Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1914, Band 329 (S. 218–223)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj329/ar329052

Polytechnische Rundschau.

Nochmals der Schnabel-Bone-Kessel. Die überraschenden Betriebsergebnisse mit dem Schnabel-Bone-Kessel (vgl. D. p. J. 1913, Heft 9 und 1914, Heft 2) lassen die Gemüter nicht zur Ruhe kommen. In „Stahl und Eisen“ (Nr. 47 vom 20. 11. 1913) erörtert G. Neumann aus theoretischen Gesichtspunkten die erstaunlich hohe Verdampfziffer und zieht aus der Tatsache, daß die Verdampfung bei gewöhnlichen Kesseln sich auf die Länge der Flammrohre ganz ähnlich wie hier verteilt, den Schluß, daß beim Bone-Schnabel-Kessel nicht so sehr die flammenlose Oberflächenverbrennung die hohe Verdampfziffer bedingt, als vielmehr andere Eigentümlichkeiten dieser Kessel. Als solche kommen in Betracht: 1. die in den Verbrennungs-Gasstrom absichtlich eingebauten Hindernisse (die Füllmasse der Rohre), die ein dauerndes Wirbeln der Gase verursachen; 2. die Einschaltung einer sekundären, mittelbar wirkenden Heizfläche, nämlich die der Rohrwand zugekehrte wärmeausstrahlende Fläche der Tonkörper; 3. die Vergrößerung der Gasgeschwindigkeit durch Verengung des freien Querschnitts.

Alle drei Tatsachen scheinen die Wärmeabgabe an die Wandung zu begünstigen. Dagegen hält Neumann die Porosität der Tonkörper, auf die die Erfinder großes Gewicht legen, für nebensächlich beim Kessel, da hier die Verhältnisse der Diaphragmafeuerung nicht gegeben sind, bei der das Gas unmittelbar durch diese Poren ins Freie tritt. Vielmehr ist anzunehmen, daß sich diese Poren namentlich bei der Verfeuerung unreiner (staubhaltiger) Gase bald zusetzen werden.

Was den Wärmewirkungsgrad betrifft, so wird von Neumann bezweifelt, ob man im praktischen Betriebe tatsächlich mit dem beim Versuch erreichten Luftüberschuß von nur 0,5 bis 2 v. H. auskommen kann; für einen Luftüberschuß von 15 bis 25 v. H., den Neumann für notwendig hält, ergibt sich kein wesentlich höherer Wirkungsgrad als bei gewöhnlichen Kesseln (allerdings unter recht günstigen Annahmen für diese). Endlich wird bezweifelt, ob der Kraftbedarf des Sauglüfters tatsächlich dem von den Erfindern des Kessels angegebenen niedrigen Wert von nur etwa 2,5 v. H. der Gesamtleistung nahekommt.

Gegen diese Ausführungen wendet sich in der „Feuerungstechnik“ (1914, Heft 7, S. 105) Dr.-Ing. Essich. Er hebt zunächst die bereits bekannten Vorteile des Bone-Schnabel-Kessels nochmals hervor (Raumersparnis, Beschränkung der Strahlungsverluste u.a.) und weist dann darauf hin, daß man durch Gasdruck-Selbstregler den Luftüberschuß tatsächlich nahe an der theoretisch erforderlichen Grenze halten kann. Die Porosität der Füllmasse |219| sei erforderlich, um die katalysierende Oberfläche zu vergrößern. Eine Verengung des Rohrquerschnittes durch eine unregelmäßig verteilte Füllmasse sei – obwohl sie den Kraftbedarf des Sauglüfters erhöht – nicht nur nicht schädlich, sondern erforderlich, um die Wärmeabgabe an die Rohrwandung rasch genug erfolgen zu lassen.

Sowohl der Gesamtwirkungsgrad wie der Preis des Schnabel-Bone-Kessels bleiben somit erstaunlich günstig; mit Recht weist Essich darauf hin, daß es außerordentlich schwer sei, eine derartige neue Erscheinung nur aus theoretischen Erwägungen zu betrachten, umsomehr, als durch ganz einwandfreie Untersuchungen wissenschaftlicher Kommissionen die überraschend günstigen Ergebnisse der Praxis mit Staunen festgestellt worden sind.

Dipl.-Ing. W. Speiser.

–––––

Baildonstahl. Die Oberschlesische Eisenindustrie-A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb in Gleiwitz berichtet in einer Druckschrift von 35 Seiten mit vielen Abbildungen, Diagrammen und Tabellen über ihre verschiedentlichen Stahlarten als Baustoffe für den Maschinenbau. Die Schrift zeigt recht eindringlich, welchen vielseitigen Ansprüchen heute bei der immer mehr verfeinerten Durchbildung der Maschinenteile die Erzeuger von Stahl zu genügen haben, wie umgekehrt die steigenden Schwierigkeiten für den Maschinenbauer, aus der Fülle der im Handel auftretenden Stahlarten die für den jeweiligen Zweck geeignete auszuwählen. Die vorliegende Druckschrift, die man fast als ein kleines Lehrbuch über Stahlverwertung und Stahlbehandlung ansehen kann, ist ein trefflicher Führer in der Stahlkunde, ebenso nützlich für den erfahrenen Techniker wie für den Neuling im Fache.

Der Inhalt der Druckschrift ist in 15 Abschnitte gegliedert, die teils über die Eigenschaften der Stahlarten Auskunft geben, teils die Behandlung und Prüfungsweise besprechen. Bei jeder Art werden neben der Wärmebehandlung die physikalischen Werte (Festigkeit an der Streckgrenze und Bruchgrenze, Dehnung, Kontraktion) tabellarisch mitgeteilt, Anwendungsbeispiele werden durch gute Abbildungen erläutert. Die Vorschriften über Einsatzhärtung und Vergüten enthalten Angaben über die zweckmäßigen Temperaturen und die Kühlmittel, bei Besprechung der Zerreißversuche werden die Formen und Abmessungen der Prüfstäbe vorgeführt, über das Kugeldruckverfahren wird eine allgemeine Anweisung gegeben. Eine Tafel in Buntdruck stellt zeichnerisch den Vergütungsvorgang einer Marke dar bei gleichbleibender Anlaßzeit und wachsender Anlaßtemperatur, eine andere Tafel den Vergütungsvorgang bei gleichbleibender Anlaßtemperatur und wachsender Anlaßdauer. Ueber die Verkaufsbedingungen gibt der Schluß der Druckschrift Auskunft, deren vornehme Ausführung dem sorgfältig bearbeiteten sachlichen Inhalt entspricht.

–––––

Maschinen zum Felssprengen im Suezkanal. Bei der ersten Verbreiterung und Vertiefung des Suezkanales hatte man noch die härtesten Felsen durch submarine Sprengungen entfernt; auf die weicheren ließ man eine Batterie von zehn Widdern von je 3,5 t Gewicht wirken, die auf Eimerbaggern montiert waren, die das Gestein sofort nach dem Brechen entfernten. Bei diesen Arbeiten hatten sich die Sprengungen als unwirtschaftlich und unzweckmäßig erwiesen. So war es nach jeder Sprengung notwendig, durch Taucher feststellen zu lassen, ob die Fahrstraße durch die Felsfragmente etwa blockiert war, ferner war es außerordentlich schwer, ein bestimmtes Kanalprofil innezuhalten. Infolgedessen sah man später bei einer abermaligen Vertiefung des Kanales von Sprengungen ganz ab und führte statt dessen eine eigenartige Felshaumaschine ein, welche mit zwei spindelförmigen, gußstählernen Widdern von 13,5 m Länge und je 13 t Gewicht versehen waren. Beide Widder endeten unten in auswechselbaren stählernen Spitzen. Mit Hilfe von Stahlkabeln war man in der Lage, die Rammen sehr schnell zu heben und die Fallhöhe, die 1,5 bis 3 m betrug, beliebig zu regulieren. Sollte mit einem der Widder keine hinreichende Kraft ausgeübt werden, so konnten die beiden Widder auch gekuppelt werden. Die Erfahrung lehrte, daß es zweckmäßig ist, die Widder von dem Bagger zu trennen und auf besondere Flöße zu bringen, die eine Länge von 30,5 m, eine Breite von 10,57 m und eine Tiefe von 2,44 m besitzen. Diese Anordnung bewährte sich beim Brechen des Felsgesteins ganz außerordentlich. Die Maschinen arbeiteten bis zu einer Tiefe von 13 m und gaben in der Arbeitsstunde durchschnittlich 132 Stöße ab. Die durchschnittliche Stärke der losgebrochenen Felsblöcke betrug 0,8 m. Auf diese Weise wurde bei Gestein von mittlerer Härte (Kalk- und Sandsteine) eine Stunden-Durchschnittsleistung von 19 m3 erzielt. [Zeitschrift des Intern. Vereins der Bohringenieure, Wien 1913, Nr. 22.]

Schorrig.

–––––

Ueber die Konstruktion der verschiedenen Arten von Reibahlen schreibt L. Haas in der Zeitschrift für prakt. Maschinenbau vom 10. Januar 1914. Der Aufsatz enthält neben der Beschreibung der vorkommenden Formen tabellarische Zusammenstellungen ihrer konstruktiven Daten, sowie Angaben über Schnittgeschwindigkeit, Vorschub und Materialzugabe für das Aufreiben.

Textabbildung Bd. 329, S. 219

Die Grundform der Reibahlen kann etwa durch die Abb. 1 dargestellt werden, die eine Reibahle für Handgebrauch wiedergibt. Sowohl der Schaft, der hier ein Vierkant zum Aufsetzen eines Windeeisens trägt, als auch der Schneidteil, der bei einer Handreibahle verhältnismäßig lang ist und vorn schlank konisch ausläuft, erfahren nach Verwendungsart und Zweck verschiedenartige Abänderungen. Maschinenreibahlen in Verwendung bei Bohrwerken, Automaten, oder bei den neuerdings beispielsweise im Eisenkonstruktionsbau fast ausschließlich benutzten transportablen elektrischen oder pneumatischen Aufreibemaschinen |220| erhalten in der Regel den Morsekonus gleich dem Spiralbohrer, dem die Reibahle ja besonders ähnelt.

Für Handgebrauch sind die Schneidzähne entweder gerade – parallel zur Achse –, oder mit schwachem Drall im Sinne der Drehung (Rechtsdrall) ähnlich dem Spiralbohrer, ausgeführt, da sich dann der Vorschub des Werkzeuges leichter gestaltet. Die Steigung darf jedoch nicht geringer als das Zehnfache vom Durchmesser sein, weil andernfalls leicht ein zu starkes Hineinschrauben des Werkzeuges eintreten kann. Bei Reibahlen mit geraden Zähnen ist es wichtig, entweder eine ungerade Anzahl von Zähnen vorzusehen, oder die Zahnteilung ungleich zu machen, wenn man vermeiden will, eckig aufgeriebene Löcher zu erzeugen. Reibahlen, die mit verhältnismäßig hoher Geschwindigkeit umlaufen und vielleicht sogar freihändig geführt werden, wie es also besonders für die erwähnten transportablen Werkzeugmaschinen zutrifft, müssen unbedingt einen starken Linksdrall besitzen, um das Hineinsaugen zu vermeiden. Ungünstig ist bei diesen sogenannten Preßluftreibahlen allerdings noch, daß sie fast auf der ganzen Länge konisch sind.

Bei den sonst im Maschinenbau verwendeten Maschinenreibahlen, die immer zwangläufig geführt werden, hat sich ein besseres Arbeiten ergeben, wenn der konische Teil nur ganz kurz war und die Reibahle auch nach hinten schwach – etwa 0,025 bis 0,05 m auf 100 mm – konisch verlief. Hier hat die Art des Dralls begreiflich wenig Einfluß, ebenso ist eine große Länge dieses hinteren Teiles ohne Wert. Man findet daher diese Reibahlen fast immer mit kurzem Schneidteil.

Textabbildung Bd. 329, S. 220

Für größere Durchmesser verwendet man statt massiver Reibahlen aufsteckbare, d.h. solche, die aus einer mit Schneiden versehenen Hülse bestehen und auf einen zur Maschine passenden Normaldorn aufgesteckt werden. Abb. 2 zeigt eine Abart derselben in Gestalt einer nachstellbaren Reibahle mit eingesetzten Messern.

Eine besondere Art von Reibahlen dient zur Erzeugung von konischen Löchern für Stifte, Hahnküken usw. Hier ist der Scheidenteil genau konisch. Da die Zähne auf einer großen Länge schneiden müssen, empfiehlt es sich, sie mit einer Anzahl von gegeneinander versetzten Einkerbungen zu versehen, um die Späne zu brechen, wie dies auch bei Fräsern geschieht.

Rich. Müller.

–––––

Neues aus der Heizkesselindustrie. Zurzeit nimmt unter den Heizkesseln der gußeiserne Gliederkessel die erste Stelle ein, dessen Bauweise für mittlere Typen bei Verwendung von Koks als Brennmaterial festzuliegen scheint. Als nächste Entwicklungsziele sind zu bezeichnen: Die Schaffung von Großkesseln, die Nutzbarmachung gasreicher Braunkohle und die Beheizung mit Gas und flüssigen Brennstoffen. Endlich ist man auch bemüht, schmiedeiserne Gliederkessel zu bauen, allerdings ohne bisher zu ganzem Erfolge gelangt zu sein. Von Interesse ist es, die Rückwirkung der in dem gekennzeichneten Streben entstandenen neuen Formen auf die bestehenden älteren Typen zu beobachten. So bringen z.B. die Nationale Radiator-Gesellschaft zu Berlin und der Hessen-Nassauische Hüttenverein in Neuhütte Kessel von mittlerer Leistung auf den Markt, die sich in bezug auf die Bauweise sehr den Großkesseln der genannten Firmen nähern. Dem Streben, auch bei hoher Leistung mit einer geringen Anzahl von Kesseln auszukommen, kamen die Strebelwerke in Mannheim, deren führende Stellung in der Heizkesselindustrie bereits in D. p. J. 1913 auf S. 395/96 gekennzeichnet wurde, durch den Ecakessel entgegen, dessen Heizfläche 22 bis 40 m2 beträgt. Er wird an Größe von dem durch die Firma Balcke, Tellering & Co. in Benrath gebauten Großkessel noch übertroffen, der bis 43 m2 Heizfläche aufweist. Die an letzterem von dem Rheinischen Dampfkessel-Ueberwachungsverein Düsseldorf vorgenommenen Verdampfungsversuche lieferten befriedigende Ergebnisse. Das Verhältnis der Heizfläche zur Rostfläche war 33,36. Als Brennstoff gelangte Hüttenkoks Konkordia mit einem Heizwert von 6520 WE zur Verwendung. Die im Kessel nutzbar gemachte Wärmemenge betrug 83,17 v. H. Unter den Brikett-Gliederkesseln, welche im vergangenen Jahr zum erstenmal auf den Markt kamen, sind der Bricokessel der Strebelwerke, der Lollarkessel der Buderusschen Eisenwerke sowie ein Kessel der Hartung-Aktiengesellschaft in Berlin erwähnenswert. Der letztgenannte Typ wies nach Versuchen des Dipl.-Ing. Barkow einen Wirkungsgrad von 80,1 v.H. auf, bei Verfeuerung von Braunkohlenbriketts mit einem Heizwert von 4662,7 WE. Auch der Niederbrandkessel von Höntsch & Co. in Dresden-Niedersedlitz ist für gasreiche Brennstoffe geeignet. Die Verwendung von Gas zur Beheizung von Kesseln mit großem Füllraum kommt meist nur dann in Frage, wenn es möglich ist, Abfälle, z.B. die Abgase des Dieselmotors, zu verwerten. Leuchtgas ist nur selten festen Brennstoffen gegenüber wirtschaftlich zulässig. Eher käme Generatorgas in Betracht. Bei der Verwendung von flüssigem Brennstoff hat sich der Irinyi-Brenner als geeignet erwiesen. Zu den Typen, die eine Gasbeheizung zulassen, gehört der von Gebr. Sulzer in Winterthur und Ludwigshafen gebaute Gaskessel, der bis zu einer Höchstleistung von 24000 WE geliefert wird. Auch die französische Bauweise Ramassot ist an dieser Stelle zu erwähnen. Die bisher entstandenen schmiedeeisernen Kessel haben mit den gebräuchlichen gußeisernen Typen bisher nicht erfolgreich in Mitbewerb treten können. Bei ihnen werden die Glieder entweder durch Pressen von Blechplatten und autogenes Schweißen in die gewünschte Form gebracht, oder sie werden aus gezogenen Rohren |221| hergestellt. Schwierigkeiten macht in letzterem Falle die Abdichtung der Röhren gegeneinander und die Schaffung der Gasdurchtritte vom Feuerraum in die Heizkanäle und den Sammelkanal. Die Firma E. Volland in Sürth a. Rh. ist bemüht gewesen, diese Fragen zu lösen. Indessen dürfte die Abdichtung bei dieser Bauart vielleicht keine dauernde sein. Aus Schmiedeeisen hergestellt ist auch der für Braunkohle und Holzabfälle geeignete Sparkessel Econome der Metallwerke Bruno Schramm in Erfurt. Erwähnt sei schließlich noch der mit selbständiger Feuerung versehene oder von Abgasen beheizte Kessel der Firma Alb. Wigand in Elbing, der der Warmwasserbereitung dient. [Dipl.-Ing. Pradel in Zeitschrift für Dampfkessel und Maschinenbetrieb Nr. 2 und 3, 1914.]

Schmolke.

–––––

Vom Ausschuß für Einheiten und Formelgrößen sind folgende Einheits- und Formelzeichen definitiv angenommen worden.

Einheitszeichen des AEF.

Meter m Tonne t
Kilometer km Gramm g
Dezimeter dm Kilogramm kg
Zentimeter cm Dezigramm dg
Millimeter mm Zentrigamm cg
Mikron μ Milligramm mg

Ar

a

Stunde

h
Hektar ha Minute m
Quadratmeter m2 Minute alleinstehend min
Quadratkilometer km2 Sekunde s
Quadratdezimeter dm2 Uhrzeit Zeichen erhöht
Quadratzentimeter cm2 Ampere A
Quadratmillimeter mm2 Volt V
Ohm Ω
Liter l Siemens S
Hektoliter hl Coulomb C
Deziliter dl Joule J
Zentiliter cl Watt W
Milliliter ml Farad F
Kubikmeter m3 Henry H
Kubikdezimeter dm3 Kilovoltampere KVA
Kubikzentimeter cm3 Voltampere VA
Kubikmillimeter mm3 Amperestunde Ah
Kilowattstunde KWh
Celsiusgrad ° Milliampere mA
Kalorie cal Kilowatt kW
Kilokalorie kcal Mikrofarad μF
Megohm MΩ

Formelzeichen des AEF.

Fläche F
Kraft P
Moment einer Kraft M
Leistung N
Normalspannung σ
Spezifische Dehnung ε
Schubspannung τ
Schiebung (Gleitung) γ
Schubmodul G
Spezifische Querzusammenziehung v = 1/m (m Poi-
ssonsche Zahl)

v
Trägheitsmoment J
Reibungszahl (Koeffizient) μ
Widerstandszahl für Flüssigkeitsströmung ζ
Schwingungszahl in der Zeiteinheit n
Mechanisches Wärmeäquivalent J
Entropie S
Verdampfungswärme r
Heizwert H
Brechungsquotient n
Hauptbrennweite f
Lichtstärke J
Widerstand, elektrischer R
Stromstärke, elektrische I

Es wird erwartet, daß sich die Autoren dieser Zeichen, soweit wie möglich, bedienen möchten.

–––––

Die elektrische Erzeugung von Eisen und Stahl. Bei der Feier des Geburtstages des Kaisers hielt Professor Eichhoff einen Vortrag über die elektrische Erzeugung von Eisen und Stahl.

Die Erzeugung von Eisen und Stahl ist im steten Zunehmen begriffen, so hat Englands Roherzeugung in den letzten 25 Jahren (seit 1888) um 11,09 v. H zugenommen, Deutschlands Erzeugung an Roheisen ist um 311,59 v. H., die Amerikas um 357,91 v. H. gestiegen, Noch gewaltiger sind die Zunahmen der Rohstahlerzeugung, die für England 82,93 v. H., für Deutschland 1232,38 v. H. und für Amerika 982,45 v. H. betragen. Die Erzeugung Deutschlands an Roheisen und Rohstahl im Jahre 1912 mit 17852571 t bzw. 17301998 t beträgt etwa das doppelte der in England erzeugten Mengen, nämlich 9031350 t Roheisen und 6904883 t Rohstahl, steht aber zurück gegen Amerika, welches 1912 an Roheisen 30202771 t und an Rohstahl 31751323 t erzeugte. Während in Amerika die Zunahme hauptsächlich dazu diente, den steigenden Inlandsbedarf zu befriedigen, wird in Deutschland ein großer Teil der erzeugten Eisen- und Stahlmenge ausgeführt. Die große Ausfuhr Deutschlands ist hauptsächlich eine Folge der niedrigen Erzeugungspreise, die allerdings für die Zukunft nicht mehr herabgehen können werden. Nicht nur hinsichtlich der niedrigen Gestehungskosten, auch mit Rücksicht auf die Güte des erzeugten Eisens steht Deutschland heute an der Spitze der Eisen erzeugenden Länder. Allerdings sind die Anforderungen, die heute die Konstrukteure an den Baustoff stellen, sehr hohe und oft viel weitergehend, als im Durchschnitt die Stahlwerke zu erfüllen vermögen.

Der Vortragende erörtert nun die Bedenken, die von Seiten der Stahlindustrie anfangs gegen die Elektroverfahren geäußert wurden, und legt dar, daß heute diese Bedenken als überwunden gelten können. Heute ist es möglich, im elektrischen Ofen Chargen von großer Gleichmäßigkeit zu erschmelzen; die im Anfang des öftern gemachten |222| schlechten Erfahrungen waren zumeist auf nicht richtige Bauweise der Oefen zurückzuführen; auch stellte man an die Oefen Anforderungen, die sie nicht erfüllen konnten. Während man anfangs glaubte, daß man das Schmelzen, Frischen und Fertigmachen im elektrischen Ofen vornehmen müsse, um ein gutes Erzeugnis zu erzielen, hat man heute eingesehen, daß es zweckmäßig ist, nur das Fertigmachen im elektrischen Ofen vorzunehmen, Schmelzen und Frischen aber in der bisher üblichen Weise. Der elektrische Ofen gestattete einen Einblick in die Vorgänge beim Schmelzen und hat zur Verbesserung der Darstellungsweisen und zur Erzielung größerer Reinheitsgrade beigetragen. Heute können wir selbst aus schlechtestem Phosphoreisen ein Erzeugnis mit nur 0,65 v. H. Phosphor erschmelzen, auch vom Schwefelgehalt des Roherzes sind wir heute unabhängig. Durch die höhere Reinheit ist auch die Seigerung eingeschränkt. Was nun die Kosten der Elektroschmelze betrifft, so muß natürlich ein möglichst niedriger Stromverbrauch erstrebt werden. Hier bemerkt der Vortragende, daß die Angaben in der Literatur sich in sehr weiten Grenzen bewegen, meist nicht zu vergleichen sind, da sie sich auf verschiedene Verfahren beziehen, auf verschieden große Oefen, teils auf praktisch tatsächlich erhaltene Ergebnisse zurückgreifen, teils nur theoretisch errechnete Werte angeben. Wenn nur der gefrischte Stahl im Elektroofen fertig gemacht wird, dann stellt sich die Tonne Stahl mittlerer Güte im Elektroofen um etwa 6 bis 8 M höher als für Martinstahl. Man hat dem Elektroofen dann entgegengehalten, daß er nicht für Großerzeugung in Frage kommen kann, und nicht anwendbar ist für die Riesenmengen, die jährlich von Stahl erzeugt werden. Demgegenüber sei bemerkt, daß heute Mittelsorten, ferner Stähle, für welche die Anforderungen an Festigkeit und Zähigkeit groß sind, auf elektrischem Wege hergestellt werden, Formeisen, Dynamobleche, ja sogar ganze Brückenteile aus Elektrostahl sind schon hergestellt. Was nun die Verbindung eines Elektrostahlwerks mit einem Walzwerk betrifft, so bemerkt der Vortragende, daß in Amerika Elektrowalzwerke für bestimmte Erzeugnisse, wie z.B. Schienen, sehr gut bestehen können, infolge der großen Aufträge, in Deutschland ist das schwerer möglich. Aber eine andere Verwendung des elektrischen Ofens wird noch viel zu wenig gewürdigt, nämlich die Herstellung von Stahlguß im Elektroofen, die ein ganz hervorragendes Erzeugnis ergibt. Die Stahlwerke fürchteten beim Elektroverfahren auch, daß die Anforderungen an die Güte zu sehr in die Höhe gehen würden. Eine derartige Folge wäre natürlich durchaus nicht wünschenswert, denn man muß ja vor allem wirtschaftlich verfahren und darf daher die Gütebedingungen nicht so hoch schrauben, daß die billigeren Arbeitsweisen dadurch ausgeschaltet werden. Man muß die Ansprüche an die Güte den wirtschaftlichen Verhältnissen anpassen, und als ein Beispiel für eine derartige nationale Wirtschaftspolitik führt der Vortragende England an, wo früher nur das saure Verfahren verwendet wurde, und erst, als die phosphorarmen Erze in England sich verminderten, die basischen Verfahren in Aufnahme kamen. Der Vortragende betont, daß an Handelswaren keine gesteigerten Ansprüche zu stellen sind, wohl aber muß die Forderung der Konstrukteure nach festem und zähem Baustoff bei den gesteigerten Belastungen unserer Eisenbahnen als berechtigt anerkannt werden.

Der Vortragende beschrieb an Hand von Lichtbildern die verschiedenen Elektroofen. Von den Lichtbogenöfen wurden vorgeführt die Oefen von Stassano, Girod, Héroult, ferner die Oefen von Nathusius und von Keller. Während anfangs die Oefen einphasig arbeiteten, ging man bald zu Dreiphasenstromöfen über. Von Widerstandsöfen wurden vorgeführt der Kjellin-Ofen, sowie der Ofen von Röchling. Neben der Erzeugung von Elektrostahl wurde auch die Roheisengewinnung im elektrischen Ofen versucht, und der Vortragende beschrieb auch den von der Elektrometallgesellschaft in Schweden hierzu verwendeten Ofen. In Deutschland ist eine Elektroroheisengewinnung in größerem Maßstabe wohl kaum zu erwarten, da die Kosten im allgemeinen zu hoch sind. In Gegenden mit billig zur Verfügung stehendem Strom und hohen Kohlenpreisen ist es aber nicht ausgeschlossen, daß man zur Elektroroheisenschmelzung greifen kann. Zum Schluß gab der Vortragende einige Zahlen über die im Betriebe befindlichen Elektroofen an.

Plohn.

–––––

Zum 25 jährigen Bestehen hat die A.-G. Hein, Lehmann & Co., Eisenkonstruktionen, Brücken- und Signalbau in Berlin-Reinickendorf und Düsseldorf-Oberbilk, eine Denkschrift herausgegeben, die in Wort und Bild die Anfänge, Erfolge und Bestrebungen der Firma niederlegt. Gegründet im Jahre 1877 zu Berlin, Chausseestraße, als ein Privatunternehmen befaßte sich das Werk in der Hauptsache mit der Herstellung des Trägerwellbleches, das damals weit mehr verarbeitet wurde, als heute. Da das Geschäft florierte, bildete sich alsbald aus dem Privatunternehmen eine Kommanditgesellschaft. Es wurden zwei neue Abteilungen für Eisenkonstruktionen und Eisenbahn -signalbau angegliedert, und nach einigen weiteren guten Erfolgen im Jahre 1888 die Firma in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 1100000 M umgewandelt. Heute hat sich das Anfangskapital auf 3500000 M erhöht. Die Räume in der Chausseestraße zu Berlin sind schon lange zu klein geworden, in Düsseldorf und Berlin-Reinickendorf befinden sich jetzt die großen Montage hallen, Fabrikhöfe und Verwaltungsgebäude der Firma. In beiden Fabriken zusammen wurden im Jahre 1913 2100 Beamte und Arbeiter beschäftigt. Der Umsatz sämtlicher Werke betrug im Jahre 1912 rund 12000000 M. Von ausgeführten Arbeiten seien erwähnt: Lokomotivhalle der Eisenbahnhauptwerksätte auf dem Troyl bei Danzig. Dachkonstruktion Reichsbankgebäude, Braunschweig, Hauptkraftzentrale der Londoner Untergrundbahn. Hochofengerüste mit Verbindungsbrücke, Kneuttlingen, Lothr. Hoftheater in Braunschweig und Darmstadt. Stell Werksanlagen, Bergwerksanlagen, Bahnhofshallen Koblenz, Deutz, Elberfeld und Aachen, die Riesen-Hellinganlagen in Hamburg und St. Petersburg. Türme für drahtlose Telegraphie in |223| Höhen bis über 250 m. Die Rheinbrücken bei Köln, Düsseldorf und unterhalb Ruhrorts mit einer Mittelöffnung von 186 m Spannweite.

Für die nächsten 25 Jahre seien der Firma ein gleich günstiges Geschick und gleich tüchtige Arbeitskräfte beschieden.

Ewerding.

–––––

George Westinghouse, der Erfinder der Luftdruckbremse, dessen Tod jetzt gemeldet wurde, ward am 6. Oktober 1846 zu Central Bridge in den Vereinigten Staaten von Nordamerika geboren. Seine erste praktische Ausbildung erhielt er in den Werkstätten seines Vaters, eines Fabrikanten von landwirtschaftlichen Maschinen in Shenectady, wo er sich schon in früher Jugend mit den verschiedenen Arbeitsmaschinen und mechanischen Arbeitsmethoden eingehend vertraut machte. Als 17 jähriger Jüngling nahm er als Freiwilliger in den Reihen der Bundestruppen an den Kämpfen gegen die Südstaaten teil und vollendete alsdann seine theoretischen Studien am Union College. Bald darauf begann auch seine fruchtbringende erfinderische Tätigkeit.

Im Jahre 1867 entwarf er die direktwirkende Westinghouse-Luftdruckbremse, die im folgenden Jahre nach seinen Plänen hergestellt und an einem Eisenbahnzuge mit Erfolg erprobt wurde, als ihr Erfinder noch in dem jugendlichen Alter von 22 Jahren stand. Seit diesem ersten Erfolge ist seine langjährige Lebensarbeit stets der weiteren Ausbildung der Bremstechnik gewidmet geblieben, und zahlreiche Neuerungen, die auf diesem Gebiete weitere wichtige Fortschritte zur Folge gehabt haben, sind ebenfalls von George Westinghouse ausgegangen. Seine umfassende Tätigkeit hat sich aber auch auf viele andere Zweige des technischen Wissens und Könnens erstreckt. An der Ausbildung des Eisenbahnsignalwesens und der schnellaufenden Kraftmaschinen, an der Einführung und Nutzbarmachung des Wechselstromes, sowie an vielen anderen Errungenschaften der Technik hat er hervorragenden Anteil genommen, und auf allen Gebieten seiner vielseitigen Tätigkeit mit unermüdlicher Schaffenskraft für das Gemeinwohl gewirkt.

Nur wenige unter den Führern der Technik haben in gleichem Maße wie Westinghouse dem Fortschritt neue Bahnen gewiesen, und keiner hat mit größerer Ausdauer die als richtig erkannten Wege geebnet und ausgebaut. Dadurch hat er nicht nur in Amerika, sondern auch in vielen Ländern Europas zahlreiche blühende Industrien geschaffen, auf deren Arbeitsstätten jetzt viele Tausende von tüchtigen Fachleuten beschäftigt werden.

Alle diese Erfolge sind aber die Früchte der eigenen Tatkraft. – An öffentlichen Anerkennungen seiner Verdienste um die Technik im allgemeinen und die Bremstechnik im besonderen hat es denn auch nicht gefehlt. Von den Regenten verschiedener europäischen Staaten sind ihm hohe Orden verliehen worden, und die berufenen Vertreter der technischen Wissenschaften haben ihn durch zahlreiche Ehrungen ausgezeichnet. In seinem Vaterlande wurden ihm u.a. die Edison-Medaille und die John Fritz-Medaille zuerkannt, die bisher nur wenige hervorragende Gelehrte besitzen. Auch Deutschland ist in dieser Beziehung nicht zurückgeblieben, denn die Königliche Technische Hochschule zu Charlottenburg hat Westinghouse die Würde eines Dr.-Ing. ehrenhalber verliehen, der Verein Deutscher Ingenieure hat ihm seine höchste Auszeichnung, die goldene Grashof-Denkmünze, zuerkannt, und der Verein Deutscher Lokomotivführer erwählte ihn zum Ehrenmitgliede.

Er starb am 12. März dieses Jahres im 68. Lebensjahre in New York.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: