Titel: EINGESANDT.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1912, Band 327/Miszelle 1 (S. 223–224)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj327/mi327is14_1
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EINGESANDT.

In der am 20. Februar d. J. unter dem Vorsitz des Herrn Ministerial- und Oberbaudirektors Wiehert stattgehabten Versammlung des Vereins deutscher Maschineningenieure machte dieser im Anschluß an die Dankesworte, die er dem Verein für die ihm zuteil gewordene Ernennung zum Ehrenmitglied erwiderte, folgende interessanten Angaben über die erfreulichen Fortschritte, deren die bei der Preußischen Staatsbahn beschäftigten Maschineningenieure in den letzten Jahren teilhaftig geworden sind. Hiernach beträgt die Zahl der höheren maschinentechnischen Beamten nach den Etats von 1902 und 1912, bezw. nach der Wirklichkeit am 1. April 1902 und der voraussichtlichen Wirklichkeit am 1. April 1912:

1902 1912
Ministerialdirektoren 1
Vortragende Räte 2 4
Eisenbahndirektionspräsidenten 2
Mitglieder der Eisenbahndirektion und des
Zentralamtes

50

79
darunter Oberbauräte 1 13
Vorstände von Maschinen-Werkstätten- und
Abnahme-Aemtern

165

222
Sonstige etatsmäßige Beamte 19 51
––––––––––
236 359

Auch die Verhältnisse der nichtetatsmäßigen höheren maschinentechnischen Beamten haben sich wesentlich verbessert, nachdem die Zahl der Anwärter nach Maßgabe des wirtschaftlichen Bedürfnisses beschränkt ist.

Der Herr Vorsitzende konnte des weiteren die erfreuliche Mitteilung machen, daß sämtliche Bearbeitungen der vom Verein ausgeschriebenen Beuth-Aufgabe 1911, betreffend Elektrische Förderanlage, vom Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten als häusliche Probearbeiten für die Staatsprüfung zum Regierungsbaumeister angenommen sind.

Sodann berichtete Herr Regierungsrat P. Hundsdörfer über Allgemeiner Maschinenbau und mechanische Materialbearbeitung auf der Internationalen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung Turin 1911. Nach einer einleitenden Würdigung der gesamten Ausstellung, sowie der deutschen Abteilung, die mit nur geringer Staatsbeihilfe von der deutschen Industrie selbst veranstaltet und geleitet wurde, besprach der Vortragende die Haupttypen des modernen Maschinenbaues. Er erläuterte sie – unterstützt durch viele Lichtbilder – an ausgestellten Maschinen der einzelnen Länder. Kraftmaschinen für Dampf, Wasser und Gas, Kessel, Pumpen, Kompressoren, Förderanlagen, Bearbeitungsmaschinen für Metalle, Holz und Stein wurden vorgeführt. Die italienischen Maschinen halten einen Vergleich mit den Erzeugnissen der führenden Industriestaaten nur auf sehr wenigen Gebieten aus. Italien wird noch lange ein Absatzgebiet für fremde, besonders deutsche Maschinen bleiben.

Im Anschluß hieran berichtete Herr Regierungsbaurat Hammer, ebenfalls unter Vorführung von Lichtbildern, über die in Turin ausgestellten Dampflokomotiven. Keine der Ausstellungen in den letzten Jahren haben eine solche Fülle von Neuerungen und verschiedenen Bauarten gezeigt wie die Turiner Ausstellung. Beteiligt waren an der Ausstellung der Lokomotiven: Deutschland, Italien, Frankreich, die Schweiz und Belgien. Italien zeigte insbesondere durch Gegenüberstellung von Lokomotiven aus den 50 er Jahren mit solchen modernster Bauart, wie hoch sich der Lokomotivbau im allgemeinen, dann aber auch, wie sich gerade die italienische Lokomotivindustrie entwickelt hat, jene beiden Lokomotiven waren belgischer und englischer Herkunft; die neuzeitigen Lokomotiven werden für die Staatsbahn dagegen sämtlich in Italien hergestellt. Durch Vorführung von Lichtbildern zeigte der Vortragende die Vielseitigkeit der italienischen Lokomotivkonstruktionen und an graphischen Darstellungen die Entwicklung der italienischen Lokomotivfabriken.

Am vielseitigsten war die deutsche Ausstellung. Es waren im ganzen 26 deutsche Lokomotiven ausgestellt, so viel wie noch auf keiner der Ausstellungen der letzten 20 Jahre. Deutschland stand mit seiner Fahrzeugausstellung, wie auch von Ausländern uneingeschränkt anerkannt wurde, zweifellos an der Spitze aller Nationen.

Redner vergleicht alsdann die in Turin ausgestellten Lokomotiven mit jenen, die 1900 in Paris ausgestellt waren, und zeigt an Hand von Schaubildern, wie sich die Zahl der gekuppelten Achsen einer Lokomotive vergrößert, wie die Ausnutzung der Kohle besonders durch Einführung der Dampfüberhitzung verbessert, – in Paris arbeitete eine Lokomotive als Versuch mit überhitztem Dampf, in Turin sei bereits fast jede leistungsfähige Lokomotive mit Dampfüberhitzung versehen, – wie die Rost- und Heizflächen und die Gewichte der Lokomotiven sich in diesen 11 Jahren vergrößert hätten.

Daran anschließend behandelte der Vortragende die Frage, ob es nach den großen Fortschritten im Lokomotivbau in den letzten Jahren nun noch Möglichkeiten gäbe, die Leistung und Wirtschaftlichkeit der Dampflokomotive weiter zu steigern. Diese Frage wird mit „Ja“ beantwortet. Eine Besserung lasse sich erzielen durch Erhöhung der Dampfspannung, Verwendung höher überhitzten Dampfes, Verbesserung der Steuerungen, Ausnutzung der mit den Heizgasen aus dem Schornstein und mit dem Dampf aus dem Blasrohr entwelchenden Wärme, Reinigung und Vorwärmung des Speisewassers und dergl. Nach diesen Richtungen hin werden sich zunächst, wie durch verschiedene Beispiele belegt wurde, die Verbesserung der Lokomotiven erstrecken müssen. Allerdings sei jegliche Vielteiligkeit zu vermeiden. Sei es auch bereits gelungen, eine hohe Wirtschaftlichkeit der Dampflokomotive zu erreichen, so zeigten die Ei folge mit den eingeleiteten Versuchsausführungen doch, daß die Dampflokomotive weder in baulicher, noch in wirtschaftlicher Hinsicht am Ziel angelangt sei.

Sodann berichtete Herr Baurat Dr.-Ing. Nicolaus über die Tätigkeit der Preisgerichte auf Weltausstellungen, insbesondere in Turin.

Der Vortragende hat in Brüssel und in Turin das Amt eines Preisrichters innegehabt und gab einen interessanten Einblick in die einschlägigen Verhältnisse, unter denen die Preisverteilung zustande kommt, und aus denen wir nur folgendes hervorheben:

Zunächst werden durch eine von dem Ausstellungslande erlassene Anweisung die allgemeinen Gesichtspunkte festgestellt; alle Ausstellungsgegenstände werden in eine bestimmte Anzahl von Fachklassen eingeteilt, und für jede Klasse erhält jedes Land nach der von ihm belegten Fläche bezw. nach der Zahl seiner Aussteller eine Anzahl von Preisrichtern zugewiesen. Die Klassenjury setzt sich nur aus Fachmännern zusammen; sie wählt sich ihren Präsidenten, Vizepräsidenten und Schriftführer. Nach einer gemeinschaftlich festgesetzten Reihenfolge werden die einzelnen Landesausstellungen und sämtliche Aussteller besucht, um eine genaue Unterlage für die Beurteilung zu gewinnen. Die Urteile der Preisrichter werden auf einem Fragebogen niedergelegt, der von den einzelnen Ausstellern in zwei Ausfertigungen auszufüllen und dem Landeskommissariat sowie der Ausstellungsleitung zu übergeben ist. Diese Fragebogen sollen auch Angaben über die Größe und Bedeutung der Firma, über bereits erhaltene Preise und über zur Prämiierung vorgeschlagene Mit- und Hilfsarbeiter enthalten. Nachdem die Klassenjury ihre Arbeiten beendet hat, werden die Resultate von den Schriftführern bearbeitet, in Listen für jedes Land gesondert zusammengestellt und den verschiedenen Landeskommissaren und der Ausstellungsleitung, unter Umständen mit den Protesten der einzelnen Juroren, übermittelt. Nunmehr treten die Gruppenjurys in Tätigkeit, die durch Zusammenlegung von 10 bis 20 Ausstellungsklassen gebildet werden und die endgültige Preisverteilung vornehmen.

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