Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1915, Band 330 (S. 31–38)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj330/ar330009

Polytechnische Rundschau.

Die Kohlenversorgung unserer Kriegsflotte. Der Kohlenbedarf unserer Flotte ist seit dem Ausbruch des' Krieges sehr stark gewachsen und bietet somit den Zechen einen teilweisen Ersatz für die Minderabnahme seitens der Eisenindustrie und der Seeschiffahrt. Ein Bild von der Größe des gegenwärtigen Kohlenbedarfs unserer Marine kann man sich ungefähr machen, wenn man die in Friedenszeiten für die Kohlenversorgung der Flotte gemachten Aufwendungen einer näheren Betrachtung unterzieht. Im Reichshaushaltsetat für das Jahr 1914 sind, wie Dr. E. Jüngst in der Zeitschrift „Glückauf“ 1914, S. 1348 berichtet, für die Beschaffung von Kohlen 27,2 Mill. M vorgesehen. Das sind 8,5 Mill. M mehr als im Jahre 1911 und 4,5 Mill. M mehr als im Jahre 1913; die Aufwendungen für Kohlen sind also, wie diese Zahlen zeigen, in den letzten Jahren, dem Wachstum unserer Flotte entsprechend, sehr stark gestiegen. Ebenso wie der absolute Verbrauch ist auch der Verbrauch an inländischer Kohle für Marinezwecke in den letzten Jahren erfreulicherweise stark gewachsen. Denn während im Jahre 1911 noch über 26 v. H. der Gesamtkohlenmenge ausländischen Ursprungs waren, beträgt der Anteil des Auslandes jetzt nur noch 19,67 v. H. In erster Linie verbraucht unsere Marine Ruhrkohle, und zwar in Form von Rohkohle, während Koks und Briketts nur in geringen Mengen Anwendung finden. Vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat wurden z.B. im Jahre 1912 mehr als 950000 t Kohle an die Marine geliefert, während im Jahre 1904 die Ablieferungen des Syndikats erst 305000 t betrugen. Man kann heute den Verbrauch an Ruhrkohle auf etwa neun Zehntel des heimischenGesamtverbrauchs unserer Marine schätzen; soweit noch ausländische Kohle verwendet wird, handelt es sich wohl ausschließlich um solche Kohle, die von unseren Kriegsschiffen im Auslanddienst gebunkert wird.

Dr. Sander.

Kohlenoxyd-Luftprüfer für Bergwerke. Die Luftprüfung in den Bergwerken geschieht meist in der Weise, daß an den einzelnen Arbeitspunkten unter Tage regelmäßig Wetterproben entnommen werden, die dann über Tage auf ihre Zusammensetzung hin untersucht werden. Diese Methode ist zwar die zuverlässigste, aber immerhin mit gewissen Zeitverlusten verbunden. In manchen Fällen ist es jedoch erwünscht, selbst auf die Gefahr einer nicht absoluten Genauigkeit hin, möglichst schnell an Ort und Stelle feststellen zu können, ob die Zusammensetzung der Grubenwetter eine für das Leben der Bergleute ungefährliche ist. Dies trifft namentlich dann zu, wenn man mit dem Vorhandensein des außerordentlich giftigen Kohlenoxyds zu rechnen hat, das sich beispielsweise bei Flözbränden und dergleichen entwickeln kann. Selbst wenn dieses Gas in der sehr geringen Menge von 0,05 v. H. in der Atmungsluft vorhanden ist, treten Vergiftungserscheinungen auf. Der neue, von Dräger konstruierte Luftprüfer für Kohlenoxyd hat nun die Aufgabe, das Vorhandensein oder Nichtauftreten von Kohlenoxydgasen in der Grube schnell und sicher, wenn auch nicht volumetrisch genau, nachzuweisen. Die Handhabung ist hierbei nach einer Mitteilung des Drägerwerkes folgende: Mittels einer kleinen Glasspritze wird die Luftprobe der zu untersuchenden Grubenluft am Arbeitsorte, |32| entnommen. Diese Luftprobe läßt man langsam durch ein wenig Kupferchlorürlösung perlen, verdünnt die Lösung mit Wasser und gibt dann einen Tropfen einer Palladium-Natriumchloratlösung hinein. Tritt eine Schwärzung der braunen Palladiumlösung ein, so war mehr als 0,01 v. H. Kohlenoxydgas in der Luftprobe enthalten. Bleibt die Palladiumlösung braun, so enthielt die Luft kein oder weniger als 0,01 v. H. CO. An der Geschwindigkeit und Intensität, mit der die Schwarzfärbung auftritt, kann man ermessen, ob viel oder wenig Kohlenoxyd zugegen war. Ist z.B. die Luft mit 0,05 v. H. CO-Gas vermischt, so tritt augenblicklich eine vollkommene Schwärzung der Lösung ein. Die Erscheinung des Schwarzwerdens beruht auf der Ausscheidung von metallischem Palladium. In einer erweiterten Zusammenstellung kann der Luftprüfer auch zur Feststellung von Kohlendioxyd (Kohlensäure) verwendet werden. Dem Apparat wird für diesen Zweck eine Flasche mit Kalkwasser beigegeben. Das Reagensglas wird bis zur Marke mit Kalkwasser gefüllt. Die in der Glasspritze gefangene Luftprobe läßt man langsam in Bläschen durch das Kalkwasser perlen. Bleibt das Kalkwasser klar, so enthielt die Luft keine schädlichen Mengen von Kohlendioxyd. Eine leicht erkennbare Trübung des Kalkwassers entsteht schon bei 0,5 v. H. Kohlendioxydgehalt; 0,3 v. H. sind noch nachweisbar. Wenn auch diese kolorimetrische Methode, wie oben erwähnt, zu keinem quantitativ sicheren Resultat führen kann, so erscheint das Verfahren doch für viele Fälle in der Praxis ausreichend. Selbstverständlich findet der Apparat nicht nur in Bergwerken Anwendung, sondern kommt auch bei bau- und wohnungspolizeilichen Untersuchungen, sowie für alle heiztechnischen Zwecke in Frage. Für die Zwecke des Bergbaues würde es sich meines Erachtens sehr empfehlen, die bei der Luftprüfung verwendeten Reagensgläser immer nur einmal zu verwenden, da es schwer zu vermeiden sein wird, daß sich metallisches Palladium an die Glaswand ansetzt; sind aber nur ganz geringe Spuren von metallischem Palladium vorhanden, so bewirken diese eine Abscheidung von schwarzem Palladium selbst dann, wenn kein Kohlenoxydgas in der Luft vorhanden war, was naturgemäß leicht zu falschen Schlüssen führen kann; andererseits dürfte die sofortige gründliche Säuberung der Reagensgläser nach jeder Luftprobe in der Grube bei der meist spärlichen Beleuchtung in dem wünschenswerten und erforderlichen Maße nicht durchführbar sein.

