Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325 (S. 508–512)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/ar325151

Polytechnische Rundschau.

Die Anwendung von Dampfturbinen für den Antrieb von Kriegsschiffen der französischen Marine.

Zu dem Bauprogramm der französischen Marine für 1906 gehörten sechs Linienschiffe und sechs Torpedobootzerstörer, die jetzt in Ausführung sind. Die sechs Linienschiffe erhalten ihren Antrieb durch Parsons-Turbinen mit vier Wellen, während von den sechs Torpedobootzerstörern drei mit Kolbenmaschinen, eins mit Parsons-Turbinen, einer mit Kolbenmaschinen in Verbindung mit Rateau-Turbinen und einer mit Kolbenmaschinen in Verbindung mit Breguet-Dampfturbinen mit de Laval-Laufrädern ausgerüstet wurde. Durch die verschiedene Maschinenausrüstung bezweckte man Erfahrungen für den geeignetsten Antrieb zu sammeln. Die Bauart der Parsons-Turbinen entspricht den bekannten Ausführungen. Die Länge der Schaufeln beträgt das 0,05–0,15 fache des Trommeldurchmessers, der achsiale Spielraum zwischen Lauf und Leiträdern beträgt 5 bis 20 mm, der radiale Spielraum 0,7–1,8 mm.

Wo die Rateau-Turbine als Antriebsmaschine angewendet wurde, konnte Teilbeaufschlagung genommen werden und die Ausgleichkolben konnten fortfallen. Der radiale Spielraum am Umfang der Laufräder konnte auf 3–4 mm erhöht werden, ohne die Dampfverluste zu vergrößern. Die Rückwärtsturbinen sind im selben Gehäuse und auf derselben Welle mit den Vorwärtsturbinen untergebracht. Die Hochdruckturbine hat durch Scheidewände getrennte Druckstufen, der Niederdruckteil ist nach Trommelbauart ausgeführt, aber auch als Druckturbine. Bei Rückwärtsfahrt werden etwa 30–40 v. H. der Leistung bei Vorwärtsfahrt erreicht.

Beim Uebergang in den trommelförmigen Teil der Turbine entsteht eine ringförmige Fläche mit einem Ueberdruck auf der einen Seite, welcher den Schub der Schiffsschraube ausgleichen soll. Außerdem ist noch ein kleines Drucklager vorhanden. Die Lager haben Wasserkühlung und Druckölschmierung. Die Welle ist hohl und besteht mit der Trommel aus einem Stück. Die gezogenen Laufschaufeln sitzen in dem Kranz der Laufräder mit Schwalbenschwanznut.

Auf den mit Parsons-Turbinen ausgerüsteten Schiffen sind drei Turbinen für normale und volle Fahrt und eine Marschturbine angeordnet. In der Mitte befindet sich die Hochdruckturbine, auf den Seitenwellen sind die beiden Niederdruckturbinen angeordnet, während die ebenfalls mit Hochdruckdampf arbeitende Marschturbine auf einer hohlen Welle sitzt, durch welche die Welle der Niederdruckturbine auf der Steuerbordseite hindurchgeführt ist. Die beiden Wellen sind im weiteren Verlauf miteinander durch Zähne gekuppelt, deren geringes Spiel einen Ausgleich der Wärmedehnungen gestattet.

Bei dem Schiff mit Kolbenmaschine in Verbindung mit einer Rateau-Turbine wird die mittlere der drei Wellen durch eine dreifache Expansionsmaschine von 380 Umdrehungen und 2700 PS angetrieben, die entweder in ihren eigenen Oberflächenkondensator oder in die Rateau-Turbinen von je 3000 PS bei 850 Umdrehungen auf den beiden Seitenwellen auspufft. Die Rohrleitung ist so angeordnet, daß beide Turbinen gleichzeitig vorwärts und rückwärts oder einzeln gleichzeitig oder getrennt vorwärts und rückwärts laufen können.

Die nachstehende Zusammenstellung enthält die Versuchsergebnisse der mit verschiedenen Maschinen ausgerüsteten annähernd gleich großen Torpedobootzerstörern.


