Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1912, Band 327 (S. 477–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj327/ar327151

POLYTECHNISCHE RUNDSCHAU.

Eine transportable, elektrohydraulische Nietmaschine wird neuerdings von der Maschinenfabrik Oerlikon auf den Markt gebracht.

Die Vorzüge der hydraulischen Nietung, namentlich für größere Nietdurchmesser sind genugsam bekannt. Wenn die hydraulischen Nietmaschinen bisher in manchen Betrieben keinen Eingang gefunden haben, so lag das wohl größtenteils daran, daß die Einführung der hydraulischen Nietung eine Reihe von kostspieligen Einrichtungen (Maschinenhaus mit Pumpen- und Kompressorenanlage, Wasserakkumulatoren, Hochdruckleitungen und Ableitungen) erfordert hätte, die sich bei Anwendung von Hand- oder Kniehebelnietung und teilweise auch bei der pneumatischen Nietung vermeiden lassen. Die Maschinenfabrik Oerlikon hat nun eine hydraulische Nietmaschine mit elektrischem Einzelantrieb geschaffen, die überall da, wo elektrischer Strom zur Verfügung steht, dem Mangel der hydraulischen Nietanlagen abzuhelfen in der Lage ist.

Die Maschine läßt sich in jeder beliebigen Stellung verwenden, wie aus den Fig. 1 bis 3 hervorgeht. Die Konstruktion und Wirkungsweise ist kurz folgende:

Ein Elektromotor (für Gleichstrom, Ein- oder Mehrphasenwechselstrom) arbeitet kontinuierlich unter Zwischenschaltung eines Schneckengetriebes auf eine Differential-Kolbenpumpe mit nur zwei Ventilen.

Textabbildung Bd. 327, S. 477

Die Druckflüssigkeit, die so zusammengesetzt ist, daß sie nicht gefrieren kann, beschreibt einen fortwährenden Kreislauf. Es ist also nur eine erstmalige Füllung der Maschine erforderlich. Durch die hydraulische Steuerung wird die Druckflüssigkeit in den Arbeitszylinder geleitet und kann dort nach Bedarf beliebig lange auf dem Preßkolben lasten, so daß der Nietkopf im Moment der Kopfbildung entsprechend |478| lange unter dem maximalen Enddruck steht; ein Haupterfordernis für eine gute Nietung.

Die Bewegungsrichtung des Preßkolbens stimmt überein mit der des Steuerhebelgriffes. Drückt man den Griff nach unten, so erfolgt die Pressung. Bewegt man den Griff nach oben, so geht der Preßkolben aufwärts und stellt selbsttätig den Flüssigkeitskreislauf der Ruhelage her.

Die nach geleisteter Pressung überschüssige Flüssigkeit wird nach einem gegen außen luftdicht abgeschlossenen Reservoir geleitet. Der Luftabschluß wird durch einen eigenartig konstruierten Schwimmer bewirkt.

Textabbildung Bd. 327, S. 478
Textabbildung Bd. 327, S. 478

Durch ein unten in den Steuerkörper eingebautes Druckeinstellventil kann der Arbeitsdruck jedem beliebigen Nietschaftdurchmesser entsprechend eingestellt werden. Dieses Ventil wirkt gleichzeitig als Sicherheitsventil in der Weise, daß beim Ueberschreiten des gewünschten maximalen Preßdruckes die durch das Ventil entweichende Druckflüssigkeit in den Leergang abfließen kann.

Die ganze Vorrichtung gruppiert sich an einem Gestell aus Stahlguß. Dieses Gestell kann entweder auf seinem Fuße stehen oder mittels eines Stahlgußbügels mit mechanischem Antrieb für Verdrehungen in allen möglichen Lagen hängen.

Die Maschine wird normal in fünf Größen gebaut, für Maultiefen von 500, 750, 1000 und 1500 mm. Die gangbarsten Maschinen sind für 60000 kg Druck berechnet. Bei dem kleinsten Modell ist die Maulweite 350, bei den anderen 400 mm. Die Gewichte der einzelnen Maschinengrößen sind für Gleichstrom 1150, 1500, 2000 und 3000 kg; für Drehstrom ist das Gewicht etwa 30 kg kleiner.

Die Maschine kann i. d. Std. 180 bis 200, also für den zehnstündigen Arbeitstag 1800 bis 2000 Pressungen machen, unter der Voraussetzung, daß für die Herrichtung der Nietlöcher, die Vorbereitung der Nieten und für die Kontrolle keinerlei Zeit verloren geht. Gewöhnlich trifft aber diese Voraussetzung nicht ein, so daß in Wirklichkeit mit 1000 bis 1200 Nieten (20 bis 23 mm ∅) für den zehnstündigen Arbeitstag gerechnet werden kann (ein Nieter, ein Nieten wärmer und ein Gehilfe).

Der Hauptvorteil dieser Nietmaschine ist, daß sie keine kostspieligen Nebenanlagen erfordert und dabei doch sämtliche Eigenschaften einer hydraulischen Nietung besitzt. Der Nietdruck bleibt bis zum Schluß der Nietung konstant und zwar kann der durch das Regulierventil eingestellte Maximaldruck ohne Schaden beliebig lange auf den Kopf wirken. Dies ist für die vollkommene Ausfüllung der Nietlöcher und zur Erreichung eines guten Schlusses bis zur Erkaltung des Schließkopfes sehr wichtig. Im Gegensatz zu pneumatischen Nietmaschinen, bei denen der Schließdruck nur elastisch auf dem Schließkopf lastet (wodurch ein Auseinanderfedern der zu nietenden Platten und ein Strecken des noch glühenden Schließkopfes möglich ist) lastet der hydraulische Druck stark auf dem Schließkopf und bewirkt ein sattes Anliegen der Fläche. Der Elektromotor kann fortwährend in der gleichen Drehrichtung laufen, braucht also nicht bei jedem Nietvorgang ein- und ausgeschaltet zu werden, so daß jeder elektrische Schaltapparat entbehrlich wird. Der für verschiedene Nietschaftdurchmesser erforderliche, in jedem Fall verschiedene Enddruck kann durch einen einfachen Handgriff am Regulierventil dauernd eingestellt werden. Das Zusammengehen des oberen und unteren Nietstempels ist an keine minimale Distanz gebunden, wie z.B. bei den Uebersetzungen mit Kniehebelgelenk. Ungleichheiten in den Nietschaftlängen und Blechstärken sind daher ohne Einfluß auf die Güte der Nietung. Der Elektromotor ist auswechselbar und kann stets an die gerade zur Verfügung stehende Stromart angepaßt werden. Auch der komplette Kopf ist auswechselbar, so daß, wenn die Maultiefe nicht mehr genügt, nur der Ständer durch eine |479| größere Type ersetzt werden muß. Die Maschine kann auch in einfacher Weise zum Stanzen von Blechen und Profileisen verwendet werden. So kann z.B. die Maschine für 40000 kg Druck in Bleche bis 12 mm Dicke ohne Schwierigkeiten Löcher bis 21 mm ∅ stanzen.

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