Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325 (S. 284–287)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/ar325084

Polytechnische Rundschau.

Neuer Einphasen-Bahnmotor.

Die Schweizer Firma Brown Boveri & Co. in Baden verwendet für Bahnzwecke einen Einphasen-Repulsionsmotor der Bauart Deri. Dieser Motor besitzt eine einzige von außen gespeiste Wicklung auf dem Stator, während auf dem an der umlaufenden Ankerwicklung angeschlossenen Kommutator in der Achse der Statorwicklung zwei feste Bürsten und außerdem zwei auf demselben Durchmesser beweglich angeordnete Bürsten schleifen. Je eine feste und eine bewegliche Bürste sind elektrisch miteinander verbunden. Durch die beiden Bürstenpaare wird eine Wirkung erzeugt, als ob gleichsam im Anker zwei Wicklungen übereinander gelagert sind. Die Achse einer dieser Wicklungen fällt mit der Achse der Statorwicklung zusammen, und die Wicklung kann daher als Transformatorwicklung bezeichnet werden. Die Achse der anderen Wicklung hängt von der jeweiligen Lage der beweglichen Bürsten ab; da jedoch eine Komponente des von dieser Wicklung herrührenden Feldes senkrecht zu dem der Statorwicklung verläuft, so kann diese Wicklung als Querwicklung angesprochen werden. Das von der Querwicklung herrührende Feld ist zeitlich in Phase mit dem Strome der Transformatorwicklung, so daß ein Drehmoment hervorgebracht wird. Diese Phasengleichheit besteht ferner auch beim Lauf unabhängig von der Drehzahl des Rotors. Bildet die Achse der beweglichen Bürsten mit der der festen Bürsten einen spitzen Winkel und erstrecken sich die Bürstenkurzschlüsse nahezu um den halben Anker, so ist die Anzahl der auf die Transformatorwicklung entfallenden Windungen klein und die der Querwicklung groß. Werden die beweglichen Bürsten derart verschoben, daß der von dem Bürstenkurzschluß umspannte Ankerteil verkleinert wird, so wird die Wirkung der Transformatorwicklung vergrößert, die der Querwicklung verringert. Läuft der Anker um, so werden zwei E. M. Ke. induziert, von denen die Größe des Sekundärstromes und damit des Drehmomentes abhängt. Eine E. M. K. erscheint in der Transformatorachse, die andere in der Querachse; erstere ist proportional der Drehzahl und dem Querfeld, letztere der Drehzahl und dem Transformator-(Primär)Feld. Die Größe und Phase dieser elektromotorischen Kräfte ist jedoch so beschaffen, daß eine Vergrößerung der Drehzahl und eine Verringerung des Ankerstromes |285| angestrebt wird. Die Geschwindigkeit und Drehmomentkurve des neuen Motors entspricht daher einem Hauptstrommotor mit konstanter Klemmspannung. Bei einer bestimmten Bürstenstellung ändert sich bei derselben Drehzahl der Strom entsprechend der Spannung. Das Drehmoment dagegen nur mit dem Quadrat des Stromes unabhängig von der Spannung oder Drehzahl. Bei konstanter Klemmenspannung kann bei jeder beliebigen Drehzahl, sowohl der Strom als auch das Drehmoment in weiten Grenzen durch Verschiebung der Bürsten geregelt werden.

Als Vorteil für den neuen Motor wird angeführt, daß die Statorwicklung mit Hochspannung gespeist werden kann und daß infolgedessen die Verwendung eines Transformators unnütz sei. Diese Behauptung wird jedoch durch die dem Aufsatz beigegebene Aufstellung über die mit dem neuen Motor auszurüstenden Bahnen zum mindesten in Zweifel gezogen, da die Klemmenspannung im Mittel 400–500, im Höchstfalle 1000 Volt beträgt. [Electric Railway Journal 1909, Bd. II, S. 264–265.]

Pr.

Neuere Dampfturbinen der Firma Brown, Boveri & Co.

