Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1915, Band 330 (S. 267–276)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj330/ar330051

Polytechnische Rundschau.

Ueber die Beschaffung von Kraftpflügen zur Sicherung der Herbstbestellung. Kraftpflüge können zur Sicherung der Herbstbestellung nur dort beschafft werden, wo eine dauernde Benutzung auch für spätere Zeiten in Aussicht steht. In erster Linie kommen Dampfpflüge für den genannten Zweck in Betracht. Die größeren unter ihnen besitzen Maschinen mit Leistungen von 100 bis 250 PS. Die Kessel sind zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit meist mit Ueberhitzern versehen. Die Benutzung derartig schwerer Apparate ist indessen nur bei trockenem Boden und großen Flächen empfehlenswert. Bei nassem Wetter ist die Gefahr des Versinkens der Maschine vorhanden, so daß in neuerer Zeit vielfach leichtere Pflüge, deren Maschinen 70 bis 100 PS leisten, bevorzugt werden. Die Maschinenfabrik Joh. Kemna-Breslau liefert solche Apparate, die auch zur Benutzung auf kleineren Flächen mit unebenem Boden vorzüglich geeignet sind, in solidester Ausführung zum Preise von 46400 M. Die stündliche Leistung dieser Pflüge ist zwei bis drei Morgen bei einem Kohlen verbrauch von 25 kg/Morgen. Bei der Anwendung zum Umbrechen entwässerten, rohen Moores im Reg.-Bez. Aurich stellten sich die Kosten für 1 ha auf 14,70 bis 15,50 M. Durch elektrische Pflüge war ein derartig billiger Betrieb nicht zu erzielen, obwohl das Kilowatt Strom nur 4 Pfennig kostete und die Bedingungen für den Torfbezug der Zentrale die denkbar günstigsten waren. Für einen Morgen Pflugarbeit würden etwa 4,14 M zu rechnen sein, wobei der Besitzer der Maschine Kohlen und Wasser frei anzuliefern hat.

Für leichtere und mittlere Arbeiten in nicht zu ungünstigem Boden kommen Motorpflüge in Betracht, besonders, wenn es sich um die Beackerung kleinerer Flächen handelt. Während der Kriegszeit käme als Betriebsmittel in erster Linie Benzol in Frage, dessen Preis allerdings in letzter Zeit bedeutend gestiegen ist. Danebenmacht sich die Unsicherheit des Bezuges in unangenehmer Weise bemerkbar. Unter den Motorpflügen sind in erster Linie die Seilpflüge zu erwähnen, die genau in derselben Weise wie die Dampfpflüge arbeiten. Zu ihnen gehören die Apparate von Hermann Gierke-Rathenow, von A. Behrendt-Gardelegen sowie die Ergomobilpflüge der Firma Kuers. Wenn es sich darum handelt, Gründüngungspflanzen zu bestellen, solange noch das gemähte Getreide auf dem Acker steht, ist der Seilpflug nicht zu verwenden. An seine Stelle tritt der Tragpflug, der auch bei ungünstiger Form der einzelnen Schläge mit Vorteil verwendet wird. Die Stock-Motorpflug- sowie die deutsche Kraftpflug-Gesellschaft und die Automobilfabrik Komnick in Elbing liefern derartige Apparate. Schlepp-Pflüge, die aus einer Schleppmaschine mit angehängten Pflügen bestehen, bringen die Internationale Harvester Company, die Münchener Motorenfabrik, die Standard Motorpflug-Gesellschaft in Charlottenburg, Gustav Pohl in Gößnitz und die Motorwagenfabrik Podeus in Wismar auf den Markt. Alle genannten Pflüge haben Einrichtungen zum Grubbern, Eggen und Walzen sowie zum Ziehen von Mähmaschinen und Rübenhebern. In bezug auf die Haltbarkeit lassen die Motorpflüge manches zu wünschen übrig. Insbesondere ist die Abnutzung des maschinellen Teiles infolge von Staub oder dergleichen groß bei den schnellaufenden Vierzylinder-Automobilmotoren. Oft wird der ungeschulte Landmann nicht in der Lage sein, die Störungen bei einem derart kompliziert gebauten Motor zu beseitigen. Es erscheint gerechtfertigt, für die jährliche Abnutzung solcher Maschinen 25 v. H. des Neuwertes einzusetzen. Bei den einfacher gebauten und langsamer laufenden Motoren, wie sie die Apparate von Kuers, Gierke usw. aufweisen, dürfte die Abnutzung nur 15 v. H. betragen. Eine Grundlage für die Kostenberechnung wurde |268| von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft im Jahre 1913 durch Prüfung der hauptsächlichsten Motorpflugsysteme geschaffen. Prof. Luedecke hat es in der Zeitschrift der Landwirtschaftskammer für die Provinz Schlesien unternommen, die Versuchsresultate unter Zugrundelegung der für dieses Jahr zu erwartenden Preise der Betriebsmittel umzurechnen. Er gelangt zu folgenden Ergebnissen. Bei jährlich 400 ha würden die Gesamtkosten in M/ha für Ergomobilpflüge betragen 26,42, für die Apparate der Stock-Motorpflug-Gesellschaft, der Deutschen Kraftpflug-Gesellschaft und der Internationalen Harvester Company 31,92, 31,99 bzw. 34,19. Es ist zu berücksichtigen, daß bei derartigen Versuchen alle Apparate im besten Zustand sind, so daß die angegebenen Kosten einen Mindestwert darstellen. Prof. Luedecke zieht aus seinen Betrachtungen folgende Schlüsse: Wenn genügend Pflugland vorliegt, kommt vor allem der Dampfpflug in Betracht. Lassen sich größere Flächen auch durch genossenschaftliche Vereinigung nicht beschaffen, so würden der Ergomobilpflug und die Apparate von Gierke in erster Linie zu empfehlen sein. Die Pflüge von Stock, Komnick sowie die Typen der Deutschen Kraftpflug-Gesellschaft weisen eine hervorragende Leichtbeweglichkeit auf. Werden die Maschinen nicht nur zum Pflügen, sondern auch zum Ziehen von Lasten und anderen schweren Arbeiten verwandt, so kommt die Beschaffung von Schlepp-Pflügen in Frage. (Luedecke. Zeitschrift der Landwirtschaftskammer für die Provinz Schlesien.)

Schmolke.

Schuppenpanzerfarben. Nach einer Verfügung der preuß. Eisenbahnverwaltung sollen Oelfarben in den jetzigen Kriegszeiten, besonders solche, die mit Leinölfirnis hergestellt werden, sowie dieser selbst in den Betrieben möglichst wenig angewendet werden.

