Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1915, Band 330 (S. 51–57)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj330/ar330014

Polytechnische Rundschau.

Beitrag zur Geschichte der Gleichstromdampfmaschine. Durch einen Vortrag: „Bestrebungen zur Vereinfachung des Dampfmaschinenbaues“, gehalten von Ingenieur Schmid, Landsberg a. W., auf der letztjährigen Hauptversammlung der Schiffbautechnischen Gesellschaft, ist die Frage der Erfinderschaft der Gleichstrommaschine erneut aufgeworfen worden. Schmid behauptet, die Gleichstrommaschine 1902 erfunden zu haben.

Demgegenüber werde auf das belgische Patent 110187 vom 29. Mai 1894 des französischen Ingenieurs A. Rateau in St. Etienne verwiesen. Dieses interessante Dokument hat folgenden Wortlaut:

„Die hier in Frage stehende Verbesserung bezieht sich auf die Steuerung von Dampf- oder Druckluftmaschinen.

Gewöhnlich benutzt diese Steuerung ein oder mehrere bewegliche Organe für Ein- und Austritt der Arbeitsflüssigkeit; der Austritt ist derart geregelt, daß der Druck bei Kolbenumkehr nach Hubmitte zu steigen beginnt. Es ist nicht das gleiche der Fall bei der Anordnung, für die ich die Erfindung beanspruche. Diese benutzt keinerlei Auslaßorgane, bzw. als solches dient der Kolben, und die Kompression beginnt sofort mit Beginn des Kolbenrückganges.

Die beifolgende Zeichnung zeigt als Beispiel die Anwendung dieses Systems auf eine doppeltwirkende Maschine.

Man sieht bei A die Eintrittsöffnungen, durch die der Dampf in den Zylinder tritt, und bei ee Oeffnungen in der Mitte der Zylinderwandung, die das Zylinderinnere mit dem Auslaßkanal EE verbinden, sobald der Kolben am Ende seines Hubes diese Oeffnungen freilegt. Der Kolben muß also eine seinem Hub fast gleiche Länge h erhalten. Macht man diese Länge z.B. gleich 9/10 des Hubes, so beträgt die Vorausströmung 10 v. H. und die Oeffnungen bleiben für eine Dauer gleich ⅕ derjenigen einer vollen Umdrehung frei.

Veränderliche Expansion kann durch die gebräuchlichenMittel erhalten werden, meine Verbesserung bezieht sich nur auf die eigenartige Anordnung des Auslasses. Die Vorteile sind wie folgt:

1. Fortlassung jeglichen beweglichen Organs für den Auslaß, welcher ein für allemal gemäß der Spannung im Einlaßraum festgelegt ist und in keiner Weise durch Veränderung der Füllung beeinflußt wird.

Textabbildung Bd. 330, S. 51

2. Obgleich die Ausströmungsdauer relativ kurz ist, hat der Dampf doch Zeit mit einem schnellen Ruck auszutreten, da man den Oeffnungen ee einen sehr großen Gesamtquerschnitt, annähernd 1/4 und selbst ⅓ des Zylinderquerschnittes, geben kann.

3. Die fast während des ganzen Hubes andauernde Kompression hat einen ausgezeichneten Einfluß auf den Wirkungsgrad; zuerst wird der Zylinder wieder erwärmt und die Eintrittskondensation wird verringert. Sodann wird das Arbeitsmittel im schädlichen Raum bis auf die Einlaßspannung komprimiert; für Maschinen ohne Kondensation muß der schädliche Raum 10, 15 und selbst 20 v. H. betragen.

4. Ein anderer bedeutender Vorteil dieser vollständigen Kompression besteht darin, daß der Kolben vor Hubende aufgehalten wird, und daß der Wechsel der Lagerschalen von Pleuelstange und Hauptwelle weit vor den Totpunkten unter geringer Belastung so bewerkstelligt wird, daß Stöße sehr gemildert werden. Im Falle einfachwirkender Maschinen werden diese Stöße sogar vollständig |52| unterdrückt, weil die Kompression genügt, um die Trägheit des Kolbens während des Rückhubes so zu überwiegen, daß die Lagerschalen stets an derselben Seite anliegen.“

Man wird zugeben müssen, daß die sehr klaren Ausführungen dieser Patentschrift die Frage nach der Priorität der Erfindung der Gleichstrommaschine endgültig beantworten.

H. Dubbel.

Ueber das komprimierte und gelöste Azetylen macht Schneider interessante Mitteilungen in der „Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure“ 1914, S. 798 bis 800, denen wir folgendes entnehmen. Bei der autogenen Metallbearbeitung hat man schon lange unangenehm empfunden, daß man genötigt war, das Azetylen selbst herzustellen, während man den Sauerstoff gebrauchsfertig in Stahlflaschen beziehen konnte. Nun ist es aber bekanntlich nicht möglich, komprimiertes Azetylen in den Handel zu bringen, weil dieses Gas bei einem Ueberdruck von mehr als 2 at sich wie ein Sprengstoff verhält und bei Erhitzung, Initialzündung usw. in seine Komponenten Kohlenstoff und Wasserstoff zerfällt, wobei der Anfangsdruck auf das Zehn- bis Zwölffache steigt. Da sich bei den ersten Versuchen, Azetylen zu komprimieren, schwere Explosionen ereigneten, ist das Komprimieren und Verflüssigen von Azetylen in allen Kulturstaaten verboten worden. Eine Zeitlang bildete indessen die erwähnte „Spaltung“ des Azetylens in Kohlenstoff und Wasserstoff die Grundlage eines technischen Verfahrens, weil der auf diesem Wege erhaltene „Azetylenruß“ sich vor allen anderen Rußsorten durch seine feine Verteilung und seine Reinheit auszeichnete. Der als Nebenprodukt gewonnene Wasserstoff wurde von der Firma, die ihren Sitz in Friedrichshafen hatte, an die Zeppelinwerft zur Füllung ihrer Luftschiffe abgegeben.

Komprimiertes Azetylen kann durch Abkühlung verflüssigt werden, das verflüssigte Azetylen ist jedoch sehr explosiv und hat etwa die gleiche Brisanz wie Schießbaumwolle. Auf einem Umwege gelang es schließlich dennoch, das Azetylen in eine handelsfähige gefahrlose Form zu bringen. Man benutzte hierzu das große Lösungsvermögen des Azetons, von dem 1 l bei 15° rund 25 l Azetylen und bei erhöhtem Druck noch erheblich mehr löst. Um die Explosionsgefahr völlig zu beseitigen, füllte man die Stahlflaschen zunächst mit einer porösen Masse, tränkte diese zum Teil mit Azeton und füllte schließlich Azetylen unter Druck ein. Dieses „gelöste Azetylen“ kann aus den Stahlflaschen genau wie ein verflüssigtes Gas entnommen werden. Eine betriebsfertige Stahlflasche von 50 l Inhalt wiegt ohne Gas rund 84 kg, der zulässige Füllungsdruck beträgt 15 at bei 17,5° C. Mit Gas gefüllt wiegt die Flasche 92 kg, ihre Aufnahmefähigkeit bei 15 at und 17,5° C beträgt 6600 l Azetylen, die 14000 . 6,6 = rund 92000 WE enthalten. 1 kg Gewicht befördert somit 1000 WE.

Bei der Beleuchtung mit Dalénlicht werden für 18 HK stündlich 3 l Azetylen verbraucht; 1 HK erfordert somit 3/18 = 0,167 l in der Stunde. Da zur Erzeugung von6 HK stündlich 1 l Azetylen von 14 WE nötig ist, so können mit 1000 WE, die einem Flaschengewicht von 1 kg entsprechen, rund 430 HK stündlich erzielt werden. Bei einem Preise von 2 M für 1 cbm gelöstes Azetylen erhält man also 3000 HK/Std. für 1 M. An Hand eines Rechenbeispiels zeigt Verfasser, daß man bei Verwendung elektrischer Akkumulatoren für den gleichen Betrag (1 M) nur 2000 HK/Std. erhält. Außer diesen wirtschaftlichen Vorteilen besitzt die Beleuchtung mit gelöstem Azetylen noch weitere Vorzüge. Die Stahlflaschen werden mit einem Druckminderventil versehen und sind sehr einfach zu behandeln. Sie werden mit der Eisenbahn befördert und brauchen nicht in einem besonderen Raum aufgestellt zu werden, wie dies bei den Azetylenentwicklern der Fall ist. Zur Erzeugung der Gasmenge, die in einer Flasche von gewöhnlicher Größe enthalten ist (rund 6 cbm), wären ferner 20 kg Karbid nötig; es ist daher begreiflich, wenn sich das allgemeine Interesse dem gelösten Azetylen zuwendet. Besonders bewährt hat sich das gelöste Azetylen für die Beleuchtung von Eisenbahnwagen sowie von Scheinwerfern für Lokomotiven und Kraftwagen. Für letzteren Zweck werden kleine Flaschen von 5 l Inhalt und einem Aufnahmevermögen von 750 l Azetylen verwendet. Die Stahlflaschen sind mit einem Druckminderventil versehen, aus dem das Gas unter einem Druck von 100 mm WS den Brennern zuströmt. Für zwei Scheinwerfer mit einem stündlichen Gasverbrauch von zusammen 30 l. reicht eine Flaschenfüllung für 25 Brennstunden, also für mehrere Nachtfahrten aus.

Auch zur autogenen Schweißung wird bereits in größtem Maßstabe gelöstes Azetylen verwendet. Das Azetylen wird dem Schweißbrenner mit einem Druck von ½ bis 3 at je nach der Brennergröße zugeführt; die Wasservorlage ist überflüssig. Außer der bequemen Bedienung beim gelösten Azetylen, das den Umgang mit Karbid, Wasser und Kalkschlamm entbehrlich macht, kommt als weiterer wesentlicher Vorteil gegenüber den Azetylenentwicklern in Betracht, daß die Entwickler für Innenräume mit ihrer geringen Karbidfüllung von 4 kg nur rund 1200 l Gas liefern, während eine normale Azetylenflasche 6000 l Gas enthält. Der Schweißer kann also mit gelöstem Azetylen fünfmal so lange ohne Unterbrechung arbeiten. Ferner ist die Azetylenflasche leichter beweglich als der mit Wasser gefüllte Entwickler und weniger gefährlich.

Sander.

Die Fernversorgung mit Koksofengas. In Deutschland sind die ersten Versuche zur Fernversorgung mit Koksofengas in Essen vor etwa 8 Jahren und nicht viel später in Mülheim a. d. Ruhr angestellt worden, wogegen in Amerika um die Jahrhundertwende bereits vier große Anlagen mit zusammen 750 Oefen in Betrieb waren. In den beiden genannten deutschen Städten wurde anfangs das Koksofengas in steigendem Maße dem in den Gaswerken erzeugten Gase beigemengt, und erst als eine völlige Gleichwertigkeit des Zechengases mit dem Leuchtgas in bezug auf Zuverlässigkeit und Qualität erreicht war, haben beide Städte ihre eigene Produktion ganz eingestellt. Im |53| Jahre 1908 wurde dann die Versorgung der Stadt Gelsenkirchen von der Zeche Rheinelbe aus eröffnet. Heute bietet die Zechengasversorgung ein imposantes Bild technischer Entwicklung, worüber Dr.-Ing. R. Witzeck im Journal für Gasbeleuchtung ausführliche Mitteilungen macht. Die zur Kokserzeugung dienenden Oefen machten einen langen Entwicklungsgang durch, bis der Regenerativofen in seiner heutigen Vollkommenheit entstand. Die ersten Oefen mit Nebenproduktengewinnung wurden im Jahre 1884 nach den Patenten von Otto-Hoffmann auf der Zeche Pluto in Westfalen errichtet. Seitdem sind in der Konstruktion der Oefen große Fortschritte gemacht worden; die heutigen Regenerativöfen liefern 50 v. H. Ueberschußgas, das zu anderen Zwecken verwendbar ist. Einen wichtigen Fortschritt hinsichtlich der Gasabgabe an Städte bedeutet die Einführung des Verbundofens, der entweder mit dem von ihm selbst erzeugten Gas oder auch mit einem Fremdgas, wie Gichtgas oder aus minderwertigen Brennstoffen erzeugtem Generatorgas, beheizt werden kann. In letzterem Falle kann ohne Einschränkung oder Ueberlastung des Betriebes die Gasabgabe von 50 auf 100 v. H. der erzeugten Destillationsgase erhöht werden, was für die Aufrechterhaltung des Betriebes in Streikfällen von besonderer Bedeutung ist. Die Kammern eines modernen Koksofens sind 10 m lang und 2 m hoch, dagegen nur etwa ½ m breit. Eine Kammer von dieser Größe faßt etwa 9,5 t feuchte Kohle, die in ungefähr 30 Stunden verkokt werden. In den ersten ⅔ bis ¾ dieser Garungszeit sind die Entgasungsverhältnisse für die Gewinnung eines guten Leuchtgases sehr günstig; es muß nur dafür gesorgt werden, daß Entgasung und Verkokung ziemlich gleichzeitig bei hoher Temperatur vor sich gehen. Das aus Koksöfen gewonnene Durchschnittsgas hat meist einen niedrigeren Heizwert als ein normales Leuchtgas, weshalb das in der oben genannten Entgasungsperiode erhaltene Gas für sich aufgefangen wird. Nur dieses sogenannte Reichgas wird als Leuchtgas abgegeben, während der Rest zur Ofenbeheizung oder zu anderen Zwecken der Zeche verwendet wird. Aus diesem Grunde ist jede Ofenbatterie mit zwei Vorlagen versehen, an die sich je eine vollständige Kondensationsanlage anschließt. Diese besteht für das Reichgas aus den auch in Gaswerken gebräuchlichen Reinigungsapparaten, nur die Art der Gasabsaugung ist verschieden. Bei der Lieferung von Koksofengas an Städte findet eine sorgfältige Kontrolle der Gasbeschaffenheit statt, wozu vorwiegend selbsttätige registrierende Apparate verwendet werden.

Das größte Unternehmen dieser Art ist die Thyssensche Gasfernleitung, die von Hamborn aus einerseits nach Barmen, andererseits nach Wesel führt. Die Leitung nach Barmen ist etwa 50 km lang, sie besteht aus Muffenstahlrohren von 400 und 500 mm 1. W., die wie üblich mit Bleiwolle und Gußblei gedichtet wurden. Auch ein Teil von Mülheim (Ruhr) sowie eine Anzahl kleinerer Gemeinden ist an diese Fernleitung angeschlossen. Die nach Norden führende Leitung versorgt außer der Stadt Wesel auch noch Dinslaken mit Gas. Weiter liefert die Kokereiauch noch das Gas für Hamborn selbst. Noch großzügiger ist die Fernleitung des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes, die das von den Zechen Mathias Stinnes, Wolfsbank, König Wilhelm und Prosper erzeugte Gas nach Remscheid, Solingen u.a. Orten leitet; im ganzen hat dieses 1910 bis 1912 erbaute Versorgungsnetz eine Länge von 140 km. Zwischen dieser Fernleitung und der oben erwähnten von Thyssen besteht übrigens in der Nähe von Barmen eine Verbindung zur gegenseitigen Aushilfe. Weiter ist noch eine ganze Reihe von westfälischen Orten an Fernleitungen angeschlossen, so z.B. Bochum, Herne, Witten, Essen, Gelsenkirchen und andere, im ganzen etwa 50 Städte und Gemeinden, deren gesamter Gasverbrauch im Jahre 1913 mehr als 130 Mill. cbm betragen hat. Auch im Saarrevier macht die Fernversorgung große Fortschritte. Ebenso ist in Niederschlesien von dem Juliusschacht der Fuchsgrube aus eine Fernleitung nach den Orten Waldenburg, Altwasser, Salzbrunn, Hausdorf und anderen angelegt worden. Das ganze Verteilungsnetz umfaßt 30 km Hochdruckleitung, an die 20 Gemeinden mit elf getrennten Niederdrucknetzen angeschlossen sind; der Betriebsdruck beträgt 2 bis 2,5 m WS.

Die Abgabe des Gases aus den Druckleitungen in die Verteilungsleitungen der Gemeinden erfolgt entweder durch Gasbehälterstationen oder direkt durch Druckregler. Auch eine Reihe von Kokereien, die nicht mit Zechen verbunden sind, liefern Gas an Städte, wie z.B. Lübeck und Neuwied. Im ganzen kann man heute bereits mit einer jährlichen Abgabe von Zechengas von rund 200 Mill. cbm rechnen, das sind etwa 8 v. H. des gesamten deutschen Gasverbrauchs. Der Fernbezug des Gases hat sich fast überall so gut bewährt, daß viele Städte ihre stillgelegten Gaswerke, die sie anfangs als Reserve stets betriebsbereit halten zu müssen glaubten, abbrechen ließen.