Schorrig.

Kugellager, (M. Chr. Elsner, Monatsblätter des Berliner Bezirksvereins vom deutsch. Ing.) Die Herstellung von Kugellagern wurde praktisch erst möglich, als erreicht war, genaue, gehärtete Stahlkugeln fabrikmäßig zu erzeugen, was etwa im letzten Viertel vorigen Jahrhunderts der Fall war. Es entstanden außer in Deutschland, wo auch heute noch Schweinfurt und Berlin eine gewisse vorherrschende Bedeutung haben, auch in Amerika und England leistungsfähige Fabriken. Auch für die Fahrradindustrie, die Kugeln in großer Mengezu ihren sogenannten Konuslagern brauchte, war dies ein bedeutungsvoller Zeitabschnitt.

Zwecks Schaffung eines für den Präzisionsmaschinenbau geeigneten Kugellagers unternahm dann auf Veranlassung der D. W. F. die Zentralstelle für wissenschaftlich-technische Untersuchungen in Neubabelsberg unter Leitung von Prof. Stribeck eingehende Untersuchungen, deren Ergebnis das bis heute in seinen Grundzügen unverändert gebliebene Traglager war. Ein nicht minder wichtiges Verdienst erwarben sich die D. W. F. durch Aufstellung ihrer Kugellagernormalien, die dann später von allen Fabriken, auch ausländischen, angenommen wurden. Während in der Berliner Fabrikation das Traglager (Laufringsystem) vorherrscht, beschäftigt sich der andere Hauptort Schweinfurt mehr mit der Fahrradlager-(Konuslager- usw.) Erzeugung.

Sollen Kugellager gut arbeiten, so müssen sie einwandfrei eingebaut sein. Das Lager darf nicht durch Ungenauigkeiten an der Einbaustelle geeckt oder geklemmt werden und muß vor Feuchtigkeit und Staub geschützt sein. Dann erreicht es aber auch in schweren Betrieben eine ganz beträchtliche Lebensdauer, wie folgende Tabelle zeigt.

Schwungradumformer 10 Jahre
Eisenbahnwagen 7
Holzbearbeitungsmaschinen 5
Müllereimaschinen 5 und 7
Hebezeuge 6
Ventilatoren 9

Das kleinste, bisher von den D. W. F. gelieferte Kugellager hatte einen Außendurchmesser von 7 mm, das größte einen solchen von 4000 mm. Umlaufzahlen bis zu 30000 und 40000 sind anstandslos erreicht worden, ferner wurden schon Lager bis zu 700 t Belastung gebaut. Es dürfte kaum ein Industriegebiet geben, das nicht schon aus der Anwendung von Kugellagern Nutzen gezogen hat.

Rich. Müller.

Konstruktionsstähle von Elektrostahlwerke Dommeldingen (Lxbg.), Vereinigte Hüttenwerke Burbach-Eich-Düdelingen. In möglichster Kürze alles Wissenswerte sachlich so zusammenzustellen, daß Stahlverarbeiter wie Maschinenbauer in dem umfangreichen Gebiet der Konstruktionsstähle sich nicht nur leicht unterrichten, sondern den Zusammenhang von Verwendungszweck und thermischer Behandlung auch leicht übersehen können, das sind die Hauptgesichtspunkte, die in einer übersichtlichen Zusammenstellung der oben genannten Firma hervortreten. Der erste allgemeine Teil behandelt alles, was der Stahlverbraucher über Festigkeitswerte und mechanisch thermische Behandlung wissen muß, um den günstigsten thermischen Zustand dem jeweiligen Verwendungszweck anpassen zu können. Das Aussuchen der in Frage kommenden Marke wird erleichtert durch eine Einteilung in drei Sicherheitsklassen mit je drei Härtegraden. Unter Berücksichtigung von drei Beanspruchungsarten: Reibung, Zug und Reibung, Zug und Schlag, wird es auch dem Fernstehenden an Hand der klaren Beispiele nicht schwer |33| werden, seine Auswahl immer nach festen Richtlinien zu treffen. Zweckmäßigste thermische Behandlung wird endlich durch die Schaubilder des zweiten Teiles gegeben. In planmäßigem Aufbau sind hier die Widerstandswerte für die ruhenden und auch für die stoßweise auftretenden Beanspruchungen angegeben, und zwar als Verlauf im Anlaßintervall. Die Wichtigkeit dieser Darstellung für die genaue Auswahl eines Stahles drängt sich ohne weiteres auf.

Dynamo- und Stahlformguß finden wir in nämlicher Darstellung. Wie die Konstruktionsstähle, so werden auch diese von Dommeldingen praktisch frei von Schwefel und Phosphor und in großer Homogenität ausgeführt.

Wir müssen es uns an dieser Stelle versagen, in die Erörterung der angegebenen Gütewerte einzugehen. Sie sind durchweg als hoch zu bezeichnen, und vor allem drängt sich die günstige Vereinigung von Elastizitätsgrenze und spezifischer Schlagarbeit auf.

