Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1915, Band 330 (S. 469–478)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj330/ar330090

Polytechnische Schau.

Herstellung von Geschossen in amerikanischen und kanadischen Werkstätten. In Stahl und Eisen 1915 Heft 41 findet sich eine Zusammenfassung von Aufsätzen aus amerikanischen Zeitschriften über die Herstellung von Geschossen in amerikanischen und kanadischen Werkstätten, der wir einige Einzelheiten entnehmen.

18-pfündige Schrapnells werden dort durch Zerschneiden 4 m langer Stahlstangen und Pressen der etwa 125 mm langen Teilstücke angefertigt. Das Zerschneiden erfolgt durch Kaltsägen, Abstechbänke oder große Hobelmaschinen. Die Blöckchen werden darauf in Flammöfen erhitzt und gelangen in Pressen, die zwei Stempel und Matrizen besitzen. Während der Stahl 0,45 bis 0,55 v. H. Kohlenstoff, 0,70 Mangan und weniger als 0,04 v. H. Schwefel und Phosphor enthalten soll, bestehen Stempel und Matrizen aus gehärtetem Stahl mit 0,70 v. H. Kohlenstoff oder aus Hartguß. Das Blöckchen wird zuerst gelocht und dann durch Ziehen auf die Fertigabmessungen gebracht. Die Bordelpresse besitzt einen Preßdruck von 155 t bei 750 mm Hub, während die Rückzugskraft beim Abstreifen des vorgelochten Blockes auf 55 t gebracht wurde. Eine Presse liefert in zehn Stunden 1000 vorgelochte Blöckchen, wobei die Stempel täglich vier- bis fünfmal ausgewechselt werden müssen. Das Fertigziehen der Rohlinge erfolgt jetzt in Sonderpressen, in denen sich die fertiggezogenen Rohlinge selbsttätig vom Stempel abziehen, nachdem sie durch drei hintereinandergelegene Ziehringe gegangen sind. Die Ausbeute beträgt 70 Rohlinge in der Stunde. Beim Lochen muß die Temperatur der Blöcke 1100°, beim Ziehen 980° betragen. Auf einem Werk in Kanada werden die Rohlinge auf Stauchmaschinen und unter dem Dampfhammer hergestellt. Nach dem Vorlochen unter dem Dampfhammer wird der Block neu erhitzt und unter einer hydraulischen 500 t-Presse weitergelocht, wobei die Länge etwa 1/4 cm zunimmt. Nach abermaligem Erhitzen wird der Block auf einer ebensolchen Presse durch zwei Ziehringe gezogen, deren Matrizen aus Gußeisen hergestellt, an den Arbeitsflächen gehärtet sind und bis 1000 Rohlinge liefern, während der stählerne Stempel 500 Pressungen aushält. Auch die Formgebung des spitzen Geschoßteils erfolgt unter dem Dampfhammer.

Ueber das Stanzen der Pulverkammer-Verschlußscheiben für britische Schrapnellhülsen werden folgende Angaben gemacht: Zur Aufnahme der Sprengladung dient eine dicke Büchse aus Zinn, die in die Pulverkammer eingesetzt wird, und die durch eine sich dem Boden der Zinnbüchse anschmiegende Stahlscheibe abgeschlossen wird. Letztere dient dazu, den Druck aufzunehmen, den die Füllung von etwa 11 Pfund Bleikugeln infolge des Beharrungsvermögens beim Abfeuern der Geschosse auf die Zinnbüchse mit der Treibladung ausüben würde. Die Scheiben werden aus 63 mm breiten, 12 mm dicken Flachstäben aus weichem Stahl ausgestanzt. Eine Stange liefert in zehn Stunden 3500 solcher Scheiben.Während der Fertigpressung werden Stempel und Matrizen von Kühlwasser überflutet. Danach werden die Scheiben auf einer Drehbank gebohrt und mit Gewinde versehen, und auf einer anderen Maschine wird der Grat entfernt.

Die Hülsen für Hochexplosiv-Granaten werden aus Rundstahl geschmiedet. Am Bodenstück wird eine besondere aus Flachstahl geschmiedete Bodenplatte eingeschraubt, damit nicht beim Vorhandensein von Lunkern die Flamme der Treibladung im Kanonenrohr durch diese hindurchschlägt so die Füllung der Granate in Brand setzt und Rohrkrepierer veranlaßt. Solcher Bodenplatten werden von zwei Arbeitern in 24 Stunden 2000 geschmiedet.

In einer Stahlgießerei werden Blöckchen für 11,4 cm-Haubitzen-Schrapnells in gußeisernen Dauerformen gegossen. Das Material muß 30 kg/mm2 Elastizitätsgrenze, eine Zugfestigkeit von 55 bis 77 kg/mm2 und eine Dehnung von 20 v. H. haben, bei einem Kohlenstoffgehalt von 0,45 bis 0,55. Der Gehalt an Nickel beträgt bis 0,50, an Mangan 0,4 bis 1,0, an Schwefel und Phosphor unter 0,05 v. H. Die Kokillen werden auf einen drehbaren Ring gesetzt, der von Hand gedreht wird, während die Gießpfanne stehen bleibt. Jeder Gießtisch trägt 50 Kokillen. In 24 Stunden werden vier Chargen geschmolzen mit einer Erzeugung von 300 Blöckchen je Charge oder 2400 Schrapnellblöckchen, die man aber in Kurzem auf 4000 zu steigern gedenkt.

Auf Drehbänken wird der verlorene Kopf abgestochen und das Blöckchen geteilt.

Loebe.

Ueber Brennstoffe und Motorentreibmittel in Kriegszeiten berichtet Dr. Aufhäuser in der Chemiker-Zeitung 1915 S. 545. Die Bedeutung der Brennstoffe und Motorentreibmittel im neuzeitlichen Kriege ist darin begründet, daß der Krieg großer bewegender Kräfte bedarf, die unabhängig von Ort und Zeit sind. Die Wärmekraftmaschinen sind die bewegende Kraft für das Kriegsschiff, die Lokomotive, den Kraftwagen und das Luftfahrzeug, nicht minder aber bedürfen Industrie und Gewerbe im Lande selbst der Brennstoffe. Die Brennstoffversorgung Deutschlands war bei Ausbruch des Krieges sehr gut gerüstet, zumal man sich in den letzten Jahren sehr eingehend mit den Brennstoffen und der besten Form ihrer Verwertung befaßt hatte. Als die wirtschaftlichste Verwertung der festen Brennstoffe hat man, obwohl die Herrschaft der Dampfmaschine heute noch eine unumstrittene ist, die Verkokung erkannt, weil hierbei chemisch wertvolle Stoffe wie Teer, Ammoniak und Cyan, erhalten werden. Diese auf die chemische Ausnutzung der Kohle gerichteten Bestrebungen haben eine weitere Förderung erfahren durch die zunehmende Bedeutung, die die Verbrennungsmotoren und damit die flüssigen Brennstoffe erreicht haben. Gerade der Krieg hat in dieser Hinsicht belehrend gewirkt, weil er die große Wichtigkeit der inländischen Erzeugung der notwendigsten Rohstoffe gezeigt hat.

|470|

Die Steinkohlenerzeugung Deutschlands steht zwar der Menge nach an dritter Stelle, was jedoch die technische Durchführung betrifft, unzweifelhaft an erster Stelle. Namentlich zeigt sich die Ueberlegenheit des deutschen Steinkohlenbergbaues in der Herstellung von Koks und Briketts. Vor dem Kriege führte Deutschland rund ein Sechstel seiner Steinkohlenerzeugung aus, und zwar nach der Schweiz, Holland, Belgien und Nordfrankreich, zum Teil aber auch in weiter entfernte Länder. Der deutsche Hüttenkoks war begehrt in Skandinavien und Rußland, ebenso in Nordfrankreich, und die deutschen Briketts machten ihren Weg bis in die Häfen des Mittelmeers und der südamerikanischen Ostküste. Die infolge des Krieges eingetretene Verminderung der Steinkohlenförderung wurde schnell ausgeglichen durch eine andere Verteilung der Kohlen nach Menge und Art, wozu die geänderten Ausfuhrverhältnisse eine Handhabe bildeten.

Seit Kriegsbeginn wird vom Staate sowie von den großen Produktionsverbänden die ausgiebige Verwendung von Koks angelegentlich empfohlen, diese Bestrebungen haben indessen nicht immer das richtige Verständnis gefunden. Wenn trotz einer Knappheit an Kohlen nach wie vor große Kohlenmengen verkokt werden, so geschieht dies deshalb, weil die Verkokung gerade in Kriegszeiten wegen der Nebenprodukte (Benzol, Teeröl und Ammoniak) wichtig ist. Infolgedessen muß die Kokerei, trotzdem der Koksabsatz zurückgegangen ist, mindestens in demselben Umfange wie in Friedenszeiten aufrecht erhalten werden, und zur Vermeidung einer Anhäufung des Kokses muß jeder Kohlenverbraucher sich darauf einrichten, einen Teil seiner Kohle durch Koks zu ersetzen. In industriellen Feuerungen traten nun anfangs Schwierigkeiten auf, weil in der Verwendung von Koks auf diesem Gebiete nicht genügend Erfahrungen vorlagen, diese Schwierigkeiten lassen sich aber leicht überwinden, wenn man nur die besonderen Eigenschaften des Kokses und seine Verschiedenheit gegenüber Rohkohle hinsichtlich der Entzündung und Verbrennung berücksichtigt. Die Koksfeuerung erfordert eine höhere Brennstoffschicht und stärkeren Zug als Kohlenfeuerung, sie ist weniger anpassungsfähig als diese, dafür aber bedeutend nachhaltiger. Wo zur Erzielung einer größeren Anpassungsfähigkeit ein Gemisch von Koks und Kohle verwendet wird, ist darauf zu achten, daß nicht jede Kohle sich zur Mischung mit Koks eignet. Es dürfen nur ältere Steinkohlen hierfür verwendet werden, am besten Magerkohlen, Fettkohlen und ältere Formen der Gaskohlen. Die Bestrebungen, durch möglichst umfangreiche Verkokung der geförderten Kohlen eine Großgasversorgung ganzer Landesteile zu ermöglichen, werden durch den Krieg zweifellos eine viel stärkere Förderung erfahren, als dies in Friedenszeiten jemals möglich gewesen wäre.

Neben der Steinkohle darf in Deutschland auch die Braunkohle gleiche Bedeutung beanspruchen, namentlich im Hinblick auf die hochentwickelte Braunkohlenbrikett-Industrie. In Form von Briketts, die bekanntlich ohne Zusatz eines Bindemittels hergestellt werden, ist die Braunkohle ein transportfähiger Brennstoff mit schätzenswertenEigenschaften. Diese Briketts, die sich besonders in den Großstädten dauernde Großabnehmer erworben haben und an manchen Orten mit den Steinkohlen sogar in einen fühlbaren Wettbewerb getreten sind, bilden in Kriegszeiten einen wertvollen Bestandteil unserer Brennstoffversorgung, zumal die im Tagebau erfolgende Braunkohlengewinnung viel leichter und rascher gesteigert werden kann als die Steinkohlenförderung. Die überaus günstige Lage unserer Braunkohlengebiete zu den Industriezentren ermöglicht es übrigens, daß auch Rohbraunkohlen in großen Mengen verfeuert werden.

