Titel: EINGESANDT.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1912, Band 327/Miszelle 1 (S. 384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj327/mi327is24_1

EINGESANDT.

Zur Kongo-Sangha–Ubangi-Expedition des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees.

Ueber die Vorbereitung der Kongo–Sangha–Ubangi-Expedition berichtet der Vorsitzende an die Technische Kommission des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees:

Der Erwerb von Neu-Kamerun hat uns vor die wassertechnische Aufgabe gestellt, die Flüsse Sangha, Kadei-Dume, Dscha, Njong und seine Nebenflüsse sowie den Ubangi und Lobaje teils als Zubringer zur Kamerun-Mittelbahn, die in drei Jahren ihren vorläufigen Endpunkt, M'Balmajo, erreichen wird, teils als Zufahrtsstraßen zum großen Kongostrom nutzbar zu machen. Das weitere Ziel ist die Einführung einer deutschen Schiffahrt mit Rohölmotoren auf den großen afrikanischen Stromgebieten und Binnenseen. Zur Lösung dieser großen Aufgabe soll die Kongo–Sangha–Ubangi-Expedition beitragen.

Das Reichs-Kolonialamt und das Kaiserliche Gouvernement von Kamerun haben weitgehendste Förderung der Expedition zugesichert. Die drüben tätigen Gesellschaften, wie die Gesellschaft Süd-Kamerun, die Westafrikanische Pflanzungs-Gesellschaft „Viktoria“, la Société Commercielle Belgo-Allemande du Congo, La Compagnie Forestière Sangha-Oubangui, die Deutsche Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft und ebenso die heimische Eisen-, Metall- und Maschinenindustrie sind für das Unternehmen interessiert.

Als günstigste Zeit für die Schiffahrterkundung ist die Periode der abnehmenden Wasser bis Niedrigstwasserstand, etwa Januar bis April und eine kürzere Periode im Herbst festgestellt. Dementsprechend soll die Expedition die Ausreise im Dezember antreten. Für die Führung ist ein hervorragender Fachmann gewonnen.

Inzwischen werden alle bisher von deutschen Forschern und Offizieren vorliegenden Erfahrungen gesammelt und gründlich bearbeitet werden, insbesondere die Berichte über die Ergebnisse der französischen Kongo–Sangha–Ubangi-Expedition vom Jahre 1911, die nach erfolgter Ratifikation des deutsch-französischen Vertrages nunmehr zu erwirken sein dürften. In Deutschland sind Versuche eingeleitet, um Sicherheit zu gewinnen über eine rationelle Verwendung von kolonialen Pflanzenölen für den Betrieb von Schiffsmotoren; in Kamerun wie in Deutsch-Ostafrika sind Erhebungen im Gange über eventl. an Ort und Stelle vorhandene oder zu gewinnende Mengen von Pflanzenölen und deren Gestehungskosten bei maschineller Gewinnung.

Im Hinblick auf die Wichtigkeit regelmäßiger Witterungs- und Wasserstandsbeobachtungen für die Sicherstellung der Ergebnisse der Schiffahrterkundung hat das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee beim Reichs-Kolonialamt beantragt, das Kaiserliche Gouvernement von Kamerun zu veranlassen, auf allen in Alt- und Neu-Kamerun für die Sangha-Ubangi-Expedition in Betracht kommenden Regierungs- und Militärstationen meteorologische Beobachtungen und Pegelmessungen einzurichten.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: