Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1915, Band 330 (S. 166–178)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj330/ar330033

Polytechnische Rundschau.

Das amerikanische Werkstättenschiff „Vestal“. „American Machinist“ vom 6. Februar 1915 enthält eine interessante Beschreibung des neuen, seit ungefähr einem Jahr im Betrieb befindlichen Reparaturschiffs der Marine der Vereinigten Staaten von Amerika. Die „Vestal“ ist die Nachfolgerin des „Vulcan“, der die amerikanischen Kriegschiffe im spanisch-amerikanischen Waffenstreit begleitete. Das neue Schiff weist entsprechend den inzwischen eingetretenen Fortschritten der Technik eineAusrüstung auf, die unsere Quelle mit Recht als zurzeit unerreicht bezeichnet. Die „Vestal“ ist aus einem Kohlenschiff umgebaut worden. Das Schiff hat 7720 t Wasserverdrängung und wird von zwei Dreifachexpansions-Dampfmaschinen von je 7500 PS mit 14 Knoten Geschwindigkeit angetrieben. Es ist über alles rund 140 m lang und 18,9 m breit. Die Umbauten bestanden in der Schaffung mehrerer Decks, der Entfernung von zwei der früheren vier Masten des Kohlenschiffs, um Bewegungsfreiheit |167| für die verschiedenen Laufkrane zu erhalten, der Aufstellung eines großen Frischwasserbehälters u.a.m. Das neu geschaffene Hauptdeck enthält die drei größten Arbeitsräume. Im vorderen Teil des Schilfes befindet sich zunächst die Werkstatt mit den schwereren Arbeitsmaschinen. Der Raum ist vorn 14 m, hinten über 16 m breit und 15,2m lang. Während auf seinem Flur die größeren Drehbänke, Bohrmaschinen zum Bearbeiten von Dampfzylindern und Wellenhauptlagern, die Wellenrichtmaschinen, Stoßmaschinen, schwereren Schleifmaschinen und Schraubstöcke aufgestellt sind, befinden sich die leichteren auf zwei Gallerien, die an den beiden Seitenwänden des Raumes entlanglaufen und nach seiner Mitte zu bis auf einen Abstand von 4 m voneinander vorspringen. Ueber dem Zwischenraum läuft, die Werkstatt der ganzen Länge nach bestreichend, ein Kran von 3 t Tragkraft und 4 m Spannweite. Die Werkstatt hat auf einer der beiden Gallerien ihre eigene, sorgfältig ausgerüstete Werkzeugausgabe mit verschiedenen durch Druckluft und elektrisch betriebenen Handwerkzeugen, ferner mit Schleifvorrichtungen zum Anschärfen der Fräser, Bohrer usw. Unter der Hauptwerkstatt liegt in einem kleineren Raume die Werkstatt für elektrische Maschinen und Geräte, die neben den erforderlichen Einrichtungen auch eine Vernicklungsanlage mit Betrieb durch einen kleinen Motorgenerator enthält. Der nächste nach der Mitte des Schiffs zu gelegene Hauptraum umfaßt die Kupferschmiede, eine Modellschreinerei, eine Grobschmiede und Kesselschmiede. Diese Abteilungen sind mit einem kleinen Dampfhammer, einer Dampfschmiedepresse für 150 t Druck, einem mit Oel geheizten Schmiedeofen und verschiedenen Schmiedemaschinen ausgerüstet. Von Schmiedefeuern sind vier vorhanden, die ebenfalls mit Oel gespeist werden, während den Wind zum Zerstäuben des Oels ein kleiner Kompressor mit Antrieb durch einen siebenpferdigen Elektromotor liefert. Glühofen, Oelhärtebäder mit elektrischer regelbarer Heizung, Schweißvorrichtungen für Betrieb mit Sauerstoff-Azetylen und mit elektrischem Strom, Pyroskope, ein Skleroskop für Härtemessungen vervollständigen die sorgfältige Ausrüstung auch dieser Abteilungen.

Die Gießerei dürfte die größte bisher auf einem Schiff befindliche Anlage darstellen. Sie befindet sich ziemlich am hinteren Ende des Schiffes und enthält einen Kupolofen für 1 bis 2 t, einen zweiten für 2½ bis 3½ t Eisen stündlich, dazu vier Rockwell-Kippöfen, und zwar zwei von 100 und zwei von 177½ kg sowie einen transportablen Schmelzofen. Schließlich soll noch eine Ofenanlage für sechs Tiegel zur Stahlbereitung aufgestellt werden. Der Wind für die Kupolöfen wird in einem Sturtevantgebläse mit Antrieb durch einen 17½-pferdigen Elektromotor erzeugt. Das Gebläse ist auf einer der beiden Gallerien, die auch in diesem Raum angeordnet sind, aufgestellt. Die Kippöfen betreibt man mit Oel, das auch zum Betrieb der neuen Tiegelofenanlage dienen soll. Auf dem Gießereiflur befinden sich die für das Putzen und Fertigmachen der Gußstücke erforderlichen Vorrichtungen, wie ein Sandstrahlgebläse, Metallsägen und Schleifmaschinen; auf den Gallerien können die Teile,soweit nötig, noch auf galvanischem Wege mit Metallüberzügen versehen werden. Der Sandvorrat für das Einformen befindet sich auf dem Gießereiflur, die Roheisenmasseln liegen unter dem Flur in einem Vorratraum aufgestapelt. Ein Kran von 3 t Tragkraft läuft auch in dem Gießereiraum von vorn nach hinten durch.

Eine besondere Werkstatt dient zum Ausbessern der auf den modernen Kriegsschiffen gebrauchten zahlreichen optischen Geräte, wie der Zielfernrohre der Geschütze, der Seerohre der Unterseeboote, ferner der Sextanten, Uhren, der komplizierten Einrichtungen der Torpedos u.a.m. Die Möglichkeit, diese Teile rasch auszubessern oder zu ersetzen, ist für eine im Kriege befindliche Flotte von außerordentlicher Wichtigkeit. Aus diesen Gründen und bei der Vielseitigkeit der erforderlichen Reparaturen hat das Materialienlager des Werkstättenschiffes einen bedeutenden Umfang. Es geht durch drei Decks hindurch und enthält rund 8000 verschiedene Sorten von Ersatzteilen. Seine Organisation ist sorgfältig durchgeführt. Die noch zu erwähnende Kraftanlage zur Versorgung der Arbeitsstätten mit elektrischem Strom und mit der vielfach verwandten Druckluft besteht aus vier Dynamomaschinen und zwei Dampfkompressoren. Zwei 85 KW-Dynamos werden durch Dampfturbinen, zwei kleinere von 32 KW von Dampfmaschinen angetrieben. Der eine Kompressor arbeitet mit 7 at Enddruck der Luft und saugt 12 m3 minutlich an, der andere, der die Luft für das Laden und Prüfen von ausgebesserten Torpedos liefert, saugt 0,5 m3 minutlich an und verdichtet sie auf fast 200 at.

Die Besatzung des Schiffes umfaßt insgesamt 70 Mann, darunter 24 Maschinisten und je 1 bis 6 Arbeiter in den einzelnen Abteilungen. Auch ein Zeichner ist einbegriffen, der in dem kleinen Zeichenbüro an Bord beschäftigt und gleichzeitig für die Ausführung der Stücke in der Werkstatt verantwortlich ist. Die Größe des Arbeiterstammes hat sich als nicht genügend erwiesen, wenn das Werkstättenschiff, wie es der Fall gewesen ist, zwölf Kriegsschiffe versorgen muß. Zur Zeit der mexikanischen Wirren, als die „Vestal“ mit der amerikanischen Kriegsflotte an der Küste Mexikos bei Vera Cruz lag, hat das Schiff in 7½ Monaten ein ganz gewaltiges Arbeitspensum erledigt. Im „American Machinist“ werden für diese Zeit an ausgebesserten und neu hergestellten Teilen aufgeführt: 269 Zielfernrohre, 25 Unterseebootseerohre, 229 Modelle mit Kernkasten, 1093 Gußeisenteile, 1599 Stücke aus Messing und anderen Legierungen, 29 Ankerwicklungen zum Teil größerer Elektromotoren. Daneben sind noch eine große Anzahl anderer Arbeiten genannt.