Die Aenderungen beziehen sich gegenüber der gewöhnlichen Bauart hauptsächlich auf die Ausbildung der Trommel mit Rücksicht auf die Wärmedehnungen. Die Turbinen sind auch mit einem selbsttätigen Umlaufventil versehen, welches bei geringerer Belastung den gedrosselten Frischdampf einer späteren Druckstufe zuführt, während die vorausgehenden Stufen leer mitlaufen. Durch eine Feder kann der Wirkungsbereich dieses Ventiles beliebig verändert werden. Bei Tourenzahlen über 1500 sind die Wellen in den bekannten Mehrbuchsenlagern gelagert; bei niedrigeren Tourenzahlen dagegen in gewöhnlichen Weißmetallagern mit Querbeweglichkeit durch Kugelunterstützung. Die Turbinen- und Dynamowellen sind durch eine Gelenkkupplung elastisch verbunden. Große Einheiten (über 5000 KW) werden schon wegen des Transportes mit geteilten Zylindern ausgeführt; am Ende des Niederdruckteiles wird die Dampfströmung geteilt, um die nötigen Dampfquerschnitte zu bekommen. Bei noch größeren Ausführungen, wie auch bei Abdampfturbinen, wird der Dampfstrom im ganzen Niederdruckteil geteilt, der dann zwei Abdampfstutzen erhält. Brown-Boveri baut auch Turbinen für gemischten Betrieb mit Hoch- und Niederdruckdampf. Die Steuerungsventile für beide Gruppen sind so miteinander verbunden, daß der Regulator das Ventil für den Zutritt des Frischdampfes erst hebt, wenn das Niederdruckventil ganz geöffnet ist.

Zur Verkürzung des Hochdruckteiles der Parsons-Turbinen wird bei besonderen Verhältnissen ein Aktionsrad gewöhnlich mit zwei Geschwindigkeitsstufen vorgeschaltet, was aber bei großen Turbinen in wärmeökonomischer Beziehung keine Vorteile bietet, da in diesem Falle die Schaufeln auch im Hochdruckteil lang genug werden und so zu große Verluste vermieden werden. Bei Belastungsänderungen werden die Düsen der kombinierten Turbinen selbsttätig zu- und abgeschaltet. Auch Turbinen für gemischten Betrieb für Hoch- und Niederdruckdampf werden mit einem Aktionsrad für den Hochdruckteil nur mit einer Parsons-Trommel unter Teilung des Dampfstromes für den Niederdruckteil gebaut. In gleicher Weise werden auch Turbinen mit Zwischendampfentnahme für Heizzwecke ausgeführt; ein besonderes Regulierventil hält den Dampfdruck an der Anzapfstelle konstant. Statt der bekannten Parsons-Drosselregulierung mit Dampfdruckrelais wird jetzt eine Druckölsteuerung ausgeführt, deren Kraftkolben unter dem Einfluß des Drucköls der Zentralschmierung sieht und beim Versagen derselben die Turbine abstellt. Zur Erzeugung des Drucköls wird eine Kreiselpumpe verwendet, die von einer besonderen zweikränzigen kleinen Dampfturbine angetrieben wird. Oft befindet sich die Oelpumpe auch auf der Regulatorwelle. Pumpe und Reguliermechanismus sind dann in gedrängter Anordnung zusammengebaut. Wie bei der früheren Dampfsteuerung wird auch hier zur Erzielung einer großen Empfindlichkeit Regulierventil und Steuerkolben in fortwährend schwingender Bewegung erhalten. Der Steuermechanismus erlaubt auch die Verstellung des Steuerkolbens von außen und durch magnetisches Fernschaltwerk, so daß zum Zwecke des Parallelschaltens von Wechselstrommaschinen die Tourenzahl der Turbine vom Schaltbrett aus um ± 5 v. H. verändert werden kann. Die Teile des Regulierapparates werden von dem abfliesenden Drucköl reichlich geschmiert, der Mechanismus selbst ist außerordentlich vereinfacht, dadurch daß die Regulatormuffe als Steuerorgan für das Drucköl ausgebildet ist. Die Regulierung wirkt, wie Tachogramme zeigen, sehr rasch und genau. [Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen 1909, S. 549–554 und 567–570.]

M.