Die flüssigen Brennstoffe sind erst durch die Entwicklung der Verbrennungsmotoren im letzten Jahrzehnt zu größerer Bedeutung gelangt. Sie haben vor den festen Brennstoffen den Vorzug, daß ihr Heizwert viel höher ist, daß sie sich vorteilhafter lagern und transportieren lassen und daß sie ohne Rauchentwicklung verbrennen. Für die Dieselmotoren finden die mittleren und schweren Destillate des Petroleums und des Teers Verwendung, für die Explosionsmotoren dagegen nur die leicht siedenden Anteile, wie sie uns das Petroleum in Form von Benzin und der Teer in Form von Benzol liefern. Da für beide Maschinenarten in Friedenszeiten die Petroleumderivate entschieden bevorzugt wurden, die deutsche Petroleumerzeugung aber weder nach Menge noch Art ihrer Produkte den inländischen Bedarf zu decken vermag, mußten wir große Mengen dieser Oele aus Galizien, Rumänien, Rußland und Amerika beziehen, befanden uns also für den Kriegsfall in einer gewissen Abhängigkeit vom Auslande. Die Gewinnung von Paraffinöl bei der Verarbeitung der Schwelkohle in Mitteldeutschland bietet eine gewisse Hilfsquelle für die Beschaffung von Gasöl, nicht aber von Benzin. Einen Ersatz für diese beiden Stoffe zugleich liefert aber die Destillation des Steinkohlenteers. Sie ist durch den Krieg zu einer Bedeutung gelangt, die von weitblickenden Fachmännern schon immer vorausgesehen, in Friedenszeiten aber nicht immer gewürdigt wurde. Das „Leichtöl“ des Teers liefert uns das Benzol und das „Mittelöl“ das Teeröl. Die Verwendung dieser Oele zum Motorenbetriebe bereitete anfangs gewisse Schwierigkeiten, die aber von der Technik bald überwunden wurden. Namentlich wurde das gegen die Verwendung von Benzol zum Automobilbetrieb bestehende Vorurteil durch den Krieg völlig beseitigt. Dieser Erfolg berechtigt zu der Erwartung, daß die deutsche Brennstoffindustrie durch den Krieg eine beschleunigte Entwicklung ihrer Zukunftspläne erfahren wird, wie sie in Friedenszeiten vielleicht erst in Jahrzehnten erreicht worden wäre.

Sander.

Die Maschinen-Nietung unter Kontrolle. (Schuch, Verein deutscher Masch.-Ing.) Die Kontrolle über die Güte der Nietungen wird im allgemeinen durch Stichproben vollzogen. Dies geschieht in der Weise, daß sich der Prüfer nach seinem Ermessen mehrere Niete abschlagen läßt und nach dem Ansehen der Bruchfläche und der Füllung des Loches die Güte der eingezogenen Niete beurteilt. Eingehende Untersuchungen über den |471| Einfluß des zulässigen Schließdruckes und der notwendigen Druckdauer, um ein zuverlässiges Ausfüllen des Nietloches und ein dauerndes Dichthalten der Blechfugen zu sichern, ohne dabei Niete und Blech zu schädigen, haben unzweideutig den Nachweis erbracht, daß: erstens für jeden Nietdurchmesser ein bestimmter höchster Schließdruck vorhanden sein muß, dessen Ueberschreitung keine Erhöhung der Dichtigkeit, sondern im Gegenteil schwere Schädigungen der zu vereinigenden Bleche zur Folge hat; zweitens die Nietung nur dann dicht hält, wenn der Schließdruck eine gewisse Zeit auf dem Niet lastet.

Die bisherige Arbeitsweise ist ungenügend; sie kann und muß bedeutend verbessert werden. Die näheren Verhältnisse zwischen Handnietung und Maschinennietung wurden erst durch Versuche von C. Bach, Stuttgart, und anderen in den letzten Jahren klargelegt. Schon die ersten Versuche ergaben das Unzutreffende der Annahme, die Güte der Maschinen-Nietungen sei ganz allgemein höher als die der Handnietungen. Es muß daher verlangt werden, daß jede gut eingerichtete Kesselschmiede oder Brückenbauanstalt ihre Nietarbeit hinsichtlich der Güte untersuche. Diese Ueberwachung läßt sich aber in völlig einwandfreier Weise nur durch einen selbsttätig arbeitenden Apparat ausführen, der nach erfolgter Nietung graphisch den auf die Nietung verwendeten Druck und die angewandte Zeitdauer erkennen läßt und überdies selbsttätig durch eine Zeit-Uhr dem Arbeiter die voranschreitende Zeit der Nietdauer zeigt.

Der Schuchsche Nietkontroller erfüllt diese Aufgaben. Auf einem fortlaufenden Papierstreifen werden zwei Diagramme aufgezeichnet. Das eine stellt in fortlaufender Reihenfolge die einzelnen Nietungen dar. Die Stunden der Arbeitschicht mit genauer Angabe der Arbeitzeit und der Zwischenpausen sind aus einem zweiten Diagramm ersichtlich.

Der Apparat überwacht die Nietmaschine und den ganzen Nietvorgang. Jedes Einzelne Diagramm einer Nietung gibt die aufeinanderfolgenden Phasen wieder:

  • 1. Anwachsen, Höchstleistung und Sinken des Druckes,
  • 2. Zeit in Sekunden der unter 1 genannten drei Stufen,
  • 3. die Tageszeit, zu der die aufgezeichnete Nietung erfolgte.

Aus diesen Diagrammen ergibt sich:

  • 1. Güte und Menge der geleisteten Arbeit,
  • 2. Arbeitleistung der Maschine,
  • 3. Arbeitleistung des Arbeiters,
  • 4. schriftlicher Beleg für Kalkulation, Rechnung und rechtliche Fragen.

Der Apparat stammt aus der Praxis; an ihm ist bereits 1 l Jahre lang gearbeitet worden.

Messungen über die Form der Stirn von Wanderwellen. In den Spalten der elektrotechnischen Zeitschriften nehmen Erörterungen einen ziemlich breiten Raum ein, die sich mit der Frage befassen, welche Gestalt die Stirn einer in einer elektrischen Leitung fortschreitenden elektrischen Stromwelle annimmt. (Vergl. u.a. D. p. J. Bd. 329 S. 426.) Wenn eine Rohrleitungan einen unter Druck stehenden Flüssigkeitsbehälter angeschlossen wird, so ist es unter Umständen auch nicht gleichgültig, in welcher Form die hydrostatische Spannungswelle in der Leitung voranschreitet. Angenommen, die Leitung könnte plötzlich durch ungemein schnelles Oeffnen eines Ventils frei werden, so würde die Flüssigkeitsäule mit – zur Achse der Rohrleitung – senkrechter Stirn in diese eindringen. Sehen wir zunächst von gewissen Kräften ab, welche die Frontform der Flüssigkeitswelle verändern könnten, so würde diese mit der vorhandenen steilen Front weiterlaufen und kann dadurch am Empfangsort – beispielsweise in einem Arbeitszylinder – zerstörende, oder wenigstens die Festigkeit der Konstruktionsteile hoch beanspruchende Wirkungen auslösen. Der Vorgang gleicht in seinen Wirkungen einem mechanischen Schlag; in der Praxis ist dafür auch der Ausdruck „Wasserschlag“ viel gebräuchlich.

Nun kann im hydraulischen Beispiel niemals ein Ventil unendlich schnell gezogen werden, daher kann auch die angenommene senkrechte Front nicht auftreten, weil zu Beginn der Oeffnung des Ventils der starken Drosselung wegen zunächst nur geringe Flüssigkeitsmengen hindurchtreten können. Anders glaubte man aber in dem entsprechenden elektrischen Falle annehmen zu können, da beim elektrischen Schalter die geringste Berührung gleichbedeutend mit der vollen Verbindung des angeschlossenen Leiters mit der Stromquelle wäre. Allerdings ist auch hier im Augenblick der Berührung die Kontaktfläche am Schalter unendlich klein, mithin der Uebergangswiderstand unendlich hoch, aber es wäre fraglich, ob hierdurch eine nennenswerte Abdrosselung des Stromes eintreten würde, da bei höheren Spannungen – denn um diese handelt es sich ja nur, da die auftretenden Zerstörungen (Durchschläge) nur Spannungswirkungen sind – schon vor erfolgter Berührung der Kontaktorgane elektrische Energie in Form eines Funkens übertritt. Aber auch der Funke schafft keine sofortige widerstandsfreie Verbindung, seine Charakteristik ist eine fallende, d.h. mit zunehmender Stromstärke nimmt der Widerstand ab, ist jedenfalls anfänglich beträchtlich. Demgemäß hat das Problem nur in quantitativer Hinsicht eine Bedeutung, wobei es wichtig wäre, zu ermitteln, in welchem Maße sich die gefürchtete Steilheit der Wellenstirn tatsächlich einstellt. L. Binder (E. T. Z. 1915 Heft 20 bis 22) hat eingehende Untersuchungen darüber angestellt, die gezeigt haben, daß von einem sprunghaften Verlauf der Stromwelle keine Rede sein kann. Bekanntlich müßte bei senkrechter Wellenfront in dem jeweilig vor dieser Front liegenden Teile der Leitung die Spannung Null, gleich dahinter aber die volle Spannung bestehen, entsprechend dem hydraulischen Beispiel, bei dem man sich sehr gut die in einem Rohre vorschießende Flüssigkeitssäule vorstellen kann. Je nach der Abweichung von der Senkrechten kann man dann die Front als mehr oder weniger steil bezeichnen, die Spannung im Leiter wird, vom Anfangspunkt der Welle gemessen, nicht unmittelbar auf den vollen Wert springen, sondern dieser Aufstieg wird, über ein entsprechendes Stück Leitung verlaufend, |472| allmählich erfolgen. Binder hat gefunden, daß in 1 m Abstand vom Wellenanfang etwa 12 v. H., in 20 m Entfernung etwa 70 v. H. der vollen Wellenspannung vorhanden waren. Allerdings gilt dies nur für Freileitungen und annähernd auch für Kabel. An Stellen mit konzentrierter Selbstinduktion, wie bei einem Uebergange der Freileitung in die Transformator- oder Maschinenwicklung – vergleichbar mit einer Drosselstelle in einer Flüssigkeitsleitung – könnte zwar eine Spannungstauung eintreten, jedoch haben solche Wicklungen meist eine so erhebliche Kapazität, daß der Absolutwert der einziehenden Spannungswelle weit heruntergedrückt wird, wodurch die Spannungsdifferenz zwischen zwei angenommenen Punkten der Leitung geringer wird als bei einer gestreckten Leitung. Binder stellte beispielsweise bei einer Transformatorspule auf 2 m Windungslänge nur 6 v. H. der Einschaltspannung fest, während unter denselben Verhältnissen bei einer Freileitung 22 v. H. gemessen wurden. Jedoch ist der Vorgang viel zu verwickelt und hängt außerdem in seiner Gestaltung zu sehr von den jeweiligen Konstanten – Selbstinduktion und Kapazität – ab, als daß es möglich wäre, den Einfluß auf den Spannungsanstieg von vornherein zu deuten. Jeder Teil eines Stromkreises, in dem eine Aenderung der Konstanten auftritt, ist ein für sich schwingungsfähiges System, dessen Eigenwellen sich der aufgedrückten Spannungswelle überlagern. Binder fand bei einem Drehstrommotor an der ersten Windung des Stators (Windungslänge 1,2 m) 12 v. H. der Einschaltspannung, obwohl gerade solche in Eisen gebettete Wicklungen ganz erhebliche Kapazität besitzen.