Diese Verfügung ist eine wertvolle Unterstützung der Bestrebungen, den Leinölfirnis ganz aus der Technik zu verdrängen und für Volksnahrungsmittelzwecke wieder frei zu machen. Im Zusammenhang hiermit sei auf die Anregungen der chemischen Fabrik Dr. Graf & Co. zur verbesserten Herstellung der Kumaron- und Indenharze hingewiesen. Seit Ausbruch des Krieges, wo man uns vom Auslande in bezug auf Harze abgeschnitten glaubte, bedienen sich nicht nur die Farben-, Lack- und Linoleumindustrie, sondern auch die Papier- und Kunstlederfabrikation, sogar die Geschoßfabrikation der besseren Kumaronharzsorten, bei welchen die nach dem DRP Nr. 277605 behandelten Kumaronharze eine hervorragende Rolle spielen.

Die spezifische Wärme cp des überhitzten Wasserdampfes für Drucke von 8 bis 20 at und von Sättigungstemperatur bis 380° C. (Von Oscar Knoblauch und Alexander Winkhaus. Zeitschrift d. Ver. d. Ing. 59 S. 376 bis 379, 400 bis 405, 1915.) Die Arbeit bildet eine Fortsetzung zweier früheren vom erstgenannten Verfasser mit Max Jakob1) undHilde Mollier2) im Laboratorium für technische Physik der Kgl. Technischen Hochschule München angestellten Versuche. Die früher bis 8 at Druck ausgedehnten Messungen sind mit Hilfe verstärkter Apparate bis zu 20 at fortgeführt worden. Weitergehende Messungen bis zu 30 at sind in Aussicht genommen.

Das Beobachtungsverfahren ist im wesentlichen das gleiche wie bei den beiden früheren Arbeiten. Der dem Dampfkessel entnommene Wasserdampf wurde in einem mit Gas geheizten Vorheizer getrocknet und auf eine gewünschte Anfangstemperatur t1 erhitzt. Er trat alsdann in den eigentlichen Versuchsapparat, einen Ueberhitzer, in welchem seine Temperatur durch eine genau gemessene elektrische Heizenergie W bis auf den Wert t2 gesteigert wurde. Alsdann wurde der Dampf in einem Kondensator niedergeschlagen und der Niederschlag gewogen. Unmittelbar an den Hauptversuch wurde ein Nachversuch ohne Dampf angeschlossen, in welchem der Bruchteil von W bestimmt wurde, der während des Versuches für die Ueberhitzung des Dampfes infolge von Wärmeleitung und Wärmestrahlung an die Umgebung verloren ging.

Aus dem Gewicht G des stündlich durchströmenden Dampfes, der zugeführten Heizenergie W, dem gleichzeitig stattfindenden Wärmeverlust V und endlich der dem Dampf erteilten Ueberhitzung t2t1 erhält man die mittlere spezifische Wärme für den Temperaturbereich von t1 bis t2 nach der Formel

Die Temperatursteigerung (t2 – t1) wurde stets nur mäßig groß gewählt, so daß die erhaltene mittlere spezifische Wärme mit hinreichender Annäherung gleich der wahren spezifischen Wärme bei der Temperatur ½ (t1 + t2) gesetzt werden kann.

Durch die neuen Versuche wurde die früher gefundene Gesetzmäßigkeit bestätigt, daß nämlich cp mit wachsendem Drucke zunimmt, dagegen mit wachsender Temperatur von der Sättigungstemperatur an zunächst abnimmt und nach Durchschreiten eines Minimums wieder ansteigt.

Die gewonnenen Resultate sind zunächst graphisch ausgeglichen, wobei den thermodynamischen Forderungen, erstens daß cp im kritischen Punkt unendlich groß werden muß, zweitens daß die Gesamtwärme i, die man 1 kg Wasser von 0° zuführen muß, um es bei unveränderlichem Druck in Dampf von der gewünschten Temperatur überzuführen, bei einer gegebenen Temperatur für niedrige Drucke größer ist als für höhere – Rechnung zu tragen war. Aus der graphischen Darstellung ergeben sich dann die folgenden Einzelwerte für die wahren spezifischen Wärmen im ganzen Beobachtungsintervall. Um einen Ueberblick über die Gesamtheit der

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Wahre spezifische Wärme cp des überhitzten Wasserdampfes.

Textabbildung Bd. 330, S. 269
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im Münchener Laboratorium gewonnenen Resultate zu gewinnen, sind in die vorstehende Tabelle die Werte der spezifischen Wärme für höhere Temperaturen nach den Beobachtungen von Knoblauch und Mollier mit aufgenommen.

K. Scheel.

Elektrische Lokomotiven. Anfangs dieses Jahres ist auf der 130 km langen Vollbahnstrecke Kiruna-Riksgränsen der schwedischen Staatsbahnen der regelmäßige Zugdienst mit elektrischen Lokomotiven eröffnet worden. Es werden hier zum ersten Male in Europa Züge von mehr als 2000 t Zuggewicht elektrisch befördert. Die Bahn ist zurzeit die nördlichste der Welt, ihr Anfangspunkt liegt etwa 140 km nördlich des Polarkreises. Kältegrade von – 35° C, orkanartige Stürme und starke Schneeverwehungen treten hier auf. Auf dieser Bahn werden hauptsächlich die reichen Eisenerze Lapplands nach dem eisfreien norwegischen Hafen Narvik befördert. Die Erzzüge sind aus 40 Erzwagen mit je 46 t Bruttogewicht zusammengesetzt. Die beiden elektrischen Lokomotiven eines solchen Zuges haben eine Gesamtlänge von 37 m. Ihre größte Zugkraft am Zughaken beträgt 40000 kg.

Die zum Betriebe der Bahn notwendige Leistung bietet ein am Porjusfall errichtetes Werk, das 40000 PS vorerst liefert und von dem einen Endpunkt der Strecke 250 km entfernt ist. Es wird Einphasenstrom von 80000 Volt Spannung erzeugt, die in Unterwerken längs der Strecke auf die für Lokomotiven geeignete Spannung herabgesetzt wird. Da Schweden nur wenig Kohlen besitzt und seinen Bedarf zum größten Teile vom Auslande decken muß, so bringt die Einführung des elektrischen Betriebes dem Staate erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Durch Einführung der 1 C + C 1 Wechselstromlokomotive können gegenüber der 5/5 gekuppelten Dampflokomotive die Züge um 40 v. H. und die Fahrgeschwindigkeiten um etwa 50 v. H. vergrößert werden. Dadurch kann die Erzförderung um 70 v. H. erhöht werden. Die elektrischen Anlagen dieser Bahn wurden zum größten Teil von den deutschen Siemens-Schuckertwerken ausgeführt. (Glasers Annalen 1915 S. 175.)

W.

Sonderausführungen von Zentrifugalpumpen. (Heft 10 und 11 der Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen, Ingenieur G. Oesch.) Die Bohrlochzentrifugalpumpen verdrängen infolge ihres geringen Materialaufwandes, mit dem sich niedrige Anschaffungskosten, Raumersparnis und Einfachheit vereinigen, vielfach die langsamlaufenden Kolben-Gestängepumpen. Weitere Vorzüge sind gleichmäßige Wasserförderung, einfache Regulierbarkeit durch einen Schieber in der Druckleitung und das Fortfallen der Schmierung. In der Abbildung erkennt man den Motorständer mit dem Antriebsmotor, der mittels elastischer Kupplung die Pumpe antreibt. Diese sowie die Druckleitung hängen am Unterteil des Ständers. Die aus Nickelstahl hergestellte Welle ist in Abständen von 1 bis 3 m in der Steigleitung gelagert. Sie wird vom Spurlager c getragen. Der mit der Welle starr verbundeneKolben a steht an der Unterseite unter dem Wasserdruck der Pumpe, während der Raum oberhalb durch Rohr d mit dem Saugstutzen verbunden ist. Er nimmt den Achsialschub auf, so daß das Spurlager fast unbelastet bleibt. Es wurden Pumpen mit über 30 m langer Welle ausgeführt. Auch sind minutliche Leistungen von 3600 l bei einer Förderhöhe von 45 m und 1400 Uml./Min. erzielt, sowie Wirkungsgrade von 71 v. H. erreicht worden. Bei stark schwankendem Wasserspiegel ist der mit geringen Verlusten verbundene Einbau eines „Energiewandlers“ angezeigt, den Oesch a. a. O. beschreibt. Durch diese Vorrichtung wird der Motor vor Ueberlastung geschützt. Zu den Sonderausführungen kann man auch die Zentrifugalpumpen zählen, die in der Zuckerindustrie zur Förderung von Saft, Sirup, Melasse, Schmutzwasser und Abfällen verwendet werden. Schwierigkeiten in der Ausführung von Saftpumpen ergeben sich durch die Abnutzung von Stopfbüchsen und Schleifringen infolge des Auskristallisierens der Säfte bei sinkender Temperatur während des Stillstandes, was ein Verreiben der schleifenden Teile verursacht. Durch Heizen des Pumpenkörpers mit Dampf oder heißem Wasser wird der erwähnte Uebelstand mit Erfolg bekämpft.

Textabbildung Bd. 330, S. 270

Verwendet man Zentrifugalpumpen an Stelle von Hubrädern zur Förderung von Schmutz- und Abwässern der Zuckerindustrie, so können leicht Verstopfungen durch Blätter, Wurzeln, Rüben und dergleichen eintreten. Bei wagerechten Wellen tritt dies besonders stark hervor, da bei Stillstand die genannten Fremdkörper infolge ihrer Schwere nach unten sinken und die dort liegenden Schaufeln verlegen. |271| Bei Laufrädern mit senkrechter Welle ist dies unmöglich. Um auch bei geringem Zulauf ein Absetzen der festen Bestandteile vor der Pumpe zu hindern, kann man die Druckleitung mit dem Saugrumpfe durch eine Rücklaufleitung verbinden. Das durch diese austretende Wasser wirbelt die Ablagerungen auf. Der Wirkungsgrad von Zentrifugalpumpen übersteigt den der Hubräder. Ferner haben jene den Vorteil geringeren Raumbedarfs und niedrigerer Reparaturkosten. Auch zur Förderung von scharfer Mehltrübe, Asche, Sand und Schlacke verwendet man Zentrifugalpumpen. Bei ihnen wird die Gefahr der Abnutzung an den Abdichtungsstellen durch Verwendung eines widerstandsfähigen Baumaterials, wie Chromstahl und Wasserspülung der gleitenden Flächen, vermieden.

Schmolke.

Ueber die Weltformate wurde im Jahrgang 1914 dieser Zeitschrift auf Seite 298 berichtet. Die Vorteile, die die Einführung weniger Einheitsformate für Flächengebilde aller Art, namentlich Papiere und Drucksachen bringen würden, liegen so klar auf der Hand, daß man keine Worte darüber zu verlieren braucht. Es sei nur noch einmal kurz der Gedankengang wiederholt, der zur Aufstellung der „Weltformate“ genannten Formatreihe durch W. Ostwald geführt hat. Die Formate sollen zunächst einander geometrisch ähnlich sein, d.h. jeweils das gleiche Verhältnis der kurzen zur langen Seite haben, ferner soll jedes Format das Doppelte des nächst kleineren und die Hälfte des nächst größeren sein. Aus diesen beiden Forderungen folgt, wie sich leicht mathematisch nachweisen läßt, daß das Seitenverhältnis 1 : √2 betragen, d.h. gleich 1 : 1,41 sein muß. Auf diesen Gedankengang ist bereits im Jahre 1796 der berühmte Physiker G. C. Lichtenberg gekommen (Göttinger Taschenkalender für das Jahr 1796). Nachdem nun aber hiermit das Seitenverhältnis der einzelnen Formate und ihr Verhältnis zueinander gegeben ist, muß noch ein Grundformat gewählt werden, von dem die ganze Reihe ausgehen kann. Um hier eine Willkür auszuschließen, hat Ostwald als Grundlage für seine Reihe der „Weltformate“ die wissenschaftliche Längeneinheit, das Zentimeter, gewählt und erhält als Weltformat ein Rechteck von 1 cm Breite und 1,41 cm Länge. Damit sind alle weiteren Formate eindeutig festgelegt.

Gegen diese Wahl erhebt Porstmann in der Wiener Zeitschrift für Post und Telegraphie Einspruch, indem er verlangt, es solle sinngemäß als Grundlage für die Flächengestaltung auch die Einheit der Fläche, das Quadratzentimeter gewählt werden. Er gründet darauf eine neue Reihe von Formaten, die er „metrische Formate“ nennt, bei der das kleinste Format 1 cm2 Flächeninhalt hat, nämlich 0,84 × 1,19 cm2 mißt. Man kann diesem Gedankengang eine gewisse Berechtigung nicht absprechen, muß aber andererseits doch fragen, ob nicht das andere, Ostwaldsche Verfahren mindestens die gleiche Berechtigung hat. Dabei wird zunächst, um den Grundsatz der wissenschaftlichen Unantastbarkeit und damit Unabänderlichkeit zu wahren, die Forderung derLogik maßgebend sein müssen, aber gleichzeitig darf die praktische Verwendbarkeit nicht außer acht gelassen werden.

Nun messen wir Flächen zwar naturgemäß mit einer Flächeneinheit. Aber wie schon der Name der Einheit sagt, bilden wir uns eine Vorstellung dieser Flächeneinheit dadurch, daß wir ihre Seiten messen. Die Einheit der Fläche ist uns eben ein Quadrat, dessen Seite 1 cm lang ist. Ebenso messen wir, wenn wir den Inhalt einer rechtwinkligen Fläche ermitteln wollen, ihre Seiten, um dann den Flächeninhalt erst durch Multiplikation zu errechnen. Da wir also doch mit unseren gewöhnlichen Hilfsmitteln die Fläche nicht unmittelbar nach cm2 messen können, sondern die Seiten erst nach cm messen müssen, so ist es, wenn schon nicht unabweisbar gegeben, so doch jedenfalls sehr natürlich und berechtigt, die 1 cm lange Seite als Grundlage für das Formatsystem zu wählen. Wenn Porstmann behauptet, die Seite als eine unter den unendlich vielen in der Fläche möglichen Linien sei willkürlich herausgegriffen, so muß dem entgegengehalten werden, daß sich ganz unwillkürlich, oder vielmehr ganz gegen unsere Willkür dieses primäre Element uns aufdrängt, da wir nur darüber zu dem sekundären Begriff des Flächenmaßes gelangen können.

In durchaus logischer Verfolgung seines Gedankenganges kommt Porstmann dann, wie aus einer Formattabelle im „Prometheus“ (Nr. 1326 vom 27. März 1915) hervorgeht, zu einer sehr interessanten Bestimmung der Einheitsabmessungen für Raumformate. Wie nämlich die Fläche nach der Flächeneinheit gemessen werden soll, so der Raum nach der Raumeinheit. Das erste Raumformat soll also 1 cm3 Inhalt haben, wird demnach 0,84 × 1,19 × 1,0 cm3. Soll jetzt analog der Reihenbildung in der Ebene vorgegangen werden, so stehen zwei verschiedene Möglichkeiten offen. Entweder nämlich werden die Raumeinheitsformate so bemessen, daß sie alle einander geometrisch ähnlich sind, oder aber so, daß die größeren durch unmittelbaren Zusammenbau zweier kleinerer und die kleineren durch rein stoffliche Halbierung des nächst größeren entstehen. Was in der Ebene möglich war, die beiden Forderungen zu vereinigen, ist im Raum unmöglich, die eine schließt die andere aus. Porstmann wählt den ersteren Weg und erhält eine Reihe von ähnlichen Raumrechtecken1) mit seinen „metrischen Formaten“ als größte Flächen, deren Rauminhalte im Verhältnis 2 : √2 steigen. Ostwald hat den anderen Weg gewählt, seine Weltformate für Körper sind zwar geometrisch nicht ähnlich, ihre Inhalte nehmen aber nach geraden Potenzen von 2 zu und sie setzen sich stets aus der Form nach unveränderten Einheitskörpern zusammen. Mit anderen Worten, man kann jederzeit durch einfaches Zerschneiden eines Weltformatkörpers zwei kleinere schaffen, die ebenfalls den Gesetzen |272| der Weltformate genügen, und ebenso durch Zusammenlegen zweier einen größeren, dem Formatsystem angehörigen herstellen. Die Verhältnisse sind hier im Raum nicht so durchsichtig wie in der Ebene; es gibt eine große, aber nicht unbegrenzt große Zahl von zulässigen Körpern.

Da das ganze Bestreben der Formatreform rein praktische Ziele im Auge hat, die nur durch den Aufbau auf einer unantastbaren wissenschaftlichen Grundlage vor Willkürlichkeiten und daher vor dem Schicksal bewahrt werden sollen, wieder durch Willkür umgestoßen zu werden, muß in dem Falle, daß zwei Möglichkeiten grundsätzlich gleichberechtigt sind, sinngemäß die gewählt werden, die die meisten praktischen Vorteile bietet. Das Bedürfnis, Raumkörper ähnlich zu gestalten, dürfte jedoch nicht so groß sein wie der Wunsch, die Einheitskörper inhaltlich und der Gestalt nach hälften und verdoppeln zu können. Für die wichtige Frage der Verpackung fällt gerade dieser Umstand sehr wesentlich ins Gewicht.

Die beiden Vorschläge Porstmanns können daher wohl als scharfsinnig durchdachte Beiträge zur Klärung des Problems willkommen sein, es besteht jedoch kein Grund, in ihrem Sinne von dem von Ostwald vorgezeichneten und in der Praxis nun glücklicherweise bereits vielfach befahrenen Wege abzuweichen. Es ist zu wünschen, daß dadurch die Weiterausbreitung der Weltformate keine Hemmung erleidet.

Der vor etwa einem Jahre aus inneren Gründen erfolgte Zusammenbruch der „Brücke“, der wir die Aufstellung und Ausbreitung der Weltformate danken, hat zwar vielfach die Meinung erweckt, auch die Weltformatfrage sei damit erledigt, er wird jedoch die Ausbreitung des Gedankens um so weniger hindern, als eine Neugründung eines ähnlichen Instituts wohl nur durch den Kriegsausbruch verzögert worden ist. Auf eine gegenwärtig bestehende besonders günstige Gelegenheit, den Weltformaten weitere Beachtung und Verbreitung zu sichern, habe ich neulich in einer Broschüre aufmerksam gemacht:2) Die Feldpost befördert Postkarten im Weltformat 8 (11,3 × 16 cm2) ebenso kostenlos wie Briefe; man zeige also jetzt der Allgemeinheit und der Postbehörde, wieviel zweckmäßiger und angenehmer die langerwünschte vergrößerte Postkarte in diesem Format wäre.

Dipl.-Ing. W. Speiser.

Die metallurgische Industrie in Rußland im Jahre 1914. Nach den vorläufigen Ziffern der russischen zentralen Eisenschmelzstatistik sind im Jahre 1914 in den Eisenwerken Rußlands im ganzen 264130000 Pud Eisen gegen 282960000 Pud im Jahre 1913 und 256270000 Pud im Jahre 1912 ausgeschmolzen worden. Demnach hat die Ausschmelzung im Jahre 1914 um 18830000 Pud oder 6 v. H. weniger als im Jahre vorher betragen, hauptsächlich wegen der geringeren Eisengewinnung im Königreiche Polen, ist aber dabei doch noch um 7860000 Pud oder um 3 v. H. größer gewesenals im Jahre 1912. Auf die einzelnen Rayons verteilte sich die Eisenausschmelzung in nachfolgender Weise:


1913

1914
Mehr (+) oder weniger (–)
im Jahre 1914
In Millionen Pud Mill. Pud v. H.
Südrußland
Ural
Moskauer Rayon
Nördl u. Baltisch. Rayon
Königreich Polen
189,72
55,77
11,82
0,09
25,56
186,21
52,44
10,50
0,05
14,93
– 3,51
– 3,33
– 1,32
– 0,04
– 10,63
1,9
6,8
11,2
44,4
41,7
Im ganzen 282,96 264,13 – 18,83 6,7

Die Herstellung von Halberzeugnissen hat in ganz Rußland 294120000 Pud betragen gegen 300230000 Pud im Jahre 1913, d.h. sie ist um 6 110 000 Pud oder um 2,0 v. H. zurückgegangen. Die Herstellung von Halbfabrikaten ist 1914 in allen Rayons, mit alleiniger Ausnahme des Königreichs Polen, wo diese Fabrikation nur im Laufe des ersten Halbjahrs 1914 erfolgen konnte, gestiegen. Nachfolgende Angaben zeigen die Geschäftslage in Eisen – und Stahl – Halbfabrikaten in den verschiedenen Rayons:


1913

1914
Mehr (+) oder weniger (–)
im Jahre 1914
In Millionen Pud Mill. Pud v. H.
Südrußland
Ural
Moskauer Rayon
Wolgarayon
Nördl u. Baltisch. Rayon
Königreich Polen
166,58
55,34
12,90
13,03
16,06
36,32
171,37
56,87
14,36
13,16
16,77
21,59
+ 4,79
+ 1,53
+ 1,46
+ 0,13
+ 0,71
– 14,73
2,9
2,6
10,5
0,9
4,4
40,6
Im ganzen 300,23 294,12 – 6,11 2,0

Wie die Halbfabrikate so sind auch, und zwar wiederum hauptsächlich infolge der Ausschaltung des Königreichs Polen, die fertigen Fabrikate aus Eisen und Stahl weniger hergestellt worden. Ihre Herstellung betrug im ganzen 239720000 Pud gegen 246550000 Pud im Jahre 1913, d.h. um 6830000 Pud oder 2,8 v. H. weniger als im Jahre 1913. Auf die einzelnen Rayons verteilte sich die Herstellung von fertigen Eisen- und Stahlfabrikaten in nachfolgender Weise:


1913

1914
Mehr (+) oder weniger (–)
im Jahre 1914
In Millionen Pud Mill. Pud v. H.
Südrußland
Ural
Moskauer Rayon
Wolgarayon
Nördl u. Baltisch. Rayon
Königreich Polen
141,04
40,81
11,10
10,07
16,44
27,09
143,92
40,61
11,90
10,14
15,82
17,33
+ 2,88
– 0,20
+ 0,80
+ 0,07
– 0,62
– 9,76
2,0
0,5
7,3
0,7
3,8
36,1
Im ganzen 246,55 239,72 – 6,82 2,8

Demnach ist trotz der bedeutenden Abnahme der Herstellung der Halbfabrikate und der fertigen Fabrikate im Königreiche Polen die gesamte metallurgische Erzeugung in ganz Rußland im Jahre 1914 nur um eine verhältnismäßig geringe Menge zurückgegangen, dank der Zunahme der Herstellung in andern Rayons. (Nach d. Torg. Prom. Gaz. vom 22. April/5. Mai 1915.)

Welcher Wirkungsgrad ist von der Gasturbine zu erwarten? Die Beantwortung der Frage geschehe unter Benutzung der auf Seite 211 dieses Bandes beschriebenen Gasentropietafeln von Stodola, die eine |273| sehr anschauliche Darstellung des Arbeitsprozesses ermöglichen. Es werde z.B. angenommen, daß die Verdichtung in einem dreistufigen Kolbenkompressor mit Zwischenkühlung geschieht. Dieser Vorgang wird durch die in Abb. 1 sichtbare Zackenlinie zwischen A und B gekennzeichnet.

Textabbildung Bd. 330, S. 273

Die Verbrennung des komprimierten Gemisches erfolge bei Gleichdruck gemäß Linie B C. Punkt C findet man durch Abtragen der Wärmetönung rechts von A' und eine Parallele zur A R T-Richtung. Der Verbrennungsraum steht in Verbindung mit den Düsen, in denen, wie Linie C D zeigt, adiabatische Expansion stattfindet. Berücksichtigt man die Reibungswärme, so tritt C F an Stelle von C D. Die Linie gleichen Druckes durch A schließt den Kurvenzug. Erfolgt Wassereinspritzung zur Herabsetzung der Temperatur im Rad, so entsteht im Verbrennungsraum eine Mischung von Gas und überhitztem Dampf. Die Wärmetönung wird jetzt einerseits benutzt, um das Wasser in den überhitzten Zustand zu bringen, andererseits erhöht sie die Temperatur des Gas-Dampfgemisches bei konstantem Druck. In diesem Falle wird nur die Wärmezunahme zwischen B und C nach Einzeichnung der Wärmekurve für die Konstante bm des Gemisches, an Stelle der ganzen Wärmetönung wagerecht abgetragen. Will man 0,1 kg/Sek. Rohöl zur Arbeit gelangen lassen und nimmt maneinen Luftbedarf L von 28,7 kg auf 1 kg Brennstoff an, so ist bei isothermischer Verdichtung auf 30 at für jedes kg Luft eine Kompressorarbeit Qis von 69,6 WE/kg notwendig.

Textabbildung Bd. 330, S. 273

Der gesamte Arbeitsbedarf Nk ist wo Bt die Brennstoffmenge, A das Wärmeäquivalent, ηk der Wirkungsgrad des Kompressors ist. Nk ergibt sich zu 1420 PS. Der sekundliche Rohölverbrauch beträgt, sofern der wirtschaftliche Wirkungsgrad des Kompressormotors = 0,33, der Heizwert/kg = 10100 ist, d.h. 0,075 kg. Werden auf 1 kg Luft 0,207 kg Wasser eingespritzt, so ist nach der Zustandsgleichung das Druckverhältnis bei n kg Wasser auf m kg Gas. Demnach wäre Ψ gleich . Für den Mischungsdruck p2 gilt nach Dalton p d + p g = p2, und es wird bei Verdichtung auf 30 at abs. Zu diesem Druck gehört nach der Dampftabelle die Gesamtwärme λs = 663 WE/kg. Da für die ganze Luftmenge 6 kg Einspritzwasser gerechnet werden müssen, wird die im Dampf gebundene Wärmetönung W'1 = n[λs – q0 + cpd(T2–Ts)] = 6 [663 – 27 + 0,41 . (227 – 165)] = 3968 WE/kg-Mol. Es ist dabei eine Anfangstemperatur der Druckluft von 27°, eine Ueberhitzung auf 227° und eine Sättigungstemperatur |274| von 165° angenommen. Die sichtbare Wärmetönung wird, wenn z die Anzahl der Dampf-kg/Mol, auf 1 kg/Mol. Gasgemisch ist und H die ganze Wärmetönung darstellt, gleich Nachdem man die Konstante bm des Gemisches zu 0,00226 berechnet hat, kann die Darstellung des Prozesses in der Entropietafel mühelos erfolgen (Abb. 2). Es ist hierbei eine Vorwärmung der Luft durch die abziehenden Gase angenommen, woraus sich das Ansteigen der Linie A B erklärt. Aus dieser ergibt sich bei einem mittleren Molekulargewicht der Mischung von 26,2 für das Wärmegefälle der Wert . Die Ausflußgeschwindigkeit wird . Die Gasturbine gibt die Energie ab, wobei ηt den thermischen Wirkungsgrad darstellt. Da das Verhältnis der Verbrauchszahlen von Kompressor und Turbine =0,75 ist, so beträgt der Gesamt verbrauch für 1 PS/Std. . Hieraus ergibt sich der wirtschaftliche Wirkungsgrad . Er kann bei Verwendung eines Humphrey-Gaskompressors leicht auf 28,8 v. H. gesteigert werden, so daß die Gasturbine in bezug auf Wirtschaftlichkeit fast die großen Zweitakt-Dieselmotoren erreicht. Bei Explosionsturbinen liegen die Verhältnisse ungünstiger. (Vgl. Ostertag, Entropiediagramme der Verbrennungsmotoren.)

Schmolke.

Die Verwendung von Koks in Gaserzeugern. Die deutsche Kohlenförderung ist infolge Einberufung von Bergleuten zu den Waffen während des Krieges auf zwei Drittel der normalen Fördermengen zurückgegangen. Dieser Minderförderung aber steht eine erhöhte Nachfrage gegenüber, weil die Zufuhr englischer Kohle abgeschnitten ist, und Belgiens Bergbau nach zeitweisem Stillstand nur in geringem Maße wieder in Gang gekommen ist. Der Mangel an Kohle wird aber noch dadurch größer, daß die Werke die Steinkohle wegen der Bedeutung ihrer Nebenprodukte für den Krieg verkoken, soweit es ihre Eigenschaften nur irgend zulassen. Eine Verwendung des Kokses als Ersatz für Steinkohle ist daher geradezu eine Notwendigkeit. Nachdem man mit ihm in Dampfkesselbetrieben, besonders beim Mischen mit Steinkohle, gute Erfahrungen gesammelt hat, beginnt man ihn auch auf Hüttenwerken und Gaserzeugern für Wärm- und Schmelzöfen zu verstochern. Auf einem Lothringer Werk arbeitet man seit Januar zur vollen Zufriedenheit mit Koks. Dabei gelangt nach Mitteilung von H. Markgraf (Stahl und Eisen 1915 S. 373) eine Mischung von ½ bis ¾ Koks mit ½ bis 1/4 Steinkohle (Saarnußkohle 15 × 35 mm) zur Verwendung. Mit dem daraus gewonnenen Gas werden die Wärmöfen der Walzwerke betrieben.Die Generatoren sind vollständig ausgemauerte Drehrostgaserzeuger von normaler Größe. Der Koks wandert allmählich nach unten, und da er nicht backt, wie die Generatorkohle, bildet er keine Hohlräume. Die Arbeit, die sonst erforderlich ist, diese Hohlräume mit der Eisenstange zuzustochen, fällt daher bei der Verwendung von Koks fort. Die Entfernung der Schlacke durch den Drehrost begegnet keinen Schwierigkeiten. Der Gaserzeuger zeigt dagegen Neigung zum Heißgehen, weil der Koks so gut wie keine flüchtigen Bestandteile enthält, daher für die Entgasung keine Wärme benötigt wird. Aus diesem Grunde mischt man der Luft etwa 10 v. H. mehr Dampf bei, als beim Steinkohlenbetrieb. Am Wind- und Gasdruck, wie an der Durchsatzmenge ändert sich beim Uebergang zum Koksbetrieb nichts. Wahrscheinlich können sogar größere Mengen von Koks als von Steinkohle durchgesetzt werden, weil beim Koks die Neigung zum Backen fehlt.

Was die chemische Zusammensetzung des Gases anlangt, so würde beim Koksbetrieb nur Luftgas gebildet, wenn nicht der Vergasungsluft zur Regelung der Temperatur im Generator Dampf beigemischt würde. Daher findet sich im Koksgas auch Wasserstoff und geringe Methanmengen. Das aus reinem Koks hergestellte Gas enthält auf dem Lothringer Werk im Mittel:

CO 2 2 v. H.
O 2 0
CO 29–30
H 1 6–7
CH 2 0,5–1

mit dem berechneten unteren Heizwert von 1130 WE, während das aus guter Generatorkohle in Drehrostgeneratoren hergestellte Gas im Mittel folgende Werte zeigt:

CO 2 4,1 v. H.
O2. 0,3
CO 23,6
H 2 13,4
CH 2 2,6

und einem Heizwert von 1285 WE entspricht. Hieraus allein läßt sich aber der Wert des Gases nicht beurteilen. Ein besseres Kriterium ist der pyrometrische Effekt. Die theoretische Flammentemperatur des Koksgases beträgt 1765°, die des gewöhnlichen Generatorgases 1780°. In dieser Hinsicht sind also beide Gase gleichwertig.

Ueber die Wirtschaftlichkeit des Koksbetriebes liegen noch keine Ergebnisse vor. Theoretisch stellt sie sich um 6 v. H. günstiger als diejenige des Steinkohlenbetriebes, da 1 kg Koks mit 93 v. H. C 5,3 m3 Gas und damit 5,3 . 1130 = 5989 WE liefert, während aus 1 kg Kohle nur 4,4 m3 Gas, also nur 4,4 × 1285 = 5654 WE gebildet werden. Das Gas verbrennt nicht, wie vielfach angenommen, mit kurzer, sondern mit sehr langer Flamme, die etwas durchsichtiger als das an Kohlenwasserstoffen reiche Steinkohlengas ist, aber mit dem Auge deutlich beobachtet werden kann.

Loebe.

|275|

50 Jahre der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn. (Aus der „Deutschen Straßen- und Kleinbahn-Zeitung“.) Die Genehmigung zur Anlage einer Pferdeeisenbahn von Charlottenburg auf der Berlin-Charlottenburger Chaussee durch das Brandenburger Tor und die Straße Unter den Linden nach dem Lustgarten war durch Allerhöchsten Erlaß vom 13. Juni 1864 dem Zivilingenieur Moller in Aussicht gestellt worden. Vor Erteilung der endgültigen Genehmigung wurden jedoch Bedenken gegen die Führung der Bahnanlage durch das Brandenburger Tor erhoben; die Bahnlinie mußte daher vom Brandenburger Tor ab durch die Dorotheenstraße nach dem Kupfergraben geführt werden. Die Genehmigung zum Betriebe der Bahn mit einer Abzweigung nach dem Krollschen Garten und den Zelten erfolgte dann durch Allerhöchste Kabinettsorder vom 13. März 1865.

Die Hauptlinie der Bahn, die eingleisig mit Ausweichungen betrieben werden sollte, führte von der Ecke der Spandauer und Sophie-Charlottenstraße in Charlottenburg durch die Spandauer Straße über den Luisenplatz, durch die Berliner Straße, Charlottenburger Chaussee über den Platz vor dem Brandenburger Tor durch die Sommer- und Dorotheenstraße bis zum Kupfergraben.

Außer der Verpflichtung zur Zahlung des tarifmäßigen Chausseegeldes in Höhe von 24000 M jährlich wurden dem Unternehmer Bedingungen hinsichtlich der Straßenpflasterung und Regulierung auferlegt, unter andern auch die Herstellung einer besonderen Drehbrücke über den Schiffahrtkanal.

Der Bau der Bahnanlagen, für welche Flachschienen der Bauart Büsing auf hölzernen Langschwellen verwendet wurden, wurde so gefördert, daß bereits am 22. Juni 1865 der Betrieb auf der Strecke Brandenburger Tor-Charlottenburg eröffnet werden konnte. Die Strecke Brandenburger Tor-Kupfergraben wurde am 28. August desselben Jahres dem Betriebe übergeben.

Im ersten Betriebsjahre befanden sich 1 Kontrolleur, 18 Schaffner und 27 Kutscher im Dienste, und auf dem Bahnhofe der Gesellschaft in der Spandauer Straße in Charlottenburg 7 Wagenwäscher, Schmiede und Handwerker.

Die Erwartungen auf die gedeihliche Entwicklung des Unternehmens erfüllten sich in vollem Maße. Der Verkehr steigerte sich von Jahr zu Jahr. Zur Durchführung eines geordneten Betriebes mußte die eingleisige Bahnanlage in eine zweigleisige umgewandelt werden, wozu die erforderliche Genehmigung des Königlichen Polizeipräsidiums, der Königlichen Regierung in Potsdam und der Königlichen Ministerial-Baukommission in den Jahren 1872 bis 1875 erteilt wurde.

Der Fahrpreis für die gesamte Strecke Kupfergraben-Charlottenburg betrug 25 Pf., daneben bestand eine Zehnpfennig-Teilstrecke Kupfergraben-Brandenburger Tor.

Der Zoologische Garten, dessen Bedeutung und gleichzeitige Beliebtheit als Konzert- und Erholungspark eine große Anziehungskraft auf die Bevölkerung ausübte, gab der Gesellschaft Veranlassung, eine Verbindung im Anschluß an die Geleise am Großen Stern durch die Fasanerie-und Lichtenstein-Allee bis zu dem Platze vor der Lichtensteinbrücke im Jahre 1875 herzustellen.

Die Zweiglinie nach dem Krollschen Garten und den Zelten wurde wegen zu geringen Verkehrs außer Betrieb gesetzt und alsdann gänzlich beseitigt.

Mit der Betriebseröffnung auf der Linie Großer Stern-Zoologischer Garten war auch eine Vermehrung des Wagenparks und des Pferdebestandes der Gesellschaft notwendig. Es wurden sechs sogenannte Wiener Wagen beschafft, die, mit einem Rauchabteil versehen, besonders bequem und reich ausgestattet waren. Mit Rücksicht auf die hohen Anschaffungs- und Unterhaltungskosten dieser Wagen war für die Benutzung des Rauchabteils ein erhöhtes Fahrgeld – 50 Pf. – für die ganze Fahrt zu entrichten. Die Einrichtung bewährte sich jedoch nicht; ihre Benutzung entsprach nicht den gehegten Erwartungen. Die Wagen wurden deshalb nach dem Muster der schon länger im Verker befindlichen umgebaut. Inzwischen hatte die Gesellschaft einen Teil der Wagen zur besseren Bewältigung des Verkehrs mit Decksitzen versehen lassen.

Durch die am 7. Februar 1882 erfolgte Betriebseröffnung der Berliner Stadtbahn entstand dem Unternehmen ein scharfer Wettbewerb, dessen nachteilige Einwirkung die Erträgnisse, besonders die der Linie Kupfergraben-Charlottenburg, dauernd ungünstig beeinflußte.

Der Wettbewerb der Stadtbahn wirkte in erhöhtem Maße ungünstig, als am 5. Januar 1885 die Station Tiergarten dem Betriebe übergeben wurde. Um dieser Konkurrenz zu begegnen, wurden vielfach Verkehrserleichterungen geschaffen, Teilstrecken verlängert, neue eingerichtet, Fahrpreise herabgesetzt und die Jahrespreise der Fahrkarten ermäßigt. Die Wagen, welche in den ersten Betriebsjahren in 10 Minuten-Abständen von 7 Uhr morgens bis 10 Uhr abends von Charlottenburg ab verkehrten, wurden in 7 und 8 Minuten-Abständen abgelassen, und der Betrieb abends und morgens erheblich ausgedehnt. Hierdurch stiegen Beförderungsziffer und Einnahme, aber auch die Betriebsausgaben vermehrten sich. In den nächsten Jahren wurden weitere Linien genehmigt und ausgeführt. 1892 befanden sich folgende Bahnlinien im Betriebe:

Charlottenburg (Straßenbahnhof)-Kupfergraben,

Charlottenburg (Straßenbahnhof)-Westend,

Charlottenburg (Straßenbahnhof)-Lützowplatz,

Lützowplatz-Kupfergraben,

Charlottenburg (Straßenbahnhof)-Lützowplatz,

Charlottenburg (Stadtbahnhof)-Moabit.

Trotz Vermehrung der Linien und erheblicher Mehrbeförderung von Personen war die Einnahme nicht in gleichem Maße gestiegen, da die Gesellschaft durch den Wettbewerb der Stadtbahn zu immer weitergehenden Ermäßigungen der Zeitkarten und Verlängerung der Teilstrecken gezwungen wurde. In den Jahren 1887, 1888, 1889 und 1890 konnten nur noch 2 ½ 3, 1 ½ und 1 v. H. Dividende zur Verteilung gelangen, von 1891 bis 1894 war ein verteilbarer Reingewinn überhaupt nicht mehr herauszuwirtschaften.

|276|

Der Einführung des elektrischen Betriebes stellten sich erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Die Physikalisch-technische Reichsanstalt und die Universität erhoben Widerspruch gegen die geplante Anlage, da sie befürchteten, daß durch die vom Geleise austretenden Erdströme die feinen Meßinstrumente störende Beeinflussung erfahren würden. Schließlich kam es nach langen Verhandlungen zu einer Einigung mit sämtlichen Behörden, derzufolge der reine Akkumulatorenbetrieb mit Akkumulatoren der Gesellschaft Watt zur Einführung kommen sollte.

Der elektrische Betrieb konnte am 1. Oktober 1897 auf der Linie Spandauer Straße-Berliner Straße aufgenommen werden. 29 vierachsige Akkumulatorenwagen mit je 30 Sitzplätzen und 12 Stehplätzen wurden in den Betrieb gestellt; jeder Wagen erhielt Ladung für ungefähr 150 km Fahrt auf dem an der Spreestraße errichteten Kraftwerk.

Die bekannten Mängel des Akkumulatorenbetriebes zeigten sich bald; Verkehrsstörungen waren an der Tagesordnung; die Beibehaltung dieser Betriebsart war auch aus wirtschaftlichen Gründen unmöglich. Die völlige Beseitigung desselben scheiterte aber an dem Widerstände der wissenschaftlichen Institute. Man ging daher zu dem gemischten Betrieb – teils Oberleitung, teils Akkumulatoren – über, wobei die mit Akkumulatoren zu befahrenden Strecken im Laufe der Zeit immer mehr verkürzt wurden, bis man schließlich die Akkumulatoren ganz verließ und in der Nähe der Reichsanstalt eine doppelpolige Oberleitung und auf einigen anderen Strecken unterirdische Stromzufuhr anwandte.

Im Jahre 1900 ging der größte Teil der Aktien der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn in den Besitz der Großen Berliner Straßenbahn über, von der sie seitdem mitverwaltet wird.

Beförderte
Personen

Wagenkilometer
Einnahmen
M
1865 500000 270000 131500
1870 1400000 519000 327000
1875 2900000 1051000 688000
1880 3800000 1318000 715300
1885 1) 3788000 1548000 561300
1890 5631000 2210000 754300
1895 6999000 2478000 831300
1900 2) 13685000 4194000 1446100
1905 19567000 6390000 1978000
1910 29404000 8650000 2954000
1914 38813000 10080000 3976100

1) Verkehrsrückgang infolge Eröffnung der Berliner Stadtbahn im Jahre 1882.

2) Verkehrszunahme infolge Einführung des elektrischen Betriebes in den Jahren 1897 bis 1901.

Eine Vereinigung der Gesellschaft mit der Großen Berliner Straßenbahn konnte nicht in Frage kommen,weil die Vertragsverhältnisse der beiden Straßenbahnen völlig abweichen. Dagegen ist es durch Einführung der Personalunion in der Spitze der beiden Verwaltungen möglich geworden, den Betrieb einheitlich zu gestalten und die Verkehrsinteressen fördernde, gemeinsame Einrichtungen zu treffen.

Ueber die Verkehrsentwicklung der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn während der 50 Jahre gibt vorstehende Tabelle Auskunft.

v. L.

Die Bergakademie Berlin zählt im Sommerhalbjahr 1915 10 etatsm. Professoren, 21 Dozenten, 6 Privatdozenten, 8 Assistenten und 135 Studierende.

Von den etatsm. Professoren steht einer im Felde als Rittmeister und Kommandeur eines Pferdedepots, einer als Hauptmann d. R. eines Eisenbahnregiments, einer ist zur Dienstleistung bei der Geschoßfabrik in Spandau kommandiert und einer befindet sich in Südamerika, wo er bereits vor Ausbruch des Krieges weilte.

Von den Dozenten sind zwei im Felde, einer ist Mitglied der Kaiserl. Deutschen Zivilverwaltung für Rußland, einer Mitglied der Kaiserl. Deutschen Zivilverwaltung in Brüssel, einer Leiter einer Versuchsanlage zur Herstellung eines nötigen Kriegsgutes und einer Krankenpfleger beim Roten Kreuz.

Von den Privatdozenten steht einer im Felde, einer liegt zurzeit schwer verwundet in einem Sanatorium im Schwarzwald und ein dritter steht als Leutnant d. L. beim Ers.-Bat. eines Infanterieregiments.

Von den acht Assistenten stehen fünf im Felde.

Von den Besuchern der Bergakademie stehen 111 im Felde, so daß die tatsächliche Besucherzahl nur 21 beträgt.

Auf dem Felde der Ehre gefallen sind bisher 16 Studierende (vier davon waren bereits mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet), das sind, bezogen auf die Besucherzahl im Sommerhalbjahr 1914, etwa 8 v. H.; die entsprechende Zahl an der Technischen Hochschule Charlottenburg beträgt 1,8 v. H. Vermißt werden vier Studierende. In Gefangenschaft befinden sich drei Studierende. Verwundet sind zurzeit 17 Studierende.

Kriegsauszeichnungen haben bisher erhalten (ohne die Gefallenen) 1 Professor, 3 Dozenten (einer davon das Eiserne Kreuz II Kl. am weißen Bande), 2 Privatdozenten, 2 Assistenten und 23 Studierende, zwei davon das Eiserne Kreuz I. Klasse.

† Herr Geheimer Baurat Emil Rathenau, Generaldirektor der AEG, ist am 20. Juni d. J. nach kurzer Krankheit verschieden.

|268|

Osc. Knoblauch und Max Jakob, Die Abhängigkeit der spezifischen Wärme cp des Wasserdampfes von Druckund Temperatur. Zeitschr. d. Ver. d. Ing. 51 S. 81 bis 88, 124 bis 131, 1907.

|268|

Osc. Knoblauch und Hilde Mollier, Die spezifische Wärme cp des überhitzten Wasserdampfes für Drucke von 2 bis 8 kg/cm2 und Temperaturen von 350 bis 550° C. Zeitschrift d. Ver. d. Ing. 55 S. 665 bis 673, 1911.

|271|

Sit venia verbo für das unbequeme „Parallelepiped“; ich übernehme die nicht üble Verdeutschung aus Kuhlmann und Nitzsche, Kostenberechnung im Ingenieurbau. (Weshalb nicht das längst eingeführte Wort: Spat? Red.)

|272|

„Von der Feldpost zur Postreform“. Verlag C. E. Poeschel Leipzig.

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