Eine neue Zündvorrichtung an Gasmaschinen.1)

Die bisher an Großgasmaschinen zur Anwendung gelangten beiden Systeme der magnetelektrischen Zündung und der durch elektrische Schlagapparate haben den Nachteil, daß die Zündung bei Schmutz und Nässe versagt, und daß die Abnutzung an den bewegten Teilen eine sehr große ist. Daher hat die Firma Ehrhardt & Sehmer eine neue Zündung, „die Lodge-Zündung, eingeführt, deren Hauptmerkmal in der Anwendung von Induktionsspulen und Leidener Flaschen besteht. Der Hauptvorteil dieser Zündung besteht darin, daß der Funke von außerordentlicher Heftigkeit und Durchschlagskraft in jedem Falle überspringt, und daß bewegliche Teile fehlen. Die für die Lodge-Zündung bei einer doppeltwirkenden Tandem-Gasmaschine erforderlichen Teile sind eine Akkumulatoren-Batterie von 10 Volt-Spannung, eine auf der Steuerwelle sitzende Kontaktscheibe mit den zugehörigen Stromabnehmern, vier Zündkästen, je einer für jede Zylinderseite und vier Zünddeckel. Die Kontaktscheibe hat den Vorteil, daß die Isolation nur für acht Volt auszuführen ist. Die Zündkästen enthalten einen Induktionsapparat (Ruhmkorff) und zwei Leidener Flaschen. Eine am oberen Teile der Zündkästen angebrachte Funkenstrecke für einen Kontrollfunken ermöglicht die Beobachtung der Zündung. (F. Luhr.) [Zeitschrift für Dampfkessel und Maschinenbetrieb, 1909, Seite 480.]

J.

Zur Kinematik der Fliegschwingen.

Für das Entwerfen brauchbarer Fliegvorrichtungen mit Auf- und Antrieb durch Schwingen wird das Vorbild aerodynamisch günstigster Wirkungsweise zu entnehmen sein aus sorgfältigen Untersuchungen der Bewegungsverhältnisse der Schwingen von Flug-Geschöpfen; gleichgültig welcher Gattung und Größe, wenn nur die Beobachtungen objektiv einwandsfrei sind. Darum sei an dieser Stelle über die Untersuchungen des Physiologen L. Bull berichtet.

Bull bedient sich des elektrischen Funkens,1) um in einer Sek. eine sehr große Zahl aufeinanderfolgender Bilder von raschen Bewegungen photographisch aufzunehmen. So nun beobachtete er im Institut Marey zu Paris den |286| Flug von Insekten, die ihre volle Freiheit hatten; und zwar vorläufig während der ersten Augenblicke nach dem Abfliegen.

Solange eine Libelle ruhig sitzt, hält sie, wie bekannt, ihre vier Flügel in einer lotrechten Ebene über dem Rücken. Im Augenblicke, wo sie abfliegen will, senkt sie zuerst die Vorderflügel und bringt dieselben gleichzeitig nach vorn bis vor den Kopf. Die Enden der Flügel beschreiben dann weiterhin Kurven, die zur lotrechten schräg und nach oben konkav sind, und in ihrem mittleren Teile die Flugrichtung, wenn diese wagerecht ist, unter ungefähr 45° schneiden (Fig. 1). Das Niederschlagen der Flügel geschieht von hinten nach vorn zu; und die Umkehr der Bewegung an den Punkten des Schwungwechsels, in einer mehr oder weniger breiten Rundung. Die Hinterflügel beschreiben eine ganz ähnliche Bahn, aber mit einer Nacheilung gegen die vorderen um ⅛ bis ¼ des Umlaufs. Um ebensoviel später fangen sie ihre Bewegung beim Abfliegen an. Die Auf- und Abwärtsbahnen eines Flügelendes fallen nicht genau zusammen, sie schneiden sich in der Mitte, so daß sie in bezug auf den Libellenkörper die Form einer 8 bilden, wie das bereits Marey2) und Pettigrew3) angegeben haben. Bull fand dieses Sichkreuzen bei sämtlichen von ihm beobachteten Insekten, jedoch sind die Rundungen in der äußersten Lage verschieden, sogar bei ein und demselben Insekt bei verschiedener Richtung des Flugs.

