Titel: Zuschriften an die Redaktion.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1910, Band 325/Miszelle 1 (S. 335–336)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj325/mi325is21_1

Zuschriften an die Redaktion.

(Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.)

Ein neues Ventil für schnellgehende Pumpen.

Unter dieser Ueberschrift ist im Heft 40 dieser Zeitschrift, Jahrgang 1909, nach Engineering über ein Ventil berichtet. Die Konstruktion ist aber ihrem Wesen nach nicht neu, denn das Ventil ist ein Lippenventil der altbekannten Art, bei welchem beide Abschlußflächen der Schlußfugen beweglich sind. Als Beispiele gleichartiger Konstruktion sind anzuführen ein Ringventil mit Lippenwirkung von B. Hübbe, welches 1896 patentiert wurde und das in einer älteren (zweiten) Auflage des Werkes |336| von Hartmann und Knoke auf S. 165 Fig. 209 dargestellte Lippenventil. Zum Vergleich mögen die beiden hierneben wiedergegebenen Fig. 1 und 2 dieser Ventile dienen. Das als neu bezeichnete Ventil unterscheidet sich von dem in Fig. 2 nach dem Werk von Hartmann und Knoke dargestellten nur dadurch, daß Ventilteller und Belastungsfeder nicht aus je einem Stück Gummi bestehen, sondern aus zwei Teilen, dem Teller aus Metallblech und der Feder, ebenfalls aus Gummi. Als Verbesserung ist die Aenderung nicht anzusprechen, denn sie führt Uebelstände herbei, über welche folgendes zu bemerken ist:

Textabbildung Bd. 325, S. 336

1. Die Ventilteller bleiben in den Schlußfugen nicht dauernd dicht und können schwerlich nachgeschliffen werden.

2. Die Wasserverdrängungsfläche der Ventile ist eine relativ sehr große, Verzögerung des Ventilschlusses herbeiführende, denn zu dieser Fläche des Tellers tritt der aus Gummi gefertigte Teil hinzu, soweit derselbe federt. Wie nebenstehende Fig. 3 zeigt, muß bei Ventilschluß das zu verdrängende Wasser durch die markierte lange Fuge aus dem Ventil herausgedrückt werden. Um die Durchströmungswiderstände des Verdrängungswassers zu mindern, könnte die Einrichtung getroffen werden, daß bei geschlossener Lippe der Ventilteller bereits ein angemessener Zwischenraum zwischen dem feststehenden Ventilkörper und den beweglichen Ventiltellern vorhanden ist; doch würden dann die Ventilteller und besonders die Gummifedern den bei Ventilschluß eintretenden Wasserstößen nicht lange Widerstand leisten und bald schadhaft werden. Die Forderung, daß der innere ebene Rand des Ventiltellers und die Gummifeder bei Schluß der Ventillippe gerade auf dem Ventilkörper aufliegen, ist übrigens eine so außerordentliche, daß sie in der Praxis kaum eingehalten werden kann. Sollte dies dennoch möglich sein, so wäre unbedingt ein so erheblicher Ueberdruck im Moment der Ventilöffnung erforderlich, daß man schon aus diesem Grunde davon Abstand nehmen müßte. An dieser Stelle muß auch an die außergewöhnliche Ventilbeanspruchung gedacht werden, welche entsteht, wenn das Wasser Luftblasen mitführt, und aus diesem oder einem anderen Grunde verspäteter Ventilschluß eintritt.

Textabbildung Bd. 325, S. 336

3. Die Größe der ad 2 beregten Wasserverdrängungsfläche bewirkt auch eine Erschwerung bezw. Verzögerung der Ventileröffnung. Es kommt für die Eröffnung hinzu, daß das in dem Raum zwischen Ventilteller und Ventilkörper tretende Wasser, wie in nebenstehender Fig. 4 markiert, einen Richtungswechsel in einem spitzen Winkel vornehmen muß, während der Hauptstrahl des Wassers bekanntlich unter solchen Verhältnissen bestrebt ist, das Ventil zuzusaugen.

Textabbildung Bd. 325, S. 336
Textabbildung Bd. 325, S. 336

Die vorgetragenen Erwägungen bieten m. E. Anlaß, von einer Verwendung der neuen Ventile abzusehen, im besonderen, da ihnen überlegene Ventilkonstruktionen bekannt sind, die sich gut bewährt haben.

Z.B. kann das in Fig. 5 dargestellte, für Gruppenanordnung geeignete altbewährte Fernis-Ventil mit Gummi- oder Lederarmierung der Ventilringe empfohlen werden. Der Ventilring ist ebenfalls sehr leicht und die Ventile können für beliebig hohen Druck, auch bei nicht ganz reinem Wasser, zur Anwendung gelangen. Die ad 1 bis 3 hervorgehobenen Mängel des sogen. neuen Ventils sind hierbei nicht vorhanden, denn die Ventile bleiben dicht, die Wasserverdrängungsfläche ist eine geringe und die Wasserführung ist sowohl bei Ventileröffnung, als auch bei Ventilschluß tadellos.

Textabbildung Bd. 325, S. 336

In beregtem Aufsatz „Ein neues Ventil etc.“ ist als Fig. 2 noch ein anderes Ventil dargestellt, als aus Fig. 1 hergeleitet. Diese Herleitung ist nicht verständlich, denn das Ventil Fig. 2 hat mit dem Ventil Fig. 1 nichts gemein und ist ein Etagenringventil gewöhnlicher, allgemein bekannter Art.

A. Brandt,

Beeidigter Sachverständiger für Pumpen etc.

Den Konstrukteuren des Ventils, das im Heft 40 der Polyt. Rundschau angeführt ist, habe ich erlaubt, eine kleine Speisepumpe meines Laboratoriums mit einem Saug- und Druckventil zu versehen.

Von einer Erprobung der praktischen Brauchbarkeit der Ventilkonstruktion kann dabei insofern nicht die Rede sein, als die Pumpe nur zeitweise betrieben wird und oft wochenlang stillsteht, da eine andere größere Speisepumpe in dauerndem Betrieb gehalten wird.

Die Hervorhebung der Steigerbarkeit der Umdrehungszahl von 40 auf 100 i. d. Min. ist insofern irreführend, als sie auch mit den alten Ventilen sich erreichen ließ, nachdem ein Saugwindkessel angeordnet wurde.

M. F. Gutermuth.

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