Zur Messung der Spannungen von Wanderwellen konnten des ganz kurzseitigen Verlaufes wegen die üblichen Meßinstrumente nicht in Frage kommen. Binder benutzte deshalb sowohl die geeichte Funkenstrecke, als auch ein Hitzdrahtinstrument in besonderer Ausführung. In einer Glasbirne war, ähnlich wie in einer Glühlampe zickzackförmig ausgespannt, ein Wolframdraht von 0,011 mm Durchmesser, 0,7 m Länge und einem Widerstände von 450 Ω untergebracht. An die Spitze der Birne war ein enges kommunizierendes Glasrohr angeschmolzen, das zum Teil mit einer Flüssigkeit angefüllt war. Bei Stromdurchgang erwärmt der Widerstandsdraht den Luftraum der Birne und drückt den Flüssigkeitsfaden im Rohr zurück. Eine daneben befindliche Skala gestattete das Maß der Ablenkung abzulesen.

Dieser Widerstandsdraht wurde, in Reihe mit einem kleinen Kondensator an die zu messenden Punkte der Leitung gelegt. Längere Meßleitungen hätten größere Fehler zur Folge gehabt; deshalb wurde die zu messende Leitung an den Meßpunkten zu einer Schleife zusammengezogen. Bei der Meßfunkenstrecke war es nötig, den sogenannten Entladeverzug aufzuheben, der in einer gewissen Trägheit besteht, auf kurzdauernde Spannungsstöße anzusprechen. Dieser Verzug kann durch Bestrahlung der Funkenstrecke mit Radium- oder ultravioletten Strahlen aufgehoben werden, und dabei lieferte das Instrument leidlich genaue Ergebnisse.

Rich. Müller.

Koksbriketts. Ueber eine ökonomische Verwertung des in Gasanstalten als lästiges Nebenprodukt anfallenden Kokskleins berichtet Direktor Behr im Journal für Gasbeleuchtung 1915 S. 110 bis 113. Das Koksklein wurde bisher in der Regel im Gaswerk selbst zur Feuerung von Dampfkesseln mit Hilfe von Unterwindgebläsen verwendet. Hierbei ging viel unverbranntes Koksklein, das vom Unterwind mitgerissen wurde, verloren, und es trat eine starke Verschmutzung des Rauchkanals ein. Verfasser hat mit Erfolg versucht, aus dem Koksklein Briketts herzustellen. Nach mehrfachen Versuchen, derartige Briketts auf kaltem Wege herzustellen, die aber wegen des zu hohen Preises der anzuwendenden Bindemittel aufgegeben werden mußten, fand Verfasser ein brauchbares Verfahren in dem Zusatz von feinem Hartpech unter Erwärmung der Masse auf 300 bis 400°. Die Anlage besteht aus einer Presse mit Mischmaschine, einem Elevator, einem Ofen und einer Hartpechmühle. Die von einer Transmission angetriebene Presse ist als einfache Presse mit nur einem Matrizentisch ausgebildet, kann aber bei Bedarf als Doppelpresse arbeiten. In unmittelbarer Verbindung mit dieser Presse steht die Mischmaschine, in der das Koksklein mit dem Hartpechpulver innig vermischt wird. Die Zuführung des Materials in den Mischtrichter erfolgt mit Hilfe des Elevators, dessen Becher so eingestellt ist, daß dem Mischtrichter genau so viel frisches Material zugeführt wird wie fertige Briketts die Presse verlassen. In dem zu der Anlage gehörigen Ofen wird der einer Dampfkesselanlage entnommene Frischdampf mit Hilfe einer doppelten Rohrschlange auf etwa 350° überhitzt. Durch ein Gebläse werden dem Mischtrichter ferner die heißen Abgase des Ofens zugeführt, die neben dem überhitzten Dampf zur Herstellung fester Briketts erforderlich sind. Das Koksklein wird mit 6 v. H. gemahlenem Hartpech vermengt und durch den Elevator in die Mischmaschine gefördert, wo es von dem Rührwerk noch inniger gemischt wird. Durch den überhitzten Dampf und die heißen Abgase wird der Inhalt der Mischmaschine so stark erhitzt, daß das Hartpech schmilzt. Die erhitzte Masse gelangt nun in einen Füllbehälter und aus diesem in die zylindrischen Aussparungen des Matrizentisches. Dieser bewegt sich nach jedesmaliger Füllung der Hohlräume um 60° weiter, worauf die Preßstempel die 10 cm hohe Brikettmasse auf 6 cm zusammenpressen. Die fertigen Briketts werden nach einer weiteren Drehung um 60° aus dem Matrizentisch herausgestoßen und fallen über eine Rutsche in die darunter gestellten Karren, mit denen sie zum Lager gefahren werden.

Die Briketts haben zylindrische Form und sind 6 × 6 cm groß. Sie sind überall da verwendbar, wo eine Mindestschütthöhe des Materials von 20 bis 25 cm möglich ist; guter Schornsteinzug ist dabei natürlich Voraussetzung. Die besten Erfolge wurden bisher in eisernen Füllöfen und Zentralheizungsöfen erzielt.

Verfasser hat eine derartige Brikettierungsanlage bereits vor sechs Jahren im Gaswerk zu Kolberg eingerichtet, in der nicht nur die gesamte eigene Erzeugung des Gaswerkes an Koksklein verarbeitet wird, sondern |473| es ist infolge der lebhaften Nachfrage nach den Koksbriketts noch ein Zukauf von Koksklein erforderlich geworden. An Hand einer Rentabilitätsberechnung weist Verfasser nach, daß die Herstellungskosten für 1 Zentner Briketts 48,6 Pf. betragen, während sich der Verkaufspreis ab Gaswerk auf 70 Pf. beläuft. Mit der vorhandenen Presse lassen sich 21000 bis 22500 Ztr. im Jahre herstellen. Eine Doppelpresse könnte also bis zu 45000 Zentner im Jahre leisten, wodurch die Wirtschaftlichkeit der Anlage noch erheblich größer würde.

Sander.

Eisenerzförderung im Bergwerksbezirke von Nishnij-Nowgorod im Jahre 1914. Im Bergwerksbezirk von Nishnij-Nowgorod wird Eisenerz, und zwar vorzugsweise brauner Eisenstein, gefördert. Gebraucht wird das Erz von den örtlichen metallurgischen Werken. Die Entwicklung und Verminderung der Ausbeute steht in engem Zusammenhang mit der Tätigkeit dieser Werke.

Im Laufe des Jahrzehnts 1904 bis 1913 ist die Ausschmelzung von Roheisen in den metallurgischen Werken des Bezirks im ganzen geringer geworden; der Durchschnittsertrag ist von 2957000 Pud in der ersten Hälfte des Jahrzehnts auf 2688000 Pud in der zweiten Hälfte heruntergegangen, d.h. die Ausschmelzung hat sich um 269000 Pud oder um 9,1 v. H. vermindert. Im Zusammenhang damit ist auch die jährliche durchschnittliche Ausbeute an Eisenerz im Bezirke von der ersten Hälfte des Jahrzehnts zur zweiten von 6257000 Pud auf 4805000 Pud heruntergegangen, d.h. sie hat sich um 1452000 Pud oder um 23,2 v. H. vermindert.

Die durchschnittliche jährliche Eisenerzausbeute im Bergwerksbezirk von Nishnij-Nowgorod hat im Jahrzehnt 1904 bis 19135531000 Pud betragen und machte nur etwa 1,5 v. H. der gesamten Eisenerzausbeute in dieser Zeit im Russischen Reiche aus.

Die Verminderung der Ausbeute, welche sich nach dem Jahre 1912 erneuert hatte, dauerte fort. Im Jahre 1913 wurden 4281000 Pud Eisenerz, um 1375000 Pud oder 24,3 v. H. weniger als im Jahre 1912, gewonnen.

Nach amtlichen Feststellungen des Bezirksingenieurs des Bergwerkbezirks von Nishnij-Nowgorod sind im Jahre 1914 in diesem Bezirke 4070000 Pud Eisenerz gefördert worden, was im Vergleich zur Ausbeute im Jahre 1913 eine Abnahme von 211000 Pud oder um 4,9 v. H. ausmacht. Gegen die durchschnittliche Jahresausbeute im Jahrzehnt 1904 bis 1913 ist die Ausbeute des Jahres 1914 um 1461000 Pud oder um 26,4 v. H. zurückgeblieben. 1139 Arbeiter waren im Bergwerksbezirk von Nishnij-Nowgorod tätig, während im Jahre 19131451 Mann in diesen Gruben beschäftigt waren.

Die Roheisenausschmelzung ist im Bezirk bedeutend stärker zurückgegangen als die Förderung von Eisenerz. Im ganzen sind nach amtlichen Feststellungen 2047000 Pud Roheisen ausgeschmolzen worden, um 741000 Pud oder 26,6 v. H. weniger als im Jahre 1913 und um 775000 Pud oder 27,5 v. H. weniger als im jährlichen Durchschnitt des Jahrzehnts 1904 bis 1913. (Wjestnik Finanzow, 13./26. September 1915.)

Rauch- und Staubwascher. In Abb. 1 und 2 ist eine neue Rauchwaschvorrichtung dargestellt, bei der die Wasseröffnungen oder Düsen so angeordnet sind, daß Vakuum- oder Stauwirkung vermieden wird. Die Vorrichtung besteht im wesentlichen aus einem umlaufenden Wasserverteiler, der zugleich als Ventilator und Zugerzeuger für Rauch, Luft und Gase dienen kann. Die Wasserdüsen werden dabei auf der Vorderseite oder_–kante der Flügel angebracht, so daß das Wasser tangential zur Drehrichtung des Ventilators austritt. Vorteilhaft wird mit dem vereinigten Wasserverteiler und Ventilator eine Vorrichtung zum Ablenken des Rauches usw. von der Triebwelle des Ventilators verbunden. Auch die Ablenkungsvorrichtung kann mit Wasserdüsen versehen sein.

Textabbildung Bd. 330, S. 473
Textabbildung Bd. 330, S. 473

In Abb. 1 ist ein Schraubenventilator an geeigneter Stelle im Kamin oder im Rauchkanal b angeordnet. Die hohle Triebwelle c ist mit einem Wasserzuflußrohr f verbunden. Mit d sind die Wellenlager bezeichnet. Die Flügel g des Ventilators a sind ebenfalls hohl und mit dem hohlen Teile der Welle c verbunden. Die Wasserdüsen der Flügel sind mit h bezeichnet (Abb. 2). Unterhalb der Flügel g des Ventilators ist die Ablenkungsvorrichtung j angebracht, die den Rauch von der Welle c gegen die Schaufeln g leitet. Auch die Ablenkungsvorrichtung j ist hohl und mit dem hohlen Teile der Welle c verbunden, die Wasserdüsen k sind auch hier tangential angeordnet.

Statt im Kamine oder in dem Rauchkanale b kann die Vorrichtung in einem Abzweigkanale oder in einem besonderen Raume angebracht werden, der mit dem Fuchs und dem Kamine oder dem Rauchkanale b in Verbindung steht. Mittels Absperrschieber kann der Rauch nach Wunsch entweder durch den Kanal oder unmittelbar in den Kamin b geleitet werden.

Um besser das Mauerwerk des Kamins b (Abb. 1) schützen zu können, wird vorteilhaft in der Nähe des Ventilators a Wellblech oder eine ähnliche Wandbekleidung angebracht, die mit einem Sammelbecken zum Auffangen des Wassers versehen ist. Vorteilhaft ist es auch, den Kamin an der Stelle, wo der Ventilator eingebaut ist, zu erweitern.

Die hier beschriebene Vorrichtung kann mit Vorteil auch bei Dampfschiffen, besonders bei Kriegsschiffen, Verwendung finden, um die Rauchgase möglichst unsichtbar |474| zu machen. Die Vorrichtung kann auch zum Reinigen und Waschen von Luft und anderen Gasen, ferner zur Ausscheidung von Kohlenstaub in Bergwerken Anwendung finden. (Zeitschrift Rauch und Staub 1915 S. 189 bis 191.)

W.

Die elektrische Beleuchtung von Personenwagen nach dem System Dick. Bei diesem System dient eine von der Wagenachse durch Riemen angetriebene, mit einer Batterie parallel arbeitende Dynamo der üblichen Bauart als Stromquelle. Schaltung und Regelung der Dynamo erfolgen selbsttätig von einem mit Kompoundwicklung versehenen Regler. Bei stehendem Zuge werden die Lampen von den Akkumulatoren gespeist, wobei naturgemäß die Dynamo abgeschaltet ist. Ist der Zug dagegen auf der Fahrt, so erfolgt die Stromlieferung von der Dynamo, und die Batterie wird wieder voll aufgeladen. Da nun nicht nur die Drehrichtung, sondern auch die Antriebsgeschwindigkeit als vom Betriebszustande des Zuges abhängig veränderlich sind, trotzdem aber die Spannungsschwankungen an den Lampen ein verhältnismäßig engbegrenztes Maß nicht überschreiten dürfen, so erscheint die Aufgabe des Reglers nicht leicht. Einerseits ist ein mäßiges Ueberladen der Zellen zur Verhinderung der Sulfatbildung erwünscht, wozu etwa 2,4 V. für die Zelle nötig sind, andererseits darf eine stark entladene Zelle nur an eine erheblich ermäßigte Spannung angelegt werden, um die sonst auftretenden ganz bedeutenden Einschaltströme zu vermeiden, die zu Störungen Anlaß geben würden. Wenn nun auch zur normalen Ladung einer Zelle eine Spannung von 2,25 V. genügt, so darf nach dem vorgehend Gesagten Dynamo und Regler keineswegs auf konstante Spannung regulieren, vielmehr soll die Regelungscharakteristik derart verlaufen, daß die Dynamo dann den Grenzwert von 2,4 V. für die Zelle erreicht, wenn die Batterie voll geladen, also der Ladestrom annähernd auf Null gesunken ist; andererseits soll die Dynamo dann die Klemmenspannung von 2,25 V. für die Zelle annehmen, wenn bei aufgeladener Batterie die Dynamo allein den vollen Lampenstrom zu liefern hat. Es soll also die Spannung der Dynamo bei steigendem Strom fallen. Der Regler erreicht dies dadurch, daß neben einer im Nebenschluß erregten Relaisspule noch eine vom Hauptstrom durchflossene und gleichsinnig auf einen Eisenkern wirkende Spule angeordnet ist. Sowohl bei steigender Spannung, als auch bei steigendem Strom wird der Eisenkern gehoben, Er taucht in ein mit Quecksilber angefülltes Gefäß, in das – in entsprechenden Abständen voneinander – Abzweigungen von einem in Reihe mit der Nebenschlußerregerwicklung der Dynamo liegendem Widerstand hineinragen. Sinken Spannung oder Strom, so senkt sich auch der Eisenkern des Reglers und verdrängt dadurch mehr Quecksilber. Dieses steigt in dem Gefäß und schließt entsprechend mehr Widerstandsstufen kurz, infolgedessen die Dynamospannung wieder steigt. Die Einrichtung ist in dieser Form unabhängig von der Zuggeschwindigkeit, sobald natürlich eine gewisse Mindestgeschwindigkeit erreicht ist. NachfolgendeAbbildung stellt das Gesamtschema der Anlage dar.

Der Dynamoanker c wird der Fahrtrichtung entsprechend sowohl in rechtsläufigem als auch linksläufigem Sinne betrieben. Damit nun nicht die Stromrichtung umkehrt, was wegen des Zusammenarbeitens mit Akkumulatoren unzulässig wäre, sind die Kommutatorbürsten mit ihrem Träger beweglich angeordnet und werden durch Reibung bis zur Anlage an einen Anschlag mitgenommen. Mit der Fahrtrichtung ändern die Bürsten auch ihre Lage am Kommutator, so daß der Strom stets in gleicher Richtung fließt. Beim Anfahren erzeugt die Dynamo zunächst nur eine geringe Spannung. Hierbei ist die Verbindung mit der Batterie d noch durch einen Schalter l-o-m getrennt, dessen Steuerspule s von der Dynamospannung erregt wird. Nun ist die Zugkraft der Feder q so bemessen, daß erst bei voller Nutzspannung der Schalter geschlossen wird, somit also ein Rückfließen des Stromes von der Batterie aus verhindert ist. Inzwischen hatte auch der Spannungsregler seine Tätigkeit übernommen. Fehlte auch zunächst die Wirkung der Stromspule i, so veranlaßte doch die steigende Spannung in der Spannungsspule a eine entsprechend wachsende Zugkraft auf den Eisenkern. So lange die Mindestspannung nicht erreicht war, blieben sämtliche Widerstände kurzgeschlossen. Sowie jedoch die Grenze überschritten wurde, trat durch das Zusammenwirken von Strom und Spannung die schon vorgehend beschriebene Regelung ein, in Abhängigkeit vom Ladezustande der Batterie.