Textabbildung Bd. 330, S. 33
Textabbildung Bd. 330, S. 33

Wenn es auch in dem vorliegenden Falle der Fabrikant ist, der durch die beschreibende und darstellende Art seiner Produkte wenig begangene Wege geht, so ist die Absicht zu begrüßen. Vor allem soll der Konstrukteur vertraut werden mit dem inneren Wesen des Stahles, wie es aus der Zusammenstellung aller meßbaren Begleiterscheinungen der physikalischen Materialprüfung hervorgeht. Damit ist denn auch eine einwandfreie Grundlage geschaffen, die seine eigenen Beobachtungen stützen können. Es ist ohne weiteres klar, daß zuverlässige Betriebserfahrungen nicht auf einige „lose“ Gütewerte zurückgeführt werden können. So können z.B. zwei Stähle in einem gewissen thermischen Zustande dieselben Gütewerte haben und in ihrem Wesen doch grundverschieden sein. Auch kann eine „Behandlungsvorschrift“ kaum richtig durchgeführt werden, wenn sie ohne Verständnis und ohne Kenntnis ihrer Einwirkung ausgeführt wird. Die Vernachlässigung dieser Punkte liegt wohl in einem geheimnisvollen Verschleiern, in einer gewollten Empirik, die von manchen Stahlerzeugern absichtlich zur Täuschung der Konkurrenz in die Wege geleitet wird. In dem Zeitalter von Mikroskop und Pyrometer dürfte diese altmodische Auffassung nicht mehr von Gültigkeit sein.

Die Herstellung von Meßmaschinen für größere Genauigkeitswerte als 1 μ (l/1000 mm) bereitet ganz außerordentliche Schwierigkeiten. Abgesehen davon, daß in bezug auf die Genauigkeit der wichtigeren Bestandteile schon Anforderungen gestellt werden, die mit Hilfe der bekannten Arbeitsmethoden kaum noch zu erfüllen sind, ist es äußerst schwer, die elastischen Deformationen und die Wärmeeinflüsse beim Gebrauch unschädlich zu machen. Es versteht sich von selbst, daß eine solche Maschine nur für Laboratoriumsgebrauch geeignet sein kann, wie auch derart hohe Genauigkeitswerte nur für Sonderzwecke eine Bedeutung haben können. Es sind z.B. Untersuchungen angestellt, wie hoch die Genauigkeit von Parallelendmaßen auf Parallelität der Flächen, wie auf ihre Ebenheit und auf Genauigkeit der Maße getrieben werden kann.

Um Längenänderungen durch Wärmeeinflüsse zu beseitigen, ist zunächst nötig, den Meßraum durch örtliche Lage und Bauart so wärmesicher zu gestalten, daß äußere Temperaturänderungen nur unmerklich langsam in das Innere des Raumes dringen, ferner dürfen alle Messungen nur bei einer bestimmten Temperatur, wie 15 oder 20° C, vorgenommen werden. Von der Meßmaschine selbst werden besonders einflußreiche Teile aus dem nur sehr wenig veränderlichem, sogenannten Invarstahl (Stahl mit 36 v. H. Nickel) angefertigt, der einen Wärmeausdehnungskoeffizienten von weniger als 0,003 mm für 1 m und 1° C hat. Um eine Wärmeübertragung von der Hand des Bedienenden auszuschließen, werden die Meßschraubenspindeln unter Vermittlung eines Schnurtriebes betätigt.

Eine der größten Schwierigkeiten bereitete die Feststellung des Augenblicks, in dem der zu messende Körper von den Meßspitzen gerade berührt wird. Bei den Meßmaschinen für geringere Genauigkeitswerte genügte es wohl, die Meßschrauben mit mäßiger Kraft bis zur fühlbaren Anlage anzuziehen, es wurde aber bald erkannt, daß für genaue Messungen ein viel empfindlicherer Indikator nötig ist, da die vom Anpressungsdruck abhängigen Deformationen das Ergebnis vollständig verzerren würden. Man ist nun schon in der Richtung vorgegangen, durch besondere Einrichtungen den Meßdruck mäßig, und vor allem konstant zu halten. Gänzlich frei von diesen Fehlerquellen macht sich Prof. Shaw von der |34| Universität Nottingham dadurch, daß er die eingetretene Berührung auf elektrischem Wege anzeigt, indem durch die Berührung zwischen Meßkörper und Meßspitze ein Stromkreis geschlossen wird, in dem sich noch ein Telephon befindet, das den Stromschluß durch ein deutlich hörbares Knacken anzeigt. Ab. 1 und 2 geben eine schematische Darstellung einer solchen Meßmaschine.

Hierbei stellt R einen der beiden Meßschraubenböcke dar, mit Teilscheibe Q und Sender g, während Z den Schnurtrieb bezeichnet. N trägt innen das Muttergewinde zur Meßschraube, deren Meßspitze bei S ersichtlich ist. Diese ist am Ende mit einer Kugel aus Platin-Iridium versehen, dessen Härte und Unveränderlichkeit einen sicheren Kontakt gewährleistet.

Weiter bezeichnet d das zu messende Stück, das auf einem nach allen Richtungen verstellbaren Tische leicht festgeklemmt wird. Die Messung wird von beiden Seiten aus vorgenommen, und es sind daher zwei gleiche Meßböcke vorhanden. Die Messung wird dadurch zwar nicht einfacher, aber sicherer, als wenn c als feste Spitze ausgebildet wäre.

Die beiden Böcke sind durch ein isolierendes Zwischenstück W von dem Maschinenbett XY getrennt; der eine Pol der Stromquelle ist über einen hohen Widerstand an XY angeschlossen, der andere über das Telephon T1 je nach Stellung des Umschalters x an den einen oder anderen Meßbock.

Die Maschine hat im Laufe der Zeit noch verschiedene Verbesserungen erfahren. Die Genauigkeit soll so groß sein, daß 0,1 μ, bei ganz besonderer Sorgfalt sogar 0,05 μ mit Sicherheit abgelesen werden können. [M. Kurrein, Werkstattstechnik 1914, Heft 13.]

Rich. Müller.

Große Dieselmaschinen. Solche Maschinen finden zurzeit hauptsächlich Verwendung zur Fortbewegung von Schiffen und zur Erzeugung von elektrischem Strom. Auf Flüssen und Seen und im Hafendienst sind Rohölmotoren schon seit einer Reihe von Jahren in Anwendung. Daß sie bei genauer Beobachtung der Betriebsvorschriften zuverlässig arbeiten und einen sicheren Dienst ermöglichen, beweisen die mit Dieselmaschinen angetriebenen Unterseeboote.

Zurzeit versuchen viele große Maschinenfabriken den Bau von Schiffsdieselmaschinen. Die Handelsmarine und namentlich die Kriegsmarine hat die großen Vorteile der Dieselmaschine, kleines Eigengewicht und kleine Brennstoffkosten, erkannt. Da die Dieselmaschine auch bei kleiner Belastung einen verhältnismäßig geringen Brennstoffverbrauch hat, wurde bereits der Vorschlag gemacht, für Kriegsschiffe zweierlei Antriebsmaschinen vorzusehen, eine Dieselmaschine für die Marschfahrt und Dampfturbinen als Zusatzmaschinen für die Höchstgeschwindigkeit. Der Aktionsradius eines solchen Schiffes verdoppelt sich dabei, bei reinem Dieselbetrieb steigt er aber auf das Drei- bis Vierfache.

Die stetige Betriebsbereitschaft der Dieselmaschine hat man in neuerer Zeit auch in Elektrizitätswerkenschätzen gelernt. Für Elektrizitätswerke mit Wasserkraftanlagen ist die Dieselmaschine als Momentanreserve mit sofortiger Betriebsbereitschaft am Platze, um die Stromversorgung in Fällen zu übernehmen, wo in der Wasserkraftanlage plötzliche Störungen oder Unterbrechungen auftreten.

Für solche Zwecke hat die Firma Gebrüder Sulzer in Winterthur nach Schweizer Bauzeitung 1914 Band 64, Seite 1 bis 4 und 20 bis 22 eine große Dieselmaschine mit folgenden Abmessungen gebaut: Anzahl der Arbeitszylinder 6, Zylinderbohrung 760 mm, Hub 1020 mm, Umlaufzahl in der Min. 132. Fast alle Triebwerk- und Steuerungsteile sind, wie dies bei Landmaschinen zulässig ist, in Gehäusen eingeschlossen. Die Zugänglichkeit dieser bewegten Teile wird durch Türen und Klappen ermöglicht Von der Kurbelwelle werden unmittelbar zwei doppeltwirkende Spülluftpumpen angetrieben, deren Kreuzkopfführung zugleich die Niederdruckstufe des Einspritzluftverdichters ist. Die beiden anderen Stufen des Verdichters sind zwischen den beiden Luftpumpen angeordnet und werden ebenfalls von der verlängerten Kurbelwelle angetrieben. Es ist eine sechsfache Brennstoffpumpe vorhanden mit sechs Handhebeln, die zum Ausschalten eines jeden Zylinders dienen. Der Auspuff je zweier Zylinder wird in eine Leitung zusammengefaßt, so daß nur drei gekühlte Auspuffrohre im Maschinenraum vorhanden sind. Eine bekannte Zylinderkonstruktion dieser Firma besteht darin, daß der Deckel jedes Zylinders durch vier starke Stahlsäulen unmittelbar mit der Grundplatte verbunden ist. Die großen Kolbenkräfte während der Verbrennung werden hierbei durch zugfestes Material aufgenommen, sie werden nicht auf die heißen Zylinder übertragen. Die Zylinder erfahren dadurch keine Längsbeanspruchung. Die Zylinderlaufbüchsen hängen am Deckel und können sich ungehindert ausdehnen.

Die Spül- und Ladeluft wird in den Zylinder von der Seite durch Schlitze, die den halben Umfang des Zylinders umfassen und den Auspuffschlitzen gegenüber liegen, zugeführt. Im Deckel sind deshalb keine Spülventile vorhanden. Dadurch wird hier die Materialverteilung und die Kühlung gleichmäßiger, und Wärmestauungen, die zu Rißbildungen führen, werden vermieden. Im Deckel sind nur drei kleine Ventile angeordnet, das Brennstoffventil, das Anlaßventil und das Druckverminderungsventil. Diesen Vorteilen steht aber der Nachteil der schlechteren Spülung gegenüber. Zylinder mit Spülventilen im Deckel und Auspuffschlitzen am ganzen Zylinderumfang, oder mit Spül- und Auspuffschlitzen in der Anordnung der Gegenkolbenmaschinen ergeben eine sichere und bessere Spülung.

Eine weitere Eigenart der Sulzer-Maschinen besteht darin, daß auf dem halben Zylinderumfang zwei Reihen Spülschlitze angeordnet sind. Die untere Reihe ist mit dem Spülluftbehälter ständig verbunden, durch die obere Reihe strömt nur Spülluft, wenn ein vor diesen Schlitzen eingebautes Doppelsitzventil geöffnet ist. Die Spülung ist deshalb hier nicht so einfach wie bei der Steuerung der Spülluftschlitze durch den Arbeitskolben |35| allein. Die Spülung mit der Anordnung von zwei Reihen von Schlitzen für die Spülluft (nach D. R. P. Nr. 257181) hat aber den Vorteil, daß ein Aufladen der Verbrennungsluft möglich ist, d.h. die Verdichtung im Zylinder kann von einem Druck an beginnen, der bereits größer als der Atmosphärendruck ist. Auf diese Weise kann somit auch eine gewisse Leistungserhöhung der Maschine erreicht werden.

Textabbildung Bd. 330, S. 35
Textabbildung Bd. 330, S. 35

Der Bau großer Dieselmaschinen verlangt auch die Schaffung eines Versuchsstandes, der ermöglicht, selbst große Maschinen unter voller Dauerbelastung zu untersuchen. Auf dem Versuchsstande der Firma Gebrüder Sulzer erfolgt die Belastung mittels hydraulischer Bremsen, Bauart Heenan & Froude, Manchester. Damit erhält man eine unmittelbare und einwandfreie Messung der effektiven Leistung an der Hauptwelle der Maschine. Zur Untersuchung der größten Maschinen hat die Firma Gebrüder Sulzer eine solche Bremse für 12000 PS bei 125 Uml./Min. gebaut. Das Gehäusegewicht ruht hierbei nicht auf der Welle, sondern wird durch Rollen abgestützt, so daß der am Gehäuse befestigte Bremshebel leicht einspielen kann. Zur genauen Einstellung der Laufradwelle der Bremse mit der Maschinenwelle können die auf Hebeln befestigten Rollen in ihrer Höhenlage etwas verstellt werden. Die Reibung im Innern des Gehäuses drückt den Hebel der Bremse nach aufwärts und entlastet das an der Kranwage angebrachtegroße Gewicht. Die Bremskraft kann somit unmittelbar abgelesen werden, als Unterschied zwischen diesem Gewicht und der Ablesung an der Wage. Die Bremsversuche auf diesem Versuchsstand mit der hier beschriebenen Dieselmaschine hatten folgendes Ergebnis:

Belastungsart 4/4 ¾ 2/4 1/4
Umlaufzahl i. d. Min. 132 132 132 132
Bremsleistung PSe 37,0 2816 1870 933
Mittlerer Überdruck kg/cm2 6,46 5,28 3,81 2,54
Indizierte Leistung PSi 5252 4293 3098 2065
Mechanischer Wirkungsgrad v. H. 71,3 65,6 60,4 45,2
Rohölverbrauch f. 1 PSe/Std. g 208,2 211,3 231,5 299

Abb. 1 zeigt ein Indikatordiagramm dieser Maschine. In Abb. 2 sind die Versuchsergebnisse von einer 1400 PS-Maschine zusammengestellt. Bei Verwendung von Rohöl mit einem Heizwert von 10063 WE/kg betrug der Brennstoffverbrauch bei Vollast 200 g für 1 PSe/Std. Für Teeröl mit 8947 WE/kg ergab sich ein Verbrauch von 233 g.

Textabbildung Bd. 330, S. 35

Die Firma Gebrüder Sulzer hat vor kurzem eine Einzylinder-Versuchsmaschine gebaut, mit einer Leistung von 2000 PSe. Abb. 3 zeigt ein Indikatordiagramm dieser Maschine. Die Zylinderbohrung ist hier etwa 1 m. Auf den Kolben lastet ein Verbrennungsdruck von ungefähr 300 t.

W.

Herstellung kaltgezogener Wellen. In der Zeitschrift f. prakt. Maschinenbau vom 26. September beschreibt A. Suverkrop die Einrichtung der Pennsilvania Steel Shafting Co. zur Herstellung kaltgezogener runder und kantiger Wellen. Die Fabrikation erstreckt sich in der Hauptsache auf Wellen aus wenig kohlenstoffhaltigem Stahl, doch wird auch gelegentlich sogar 3½ v. H. Nickelstahl verarbeitet, der vorher ausgeglüht wird. Die obere Grenze im Durchmesser liegt bei 75 mm, darüber hinaus können Wellen nicht mehr mehr gezogen werden, sondern müssen gedreht werden.

Das Ziehen erfolgt in der Weise, daß zunächst die rohvorgewalzten Wellen, die bei 60 mm ∅ eine Materialzugabe von 1,6 mm, darüber hinaus von 3,2 mm besitzen, n hölzernen Wannen in heißer 10-prozentiger Schwefelsäure gebeizt werden, um jede Spur von Zunder zu entfernen, darauf wird dann durch Lagern in Kalkwasser die Säure neutralisiert. So vorbereitet, gelangen die Wellen zur Ziehbank, die in allen ihren Teilen verhältnismäßig |36| roh ausgeführt ist. Auf der langen Ziehbahn läuft auf gußeisernen Schienen der Ziehwagen, in dessen Maul die Wellen durch einen Keilverschluß gefaßt und durch das Zieheisen gezogen werden. Zur Fortbewegung des Wagens dient eine schwere, endlose Blockkette, die am freien Ende der Ziehbahn über das Mitnehmerrad des Getriebes läuft, am anderen, dem Zieheisen zugekehrten Ende von einer losen Rolle geführt wird. Der Wagen wird mit einem Haken in das nächste Glied der Kette gehängt und durch einen Anschlag am Ende der Ziehbahn selbsttätig wieder abgehängt.

Die Zieheisen werden aus einem Stahl von hohem Wolframgehalt angefertigt. Es wird angegeben, daß damit etwa 3000 m Wellen gezogen werden können, ehe sich die Ziehöffnung um 0,05 mm aufgeweitet hat. Damit ist das Zieheisen für die betreffende Passung jedoch nicht wertlos geworden; es kann vielmehr fast beliebig oft auf den ursprünglichen Durchmesser zurückgeführt werden, da das Material beim Härten sehr stark schwindet. Man verfährt dabei in folgender Weise.

Das erhitzte Zieheisen wird auf ein senkrecht stehendes Rohr gesteckt, das von Wasser durchflössen wird. Die von innen nach außen fortschreitende Abkühlung bewirkt ein Zusammenziehen von beispielsweise 0,1 mm bei einem 16 mm Zieheisen, was vollständig genügt, um die Oeffnung auf den Sollwert nachzuschlichten. Größere Eisen müssen sogar vorher ausgeschliffen werden, da die Schwindung für ein bloßes Nachpolieren zu groß ist. Daß die äußeren Abmessungen sich mit verändern, ist wenig von Bedeutung, da die Zieheisen ohnehin mit sehr viel Spielraum in den Haltungen des Widerlagers liegen. Schwächere Wellen müssen am Anfang auf etwa 10 cm Länge angespitzt werden, um überhaupt in das Zieheisen eingeführt werden zu können; das hindurchragende Ende wird von dem Maul des Wagens gefaßt. Die Befestigungsweise ist sehr einfach; das Maul, ein sich nach hinten etwas erweiterndes Loch, erhält einen Keil als Beilage neben dem eingeführten Wellenende. Der Arbeitswiderstand beim Ziehen veranlaßt bei dem Vorgehen des Wagens ein Einziehen des Keiles. Je größer der Zug, um so fester ist die Verbindung. Wellen bis 25 mm ∅ werden zu je vier gleichzeitig auf einer Bank gezogen. Geschmiert wird mit Oel, größere Wellen auch mit Talg und Graphit. Die Zugkraft beträgt beispielsweise beim Ziehen von vier 16 mm-Wellen 68000 kg, die Zuggeschwindigkeit etwa 4,5 m in der Minute.

Stärkere Wellen als etwa 35 mm werden, um den Materialverlust durch das angespitzte Ende zu vermeiden, von einer besonderen Zange gefaßt und auf ein kurzes Stück durch das Zieheisen geschoben, bis sie von dem Ziehwagen gefaßt und weiter gezogen werden können.

Die runden Wellen werden nach dem Ziehen noch durch ein Walzwerk geschickt, in dem sie gerade gerichtet werden und ihre Politur erhalten. Stärkere Wellen als 38 mm ∅ müssen zu diesem Zwecke zwei- oder dreimal durch die Walze gehen. Die Schmierung erfolgt durch Oel.

Das Wesentlichste an diesem Walzwerk sind einoder mehrere Sätze von kurzen, ballig gedrehten Walzen, die zu Paaren gegenüberstehen und zwischen sich die Welle haben. Ihre Achsen stehen schräg zu dieser und werden über Kardanwellen durch Zahnräder angetrieben. Die Sch-äglage hat zur Folge, daß die Welle sich von selbst schraubenartig durch die Walzen bewegt. Beim Walzen starker Wellen wird auch noch eine andere Einrichtung benutzt, bei der die drei Satz Walzen in einem gemeinsamen Rahmen gelagert sind, der um die selbst sich nicht drehende Welle rotiert. Letztere wird vorher von den gröbsten Krümmungen durch eine Geraderichtpresse befreit.

Rich. Müller.

Textabbildung Bd. 330, S. 36

Die Dampfstrahl-Luftpumpe von Westinghouse. Leblanc. Das Bestreben, die Wirtschaftlichkeit der Dampfturbinen durch Erzeugung eines möglichst hohen Vakuums in der Kondensationsanlage zu erhöhen, und die Erkenntnis, daß eine Luftpumpe mit Kolbenmechanismus für diesen Zweck infolge des unvermeidlichen schädlichen Raumes wenig geeignet ist, führte zur Anwendung von Wasserstrahl- und Dampfstrahlejektoren bei der Entlüftung. Ein Mangel aller Wasserstrahlluftpumpen ist ihre Unwirtschaftlichkeit bei großer Luftförderung sowie das träge Arbeiten in der Anfahrperiode. Man suchte diesen Uebelstand durch Vorschalten eines Dampfstrahlejektors abzustellen. Auch die Verbindung des letzteren mit einer Kolbenpumpe wurde in Betracht gezogen. Eine befriedigende Lösung des Problems scheint indessen erst in der von Leblanc entworfenen Dampfstrahlluftpumpe gefunden worden zu sein. Sie ist in der Abbildung schematisch dargestellt. Durch die Oeffnung C gelangt die abzusaugende Luft zu dem bei A eintretenden Dampfstrahl. Dieser ist durch Anordnung mehrerer Düsen an Stelle einer einzigen in eine Anzahl von dünnen Strahlen zerteilt, was eine Vergrößerung der Dampfoberfläche und der Reibung zwischen Luft und Fördermittel zur Folge hat. Auch weist der Gesamtstrahl einer Düsengruppe die nach dem Verlassen der Austrittsöffnung durch Schallwellen im Dampf hervorgerufenen Kontraktionen und Erweiterungen nicht in dem Maße auf wie ein starker Einzelstrahl. Das Herantreten der Luft an den Dampfstrahl wird durch etagenförmige Anordnung der Düsen erleichtert. Das Dampfluftgemisch gelangt durch das konvergent-divergente Rohr BD nach E. Die Abmessungen des Apparates hängen von dem Drucke im Raume B und beim Austritt E sowie von der zu fördernden Menge ab. Berechnet man den Hals der Düse D für normalen Betrieb, so wird er sich in der Anfahrperiode als zu eng erweisen, da Menge und Gewicht des Mediums größer, die Austrittsgeschwindigkeit aber geringer ist. Wählt man nun die für das Anfahren ausreichenden Abmessungen, |37| so würde sich der Dampfstrahl bei Normalbetrieb nicht mehr an die Wandungen des Ejektors anlehnen. Es träten Wirbelungen und eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit auf. Die letztgenannten Uebelstände würden vermieden, wenn man einen Diffusor mit elastischen Wandungen besäße. Diesen stellt Leblanc durch die Umführungsleitung K in Verbindung mit der Ringdüse H her. Wenn beim Anfahren der Dampfstrahl den ganzen Querschnitt ausfüllt, so treten die Ringdüsen nicht in Tätigkeit. Erst beim Abnehmen der Strahldicke und Entstehung von Unterdruck im Innenraum tritt durch K und H Flüssigkeit aus dem Raume E. Es entsteht selbsttätig ein elastisches, ringförmiges Kissen, das den Dampfstrahl umgibt und die engste Stelle des Ejektors ausfüllt. Bei der Ausführung des Apparates wurde die Aenderung getroffen, daß man die Ringdüse nicht an E anschloß, sondern die erforderliche Luft der Atmosphäre entnahm. Der Dampfverbrauch der Vorrichtung sowie der Platzbedarf sind gering. Der Arbeitsdampf kann dem Speisewasser zugeführt werden. Die Pumpe kann auch gegen Drücke arbeiten, die größer sind als der atmosphärische Druck. Gegen Lufteintritt ist der Dampfstrahlejektor weniger empfindlich als der Wasserstrahl-Schleuderapparat. Die Bedienung ist einfach. Die Instandhaltungskosten kommen nicht in Betracht. Der Aufbau des aus wenigen, allerdings sehr sorgfältig auszuführenden Teilen bestehenden Apparates erlaubt die Massenfabrikation, wodurch die Auswechselung schadhaft gewordener Teile vom Lager ermöglicht wird. (Melms in Schiffbau Nr. 191914.)

Schmolke.

Neuere Untersuchungen über Kohlenstaubexplosionen. (Nach Bergrat Dr. Czaplinski in „Oesterr. Zeitschr. f. Berg- und Hüttenw.“) Im Anschluß an seine früheren Untersuchungen2) berichtet der Verfasser über seine neuesten, im Babitzer Versuchsstollen des Rossitzer Steinkohlenreviers gewonnenen Versuchsergebnisse, Bei diesen Versuchen wurden zur Beurteilung des Einflusses der Kohlenstaubmenge und der Verteilungsart auf die Explosionsfähigkeit und Explosionsstärke des Kohlenstaubes möglichst lange Kohlenstaubzonen geschaffen. Diese bildeten – wie die Untersuchungen ergaben – eine wesentliche Bedingung für die Richtigkeit dieser Versuche. Aus den angestellten Messungen läßt sich der Schluß ziehen, daß für die Explosionsfähigkeit des untersuchten Kohlenstaubes (Steinkohlenstaub) eine untere Grenze bei 40 g und eine obere bei 2000 g Kohlenstaub auf 1 m3 Luft gegeben erscheint; innerhalb dieser Grenzen wird die Kohlenstaubexplosion mit der zunehmenden Dichtigkeit der Kohlenstaubzone stärker und dann wieder schwächer, bis sie bei 2000 g auf 1 m3 Luft ihre Fortpflanzungsmöglichkeit verliert und in dem dichten Kohlenstaub- und Luftgemisch erstickt. Das Maximum der Flammengeschwindigkeit (170 m in der Sek.) liegt bei 200 g Kohlenstaub auf 1 m3 Luft. Der Explosionsdruck stieg mit der wachsenden Flammengeschwindigkeit bismax 2,0 at im Stollen. Die Verteilungsart des Kohlenstaubes in dem Versuchsstollen übte insofern einen Einfluß auf die Explosionsfähigkeit und Explosionsstärke aus, als nur derjenige Kohlenstaub explosionsartig verbrannte, welcher in dem Augenblick der Zündung durch einen Dynamitschuß in der Luft schwebt, bzw. nach der erfolgten Zündung durch die dadurch hervorgerufenen Luftstöße zur Aufwirbelung gelangt. Erfolgte die Verteilung des Kohlenstaubes derart, daß er überhaupt nicht aufgewirbelt wurde, so blieb die Explosion aus; damit hängt auch der Einfluß der Feinheit des Kohlenstaubes auf dessen Explosionsfähigkeit zusammen.

Schorrig.

Sägespäne als Feuerlöschmittel bewähren sich nach „Machinery“ vom November 1914 vermöge ihrer Eigenschaft, an der Oberfläche beim Verbrennen eine Kruste zu bilden, die den Zutritt von Verbrennungsluft fast vollständig verhindert. Selbst zum Löschen in Brand geratener Flüssigkeiten können Sägespäne mit Vorteil verwendet werden. Bei leichteren Oelen, wie z.B. Gasolin freilich nur, wenn es sich um das Ablöschen kleinerer, auf den Boden vergossener Mengen handelt; bei größeren Gefäßen ist es schwierig, die ganze brennende Oberfläche mit Sägespänen zu überdecken, da sie zum Teil zu Boden sinken und an diesen Stellen die Flamme wieder durchschlagen lassen. Bei schweren Oelen, Lacken, geschmolzenem Wachs und dergleichen ist die Wirkung besser.

Die Löschwirkung kann wesentlich verbessert werden durch Beimengung von Soda, die bei der Erhitzung Kohlensäure abgibt. Eine Mischung von 125 kg auf 1 cbm Sägespäne soll sich als zweckdienlich erwiesen haben.

Art und Feuchtigkeit der Späne haben wenig Einfluß auf die Löschfähigkeit, sie sollen jedoch nicht zu fein sein. In Betrieben, wo ohnehin Sägespäne in größeren Mengen zur Verfügung sind, kann ihre Verwendung im Notfalle durchaus von Nutzen sein. Größere Mengen lagernder Sägespäne können durch zeitweiliges Bestreuen mit Soda besonders gegen Feuersgefahr geschützt werden.

Dipl.-Ing. W. Speiser.

Der Rechtsschutz des Lieferanten gegen Pfändung unbezahlter Maschinen oder Anlagen. Je mehr der Eigentumsvorbehalt im Geschäftsleben üblich wird, desto mehr häufen sich die Interventionsprozesse gegen Gläubiger, die Gegenstände, von denen sie den Eigentumsvorbehalt nicht kennen, pfänden, oder die Grundstücke zur Versteigerung bringen, auf denen sich fremde Maschinen, Anlagen usw. befinden, die in das Eigentum des Erstehers übergehen würden, wenn der Eigentumsvorbehalt nicht rechtzeitig geltend gemacht wird.

Diese Interventionsprozesse sind häufig sehr kostspielig und für den Eigentümer darum häufig besonders unangenehm, weil er selbst, wenn er mit seinem Anspruch durchdringt, unter Umständen die Prozeßkosten tragen muß, falls der Gegner den Eigentumsanspruch anerkennt, |38| und zur Erhebung der Klage keinen Anlaß gegeben hat.

Die Frage, was dazu erforderlich ist, um dem Betreiben des Gläubigers gegenüber das Eigentum glaubhaft zu machen, soll hier nicht weiter erörtert werden. Nur eine besonders wichtige Frage soll herausgegriffen werden: Der Lieferant von Maschinen oder technischen Anlagen, die nicht dauernd eingebaut sind und an denen er sein Eigentum vorbehalten hat, hat nur dann Aussicht, bei der Interventionsklage ohne Kosten davon zu kommen, wenn seine Klageerhebung zur ordnungsmäßigen Rechtsverfolgung nötig war.

Handelt es sich um eine gewöhnliche Pfändung einer Maschine oder technischen Anlage, so liegen die Schwierigkeiten in der Regel allein in der Frage, ob das Verhalten des Eigentümers für den pfändenden Gläubiger hätte Anlaß sein müssen, die Pfandstücke ohne weiteres freizugeben, oder ob es ihn berechtigt, die Pfändung aufrecht zu erhalten, bis der Eigentumsvorbehalt des Lieferanten ihm in überzeugender Weise glaubhaft gemacht ist.

Erfolgt nach ordnungsmäßiger Glaubhaftmachung die Freigabe nicht, so ist der Eigentümer zur Klage genötigt, und auch wenn im Prozeß ein Anerkenntnis seines Klageanspruches erfolgt, braucht er keine Kosten zu tragen.

Schwieriger liegt diese Frage aber auf dem Gebiete der Grundstückszwangsversteigerung. Die Beschlagnahme des Grundstückes ergreift auch die Zubehörstücke und Maschinen und Anlagen, die sich auf einem Grundstück befinden, sind vielfach als Zubehör des Grundstückes anzusehen, so daß der Eigentümer jedenfalls genötigt ist, seinen Eigentumsvorbehalt gegen den die Zwangsversteigerung betreibenden Gläubiger geltend zu machen. Während aber bei der gewöhnlichen Mobilienpfändung der Gläubiger jederzeit in der Lage ist, durch eine einfache Freigabeerklärung auf sein Pfandrecht zu verzichten, ist bei der Zwangsversteigerung eine derartige Möglichkeit nicht vorgesehen. Um einen von der Beschlagnahme betroffenen Gegenstand von der Beschlagnahme zu befreien, ist nämlich nach §§ 55 und 37 des Zwangsversteigerungsgesetzes ein Beschluß des Versteigerungsrichters erforderlich.

Wäre dieser Beschluß nur auf Grund einer Entscheidung des Prozeßgerichtes zu erwirken, so würde dem Eigentümer, der die Freigabe der ihm gehörenden Zubehörstücke verlangt, gar kein anderer Weg übrigbleiben, als zunächst eine Prozeßentscheidung herbeizuführen, die den Zwangsversteigerungsrichter binden würde. In diesem Falle wäre ein Prozeß sogar dann nötig, wenn er und der betreibende Gläubiger über das Eigentum an den mitbeschlagnahmten Zubehörstücken einig wären. Die Rechtslage wäre dann ähnlich wie die Rechtsstellung des Hypothekengläubigers.

Um sein Hypothekenrecht im Wege der Zwangsversteigerung zu verwirklichen, ist der Hypothekengläubiger zur Hypothekenklage genötigt, auch wenn der Grundstückseigentümer ihm sein Recht zur Betreibung der Zwangsversteigerung garnicht streitig macht.

So hat auch kürzlich das Landgericht Kiel die Stellung des Zwangsversteigerungsrichters angesehen und hat gemeint, daß er einen Aufhebungsbeschluß auf Freigabe der Zubehörstücke nur dann erlassen könne, wenn eine Prozeßentscheidung vorangegangen ist.

Diese Auffassung ist aber unrichtig. Im Zwangsversteigerungsgesetz findet sich keine Bestimmung, aus der zu schließen ist, daß der Zwangsversteigerungsrichter einen teilweisen Aufhebungsbeschluß nicht auch schon auf Antrag des Gläubigers allein erlassen dürfe. Zwar pflegt in der Regel ein derartiger Beschluß nur nach vorhergegangener Klage zu erfolgen; daß aber eine solche Klage erforderlich sei, ist nicht anzunehmen.

Daraus folgt: Der Eigentümer, der sein Eigentumsrecht an den gelieferten Maschinen oder Anlagen geltend macht, darf nicht ohne weiteres gleich den Klageweg beschreiten, da zu einer Klage erst dann Anlaß gegeben ist, wenn der betreibende Gläubiger das Recht des Eigentümers an den Maschinen oder Anlagen bestreitet. Er muß zunächst den betreibenden Gläubiger von seinem Eigentumsrecht an den Anlagen in Kenntnis setzen und von ihm verlangen, daß er seinerseits dem Zwangsversteigerungsgericht eine entsprechende Freigabeerklärung übersendet. Erst wenn der Gläubiger diesem Verlangen nicht Folge leistet, erst dann hat er Anlaß zur Klageerhebung gegeben.

So hat auch das Oberlandesgericht Kiel (W 91/11) entschieden und die erwähnte Landgerichtsentscheidung aufgehoben.

Es dürfte sogar zweifelhaft sein, ob dann, wenn der Gläubiger die Freigabe nicht unverzüglich bewirkt, der Eigentümer ohne weiteres zur Klageerhebung berechtigt ist. Er ist nämlich in der Lage, sein Eigentumsrecht in dem Zwangsversteigerungsverfahren auch direkt geltend zu machen, so daß der Zwangsversteigerungsrichter die in fremdem Eigentum stehenden Zubehörstücke freizugeben hat, wenn von Seiten der betreibenden Gläubiger kein Widerspruch erhoben wird. Es würde daher möglicherweise gegen Treu und Glauben verstoßen, wenn jemand, statt den billigeren Weg zu wählen, eine viel kostspieligere Klage gegen den betreibenden Gläubiger anstrengt, um sein Eigentumsrecht in Hinsicht auf die von der Beschlagnahme betroffenen Maschinen und technischen Anlagen zu verfolgen.

Aber auch abgesehen von den Kosten dürfte es sich empfehlen, ehe man zur Klage schreitet, es zuvor mit der direkten Rechtsverfolgung im Zwangsversteigerungsverfahren zu versuchen, da dieser Weg zum mindesten einfacher ist und in kürzerer Zeit erledigt wird.

Dr. jur. Eckstein.

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Vgl. D. p. J. Bd. 328.

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