Titel: Die Steuerungen der schwungradlosen Dampfpumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325 (S. 353–358)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/ar325104

Die Steuerungen der schwungradlosen Dampfpumpen.

Von Dipl.-Ing. Ernst Preger, Kiel.

(Fortsetzung von S. 340 d. Bd.)

Oddesse-Dampfpumpen der Maschinenfabrik Oddesse. Oschersleben (Fig. 27–67). D. R. P. 96795.

Auch die Steuerung der Oddesse-Dampfpumpen liegt vollständig innerhalb des Schieberkastens wie bei der gelenklosen Steuerung von Weise & Monski, so daß die Schmierung ausschließlich von dem geölten Dampf besorgt wird. Hingegen vermeidet die Oddesse-Steuerung den großen Hub und damit die größere Schieberfläche der vorher besprochenen Konstruktion, indem die Schieber nicht unmittelbar an den Schieberstangen sitzen, sondern durch je ein Treibstück quer zur Zylinderachse bewegt werden.

Textabbildung Bd. 325, S. 353

Fig. 27–35 zeigen die bis jetzt gebräuchlich gewesene Ausführung der Steuerung. Die Treibstücke A1 und A2 sind durch Arme starr mit den Kolbenstangen verbunden, machen also denselben Hub wie die Dampfkolben. Sie haben je eine schräg zur Längsrichtung verlaufende rechteckige Nut, in welche die Grundschieber B1 und B2 mit entsprechenden Leisten unter Einhaltung eines gewissen Spielraumes eingreifen. Die Grundschieber werden durch die schräge Nut der Treibstücke rechtwinklig zur Zylinderachse verschoben. Ihr Weg beträgt aber nur rd. 1/10 des Kolbenhubes; sie erhalten also einen normalen Weg, deswegen auch eine normale Größe, und es ist der auf dem Schieber lastende Gesamtdruck sowie die Schieberreibung nicht größer als bei anderen gewöhnlichen Flachschiebern. Allerdings verzehren anfangs die lang geführten Treibstücke und die in dasselbe eingreifenden Leisten etwas mehr Reibungsarbeit als die sonst üblichen Schiebergestänge. Die Laufflächen werden aber bald durch die Einwirkung des Dampfes und Oeles spiegelglatt und glashart, wie man es ja an den Wandungen jedes Dampfzylinders beobachten kann. Die Reibungsarbeit nimmt also bald durch Verminderung des Reibungskoeffizienten |354| stark ab. Aus demselben Grunde tritt auch eine nennenswerte Abnutzung der Steuerungsteile nicht ein.

Jeder Schieber liegt hier über demjenigen Kolben, den er nicht steuern soll, also müssen die Dampfkanäle überkreuzt ausgeführt werden, wie aus den Fig. 27–29 ersichtlich ist.

Eine neuere Ausführung der Oddessesteuerung (Fig. 36 bis 38) vermeidet die Ueberkreuzung der Dampfkanäle, welche immerhin das Gußstück etwas komplizierter macht und das Einformen etwas erschwert. Die Treibstücke A1 und A2 liegen bei dieser Ausführung der Steuerung dicht nebeneinander in der Mitte des für beide Pumpenseiten gemeinschaftlichen Schieberkastens, und es greift jeder Schieber mit einem Arm, an dessen Ende die Leiste C1 bezw. C2 angegossen ist, über das nicht zu ihm gehörige Treibstück hinweg. Auf diese Weise kommt jeder Schieber über denjenigen Kolben zu liegen, den er steuern soll.

Textabbildung Bd. 325, S. 354

Die Dampfverteilung erfolgt z.B. für den rechtsliegenden Kolben in folgender Weise: Steht der Schieber B1 links, so tritt Frischdampf durch den Ausschnitt G nach dem Kanal E, während der Abdampf vom Kanal D durch die Schieberhöhlung K nach dem Auspuff F entweicht. In der entgegengesetzten Stellung des Schiebers tritt Frischdampf durch den Ausschnitt H nach dem Kanal D und Abdampf von E durch die Höhlung J nach F. Die Kanäle D und E haben hier ihre gewohnte ∾-förmige Gestalt.

Die Hubbegrenzung erfolgt bei ganz kleinen Zylinderdurchmessern durch doppelte Kanäle (Fig. 8 oder 9) bei mittleren und größeren durch Bremsventile (Fig. 7).

Textabbildung Bd. 325, S. 354

Fig. 39 zeigt die allerneueste, ebenfalls patentrechtlich geschützte Ausführung der Oddesse-Steuerung mit entlasteten Treibstücken. Diese sind zylindrisch abgedreht, und es drückt der Frischdampf gleich stark von oben und unten auf dieselben. Die Reibung der Treibstücke ist also ganz gering und außerdem ist die Herstellung der Treibstücke und ihrer Führung im Schieberkasten etwas verbilligt.

Textabbildung Bd. 325, S. 354

Die Wirkungsweise der Expansionssteuerungen sei an Hand der Fig. 40 und 41, welche die neuere Ausführung darstellt, erläutert. Es sei gleich von vornherein betont, daß in Wirklichkeit zwischen den Grundschieber B1 und die beiden Expansionsschieber D2 und E2 eine Zwischenplatte, wie in Fig. 50 und 55 gelegt wird. Des

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Textabbildung Bd. 325, S. 355
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besseren Verständnisses halber ist sie in Fig. 40–49 fortgelassen. Auch die Expansionssteuerungen anderer Firmen beruhen auf demselben Prinzip. Sie ähneln fast sämtlich der bekannten Meyer-Steuerung der Dampfmaschinen.

Jedes Treibstück A1 und A2 treibt nicht nur auf die schon vorher besprochene Weise dem Grundschieber oder Verteilungsschieber B1 bezw. B2, sondern auch je ein Paar auf den Grundschiebern laufender Expansionsschieber D1 und E1 auf B2 und D2 und E2 auf B1 an. Es betätigt also jeder Kolben den Grundschieber des anderen, hingegen aber seine eigenen Expansionsschieber wie in Fig. 1820. Die Entfernung der Expansionsschieber kann durch die Schraubenspindeln E von den Handrädern G aus verstellt werden.

Bei der Bewegung der Kolben entwickeln sich nun die in Fig. 4249 dargestellten Schieberstellungen. Auf der Zeichnung sind die

Expansionsschieber so eingestellt gedacht, daß sie 75 v. H. Füllung geben. Man sieht, daß auf der Seite des Kolbens I die inneren Kanten, auf der Seite des Kolbens II die äußeren Kanten der Expansionsschieber den entsprechenden Kanal verschließen. In jeder Schieberstellung ist die augenblickliche Bewegungsrichtung durch Pfeile angedeutet, und man sieht, daß auf der Seite des Kolbens I Grund- und Expansionsschieber beim Ende der Einströmung sich gegeneinander

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Textabbildung Bd. 325, S. 356
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Textabbildung Bd. 325, S. 356
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bewegen, während auf der Seite des Kolbens II beide Schieber beim Ende der Einströmung die gleiche Bewegungsrichtung haben und demnach der Expansionsschieber den Grundschieber überholen muß. Der letzte Umstand gibt Anlaß zu folgender Betrachtung:

Die Geschwindigkeiten der vier Schieber B1, B2, D1 E1 und D2 E2 sind nicht wie bei Dampfmaschinensteuerungen zwangläufig von einander abhängig. Es tritt deswegen das eben erwähnte Ueberlaufen des Grundschiebers B1 durch den Expansionsschieber D2 E2 nicht immer mit Sicherheit an der gewünschten Stelle ein. Außerdem ist leicht zu befürchten, daß kurz nach dem erfolgten Abschluß der Füllung der Kanal im Schieber wieder geöffnet wird. Denn infolge der beendeten Füllung verlangsamt der Kolben II, also auch der Expansionsschieber D2 E2, seinen Lauf im letzten Viertel seines Hubes, und es kann sehr leicht wieder ein Oeffnen des Schieberkanales eintreten. Dieses hat eine Nachströmung von Frischdampf zur Folge, wenn nicht der Grundschieber B1 unterdessen den eigentlichen Dampfkanal zwischen dem Schieberspiegel und dem Zylinderende abgesperrt hat.

Man ordnet deswegen bei fast allen Expansionssteuerungen, auch bei der in Fig. 40 und 41 |357| dargestellten, festliegende Zwischenplatten H, wie eine solche in Fig. 50 und 55 an der bis jetzt gebräuchlich gewesenen Expansions-Oddesse-Steuerung zu sehen ist. Die Zwischenplatte ist durch zwei seitliche Knaggen (Fig. 55) an ihrer Bewegung verhindert, und es erfolgt der Abschluß des Dampfes beim Ueberlaufen der in der Zwischenplatte befindlichen Schlitze durch den Expansionsschieber. Eine Nacheinströmung von Dampf ist demnach ausgeschlossen. Im übrigen sind in Fig. 50–54 sinngemäß dieselben Bezeichnungen wie in Fig. 40 und 41 gewählt.

Textabbildung Bd. 325, S. 357

Fig. 56–63 stellen die Expansionssteuerung für Verbundpumpen dar. Die Verteilungsschieber für Hoch- und Niederdruckzylinder sind zu einem Stück vereinigt und werden in der bekannten Weise von den Treibstücken A1 und A2 in Bewegung gesetzt. Die Leisten C1 und C2, welche in die Treibstücke eingreifen, sind durch je zwei Stangen H mit den Schiebern verbunden. Die Expansionsschieber D1 und D2 sind hier als Rider-Schieber mit den bekannten trapezförmigen Oeffnungen ausgebildet. Ihre Wirkungsweise bleibt natürlich trotzdem die gleiche wie bei den früher gezeichneten Meyerschen Expansionsschiebern. In den Buchsen der Verteilungsschieber sind parallelogrammförmige Schlitze, welche je nach der Einstellung der Expansionsschieber von diesen früher oder später verschlossen werden. Die Einstellung der verschiedenen Füllungsgrade geschieht durch entsprechende Drehung der Expansionsschieber um ihre Achse. Eine Zwischenplatte – in diesem Falle eine Zwischenbuchse – ist hier entbehrlich, weil die eigentümliche Anordnung der Kanäle im Schieber B, eine Nacheinströmung ausschließt.

Textabbildung Bd. 325, S. 357
Textabbildung Bd. 325, S. 357
Textabbildung Bd. 325, S. 357
Textabbildung Bd. 325, S. 357

Der Dampf tritt durch die Ringe I (Fig. 56 und 57), welche durch Membranen K dampfdicht auf die Schieber gehalten werden, direkt in die Hochdruckschieber und von da in die Hochdruckzylinder. Von diesen pufft der Dampf in den eigentlichen Schieberkasten aus, der einen für beide Pumpenseiten gemeinschaftlichen Aufnehmer von sehr großem Rauminhalt bildet. Dieser große Aufnehmer bewirkt, daß der in den Niederdruckzylinder tretende Dampf während der ganzen Einströmung fast gleiche Spannung behält. Fig. 64 und 65 zeigen die Dampfdiagramme einer großen Kesselspeisepumpe 250 × 400 × 250. Im Gegensatz hierzu zeigen die Fig. 66 und 67 die Dampfdiagramme einer gewöhnlichen Duplex-Verbundpumpe, d.h. mit kleinem Aufnehmer. Der Niederdruckkolben vergrößert bei seiner Bewegung bei allen Verbundmaschinen den Raum des Aufnehmerdampfes um mehr, als ihn der Hochdruckzylinder verkleinert und es ist dann die prozentuale Vergrößerung des Dampfraumes und mit ihm der Spannungsabfall um so geringer, je größer der Aufnehmer ist. Einen wesentlichen Einfluß auf den Gang der Pumpe hat der mehr oder weniger große Spannungsabfall des Aufnehmerdampfes übrigens nicht. Hingegen |358| ist die in Fig. 56–63 gezeichnete Schieberanordnung in sofern vorteilhaft, als nur zwei Stopfbuchsen für Schieberstangen vorhanden sind, welche nur gegen den relativ niedrig gespannten Aufnehmerdampf abzudichten haben. Die Verbundpumpen gewöhnlicher Bauart haben dagegen sechs Stopfbuchsen für Schieberstangen, von denen zwei dem Hochdruckdampf ausgesetzt sind. Die Hubbegrenzung erfolgt bei der Oddesse-Verbundpumpe durch Bremsventile im Hochdruckzylinder. Der Niederdruckzylinder hat keime besonderen Vorkehrungen zur Hubbegrenzung.

(Fortsetzung folgt.)

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