Bauart der Maschinen

3 Parsons-
turbinen
2 Rateauturb.
1 Kolben-
maschine

2 Kolben-
maschinen
bei 14 Knoten Geschwindigkeit, Dauer 8 Stunden
mittl. Geschwindigkeit Knoten 13,9 14,1 14,0
Kohlen-
verbrauch
kg
stündlich
stündlich für 1 qm
Rostfläche
für 1 Meile bei
14 Knoten Fahrt
965

89

69,6
636

58,6

45,2
455

42,5

32,3
bei voller Fahrt, Dauer 1 Stunde
mittl. Geschwindigkeit Knoten 30,4 31,3 27,7
Kohlen
verbrauch
kg
insgesamt
auf 1 qm Rostll./Std.
auf 1 Meile Fahrstr.
auf 1 Meile bei
30 Knoten Fahrt
8480
392,6
279

274
8280
376,4
264

258
8400
392,0
303

bei 24 Knoten Geschwindigkeit, Dauer 5 Stunden
mittl. Geschwindigkeit Knoten 25,6 24,7 24,0
Kohlen-
verbrauch
kg
stündlich
stündl. auf 1 qm Rost
auf 1 Meile Fahrstr.
auf 1 Meile bei
24 Knoten Fahrt
6448
298,0
252

232
5112
232,4
207

198
4800
224,0
200

200

(Clergeau.) [Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen 1910, S. 117.]

M.

Die Oerlikon-Serie-Paralleldampfturbine.

Bei der Ausnutzung des Abdampfes in Turbinen besteht die Schwierigkeit, den Betrieb ökonomisch zu gestalten, wenn einmal Abdampf aus Kolbenmaschinen usw. nicht zur Verfügung steht. Für diese Fälle sieht man gewöhnlich eine Hochdruckstufe vor, welche mit Frischdampf betrieben wird; der vorhandene Niederdruckteil ist aber dann zu groß, weil er für die viel größere Abdampfmenge bemessen ist. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, sind bei der neuen Oerlikon-Turbine die Leitkanäle des |509| Niederdrucksatzes in zwei Gruppen getrennt, von denen die eine für die gleich große Dampfmenge wie für den Hochdrucksatz bemessen ist, während beim Betrieb mit Abdampf der ganze Niederdrucksatz beaufschlagt wird. Beim Arbeiten mit Frischdampf durchströmt derselbe zuerst den Hochdrucksatz und dann nur den einen Teil des Niederdrucksatzes, welcher für die Frischdampfmenge berechnet ist. Mit dieser Einrichtung kann die Turbine den Abdampf von Kolbenmaschinen und, im Falle derselbe aussetzt, Frischdampf gleich ökonomisch verarbeiten. Die Turbine eignet sich auch für die Fälle, Wo die Abdampfmenge für die erforderliche Turbinenleistung nicht genügt und ständig Frischdampf zugeführt Werden muß. Die Regulierung ist so eingerichtet, daß durch drei auf einer Spindel übereinander liegende Schieber zuerst der einen, dann der anderen Niederdruckgruppe Abdampf zugerührt wird und wenn dieser nicht mehr ausreicht oder ganz aussetzt, öffnet auch der dritte Schieber den Einlaß für den Frischdampf.

Die folgende Zusammenstellung enthält die Versuchsergebnisse zweier Oerlikon-Parallel-Serie-Turbinen von 1050 KW Leistung. Die Turbinen, die dem Kraftwerk der Central Elektrik Supply Co. in London aufgestellt sind, nutzen den Abdampf zweier Kolbenmaschinen von je 2000 PS aus.

Versuche mit
Frischdampf

Versuche mit Abdampf
Belastung KW 1045 425 1039 976 698 498
Dampf verbrauch kg/Std. 8862 4509 16992 16471 13116 11060
Dampfdruck kg/qcm abs. 13,2 6,75 1,07 1,0 0,773 0,65
Dampftemperatur °C 232 216,5 100 99 92,1 87,8
Vakuum kg/qcm abs. 0,093 0,107 0,096 0,093 0,090 0,101
Temperatur des Ab-
dampfes °C

44,3

47

44,7

44,4

43,3

45,7
Umdrehung, i. d. Min 1400 1400 1393 1399 1397 1399
Dampfverbrauch
kg f. d. KW/Std.

8,48

10,61

16,35

16,87

18,8

22,2

Die Versuche mußten mit Rücksicht auf den elektrischen Teil der Anlage mit 1400 statt mit 1500 Umdr., Wofür die Turbinen gebaut sind, vorgenommen werden. Trotzdem wurde das gute Ergebnis erzielt. Nach Messung des Wassergehaltes des zugeführtes Abdampfes, welcher sich zu 9,5 v. H. ergab, konnte der thermische Wirkungsgrad bestimmt werden, welcher bei 498 KW 65 v. H., und bei 1039 KW 68 v. H. betrug. Der Dampfverbrauch der Anlage für 1 KW/Std. soll durch Zuschalten der Abdampfturbine zur Kolbenmaschine bei einem Vakuum von 91 v. H. bei Vollast auf 60 v. H., bei ¾ Last auf 60½ v. H. und bei halber Last auf 61 v. H. der früheren Werte gesunken sein. (Koeniger.) [Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen 1910. S. 114–117.]

M.

Das Felsenbohrschiff der k. k. Seebehörde zu Triest.

Zur Beseitigung vorstehender Riffe und zur Sprengung von Kanälen bis zu 10 m Wassertiefe in dem von mittelhartem Kalkstein gebildeten Meeresgrund der istrianischen und dalmatinischen Häfen hat die Seebehörde zu Triest ein 18 m langes, 6 m breites und an der Seite 2½ m hohes, mit Hilfe von vier auf den Meeresgrund hinabgelassener Füße vertragsmäßig um 10–20 cm anhebbares Bohrschiff bauen lassen, das durch eine mittlere Längsschottwand und zwei Querschotten in vier wasserdichte Räume geteilt wird. Die rd. 13 m langen, aus gußeisernen Rohren von 320 mm äußeren Durchmesser und 30 mm Wandstärke bestehenden, mit vier Längsrippen von 40 mm Dicke versehenen Schiffsfüße sind außerhalb der Bordwände in starken Blechkonsolen geführt und haben ein Eigengewicht von 3900 kg. Die die Bewegungsvorrichtungen für die vier Füße miteinander verbindenden Klauenkupplungen ermöglichen ein gleichzeitiges Anheben aller vier Füße mit einer Hubgeschwindigkeit von 100 mm i. d. Min. Der Antrieb aller Maschinen und Transmissionen erfolgt von einer Einzylindermaschine von 200 mm Zylinderdurchmesser und 200 mm Hub, die bei 320 Uml./Min. rd. 28 PS entwickelt. Zum Betriebe der Bohrmaschine wird vom Schwungrad mittels Riemens eine bei 750 Uml./Min. rd. 12 K V A leistende Dynamomaschine angetrieben. Die an der einen Seite des Schiffes hängenden, nach dem Federhammerprinzip gebauten Bohrmaschinen ermöglichen die Bohrung von 2 m tiefen Löchern von 80 mm ⌀ bei einer Leistung von durchschnittlich 1 m Bohrtiefe in 15 Min. Der Antrieb erfolgt durch dreipferdige Elektromotoren, die durch Zahnräder, Kurbel und Hubstange den mit dem Bohrer verbundenen Stoßkolben eine schwingende Bewegung erteilen. Die normale Schlagzahl beträgt 380 i. d. Min., der zwangläufige Hub des Schlittens 60 mm, der größte Hub des Bohrers 140 mm und die größte Rückzugkraft der Federn 1000 kg. Der Kessel ist ein stehender Querrohrkessel von 15 qm Heizfäche und 8 at Betriebsspannung. Der neben dem Kohlenbunker befindliche Speisewasserbehälter hat 3 t Inhalt. Nach Ladung der Bohrlöcher werden die Schiffsfüße hochgezogen und das Schiff wird zur Vornahme der Sprengung auf 20–50 m weiter gefahren. (Stromek.) [Zeitschrift d. Vereins deutscher Ingenieure 1910, S. 497.]