Der Preis, zu dem das Zechengas bezogen werden kann, hängt so sehr von örtlichen Verhältnissen ab, daß er schon in einem und demselben Kohlenrevier für die einzelnen Städte verschieden ist. Maßgebend ist hierfür zunächst der Wert, den das Gas für die Zechen selbst hat. Dieser Wert richtet sich danach, ob das Gas zur Heizung von Dampfkesseln oder zum Betrieb von Gasmotoren verwendet wird. 1,5 bis 2 Pf. für den cbm stellt den Mindestpreis dar, mit dem eine Kokerei ohne Berücksichtigung der Abschreibungen und Verzinsung für die Gasgewinnungsanlage rechnen muß. Sind sehr lange Fernleitungen erforderlich, so wird das Gas durch diese kostspieligen Anlagen nicht unwesentlich verteuert, und nur hieraus ist es zu erklären, daß große Städte, wie Köln und Düsseldorf, die Zechengasversorgung ablehnten, mit der Begründung, daß sie in der Lage wären, das Gas in ihren eigenen Werken ebenso billig herzustellen. In den meisten Fällen stellt sich jedoch der Bezug von Zechengas für die Städte billiger als die Erzeugung im eigenen Werk, zumal wenn größere Kapitalaufwendungen für eine bevorstehende Erweiterung der bestehenden Gasanstalt vermieden werden. Durch die langfristigen Verträge, in denen der Gaspreis festgelegt ist, wird den |54| Städten eine dauernde Rentabilität gesichert. Die früher gegen den Bezug von Zechengas geltend gemachten Bedenken, wie Deckung des Koksbedarfs von auswärts, drohendes Koksmonopol von Seiten der Zeche usw., haben sich in den meisten Fällen als nicht stichhaltig erwiesen. (Journal für Gasbeleuchtung 1914, S. 361 bis 368, 389 bis 390.)

Sander.

Die Entwicklung der Lindeschen Gasgewinnungsverfahren. Im Jahre 1895 wurde im Laboratorium der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen in München die erste Luftverflüssigungsanlage in Betrieb genommen, die einige Liter flüssige Luft in der Stunde herzustellen gestattete. Im Jahre 1902 gelang dann nach langen Versuchen die Gewinnung von technisch reinem Sauerstoff durch Rektifikation verflüssigter Luft. Die mit dieser ersten Anlage erzielten günstigen Ergebnisse führten zur Errichtung zweier kleiner Sauerstoffanlagen für je 10 cbm Stundenleistung in Höllriegelskreuth bei München und in Barmen, denen im Jahre 1904 eine weitere kleine Anlage in Berlin folgte, deren Leistung jedoch 1906 bereits auf die doppelte Menge gesteigert wurde. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche weitere Anlagen errichtet, so in Düsseldorf, Mülheim-Ruhr, Altona, Nürnberg, Dresden, Erfurt und Bielefeld. Die Leistungsfähigkeit dieser sämtlichen Anlagen stieg bis zum Ende des Jahres 1913 auf 835 cbm in der Stunde. Der Sauerstoffabsatz, der im Jahre 1903 nur 4320 cbm betrug, überstieg 1906 bereits 100000 cbm, 1911 1 Mill. cbm und erreichte 1912 bereits fast 2 Mill. cbm; er ist am größten im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Durch Zukauf der Werke der in Liquidation getretenen Sauerstoffindustrie-A.-G. in Berlin kamen im vorigen Jahre zwei weitere Sauerstoffabriken in Berlin-Borsigwalde sowie in Hannover-Linden hinzu. Außerdem wurden 17 Sauerstoffanlagen in einer Reihe von Schiffswerften, chemischen und Maschinenfabriken für deren eigenen Bedarf errichtet.

Im Ausland wurde das Lindesche Sauerstoffverfahren zuerst im Jahre 1904 in Paris eingeführt, neben dieser großen Anlage sind noch drei weitere Sauerstoffwerke in Toulouse, Bordeaux und Lyon vorhanden. In England wurde eine Tochtergesellschaft gegründet, die Fabriken in Birmingham, London, Newcastle, Manchester, Sheffield und Cardiff besitzt. Die italienische Tochtergesellschaft ist eine gemeinsame Gründung der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen und der Société l'Air Liquide in Paris, sie betreibt vier Linde-Anlagen in Mailand, Turin, Palermo und Piano d'Orte sowie eine Claude-Anlage in Genua. Weiter wurden in Oesterreich, der Schweiz, in Spanien und Skandinavien Tochtergesellschaften ins Leben gerufen. Mit besonderem Erfolg hat sich die amerikanische Tochtergesellschaft, die Linde Air Products Co., entwickelt; sie besitzt im ganzen 11 Fabriken mit einer Jahresproduktion von mehr als 2,5 Mill. cbm Sauerstoff.

Die Gesamtproduktion der in den verschiedenen Weltteilen von der Linde-Gesellschaft direkt oderindirekt ins Leben gerufenen Sauerstoffabriken beträgt etwa 14,5 Mill. cbm, wovon auf Deutschland allein etwa 6 Mill. cbm entfallen.

Durch eine weitere Ausgestaltung der Rektifikationsapparate gelang es, auch Stickstoff in einer Reinheit von 99,6 bis 99,8 v. H. aus verflüssigter Luft herzustellen. Dieses Gas wird heute in noch erheblich größeren Mengen als Sauerstoff von der Industrie verwendet, namentlich zur Herstellung von Kalkstickstoff, ferner zur Gewinnung von synthetischem Ammoniak sowie von Aluminiumnitrid. Bisher findet das Linde-Verfahren in sieben Kalkstickstoffabriken Anwendung, die zusammen 5000 cbm Stickstoff in der Stunde herzustellen vermögen. Diese Gasmenge entspricht einer Jahresproduktion von 210000 t Kalkstickstoff. Die größte Stickstoffanlage besitzt die Kalkstickstoffabrik in Odda (Norwegen), in Deutschland befindet sich ebenfalls eine recht bedeutende Anlage dieser Art in Trostberg an der Alz (Oberbayern).

Das jüngste der Lindeschen Gasgewinnungsverfahren ist die Herstellung von Wasserstoff durch teilweise Verflüssigung von Wassergas. Die erste Anlage dieser Art wurde vor einigen Jahren in Berlin-Borsigwalde erbaut; ihr folgten zahlreiche weitere Anlagen für Schiffswerften, Fettfabriken und andere Betriebe. (Zeitschrift für komprimierte und flüssige Gase 1914, S. 101 bis 104.)

Sander.

Reinigung von Rauch- und sonstigen Abgasen, Niederschlagen von Abdämpfen, ihre Verwertung unter Gewinnung von Nebenprodukten. Von Dipl.-Ing. Gwosdz, „Gesundheits-Ingenieur“ Nr. 39, S. 697 bis 706. Der Verfasser gibt eine Zusammenfassung desjenigen, was über die Reinigung und Niederschlagung von Feuergasen und anderen industriellen Abgasen und Abdämpfen aus letzter Zeit bekannt geworden ist. Die Rauchbelästigungen und Rauchschäden sind bekanntlich teils auf die zahlreichen von den Rauchgasen mitgeführten festen Bestandteile, Flugasche und Ruß, teils auf in ihnen enthaltene oder übelriechende Gase zurückzuführen. Diese Flugaschebelästigung hat zugenommen, je mehr man aus wirtschaftlichen Gründen zu der Verfeinerung staubhaltiger und staubbildender Brennstoffe übergegangen ist. Die Flugasche besitzt nicht selten einen beträchtlichen Gehalt an brennbaren Bestandteilen. Man hat ihre Nutzbarmachung daher schon mehrfach ins Auge gefaßt. Man führt sie z.B. der Feuerung wieder zu. Eignet sie sich nicht mehr für Rostfeuerungen, so hat sich ihre Verarbeitung in zweckmäßig konstruierten Gaserzeugern häufig als nutzbringend erwiesen. Seit mehreren Jahren wird z.B. seitens einiger preußischer und anderer deutscher Eisenbahnverwaltungen die in den Rauchkammern der Lokomotiven sich ablagernde Lösche in Sauggasanlagen zum Antriebe von Dynamomaschinen mit gutem Erfolge ausgenutzt. Von größerer Bedeutung für die Verwertung von aschereichen Brennstoffabfällen versprechen auch die sogenannten Schlackenschmelz-Generatoren zu werden, die nach Art kleiner Eisenhochöfen ausgeführt sind, und bei denen auf leicht flüssige Schlacke |55| hingearbeitet wird. Eine weitere Aussicht auf eine wirtschaftliche Ausnutzung, selbst von Feuerungsrückständen mit nur geringem Gehalt an brennbaren Bestandteilen, bietet die Tatsache, daß das spezifische Gewicht der brennbaren Substanz niedriger ist als das der unverbrennbaren Bestandteile, auf dem Wege der nassen Trennung in Flüssigkeiten von verschiedenem spezifischen Gewicht, wobei der größte Teil der brennbaren Teile wiedergewonnen wird. Nach Versuchen in Velten bei Berlin soll ein derartiges Verfahren von Friedrich Adolf Müller in nächster Zeit in einer großen Anlage ausgeführt werden.

Der Verfasser bespricht dann unter zahlenmäßiger Angabe der praktischen Ergebnisse Vorrichtungen zum Abscheiden von Ruß aus Rauchgasen auf nassem Wege von Rowntree und von W. L. Thomas. Bei der ersteren Anlage sollen sich die Kosten der Waschung des Rauches auf 10 v. H. des Kohlenkontos belaufen, bei reichlicher Bemessung der Verzinsung, Amortisation und sonstigen Unkosten. Dabei ist man noch in der Lage, ohne Belästigung der Umgebung eine staubhaltige Feinkohle zu verfeuern, die sich im Preise um 50 v. H. billiger als abgesiebte Kohle stellt. Eine ebenfalls eingehend beschriebene Einrichtung zur Rauchverhütung von Greis gründet sich auf die Beobachtung, daß bei der üblichen Bedienungsweise der Kesselfeuerungen die Rauchentwicklung beim Schüren und nach der Neubeschickung auftritt. Unter andern ist weiter der Theisensche Zentrifugalgasreiniger beschrieben, der schon seit Jahren für die Reinigung von Hochofen-, Kokerei-, Leucht- und Generatorgas weit verbreitet ist und neuerdings auch in steigendem Maße bei der Reinigung von Abgasen Verwendung findet. Von den gasförmigen Bestandteilen der Rauchgase der gewöhnlichen Feuerungen sind es schweflige Säure und Schwefelsäure, die wegen ihrer schädigenden Wirkung auf die Pflanzenwelt zu bekämpfen sind. Von wirtschaftlichem Nutzen dürfte das Verfahren zur Gewinnung der schwefligen Bestandteile nur dort sein, wo für die Schwefelverbindungen eine unmittelbare Verwendung im Betriebe möglich ist, z.B. in Gasanstalten, wo das aus den Gasen abgeschiedene Ammoniak als schwefelsaures Salz gewonnen wird. Den in den Gasen gleichfalls enthaltenen Schwefelwasserstoff führt man in schweflige Säure über, die zur Bindung der Ammoniaks benutzt wird. Burkheiser hat ein Verfahren ausgebildet, nach dem die in Verbrennungsgasen enthaltene schweflige Säure für den gleichen Zweck verwendet wird.

Nachdem kurz die Frage der zentralen Abführung des Rauches gestreift ist, geht Verfasser auf die Verhältnisse im Betriebe der Eisenhütten ein, insbesondere auf die Nutzbarmachung und gefahrlose Beseitigung der während des Garstehens, Entleerens und Beschickens von Koksöfen, sowie während des Reinigens der Steigrohre entstehenden Gase und Dämpfe, der sogenannten Füllgase, die zu großen Belästigungen der bei den Oefen beschäftigten Arbeiter Anlaß geben, ferner auf die Beseitigung der beim Ablöschen des herausgedrückten glühenden Kokes entstehenden Wasserdämpfe. Weitere Verfahrenbeziehen sich auf die Ausnutzung der kohlenstaubhaltigen, bei der Trocknung der Rohbraunkohle aus dem Trockenofen ausgestoßenen Wasserdämpfe für die Gaserzeugung in Mondgasgeneratoren, auf die Unschädlichmachung der Abwässer zugleich mit einer Luftreinigung in den Arbeitsräumen in Fabriken, ferner auf die Verwertung von Abgasen oder übelriechenden Dämpfen, unter anderm von Abgasen der Müllverbrennungsöfen zur Wassergaserzeugung.

Georgius.

Wirbelstrom-Tachometer und_–Tachographen, Die Erkennung und fortlaufende Kontrolle der Umdrehungszahl vieler Verkehrs- oder Industriemaschinen ist oftmals eine Frage von größter Wichtigkeit. Kein Flugzeug beispielsweise, keine Papiermaschine kann einen zuverlässigen Anzeiger der Umlaufzahlen entbehren.

Das Wirbelstrom-Tachometer, oder, wenn für laufende Aufzeichnung der Werte eingerichtet, der Tachograph, beruht auf der Wechselwirkung zwischen Magnetfeld und indizierten elektrischen Strömen. Bei dem Deuta-Apparat (Fr. Berg, Zeitschr. f. Turbinenwesen Heft 26) wird das magnetische Feld durch einen kräftigen permanenten Magneten erzeugt, dessen Pole ringförmig gebogen und in geringem Abstände konzentrisch von einem zylindrischen Eisenringe umgeben sind, der die Aufgabe hat, einen guten magnetischen Schluß zwischen den Magnetpolen herzustellen. In dem so von den Polen und dem Eisenring gebildeten Ringraum, der von einem dichten magnetischen Feld durchsetzt ist, spielt ien Zylinder aus Aluminiumblech, getragen von einer in Spitzen auslaufenden und in Saphirsteinen gelagerten Achse, die auch mit dem Zeiger versehen ist. Sie steht unter der Wirkung einer Spiralfeder, die den beweglichen Teil in die Nulllage zurückzuführen sucht.

Auch der Magnetkörper mit dem magnetisch isoliert an ihm befestigten Eisenringe ist mit einer Achse versehen, und zwar liegt diese in der Verlängerung der Achse des Aluminiumzylinders. Sie wird bei dem Tachographen in der Regel durch eine biegsame Welle mit dem Maschinenteil, dessen Umlaufzahl aufgezeichnet werden soll, dauernd verbunden und läuft also mit gleicher Geschwindigkeit. Bei den Tachometern, die nur die augenblickliche Drehzahl angeben sollen, erfolgt die Kupplung mit dem Maschinenteil durch einen auf die Achse des Magnetkörpers gesetzten Stahldreikantzapfen oder durch einen Gummipfropfen, die von Hand angedrückt werden.

Das umlaufende Magnetfeld induziert im Aluminiumzylinder Wirbelströme, diese suchen den Zylinder in der Bewegungsrichtung des Magneten umzutreiben. Die schon erwähnte Spiralfeder gestattet jedoch nur einen gewissen Winkelausschlag, dessen Größe vom ausgeübten Drehmoment abhängt. Dieses ist gegeben durch die Größe der Wirbelströme, die aber der Umlaufgeschwindigkeit des Magnetfeldes proportional sind. Mithin ergibt sich ein äquivalenter Zeigerausschlag. Die Skala auf dem Zifferblatt ist sehr ausgedehnt; sie erstreckt sich über mehr als 180 °. Dies ist für die unmittelbare Ablesung |56| sehr vorteilhaft, nicht aber für die Aufzeichnung auf einem schmalen Papierband. Es ist daher ein besonderer Schreibhebel angeordnet, der durch ein auf der Zeigerachse angebrachtes Zahnrädchen bewegt wird. Die Uebersetzung ist so gewählt, daß der Ausschlag etwa 50 mm maximal beträgt. Am Hebelende befindet sich ein kleines Gefäß, das in ein Schreibröhrchen aus Platin ausläuft und für drei bis vier Tage Tinte aufnehmen kann. Das Papierband wird nach Belieben mit 1 mm oder mit 5 mm Vorschub in der Minute vorbeigeführt; der Antrieb erfolgt durch ein Uhrwerk mit 48-stündiger Gangdauer.

Der Apparat ist von einem soliden Kasten umschlossen, der, um unbefugte Eingriffe auszuschließen, nur mit Hilfe von Spezialschlüsseln geöffnet werden kann, jedoch ist sowohl das Zifferblatt, wie auch die aufgezeichnete Schaulinie auf dem Papierband durch Glasfenster abgedeckt.

Rich. Müller.

Untersuchung an einem 15 PS-Dieselmotor. In der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1914, S. 1049 bis 1056 wird über Versuche an einem stehenden Einzylinder-Dieselmotor berichtet, der sich im Maschinenbaulaboratorium der Technischen Hochschule Berlin befindet. (Zylinderabmessungen 215 × 340 mm, zweistufiger Kompressor 120,6 bzw. 90 × 100 mm, Verdichtungsraum der Maschine in v.H. des Hubraumes = 9,45 v.H., Verdichtungsverhältnis = 11,58, Umlaufzahl 230 bis 240.)

Die Versuche hatten den Zweck, die noch ungeklärte Frage zu lösen, ob die Reibungsarbeit einer Dieselmaschine mit steigender Belastung wächst oder abnimmt, d.h. ob die „zusätzliche Reibung“ hier positiv, stets gleich oder negativ ist. Die Versuche, die hier mit kaltem und warmem Kühlwasser ausgeführt wurden, zeigen, daß die zusätzliche Reibung mit wachsender Belastung abnimmt. Mit Berücksichtigung weiterer aus der betreffenden Literatur entnommenen Angaben, wird darauf hingewiesen, daß mit zunehmender Motorbelastung teilweise eine Abnahme, teilweise eine Zunahme der zusätzlichen Reibung eintritt. Bei kleineren Motoren kann mit zunehmender Belastung eine abnehmende, bei größeren Motoren aber eine zunehmende zusätzliche Reibung festgestellt werden. Die an sich schon bekannten Betrachtungen über die Größe der Reibungsarbeit bei verschiedener Belastung einer Dieselmaschine erhalten aber durch diese Angaben keine genügende Klärung. Die wenigen Versuchswerte, erhalten an einer sehr kleinen Maschine, reichen dazu nicht aus.

Die Versuche sollen auch über den Einfluß der Wandungen während der Verbrennung und Ausdehnung Aufschluß geben. Hierzu werden die Versuchsergebnisse von Prof. E. Meyer (Mitt. über Forschungsarbeiten, Heft 8, S. 97) herangezogen. Prof. Meyer hat dort nachgewiesen, daß die von den Wandungen eines Gasmotors während eines Zeitelementes dt aufgenommene Wärmemenge dw aus der folgenden Gleichung berechnet werden kann: dw = CO (T – Tw)1,9 dt Hierin bedeutet C einen Beiwert, O die während des Zeitelementes wirksame Wandungsfläche, T eine mittlere absolute Gastemperaturund Tw eine mittlere Wandungstemperatur. Diese Gleichung gilt nur für einen bestimmten Kreisprozeß und läßt den großen Einfluß, den der Druck und die Wirbelung bei der Wärmeübertragung an die Zylinderwandung ausüben, unberücksichtigt. Die Versuche von Prof. Junkers zeigen (Jahrbuch Schiffbautechnischen Gesellschaft 1912), daß bei Wärmeübertragungen, besonders unter Verhältnissen, wie sie in der Dieselmaschine stattfinden, die beiden letztgenannten Faktoren nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Die nach obiger Formel berechneten Werte dürfen in diesem Falle nur Annäherungswerte darstellen.

W.

Ueber die Verwendbarkeit der autogenen und elektrischen Schweißverfahren an Dampfkesseln wurde auf der 48. Delegierten- und Ingenieurversammlung des Internationalen Verbandes der Dampfkessel-Ueberwachungsvereine Bericht erstattet. (Carbid und Azethylen 1914, Nr. 3.) Die notwendigen Grundlagen eines jeden Schweißverfahrens sind die Erfahrung und die Gewandheit des Ausführenden, die allein ein Gelingen gewährleisten. In vielen Fällen ist es unentschieden, ob der alten Feuerschweißung oder der autogenen Schweißung der Vorzug gebührt. Nach Münster-Danzig wird die autogene Schweißung nur dort angewendet, wo die zu verbindenden Teile nur von einer Seite aus zugänglich sind. Nachträgliches Abhämmern der verbundenen Teile genügt nicht, etwaige Verunreinigungen und Schlackenbildungen zu entfernen, wie das bei der Feuerschweißung möglich ist. Auch müssen die Schweißungen oft an fest eingespannten Teilen vorgenommen werden, wodurch Spannungen entstehen, und diese Spannungen können leicht zur Rißbildung führen. Dies alles macht zur Bedingung, daß die Schweißungen bei Ausbesserungsarbeiten an Dampfkesseln nur von eigens hierfür ausgebildeten Schweißern ausgeführt werden.

Zum völligen Neubau von Dampfkesseln sind autogene und elektrische Schweißungen wenig in Anwendung. Meist handelt es sich in solchen Fällen um kleine stehende Kessel, bei denen Quersieder und Rauchrohr, teilweise auch die Böden, eingeschweißt werden. Die beiden Schweißverfahren sind aber auch dort anwendbar, wo in den Konstruktionsteilen nur Druckspannungen oder zeitweise ganz geringe Zugspannungen auftreten. Keinesfalls dürfen die Schweißnähte nach der Fertigstellung bei Blauwärme des Eisens abgehämmert werden.

Das elektrische Schweißverfahren wird nach Mitteilung von Eggers-M.-Gladbach von den Dampfkessel-Ueberwachungs vereinen in Deutschland noch wenig für Dampfkesselreparaturen angewendet. Doch dürfte es für diese Zwecke sicher schon in wenigen Jahren das autogene überholen, weil es einfacher, bequemer, zuverlässiger, und meist auch billiger ist.

Allgemein nimmt man an, daß die autogene Schweißung für Dampfkesselzwecke zulässig ist, wenn die Schweißnaht nicht auf Biegung und Zug beansprucht wird. Nach Eggers ist auch die elektrische Schweißung zurzeit nicht zulässig, wenn die Schweißnaht auf Zug |57| beansprucht wird, dagegen unbedenklich, wenn Biegungsmomente auftreten. Denn die elektrische Schweißnaht kann eine große Biegung vertragen und ist darin der autogenen weit überlegen. Während daher beispielsweise große Krempenbrüche bei ein- oder ausgehalsten Kesselböden nach dem Azethylen-Sauerstoff-Verfahren nicht geschweißt werden dürfen, können sie auf elektrischem Wege ohne Bedenken geschweißt werden. Bei der elektrischen Schweißung ist aber und bleibt stets die Hauptsache die Zuverlässigkeit des Schweißers und die Art, wie der zu schweißende Teil unter Spannung und Stromstärke behandelt werden muß. Flicken lassen sich leicht in Kessel einschweißen. In großer Zahl hat man auch Anschweißungen von angepreßten Teilen an den Kesselmänteln, große Abschalungen in den Wellrohren, Risse in Umlaufblechen, an Wasserrohrkesseln, Defekte in Flammenrohren, Korrosionen an Bögen, Krempenbrüche, Undichtigkeiten in den Nähten, Laschen und Flanschen auf elektrischem Wege vorgenommen. Dabei hat sich eine Stromstärke von 70 bis 80 Amp. bei 115 bis 120 Volt Spannung gut bewährt. Bei Rissen und Einsetzen von Flicken geht man mit dem Strom bis 100 Amp. und 120 Volt. Werden die erforderlichen Strombedingungen nicht innegehalten, so reißt der Riß leicht wieder auf.

Loebe.

Mitteilungen der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin. Erweiterung der Berliner Metallbörse. Im September 1913 hat der Verein der Interessenten der Metallbörse in Berlin beim Berliner Metallbörsenvorstand den Antrag gestellt, amtliche Preisnotierungen für den Handel mit Zink, Blei, Aluminium und Antimon an der Berliner Börse einzuführen und die Kurse zu veröffentlichen. Die Berliner Metallbörse, an der bisher nur Kupfer auf Termin gehandelt und notiert wurde, soll nach diesem Antrag eine bedeutende Erweiterung erfahren. Das Bedürfnis und die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine solche Erweiterung der Berliner Metallbörse liegen vor, wie in einer soeben von den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin dem Berliner Metallbörsenvorstand überreichten Denkschrift dargelegt wird. Bis zum Kriegsausbruch waren die Londoner Notierungen für Zink, Blei und Antimon für den Handel in diesen Metallen ganz oder doch vielfach maßgebend, obwohl sie Privatnotierungen von Börsenbesuchern oder Zeitschriften waren, und obgleich sie sich oft als sehr unzuverlässig erwiesen hatten. Es fehlte eine andere und bessere Notierung. Ein Bedürfnis für eine offizielle und zuverlässigere Notierung liegt also unzweifelhaft vor. Deutschland hat nach den Vereinigten Staaten von Amerika den größten Verbrauch von Zink, Blei, Aluminium und Antimon und die größte Zinkproduktion. Die Beherrschung des Welthandels in Metallen, die früher fast ein Privileg englischer Handelshäuser war, ist zum großen Teil auf deutsche Firmen übergegangen, deren Geschäftsorganisationen über die ganze Welt verzweigt sind. Sind so die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die beantragte Erweiterung der Berliner Metallbörse gegeben, so machen aber auch die Erfahrungen, die Deutschland in dem jetzigen Kriege mit England gemachthat, es für jeden deutschen Kaufmann und Industriellen zu einer Pflicht nationaler Selbstachtung, sich der bisherigen wirtschaftlichen Bevormundung durch England zu entziehen. Ein Volk, dessen Regierung sich nicht scheut, unter Verhöhnung aller Anschauungen von Treu und Glauben im Geschäftsleben den Grundsatz aufzustellen und durchzuführen, daß private Verträge mit Angehörigen eines Feindeslandes ungültig und ihre Erfüllung strafbar seien, und die dadurch auch andere Länder zu gleichen Repressalien zwingt, kann nicht die Vermittlerrolle im internationalen Handel behalten. Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin ersuchen darum den Berliner Metallbörsenvorstand, die Einführung amtlicher Notierungen für Zink, Blei, Antimon und Aluminium an der Berliner Metallbörse in die Wege zu leiten, damit beim Wiedereintritt normaler Zustände im Metallhandel an der Berliner Börse ein offizieller Handel und amtliche Preisnotierungen für diese Metalle stattfinden können.

Verein Deutscher Werkzeugmaschinen-Fabriken. In einer, dieser Tage in Berlin abgehaltenen Vorstandssitzung des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinen-Fabriken gelangte unter anderen die von einem Teil der Presse jüngst in Aufsehen erregender Weise behandelte Frage der Lieferung von Werkzeugmaschinen über Skandinavien nach dem feindlichen Auslande zur Verhandlung. Danach sollten geradezu ungeheure Mengen von Waren aus Deutschland nach Rußland und England über Dänemark und Schweden befördert worden, und insbesondere eine Zeitlang ganze Eisenbahnzüge von Drehbänken nach Rußland gegangen sein.

Nach einmütiger Ueberzeugung der aus allen Teilen Deutschlands zahlreich anwesenden Vorstandsmitglieder sind an diesen Lieferungen an das feindliche Ausland – so weit solche tatsächlich namentlich in dem behaupteten Umfang stattgefunden haben – die deutschen Werkzeugmaschinen-Fabriken gänzlich unbeteiligt, und es können die Lieferungen nur von Zwischenpersonen vorgenommen worden sein. In jedem Falle verurteilt aber der Vorstand des vorgenannten Vereins aufs schärfste solchen wie jeden anderen Versand von Werkzeugmaschinen, die zur Herstellung von Kriegsbedarf des feindlichen Auslandes dienen können, als eine verwerfliche Handlungsweise und verwahrt den von ihm vertretenen bedeutenden Geschäftszweig des deutschen Werkzeugmaschinenbaues gegen den aus obigen Zeitungsdarstellungen etwa herzuleitenden Vorwurf einer unpatriotischen Gesinnung. Auch spricht er die bestimmte Erwartung aus, daß die geschilderten Vorgänge von zuständiger Seite einer gründlichen Nachprüfung unterzogen und klar gestellt werden.

Auszeichnung auf der Baltischen Ausstellung. Das Bureau für technische Feuerungsanlagen Rich. Schneider G. m. b. H. wurde auf der Baltischen Ausstellung in Malmö 1914 für die dort ausgestellten Konstruktionen von Oefen zur Einäscherung von Leichen, System Rich. Schneider, Müllschmelzöfen u. dgl. schwedischerseits mit der Königlichen Medaille ausgezeichnet.

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