Titel: Die Steuerungen der schwungradlosen Dampfpumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325 (S. 321–325)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/ar325095

Die Steuerungen der schwungradlosen Dampfpumpen.

Von Dipl.-Ing. Ernst Preger, Kiel.

Einleitung.
Allgemeines.

Die Wirkungsweise der sämtlichen in diesem Aufsatze beschriebenen Steuerungen schwungradloser Pumpen läßt sich auf das in Fig. 1 skizzierte, sich selbst steuernde Kolbenpaar zurückführen. Beide Kolben sind durch die eingedrehten Rillen A1, B1, A2 und B2, sowie durch die Ausschnitte C1 und C2 zu Verteilungsschiebern ausgebildet, und zwar hat der Kolben I Inneneinströmung, der Kolben II Außeneinströmung. Beide Kolben steuern sich dann wie folgt:

Kolben I steht rechts (ge-
zeichnete Stellung) und wird
durch Frischdampf, der vom
Einlaß I durch die Rille B2
und den Kanal E1 kommt,
nach links getrieben. Der
Abdampf geht durch den
Kanal D1 und den Ausschnitt
C2 nach dem Auslaß I.
Kolben II steht links (ge-
zeichnete Stellung) und wird
durch Frischdampf, welcher
vom Einlaß II durch den
Ausschnitt C1 und den Kanal
E2 kommt, in seiner Lage
gehalten. (Hubpause.)
Kolben I steht links und
wird durch den Frischdampf,
welcher ihn nach links trieb,
in seiner Lage gehalten.
(Hubpause.)
Kolben II steht links und
wird durch Frischdampf, wel-
cher vom Einlaß II durch
den Ausschnitt C1 und den
Kanal D2 kommt, nach rechts
getrieben. Der Abdampf
geht durch den Kanal E2 und
die Rille B1 nach dem Aus-
laß II.
Kolben I steht links und
wird durch Frischdampf, wel-
cher vom Einlaß I durch die
Rille A2 und den Kanal D1
kommt, nach rechts getrieben.
Der Abdampf geht durch den
Kanal E1 und den Ausschnitt
C2 nach dem Auslaß I.
Kolben II steht rechts und
wird durch den Frischdampf,
der ihn nach rechts trieb,
in seiner Lage gehalten,
(Hubpause.)
Kolben I steht rechts und
wird durch den Frischdampf,
der ihn nach rechts trieb,
in seiner Lage gehalten.
(Hubpause.)
Kolben II steht rechts und
wird durch Frischdampf, wel-
cher vom Einlaß II durch
den Ausschnitt C1 und den
Kanal E2 kommt, nach links
getrieben, der Abdampf ent-
weicht durch den Kanal D2
und die Rille A1 in den Aus-
laß II.

Das Kolbenspiel wiederholt sich.

Kurz zusammengefaßt kann man sagen: Die Bewegung der Kolben erfolgt derart, daß der Kolben I dem Kolben II nacheilt, sobald dieser seinen Hub beendet hat, und daß der Kolben II mit dem Beginn eines neuen Hubes wartet, bis der Kolben I ihm nachgefolgt ist.

In Wirklichkeit beginnt wegen der vorhandenen Breite der Dampfkanäle D und E die Bewegung des einen Kolbens bereits schon, wenn der andere noch nicht am Ende seines Hubes angelangt ist, wie es in Fig. 2 durch das Wegdiagramm der Kolben veranschaulicht ist.

Textabbildung Bd. 325, S. 321

Die Dampfkolben in Fig. 1 können nun entweder beide durch je eine Kolbenstange mit je einem Pumpenkolben verbunden, also beide als Arbeitskolben ausgebildet sein, oder es kann nur der eine Kolben als Arbeitskolben oder Hauptkolben ausgebildet sein, während der andere nur als Hilfskolben, auch Steuerkolben, Stoßkolben genannt, zum Umsteuern des Arbeitskolbens dient. Der Durchmesser und der Hub des Hilfskolbens wird natürlich beträchtlich kleiner gemacht, als der des Arbeitskolbens. Da der Steuerkolben fast keinen Widerstand zu überwinden hat und sein Hub sehr kurz ist, so wird auch seine Umsteuerung so schnell vor sich gehen, daß eine eigentliche Hubpause des Arbeitskolbens nicht eintritt, sondern derselbe fast augenblicklich umkehrt, wie das Wegdiagramm der Kolben in Fig. 3 zeigt.

