Titel: Die Steuerungen der schwungradlosen Dampfpumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325 (S. 468–472)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/ar325138

Die Steuerungen der schwungradlosen Dampfpumpen.

Von Dipl.-Ing. Ernst Preger, Kiel.

(Fortsetzung von S. 379 d. Bd.)

Simplex-Pumpen.
Die Dampfpumpe Patent Voit von Schäffer & Badenberg, G. m. b. H., Magdeburg-Buckau. (Fig. 81–93.)

Die Steuerung der Dampfpumpe Patent Voit ähnelt sehr dem in Fig. 5 (S. 323) gezeichneten Schema für Simplexpumpen. Der Hilfsschieber liegt jedoch nicht über, sondern neben dem Hilfs- oder Steuerkolben bezw. neben dem Hauptschieber, so daß nur eine für beide Schieber gemeinsame Schieberfläche am Dampfzylinder vorhanden ist. Fig. 81–84 stellen sämtliche Steuerungsteile in Mittelstellung dar. Beide Schieber sind einfache Muschelschieber. Der Hilfsschieber E wird von der Kolbenstange vermittels der Schwinge A, der beiden Mitnehmerbolzen B, des Schlittens C und der Schieberstange D gegen Ende des Kolbenhubes bewegt. Die Schieberstange D und der Hilfsschieber E sind durch den auf D verstellbaren Stein F verbunden.

Der Hauptschieber G wird von dem Steuerkolben H umfaßt und hat in diesem nur soviel Spiel, wie zur satten freien Auflage auf dem Schieberspiegel nötig ist.

Der Hilfsschieber steuert nunmehr den Steuerkolben: in bekannter Weise durch die Kanäle J, und der Hauptschieber wiederum den Arbeitskolben durch die Kanäle K, welche vom Zylinderende entfernt, und die Kanäle L, welche am Zylinderende selbst einmünden, nach der in Fig. 9 erläuterten Weise, d.h. der Hauptschieber ist so geformt, daß der Dampfeintritt durch die Kanäle K und L, der Dampfaustritt aber nur durch die Kanäle K erfolgen kann.

Die Kanäle J sind bei mittleren und großen Pumpen |469| eingegossen, bei kleinen Pumpen durch Bohrungen und eingehauene Nuten hergestellt.

Textabbildung Bd. 325, S. 469

Die Hubbegrenzung des Arbeitskolbens ist gemäß Fig. 9 und den im vorletzten Absatz gegebenen Erläuterungen schon klargelegt. Die Hubbegrenzung des Steuerkolbens geschieht auf die folgende Weise:

Die Kanäle J münden etwas vom Ende der Steuerkammer entfernt ein, so daß sich ein Dampfkissen hinter dem Steuerkolben bilden kann. Bei kleinen horizontalen Pumpen ist in jede Stirnwand des Steuerkolbens ein kleines Loch M gebohrt, durch welches Frischdampf gleichzeitig auf beide Seiten des Steuerkolbens treten kann. Wird z.B. der linke Kanal J mit dem Auspuff verbunden, so sinkt der Dampfdruck auf der linken Seite des Steuerkolbens trotz des geringen Nachströmens von Frischdampf durch das linke Loch M und der Dampfdruck auf der rechten Seite des Steuerkolbens leitet die Bewegung des letzteren ein, bis der rechte Kanal J freigelegt ist und der durch diesen eintretende Frischdampf den Steuerkolben vollends in die gegenüberliegende Stellung bringt. Der Steuerkolben wird dann durch den nach links wirkenden Dampfdruck in seiner Lage gehalten.

Bei größeren und bei allen vertikalen Pumpen erfolgt die Hubbegrenzung des Steuerkolbens gemäß Fig. 85 in folgender Weise: An jedem Ende des Steuerkolbens ist eine Art Rückschlagventil A eingelassen, welches vor dem Erreichen der Endstellung den Kanal J überläuft und so für den Abdampf verschließt. Es bildet sich also dadurch das bekannte Dampfkissen. Der Frischdampf kann aber trotzdem vom Kanal J in die Steuerkammer eintreten, indem er den Teil A etwas nach innen abdrückt und unter A hinwegströmt.

Der Stift B verhindert eine Drehung des Teilest um seine eigene Achse, die Schraube C das Herausfallen von A beim Zerlegen der Pumpe.

Die kurzen Umführungskanäle D dienen gleichsam als zweite Sicherung gegen das Anstoßen des Steuerkolbens an den Deckel der Steuerkammer. Sie leiten kurz vor dem Hubende des Kolbens Frischdampf von der Oeffnung E hinter denselben, so daß die Wirkung des vorhin erwähnten, durch Kompression des Abdampfes erzeugten Dampfkissens verstärkt wird. Dieses zweite Mittel zur Hubbegrenzung ist hauptsächlich beim Angehen der Pumpe nötig, wenn sich hinter dem Steuerkolben noch kein Abdampf befindet, welcher komprimiert werden kann.

Textabbildung Bd. 325, S. 469

Eine selbsttätige, d.h. unbeabsichtigte Verstellung des Steuerkolbens durch Erschütterung ist auch hier ausgeschlossen, weil auf die eine Seite desselben stets der volle Druck des durch J eintretenden Frischdampfes wirkt. Auf die andere Seite drückt zwar auch der durch D eingetretene Frischdampf; dieser Druck vermindert sich aber sofort, wenn der Kanal D und die Oeffnung E sich nicht mehr decken. Der Steuerkolben ist in seine Führung eingeschliffen und durch möglichst gleichmäßige Wandstärke gegen Verziehen infolge ungleicher Wärme geschützt.

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Textabbildung Bd. 325, S. 470
Textabbildung Bd. 325, S. 470
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Fig. 86 und 87 zeigen den Längsschnitt und den Grundriß einer horizontalen Pumpe mit doppelt wirkendem Plunger und nur einer von außen nachstellbaren Stopfbuchse.

Fig. 88 und 89 zeigen eine vertikale Wandpumpe mitauswechselbarer Pumpenzylinderbuchse, Liderkolben und Sicherheitsüberlaufventil.

Fig. 90 stellt eine freistehende Marine-Luftpumpe für Oberflächenkondensation dar.

Fig. 91–93 zeigen eine Verbundpumpe. Der Steuerkolben des Hochdruckzylinders wird so groß gewählt, daß er den einfachen Muschelschieber des Niederdruckzylinders mitzubewegen im Stande ist. Etwaige Ungenauigkeiten, welche bei der Bearbeitung der einzelnen Teile oder durch die Dichtungen der Schieberkasten vorkommen können, werden durch eine geeignete Kupplung der Schieberstangen ausgeglichen. Beide Dampfzylinder erhalten zur Hubbegrenzung die an Fig. 81–84 erläuterten doppelten Dampfkanäle K und L.

Die Dampfzylinder Patent Voit können außer durch Dampf und Druckluft bei entsprechend niedriger Hubzahl auch mit Druckwasser betrieben werden.

Die Dampfpumpe der Maschinen- und Armaturenfabrik vorm. C. Louis Strube, Aktien-Gesellschaft, Magdeburg-Buckau. (Fig. 94–99.)

Die Steuerung von C. Louis Strube unterscheidet sich von derjenigen der Dampfpumpe „Voit“ vor allem durch Anwendung eines Drehschiebers an Stelle des Flachschiebers |471| als Hauptschieber. Fig. 94 bis 99 zeigen die Steuerung in allen Einzelheiten. Die Schwinge K (Fig. 94) wird von der Kolbenstange aus angetrieben. Um die Welle L schwingt außer K noch der Hebel M, welcher von K in den Endstellungen ein kurzes Stück mitgenommen wird. Zur Einstellung dieser Bewegung dienen die beiden Stellschrauben N. Von M aus wird durch die Schieberstange O der Hilfsschieber P (Fig. 95 und 96) betätigt, welcher als Drehschieber ausgebildet ist. Derselbe steuert den Hilfskolben Q durch doppelte Kanäle R und S. Die beiden Kanäle R leiten nur Frischdampf hinter beide Seiten des Hilfskolbens. Die beiden Kanäle S münden etwas vom Zylinderende entfernt und leiten nur Abdampf nach dem Auslaß. In Fig. 95 bis 97 ist die bemerkenswerte Gestalt des Hilfsschiebers deutlich erkennbar. Er wird durch einen Schlüssel T von

Textabbildung Bd. 325, S. 471
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der Schieberstange P betätigt, welche am oberen Ende verdickt ist und einen rechteckigen Schlitz für den Eingriff des Schlüssels T hat.

Der Hilfskolben ist ähnlich dem der Dampfpumpe „Voit“ gebaut. Nur ist er mit Kolbenringen ausgerüstet, was zwar die Reibung etwas gegenüber dem eingeschliffenen Kolben erhöht, aber andererseits auch die Gefahr des Festklemmens durch Verziehen wesentlich herabsetzt. Sollte übrigens die Pumpe nicht ohne weiteres von selbst angehen, weil sich der Hilfskolben etwa nach langem Stillstand durch Verdicken des Schmieröles festgesetzt haben sollte, so kann von außen her durch einen auf die Anlaßspindel U aufgesetzten Vierkantschlüssel leicht gelöst werden, indem man den Schlüssel einige Male hin- und herschwenkt.

Der Hilfskolben wird in seiner Endstellung durch Frischdampf gehalten, weil der in Betracht kommende Kanal R ständig während des Hubes des Arbeitskolbens mit dem Schieberkasten in Verbindung steht.

Die Hubbegrenzung des Arbeitskolbens erfolgt auf der gleichen Weise, wie sie bei der Dampfpumpe „Voit“ erläutert wurde. Es sind allerdings in den Figuren nur die Kanäle V sichtbar, welche zur Leitung von Frisch- und Abdampf dienen, also etwas vom Zylinderende entfernt einmünden. Die beiden Kanäle, welche an das Zylinderende führen und nur Frischdampf zuzuleiten haben, sind nicht gezeichnet worden. Die Strube-Pumpen werden sowohl in stehender als auch in liegender Bauart mit der gleichen Steuerung ausgeführt.

Verbundpumpen werden meistens liegend und in der Weise ausgeführt, daß Hoch- und Niederdruckzylinder je einen Hilfskolben und Hauptschieber bekommen, welche von je einem Hilfsschieber durch eine beiden Zylindern gemeinsame Schieberstange gesteuert werden.

Textabbildung Bd. 325, S. 472

Fig. 98 und 99 zeigen eine Kesselspeisepumpenanlage der Firma Strube, welche aus zwei getrennten Simplexpumpen besteht. Beim Ingangsetzen der Pumpen wird der Abdampf in den Auspuff geleitet. Ist die Pumpe in Gang, so geht der Abdampf in den Saugrohrkondensator und wird ohne weiteres durch das von der Pumpe angesaugte Speisewasser kondensiert, seine Wärme also dem Kessel wieder zugeführt, wie schon in der Einleitung dieses Aufsatzes besprochen wurde.

Diese Art der Abdampfkondensation erfordert zwar keine teueren Einrichtungen, aber es wird auch das Schmieröl aus der Pumpe mit in den Kessel geführt, was in besonderen Fällen streng vermieden werden muß. Darf das Speisewasser nicht mit Oel verunreinigt werden, so benutzt man Druckrohrkondensatoren. In diesen wird der Abdampf der Pumpen durch ein Bündel dünnwandiger Messing-, Bronze- oder Kupferrohre dem von der Pumpe selbst gelieferten Druckwasser entgegengeführt, welches die Rohre umspült. Dabei gibt der Abdampf, ohne mit dem Speisewasser in unmittelbare Berührung zu kommen, seine gesamte Wärme an das Wasser ab.

(Fortsetzung folgt.)

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