Welter.

Wasserloser Gasbehälter der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg. Schon wiederholt wurde in der letzten Zeit der Vorschlag gemacht, bei Gasbehältern an Stelle des üblichen Wasserabschlusses eine trockene Dichtung anzuwenden; auf diese Weise ist jedoch kein gasdichter Verschluß zu erreichen, außerdem erfordern trockne Dichtungen infolge ihrer starken Abnutzung häufige Erneuerungen. |168| Um das teuere Wasserbassin mit seiner kostspieligen Fundierung, sowie die empfindlichen Wassertassenabschlüsse und die Heizung der Wasserbehälter im Winter entbehrlich zu machen, hat die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg eine neue Behälterkonstruktion eingeführt, bei der zur Dichtung Gasteer verwendet wird, und zwar nur in einer geringen, den Behälterdruck wenig übersteigenden Höhe.

Textabbildung Bd. 330, S. 168

Der neue Gasbehälter ist mit feststehenden Seitenwänden a versehen und nur die Decke ist beweglich. Diese ist eine kreisrunde, in senkrechter Richtung verschiebbare Scheibe b mit flüssiger Dichtung c; diese wird mit der Scheibe zusammen bewegt und schließt so das Innere des Behälters in jeder Stellung gasdicht ab. Durch spaltschließende Gleitstücke d wird das Abfließen des Dichtungsmittels derart verhindert, daß der Flüssigkeitsdurchtritt praktisch ohne Bedeutung ist. Die geringe Menge des abfließenden Dichtungsmittels wird aus einem Speicher e selbsttätig ersetzt, dem die am Boden des Behälters angesammelte Flüssigkeit g mit Hilfe einer Pumpe h stets selbsttätig wieder zugeführt wird. Gasteer ist als Dichtungsmittel um deswillen besonders geeignet, weil er durch sehr enge Spaltöffnungen nur in geringem Maße hindurchtritt, zumal der Druck von unten und oben nahezu gleich ist. Der Aufwand an Leistung zum Hochpumpen des Gasteers betrug bei einem Behälter von 25000 m3 Inhalt nur 0,1 PS, d. i., wenn man den Preis einer Kilowattstunde zu 10 Pf. annimmt, noch nicht 3 v. H. des sonst für die Heizung eines Behälters mit Wasserbecken erforderlichen Kostenaufwandes. Auch bei ungünstigem Baugrunde stellen sich bei dem neuen Behälter die Kosten des Unterbaues erheblich niedriger als bei Behältern mit Wasserbecken. Da der Unterbau nur ganz geringe Lasten zu tragen hat, ist die Sicherheit des Bauwerks sehr groß. Die Anstricherneuerung sowie die spätere Vergrößerung des Behälterinhaltes bereiten keinerlei Schwierigkeiten. Ein auf der Gas-Ausstellung in München 1914 im Betrieb gezeigtes Modell eines derartigentrockenen Gasbehälters erregte bei allen Fachmännern lebhaftes Interesse. (Journal für Gasbeleuchtung 1915 S. 13 und 14.)

Sander.

Ausbalanzieren durch Auspendeln. In Heft 14 des Jahrganges 1914 der Werkstattstechnik wird ein Doppelpendelapparat von A. Lebert beschrieben, bei dem das Ausbalanzieren während der Drehung durch ein statisches Verfahren ersetzt werden soll (vgl. D. p. J. Bd. 329 S. 626). Es wird nämlich angenommen, daß sich eine an den beiden Pendeln des Apparates aufgehängte Welle, sofern sie an einem Ende eine Schlagseite aufweist, in die durch Abb. 1 gekennzeichnete Lage einstellt. Während das eine Ende, dessen Schwerpunkt mit dem Mittelpunkt zusammenfällt, so hängt, daß sich die Achse senkrecht unter dem Aufhängepunkte befindet, soll das andere, ein Uebergewicht aufweisende Ende einen Auschlag des Pendels verursachen. Walzen mit zwei Schlagseiten müßten nach Annahme Leberts in die durch Abb. 2 gezeigte Lage kommen. Die Begründung hierfür wird in dem Bestreben des Schwerpunktes, sich unter den Aufhängepunkt zu stellen, gesucht. Wie Dr.-Ing. Skutsch-Dortmund nachweist, treffen die genannten Annahmen nicht zu. Der in Abb. 3 dargestellte Körper, welcher dieselbe Massenverteilung wie die Walze mit zwei Schlagseiten zeigt, verhält sich bei Anwendung des Doppelpendelverfahrens genau wie ein Körper ohne Schlagseite. Theoretisch ist dieses Ergebnis durchaus erklärlich. Die Schwerpunkte beider Körper liegen nämlich an derselben Stelle, und, da sich die in den einzelnen Massenpunkten angreifenden Kräfte durch eine Mittelkraft im Schwerpunkt ersetzen lassen, liefert das statische Verfahren nur diese Mittelkraft und den Schwerpunkt. Abgesehen von der zugrunde liegenden irrtümlichen Voraussetzung über die Wirkung der angreifenden Schwerkräfte ist übrigens bei der von Lebert vorgeschlagenen Ausführungsform die angenommene Verstellung auch kinematisch unmöglich sein, weil der auszubalanzierende Körper und die Pendel ein starres Ganze bilden und demzufolge ungleiche oder gar engegengesetzte Ausschläge der beiden Enden überhaupt nicht stattfinden können. (Vgl. Werkstattstechnik 1914 Nr. 4.)

Textabbildung Bd. 330, S. 168
Textabbildung Bd. 330, S. 168
Textabbildung Bd. 330, S. 168

Schmolke.

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Das staatliche Kraftwerk Dörverden. (Erich Block, Hannover. Ver. deutscher Maschineningenieure.) Das für die Speisung des vom Rhein nach Hannover führenden großen Schiffahrtskanals erforderliche Betriebswasser, das die Verluste aus Verdunstung, Versickerung und beim Schleusenbetrieb ersetzen muß, wird dem Kanal hauptsächlich aus zwei Flüssen, der Lippe und der Weser zugeführt, wenn man von der Speisung durch Grundwasser und aus kleinen Bächen absieht, die in den Kanal eingeleitet sind. Die Hauptmenge des Wassers wird aus der Lippe entnommen. Der Lippe brauchen nur 5,4 m3/Sek. belassen zu werden, während der Rest zur Kanalspeisung verfügbar ist. Im ganzen werden nach einer Vorausberechnung 13,65 m3/Sek. benötigt. Hierzu tritt noch der Bedarf der Landwirtschaft für Berieselungszwecke mit 2,5 m3/Sek. Im ganzen sind also dem Kanal höchstens 16,15 m3/Sek. zuzuführen. In einer von Geheimrat Sympher und dem Vortragenden im Jahre 1909 ausgeführten Denkschrift ist die im Höchstfalle aus der Weser zu entnehmende Wassermenge zu 10 m3/Sek. ermittelt. Da zu Niedrigwasserzeiten die Weser diese Mengen ohne empfindliche Störung der Schiffahrt nicht herzugeben vermag, werden, wie beiläufig bemerkt sei, die großen Talsperren an der Eder und Diemel mit zusammen rund 220 Mill. m3 Beckeninhalt errichtet, die bekanntlich auch zur Erzeugung von Wasserkraft ausgenutzt werden. Für die Zuführung des Wassers aus der Weser und Lippe war der Bau eines Zubringers mit natürlichem Gefälle vorgesehen. Der Kanal kreuzt die Weser in einer Höhe von 14 m über dem Niedrigwasserspiegel. Das Wasser mußte daher weit oberhalb der Kreuzung aus der Weser entnommen werden, damit es mit natürlichem Gefälle in den Kanal einfließen kann. Die Kosten dieses Zubringers ergaben sich jedoch bei näherer Prüfung als so hoch, daß es geboten erschien, eine Speisung des Kanals mittels Pumpwerk in Betracht zu ziehen. Ein in der bereits erwähnten Denkschrift ausgeführter Ueberschlag für ein mit Dampf betriebenes Pumpwerk ergab zu hohe Betriebskosten. Nun ist gleichzeitig mit dem Bau des Rhein-Weser-Kanals eine Neuanlage bei Dörverden a. W. erbaut worden, welche den infolge der Weserregulierungen an Wassermangel leidenden Meliorationsgebieten Bruchhausen–Syke–Phedinghausen bei mittlerem Winterwasser 20 m3/Sek., bei mittlerem Niedrigwasser 6 m3/Sek. zuführen soll. Das zu diesem Zwecke errichtete Wehr bringt einen Aufstau der Weser über Niedrigwasser im Winter von 4,14 m, im Sommer von 3,68 m, d.h. ein Gefälle in gleicher Höhe hervor. Es lag nun nahe, die erzeugten Wasserkräfte auch nutzbar zu machen und zu diesem Zweck ein Kraftwerk zu errichten. Die Anlage konnte sich als wirtschaftlich erweisen, da durch den Abschluß eines Stromlieferungsvertrages mit den Landkreisen Verden, Hoya und Neustadt sich eine Möglichkeit ergab, die nach Abzug des zum Pumpen erforderlichen Stroms noch reichlich vorhandenen Mengen an elektrischer Kraft nutzbringend zu verwerten. Daher wurde bestimmt, die zweite Kanalspeisung aus der Wesermittels Pumpwerks bei Minden zu besorgen und zu diesem Zwecke die Stauanlage bei Dörverden mit einem Wasserkraftwerk auszurüsten.

Die Wasserkraft bei Dörverden gibt bei Ausbau in wirtschaftlich zulässigen Grenzen in mittleren Jahren rund 25 Millionen, in besonders trockenen Jahren wie 1904 und 1911 etwa 22 Millionen PS/Std. Jahresarbeit ab, von denen für das Pumpwerk nur rund 13 Mill. PS/Std. verbraucht werden. Es sind also 9 bis 12 Mill. PS/Std. oder 6 bis 8 Mill. KW/Std. jährlich für Stromlieferung an Dritte verfügbar. Die Hebungskosten des Wassers im Kanalpumpwerk betragen dabei einschließlich Zinsen und Abschreibungen nicht ganz 0,1 Pfennig für 1 m3. Die Firma Amme, Giesecke & Konegen Akt.-Ges., Braunschweig, übernahm es, an Stelle der von den anderen an der Ausschreibung beteiligten Firmen vorgeschlagenen sechs Turbinen die verlangte Leistung mit vier Turbinen zu erzeugen, was gegenüber sechs Turbinen eine Ersparnis von rund 250000 M an Baukosten ermöglichte. Die von den Wasserturbinen angetriebenen von den Siemens-Schuckert-Werken in Berlin gelieferten Drehstromgeneratoren werden mit rund 120 Volt erregt und erzeugen Drehstrom von 2000 Volt Spannung bei 50 Perioden/Sek. Die Dampfreserveanlage besteht aus drei Hanomag-Steilrohrkesseln von je 250 m2 Heizfläche für 12 at Ueberdruck mit eingebauten Ueberhitzern von je 64 m2 Heizfläche. Die von der Firma Brown, Boverie & Co. in Mannheim gelieferten Turbogeneratoren haben eine Leistung von 1040 KW bei 3000 Umdrehungen in der Minute.

Die Arbeitsübertragung in der Dampfturbine. Vielfach herrscht Unklarheit über die Art der Arbeitsübertragung in Turbomaschinen. So sind z.B. die Ausdrücke „Aktions- und Reaktionsturbine“ irreführend. Sie lassen sich mit voller Berechtigung durch die gleichfalls üblichen Bezeichnungen „Gleichdruck- und Ueberdruckturbinen“ ersetzen. Denn der charakteristische Unterschied der Maschinengattungen, für die obige Bezeichnungen gebräuchlich sind, besteht darin, daß einmal der Druck vor und hinter dem Laufrad gleich ist, während im anderen Fall beim Durchströmen der Schaufeln ein Sinken des Druckes eintritt, und somit vor dem Laufrad Ueberdruck herrscht. Die Arbeitsübertragung aber findet bei beiden Turbinenarten durch Reaktion statt, wie nachstehende Betrachtung zeigt. Abb. 1 stellt einen gekrümmten Kanal dar, in dem sich das Flüssigkeitsteilchen d m mit der Geschwindigkeit w und der Beschleunigung b bewegt. Letztere, deren Richtung zur Bahn geneigt ist, läßt sich in die Tangentialkomponente bt und die Normalkomponente bn zerlegen. Entgegengesetzt zur Richtung dieser Komponenten treten nach dem d'Alembertschen Prinzip die Reaktionen d C und d T auf. d C = d m . bn, d T = d m bt, so daß die resultierende Reaktion wird. Von Wichtigkeit ist nun die Wirkung in der Richtung X X', der Bewegung des Kanals. Es gilt für die maßgebende Reaktionskomponente |170| d X = d R cos δ = d C sin β + d T cos β – d m bn . sin β + d m bt . cos β. Die Größe von bt und bn findet man durch folgende Ueberlegung. Ein Punkt bewege sich auf gekrümmter Bahn A A' (vgl. Abb. 2). Seine Geschwindigkeit w = ds/dt gehe über in w'. Man muß den Vektor w mit einem Geschwindigkeitsvektor Δ w zusammensetzen, um zu w' zu gelangen. Der Geschwindigkeitsänderung Δ w entspricht der Beschleunigungsvektor b dt, der sich in die Komponenten d w und w d φ zerlegen läßt, wie die Nebenfigur zu Abb. 2 erkennen läßt.

Textabbildung Bd. 330, S. 170
Textabbildung Bd. 330, S. 170

Die Tangentialkomponente ist , die Normalkomponente . Bezeichnet ρ den Krümmungsradius und d s den Bogen A – A', so gilt d s = ρ d φ, . Hiermit sind alle Werte der Hauptgleichung für die Arbeitsübertragung ermittelt. Der Unterschied zwischen Gleich- und Ueberdruckturbine besteht nun darin, daß bei ersteren w unverändert bleibt und somit bt und d T verschwinden. Nur die Richtungsänderung der Geschwindigkeit ruft die Reaktion hervor. Bei Ueberdruckturbinen ändert sich neben der Richtung auch die Größe der Geschwindigkeit. Das Drehmoment sowie der Ausdruck für die Leistung lassen sich in bekannter Weise nach dem Flächensatz ermitteln. Für einen Punkt bzw. Punkthaufen ist das Drehmoment gleich der zeitlichen Aenderung des statischen Momentes der Bewegungsgröße. Sind die absoluten Geschwindigkeiten von d m beim Ein- und Austritt aus dem Kanal einer den allgemeineren Fall darstellenden Radialturbine c1 bzw. c2, so ist, wie Abb. 3 erkennen läßt, die Aenderung des Momentes der Bewegungsgröße d B = dm . (c1 r1 cos α1 + c2 r2 cos α2). Es ist ferner d m = M dt, wenn M gleich der Masse derin der Zeiteinheit durch das Laufrad strömenden Dampfmenge ist. Somit gilt für das Drehmoment . Die Leistung am Radumfang ist Lu = M ω = M (c1 u1 . cos α1 + c2 u2 . cos α2). Sie wird bei 1 kg Dampf in der Sekunde . Die gewonnenen Ausdrücke berücksichtigen nur den mittleren Stromfaden. Bei den kleinen Abmessungen der Laufradschaufeln einer Dampfturbine in Verhältnis zum Raddurchmesser liefert indessen die entwickelte Theorie praktisch brauchbare Werte. Weitergehende Untersuchungen ergeben schwierigere Ausdrücke und leiden dennoch an dem Fehler, daß Wirbelungen, Undichtigkeitsverluste usw. rechnerisch nicht berücksichtigt werden können. Die Abb. 1 und 3 sind dem Werk Zerkowitz „Thermodynamik der Turbomaschinen“, Abb. 2 dem in der Sammlung Göschen erschienenen Abriß der Kinematik von Polster entnommen.

Textabbildung Bd. 330, S. 170

Schmolke.

Die Feuchtigkeit der Luft. (Otto Marr, Gesundheits-Ingenieur 1915 Nr. 7 und 8.) Marr weist in der Einleitung auf das Wärmewertdiagramm von O. H. Müller hin aus dessen Aufsatz „Ueber Rückkühlanlagen“ V. d. I. 1905 Heft 1, ferner auf die im gleichen Jahre von Karl Reyscher, Bielefeld, erschienene Abhandlung über den Wert von Kurventafeln für den Bau und die Untersuchungen von Trockenanlagen. Außer der von Marr erwähnten Arbeit erschien 1914 von Reyscher bei Jul. Springer, Berlin, „Die Lehre vom Trocknen in graphischer Darstellung“, welche noch ausführlicher den Wert der Kurventafeln behandelt. Solche und ähnliche Kurventafeln lassen sich noch für viele andere Zwecke benutzen, u.a. zur Feststellung des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft aus den Ablesungen am trocknen und am feuchten Thermometer von sogenannten Psychrometern. Zur Aufzeichnung solcher Kurven ist jedoch unbedingt die Kenntnis des Wärmewertes erforderlich, welchen die Luft je nach ihrer Temperatur und ihrem Gehalt an Feuchtigkeit aufweist, bei der Pressung, unter welcher sie sich befindet, wobei im Auge behalten werden muß, daß feuchte Luft stets eine Mischung von reiner Luft und Wasserdampf, beide vollkommen trocken gedacht, darstellt. Als Gesamtspannung dieser zwei Gase wird in den sogenannten Feuchtigkeitstafeln und_–kurven durchgängig der mittlere |171| Druck der äußeren Atmosphäre mit 760 mm Q.-S. zugrunde gelegt.

Für andere Pressungen sind Umrechnungen und neue Aufzeichnungen nötig, doch kann man bei dem in Wirklichkeit sehr schwankenden Luftdruck hiervon meistens absehen, ohne einen wesentlichen Fehler zu begehen.

Die Zustandsänderungen beziehen sich dann nur noch auf Temperatur, Feuchtigkeitsgehalt und Wärmewert der Luft, die jedoch derartig voneinander abhängig sind, daß durch zwei dieser Größen immer die dritte mitbestimmt ist, bzw. auch noch eine vierte, wenn als solche der Sättigungsgrad aufgefaßt wird. Diese Abhängigkeit scheint jedoch bisher wenig gewürdigt zu werden, obgleich sie durchaus nicht unbekannt ist, sie tritt klar zutage bei graphischer Darstellung.

Für die praktische Benutzung bequemer sind dagegen Zahlentafeln, zumal da in der Regel mehrere Kurventafeln vorliegen müssen von oft recht unbequemen Abmessungen, um selbst einfachere Fragen mit ausreichender Genauigkeit lösen zu können. Zur bequemen Lösung von Aufgaben, welche irgendwie die Wärmeverhältnisse atmosphärischer Luft betreffen, werden deshalb acht Zahlentafeln angegeben, sowie auf die hohe Wichtigkeit hingewiesen, welche der Unterscheidung zwischen Wärmewert und Temperatur beizumessen ist.

Die Werte der angegebenen Zahlentafeln beziehen sich auf:

  • 1. Sattdampf oder gesättigter Dampf bis zu 100° C.
  • 2. Gewicht, Dichtigkeit und Wassergehalt der Luft bei 760 mm Barometerstand.
  • 3. Teildruck des Dampfes in feuchter Luft von 760 mm Pressung, gemessen in mm Q.-S., wenn deren Sättigung 5 bis 100 v. H. beträgt.
  • 4a. Raum in m3, welche 1 kg feuchte Luft bei 760 mm Barometerstand einnimmt.
  • 4b. Gewicht von 1 m3 feuchter Luft bei 760 mm Barometerstand in Gramm.
  • 5. Wärmewerte in WE und Wassergehalt in Grammen von feuchter Luft mit 760 mm Gesamtspannung (Barometerstand bezogen auf 1 kg des darin enthaltenen Anteils an reiner (trockener) Luft).
  • 6. Raumeinnahme von 1 kg des Anteils an reiner Luft in Luftgemischen, welche bei 760 mm Barometerstand mit 0 bis 100 v. H. Feuchtigkeit gesättigt sind.
  • 7. Raumeinnahme in m3 des 1 kg Wasser enthaltenden Luftgemisches von 760 mm Pressung.

In dem Artikel werden ferner die Formeln mitgeteilt, aus denen sich für einen von 760 mm Q.-S. abweichenden Druck ρa das Volumen der Luft für das kg, ferner der entsprechende Feuchtigkeitsgehalt und endlich der Wärmewert bei der Spannung ρa bestimmen.

Am Schlusse werden als Beispiele zur Benutzung der angegebenen Tabellen, die Entnebelung eines Shedbaues, Beheizung eines Spinnsaales, der Wärmebedarf für die Lüftung eines Kaufhauses, sowie die Abkühlung von Wasser von + 35° C auf + 28° C für ein Kühlwerk durchgerechnet, stets unter Berücksichtigung mehrerer Zustände der Außenluft.

Otto Brandt.

Reversiermotorantrieb für Karusselldrehbänke. Wenn ein bogenförmiges oder segmentartiges Werkstück zu bearbeiten ist, so geschieht dies auf einer Karusselldrehbank. Hierbei wird ein Stück, das beispielsweise nur einen Hub von 300 mm erfordert, häufig auf eine Maschine mit einem Tischumfange von 1800 mm gespannt, so daß sie also Fünfsechstel der Zeit leer läuft und sich ein beträchtlicher Zeitverlust für jeden Schnitt ergibt. Als Beispiel mag hier angeführt sein das Schlichten von Lokomotivtreibrädern, bei denen das Gegengewicht zuweilen über die Achsennabe und den Kurbelzapfen hervorragt. Diese Nabe wird auf einer Karusselldrehbank bearbeitet, und diese Arbeit erfordert nur einen geringen Schnitt. Um den damit bisher verbundenen Uebelstand zu beseitigen, ist für solche Karusselldrehbänke von der Electric Controller & Manufacturing Co., Cleveland, Ohio, ein reversierbarer Antrieb auf den Markt gebracht worden.

Textabbildung Bd. 330, S. 171

In der beigefügten Abbildung ist der Antrieb veranschaulicht, wie er an einer großen wagerechten Plandrehbank angebracht ist. Diese Maschine ist mit einem nach Belieben reversierenden oder nicht reversierenden Kontroller ausgerüstet und hobelt auf unserm Bilde eine T-Nute in ein Werkstück, das einen Winkel von 120° besitzt. Die Reversierschaltung wird durch Anschläge bewirkt, die am Tisch befestigt sind und den Motor umsteuern, wobei das angewandte Prinzip also das gleiche ist wie beim Reversierantrieb einer Hobelmaschine. Für das Ein- und Ausschalten des Kontrollers ist ein Druckknopf am Ständer der Maschine angebracht, und zwar im bequemen Handbereich des Maschinisten. Wenn das Werkzeug in einem Winkel von 180° oder mehr schneidet, ist die angewandte Steuerung nicht reversierender Art.

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Nachdem man auf den Schaltknopf gedrückt hat, wird der Motor in der einen oder anderen Richtung angelassen, und zwar mit vier selbsttätigen Beschleunigungsstufen. Um den Rücklauf mit größerer Geschwindigkeit bewirken zu können als den Vorschub, wird ein Stufenmotor angewandt und eine dynamische Bremsung dient dazu, den Motor schnell stillzusetzen. (Iron Age.)

Wk.

Ueber Kraftbedarf von Saugzuganlagen. Es ist unmöglich, allgemein gültige Angaben über den Kraftbedarf eines bestimmten Saugzugsystems zu machen. Die Größe der Widerstände in den Rauchgaszügen, die Güte der Ausführung, die Wahl des Antriebes, die Anordnung der Saugzuganlage usw. sind einflußreiche Faktoren, die bei Kesseln von gleicher Leistung in sehr verschiedener Weise in Rechnung gestellt werden müssen. Unzweifelhaft hat die indirekt wirkende Anlage den Vorzug, daß der Raumbedarf des Ventilators, der mit der Abgasmenge nicht in Berührung kommt, nur gering ist. Die Vorrichtung läßt sich daher an passender Stelle nahe am Kessel anbringen, während bei direkt wirkender Anlage oft ein Gebäudeanbau erforderlich wird. Dies hat zur Folge, daß die zu überwindenden Widerstände wachsen, ein Uebelstand, der durch andere Umstände, z.B. die notwendigen Umstellklappen, noch vermehrt wird. Ebenso spricht für die indirekt wirkende Saugzuganlage der Umstand, daß das Eintreten von Nebenluft vermieden und die zu fördernde Gasmenge geringer wird. Auch kann man, sofern der Ventilator in eine vorhandene Schornsteinanlage eingebaut wurde, die Abgase unmittelbar aus dem Rauchkanal in den Schornstein treten lassen. Demgegenüber muß man bei direkt wirkenden Anlagen die Druckwiderstände berücksichtigen, besonders, wenn die Verbindung der Ausblaseöffnung des Ventilators mit dem Schornstein Krümmungen erhalten muß. Ferner ist als Nachteil zu betrachten, daß der Heizer beim Arbeiten mit natürlichem Zug und geringem Dampfbedarf einige Schieber und Umstellklappen einstellen muß, welche Arbeit er sich zum Nachteil der Wirtschaftlichkeit des Betriebes gern spart. Bei einer indirekt wirkenden Anlage fällt dieser Uebelstand fort. Auch sind die Widerstände, die bei Benutzung des natürlichen Zuges überwunden werden müssen, infolge der geringen Länge der einfach angeordneten Rauchkanäle unbedeutend. Endlich soll man nicht vergessen, daß der Kraftbedarf allein für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Anlage nicht ausschlaggebend ist. (O. Brandt in Zeitschrift für Dampfkessel und Maschinenbetrieb Nr. 11 1915.

Schmolke.

Massenausgleich bei Verbrennungskraftmaschinen. (Vortrag von H. F. Fullagar, Newcastle on Tyne, auf der Versammlung der Institution of Mechanical Engineers, nach der Zeitschrift Engineering 1914 S. 103 bis 105.) Bei solchen Maschinen ist ein guter Ausgleich schwerer zu erreichen als bei Dampfmaschinen. Durch die starke Drucksteigerung, die durch die schnelle Verbrennungder Ladung entsteht, wird bei Verbrennungskraftmaschinen ein vielfach größerer Druck auf den Arbeitskolben ausgeübt als bei Dampfmaschinen, bei denen eine allmählich ansteigende und gleichmäßige Drucksteigerung stattfindet. Für den Antrieb von Fahrzeugen aller Art durch Verbrennungskraftmaschinen müssen diese einen sehr guten Massenausgleich erhalten, um Erschütterungen zu vermeiden. Deshalb versucht man besonders hier durch entsprechende Anordnungen, die durch Beschleunigung der umlaufenden und der hin- und hergehenden Triebwerkteile entstehen, die Massenkräfte gegeneinander auszugleichen, so daß keine nach außen wirkenden freien Kräfte übrig bleiben. Rotierende Maschinenteile können ohne Schwierigkeiten ausgeglichen werden. Bei den hin- und hergehenden Teilen sind die Massenkräfte erster Ordnung auszugleichen, die dann auftreten, wenn diese Teile rein harmonische Bewegungen ausführen, d.h. bei unendlich lang gedachter Schubstange, und ferner Massenkräfte zweiter Ordnung, die durch die endliche Länge der Schubstangen entstehen.

Textabbildung Bd. 330, S. 172
Textabbildung Bd. 330, S. 172
Textabbildung Bd. 330, S. 172

Ein vollkommener Massenausgleich, bei dem also die Massenkräfte erster und zweiter Ordnung vollständig ausgeglichen sind, läßt sich sehr schwer und nur bei bestimmten Anordnungen der Zylinder erreichen. Wenn die Schubstangen genau entgegengesetzt gerichtet und zu beiden Seiten der Kurbelwelle angeordnet sind, wie dies Abb. 1 zeigt, so läßt sich ein vollkommener Massenausgleich erreichen. Dabei kann sich die Kurbelwelle drehen und die Zylinder still stehen, oder auch bei stillstehender Kurbelwelle sind umlaufende Zylinder angeordnet. Diese Anordnung findet ihre Anwendung bei Flugzeugmotoren. Eine Anordnung der Zylinder in V-Form ist bereits in D. p. J. Bd. 330 S. 145 Abb. 1 beschrieben, und hier ist auch eine genaue Untersuchung des Massenausgleiches ausgeführt.

Der Massenausgleich allein vermag aber noch nicht einen erschütterungsfreien Gang der Maschine zu erzielen. |173| Um dies zu erreichen, müssen die Arbeitszylinder in bezug auf die Kurbelwelle so angeordnet sein, daß keine Kräfte auf das Fundament einwirken können, oder daß sich die auftretenden Kräfte gegenseitig ausgleichen. Es ist dann keine Kraft mehr vorhanden, die eine Verschiebung des Schwerpunktes der Maschine gegenüber dem Fundament hervorrufen kann. Wenn bei einer Maschine nach Abb. 1 die Arbeitszylinder sich gegenüberliegen, und in beiden zu gleicher Zeit eine gleich große Lademenge zur Verbrennung kommt, dann treten hier keine Kräfte auf, die die Maschine in ihrer Lage zu verschieben suchen. In noch besserer Art wird dies bei der Gegenkolbenmaschine nach Abb. 2 erreicht, weil hier die Drücke auf die beiden Arbeitskolben ohne weiteres einander gleich sind und gleichzeitig wirken. Bei den bekannten Zweitakt- Gegenkolbenmaschinen (Oechelhäuser- und Junkers-Maschinen) mit dreifach gekröpfter Kurbelwelle gleichen sich die Arbeitsdrücke dementsprechend auch ohne weiteres aus, ein Ausgleich der kleinen Massenkräfte zweiter Ordnung findet nicht statt. Eine weitere Umbildung des äußeren Getriebes der bekannten Gegenkolbenmaschinen stellt die Fullagar-Maschine (D. p. J. Bd. 330 S. 44 Abb. 1 und 2) dar. Bei dieser Maschine sind stets je zwei Arbeitszylinder mit je zwei Arbeitskolben miteinander verbunden. Zwillings-Tandem-Gegenkolbenmaschinen Bauart Junkers und Vierzylinder-Fullagar-Maschinen können so angeordnet werden, daß bei vollständigem Ausgleich der Arbeitsdrücke auch ein vollkommener Ausgleich der Massenkräfte erster und zweiter Ordnung erreicht wird.

Einen vollkommenen Ausgleich aller überhaupt auftretenden Kräfte erhält man durch Anordnung einer Maschine nach Abb. 3. Es sind hier in einem Zylinder zwei Gegenkolben angeordnet, die auf zwei an den beiden Enden des Zylinders angeordneten Kurbelwellen wirken. Diese Kurbelwellen haben entgegengesetzten Drehsinn. Um ein gleichmäßiges Zusammenarbeiten der beiden Kurbelwellen sicher zu erhalten, muß eine Querwelle mit Schraubenrädern oder Kegelrädern, oder eine Kette mit Stirnrädern vorgesehen werden. Durch eine solche Zweiwellenanordnung wird die gyrostatische Wirkung des Propellers, die sich besonders bei Flugzeugen bemerkbar macht, beseitigt.

W.

Apparat zum Messen und Prüfen von Zahnrädern. Dieser wenig bekannte Apparat wird mit bestem Erfolg angewandt. Es können damit Unterschiede im Durchmesser und in der Exzentrizität von 1/100 mm festgestellt und die Vollkommenheit der Zahnradübersetzung eines Zahnräderpaares genau geprüft werden.

Die gußeiserne Unterlagsplatte trägt eine Reguliervorrichtung, auf der zwei Schlitten verschiebbar angeordnet sind, die beide einen genau bearbeiteten Zapfen tragen, auf den die zu prüfenden Zahnräder aufgesteckt werden; der eine auf der rechten Seite der Abbildung kann durch eine Gewindespindel verschoben werden, um den Abstand der zu prüfenden Zahnräder festzustellen; der andere kann nur einen kleinen Hub vollführen, undda er durch eine Feder zurückgezogen wird, überträgt er seine beträchtlich vergrößerte Bewegung auf eine Skala, die auf der Vorderseite des Gestells angebracht ist.

Textabbildung Bd. 330, S. 173

Die Abbildung stellt einen Längsquerschnitt des ganzen Apparates dar, aus der deutlich ersichtlich ist, wie die Skala übertragen wird, die genau die Exzentrizitätsunterschiede und Fehler in der Verzahnung angibt. Für die Prüfung der Unterschiede in der Exzentrizität ist es zweckmäßig, das zu messende Rad auf einen Zapfen zu stecken und auf den anderen anstatt eines Musterrades ein Stück davon, das einen einzigen Zahn darstellt, den man nacheinander mit allen Zähnen des zu prüfenden Rades in Eingriff bringt; durch Beobachtung der Stellung, die der Zeiger je nach den Maßen jedes Zahnes einnimmt, kann man die Exzentrizität genau feststellen. (Industria.)

W.

Die Strahlablenkung im Schrägabschnitt einer Dampfturbinen düse. Obgleich die Vorgänge beim Ausfluß von Gasen oder Dämpfen aus Düsen schon oft der Gegenstand eingehender Untersuchungen waren, ist es bisher nicht gelungen, völlige Klarheit auf diesem Gebiete zu erzielen. Dadurch erklärt es sich, daß erst in letzter Zeit der Gedanke entstand, beim Bau von Dampfturbinen die Laval-Düsen unter gewissen Verhältnissen durch Zölly-Mündungen zu ersetzen, mit denen Austrittsgeschwindigkeiten bis zu 800 m, also Ueberschallgeschwindigkeit, erzielt werden können. Diese durch Versuche erwiesene Tatsache ist durch Weiterexpansion des Dampfes im Schrägabschnitt zu erklären. Hier findet auch eine Ablenkung des Dampfstrahles statt, die bei Ausnutzung der wertvollen Eigenschaften der Zölly-Düse nicht unberücksichtigt bleiben dürfte. Die Möglichkeit einer rechnerischen Verfolgung der genannten Erscheinungen wurde durch Dr. Th. Meyer gegeben, der sich die Aufgabe stellte, die Strömungsvorgänge bei einem mit Ueberschallgeschwindigkeit um eine stumpfe Ecke fließenden Gase zu untersuchen. Er findet, daß bei konvexer Ecke Expansion in einem keilförmigen Gebiet eintritt, während bei konkaver Ecke ein Verdichtungsstoß auftritt. Beim ersteren Vorgang ergeben sich Druck und Geschwindigkeit auf jedem Radiusvektor unveränderlich, beim anderen Vorgang ergibt sich eine Abgrenzung der Druckgebiete, innerhalb deren überhaupt ein Verdichtungsstoß möglich ist. Die hieraus zu ziehenden Folgerungen erweisen sich in befriedigender Uebereinstimmung mit |174| dem Versuch. (Heft 62 der Mitteilungen über Forschungsarbeiten des Vereins deutscher Ingenieure.)

Schmolke.

Untersuchung und Wertbestimmung des Graphits. Die Verwendung des Graphits für die verschiedensten Zwecke der Technik hat es mit sich gebracht, daß die Anforderungen, die man an dieses Material bezüglich seiner Beschaffenheit und Zusammensetzung stellt, sehr verschieden sind. Gleichwohl verlangt man von einem jeden Graphit, daß er möglichst viel der eigentlichen Graphitsubstanz und möglichst wenig fremde Beimengungen, wie sulfidische und Aschenbestandteile, enthält. Namentlich kann man zur Herstellung von Schmelztiegeln nur sehr aschearme Graphite benutzen, während die Graphite für die Bleistiftfabrikation sowie die als Schmiermittel verwendeten wiederum ganz bestimmte morphologische Eigenschaften aufweisen müssen.

Ueber die Wege, die zur Beurteilung und Wertbestimmung eines Graphits eingeschlagen werden müssen, berichten Ed. Donath und A. Lang in Stahl und Eisen (Jahrg. 34, S. 1757).

Als fälschende Zusätze zu Graphit kommt in erster Linie Koks in Betracht, dann auch Ruß und Retortenkohle. Seltener wird Braun- oder Steinkohle, Anthrazitund Holzkohle angetroffen. Auf Grund der spezifischen Eigenschaften dieser einzelnen Zusatzmittel, deren Reaktionen die Verfasser in nebenstehender Uebersichtstafel mitgeteilt haben, ist von ihnen ein sehr bemerkenswerter Vorschlag zur Analyse des Graphits gemacht worden.

Die qualitative Untersuchung beginnt mit der Prüfung auf Braun- und Steinkohle. Behandelt man die Probe mit verdünnter Salpetersäure, so ist bei Gegenwart von Braunkohle das Filtrat gelb bis braunrot gefärbt. Bei Abwesenheit von Braunkohle prüft man die trockene Substanz durch Erhitzen im Kölbchen. Ist Steinkohle zugegen, so wird dies durch Auftreten charakteristisch riechender Destillationsgase, die auf Lakmuspapier meist alkalisch reagieren, einwandfrei erwiesen. Noch sicherer gelingt jedoch der Nachweis von Steinkohle durch Extraktion mit Benzol, das hierdurch gelb gefärbt wird und fluoresziert. Uebrigens läßt sich schon von vorn herein auf die Abwesenheit von Braun- und Steinkohle schließen, wenn auf die Probe gegebene konzentrierte Salpetersäure ungefärbt bleibt. Ist eins dieser Zusatzmittel vorhanden, so wird sie dagegen braunrot gefärbt.

Bei Abwesenheit von Braun- und Steinkohle wird der Graphit eine Stunde lang mit verdünnter Kaliumpermanganatlösung erhitzt, die Lösung durch Glaswolle

Reaktionserscheinungen bei der Prüfung von Graphit und seiner möglichen Fälschungen.

Textabbildung Bd. 330, S. 174
|175|

filtriert und mit Natriumsulfit entfärbt. Läßt sich in dieser Lösung mit Hilfe von Chlorkalzium Oxalsäure nachweisen, so war Anthrazit zugegen. Stellt sich jedoch der hierbei gebildete Niederschlag als Carbonat heraus, so ist dies ein Zeichen dafür, daß der Graphit mit Koks verfälscht war.

Ruß wird durch Gelbfärbung des Petrolätherextraktes nachgewiesen. Zur Prüfung auf Retortenkohle wird die Probe mit entwässertem Natriumsulfat im Platintiegel bis zur Sinterung erhitzt und die Masse mit wenig Wasser ausgelaugt. Fällt auf Zusatz von Bleiessig Schwefelblei aus, so ist damit der Beweis für eine Beimengung von Retortenkohle erbracht.

Die quantitative Untersuchung des Graphits hat sich mit der Bestimmung des Kohlenstoffes, des Gesamtschwefels und der Asche zu befassen. Da die Bestandteile der Asche bei den hohen Temperaturen, denen Schmelztiegel ausgesetzt werden, leicht zur Sinterung führen, so ist auch oft eine Bestimmung dieser erforderlich, namentlich ihres Gehaltes an Eisenoxyd und an Alkalien.

Die Bestimmung des Kohlenstoffs erfolgt in der bekannten Weise durch Verbrennung im Sauerstoffstrom, die des Schwefels nach der Methode von Eschka oder von Brunk, und die Aschenanalyse analog der Tonanalyse.Die Verfasser haben durch Erhitzen von Proben im elektrischen Ofen auch die Verbrennlichkeit verschiedener Graphite untersucht und dabei folgende Zahlen für den Glühverlust, der hierfür einen Maßstab bietet, gefunden.

Der Glühverlust betrug bei

1. Ceylongraphit

bei 700° 14,22 v. H., d. i. 22 v. H. vom Gesamtglühverl.
800° 27,97 44
900° 33,43 52
1000° 38,59 60
1100° 40,00 63
1200° 61,52 97
1300° 59,84 94

2. einem mährischen Graphit

bei 700° 29,75 v. H., d. i. 91 v. H. vom Gesamtglühverl.
800° 32,11 99
900° 32,44 100

3. einem Graphit unbekannter Herkunft

bei 700° 23,41 v. H., d. i. 41 v. H. vom Gesamtglühverl.
800° 40,03 70
900° 43,32 77
1000° 44,12 78
1100° 56,61 100
|176|

4. einem Retortengraphit

bei 600° 5,59 v. H., d. i. 5,6 v. H. vom Gesamtglühverl.
700° 13,44 13,6
800° 74,05 74,8
900° 99,05 100

5. einem geschlämmten sibirischen Graphit

bei 700° 18,36 v. H., d. i. 20 v. H. vom Gesamtglühverl.
800° 77,75 84,5
900° 92,00 100

6. einem böhmischen Graphit

bei 700° 9,87 v. H., d. i. 11,2 v. H. vom Gesamtglühverl.
800° 11,94 13,6
900° 17,48 20,0
1000° 58,70 66
1100° 89,19 100

während er betrug bei Koks

bei 700° 68,19 v. H., d. i. 77 v. H. vom Gesamtglühverl.
800° 89,53 100

Weiter wurden zur Beantwortung der Frage, welche der erwähnten Beimengungen die Feuerbeständigkeit vermindern, verschiedene Proben von Ceylongraphit mit abwechselnd 10 v. H. Koks, Azetylenruß, Retortengraphit, Anthrazit und Holzkohle vermischt, diesen Proben je ⅓ ihres Gewichts Ton beigefügt und die erhaltenen Gemenge zu Zylindern gepreßt. Nach einstündigem Brennen bei 1200° fanden die Verfasser folgende Zahlen für die Glühverluste, die zeigen, wie stark die Güte des Graphits durch die Verunreinigungen beeinträchtigt wird:

Ceylongraphit




(rein)
gemengt




mit




Koks
Retortenkohle
Anthrazit
Azetylenruß
Holzkohle
15
21
29
53
33
49
v. H.




Glühverlust

Loebe.

Ueber Lasthebemagnete. Infolge der wachsenden Anforderungen der Eisenhüttenindustrie haben die Hebezeuge zur Bewegung und Verladung großer Eisenmassen in den letzten Jahren eine immer größere Vervollkommnung erfahren. Als neues wichtiges Hilfsmittel auf diesem Gebiete ist der Lasthebemagnet in den praktischen Betrieb aufgenommen worden. Er wird sowohl bei der Bewegung und Verladung der fertigen Walzwerkserzeugnisse, wie Schienen, Träger, Bleche usw., als auch zum Transport von Rohblöcken bis zu den größten Gewichten und vorgewalzten Blöcken verwendet.

Der Lasthebemagnet besteht der Hauptsache nach aus einem Gehäuse, der in einem besonderen Gehäuse eingeschlossenen Spule und den Polen. Das Gehäuse besteht aus bestem Spezialmagnetstahl. Die Wicklung liegt wasserdicht in dem zweiten Gehäuse und ist durch eine besondere Vorrichtung nachgiebig gelagert. Zur Herstellung der Spule verwendet man sowohl Kupfer- wie Aluminiumdraht. Doch ist im letzteren Falle wegen der geringeren Leitfähigkeit des Aluminiums der Stromverbrauchungefähr 20 v. H. größer. Die Spule wird im Vakuum getrocknet, und danach eine bestimmte Isoliermasse hineingepreßt. Der Magnet wird mit Steckkontakt ausgerüstet. Er selbst kann an jedem Hebezeug mittels Ketten aufgehängt werden.

Textabbildung Bd. 330, S. 176
Textabbildung Bd. 330, S. 176

Die sonstige Form gestattet die Verwendung des Magneten in der Eisenhütte zum Heben einer Fallwerkskugel (Abb. 1), zum Transport von Roheisenmasseln (Abb. 2), Blöcken (Abb. 3), Schrott (Abb. 4) usw. Wird der Schrott packetiert, so übernimmt der Hebemagnet nicht nur das Einfüllen des Schrotts in die Packetierpresse, sondern kann auch die aus dem Preßkasten ausgestoßenen Packete aufnehmen und in die Beschickungsmulden absetzen. Auch die Schwierigkeit der Bewältigung von Blechen durch mechanische Vorrichtungen kann man durch Verwendung des Hebemagneten umgehen. Bei der Verladung von Trägern, Schienen usw. werden an ein starr geführtes Gehänge mehrere Magneten angeordnet, um sicheres Festhalten zu erzielen.

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Die Tragfähigkeit eines Hebemagneten stellt sich etwa folgendermaßen:

Maximale Tragfähigkeit bei
Panzerplatten 25000 kg
Blöcken 10000 „
Schienen 5000 „
gutem Kernschrott 1500 „
Masseln und Gußbruch 1000 „
Gußspähnen 800 „
schwedischem Erz 800 „
Fallwerkskugeln 8000 „
Textabbildung Bd. 330, S. 177
Textabbildung Bd. 330, S. 177

Die Stromkosten betragen in deutschen Hüttenwerken bei 60 bis 90 Spielen in der Stunde etwa 1,50 M für zehn Stunden. Dabei werden bei der Verwendung zum Schrotttransport auf dem Schrottlager sechs bis zehn Mann, die sonst mit dem Verladen beschäftigt sind, frei.Bei 5,50 M Tagelohn macht das für die Schicht rund 30 bis 50 M oder 9000 bis 15000 M im Jahre Ersparnis, wenn man annimmt, daß sich die Verladung des Schrotts und die Füllung der Mulden auch für den Nachtbetrieb wie am Tage ausführen läßt. Aehnliche Ersparnisse lassen sich bei der Verwendung des Hebemagneten zum Transport von Roheisenmasseln erzielen. (Schiffbau 1914, S. 126.)

Loebe.

Verein deutscher Eisenportlandzement-Werke E. V. Am 26. Februar 1915 fand in Köln die diesjährige Hauptversammlung des Vereins deutscher Eisenportlandzement-Werke E. V. statt. Im abgelaufenen 14. Geschäftsjahr blieb die Gesamterzeugung der dem Verein angehörenden Werke nur um etwa 11 v. H. hinter der des Vorjahres zurück, was in Anbetracht der fünf Kriegsmonate als günstig bezeichnet werden muß.

Von wichtigen Vorgängen ist in erster Linie die vom Minister jetzt ausgesprochene Gleichstellung des Eisenportlandzements mit dem Portlandzement hervorzuheben. Die beim Minister der öffentlichen Arbeiten beantragten und von dem Königlichen Materialprüfungsamt zu Berlin-Lichterfelde durchgeführten Lufterhärtungsversuche mit sämtlichen Vereinszementen gelangten im Vorjahre zum Abschluß. Der günstige Ausfall hat den Minister der öffentlichen Arbeiten zu Beginn des neuen Jahres veranlaßt, die unbeschränkte Zulassung des Eisenportlandzements zu allen öffentlichen Bauausführungen zu verfügen. Eine besondere Prüfung auf Lufterhärtung, die aus dem Erlaß vom Jahre 1909 herausgelesen werden konnte und nach dem Eisenbetonerlaß vom Jahre 1913 sogar vorgeschrieben war, ist also in Zukunft unnötig.

Von Rostversuchen des deutschen Ausschusses für Eisenbeton oder genauer gesagt, den Versuchen über das Verhalten von Eisen im Eisenbeton mit Schlackengehalt des Bindemittels, liegen die 45-tägigen Ergebnisse vor, Der Eisenportlandzement hat sich bisher in bezug auf das Rosten der Eiseneinlagen keinesfalls ungünstiger gestellt wie der Portlandzement.

Auch die Seewasserversuche der Kommission zur Untersuchung der Verwendbarkeit von Hochofenschlacke zu Betonzwecken, bei denen ein Portlandzement und ein Eisenportlandzement in Verbindung mit Stückschlacke auf ihre Widerstandskraft gegen Seewasser geprüft werden, haben ein gleiches Verhalten der beiden Zementarten erkennen lassen.

Der Ausschuß für Beton versuche im Moor hat im verflossenen Jahr die zwei Jahre alten Betonpfähle besichtigt. Nennenswerte Angriffe wurden bei keinem der zum Teil mit Portlandzement und zum Teil mit Eisenportlandzement ausgeführten Körper festgestellt.

Praktische Winke für Schiedsverträge. Der hohe Wert des Schiedsgerichtswesens wird bei weitem noch nicht von allen Seiten anerkannt. Ein Hauptgrund liegt darin, daß mit der Fällung des Schiedsspruches das Schiedsverfahren noch nicht beendet ist, sondern daß |178| nunmehr erst das langwierigste und teuerste Verfahren beginnt.

Nach § 1039 der Zivilprozeßordnung ist der Schiedsspruch, nachdem er unter Angabe des Tages der Abfassung von sämtlichen Schiedsrichtern unterschrieben ist, den Parteien in einer von den Schiedsrichtern unterschriebenen Ausfertigung zuzustellen, und unter Beifügung der Beurkundung der Zustellung auf der Gerichtsschreiberei des zuständigen Gerichtes niederzulegen.

Aber noch nicht genug damit, nach § 1042 ist die Zwangsvollstreckung aus einem Schiedsspruch erst zulässig, wenn ein Vollstreckungsurteil erwirkt ist. Es ist also nunmehr eine neue Klage auf Erlaß eines Vollstreckungsurteiles nötig, und diese Klage kann außerordentlich kompliziert werden, wenn der Gegner damit eine Widerklage auf Aufhebung des Schiedsspruchs verbindet.

Ein flüchtiger Blick auf diese Bestimmungen zeigt, mit welchen Schwierigkeiten es zuweilen verknüpft ist, eine gefällte Schiedsgerichtsentscheidung zur Vollstreckung zu bringen.

Zunächst sind große Kosten nötig, da das Vollstreckungsurteil nur im Wege der Klage erwirkt werden kann, und diese Klage je nach der Höhe des Objektes dieselben Gerichts- und Anwallskosten verursachen kann, wie wenn von vorn herein statt beim Schiedsgericht beim ordentlichen Gericht geklagt wäre.

Es wird ferner viel Zeit verloren, da die Klage auf Erteilung des Vollstreckungsurteiles und auf Aufhebung des Schiedsspruches in keiner Weise beschränkt ist, es kann also eine solche Klage durch alle Instanzen hindurchgehen, sie kann zurückverwiesen werden, und schließlich ist es zweifelhaft, ob nicht etwa der Schiedsspruch aufgehoben wird. Dann muß der Kläger noch einmal sein Recht vor dem ordentlichen Gericht suchen.

Schließlich enthält der § 1039 ZPO seine Klippen, da die Erfüllung der Formalien nicht immer einfach ist, und zumal dann, wenn der Obmann des Schiedsgerichtes kein Jurist ist, sehr leicht Versehen vorkommen können, die nachher zur Aufhebung des Schiedsspruches führen.

So lange durch eine Aenderung der Gesetzgebung diesen Uebelständen gegenüber nicht Abhilfe geschafft wird, sind die Parteien zur Selbsthilfe genötigt. Eine solche Selbsthilfe bietet sich leicht im Wege der privaten Vereinbarung und der Verknüpfung des Schiedsspruches mit einer Vertragsstrafe.

Das Wichtigste ist, daß die Parteien vereinbaren, daß der Schiedsspruch sofort nachdem er gefällt ist, oder mit einer kurz begrenzten Wartefrist erfüllt werden muß, gleichviel ob gegen die Gültigkeit des Schiedsspruches Einwendungen erhoben werden oder nicht. Allerdings läßt sich die Erfüllung dieser Vereinbarung nicht unmittelbarerzwingen, da, wie gesagt, die Vollstreckung des Schiedsspruches von dem Erlaß des rechtskräftigen Vollstreckungsurteiles abhängig ist. Es ist übrigens zweifelhaft, ob aus solcher besonderen Vereinbarung nicht auch eine besondere Pflicht erwächst, deren Erfüllung dann allerdings beim ordentlichen Gericht im Wege der Klage nachgesucht werden müßte, was jedenfalls schnell gehen dürfte.

Viel wirksamer ist dagegen die Vereinbarung einer Vertragsstrafe, falls nicht der Schiedsspruch vereinbarungsgemäß stets nach der Rechtskraft bereits nach Fällung erfüllt wird. Die Vertragsstrafe wird mit dem Augenblick der Zuwiderhandlung fällig, und nun kann der Kläger bei dem ordentlichen Gericht auf Zahlung der Vertragsstrafe klagen, und mit dieser Klage muß er durchdringen, selbst dann, wenn später der Schiedsspruch aufgehoben werden sollte.

Was auf diese Weise erreicht wird, ist natürlich stets nur eine vorläufige Befriedigung. Dem Schiedsspruch kommt eine ähnliche Wirkung zu, wie etwa einem Urteil, das für vorläufig vollstreckbar erklärt wird. Wird der Schiedsspruch nachträglich aufgehoben, und erfolgt nunmehr entweder vor einem anderen Schiedsgericht oder vor dem ordentlichen Gericht eine ungünstigere Entscheidung, so hat der Kläger, der vorläufig Befriedigung erhalten hat, das zuviel Erhaltene zurückzuerstatten, und ist außerdem schadensersatzpflichtig.

Vor diesen Gefahren kann der Kläger sich aber schützen, indem er dann, wenn die Gültigkeit des Schiedsspruches aus irgend einem Grunde zweifelhaft ist, auf vorläufige Erfüllung des Schiedsspruches verzichtet oder sich zum Verzicht bereit erklärt, falls der Gegner Sicherheit leistet. Vielleicht empfiehlt es sich gleich in dem Schiedsvertrag die Bestimmung aufzunehmen, daß die obsiegende Partei befugt ist, vorläufige Befriedigung ohne Sicherheitsleistung zu verlangen, bei Vermeidung einer Vertragsstrafe.

Dr. jur. Eckstein.

Technisches Generalstabswerk. Der Verein deutscher Ingenieure hat beim Generalstabe die Abfassung eines geschichtlichen Werkes angeregt, worin die Leistungen der Technik in dem gegenwärtigen Kriege geschildert werden sollen. Er beabsichtigt, den Generalstab bei der Sammlung des dazu erforderlichen Stoffes zu unterstützen.

Privatpersonen, die in der Lage sind, geeignetes Material zur Verfügung zu stellen, werden gebeten, dieses an den Verein Deutscher Ingenieure, Berlin, Sommerstr. 4a, einzusenden. Der Stoff wird dort gesichtet und später der amtlichen Stelle zugeleitet werden, die nach dem Kriege mit der Herausgabe des Werkes betraut werden wird.

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