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Sind beide Kolben Arbeitskolben, so heißt die Pumpe Duplexpumpe, ist nur ein Kolben Arbeitskolben, so heißt die Pumpe Simplexpumpe.

Textabbildung Bd. 325, S. 322
Textabbildung Bd. 325, S. 322

Die Kolben in Fig. 1 steuern sich natürlich ebenso gut gegenseitig in der angeführten Weise, wenn sie nicht selbst als Schieber ausgebildet sind, sondern durch irgend welche Gestänge besondere Dampfverteilungsschieber bewegen. Die Duplexpumpen sind dann meistens so eingerichtet, daß jeder Kolben einen Schieber – Flach-, Kolben-, Dreh- oder Rundschieber – antreibt, welcher den anderen Kolben in der oben angegebenen Weise steuert. Bei den Simplexpumpen treibt meist nur der Arbeitskolben einen besonderen Schieber, den Hilfsschieber an, während der Hilfskolben selbst den Schieber bildet oder doch wenigstens den Hauptschieber direkt ohne Anwendung irgend eines Gestänges umfaßt. Nach diesen Erklärungen werden Fig. 4 und 5 ohne weiteres verständlich sein, von denen die erstere das Schema einer Duplexpumpensteuerung, die letztere das Schema einer Simplexpumpensteuerung darstellt. Aus Fig. 4 ersieht man, daß bei gleicher Endstellung der Kolben die Schieber sich in entgegengesetzter Endstellung befinden müssen, damit gemäß dem nach Fig. 1 entwickelten Steuerungsprinzip der eine Kolben in seiner Stellung gehalten wird und der andere seinen Hub beginnt. Daraus ergibt sich dann bei Anordnung eines Schwinghebels zum Antrieb der Schieber für die eine Pumpenhälfte ein einarmiger, für die andere ein zweiarmiger Hebel.

Das Spiel der beiden Steine auf den Schieberstangen, welche die Flachschieber mitnehmen, bezweckt einmal eine beträchtliche Verkleinerung des Schieberweges gegenüber dem Kolbenweg ohne allzu große Hebelübersetzung, und außerdem kommt bei dieser Anordnung der Schieber erst bedeutend später in diejenige Stellung, bei welcher er den anderen Kolben umzusteuern beginnt. Die Hubpausen der Kolben werden also mehr ausgeprägt, und es wird diejenige Periode, in welcher beide Kolben, der eine verzögert, der andere beschleunigt, in Bewegung sind, sehr kurz. Die in den Figuren erkennbaren doppelten Dampfkanäle werden im nächsten Abschnitt behandelt werden.

Hubbegrenzung.

Im Gegensatz zu den Kurbelpumpen, bei denen sich die Begrenzung des Hubes ganz von selbst durch die Totlagen der Kurbel ergibt, erfordert die Hubbegrenzung der Kolben bei den schwungradlosen Pumpen besondere Vorkehrungen. Man kann nicht, wie es in Fig. 1 der Fall sein würde, den Kolben mit voller Geschwindigkeit gegen den Zylinderdeckel schlagen lassen, weil dann die Pumpe sofort zerstört würde. Die Kolben müssen vielmehr allmählich zur Ruhe kommen, was auf folgende Arten bewirkt werden kann:

  • 1. Man läßt den Abdampf nicht vollständig aus den Zylinder entweichen. Dann wird derselbe am Ende des Hubes vom Kolben komprimiert und bildet so ein Dampfkissen, welches den Kolben sanft aufhält.
  • 2. Man schneidet die Zufuhr des Frischdampfes vor Ende des Hubes ab. Der noch im Zylinder befindliche Dampf expandiert dann unter allmählicher Abnahme seiner Spannung. Sein Druck reicht dann zur Ueberwindung des Wasserdruckes nicht mehr aus, und der Kolben kommt zur Ruhe.
  • 3. Man bringt die beiden vorstehenden Arten vereint zur Anwendung.

Am sichersten und deswegen am gebräuchlichsten ist die Hubbegrenzung der Kolben durch Kompression des Abdampfes, welche unter 1 aufgeführt wurde.

Die Kompression des Abdampfes ist hier aber nicht immer wie bei Dampfmaschinen auf die Weise zu erreichen, daß der Schieber im gegebenen Augenblick den Abdampfkanal schließt. Denn der Schieber, welcher den Kolben steuert, steht während dessen Hub still, wie an Hand der Fig. 2 und 3 erläutert wurde. Es bleibt somit meist nur der Weg übrig, die Abdampfkanäle nicht am äußersten Ende des Zylinders wie bei den Dampfmaschinen, sondern um dasjenige Maß vom Ende entfernt einmünden zu lassen, um welches der Abdampf komprimiert werden soll. Der nach dem Ueberlaufen dieses Kanales durch den Kolben noch im Zylinder befindliche Abdampf hält den Kolben durch seine Kompression sanft auf.

Textabbildung Bd. 325, S. 322

Um den Kolben dann wieder in entgegengesetztem Sinne anzutreiben, muß Frischdampf am äußersten Zylinderende eintreten können.

Das Absperren des Abdampfes vor dem Ende des Hubes und der Eintritt des Frischdampfes am äußersten Zylinderende werden durch folgende drei verschiedene Konstruktionen erfüllt.

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I. Durch Drosselung des Abdampfes am Ende des Hubes, Fig. 6. Die Dampfkanäle münden etwas vom Zylinderende entfernt ein, haben aber je eine feine schmale Nut A, welche nach dem Zylinderende zu allmählich verläuft. Wenn der Kolben, wie auf der linken Seite der Fig. 6, den eigentlichen Kanal abgesperrt hat, so kann der Abdampf nur durch die sehr enge Nut A entweichen und wird stark gedrosselt, also der Kolben sanft aufgehalten. Beim Beginn des neuen Hubes tritt der Frischdampf – allerdings auch zunächst stark gedrosselt – durch die Nut A hinter den Kolben und bewirkt ein sanftes Angehen des Kolbens. Diese Art der Hubbegrenzung wird für Arbeitskolben nur vereinzelt, hingegen für Hilfskolben häufiger angewendet.

Textabbildung Bd. 325, S. 323

II. Durch Anwendung von Bremsventilen, Fig. 7. Diese sind kleine Rückschlagventile, welche zwischen die eigentlichen Dampfkanäle A, die etwas vom Ende entfernt einmünden, und die kurzen Hilfskanäle B, die ganz am Zylinderende einmünden, eingeschaltet sind. Die Bremsventile gestatten zwar dem Frischdampf den Zutritt zu dem Zylinderende, aber nicht dem Abdampfe den Austritt durch die Kanäle B. Nach dem Ueberlaufen der Kanäle A durch den Kolben wird demnach der Abdampf komprimiert. Die Bremsventile werden hauptsächlich zur Hubbegrenzung größerer Arbeitskolben benutzt.

III. Durch Anwendung doppelter Dampfkanäle, Fig. 8 und 9. Die beiden Kanäle B münden am Ende des Zylinders und haben demnach die Aufgabe, Frischdampf zu Beginn des Hubes hinter den Kolben zu leiten. Die beiden Kanäle A münden etwas vom Zylinderende entfernt ein und sollen den Abdampf bis auf den zu komprimierenden Rest ableiten. Der Schieber ist in Fig. 8 so eingerichtet, daß A nur für den Abdampf, B nur für den Frischdampf geöffnet wird.

Bei der Anordnung nach Fig. 9 münden die Kanäle A und B in gleicher gegenseitiger Entfernung nebeneinander auf dem Schieberspiegel. Jedoch liegt der Auspuffkanal nur zwischen den Kanälen A und die Höhlung des Schiebers hat nur die Breite der Kanäle A. Durch diese Anordnung wird erreicht, daß zwar der Abdampf nur durch die Kanäle A entweichen, hingegen der Frischdampf durch beide Kanäle hinter den Kolben treten kann. Der Kanal B kann dann oft als dünne Bohrung ausgeführt werden und der durch B strömende Dampf hat nur den Kolben in Bewegung zu setzen. Hat der Kolben den Kanal A freigegeben, so tritt der Frischdampf hauptsächlich durch diesen ein und treibt den Kolben mit großer Kraft vorwärts. Die Konstruktion nach Fig. 9 bewirkt demnach ein besonders sanftes Angehen des Kolbens.

Die Hubbegrenzung durch doppelte Kanäle ist die gebräuchlichste Art, weil sie am einfachsten auszuführen ist.

Textabbildung Bd. 325, S. 323
Textabbildung Bd. 325, S. 323
Textabbildung Bd. 325, S. 323

Eine bei großen Pumpen viel gebrauchte Konstruktion, welche eine gleichzeitige Anwendung der Hubbegrenzung durch doppelte Kanäle und durch Drosselung darstellt, ist die von Drosselventilen oder Kompressionsventilen (Fig. 10). Sind diese Drosselventile vollständig geschlossen, so wird aller Dampf, welcher sich nach dem Ueberlaufen der Kanäle A durch den Kolben noch im Zylinder befindet, komprimiert. Wird das Drosselventil etwas geöffnet, so kann trotzdem der Kanal A überlaufen ist, noch ein Teil des Dampfes von B nach A hinübertreten, und es wird das Dampfkissen zur Hubbegrenzung kleiner. Solche

Drosselventile sind für solche Pumpen am Platze, deren Hubzahl stark wechselt, z.B. Speisepumpen bei wechselndem Dampfverbrauch, Luftpumpen für Schiffsmaschinen, welche bald mit großer bald mit kleiner Fahrt laufen usw. Das Dampfkissen, welches den Kolben aufhält, muß nämlich |324| umso größer sein, je höher die Hubzahl, also das durch die Kompression aufzuzehrende Arbeitsvermögen des Kolbens ist. Große Maschinen, deren Kompression nach der höchsten Hubzahl eingerichtet ist, – das ist die Regel – machen bei langsamem Gang einen kürzeren Hub, wenn kein verstellbares Drosselventil vorgesehen ist, weil der Kolben bei geringerer Geschwindigkeit auch schon bei einer kleineren Kompression zur Ruhe kommt. Die schädlichen Räume werden dann größer und der Dampfverbrauch entsprechend ungünstiger.

Textabbildung Bd. 325, S. 324

Für kleine Pumpen sind Einrichtungen zum Verstellen der Kompression weniger notwendig und deswegen auch nur vereinzelt im Gebrauch.

Die Konstruktion des Kolbenschiebers (Fig. 11 und 12) bezweckt eine Regelung der Hubpausen. Die äußeren Kanten der Schieber sind nach einer rechtsgängigen und einer linksgängigen Schraubenlinie geformt, und man kann durch entsprechende Drehung des Schiebers im Sinne des gezeichneten Pfeiles die äußere Ueberdeckung vergrößern. Das hat zur Folge, daß die äußeren Dampfkanäle B erst geöffnet werden, wenn der Schieber weiter aus seiner Mittellage entfernt ist, d.h. wenn der Dampfkolben auf der anderen Pumpenseite näher an seinen Totpunkt gekommen ist. Die Hubpause des durch den Schieber gesteuerten Kolbens wird also durch die geschilderte Verstellung größer. Die eben beschriebene Konstruktion wird übrigens sehr selten angewendet. Sie bezweckt im Grunde genommen genau dasselbe, was man auch durch Vergrößerung des in Fig. 4 und 5 erkennbaren Spieles zwischen dem auf der Schieberstange sitzenden Stein und dem Flachschieber erreicht.

Dampfverteilung, Dampfverbrauch, Verbundwirkung.

Bei den schwungradlosen Pumpen muß mit Ausnahme der Schiffsluftpumpen, welche später besprochen werden sollen, der auf den Kolben treibend wirkende Druck während des ganzen Hubes gleich groß sein, weil der zu überwindende Wasserdruck, ausgenommen bei den Luftpumpen, während des Hubes gleich bleibt.

Die weitaus am häufigsten angewendete Art einengleichbleibenden Druck auf den Arbeitskolben zu erzielen, ist die Maschine mit voller Füllung arbeiten zu lassen. Die weniger und meist nur bei ganz großen Pumpen angewendete Art besteht darin, daß die Pumpe mit Dampfexpansion arbeitet, und der Arbeitsüberschuß im Anfang des Hubes, wo der Dampfdruck höher als der Wasserdruck ist, durch besondere Kraftausgleicher vorläufig aufgenommen und von diesen im zweiten Teil des Hubes, wo der Dampfdruck geringer ist als der Wasserdruck, wieder zur Ergänzung der Dampfarbeit abgegeben wird. Die genannten Kraftausgleicher wirken also ähnlich wie ein Schwungrad. In diesem Aufsatz soll aber auf dieselben nicht näher eingegangen werden.

Einen geringen Ausgleich führen übrigens schon die Massen der Dampf- und Pumpenkolben selbst insofern herbei, als sie bei Beginn des Hubes einen Teil der vom Dampf geleisteten Arbeit für ihre Beschleunigung verbrauchen, den sie dann am Ende des Hubes bei ihrer Verzögerung wieder zur Ergänzung der Dampfarbeit abgeben. Die Maschinenfabrik Odesse benutzt, wie wir später sehen werden, diesen Ausgleich sehr oft auch bei kleineren Pumpen, d.h. sie läßt diese mit einer allerdings geringen Expansion des Dampfes laufen, wodurch eine nicht unwesentliche Dampfersparnis und ein ruhiger Gang der Pumpe erzielt wird. Es ist die eben genannte Konstruktion, ein Fall, der oben unter 2 angeführten Art der Hubbegrenzung.

Durch die Notwendigkeit, die Maschinen meist mit Vollfüllung arbeiten zu lassen, ist ein sehr hoher Dampfverbrauch der Pumpe bedingt. Der Dampfverbrauch wird noch erhöht durch die relativ sehr großen schädlichen Dampfräume, welchen die doppelten Kanäle und der für die oben erläuterten Dampfkisten benötigte Raum bilden, sowie durch den Kondensationsverlust während der Hubpausen der Duplexpumpen und den Dampf, welchen der Steuerkolben der Simplexpumpen für sich verbraucht.

Textabbildung Bd. 325, S. 324

Der Dampfverbrauch beträgt bei den gewöhnlichen Duplex- oder Simplexpumpen bis ungefähr 30 PS Leistung je nach Größe und Ausführung 25–50 kg f. d. effektive Pferdeleistung und Stunde.

Dieser hohe Verbrauch wird erklärlich, wenn man nach Fig. 13 erkennt, daß von der durch die Fläche A B C D dargestellten Arbeit, welche der Dampf bei vollkommener Expansion leisten könnte, nur der dem schraffierten Rechteck A B E D entsprechende Teil – im gezeichneten Beispiel 48,5 v. H. – zur Arbeitsleistung in der Pumpe ausgenutzt wird.

Textabbildung Bd. 325, S. 324
Textabbildung Bd. 325, S. 324

Wenn man die Wärme des Abdampfes zum Vorwärmen von Kesselspeisewasser verwenden kann, so hat der hohe Dampfverbrauch nichts zu bedeuten, weil ja alle Wärme, welche nicht im Dampfzylinder in mechanische Arbeit umgesetzt wird oder durch Kondensations- und Strahlungsverluste verloren geht, dem Kessel wieder zurückgeführt wird. Wegen des hohen mechanischen |325| Wirkungsgrades der schwungradlosen Pumpen ist dann sogar der wirkliche Verbrauch an Wärmeeinheiten, also an Kohle geringer als bei Schwungradpumpen.

Aber auch wenn der Kohlenverbrauch der schwungradlosen Pumpen ein höherer ist, so werden diese in vielen Fällen doch vorzuziehen sein wegen ihrer einfachen Konstruktion, ihrem geringen Platzbedarf, ihrer geringeren Anschaffungs- und Fundament-Kosten und hauptsächlich wegen der Möglichkeit, die Pumpe mit jeder Hubzahl von der allergeringsten bis zur Höchstzahl laufen zu lassen. Eine Schwungradpumpe bleibt bekanntlich stehen, wenn ihre Umlaufzahl so niedrig wird, daß das Schwungrad die Maschine nicht über den toten Punkt bringen kann.

Textabbildung Bd. 325, S. 325
Textabbildung Bd. 325, S. 325

Eine wesentliche Ersparnis im Dampfverbrauch erzielt man durch Anwendung von Verbundpumpen mit einem Hoch- und einem Niederdruckzylinder. Das Wesen der Verbundwirkung wird als bekannt vorausgesetzt. Es sei nur erwähnt, daß auch hier meistens beide Zylinder mit voller Füllung arbeiten. Fig. 14 zeigt, daß hier ein wesentlich größerer Teil der der Fläche A B C D entsprechenden Dampfarbeit, nämlich die Rechtecke A B F E und E G H D im Dampfzylinder ausgenutzt werden. Im gezeichneten Falle beträgt die wirklich ausgenutzte Arbeit 67,5 v. H. der theoretisch möglichen. In der Tat verbrauchen die Verbundpumpen nur 12–30 kg f. d. effektive Pferdeleistung und Stunde. Daß auch die Kondensationsverluste in den Zylindern wegen der Teilung des Temperaturgefälles bei Verbundanordnung geringer ausfallen, ist ja allgemein bekannt. Ganz große Pumpen führt man auch als Dreifach-Verbundmaschinen aus und erhält dadurch noch bessere Dampverbrauchsziffern.

Da Hoch- und Niederdruckkolben starr mit einander verbunden sind, so braucht eigentlich nur einer der Zylinder, – am besten der Hochdruckzylinder – Kompression zur Hubbegrenzung zu erhalten. Ebenso oft findet man allerdings beide Zylinder mit solcher, um die Wirkung der schädlichen Räume zu verringern oder um für einfache und Verbundpumpen dieselben Zylindermodelle verwenden zu können.

Vergleiche zwischen Duplex- und Simplexpumpen.

Duplexpumpen. Simplexpumpen.
Wegen der Hubpausen ist
der Schluß der Pumpen-
ventile besonders präzise.
Wegen der fast augen-
blicklichen Umkehr des Kol-
bens ist der Ventilschluß sehr
oft nicht zufriedenstellend,
besonders bei hoher Hubzahl.
Aller Dampf wird zur
Arbeitsleistung in der Pumpe
benutzt.
Ein kleiner Teil des
Dampfes wird zum Um-
steuern des Hilfskolbens be-
nutzt und ist für die eigent-
liche Arbeitsleistung ver-
loren.
Während der Hubpausen
kondensiert Dampf in den
Kanälen.
Die Steuerung ist für beide
Zylinder gleich und meist
auch sehr einfach und ver-
ständlich.
Die Steuerung ist manch-
mal sehr verwickelt und für
den Maschinisten schwer ver-
ständlich.
Der Platzbedarf ist relativ
groß, weil zwei Pumpen- und
zwei Dampfzylinder (bei Ver-
bundpumpen vier Dampf-
zylinder) vorhanden sind.
Der Platzbedarf und oft
auch die Kosten sind gering,
weil nur ein (bei Verbund-
pumpen zwei) Dampf- und
ein Pumpenzylinder vorhan-
den sind.

Konstruktive Anforderungen.

Folgende Anforderungen müssen unbedingt an jede Steuerung schwungradloser Pumpen gestellt werden:

  • 1. Die Pumpe muß von jeder beliebigen Kolbenstellung aus angehen.
  • 2. Die Pumpe darf auch bei starker Drosselung des Dampfes, d.h. auch bei ganz langsamem Lauf nicht stehen bleiben.
  • 3. Der Hub der Pumpe muß bei jeder Hubzahl möglichst vollständig bis zum Ende ausgeführt werden.
  • 4. Die Steuerungsteile, vor allem der Hilfskolben der Simplexpumpen dürfen sich durch die Dampfwärme nicht verziehen oder gar festklemmen.
  • 5. Die Steuerungsteile, vor allem der Hilfskolben der Simplexpumpen dürfen sich nicht durch Erschütterungen oder andere Ursachen von selbst verstellen.

Außerdem ist noch die Erfüllung folgender Anforderungen erwünscht:

  • 6. Die Steuerung soll übersichtlich, leicht verständlich, leicht auseinander zu nehmen und zusammenzusetzen sein.
  • 7. Wesentliche Abnutzungen sollen vermieden werden.
  • 8. Die Wartung und Schmierung der Pumpe soll möglichst wenig Aufmerksamkeit des Maschinisten erfordern.
  • 9. Die Steuerung soll sich auch für überhitzten Dampf eignen.

In den folgenden Kapiteln sollen nur die Steuerungen der in Deutschland gefertigten Pumpen und der wichtigsten vom Ausland auf den deutschen Markt gebrachten Pumpen erläutert werden.

(Fortsetzung folgt.)

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