Textabbildung Bd. 325, S. 286

Fast während der ganzen Strecke, wo der Flügel nach unten und vorn zu bewegt wird, hat seine Fläche wagerechte Lage. Im unteren Hubwechsel angekommen, dreht sich die Fläche plötzlich um 90°, manchmal auch mehr, und geht in lotrechter Lage zurück bis zum oberen Hubwechsel. Ermittelt man die dabei sich ergebende Bewegung aus den Photographien, so kann man die Verschiebung des Insektes von Bild zu Bild verfolgen und findet, was sich bei dieser abwechselnden Flächenstellung voraussehen ließ, daß ihr Niederschlagen von hinten nach vorn in der Hauptsache die Hebung und ihre Rückehr von vorn nach hinten die Fortbewegung bewirkt. Wahrscheinlich ändert sich das aber, wenn eine bestimmte Verschiebungsgeschwindigkeit (Fluggeschwindigkeit) erreicht ist, die bei guten Fliegern weit größer sein kann als die Umlaufsgeschwindigkeit der Flügel; das Wirken der Flügel ist dann offenbar nicht mehr ganz dasselbe. Beim Abfliegen jedoch beschreibt der Körper einer Libelle, wie Lendenfeld4) es vermutete, sinuslinige Bahnen, deren aufsteigender Teil dem Aufschlagen der Flügel entspricht. In dem Maße wie die Verschiebungsgeschwindigkeit zunimmt, werden die Sinuslinien flacher und flacher und verschwinden wahrscheinlich schließlich ganz.

Die Flügelwölbung ließ sich leicht beurteilen an Hand von Reihen stereoskopischer Aufnahmen. Die Flügel sind eben, wenn sie durch die oberste Lage gehen. An allen andern Punkten ihres Umlaufs sind sie etwas gewölbt und zwar immer konkav auf derjenigen Seite, auf welcher sie gegen die Luft drücken. Diese Konkavität ändert ihren Sinn mit der Richtung der Flügelbewegung und ist sehr stark ausgeprägt während der ersten Augenblicke der Rückbewegung der Flügel nach hinten. Man bemerkt auch in dem Augenblicke, wo die Bewegungsrichtung des Flügels sich umkehrt, daß sich der Flügel verdreht und dabei Konturen wie ein Schraubenflügel zeigt. Diese Torsion ist beträchtlich bei den Zweiflüglern, deren Flügel in der Nähe des Gelenks ziemlich breit sind; sie tritt weniger hervor bei der vierflügeligen Libelle, deren Flügel verhältnismäßig schmal sind. Aber wenn man die Oberflächen der beiden Flügel einer Seite zusammen betrachtet, so findet man viel Aehnlichkeit mit der Oberfläche des einen und breiteren der Zweiflügler, in demselben Augenblick. [Comptes Rendus, 1909, S. 942–944.]

Erich Schneckenberg.

Eisenbetondecken System Burckartz.

In Wohngebäuden sind Plattenbalkendecken wegen ihrer Schallundichtigkeit ungeeignet, wenn nicht dieser Uebelstand durch Ausfüllen der Zwischenräume zwischen den Rippen durch ein geeignetes Füllmaterial, sowie durch Aufbringen von Deckschichten über der Platte beseitigt wird. In Deutschland sind in den letzten Jahren vielfach Massivdecken aufgekommen, bei denen die tragenden 15–30 cm hohen Rippen unter der 5–7 cm starken Deckenplatte einen Abstand von 25–40 cm haben, so daß zwischen den Rippen 20–33 cm breite Hohlräume entstehen. Zur Erzielung einer ebenen Unterschicht wird an die Rippen eine ebene Putzdecke aufgehängt, oder es werden die Hohlräume mit Formsteinen aus Magerbeton, Schlackenbeton, gebrannten Ton, Gips ausgefüllt, womit eine erhebliche Schalldämpfung verbunden ist. Diese Formsteine werden auf einer Schalung derart verlegt, daß der Raum für die später herzustellenden Betonrippen frei bleibt. Die Rippen laufen alle zur kürzeren Richtung des zu überdeckenden Raumes parallel. Bei größeren Spannweiten oder beschränkter Konstruktionshöhe ist eine Anordnung der Rippen nach beiden Richtungen in Verbindung mit einer kreuzweisen Armierung empfehlenswert, da die Druckfestigkeit der Deckenplatte nach zwei aufeinander senkrecht stehenden Richtungen ausgenutzt wird. Man erhält eine Kassettendecke, deren Hohlräume zwischen den sich kreuzenden Rippen mit Formsteinen ausgefüllt werden können. Die oben erwähnten Formsteine sind jedoch hierzu nicht geeignet, weil sie nach einer Richtung hin offen sind, so daß der Beton der Querrippen in die Hohlräume des Steines eindringen würde, wenn die Köpfe der Steine nicht durch Pappstücke u. dergl. verschlossen würden.