J.

Eine neue elektrische Fördermaschine.

Während bei dem System Ilgner die meist in unmittelbarer Nähe der Fördermaschine aufgestellte Anlaßdynamo durch einen mit Schlupfwiderstand versehenen Elektromotor angetrieben wird und dem Aggregat noch ein Schwungrad hinzugefügt ist, erfolgt der Antrieb der Dynamo der auf dem Mauveschachte der der Gewerkschaft Georg von Giesches Erben gehörenden kons. Heinitzgrube seit September 1909 in Betrieb befindlichen elektrischen Hauptschacht-Fördermaschine durch eine Dampfturbine, die in einem etwa 100 m vom Schachte entfernten Maschinenhause Aufstellung gefunden hat. Diese außer mit der Anlaßdynamo noch mit einer Drehstromdynamo nebst Erregermaschine gekuppelte Dampfturbine ist mit einem selbsttätigen Umlaufventil ausgerüstet, durch welches den mittleren Druckstufen der Turbine bei der in der Anlaufperiode der Fördermaschine auftretenden Ueberlastung Frischdampf zugeführt wird. Durch diese Anordnung soll der erforderliche Strom ohne Umformungs- und Schwungradverluste direkt mittels einer Dampfmaschine erzeugt werden. Da die Fördermaschine bei vollem Betriebe imstande sein muß, einen Förderkorb von vier Etagen mit je drei Wagen aus 770 m Teufe mit 10 m/Sek. Geschwindigkeit zu heben, mußte die Koepe-Scheibe mit zwei Elektromotoren gekuppelt werden. Die Leistungsfähigkeit der Anlage entspricht bei Verwendung von zwei Abzugbühnen und bei 32 Förderzügen stündlich einer Nutzlast von 7200 kg Kohlen bei jedem Hube und einer stündlichen Fördermenge von 230 t. Die in zwei mit Ringschmierung versehenen Lagern auf einem kräftigen schmiedeeisernen, gleichzeitig die beiden Außenlager für die Antriebelektromotoren aufnehmenden Rahmen ruhende Koepe-Scheibe hat einen Durchmesser von 8 m. An beiden Seiten der Treibscheibe befinden sich neben dem Ulmenholzbelag mit der Seilrille Bremsringe aus ∪-Eisen, auf die vier Bremsbacken einer durch einen Druckluft-Bremszylinder |510| betätigten Manövier- und einer Fallgewichtsbremse einwirken. Zur Erzeugung der zum Bremsen erforderlichen Druckluft dient ein durch einen Drehstrom-Elektromotor von 8 PS Leistung angetriebener Kompressor mit Differentialkolben, der bei 310 Umdr./Min. 60 cbm angesaugte Luft auf einen Ueberdruck von 6 at zu pressen imstande ist. Der einen äußeren Durchmesser von 6240 mm aufweisende Fördermotor besitzt je 16 Haupt- und Hilfspole. Seine Normalleistung beträgt bei 490 Volt Spannung und 24 Umdr./Min. 565 ps, während er in der Beschleunigungsperiode 1365 PS abgeben kann. Die mit Deri-Wicklung ausgestattete Anlaßdynamo ist für eine Normalleistung von 475 KW bei 1500 Umdr./Min. gebaut, während sie in der Beschleunigungsperiode der Fördermaschine 1240 KW abgeben kann. Die Spannung ist innerhalb der Grenzen von ± 500 Volt regelbar. Die mit der Dampfturbine gekuppelte Drehstromdynamo leistet bei einer Spannung von 3150 Volt und 1500 Umdr./Min. 1250 KVA = 1000 KW bei cos φ = 0,8 und erhält ihre Erregerenergie ebenfalls von der Erregermaschine der Anlaßdynamo. Die für 1500 Umdrehungen, einen Dampfdruck von 9,5 at und eine Dampftemperatur von 275° C gebaute Dampfturbine ist an eine normal ein Vakuum von 90 v. H. erreichende Zentralkondensation angeschlossen. Bei den erwähnten Dampf Verhältnissen wurde garantiert, daß der Dampfverbrauch für die Schachtpferdestunde bei flotter Förderung 11,4 kg und für jedes von der Drehstromdynamo erzeugte KW bei Vollbelastung des Generators 9,4 kg nicht übersteigt. Dampfversuche ergaben schon bei geringerer Leistung für das Schachtpferd etwa 10 und für 1 KW/St. etwa 8,1 kg Dampf verbrauch, (v. Groddeck.) [Glückauf 1910, S. 350.]

J.

Die Rohrleitungen der hydroelektrischen Anlage Kinloch-Leven.

Die British Aluminium Company, welche die Gewinnung von Aluminium auf elektrischem Wege betreibt und in ihren älteren Werken Foyers in Schottland, Strangfjord in Norwegen und Orsières in Frankreich über etwa 60000 PS verfügte, hat in der Nähe des Kaledonischen Kanals mit Hilfe einer etwa 1000 m langen Staumauer von 24,4 m größter Höhe und 19,2 m unterer Stärke ein vorhandenes Seegebiet zu einer nutzbaren Niederschlagfläche von 140–150 qkm vergrößert und dadurch für ihre Anlage Kinloch-Leven eine Leistung von etwa 30000 PS nutzbar gemacht. Das Wasser fließt durch eine etwa 6 km lange Leitung aus Eisenbeton mit einem Gefälle von 1 : 1000 dem Wasserschloß zu, aus welchem es durch schmiedeiserne geschweißte Rohrleitungen nach den Turbinen gelangt.

Den Bau dieser Rohrleitungen, einen Auftrag im Werte von 2,18 Millionen Mark, hat die Gesellschaft der deutschen Aktiengesellschaft Ferrum in Oberschlesien übertragen, da keine der in Betracht kommenden englischen Fabriken dieser Aufgabe gewachsen war. Die ganze Rohrleitungsanlage besteht aus den Hauptleitungen vom Wasserschloß bis zu den Hauptabsperrschiebern und aus den Verteilleitungen vor dem Turbinenhause mit den Abzweigen für die Turbinen bis zu den Schiebern vor diesen.

Von den acht in Aussicht genommenen Hauptleitungen sind sechs bereits verlegt, während für die beiden übrigen das Rohrbett fertiggestellt ist. Diese Leitungen haben 1000 mm lichte Weite, 10–22 mm Wandstärke und haben einen höchsten hydrostatischen Druck von 29,5 at auszuhalten, bei je etwa 2000 m Länge. Sie sind aus 6 m langen, mit Wassergas geschweißten Rohrstücken aus Schmiedeisen zusammengebaut, und zwar mit Hilfe von Muffenverbindungen, welche gerade für solche große Leitungen vorteilhaft sind, weil sie geringe Winkelabweichungen und Ungenauigkeiten gestatten, sich bequemer ohne vieles Wenden und Verschieben zusammenbauen und ohne Ausbau von einzelnen Stücken nachdichten lassen. Diese Muffenverbindung (s. Fig. 1) wird durch Hanfstricke abgedichtet, welche mit einem stumpfen Meißel eingestemmt und dann durch Anziehen des aufgeschraubten Flansches festgepreßt werden. Ein weiterer Vorteil der Muffenverbindungen ist, daß jedes Rohrstück sich in sich selbst frei dehnen, also an einem Ende starr gelagert werden kann, daß einer besondere Ausdehnstücke, deren Wirksamkeit durch die Reibung der Auflager beeinträchtigt wird, fortfallen können. Nur bei den Krümmern, die als Festpunkte der Leitungen besonders verankert worden sind, hat man Flanschenverbindungen nach Art der in Fig. 2 dargestellten verwendet, teils um die Wasserdruckproben in den Werkstätten vornehmen zu können, teils der besseren Verankerung wegen. Die Leitungen sind an den oberen Enden mit Handschiebern für den Einlauf, in einer ½ at entsprechenden Höhe darunter mit selbsttätigen Rohrbruchventilen, an einer Stelle, wo ein Gefällsbruch auftritt, mit selbsttätigen Luftventilen und an den unteren Enden mit hydraulisch betätigten, aber auch selbsttätig schließenden Hauptabsperrschiebern versehen. Die ganze Anlage hat bei der Abnahmeprobe einem um 5,5 at gesteigerten Probedruck standgehalten. (Liersch.) [Zeitschrift d. Vereins deutsch. Ing. 1910, S. 957–964.]

Textabbildung Bd. 325, S. 510
Textabbildung Bd. 325, S. 510

H.

Große stählerne Druckleitung.

Die Einzelheiten der Druckleitung von 3,81 m ⌀, welche das Betriebswasser des Schaghticoke-Wasserkraftwerkes der Schenectady Power Company am Hoosic-Flusse von dem Ende des 800 m langen und 7,3 m breiten Oberwassergraben zu dem Wasserschloß führt, sind wegen der Größe dieser Leitung beachtenswert. Die Leitung ist 305 m lang und aus Abschnitten von je 1,83 m zusammengesetzt, von denen jeder aus drei 9 mm dicken Blechen zusammengenietet ist. Diese Bleche sind in den Werkstätten nur in dem erforderlichen Maße gebogen und gelocht, aber erst an Ort und Stelle genietet worden, wobei man Niete von 21 mm ⌀ in 75 mm Mittenabstand, und zwar doppelreihige Nietung für die Längsnähte und einreihige für die Rundnähte, also insgesamt 192 Nieten für jeden Rohrabschnitt verwendet hat. Je zwei benachbarte Rohrabschnitte sind mit den Enden ineinander gesteckt und ebenfalls an Ort und Stelle zusammengenietet, so daß Stücke von 3,66 m Länge und 3830 kg Gewicht gebildet werden, welche an beiden Enden mit angenieteten Winkelflanschen von 122 × 120 mm versehen sind.

Die Leitung ist ihrer ganzen Länge nach so verlegt, daß ihre Achse in einer senkrechten Ebene liegt, ändert aber ihre Neigung an drei Stellen, wodurch vier durch Krümmer verbundene gerade Abschnitte gebildet werden. Von diesen hat der erste auf 71,22 m Länge ein Gefälle von 16,93, der zweite von 119,56 m Länge ist ganz wagerecht, der dritte von 32,94 m Länge steigt um 15,10 m und der vierte von 43,60 m Länge fällt wieder um 2,13 m. Im ersten und dritten Abschnitt sind deshalb |511| Ausgleichrohre eingefügt, während der zweite Abschnitt mit einer Entleerungsleitung von 450 mm ⌀ versehen ist. An den Stellen, wo die Ausgleichrohre eingefügt sind, sind die Bleche 12,5 mm über die Rohrenden hinaus verlängert und mit versenkten Nieten versehen. Die Rohre sind dann auf 750 mm ineinander gesteckt und mit Hanf gegeneinander abgedichtet. Eine Stopfbüchsenbrille vervollständigt die Verbindung.

Die Leitung ruht auf 3 m hohen, 610 mm dicken Stützen von 3,65 m Mittenabstand aus Beton, die oben ausgesattelt sind, so daß seitliche Bewegungen verhindert werden. Dort, wo sie den Hoosic-Fluß überschreitet, wird sie von halbrunden Bändern getragen, die an zwei Fachwerkträgern von je 30,5 m Länge aufgehängt sind.

Das Ende der Leitung befindet sich in einem stählernen Ausgleichbehälter von 12 m ⌀ und 16 m Höhe, von welchem fünf kleinere Druckrohre abgehen. Vier hiervon sind je 1830 mm weit, die letzte, die für die Erregermaschinen bestimmt ist, hat 610 mm ⌀. Insgesamt hat der Bau dieser Wasserleitungen mit dem Behälter etwa 700 t Stahl erfordert. Von den annähernd 92000 Nieten waren 46000 erst auf dem Bau herzustellen. Dennoch ist die Arbeit mit einem Arbeiterstab von 16–40 Mann in etwa 6 Monaten fertiggestellt worden. [Résumé de quinzaine, Société des Ingénieurs Civils 1910, S. 298–300].

H.

Sicherheitsventil für Gasleitungen.

Textabbildung Bd. 325, S. 511

Eine der häufigsten Ursachen von Unfällen bei Gasanlagen ist das Offenbleiben von Gashähnen. Bei den meisten Anlagen, insbesondere in einzelnen Wohnungen wird am Abend der Haupthahn abgedreht, häufig ohne daß nachgesehen wird, ob nicht irgendwo eine Flamme noch brennt, ob nicht z.B. in einem der Zimmer jemand bei Licht eingeschlafen ist. Wird dann am nächsten Morgen der Haupthahn wieder geöffnet, so strömt an der betreffenden Stelle Gas aus, bis man es – häufig zu spät – bemerkt. Solche vorübergehende Unterbrechungen der Gaszufuhr können auch bei größeren Anlagen plötzlich eintreten, ohne daß es möglich ist, vorher alle Hähne zu schließen, z.B. in einem großen Saal. Damit in diesem Falle kein Gas nachher ausströmen kann, empfiehlt es sich, in die Leitung das in Fig. 1 dargestellte Sicherheitsventil einzubauen, welches sich beim Nachlassen des Gasdruckes selbsttätig schließt und geschlossen bleibt, bis es von Hand wieder geöffnet wird. Das Ventil, welches in einem gußeisernen Gehäuse angeordnet ist, enthält in einer eingeschraubten Büchse aus Rotguß einen Hufeisenmagneten, welcher mit Hilfe seines Ankers auf dem oberen Ende der Spindel das Ventil gerade geschlossen hält. Das Innere des Ventilgehäuses enthält eine Membran, die oben unter dem Gasdruck und unten unter dem Druck einer Feder steht. Die Wirkungsweise ist ohne weiteres erkennbar. Das Ventil ist gewöhnlich offen. Wird aber der Gasdruck über der Membran plötzlich verringert, so hebt sie das Ventil, so daß es von dem Magneten geschlossen gehalten wird. Um es zu öffnen, muß man das Ventil mit Hilfe einer durch den Magneten hindurchreichenden Messingstange niederstoßen. Das Ventil wird von der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau-A.-G. hergestellt.

H.

9000 pferdige Turbinen der J. P. Morris Company in Philadelphia, Pa.

Die vier Turbinen, welche für das Wasserkraft-Elektrizitätswerk der Washington Water Power Company in Little Falls am Spokane-Fluß aufgestellt werden, sind für ein Gefälle von 20 m Höhe, eine Wassermenge von je 43 cbm i. d. Sek. und eine Geschwindigkeit von 150 Umdreh. i. d. Min. bemessen. Sie werden aus stählernen Druckrohren von 4450 mm Weite gespeist, welche sich unmittelbar über jeder Turbine in zwei allmählich auf je 2650 mm Weite übergehende, an die Gehäuse der Turbinenlaufräder angeschlossene gußeiserne Rohre teilen. Hierdurch wird die Eintrittsgeschwindigkeit des Wassers von 2,6 auf 3,7 m i. d. Sek. erhöht. Jede der 9000pferdigen Turbinen ist als Doppel-Francis-Turbine mit zwei voneinander vollständig getrennten Spiralgehäusen ausgeführt. Die Bronze-Laufräder, die von innen beaufschlagt werden, sind mit Hilfe von kegeligen Bolzen auf der durchgehenden, etwas über 11 m langen Welle befestigt, welche nur außen in zwei Lagern ruht und daher unter den Laufrädern so verstärkt ist, daß die Formänderungen möglichst gering bleiben. Um die Laufräder ist ein Kranz von gußstählernen Drehschaufeln gelegt, welche in der bekannten Weise von einem Druckölregler verstellt werden können. Die Laufräder sind hinsichtlich ihres Achsschubes ausgeglichen. Die ganze Doppelturbine ruht mit den Böcken für die zwei mit Weißmetall ausgegossenen Lager auf einer elliptischen Grundplatte von 3,70 m größter Länge und 2,80 m größter Breite, welche in dem Betonunterbau eingebettet ist. Der Wirkungsgrad der Turbinen soll bei Vollbelastung 80 v. H. und bei dreiviertel Belastung 82 v. H. betragen. (Taylor.) [American Machinist 1910, S. 547–550.]

H.

Wasserkraftanlagen in Costa Rica.

Zu den an verwertbaren Wasserkräften reichsten Ländern des mittelamerikanischen Gebietes zählt Costa Rica. Gegenwärtig sind hier in verhältnismäßig geringer Entfernung nicht weniger als drei größere Wasserkraftanlagen im Bau, ein Beweis dafür, daß die Vorteile der Wasserkraftverwertung auch hier langsam erkannt werden. Am weitesten fortgeschritten ist der Bau des Kraftwerkes, welches die Costa Rica Electric Light and Traction Company, eine Straßenbahngesellschaft der Hauptstadt San Jose, die auch Strom abgibt, zur Erweiterung ihrer Anlagen errichtet. Das aus dem Rio Varilla durch einen gemauerten Kanal von etwa 400 m und einen Stollen von 750 m Länge, sowie durch drei stählerne Druckleitungen von 1372 mm ⌀ gespeiste Werk verfügt über eine |512| Wassermenge von 95 cbm i. d. Sek. bei 57,5 m Gefälle und erhält im ersten Ausbau drei mit Drehstromdynamos von 2300 Volt gekuppelte Pelton-Francis-Turbinen, welche bei 600 Umdr. i. d. Min. je 800 PS leisten, sowie zwei Erregergruppen mit ebensolchen Turbinen von je 80 PS Leistung bei 925 Umdr. i. d. Min.; diese liefern Gleichstrom von 125 Volt Spannung. Der erzeugte Drehstrom wird in insgesamt 14 Einphasentransformatoren auf 16000 Volt Spannung umgeformt und mit Hilfe von zwei auf eisernen Masten verspannten Fernleitungen nach dem etwa 14,6 km entfernten Verteilwerk übertragen. Große Vorteile verspricht die Ausnutzung der Wasserkräfte den reichhaltigen Gold- und Silberbergwerken dieses Landes; für diese Zwecke sind zwei weitere Wasserkraftwerke im Bau, von denen das eine die Minen von Aguacate, das andere jene von Abangarez mit elektrischem Strom versorgen soll. Das erste Werk wird aus dem Rio Grande versorgt und verfügt über ein Gefälle von 39,62 m, welches durch einen 300 m langen Stollen, ein unter Druck stehendes, eisernes Wasserschloß und zwei 792,5 m lange stählerne Druckleitungen von 1524 mm Weite nutzbar gemacht wird. Das Kraftwerk enthält zwei 150 pferdige Francis-Turbinen, welche Stromerzeuger von 2300 Volt und 500 KVA mit 600 Umdr. i. d. Min. antreiben und leitet 22000 Volt Hochspannungsstrom über eine 32 km lange einfache Fernleitung mit eisernen Masten. Das zweite Werk erhält sein Wasser aus dem Rio Guacimal, und zwar durch ein gemauertes Oberwassergerinne von 1370 m Länge und zwei Druckleitungen von 2835 m Länge, die an ein Wasserschloß angeschlossen sind, und enthält vier Pelton-Turbinen mit einfachen Düsen, welche bei 116 m Nutzgefälle und 360 Umdrehungen i. d. Min. je 750 PS leisten. [The Engineer 1910, S. 454–455.]

H.

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