Titel: Zuschrift an die Redaktion.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325/Miszelle 1 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/mi325is10_1

Zuschrift an die Redaktion.

(Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.)

Geschwindigkeit der Luftschiffe.

Geehrte Redaktion!

In D. p. J. S. 8 d. Bd. gibt Herr A. Bauschlicher eine sehr interessante Zusammenstellung über Luftschiffe, in denen mir aber die Angaben über die Geschwindigkeiten der Zeppelinschen Luftschiffe einer Aufklärung bedürftig erscheinen.

Dort wird gesagt:

Z 88–90 16 PS 8 m/sec.
Z 08 2 . 110 PS 15 m/sec.
Z III 09 2 . 115 PS 15 m/sec.

Die Angabe 16 PS ist wohl als Druckfehler zu betrachten, denn das Modell Z 90 hatte in jeder Gondel eine Maschine von 16 PS.

In Z III ist eine dritte Maschine eingebaut worden, von derselben Stärke wie die beiden vorhandenen, danach müßte nachher die Geschwindigkeit dieses Luftschiffes 15 · ∛1,5 = 17 m/sec. sein, wenn die Angabe des Herrn B. richtig ist. In den III. Aer. Mitt. 09 S. 998 wird angegeben, daß durch den Einbau der dritten Maschine die Geschwindigkeit 15 m/sec. geworden sei. Beide Angaben lassen sich nicht vereinigen, entweder war die Geschwindigkeit vorher 15, dann ist sie jetzt 17, oder sie ist jetzt 15, dann war sie vor dem Einbau 13.

Weiter habe ich mir seit jener vergeblichen Pfingstfahrt nach Berlin, die in Bitterfeld abgebrochen werden mußte, soweit als möglich die Reisen notiert und danach die Geschwindigkeiten berechnet. Wenn man nur die glatt verlaufenen Reisen aufzählt, und diejenigen nicht berücksichtigt, bei denen unterwegs Havarien eingetreten sind, oder welche überhaupt nicht bis an das Ziel gelangt sind, wie die erste von Frankfurt a. M. nach Köln, so erhält man folgende Zusammenstellung:

Fahrt km Std. Geschw.
Z I Friedrichshafen–Bitterfeld 507 21⅓ 24
Z I Bibrach–Metz 391)
Z II Friedrichshafen–Frankfurt 340 11⅙ 30
Z II Frankfurt–Köln 240 6 40
Z III Bülzig–Friedrichshafen 549 22⅔ 24
Z III Frankfurt–Friedrichshafen 282 9⅙ 322)

Die Entfernungen sind möglichst genau nach dem zurückgelegten Wege gemessen und nicht in Luftlinie. Als Mittel aus den angeführten Geschwindigkeiten erhält man 31 km h–1. Da gerade die langen Strecken die langsamsten Geschwindigkeiten aufweisen, so ist diese Art der Mittelbildung mathematisch nicht ganz berechtigt. Der Einfachheit halber will ich aber 31 km h–1 gelten lassen. Da nicht anzunehmen ist, daß das Luftschiff jedesmal hätte Gegenwind gehabt und wäre niemals vom Wind begünstigt worden, so ist das die mittlere Reisegeschwindigkeit. Uebrigens ist bei mehreren Fahrten ausdrücklich günstiges Wetter als vorhanden angegeben, und andererseits kommen auf einzelnen Strecken der angeführten Reisen recht schnelle Geschwindigkeiten vor, die nur dadurch möglich sind, daß das Luftschiff mit schnellem Wind geschwommen ist.

Selbst die theoretische mittlere Reisegeschwindigkeit ist, da die Eigengeschwindigkeit nur wenig schneller ist als die des Windes, stets kleiner als die Eigengeschwindigkeit. Die praktische Reisegeschwindigkeit ist wiederum langsamer als die theoretische, weil der Steuermann infolge der Unruhe des Windes die gerade Linie nicht genau einhalten kann und weil er infolge des Gasverlustes einerseits und des Brennstoffverbrauchs andererseits häufig mit dem kraftverbrauchenden Höhensteuer fahren muß. Rechnen wir das Verhältnis zwischen praktischer Reisegeschwindigkeit und Eigengeschwindigkeit zu 0,66, so erhält man für letztere aus den oben angeführten Reisen 46 km h–1 oder 13 m/sec wie in den „III. Aeron. Mitt.“ angegeben, während Herr B. 15 m/sec aufschreibt. Die Differenz würde genau der Vermehrung der Maschinenzahl von zwei auf drei entsprechen. Nimmt man 13 als richtig an, so kann auch das Modell 1900 nicht 8 m/sec gehabt haben, sondern vielleicht nur 6; das ich auch in der Literatur angegeben gefunden habe.

Für Parseval III gibt der offizielle Bericht an, daß dieses Luftschiff im vergangenen Sommer 5200 km in insgesamt 145 Std. zurückgelegt hat. Das ergibt eine mittlere Reisegeschwindigkeit von 36 km h–1. Legen wir auch hier der weiteren Rechnung das oben angenommene Verhältnis 0,66 zugrunde, so erhalten wir die Eigengeschwindigkeit zu 54 km h–1 oder 15 m/sec, wie auch Herr B. angibt.

Hier stimmt Herr B. mit den Resultaten der Praxis überein; vielleicht kann er auch erklären, woran die Diskrepanz bei den Werten der Zeppelinschen Luftschiffe liegt.

Ihr ergebenster

Dr. K. Schreber, Greifswald, Karlsstr.

Geehrte Redaktion!

Bei nochmaliger Durchsicht der Tabellen findet sich, daß ich bei dem Zeppelin-Luftschiff 1890 einen Fehler begangen habe und ich laut den von Herrn Major Groß in seiner Broschüre „Die Luftschiffahrt“ gegebenen Angaben über die Motorstärke 2 Motoren à 16 PS einsetzen mußte. Die Anmerkung des Herrn Dr. K. Schreber stehen also im Widerspruch zu den Mitteilungen von Major Groß, die mir als Unterlage für meine Zusammenstellung gedient haben.

Hochachtungsvoll

Aug. Bauschlicher.

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Nachdem schönstes Wetter abgewartet war.

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Bei schönstem Wetter, wie ausdrücklich bemerkt wird.

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