Man hat auch Formsteine mit Hohlräumen in senkrechter Richtung verlegt, deren Seitenflächen für die Betonrippen die Schalung bilden, und die oben durch einen aufgelegten Deckel verschlossen werden, während auf der Unterseite eine besondere Putzdecke aufgehängt werden muß. Diese Ausführung ist teuer und umständlich.

Burckartz verwendet statt dessen zur Ausfüllung einen allseitig geschlossenen Hohlkörper, der aus 4 Formsteinen zusammengesetzt ist. Der die Strangfalzpresse verlassende Hohlstein mit Hohlräumen parallel zur Längsrichtung wird nicht senkrecht zu dieser Richtung, sondern unter einem Winkel von 45° zur Längsrichtung durch |287| Vertikalschnitte derart zerlegt, daß dreieckige, rechtwinkelig gleichschenklige Prismen mit geschlossener Hypotenusenwand und durch Oeffnungen unterbrochenen Kathetenwänden entstehen. Je 4 dieser Formsteine werden auf die Deckenschalung zu einem in der Grundfläche quadratischen Hohlkörper zusammengeschoben, dessen Außenflächen seitlich, oben und unten vollständig geschlossen sind. Die offenen Kathetenflächen bilden die Diagonalflächen des zusammengesetzten Hohlkörpers.

Die Formsteine haben an den Hypotenusenflächen unten nach außen gerichtete Leisten, mit denen die verlegten Hohlkörper aneinanderstoßen.

Hierdurch entsteht ein quadratisches Netz seitlich und unten begrenzter Kanäle zur Aufnahme der Betonrippen mit ihren Eiseneinlagen. Nach Herstellung dieser Rippen bis zur Oberkante der Deckensteine wird die ganze Fläche noch durch eine mehrere cm starke Deckenplatte aus Beton überdeckt, – Während der Betonquerschnitt nach beiden Deckenrichtungen gleich ist, wird der Eisenquerschnitt in jeder Richtung der Spannweite entsprechend verschieden gewählt. In Amerika werden Hohlsteine von 10–20 cm Höhe verwendet. Diese werden entweder aus gebranntem Ton oder aus Zement Sand und Kalk oder Ton hergestellt. Auch diese Betonsteine wurden auf der Strangpresse hergestellt, da sich ihre Masse in einer plastischen Mischung ebenso verarbeiten ließ wie gekneteter Ton. – [Beton und Eisen 1909, S. 378–380.]

Dr.-Ing. Weiske.

Maschinen und Kraftwirtschaft in Hüttenwerken.

Dem Vortrage des Hr. Ingenieur Dr. H. Hoffmann aus Bochum im Berliner Bezirksverein des Vereins deutscher Ingenieure vom 20. April über diesen Gegenstand entnehmen wir Folgendes:

Daß unsere großen Hüttenwerke im vergangenen Jahre trotz niedriger Verkaufspreise verhältnismäßig hohe Gewinne herausarbeiten konnten, ist zu einem beträchtlichen Teile die Frucht einer planmäßigen, mit großen Mitteln arbeitenden Kraftwirtschaft. Beste Ausnutzung der Gichtgase und zweckmäßigste Verteilung und Verwendung der Energie sind deren wichtigste Aufgaben. In der Anwendung der Gasmaschinen übertrifft Deutschland alle anderen Länder; aber auch die Vereinigten Staaten sind in den letzten Jahren auf diesem Gebiete vorangekommen.

Die Zweitaktmaschine hat in der doppeltwirkenden Körtingschen Bauart ihren Platz behauptet und ist besonders für den Gebläseantrieb beliebt. Die Viertaktmaschine ist aber weit verbreiteter. Während man bis vor einigen Jahren beim Viertakt nur bis 1000 PS in einem Zylinder ging, erreicht man jetzt 1200–1300 PS; sogar 1500 pferdige Zylinder sind im Bau. Beim Zweitakt übertreffen die Leistungen in einem Zylinder – bis 2000 PS – noch weit die des Viertaktes. Die Konstruktionen müssen insbesondere ein Reißen derartiger Zylinder ausschließen. Bei der Zweitaktmaschine, die von Natur vorzüglich geregelt werden kann, ist das Ladeverfahren noch verbessert worden. Beim Viertakt hat man die Regelung verfeinert und die Steuerung vereinfacht. Für den Betrieb der Hochofengebläse kommt bei uns nur die Gasmaschine in Frage. Für das Stahlwerkgebläse herrscht noch der Dampfantrieb; mehrere Gasstahlwerkgebläse laufen aber bereits, und einige sind mit Leistungen von je 4000 PS im Bau.

Beim Drehstromantrieb von Schwungrad-Walzenstraßen ist es gelungen, die Umlaufszahl zweckmäßig zu regeln und die störende Rückwirkung auf das Kraftwerk auszugleichen, die wenig belastete Motoren durch Herabziehen des Leistungsfaktors ausüben. Man setzt hinter solche Motoren besondere Regelgetriebe oder verwendet Drehstrom-Kollektormotoren, eine Bauart, deren Entwicklung noch im Fluß ist. Bei den Umkehrwalzwerken, die bis 15000 PS und mehr erfordern, ist der elektrische Antrieb in scharfen Wettbewerb mit dem herrschenden Dampfantrieb eingetreten. Technisch ist der elektrische Antrieb vollkommen, man streitet aber wegen des wirtschaftlichen Erfolges. Zur Zeit laufen schon viele elektrische Umkehrantriebe; noch mehr sind im Bau und zwar zum Walzen von Blöcken, Panzerplatten, Trägern, Knüppeln, Blechen und Schienen. Für die elektrischen Kraftwerke gilt bei uns die Gasmaschine als günstigster Antrieb. Ihr tritt die billigere Dampfturbine entgegen, die mehr ausgenutzt werden kann, weil sie überlastungsfähig ist. Bei den Gaskraftwerken müssen die Belastungsstöße gut abgefangen werden. Man kann heute auch für Drehstrom vorteilhafte Schwungrad-Puffersätze bauen. Günstig ist der gemischte Antrieb: Gasmaschinen zusammen mit Dampfturbinen. Dampfturbinen können nämlich, auch wenn sie nur mit einem mäßigen Bruchteil an der ganzen Krafterzeugung beteiligt sind, vorzüglich puffern. Man muß sie dementsprechend einregeln; sie können dann selbsttätig eingreifen und die Frequenz einhalten.

Webstuhl-Entlaster Herkules.

Die übliche Schützenbewegung durch Schlag erfordert einen nicht unbedeutenden Kraftaufwand. Der Schützen soll nämlich das Fach möglichst schnell durcheilen, dann aber beim Eintritt in den gegenüberliegenden Schützenkasten auch Arbeit verrichten. Er muß bekanntlich die unter Einwirkung einer Feder stehende Schützenkastenzunge nach außen drücken, um mittels derselben den Stecher zu heben, der sonst in den Puffer einfallen und den Stuhl abstellen würde. Die durch den Andruck der Zunge entstehende Reibung, welche der Schützen beim Ein- und Austritt aus dem Kasten überwinden muß. absorbiert einen nicht unerheblichen Teil der für die Schützenbewegung aufgewendeten Arbeit; sie zu verringern ist Zweck einer von O. Lüthy in Isny erdachten, sinnreichen Vorrichtung, die gesetzlich geschützt ist. In der Mitte der Schützenkastenzunge ist eine um eine senkrechte Achse drehbare Hartgummirolle mit Selbstöler eingesetzt. Hierdurch wird die gleitende Reibung in rollende umgewandelt, und dem Schützen der Ein- bezw. Austritt aus dem Schützenkasten erleichtert.

Es ist einleuchtend, daß durch diese Einrichtung eine ansehnliche Kraftersparnis erreicht wird, bezw. daß bei gleicher Kraftanwendung die Tourenzahl des Webstuhles erhöht werden kann. Außerdem soll die Benutzung des Entlasters Herkules ruhigeren Gang des Stuhles sowie Ersparnis an Schlagriemen, Pickers und Webschützen zur Folge haben. [Leipz. Monatsschrift f. Textilindustrie 1909, Spezialnummer 3.]

Hg.

|285|

(s. D. p. J. 1908, S. 638.)

|285|

Comptes Rendus, 21. März 1904, L. Bull: Application de l'étincelle électrique à la chronophotographie des mouvements rapides.

|286|

Marey: Le mouvement. 1894, Masson, éditeur, Paris.

|286|

Transaction of the Royal Society Edinburgh, 1872, Bd. 26, Pettigrew: On the physiology of wings.

|286|

Sitzungsberichte d. K. Akad. d. Wissenschaften, Wien, 1. Abtlg. 1881, Bd. 83, Lendenfeld: Der Flug der Libellen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: