Titel: EINGESANDT.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1912, Band 327/Miszelle 1 (S. 368)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj327/mi327is23_1

EINGESANDT.

Preisausschreiben für einen Stärketrockner.

Die in den Stärkefabriken benutzten Trockner entsprechen nicht den Anforderungen, welche die Stärkeindustrie berechtigt ist, an sie zu stellen. Die Trocknung erfordert zu viel Handarbeit, verursacht zu große Verluste und ist zu teuer. Der Verein der Stärkeinteressenten in Deutschland hat daher beschlossen, durch einen Wettbewerb einen guten Stärketrockenapparat zu schaffen. Wir fordern hiermit die deutschen Maschinenfabriken und Heizfirmen auf, sich daran zu beteiligen.

Umfang des Wettbewerbes. Es wird ein Apparat gefordert, welcher Kartoffelstärke oder Kartoffelmehl oder beides oder außerdem noch andere Trockenprodukte herstellt und folgenden Bedingungen entspricht:

  • 1. Die Leistung des Trockners soll stündlich nicht weniger als 200 kg betragen, d.h. der Trockner soll stündlich 200 kg trockene Stärke oder Stärkemehl mit 20 v. H. Wasser liefern aus Stärke, welche vorher etwa 40 v H. Wasser enthielt. Die Bedienung des Apparates muß so eingerichtet sein, daß der geforderte Wassergehalt von 20 v. H. leicht zu erreichen ist.
  • 2. Der Apparat soll kontinuierlich arbeiten. Die für eine mechanische gleichmäßige Beschickung und eine mechanische Entleerung erforderlichen Beschickung- und Abnahmeapparate sowie die Kühlvorrichtung bilden Bestandteile des Trockenapparates und es wird auf diese Apparate besonderes Gewicht gelegt.
  • 3. Wenn die Stärke in dem Trockner oder nach dem Verlassen desselben mechanisch auf 20° C abgekühlt wird, so daß die Stärke sofort gesackt werden kann, wird dies als ein besonderer Vorteil angesehen. Apparate ohne Kühlvorrichtung sind von dem Wettbewerb ausgeschlossen. Werden außer Stärke noch andere Produkte auf dem Apparat getrocknet, so gilt für diese Produkte die ihnen entsprechende Abkühlungstemperatur.
  • 4. Die Erwärmung der Stärke während des Trocknens darf nicht über 55° C steigen, damit eine Dextrinierung und Grießbildung (Beginn der Verkleisterung) sicher verhütet wird. Die Einhaltung dieser Temperatur muß möglichst unabhängig von der Geschicklichkeit oder Zuverlässigkeit der Bedienung sein.
  • 5. Die Verluste an Grieß bei Verwendung von Seidengaze 15 (Zentrifugalsicht ×××), durch Verstaubung und die mechanischen Verluste dürfen insgesamt 0,5 v. H. des erzielten Produktes nicht übersteigen.
  • 6. Der Apparat soll möglichst wenig Raum beanspruchen, und sich vollständig entleeren lassen.
  • 7. Der Bedarf an Handarbeit, Kraft und Wärme soll möglichst gering sein.

Anmeldung. Die Anmeldung zum Wettbewerb hat spätestens bis zum 15. Juli 1912 zu erfolgen und ist an den Verein der Stärkeinteressenten in Deutschland (Institut für Gärungsgewerbe) Berlin N 65, Seestraße, zu richten.

Sie muß eine vollständige Beschreibung und Zeichnung des Trockners mit Angabe der Größenverhältnisse, Leistungsfähigkeit, Anschaffungskosten, Betriebskosten usw. enthalten. Bei Anmeldung eines Apparates, der die Mindestleistung überschreitet, ist auch die Einreichung der Zeichnung für eine Leistung von 200 kg stündlich erforderlich.

Die angemeldeten, nach der Vorprüfung zugelassenen Apparate müssen in einer Trockenstärkefabrik in Deutschland oder im Institut für Gärungsgewerbe bis zum 1. Dezember 1912 im praktischen Betriebe aufgestellt sein und während der Kampagne 1912/13 dem Preisgericht vorgeführt werden. Die erforderliche feuchte Stärke muß während des Beharrungszustandes dem Apparat zugeführt werden können.

Der Antrieb des Trockners muß möglichst durch einen besonderen Elektromotor erfolgen, damit sein Kraftbedarf zuverlässig festgestellt werden kann.

Der Wärmebedarf an Dampf, an Heißwasser oder an Heißluft muß sich zahlenmäßig feststellen lassen, ebenso der Nachweis, auf welche Temperatur die Stärke während des Trockenprozesses erwärmt wird.

Prüfung der Trockner. Es wird eine Vorprüfung und eine Hauptprüfung vorgenommen. Die Vorprüfung findet an Hand von Beschreibung und Zeichnungen statt. Das Preisgericht entscheidet bis zum 15. August 1912 über die Zulassung zur Hauptprüfung, welche während der Kampagne 1912/13 an den Trocknern entweder in einer Stärkefabrik in Deutschland oder in der Maschinenhalle des Instituts durchgeführt werden kann. Für die Prüfung im Institut muß der Anmelder sich verpflichten, die zur Prüfung erforderliche feuchte Stärke für einen Dauerbetrieb von wenigstens einmal zehn Stunden kostenlos zur Verfügung zu stellen. An Platzgebühr erhebt das Institut für je einen Quadratmeter für die Dauer von drei Monaten 20 M und stellt dem Anmelder Dampf, Kraft, Elektrizität und Heißwasser, soviel, als die vorhandenen Apparate zu liefern imstande sind, kostenlos zur Verfügung.

Preisgericht. Das Preisgericht besteht aus dem Vorstande des Vereins der Stärkeinteressenten in Deutschland, welcher geeignete Sachverständige zuzieht. Als solche sind von dem Vorstande gewonnen: Fabrikdirektor Dr. H. Best, Frankfurt a. O.; Professor Dr. G. Fischer, Berlin; Professor Dr. W. Goslich, Berlin; Fabrikdirektor Pantel, Altdamm; Prof. Dr. E. Parow, Berlin; Dipl.-Ing. H. Recknagel, Berlin.

Preise. Als Preise stehen zur Verfügung: ein erster Preis von 3000 M, ein zweiter Preis von 1500 M, ein dritter Preis von 500 M.

Der Verein der Stärkeinteressenten in Deutschland, Berlin N 65, Seestr.

Der Vorstand:

Loß-Wolmirstedt, Willecke-Negrepp, Westmann-Greisitz.

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