, daß die Entstehung des Bruches durch den eingeschlagenen Stempel eingeleitet und sein Fortschreiten dann dadurch begünstigt worden ist, daß das Material im verletzten Zustande gegen Stoß empfindlich war;
  • c) einer angeblich infolge zu hoher Beanspruchung durch Riemenzug gebrochenen Transmissionswelle. Die Festigkeitseigenschaften des Materials genügten nicht den Anforderungen, die man an Wellenmaterial aus Flußeisen stellen darf;
  • d) dem Material eines gebrochenen Dampfzylinders auf Festigkeit und Sprödigkeit. Wegen seiner geringen Festigkeit konnte das Eisen im Vergleich zu den Vorschriften für die Lieferung von Eisen und Stahl, aufgestellt vom Verein Deutscher Eisenhüttenleute, und zu den Vorschriften für Lieferung von Gußeisen, aufgestellt vom Verein Deutscher Eisengießereien, nicht als guter Zylinderguß bezeichnet werden. Die ermittelten Durchbiegungen waren ausreichend; Sprödigkeit lag nicht vor.
  • e) Eisenfeilen einer eingestürzten Dachkonstruktion. Die Knotenbleche erwiesen sich als Schweißeisen von geringer Festigkeit und Dehnung. Auf einer Seite waren sie stark verrostet und zeigten hier Einhiebe, wie sie beim Losschlagen von Kesselstein in Dampfkesseln entstehen. Einige Stellen zeigten grauweißen Belag, dessen chemische Zusammensetzung derjenigen von Kesselstein entsprach. Diese Beobachtungen führten zu dem Gutachten, daß zu dem Knotenblech altes Kesselblech aus Schweißeisen verwandt worden sei.

5. Im Auftrage der Königlichen Eisenbahndirektion zu Berlin wurden eingehende Versuche zur Prüfung und Begutachtung des unter D. R. P. 187899 patentierten „Thermit-Verfahrens“ zum Nachspannen von Schrägstäben angestellt. Das Verfahren dient zum Nachspannen schlaff gewordener Stäbe in Eisenkonstruktionen durch Stauchen der örtlich erhitzten Stäbe mittels Spannschrauben, um hierdurch das umständliche Auswechseln dieser Stäbe zu vermeiden. Die außerhalb der Stauchstelle erzeugten Zugspannungen werden bei der Arbeitsausführung mit einem Spannungsmesser, Bauart Manet-Rabut gemessen.

Die Untersuchungen erstrecken sich auf Prüfung des Spannungsmessers auf Richtigkeit der Anzeige, Ausführung von Nachspannungen an Schrägstäben und Ermittelung des Einflusses des Stauchens auf die Eigenschaften des Materials. Sie haben ergeben, daß mit dem untersuchten Verfahren das Nachspannen von schlaffen Stäben sich in bequemer Weise ausführen läßt. Der benutzte Dehnungsmesser zeigte die Dehnungen außerhalb der Stauchstelle mit hinreichender Genauigkeit an, um danach die im Stab erzeugte Zugspannung zu berechnen. Die Festigkeitseigenschaften des Materials waren bei den Versuchen durch das Erhitzen und Stauchen an der Stauchstelle nicht nennenswert verändert worden. Bei Flußeisenstäben hatte die Festigkeit etwas zu- und die Dehnung etwas abgenommen; bei Schweißeisenstäben war umgekehrt die Festigkeit um ein geringes herunter- und die Dehnung heraufgegangen, das Material war aber keineswegs spröde geworden.

6. Für Zugversuche bei niederen Wärmegraden hat folgendes Verfahren sich gut bewährt. Der Probestab wird in der Zerreißmaschine von einem Gefäß umschlossen, das mit einer gesättigten wässerigen Lösung gefüllt ist, die bei einem bestimmten Kältegrad gefriert und deren Temperatur während der ganzen Dauer dieses Gefriervorganges konstant bleibt.

Angewendet wurden nach Ostwald-Luther: Natriumchlorid und Kaliumnitrat (NaCl und KNO3) für etwa – 24 C°, Natriumnitrat (NaNO3) für etwa – 12 C° und Kaliumnitrat (KNO3) für etwa – 3 C°.

Die Abkühlung des Gefäßes mit der Lösung erfolgte mittels flüssiger Kohlensäure. Die Stabwärme wurde mit einem an die Probe angelegten Kupferkonstantenelemente gemessen.

Für zwei verschiedene Chargen Elektrostahl sind folgende Werte gefunden:

σ S σ B δ
I. Bei Zimmerwärme 4050 7640 16,2
– 3 C° 3980 7670 17,6
– 12 C° 4180 7870 17,2
– 24 C° 4300 7910 15,4
II. Bei Zimmerwärme 4180 7540 15,3
– 3 C° 4150 7800 16,4
– 12 C° 4340 7820 15,1
– 24 C° 4390 7930 15,7

Streck- und Bruchgrenze σS und σB nahmen mit der Kälte um weniges zu, die Dehnung δ hat sich nicht wesentlich geändert.

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7. Zugversuche bei höheren Wärmegraden (s. D. p. J. 1909, S. 563) ergaben:

a) für Resistin

bei 250 C°: σ S = 2390, σ B = 4820 kg/qcm, δ = 32,2 v. H
300 = 2280, = 4500 = 37,5
350 = 1880, = 3770 = 49,5
400 = 1550, =3050 = 67,7

b) für Bronze

Zimmerwärme: σ S = 2410, σ B = 5560 kg/qcm, δ = 19,8 v. H.
100 C° = 2480, = 5040 = 29,8
200 „ = 2200, = 3790 = 35,1
320 „ = 470, = 1340 = 112,8

c) für Elmorekupfer, einem Kupferhohlzylinder von 0,2 cm Wandstärke in der Längsachse entnommen,

Fall I:

bei Zimmerwärme: σ S = 1840, σ B = 2820 kg/qcm, δ = 31,0
120 C° = 1600, = 2350 = 26,1
133 „ = 1530, = 2290 = 20,7

Fall II:

bei Zimmerwärme: σ S = 2630, σ B = 3130 kg/qcm, δ = 21,0
120 C° = 2000, = 2500 = 4,0
133 „ = 1970, = 2420 = 2,5

Außerdem wurden Stahlguß und Proben aus Kupferrohren wiederholt nach den Materialvorschriften der deutschen Kriegsmarine bei 200 C° geprüft. Die verlangten Festigkeitseigenschaften genügten nicht immer, insbesondere wurde bei Kupferproben die vorgeschriebene Streckgrenze (Spannung, bei der die bleibende Dehnung 0,2 v. H. der Meßlänge nicht überschreitet) von 400 kg/qcm bei 200 C° vielfach nicht erreicht.

8. Zur Feststellung der Härteunterschiede von Neusilberblechen von nur 0,08–0,32 cm Dicke dienten Eindruckversuche mit einer Kugelspitze aus gehärtetem Stahl, deren Krümmungshalbmesser 0,32 cm betrug. Um einen Vergleich mit dem Kugeldruckverfahren nach Brinell zu haben, wurden gleichzeitig an dem stärksten Blech von 0,32 cm Dicke Kugeldruckproben nach Brinell ausgeführt. Mit den Kugelspitzen wurden je nach den Blechstärken Härtezahlen von 83–114 gefunden. Die Brinell-Probe ergab kleinere Werte.

9. Zur Feststellung des Unterschiedes im Verhalten von zwei Sorten Druckknöpfen, deren Federn bei der einen Sorte aus Phosphorbronzedraht, bei der anderen Sorte aus Messingdraht von 0,05 cm hergestellt war, wurde der Haftwiderstand der beiden Knopfsorten im Anlieferungszustande und nach voraufgegangener Dauerbeanspruchung sowie die Zugfestigkeit der beiden Drahtsorten ermittelt.

Die Ergebnisse sprechen zugunsten des Bronzedrahtes, der auch die größten Festigkeiten zeigte.

10. Zugversuche mit Deltametall in Rundstangen ergaben:

bei 1,5 cm σ S = 4270, σ B = 5190 kg/qcm, δ = 13,2 v. H.
2,0 = 3840, = 4900 = 14,7
2,5 = 3060, = 4300 = 28,1

und vergleichende Drehversuche an geschmiedeten und gepreßten Deltametallstäben von 1,8 × 1,2 cm Querschnitt:

für das geschmiedete Material

G = 390000, σP = 950, σS = 1470, σB = [1470] kg/qcm

für das gepreßte Material

G = 365000, σP = 630, σS = 1140, σB = [1 140] kg/qcm.

11. Neu aufgenommen sind die Prüfung von Feilen zur Ermittlung ihrer Schnittfähigkeit und Dauerhaftigkeit. Als Maßstab dient die Feststellung der Beziehung zwischen dem abgearbeiteten Spangewicht und der Anzahl der geleisteten Feilenhübe bis zum Stumpfwerden der Feilen.

12. Auf inneren Wasserdruck sind neben Ton- und Zementrohren, Gummischläuchen, spiralgewalzten Rohren und Rohrverbindungen auch Asphaltpapprohre geprüft, die als Ersatz für Tonrohre dienen sollen. Rohre von 10 cm lichtem ⌀, 0,9 cm Wandstärke und 4,0 kg Gewicht bei 1,0 m Baulänge hielten 7,7–16,8 at.

Die spiralgewalzten Rohre von 2'' lichtem ⌀ und 0,09 cm Wandstärke brachen bei 108–119 at stets an der Lötstelle.

Die Rohrverbindungen, Krümmer-, ⊤-, ⋏- und ⊹- Stücke von 1–3'' lichtem ⌀ zeigten stets Undichtheiten (bei 97,5–150 at) in den Ecken.

13. An Brennapparaten, „Autokauter“, lötkolbenartige Instrumente, die für tierärztliche Zwecke zum Ausbrennen von Wunden bestimmt sind, wurde der während der Benutzung auftretende Druck im Apparat ermittelt. Der Apparat wurde nach vorgelegter Gebrauchsanweisung mit Aether in Betrieb gesetzt. Die Brenndauer betrug bei 61 ccm Aetherfüllung etwa 30 Minuten; der Druck stieg allmählich auf 4,8–5,5 at an.

14. An Material für Zahnräder sind folgende Härtezahlen nach Brinell ermittelt: Vulkanfibre = 7,2, Rohhaut = 8,2, Unica-Papierstoff = 11,4 und Gußeisen = 145. Bei Buchslabenmatrizen verschiedener Dicke für Setzmaschinen, angeblich aus gleichem Material, wuchs mit abnehmender Dicke die Härte und das spez. Gewicht.

15. Drei Rauchröhren für Lokomotivkessel-Ueberhitzer, System Schmidt, von 428,6 cm Länge und 13,3 cm äußeren Durchmesser, von denen das eine glatt und an einem Ende 60 cm lang auf 11,3 cm eingezogen war, während die beiden anderen an einem Ende 55 cm lang gewellt waren und sich nur in der Wandstärke unterschieden, die innerhalb des gewellten Teiles 4 und 3 mm betrug, wurden auf ihr elastisches Verhalten unter Druckbeanspruchung untersucht. Die Verkürzungen der Rohre verhielten sich bei den gleichen Belastungen etwa wie 1 : 1,5 : 3. Die Belastungen, bei denen unaufhaltsames Ausknicken eintrat, betrugen 31000, 15000 und 8800 kg.

16. An einer explosionssicheren Steckdose war festzustellen, ob beim Oeffnen oder Schließen des stromführenden Kontaktes der vorliegenden Bauart Funken entstehen, die ein die Dose umgebendes explosives Benzin-Luft-Gemisch zur Explosion bringen. Das Oeffnen und Schließen des Kontaktes wurde in einem zu diesem Zweck besonders hergestellten, luftdicht verschließbaren und mit dem explosiven Gasgemisch gefüllten Kasten vorgenommen. Das Gemisch wurde vor Erschöpfung seiner Zündfähigkeit immer wieder ergänzt. Die Versuche wurden mit Gleichstrom ausgeführt. Die Spannung zwischen den stromführenden Teilen betrug 220 Volt. Während der Daueruntersuchung wurde der Kontakt der Steckdose 5378 mal geöffnet und geschlossen, wobei in keinem Falle Explosion des die Dose umgebenden Benzin-Luftgemisches eintrat. Die Schnelligkeit des Oeffnens und Schließens der Steckdose hatte keinen Einfluß.

17. Belastungsproben mit Treppenläufen aus Kunststeinstufen, 1,3; 1,52; 1,54 und 1,6 m freitragend, lieferten Bruchlasten von 7340; 11470; 9480 und 8000 kg.

Bei einer beiderseits aufliegenden Treppe mit 2,725 m Spannweite wurde bei 47400 kg noch kein Bruch erreicht. Eine im Bau befindliche Treppe, für die von der Baupolizei 1000 kg/qm Tragfähigkeit gefordert war, blieb bei 1360 kg/qm Belastung rißfrei.

Unter den Arbeiten der Abteilung für Baumaterialprüfung dürften die folgenden allgemeines Interesse verdienen.

1. Ziegelsteine, einem eingestürzten Neubau entnommen, wiesen im Mittel nur 25 kg/qcm Druckfestigkeit auf.

2. Um über das Erhärten von Kalkmörtel im Mauerwerk aus Ziegelsteinen und Kalksandsteinen, sowie über das Haften des Mörtels an den Steinen Aufschluss zu erlangen, wurden auf dem Grundstücke des Amtes zwei Mauern errichtet, die eine aus Kalksandsteinen, die andere aus |76| Ziegelsteinen, und nach verschiedenen Zeiten Mörtel-Proben vom Rande und aus der Mitte der Fuge entnommen.

Der Kohlensäuregehalt war nach drei Jahren bei beiden Mauern annähernd der gleiche (7–8 v. H. am Rande und 0,7–0,8 v. H. in der Mitte). Dagegen war der Mörtel in den Mauern aus Ziegelsteinen feuchter als in der aus Kalksandsteinen (im Mittel 5,5 : 1,9 v. H.). Infolgedessen ließen sich auch die Ziegelsteine etwas leichter aus dem Mörtelbett abheben, als die Kalksandsteine. Am Rande war die Erhärtung des Mörtels in beiden Mauern etwa 3 cm tief fortgeschritten.

3. Versuche mit Bürgersteigplätten aus Zementbeton (Zementplatten, Betonplatten, Granitoidplatten usw.) führten das Königliche Polizei-Präsidium zu Berlin zur Aufstellung folgender Bedingungen für die Lieferung und Prüfung von Bürgersteigbelegplatten:

  • 1. Die Platten sollen quadratisch sein und 35 cm Seitenlänge haben. Zur gradlinigen Abgrenzung dieser diagonal zur Straßenrichtung zu verlegenden Platten sind fünfeckige Platten – sogenannte Bischofsmützen – von 50 cm Grundlinie und 50 cm Höhe (bis zur Spitze) zu verwenden.
    Die sonst noch notwendigen Paßplatten dürfen nicht unter 25 und nicht über 50 cm Seitenlänge haben. Platten von dreieckiger Form sind unzulässig. Die Stärke der Platten muss mindestens 6,5 cm und darf nicht über 8 cm betragen. Ihre Form muss durchweg voll und scharfkantig sein.
  • 2. Die Platten sollen entweder durchweg aus fein gebrochenem, hartem Naturgestein (Granit, Grünstein usw.) und bestem Zementmörtel oder aus einer ebensolchen Decklage von mindestens 3 cm Stärke und aus einer mindestens 3,5 cm starken Grundlage aus Steingruß- oder Kiesbeton bestehen. Die eventl. Decklage der Platten soll mit der Grundlage innig und fest verbunden sein, sodaß beim Zerschlagen eine Trennung dieser Lagen voneinander nicht eintritt.
  • 3. Die für die Decklage der Platten verwendeten Natursteine können entweder von ein und derselben Art und Farbe oder von mehreren Gesteinarten sein. Im letzteren Falle muß ihr Mischungsverhältnis stets dasselbe bleiben, so daß die Ansicht (Farbe) der Plattenoberflächen eine gleichmäßige ist. Ihre Körnung darf höchstens 20 mm betragen. Die Lagerung der Steinstückchen soll eine möglichst dichte sein.
  • 4. Die Platten sind unter einem gleichmäßig verteilten Druck von mindestens 160 kg/qcm herzustellen.
  • 5. Die Oberflächen müssen glatt und ebengeschliffen sein und die Steinstruktur auf der ganzen Oberfläche zeigen.
  • 6. Die zur Verwendung kommenden Platten müssen mindestens 8 Wochen alt sein und in sich vollständig abgebunden haben.
    • a) Die Platten müssen sämtlich mit dem deutlich erkennbaren, patentamtlich geschützten Warenzeichen der Fabrik auf der Lagerfläche versehen sein.
    • b) Die Wasseraufnahme der trockenen Platten bis zur Sättigung darf nicht mehr als 2,5 v. H. des Trockengewichtes der Platten betragen.
    • c) Das spezifische Gewicht der trockenen Platten darf nicht unter 2,550 sein.
    • d) Der Dichtigkeitsgrad des Decklagenmantels soll nicht weniger als 0,925 betragen.
    • e) Die Biegefestigkeit der Platten soll bei einer Stützweite von 30 cm nicht unter 50 kg/qcm sein.
    • f) Die Abschleifbarkeit soll nach dem Bauschinger-Verfahren bei 50 qcm Schleiffläche, 30 kg Belastung (einschl. des Eigengewichts) und 440 Umdrehungen nicht mehr als 0,20 ccm auf 1 qcm betragen.
    • g) Der Materialverlust soll bei Einwirkung eines Sandstrahlgebläses auf eine Kreisfläche von 28 qcm einer trockenen Platte während 2 Minuten mit 3 at Dampfdruck 0,25 ccm auf das qcm Fläche nicht übersteigen.

4. Zerstörungen eiserner Verschraubungen und Eisenblechummantelungen in Berührung mit Kalkmörtel durch starke Rostbildung konnten auf den hohen Gehalt des Mörtels an Gips (15 v. H.) zurückgeführt werden.

5. Die amtliche Abnahme des Normensandes in der Freienwalder Schamottefabrik Henneberg & Co. zu Freienwalde ergab, daß der aufgespeicherte Normensand den Vorschriften hinsichtlich des Siebrückstandes und Gehaltes an abschlämmbaren Bestandteilen entsprach. Zum ersten Male seit der Einführung der amtlichen Kontrolle der Normensanderzeugung wurde im verflossenen Betriebsjahre von einer Abnehmerin Klage wegen mangelhafter Beschaffenheit des Normensandes erhoben. Sie gab Veranlassung die Normensande verschiedener, seit 1901 erfolgter Lieferungen an das Amt durch Zug- und Druckversuche an Mörteln aus 3 Teil Sand und 1 Teil Zement zu vergleichen. Hierbei ergaben die Mittel folgende Grenzwerte: Zugfestigkeit nach 7 Tagen 23,7–26,6, nach 28 Tagen 30,4–34,0 kg/qcm; Druckfestigkeit entsprechend 249–270 und 387–409 kg/qcm.

Auf Grund der Ergebnisse dieser Prüfung wird in Zukunft eine Probe Normensand jeder Abnahme mit dem in dem Amt zu den laufenden Prüfungsarbeiten verwendeten Normensande vergleichend geprüft werden.

6. Urteile über den Einfluss des Feuchtigkeitsgehaltes des Kalkmörtels auf dessen Kohlensäureaufnahme bestätigen die früher gemachte Beobachtung, daß zeitweise angefeuchteter Kalkmörtel mehr Kohlensäure aufnimmt als trocken gebliebener. Dabei war es ohne Einfluß, ob der Mörtel alle 7 Tage oder alle 14 Tage oder alle Monate benetzt wurde. Im Durchschnitt wies der angefeuchtete Mörtel nach einem Jahre 6,2 v. H., der unbenetzt gebliebene 4,7 v. H. Kohlensäure auf.

(Schluß folgt.)

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