Titel: Polytechnische Rundschau
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1914, Band 329 (S. 537–545)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj329/ar329125

Polytechnische Rundschau

Schiebelokomotiven. Für die bayrischen Staatsbahnen hat die Lokomotivfabrik J. A Maffel in München 2 × 4/4 gekuppelte Güterzug-Tenderlokomotiven gebaut. Diese Lokomotivbauart stellt die größte und kräftigste Güterzuglokomotive in Europa dar. Die Länge der Lokomotive beträgt 17,55 m, das große Lokomotivgewicht von 122,5 t ist auf acht gekuppelte Achsen verteilt, von denen die vier ersten von den beiden Niederdruckzylindern, die vier letzten von den Hochdruckzylindern angetrieben werden, nach dem bekannten System Mallet.

Die zweite Achse jedes Rahmens läßt sich um 15 mm seitlich verschieben, die Lokomotive kann deshalb noch Kurven von 180 m Halbmesser durchfahren. Der Kessel besitzt einen Dampfüberhitzer System Schmidt von 55,5 m2. Beim Anfahren mit ganz ausgelegter Steuerung erhalten die Niederdruckzylinder durch Anfahrhähne selbsttätig Frischdampf zugeführt. Die größte Zugkraft berechnet sich zu 25000 kg, bei einer Reibungsziffer von 1 : 4,5. Bei Geschwindigkeiten von 33 km beträgt die dauernd auszuübende Zugkraft noch 12500 kg. Von dieser Lokomotivgattung wurden 15 Stück beschafft. Der Preis einer Lokomotive beträgt 123000 M. Die neuen Lokomotiven stehen im Dienst auf Strecken mit 2 bis 2,5 v. H. Steigung. Durch diese Lokomotiven werden viele Doppelbesetzungen im Schiebedienst überflüssig.

Abmessungen der Lokomotive.

Dampfdruck 15 at
Hochdruckzylinderdurchmesser 520 mm
Niederdruckzylinderdurchmesser 800 mm
Kolbenhub 640 mm
Gesamtheizfläche 1216 m2
Wasservorrat 11 t
Kohlenvorrat 4 t

[Glasers Annalen 1914, S. 190 bis 191.]

W.

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Ueberhitzer für Lokomotiven. Während die deutschen Eisenbahnverwaltungen sich längst zur Einführung eines bestimmten Ueberhitzersystems, dem bekannten Schmidtschen Ueberhitzer, entschlossen haben, sind ausländische Bahnverwaltungen noch immer mit Versuchen solcher Ueberhitzerbauarten beschäftigt.

Die französische Ostbahn versucht zurzeit einen Lokomotivüberhitzer, Bauart Mestre, der sich durch besonders schnelle Heizwirkung auszeichnen soll. Diese wird dadurch erreicht, daß der Hauptteil der Ueberhitzerfläche aus verhältnismäßig dünnen Rohren besteht. Der gesättigte Dampf strömt bei diesem Ueberhitzer aus dem Dampfdom in die Ueberhitzerkammer und verteilt sich dort auf die verschiedenen Ueberhitzerelemente, die in den Rauchröhren des Lokomotivkessels eingebaut sind. Der Dampf strömt in einem solchen Element aus der Kammer des Ueberhitzergehäuses in ein gerades Rohr von 36 × 46 mm ⌀. Dieses Rohr ist am Feuerbüchsenende zugeschweißt und mit je neun Rohren von 13 × 20 mm ⌀ verbunden, durch die dann der Dampf in die zweite Kammer des Ueberhitzers zurückströmt. Diese neun Rohre sind an das Hauptrohr angeschweißt und umgeben es in Schraubenlinien. Die freien Enden dieser engen Rohre münden im Ueberhitzergehäuse.

Die französische Ostbahn, die den in seiner Bauart nicht einfachen Ueberhitzer bei verschiedenen Lokomotivbauarten ausprobiert hat, hat nun zehn l-E-l-Güterzug-Tenderlokomotiven von 630 mm Zylinderdurchmesser und 660 mm Hub mit diesem Ueberhitzer ausgerüstet. Im Vergleich zu dem obenerwähnten Schmidtschen Ueberhitzer sollen bei zwei Vorortlokomotiven eine Brennstoffersparnis von 5 v. H. erzielt worden sein. [The Engineer, 8. Mai 1914.]

W.

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Ueber Verwendbarkeit von Kondenswasser zum Kesselspeisen. Bei Dampfkesseln, Ueberhitzern, Rohrleitungen usw. wird vielfach über Anfressung, sogenannte Korrosionen, geklagt. Diese treten erfahrungsgemäß nur auf, wenn Oel im Speisewasser ist. Ferner findet man sie ausschließlich in der Druckleitung der Speisepumpe und den dahinter eingebauten Apparaten, woraus geschlossen werden kann, daß sich Korrosionen nur bilden, wenn das Wasser unter Druck steht. Die vielfach im Gebrauch befindlichen Abdampfentöler erfüllen ihren Zweck nur unvollkommen. Selbst innerhalb der von den liefernden Firmen meist bewilligten Probezeit von drei Monaten gelingt es nicht, eine völlige Trennung von Oel und Wasser zu erzielen, wie man leicht feststellen kann, wenn man das Wasser in einem Sammelbassin zur Ruhe kommen läßt. Hierbei wird sich in den meisten Fällen an der Oberfläche eine sichtbare Oelschicht bilden. Da schon der geringste Oelgehalt schädlich wirkt, kann man daher auf eine Reinigung durch chemische oder elektrolytische Behandlung nicht verzichten. Auch bei der Verwendung von Kondenswasserrückleitern oder Kondenswasserrückspeisepumpen ist Vorsicht geboten. Durch Benutzung derartiger Vorrichtungen, die man vielfach in Zuckerfabriken, Braunkohlenbrikettfabriken usw. findet, wird oft der wirtschaftliche Vorteil einer Kohlenersparnis von höchstens 3 bis 4 v. H. durch eine Verringerung der Betriebssicherheit erkauft. Bei Zuckerfabriken tritt allerdings dieser Uebelstand wenig in die Erscheinung, da die Kampagne im Jahre nur acht Wochen dauert, überwiegend die völlig ölfreien Brüdendämpfe zur. Speisung verwendet werden und dem Wasser meist Soda zugesetzt wird. In anderen Betrieben liegen die Verhältnisse aber weit ungünstiger. Die Anschauung, daß Gußeisen widerstandsfähiger gegen Korrosion als Schmiedeisen ist, beruht vermutlich auf einem Irrtum. Bei Verwendung von Gußeisen in der Speiseleitung dürfte vielmehr die Betriebssicherheit der ganzen Anlage leiden. [M. R. Schulz in Zeitschrift für Dampfkessel und Maschinenbau, Nr. 21, 1914.]

Schmolke.

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Die Auswahl und Behandlung zweckdienlicher Kernsande. Bei Kernen, deren Festigkeit auf dem Gehalt der Sandmischung an natürlichen Bindern beruht, vermehrt man bei wachsender Beanspruchung den Tongehalt immer stärker, so daß man für die höchsten Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit die überwiegend aus Ton bestehenden Lehmkerne erhält. Diese haben den Nachteil, daß sie infolge des wiederholten Trocknens eine beträchtliche Herstellungszeit erfordern und sich nach dem Guß schwer beseitigen lassen. Sie werden daher für Massenartikel mit Vorteil durch Kernsande mit künstlichen Bindern ersetzt. So ist bei der Herstellung von Heizkörpern die Oelkernmasse von der größten Bedeutung, da die aus ihr hergestellten Kerne billig anzufertigen sind, sich ohne viel Eiseneinlagen und Stützen frei tragen und nach dem Gusse mühelos entfernt werden können. Für Warmwasserheizungskessel haben die Mehlkerne eine ähnliche Bedeutung. Indessen spielen die Kernsande mit künstlichen Bindern voraussichtlich nicht nur bei der Herstellung von Heizungsanlagen eine große Rolle, sie können wohl auch bei anderen Massewaren mit Vorteil verwandt werden. Leider sind die bisher in Deutschland meist verwendeten Trockenkammern mit unmittelbarer Feuerung derartigen Bestrebungen wenig günstig, da sich bei ihnen schwer eine bestimmte Temperatur innehalten läßt. Bei der Herstellung der Mischungen ist es vor allein von Wichtigkeit, die geeignete Sandsorte auszuwählen. Durch eine Siebprobe stellt man die Körnung und die von ihrer Gleichmäßigkeit abhängige Gasdurchlässigkeit fest. Die Mineralanalyse gibt Aufklärung über den Tongehalt, der bei Mehlkernen in mäßigen Grenzen vorteilhaft, bei Oelkernen nachteilig wirkt. Unter allen Umständen ist Kalkfreiheit zu erstreben, da anderenfalls die Güsse blasig werden und viel Anbrand zeigen. Das Vorhandensein von Kalk ergibt sich aus der chemischen Analyse. Nachdem man eine Anzahl Sandarten als geeignet befunden hat, werden diese einzeln mit derselben Menge Oel und bei gleichem Wasserzusatz gemischt und auf der Kernzerreißmaschine geprüft. Wenn in bestimmten Zwischenräumen einige Kerne gleicher Sorte dem Ofen entnommen werden, kann man zugleich die richtige Trockenzeit feststellen. In ähnlicher Weise findet man durch Mischung von verschiedenen Oelen mit derselben Sandart die für die Bindung am meisten geeignete Flüssigkeit. Besondere Aufmerksamkeit ist dem Trockenvorgang zu widmen. Bei zu geringer Wärmewirkung bleibt der Kern immer weich, bei zu ausgiebiger Trockenwärme verdampft der Binder. Ein selbstaufzeichnender Wärmemesser ist daher von großem Nutzen. [Irresberger in Stahl und Eisen, Nr. 22, 1914.]

Schmolke.

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Ueber den Einfluß des Hinterschliffs auf die Schneidhaltigkeit von Spiralbohrern stellte Dr. R. Sommerfeld an einer schweren Bohrmaschine im Versuchsfeld für Werkzeugmaschinen an der Techn. Hochschule zu Berlin eingehende Versuche an. Der Bohrmaschinentisch trug eine Meßdoseneinrichtung, die mit Hilfe von selbstregistrierenden Manometern sowohl den Bohrdruck als auch die Umfangskraft fortlaufend verzeichnete. Verwendet wurden nur Bohrer einer Art (Novo-Schnellstahlbohrer von L. Löwe) von 30, 40 und 50 mm Durchmesser. Sie wurden in drei Abstufungen mit verschieden starkem Hinterschliff versehen – Abb. 1a, ε = 6, bzw. 12, bzw. 18°, gemessen am Umfang des Bohrers – um den Einfluß auf den Bohrdruck bzw. den der Umfangskraft entsprechenden Schneidwiderstand zu untersuchen. Die Bedeutungen der übrigen Bezeichnungen ist in die Abb. 1a bis 1e eingeschrieben. Es wurden eine größere Anzahl Löcher in Gußeisen mit Vorschüben von 0,48 mm, 0,75 mm und 1,46 mm und in Flußeisen mit 0,5 mm und 0,75 mm gebohrt und daraus die Mittelwerte bestimmt. Da eine Schnittgeschwindigkeit von 18 m in der Minute infolge zu schnellen Stumpfwerdens der Bohrer ungenaue Resultate zeitigte, wurden für alle Versuche 12 m zu Grunde gelegt.

Textabbildung Bd. 329, S. 538

Nach den Ergebnissen ist besonders bemerkenswert, daß diese Verschiedenheit des Hinterschliffs ohne Einfluß auf das benötigte Drehmoment blieb. Da zu stark hinterschliffene Bohrer aber leicht ausbrechen, so ist zu empfehlen, den Winkel ε nicht größer als etwa 6° zu nehmen. Auch bezüglich des Bohrdruckes zeigte sich keine wesentliche Rückwirkung. Es wurden zwar beim Bohren in Gußeisen Unterschiede bis zu 39 v. H. zugunsten des stark hinterschliffenen Bohrers konstatiert, doch zeigte sich bei genauerer Untersuchung, daß hieran lediglich die Verkleinerung des Winkels η (Abb. 1d) Schuld war. Bei einem Parallelversuch, bei welchem ein 10 mm-Loch vorgebohrt wurde, ergab sich für alle Hinterschliffe der gleiche Wert. Als Nutzanwendung folgt hieraus die Forderung, daß der Winkel e nach der Bohrermitte zu bis auf 20 bis 24° ansteigen soll.

Die Stellung der Querschneide (Abb. 1c) ist am günstigsten bei einem Winkel von 55° zwischen der eigentlichen Schneide des Bohrers (der Brust) und der Querschneide. Das bekannte Anspitzen des Bohrers zeigte sich nur für das Bohren von Flußeisen von erheblichem Einfluß im Sinne einer Verringerung des Bohrdruckes. Dr.-Ing. Sommerfeld in Z. d. V. d. I., 2. Mai 1914.]

Rich. Müller.

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Die Vislok – Schraubenmuttersicherung. Auf keinem Gebiete gibt es wohl soviele Erfindungen und Patente, wie auf dem der Muttersicherungen. Hunderte, wenn nicht Tausende von Versuchen sind angestellt, um das scheinbar so einfache Problem zu lösen, eine Mutter gegen Lockern zu sichern. Eine vollkommen zuverlässige Sicherung ist immer noch nicht gefunden. Auch die vorliegende Sicherung kann diesen Anspruch nicht erheben. Sie ist aber infolge ihrer Eigenart bemerkenswert.

Textabbildung Bd. 329, S. 539
Textabbildung Bd. 329, S. 539

Die Sicherung besteht aus Mutter und Gegenmutter Die Gegenmutter ist mit einem zylindrischen Ansätze versehen, der in eine konische Ausbohrung der Mutter hineinfaßt. (Abb. 1.) Beide Teile werden zusammengepreßt, und der zylindrische Ansatz wird seitlich ausgetrieben, so daß er die konische Bohrung ganz ausfüllt. Beide Muttern sind so untrennbar mit einander vereinigt, besitzen aber soviel Spiel, daß sie sich frei drehen können. (Abb. 2.) Nachdem Mutter und Gegenmutter an einem Flächenpaare mit einer Kerbe parallel zur Schraubenachse versehen sind, wird das Gewinde gebohrt. Beim Aufschrauben auf einen Gewindebolzen müssen diese Kerben zusammenfallen, damit das Gewinde fortlaufend ist. Mit einem gewöhnlichen Schraubenschlüssel werden dann beide Muttern gemeinschaftlich fest angezogen und darauf die Gegenmutter allein zur Sicherung weitergedreht. Im Grunde ist soweit diese Sicherung eine gewöhnliche Doppelmutter. Beide Muttern sind aber so mit einander vereinigt, daß die obere nicht allein verloren gehen kann. Der Erfinder beansprucht für seine Sicherung den weiteren Vorteil, daß sich beim Anziehen die Gegenmutter infolge der konischen Flächen a fester um das Gewinde legt. Die hierdurch erzielte größere Reibung soll auch bei Erschütterungen eine Drehung verhindern. Schließlich sollen nach der Ansicht des Erfinders auch noch die konischen Flächen b die Sicherung unterstützen. In Wirklichkeit ist aber der Erfolg der Sicherung wohl nicht diesen vermeintlichen Deformationen, sondern der beträchtlichen Reibung zwischen den beiden Muttern zuzuschreiben. Bei einer gewöhnlichen Doppelmutter löst sich bei Erschütterungen zunächst die Gegenmutter und dann gibt die Hauptmutter nach, während dieses bei der Vislok-Sicherung nicht möglich ist, da sich die beiden Muttern nicht unabhängig von einander bewegen können. Selbst bei den stärksten Erschütterungen hat sich diese Sicherung bewährt, so findet sie z.B. schon bei Kraftfahrzeugen und Fahrrädern vielfach Verwendung. Das Lösen der Muttern erfolgt dadurch, daß man zunächst die Gegenmutter soweit zurückdreht, bis die Kerben wieder zusammenfallen. Hierauf können beide Muttern leicht gemeinschaftlich abgeschraubt werden. [Engineering, 29. Mai 1914.] S)

Dr.-Ing. Steuer.

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Erfahrungen bei der Verwendung von Atmungsgeräten im Steinkohlenbergbau. (Nach dem „Jahresberichte des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund“.) Durch die folgenden Ausführungen soll dem auf dem II. Intern. Kongreß für Rettungswesen und Unfallverhütung, über den seinerzeit an dieser Stelle berichtet worden ist (S. 61 ff. d. J, vgl. auch S. 285), mehrfach geäußerten Wunsche entsprochen werden, daß über jeden Fall der Verwendung von Atmungsgeräten in den Fachzeitschriften berichtet werden soll. Bei Unglücksfällen sind auf den westfälischen Zechen im Berichtsjahre Atmungsgeräte nicht benutzt worden, häufig dagegen bei Grubenbrandbekämpfungsarbeiten; wegen der dabei gemachten Fehler verdienen die folgenden Fälle besondere Beachtung. Ein Unfall ereignete sich dadurch, daß ein Wettersteiger beim Vordringen in einem heißen, von der Bewetterung abgeschnittenen Aufbruch den Helmdruck unangenehm empfand und deshalb die Pneumatik ein wenig lockerte. Durch die eindringenden Schlagwetter stellte sich heftiger Kopfschmerz ein, und der Wettersteiger schraubte den Schlauch auf der Ausatmungsseite ganz los; er versuchte sogar, den Helm ganz vom Kopfe zu entfernen. Infolgedessen stürzte er ab und konnte nur als Leiche geborgen werden. Die Untersuchung des Falles ergab die Unversehrtheit des Atmungsgerätes (Dräger-Helm), so daß die Schuld an dem Unfall lediglich auf die Unbesonnenheit des Wettersteigers, der noch dazu Oberführer der Rettungstruppe war, zurückzuführen ist. – Bei einem Brande auf einer Dortmunder Zeche empfanden die Leute bei starker Rauchentwicklung die Helmatmung angenehmer, obwohl keine besondere Arbeitsleistung erzielt werden konnte; bei geringer Rauchentwicklung und angestrengter Arbeitsleistung war die Mundatmung vorzuziehen. – Beim Arbeiten an Branddämmen ließen sich die Bergleute, da die Luft klar war und die Lampen gut brannten, leicht dazu verleiten, die Helmklappe zu öffnen, um sich abzukühlen, wodurch mehrfach Betäubungen vorkamen. Zur Vermeidung solcher Unfälle mußten die Arbeiter dauernd durch einen Beamten überwacht werden. – Bei der Verwendung frei tragbarer Atmungsgeräte versagte ein Atmungsgerät. Die Untersuchung ergab, daß sich bei der Beförderung des Gerätes zur Unfallstelle die Atmungsklappe im Mundstück infolge der Erschütterung festgesetzt hatte. – Bei der Herstellung von Branddämmen versagten in einem Falle die Mannschaften, vermutlich aus dem Grunde, weil sie schon vor Anlegung der Atmungsapparate Brandgase eingeatmet hatten; später gelang es dann, den Damm zu errichten. – Ein tödlicher Unfall hat sich endlich bei einer Uebung mit Atmungsgeräten ereignet. Ein Fahrhauer, der bereits 18 Uebungen mitgemacht hatte übte mit einem Westfalia-Mundgerät, Modell 1909. Nachdem er 5000 m/kg geleistet hatte, setzte er sich nieder und atmete nur noch schwach. Nach neun Stunden verschied er. Die Obduktion ergab Gehirnschlag, die Arterienwandungen waren |540| auffallend dünn. Die eigentliche Todesursache konnte nicht festgestellt werden. Die Temperatur im Uebungsraum und der Ueberdruck im Atmungsgeräte waren nicht hoch. Die geleistete Uebungsarbeit war wohl beträchtlich, ist aber von anderen Mannschaften vielfach noch weit übertroffen worden.

Schorrig.

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Ueber die Temperatur Verhältnisse in der Längsrichtung eines Koksofens hat Simmersbach neuerdings Versuche angestellt, die ein interessantes Bild von der gesamten Ofenbeheizung ergeben haben. (Stahl und Eisen 1914, 34, 954.) Der Temperaturverlauf im Koksofen wurde dabei in dessen Längsrichtung beobachtet, und zwar in der Ofenmitte, an der Maschinenseite und an der Löschseite sowohl im Kohlenkuchen wie in dem darüber befindlichen Gassammelraum. Als Versuchsofen diente ein mit Koksofengas beheizter Verbundofen von Koppers. Die Kohle enthielt 22,7 v. H. flüchtige Bestandteile, 6,32 v. H. Asche, 12,1 v. H. Wasser. Das Koksausbringen stellte sich auf 79,80 v. H. Der erzeugte Koks zeigte gute Beschaffenheit. Er enthielt 8,91 v. H. Asche, 2,56 v. H. flüchtige Bestandteile, 88,53 v. H. Kohlenstoff. Die Ergebnisse sind in den Abb. 1 und 2 graphisch dargestellt.

Textabbildung Bd. 329, S. 540

Aus den Kurven der Abb. 1 ergibt sich zunächst, daß die Temperatur bei 100° einige Stunden lang stehen bleibt, und zwar auf der Löschseite am längsten. Das erklärt sich daraus, daß an dieser Seite der Ofen breiter ist, daher mehr Kohle verkokt und infolgedessen auch mehr Wasser verdampft. Diese Verdampfung benötigte hier drei Stunden mehr als an der Maschinenseite.

Nachdem alles Wasser ausgetrieben ist, beginnt die Vergasung der Kohle, und von dieser Zeit an (nach 12, 13, 15 Stunden) fand eine ziemlich gleichmäßige Zunahme der Temperatur statt. Nach 20 Stunden wurde ein Nachbarofen ausgedrückt, was sich in der Mitte des Ofens nur schwach, an der Löschseite aber stark durch Abfall der entsprechenden Kurve bemerkbar macht. An der Löschseite ist von da ab die Beheizung des Ofens im Vergleich zur Maschinenseite und zur Ofenmitte schwächer. Daher bleibt auch am Schluß der Garungszeit die Temperatur in der Kohle, wie Abb. 1 zeigt, nach dieser Seite ungefähr 200 ° niedriger als in der Ofenmitte und an der Maschinenseite. Da aber trotzdem der Koks an der Löschseite den an einen guten Koks zu stellenden Anforderungen genügte, muß geschlossen werden, daß die gefundenen Temperaturen zur Verkokung genügen und die schmalere Ofenseite zuviel Gas zur Beheizung erhielt.

Textabbildung Bd. 329, S. 540
Textabbildung Bd. 329, S. 540

Im Gassammelraum verlief die Temperaturentwicklung in der durch die Kurven der Abb. 2 gegebenen Weise.

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Hier ist die Anfangstemperatur zuerst an der Löschseite am höchsten, weil hier die Ofenwände von der vorherigen Beschickung noch warm waren und die eintretende Luft hier nicht mehr so kalt ist wie an der Maschinenseite.

Schon nach der ersten Stunde aber ist die Temperatur stark abgefallen, weil die Wärme zur Verdampfung der größeren Wassermenge verbraucht wird. Danach verlaufen die Temperaturkurven für die Löschseite, die Maschinenseite und Ofenmitte ziemlich gleichmäßig bis zum Ende der Garungszeiten und zwar

auf der Löschseite von 690° auf 810° um 120°,
in der Ofenmitte 740° 865° 125°,
auf der Maschinenseite 720° 870° 150°.

Die hauptsächlichste Steigerung findet in der zweiten Hälfte der Garungszeit statt, denn die Temperatur nimmt von der 3. bis 15. Stunde zu

an der Löschseite von 690° auf 730° um 40°,
in der Ofenmitte 740° 795° 55°,
an der Maschinenseite 720° 775° 55°.

Von der 15. Stunde an aber bis zum Schluß

an der Löschseite von 730 ° auf 810° um 80°,
in der Ofenmitte 795 ° 865° 70 °,
an der Maschinenseite 775° 870° 95°.

Die Temperaturen des Sammelraumes (Abb. 2) sind niedriger als die des Kokskuchens (Abb. 1), weil die Heizwand dieses Raumes dicker und gegen Wärmeverluste durch Strahlung mehr geschützt ist. Sie sind auch niedriger als die der Kohle. Im Gasraum und an der Maschinenseite im Koks werden gleichzeitig 800° erreicht.

Dann steigt die Temperatur im Kuchen noch um weitere etwa 280 °, im Gasraum aber nur um 50 °. Aehnliche Erscheinungen machten sich auch in der Ofenmitte bemerkbar. Die Untersuchungen ergeben, daß eine ungleichmäßige Beheizung des Koksofens hinsichtlich der Güte des Kokes nicht schadet, wenn eine bestimmte Mitteltemperatur nicht unterschritten wird.

Textabbildung Bd. 329, S. 541

Abb. 3 zeigt graphisch die Aenderung der chemischen Zusammensetzung des Destillationsgases mit der Garungszeit und Abb. 4 diejenige seines Heizwertes. Die Abnahme des letzteren beginnt jedoch meist schon, wenn die Gasentwicklung in der Mitte des Kokskuchens einsetzt, also nach der 17. Stunde. Darauf weist auch die Abnahme des Gehalts an Benzol, Aethylen und Methan von diesem Zeitpunkt ab hin (Abb. 3). Da dann eine Gesamtmenge ursprünglich vorhandenen Wassers verdampft ist, ergibt sich hieraus der schützende Einfluß des Wasserdampfes auf die Zersetzung dieser nutzbaren Bestandteile des Gases.

Loebe.

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Brown, Boveris Kondensator für ununterbrochenen Betrieb. Der Oberflächenkondensator ist zweifellos am besten zur Erzielung eines hohen Vakuums geeignet, welches für einen wirtschaftlichen Betrieb unerläßlich ist. Außerdem bildet er den Vorteil, daß das Kondensat wieder als Speisewasser verwendet, und daß jedes beliebige Wasser zur Kühlung benutzt werden kann. Unreines Zirkulationswasser hat jedoch den Nachteil, daß sich innerhalb der Rohre ein Satz (eine Art Kesselstein) bildet, der den Wärmeübergang zwischen Dampf und Kühlwasser stark beeinträchtigt. Die hiermit verbundene Verschlechterung des Vakuums hat natürlich eine Erhöhung des Dampfverbrauches zur Folge. Es ist daher eine häufige Reinigung der Kondensatorkühlrohre notwendig. Läßt sich diese nicht in Betriebspausen ausführen, so muß die Dampfmaschine mit Auspuff arbeiten. Hiermit ist aber besonders bei großen Maschinen ein bedeutender Verlust verbunden.

Diesen Nachteil vermeidet der neue Kondensator von Brown, Boveri & Co., der während des Betriebes ohne Störung gereinigt werden kann. Er unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Oberflächenkondensator nur dadurch, daß die Wasserkammern durch eine senkrecht stehende Wand in zwei Hälften geteilt sind. Beide Hälften sind durch halbkreisförmige Türen verschließbar, welche sich um Angeln in der Mitte des Kondensators drehen und unabhängig von einander geöffnet werden können. Das Kühlwasser fließt in zwei parallelen Strömen durch den Kondensator hindurch und wird durch zwei getrennte Rohrleitungen zu und abgeführt, welche unabhängig von einander ein- und abgestellt werden können. Der Dampfraum ist nicht geteilt, Kondensat und Luft werden wie üblich entfernt.

Zum Zwecke des Reinigens wird der eine Strom des Kühlwassers abgesperrt. Nachdem das stehengebliebene Wasser durch Entwässerungshähne abgelassen ist, werden die betreffenden Deckelschrauben gelöst, die Türen geöffnet, worauf die Rohre der betreffenden Kondensatorhälfte bequem und ohne Störung gereinigt werden können. Der Dampf wird während dieser Zeit in der anderen Kondensatorhälfte kondensiert. Nachteilige Folgen haben sich für den Kondensator nicht gezeigt.

Die Vakuumabnahme infolge der Ausschaltung des halben Kondensators ist nur gering. Sie beträgt bei Vollast ungefähr 3 v. H., während das Vakuum bei halber Leistung mit halbem Kordensator etwas höher ist als bei Vollast mit beiden Kondensatorräumen.

Die Anwendung dieses geteilten Kondensators empfiehlt sich also bei unreinem Kühlwasser, da die Rohre jederzeit und so oft wie notwendig gereinigt, und auch |542| Undichtigkeiten ausgebessert werden können. Das hiermit verbundene bessere Vakuum ist für einen geringeren Dampfverbrauch von großem Vorteil. Bis zum März dieses Jahres haben Brown, Boveri & Co. 57 derartige Kondensatoren für eine Gesamtleistung von 221175 PS. hergestellt. [Engineering, 29. Mai 1914.]

Dr.-Ing. Steuer.

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Die Entnahme von Probestäben ist im Gießereibetriebe üblich, um bei großen Gußstücken aus der Untersuchung dieser Probestücke ein Urteil über den Ausfall des Gusses zu gewinnen. Häufig wird dann die Abnahme des Gußstückes verweigert, weil die Probestäbe nicht den vorausgesetzten Eigenschaften entsprechen. Für die Herstellung der Stäbe ist jetzt Bedingung, daß sie zusammen mit dem in Frage stehenden Gußstück gegossen, also angegossen, werden, um eine sichere Gewähr zu haben, daß es sich um den gleichen Guß handelt.

W. F. Prince (Zeitschr. für prakt. Maschinenbau, 16. Mai 1914) weist nach, daß dieses Verfahren zu großen Irrtümern führen kann, zumindest jedoch eine erhebliche Unsicherheit einschließt, wenn der Probestab, wie natürlich meist der Fall, eine zu sehr von dem zu beurteilenden Gußstück abweichende Größe und Gestalt hat.

Es ist bekannt, daß in Gußstücken poröse Stellen, sog. Saigerungen, sehr leicht da entstehen, wo ein schroffer Uebergang in der Materialstärke vorhanden ist, weil das Material an den dünnwandigeren Stellen zuerst erkaltet und infolge Volumenverminderung von den kompakteren Stellen noch flüssiges Metall nachsaugt. Ein Probestab kann mithin sehr verschieden ausfallen, je nachdem er an einem verhältnismäßig dünnwandigen oder im Gegenteil mässigen Teil angesetzt ist.

Noch unsicherer werden die Verhältnisse beim Vergießen von Legierungen, wo die Bestandteile keine chemische Verbindung miteinander eingehen. Es handele sich beispielweise um eine Bronze von 88 Teilen Kupfer, 10 Teilen Zinn und 2 Teilen Zink. Die zugehörigen Schmelzpunkte sind 1084°, 232° und 419°. Von der innigen Vermischung der Grundstoffe, für die in erster Linie die Temperatur maßgebend ist, sind die Festigkeitseigenschaften abhängig. Nun zeigen bei verschieden schneller Abkühlung solche Legierungen in noch viel höherem Maße Neigung zum saigern, der Art, daß zunächst die Grundstoffe mit niederem Schmelzpunkt erstarren und darauf leicht ein Abwandern und eine Anreicherung der zuletzt erkaltenden Metalle an anderer Stelle stattfindet. Von 19 Probestäben zeigten z.B. drei poröse Stellen und waren daher für eine Untersuchung überhaupt nicht brauchbar, bei den übrigen schwankte die Festigkeit zwischen 19,4 und 27,5 kg/mm2, und die Dehnung zwischen 4,5 und 15,5 v. H.

Da solche Verschiedenheiten die Regel sind, erscheint es fast ausgeschlossen, sich auf diesem Wege ein zutreffendes Urteil bilden zu können. Unabhängig für sich gegossene Probestäbe zeigen dagegen ein ziemlich regelmäßiges Verhalten, und der Verfasser empfiehlt daher ein Uebereinkommen der interessierten Kreise dahin, daß Probestäbe in gesonderten Formen abgegossen werden dürfen. Da die Vergießtemperatur für den Ausfall des Gusses eine wichtige Rolle spielt, soll je ein Stab zu Anfang und zu Ende des Gusses hergestellt werden. Zwischendurch wird der Pfanne noch eine Probe für chemische Untersuchung entnommen. Als Normalform wird ein Stab von etwa 30 bis 32 ø und 380 mm Länge empfohlen.

Von Seiten der Abnehmer wird man wohl kaum ernste Einwände zu erwarten brauchen, vorausgesetzt, daß die Mittel für eine zuverlässige Kontrolle gegen Täuschung noch angegeben werden. Der Probestab wird so voraussichtlich die günstigsten Eigenschaften aufweisen, die dem Material und den Umständen nach erwartet werden dürfen; es ist natürlich damit keineswegs gesagt, daß das zu begutachtende Gußstück in allen Teilen ebensogut ist, da unabhängig für den Ausfall des Gusses dieselben Umstände maßgebend sind, wie eingangs für den Ausfall der Probestäbe betrachtet.

Rich. Müller.

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Mikroskopische Stahluntersuchung. (B. Strauß-Essen auf der Hauptvers, des Vereins Deutscher Chemiker in Bonn.) Während man früher die chemische Zusammensetzung und die physikalischen Eigenschaften der Stahle feststellte, hat man jetzt durch die metallographischen Untersuchungen zahlreicher deutscher und ausländischer Forscher einen wunderbaren Einblick in den Gefügebau der Stahle gewonnen und vielfach den Zusammenhang zwischen den physikalischen Eigenschaften und der chemischen Zusammensetzung der Stahle erklären können.

Es wurden die wesentlichen Gefügearten der Kohlenstoffstahle im geglühten und von hoher Temperatur abgelöschtem Zustande erläutert. Das reine Eisen, metallographisch Ferrit genannt, bildet in allen geglühten Stahlen die weiche und duktile Grundmasse, in welcher das harte Karbid je nach Zusammensetzung und Wärmebehandlung in verschiedener Form eingebettet erscheint. In den Stahlen bis 0,90 v. H. Kohlenstoff tritt das Karbid in Mischung mit dem Ferrit als Eutektikum auf und wurde wegen seines perlmutterartigen Glanzes „Perlit“ genannt. Durch Verwendung der Photographie in natürlichen Farben mittels der Lumiere-Autochromplatten kann man diese Erscheinung im Lichtbild vorführen. Enthält der Stahl mehr als 0,9 v. H. Kohlenstoff, so tritt neben dem Perlit freies Karbid auf, als Gefüge Zementit genannt. Es wurden dann die Härtungsgefüge und ihre Uebergänge. Austenit, Martensit, Troostit und Sorbit und die parallel verlaufenden Aenderungen der physikalischen Eigenschaften besprochen. Wenn nun noch andere Elemente zu Eisen und Kohlenstoff hinzutreten, so ergeben sich im ausgeglühten Zustande schon Legierungen mit dem Gefüge und den Eigenschaften der von hohen Temperaturen abgelöschten Kohlenstoffstahle, weil durch das Vorhandensein bestimmter Mengen mancher Elemente wie z.B. des Nickels, bewirkt wird, daß der Kohlenstoff in Lösung bleibt. Die Gefügearten haben zu einer systematischen |543| Gruppierung der Stahle geführt, so daß dem Metallographen mit dem Gefügebild stets auch die physikalischen Eigenschaften der Stahle vor Augen stehen.

Gute Dienste leistet die mikroskopische Untersuchung zur Aufklärung der bei der Fabrikation oder im Betrieb entstandenen Fehler und Schäden an den verschiedenartigsten aus Stahl hergestellten Stücken.

Die Ursache des Platzens eines Kesselrohres wird aus dem Gefüge in einer lokalen starken Ueberhitzung des Rohres auf helle Rotglut nachgewiesen. Durch die mikroskopische Untersuchung einer gebrochenen Lokomotivachse wird an den Gefügeänderungen sowie an Einschlüssen von geschmolzener Bronze aus den Lagerschalen festgestellt, daß starkes Heißlaufen zum Bruch geführt hatte, obwohl die äußeren Spuren des Heißlaufens der Achse beseitigt waren. Durch Gefügebilder werden die Aenderungen gezeigt, welche an den Laufflächen von Eisenbahnradreifen im Betriebe entstehen können.

In fast allen Stahlen sind unter dem Mikroskop kleine Schlackeneinschlüsse zu beobachten, denen je nach ihrer Art und Größe, sowie dem Verwendungszweck der Stahlprodukte eine mehr oder minder große Bedeutung zukommt.

Die Beobachtung eines bisher nicht bekannten Gefüges in Schweißnähten elektrisch geschweißter Eisenbleche führte zu einer eingehenden Untersuchung über Stickstoff im Stahl, welche einige interessante Ergebnisse mikroskopischer Forschung brachte. In solchen Schweißnähten wurde bis zu 0,12 v. H. Stickstoff, in autogen mit Azetylen geschweißten Blechen bis zu 0,020 v. H. Stickstoff gefunden.

Durch Nitrieren von Eisenproben im Ammoniakstrom, welcher Vorgang schon unterhalb 300 ° einsetzt und bei 600 bis 800 ° am stärksten erfolgt, erhält man Schichten mit verschiedenem Stickstoffgehalt und verschiedenem Gefüge. Die äußerste helle Randschicht der nitrierten Proben aus reinem Eisen besteht aus Eisennitrid, Fe4 N2, dann folgt eine Schicht mit einem perlitähnlichen Gefüge X, welches aus Eutektikum zwischen Eisen und Stickstoff anzusehen ist. Hieran schließt sich eine Zone mit einem nadelförmigen Gefüge Z, welches auch in den Schweißnähten gefunden worden war. Diese Nadeln Z bestehen aus einer Eisen Stickstoff- bzw. Eisen Kohlenstoff Stickstoffverbindung.

Beim Nitrieren von Kohlenstoffstahlen, oder wenn man gleichzeitig zementiert und nitriert, beobachtet man einen weiteren Gefügebestandteil Y, der in den geätzten Schliffen als hellbraun gefärbte Flecken zu erkennen ist. Beim Glühen tritt leicht Zerfall des Eisennitrids ein. Wenn jedoch im Eisen andere Elemente, z.B. Silizium oder Chrom gelöst sind, so bilden sich beim Nitrieren bei höheren Temperaturen die Nitride dieser Elemente selbst, die im Gegensatz zum Eisennitrid sehr beständig sind. In dem Verhalten des Stickstoffs und Kohlenstoffs gegenüber dem Eisen bestehen zahlreiche Analogien, welche sich besonders in den Gefügen verfolgen lassen.

Zur Klarstellung dieser Gefüge hat die Färbungsmethode mit Hilfe der Anlaßfarben wesentlich beigetragen, da die stickstoffhaltigen Gefüge etwas schneller oxydiert werden als die Karbide und der Ferrit. Diese neuen Gefüge wurden in den natürlichen Farben, wie sie unter dem Mikroskop erscheinen, im Lichtbild dargestellt.

Plohn.

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Die neue Stadthalle in Hannover hat die Anregung zu einen sehr wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete des Heizungs- und Lüftungswesens gegeben.

Man kann die Funktion derartiger Anlagen mit der Funktion der inneren Organe eines Menschen vergleichen: Beide arbeiten am besten, wenn man von ihrem Vorhandensein möglichst wenig merkt und dennoch das Gefühl der Behaglichkeit oder der Gesundheit hat. Sie sollen das allgemein Zugängliche eines Gebäudes oder eines Menschen möglichst wenig beeinträchtigen. Diese Bedingungen bei der Heizung und Lüftung eines Gebäudes nun restlos zu erfüllen, ist eine besondere Kunst des Architekten und des Heizungsingenieurs, die auf ein ständiges Zusammenarbeiten angewiesen sind. Wie notwendig dieses Zusammenarbeiten bei der Einrichtung der Stadthalle war, geht allein daraus hervor, daß es in dem großen Gebäude fast keinen Raum gibt, ja fast keine Wand, die nicht in irgend einer Beziehung mit den Bestandteilen der Heizung und Lüftung in Verbindung stehen dürfte.

Der ganze Gebäudekomplex wird von einer Stelle aus geheizt, die sich auf der Ostseite zwischen Halle und Wirtschaftsflügel befindet und sich von außen durch den als notwendiges Uebel zu bezeichnenden Schornstein bemerkbar macht. Als Heizart ist eine Niederdruck-Dampfheizung, eine sogenannte GKA- (Gebr. Körting-Aktiengesellschaft) Milddampfheizung, gewählt worden. Der für die Heizung erforderliche Dampf wird in fünf Kesseln von zusammen 400 m2 Heizfläche erzeugt und besitzt nur eine Spannung von höchstens 0,07 at Ueberdruck, d.h. die Spannung entspricht nur dem Druck einer Wassersäule von 70 cm Höhe. Trotz dieses geringen Druckes muß der Dampf zum Teil, einen Weg von rd. 400 m zurücklegen, um nach den entferntesten Heizkörpern zu gelangen. Diese Entfernungen hatten ein Rohrnetz von mehr als 10 km Länge zur Folge. Die Kessel müssen auch den Dampf für die Kochküchen und für die Warmwasserversorgung liefern können und sind zu diesem Zweck so eingerichtet, daß sie den notwendigen höheren Dampfdruck von etwa 0,3 at Ueberdruck ebenfalls erzeugen können. Der Gesamtwärmebedarf für die Heizung, Lüftung, Warmwassererzeugung und Kochzwecke beträgt bei voller Beanspruchung etwa 5000000 WE in der Stunde. Zur Erzeugung dieser Wärmemenge ist eine Verfeuerung von etwa 700 kg oder 14 Zentner Koks in der Stunde notwendig. Selbstverständlich wird diese Wärmemenge nur in Ausnahmefällen zu erzeugen sein, allgemein wird sie nur ein Viertel bis ein Drittel davon betragen.

Zur Erwärmung der einzelnen Räume war die Aufstellung von etwa 500 Stück Heizkörpern aus Radiatoren und 60 Stück Heizkörpern aus Rohrschlangen erforderlich.

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Die Gesamtheizfläche dieser Heizkörper beträgt 3000 m2, der Rauminhalt aller geheizten Räume etwa 160000 m3. Für die Lüftung der einzelnen Räume sorgen 15 elektrisch angetriebene Ventilatoren, die zusammen eine Luftmenge von 355000 m3 in der Stunde in die Räume drücken oder aus ihnen entfernen. Die in die Räume einzuführende Frischluftmenge, die vorher auf die Temperatur der Räume erwärmt werden kann, ist dabei 178000 m3 in der Stunde. Die vier Ventilatoren für die Festhalle können stündlich 260000 m3 Luft fördern, so daß die Lüftung allen Anforderungen gewachsen sein wird.

Der Lüftung ist übrigens eine Ozonanlage angegliedert, welche die Lüftung wirksam unterstützen wird. Auch die Ozonanlage wird vom Hauptregulierraum aus eingestellt.

Die Anlage bildet eine Sehenswürdigkeit für alle Hygieniker, Architekten, Städteverwaltungen und Großindustrielle.

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Der Verwaltungsbericht der Berliner Feuerwehr für das Jahr 1913 enthält folgende interessante Angaben über die Verwendung von Automobilen. Die Gesamtzahl der automobilen Fahrzeuge beträgt 74, und zwar setzt sich diese Zahl folgendermaßen zusammen: Rein elektrischer Betrieb: 12 Löschzüge zu je 4 Fahrzeugen, nämlich Gasspritze, Gerätewagen, Motorspritze und Leiter und ein Uebungswagen. Reiner Benzinantrieb: 2 Wagen für den Branddirektor, 16 Offizierwagen, 3 Motorspritzen, 1 Gerätewagen, 2 Arbeitswagen, 1 Aktenwagen.

Zur völligen Durchführung der Automobilisierung der Berliner Feuerwehr sind noch 71 Automobile erforderlich. Die für Berlin gewählte Antriebsart, elektrisch für den Stadtbetrieb und Benzin für den Fernbetrieb, die Offizier-, Geräte- und Arbeitswagen, hat sich seit nunmehr sechs Jahren ausgezeichnet bewährt.

Bezüglich der Betriebsergebnisse der acht Automobillöschzüge seit ihrer Indienststellung bis zum 31. März 1914 ergibt sich, daß die jährlichen Kosten für einen aus vier Fahrzeugen bestehenden Elektro-Automobillöschzug durchschnittlich 5555 M betragen. Auf ein Fahrzeug entfallen demnach 1389 M,

Ein bespannter, ebenfalls aus vier Fahrzeugen bestehender Löschzug erfordert dagegen jährlich 21913 M. Auf ein Fahrzeug eines bespannten Löschzuges entfallen somit 5478 M; ein Betrag, für den vier Elektromobile unterhalten werden können.

In den 25 Betriebsjahren der acht Elektromobillöschzüge sind mithin 408950 M an laufenden Kosten für die Unterhaltung und den Betrieb gegenüber bespannten Löschzügen gespart worden. Allerdings sind die Anschaffungskosten eines elektromobilen Löschzuges höher.

Von Interesse ist die Feststellung in der Kolonne 15 der Nachweisung, daß ein Elektro-Automobil in einem Jahre wegen Ausführung von Reparaturen durchschnittlich nur 15 Stunden außer Betrieb war. Für die bei der Abteilung im Betriebe befindlichen schweren Benzinfahrzeuge lassen sich jetzt noch keine zuverlässigen Angaben über die erzielten Betriebsergebnisse machen, da einmal die Zahl derartiger Fahrzeuge noch zu gering ist, und dann erst sechs Betriebsjahre in Frage kommen. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, stellen sich bei einzelnen Benzinfahrzeugen die Reparaturkosten recht hoch. Dementsprechend ist auch die Zahl der Tage, an denen jene Fahrzeuge wegen Ausführung von Reparaturen außer Dienst gestellt werden mußten, ebenfalls sehr hoch. So waren zum Beispiel durchschnittlich die Motorspritze innerhalb eines Jahres 30 Tage, und ein Arbeitswagen 38 Tage außer Betrieb. Wie sich die Unterhaltungs- und Betriebskosten bei schweren Benzinfahrzeugen nach einer größeren Anzahl von Betriebsjahren gestalten, muß allerdings erst abgewartet werden. Branddirektor Reichel ist ein überzeugter Anhänger des rein elektrischen Antriebes von Feuerwehr-Automobilen für den Stadtbetrieb. Die Mehrzahl der deutschen Berufs-Feuerwehren gibt jedoch dem Rein-Benzinbetrieb den Vorzug. G.

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Alieinbezugsrecht und Abnahmepflicht in der technischen und Maschineoindustrie. Die Gewährung eines Alleinbezugsrechtes hat für den Lieferanten von Maschinen, technischen Anlagen, Apparaten usw. den einen großen Vorteil, daß der ganze Lieferungsbetrieb eine einzige Richtung annimmt, daß sich der Geschäftsgang dadurch außerordentlich vereinfacht, und daß der Alleinbezugberechtigte ihm nicht nur als Käufer gegenübersteht, sondern zugleich den Verkaufskommissionär ersetzt. Eine Gefahr ist aber gleichzeitig darin begründet, daß der Lieferant sich jeder Möglichkeit eines anderen Vertriebes begibt, und daß er, falls der Alleinbezugsberechtigte nicht hinreichend vertriebsfähig ist, pekuniär sehr geschädigt sein kann.

In der technischen Industrie wie in vielen anderen Geschäftszweigen ist es daher üblich, einem Abnehmer technischer Artikel, Maschinen usw. in Verträgen neben dem Alieinbezugsrecht, gleichzeitig eine Bezugpflicht aufzuerlegen, in der Weise, daß der Alleinbezugsberechtigte die Pflicht zur Abnahme eines bestimmten Jahresquantums hat, und den Lieferanten auf diese Weise sicher stellen muß.

Wird der erfahrene Geschäftsmann auch stets darauf bedacht sein, sein Alieinbezugsrecht nie ohne eine entsprechende Bezugspflicht zu gewähren, so kommen doch im Geschäftsleben oft genug Fälle vor, in denen eine solche Bezugspflicht nicht ausbedungen wird; sei es, daß der Betrieb des Alleinbezugberechtigten von vornherein in bestimmter Höhe feststeht und die Parteien nicht damit gerechnet haben, daß der Geschäftsbetrieb auch zurückgehen kann, sei es, daß der Lieferant von vornherein das nötige Vertrauen hat, daß die zu liefernden Maschinen, Apparate usw. sich gewissermaßen von selbst vertreiben, oder der Alleinbezugsberechtigte hinreichend für den Betrieb sicher ist, sei es schließlich, daß die Parteien überhaupt die ganzen Folgen nicht übersehen haben.

Wie ist die Rechtslage, wenn der Alleinbezugsberechtigte nur in so geringem Umfange abnimmt, daß der Lieferant in seinen Erwartungen getäuscht und pekuniär geschädigt ist; ist der Alleinbezugsberechtigte zur Abnahme angemessener Quanten an sich verpflichtet, und |545| kann der Lieferant, trotzdem es an einer ausdrücklichen Abmachung fehlt, auf Abnahme dringen und anderenfalls vom Vertrage zurücktreten; oder kann sich der Bezugsberechtigte auf den Buchstaben des Vertrages stützen und hat der Lieferant, der unbedachtsamerweise einen für ihn ungünstigen Vertrag geschlossen hat, dann das Nachsehen?

Das Reichsgericht hatte zu dieser Frage kürzlich Stellung zu nehmen gehabt und zugunsten des Lieferanten entschieden.

Verträge sind nach Treu und Glauben auszulegen. Wenn die Parteien sich auch nur auf bestimmte Punkte bei den ausdrücklichen Vereinbarungen beschränken, so gehen sie dabei doch von bestimmten Voraussetzungen aus, die nicht nur zu den Voraussetzungen, sondern zu den Bedingungen des Vertrages gemacht werden, gleichviel ob diese Dinge bei den Vertragsverhandlungen zur Sprache gekommen, und bei dem Abschluß des Vertrages bestätigt sind (wenn nicht etwa der Vertrag selbst einen abweichenden Willen der Parteien erkennen läßt) oder ob überhaupt diese Dinge nicht erwähnt werden, weil sie zu den selbstverständlichsten Voraussetzungen gehören; im letzteren Falle würde die Willeneinigung durch sogenannte stillschweigende Willenerklärung zustande gekommen sein.

Um solche stillschweigende Willenerklärung handelt es sich, wenn ein Lieferant von Maschinen, technischer Artikel usw. ein Alleinbezugsrecht gewährt. Es ist selbstverständlich, daß ein Kaufmann bei derartigen Verträgen auf seine eigenen Interessen bedacht ist. Ueberläßt jemand einem anderen ein Alleinbezugsrecht, so will er es nicht diesem überlassen nach Gutdünken viel oder wenig abzunehmen, und ihm die Möglichkeit geben, seinen eigenen Betrieb durch Beschränkung auf eine geringe Abnahme lahm legen, sondern er will seinen eigenen Betrieb aus seinen Händen heraus in die Hand des Alleinbezugsberechtigten legen. Wer einem anderen das Alleinbezugsrecht gewährt, erwartet, daß dieser solche Menge von ihm bezieht, daß der Alleinbezugsberechtigte nicht wie ein gewöhnlicher Käufer ihm gegenübersteht, sondern vom wirtschaftlichen Standpunkt aus genommen als sein Vertriebskommissionär. Er erwartet, daß der Vertragsgegner ihm für die Ueberlassung seines Alleinvertriebsrechts ein Aequivalent gewährt, das in der Pflicht beruht, durch Bezug großer Mengen die Uebertragung des Alleinbezugsrechts auch rentabel zu machen, soweit dieses überhaupt von jenem verlangt werden kann.

In diesem Sinn ist eine entsprechende Offerte zu verstehen, gleichviel ob jemand die Uebertragung eines Alleinbezugrechtes für sich verlangt, oder ob er sich zur Uebertragung dieses Rechtes erbietet. In diesem Sinne wird die Offerte angenommen, und es wird daher zum stillschweigenden Vertragsinhalt gemacht, daß der Alleinbezugsberechtigte auch die Pflicht zum Bezug angemessener Mengen der betreffenden Ware übernimmt.

Eine Einschränkung nur wird man machen müssen. Die Uebertragung des Alleinbezugsrechts darf für den Lieferanten nicht vertriebsfähiger Gegenstände den Vertrieb nicht auf Kosten des Bezugsberechtigten rentabel machen. Der Bezugsberechtigte soll nur durch seine Bezugspflicht das ersetzen, was dem Lieferanten durch den Fortfall seiner sonstigen Vertriebsmöglichkeiten entgeht. Der Bezugsverpflichtete braucht daher, wenn er sich nicht zur Abnahme bestimmter Quanten verpflichtet hat, nicht mehr zu beziehen, als der Lieferant zu liefern Aussicht hatte, wenn er durch das Alleinbezugsrecht nicht gebunden wäre.

Dr. jur. Eckstein.

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Verschleißfeste Eisenbahnschienen. Die im Jahre 1907 auf der Strecke Halle-Leipzig verlegten verschleißfesten Schienen haben sich nach dem Ergebnis der Messungen außerordentlich gut bewährt. Sie sollten bedingungsgemäß nach sieben Jahren eine Höhenabnutzung von höchstens 4 mm haben, erreichten nach 73 Monaten jedoch nur eine solche von 1,57 mm, also noch nicht die Hälfte der nach 84 Monaten zulässigen. Trotz geringerer Betriebsbelastung (15 Millionen Tonnen gegen 19 Millionen Tonnen) stellte sich die Abnutzung der gewöhnlichen Schienen im gleichen Zeitraum 1,42-mal so hoch. Ganz ähnliche Zahlen ergaben die Messungen auf der Badischen Schwarzwaldbahn zwischen Triberg und Hornberg, wo damals die gleichen Schienen verlegt worden sind. Die verschleißfesten Schienen stammen von der Rheinhausener Hütte und bestehen aus Thomasstahl.

Pr.

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