Titel: Die Arbeitsmaschinen der Malztennen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325 (S. 435–438)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/ar325128

Die Arbeitsmaschinen der Malztennen.

Von C. Guillery, königl. Baurat.

Auf der im Oktober 1909 in München veranstalteten reich beschickten Brauerei-Ausstellung waren die Fortschritte im Bau und in der Verwendung von Arbeitsmaschinen auf den Tennen der Malzfabriken und Brauereien aufs beste veranschaulicht. Selbst in großen Brauereien und Malzfabriken wird wohl heute noch vielfach an der Handarbeit zum Wenden des Grünmalzes zwecks Durchlüftung desselben festgehalten, es läßt sich indessen mit Sicherheit übersehen, daß die Zukunft den weit leistungsfähigeren und zuverlässigeren mechanischen Einrichtungen gehört. Als von Hand bedientes Werkzeug wird, außer und neben der Schaufel, der Ewertsche doppelscharige Malzpflug verwendet, mittels dessen beider Schareisen das Keimgut alle vier bis fünf Stunden durchgeackert und umgearbeitet wird.

Die elektrisch angetriebenen Grünmalz- oder Keimgutwender ähneln in ihrer äußeren Erscheinung meist Laufkranen und bewegen sich wie solche auf Schienen. Durch sorgfältigen Massenausgleich der bewegten Teile der Wender ist es bei den schon in vielfacher Ausführung bewährten Maffeischen Anlagen nach Patent Eisner-Wörz möglich geworden glatte Laufschienen, statt der früher üblichen kostspieligen gezahnten Schienen, zu verwenden.

Textabbildung Bd. 325, S. 435

Es werden hier ferner eiserne Wagen zur Beförderung der ausgeweichten Gerste mittels mechanisch bewegter Schiebebühnen und Aufzüge auf die Tenne benutzt. Auch die Keimgutwender selbst werden nach Bedarf mittels besonderer einfacher Schiebebühnen oder mit Rollen versehener Stützvorrichtungen, nach und |436| nach in verschiedene, auf gleicher Höhe nebeneinander angeordnete Tennenräume geschafft und dort in Betrieb gesetzt, oder sie werden, wie bei der von J. A. Maffei gelieferten Mälzereianlage in Gothenburg, Schweden, mit einer gesamten Tennenfläche von 2500 qm (vergl. den Grundriß und Längsschnitt in Fig. 1), mittels eines Aufzuges aus einem Stockwerk in das andere befördert.

Textabbildung Bd. 325, S. 436

Das Wenden des Keimgutes geschieht durch mechanisch bewegte Schaufeln, die, ähnlich wie bei den bekannten Heuwendemaschinen, schräg in das Keimgut eingreifen und dasselbe, je nach der Bewegungsgeschwindigkeit der Schaufeln, entweder nur langsam umlegen oder 0,5–1,0 m weit zerstreuend aufwerfen, so daß ein vollständiges Durchlüften der Masse stattfindet.

Fig. 2 zeigt den von J. A. Maffei ausgestellten vollständigen Mälzereibetrieb neuester Anordnung mit zwei gepflasterten Malztennen und mit Gleiseinbauten für den Keimgutwender, den Ausweichwagen und die Schiebebühne. Der zur Aufnahme der geweichten, zur Malzbereitung dienenden Gerste verwendete Wagen wird entweder während der Füllung des Kastens mittels der Schiebebühne allmählich unter dem Füllrohr fortbewegt, oder das Weichgut wird in dem Wagenkasten durch eine Schnecke gleichmäßig verteilt, wenn das Weichgut auf der Tenne selbst in den Kasten eingefüllt wird. Die Füllung des 45 Hektoliter fassenden Behälters des ausgestellten eisernen Ausweichwagens beansprucht nur etwa 2½ Minuten.

Textabbildung Bd. 325, S. 436

Die ausgeweichte Gerste wird alsdann mittels des Ausweichwagens (Fig. 3 und 4) bei einer Bewegungsgeschwindigkeit |437| desselben von 25 m/Min. auf dem gepflasterten Boden der Tennen „ausgesät“ und mittels an dem Wagen selbst angebrachter quer zur Fahrrichtung des Wagens sich bewegender Streichschaufeln ganz gleichmäßig ausgebreitet, und zwar wird der gesamte Inhalt des Wagens mit einer Hinfahrt über die ganze Länge und Breite der Tenne verteilt (siehe Fig. 5). Derselbe Vorgang wird dann noch zwei oder drei Mal wiederholt, so daß schließlich etwa 200 Hektoliter Weichgut auf der Tenne ausgebreitet sind. Die ganze Arbeit wird durch nur einen Mann in etwa 45 Minuten erledigt, die erforderliche Motorleistung beträgt 1 PS.

Textabbildung Bd. 325, S. 437
Textabbildung Bd. 325, S. 437

Durch die Ausbreitung des Haufens auf der Tenne wird schon eine gute, dem gleichmäßigen Wachstum der keimenden Gerste förderliche Mischung erzielt. In höherem Grade findet dies noch, nebst einer gründlichen Durchlüftung des Keimgutes, unter der Einwirkung des alsdann in angemessenen Zwischenräumen von einigen Stunden in Tätigkeit tretenden Wenders (Fig. 6) statt. Der Wender arbeitet, nachdem er einmal eingeschaltet ist, vollständig selbsttätig und schaltet sich ebenso nach der Ankunft am Ende der Tenne wieder aus. Der Bedienungsmann hat deshalb weiter nichts zu tun als an den Enden der Tenne die Haufen aufzurichten. Die Leistung des Motors beträgt hier 1 ½ PS. Der ausgestellte Wender wies die Neuerung auf, daß die Vorrichtung zum Ausbreiten des Junghaufens an dem Wender, statt, wie bisher üblich, an dem Ausweichwagen angebracht war. Durch die Vereinigung des Ausbreitens und des Wendens in derselben Maschine wird eine erhebliche |438| Zeitersparnis erzielt indem das Ausbringen des Weichgutes auf die Tenne beschleunigt werden kann, während eine Verlangsamung des Ganges der Wendemaschine dadurch nicht eintritt.

Textabbildung Bd. 325, S. 438
Textabbildung Bd. 325, S. 438

Die nach Vollendung des Keimvorganges zum „Althaufen“ oder Grünmalz gewordene Keimgutmasse wird schließlich mittels des Ausweichwagens, nach Herunterklappen des daran angebrachten Rechens, in Teilhaufen von je 4–6 m Tennenlänge nach der im Schiebebühnengange an einem Ende der Tennenräume angebrachten Förderschnecke zu abgeschoben. Das Grünmalz verfilzt sich hierbei so mit den Keimwurzeln ineinander, daß trotz des großen Abstandes der Stäbe des Rechens nichts dazwischen hindurchfällt. Das sich gegen den Rechen anstauende Grünmalz gleitet auf dem glatt geschliffenen Tennenboden ohne Verletzung der Keime hin. Eine Menge von 200 Zentnern kann auf diese Weise in Zeit von 40 Min. vom Tennenboden weggefegt werden. Die Reibung der Triebräder des Ausweichwagens genügt bei dieser Arbeitsleistung nicht mehr zur Fortbewegung des Ausweichwagens, so daß Drahtseile mit Windetrommeln zu Hilfe genommen werden müssen (Fig. 7).

An Stelle der Förderschnecken, Förderbänder und Aufzüge zur Hinaufschaffung des Grünmalzes auf die Darrböden wird in neuerer Zeit, vor allen von der Maschinenfabrik vorm. F. A. Hartmann & Co. in Offenbach a. M. und von J. A. Topf & Söhne in Erfurt, mit bestem Erfolg Saugluft verwendet.

(Schluß folgt.)

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