Textabbildung Bd. 330, S. 474

Die Anlagen werden für die verhältnismäßig niedrige Spannung von 26,5 V. gebaut, und zwar werden Metallfadenlampen verwendet. Einerseits die unvermeidlichen Erschütterungen des Eisenbahnbetriebes, andererseits die bei diesem Beleuchtungssystem auftretenden Spannungsschwankungen, die bei der Anfahrperiode 10 v. H. erreichen, sind den Metallfadenlampen zwar nicht günstig, doch führt gerade die niedrige Betriebsspannung zu Lampen mit verhältnismäßig dicken und deshalb unempfindlichen |475| Fäden. Die Betriebserfahrungen sind sowohl in dieser Hinsicht, als auch bezüglich der Betriebsicherheit des gesamten Systems sehr günstig gewesen. 1½ Jahre ununterbrochen in Betrieb gewesene Anlagen waren noch vollständig betriebsfähig auch hinsichtlich der Akkumulatoren. Insgesamt sind bisher 900 Eisenbahnwagen mit dieser Beleuchtung ausgerüstet worden.

Die Maschinen werden in fünf Größen, und zwar für 180 bis 1300 HK. ausgeführt. Erbauerin sind die Oesterreich. Siemens-Schuckertwerke. (Sonderabdruck aus der Elektrotechn. Zeitschrift.)

Rich. Müller.

Verschiebemaschine für Fabrikgleise. Es ist schon längst der Wunsch laut geworden, eine Verschiebelokomotive von äußerst gedrängter Bauart zu erhalten, die gestattet, einen Wagen mit der Lokomotive zusammen auf der Drehscheibe zu drehen, ohne daß dadurch übermäßig große Drehscheibendurchmesser notwendig sind. Bis jetzt ist es sehr oft, doch meist ohne Erfolg, versucht worden, eine solche kurze Verschiebemaschine;, einen sogenannten „Lokomotor“, herzustellen, die bei ausreichender Betriebssicherheit eine der Neuzeit entsprechende hohe Wirtschaftlichkeit aufweist.

Bei einem solchen ausgeführten Lokomotor ist das kastenförmig ausgeführte Wagengestell 1,5 m lang, 1,85 m breit und 0,45 m hoch. Es ist aus kräftigen Winkel- und U-Eisen mit Stahlblechverkleidung hergestellt. Das Gestell wird von zwei in Rollenlagern laufenden Stahlgußradsätzen getragen. In seinem Innern befindet sich die Antriebsmaschine, der Vergaser, Kühler, Brennstoffbehälter, Getriebe und Schaltung. Zur Erzeugung der erforderlichen Zugkraft bis zu 1800 kg dient ein stehender vierzylindriger Motor von 20 bis 25 PS, der mit Benzin, Benzol, Naphthalin usw. betrieben werden kann. Die Kurbelwelle des Motors ist aus Chromnickelstahl, die Zylinder mit dem Kurbelgehäuse sind aus Stahlguß gefertigt. Die vorhandenen Ventile sind des leichteren Auswechselns wegen in gleicher Größe ausgeführt und können leicht und schnell nachgesehen und ausgewechselt werden. Der Motor ist mit einer betriebsicheren Oeldruckpumpe, einem Hochspannung-Zündapparat, sowie mit einem selbsttätigen Spritzvergaser ausgerüstet. Die Abgase werden derart gereinigt, daß sie den Motor nahezu geruchlos verlassen.

Das Getriebe ist sehr leicht zugänglich angeordnet. Es besteht aus gefrästen und im Einsatz gehärteten sowie geschliffenen Rädern und Wellen aus Chromnickelstahl. Das Getriebe läuft in doppelreihigen Kugellagern und ist durch ein Kardangelenk gegen Verbiegung und Verwindung geschützt. Die Geschwindigkeiten für Vor- und Rückwärtsfahrt sind einstellbar. Der Antrieb der Laufräder erfolgt durch Gelenkketten. Der Lokomotor ist ferner mit einem Spill versehen, das unmittelbar vom Getriebe aus angetrieben werden kann, und besonders beim Drehen von Drehscheiben, sowie zum Heranholen einzelner Wagen verwendet werden kann. Zur Bedienung eines solchen Lokomotors ist nur ein Mann notwendig.

Der Brennstoffverbrauch für 1 PS und Stunde beträgt bei Verwendung von Benzin 0,300 kg, bei Benzol 0,280 kg. Die Brennstoffkosten für ein Tonnenkilometer ergeben sich bei Verwendung von Leichtbenzin zu 1 Pf., bei Motorbenzol zu 0,75 Pf.

Das An- und Abkuppeln des Lokomotors an den Wagen kann leicht und schnell geschehen. Bei großer Kälte empfiehlt es sich, die Maschine in einen angewärmten Raum zu bringen, damit während der Arbeitspausen keine zu starke Abkühlung des Motors stattfindet, und das Anspringen der Maschine ohne Störung vor sich geht. Das geringe Gewicht von 1800 kg des Lokomotors reicht nicht aus, die zur Erzielung der notwendigen Zugkraft erforderliche Reibung auf den Schienen zu erzeugen. Die Zugkraft wird deshalb dadurch vergrößert, daß der zu kuppelnde Wagen mittels Kupplungsgewinde auf das Triebradgestell des Lokomotors hoch- gewunden wird, so daß dieser mit dem Wagen zusammen ein Ganzes bildet. Das nachstehende Versuchsergebnis ist unmittelbar aus der Praxis entnommen und gibt somit ein einwandfreies Bild vom Brennstoffverbrauch. Der Lokomotor hatte dabei einen Straßenbahnwagen und einen leeren Güterwagen angehängt. Die Achsenzahl betrug vier, das Gesamtgewicht 17 t, die Länge der Strecke 2,5 km bei einer Steigung von 1 : ∞. Die dabei erreichte Geschwindigkeit war 20 km in der Stunde. Der gesamte Benzinverbrauch für die gesamte Fahrzeit von 29 Minuten belief sich auf 1,2 kg. (Werkstatts-Technik 1915 S. 469 bis 471.)

W.

Textabbildung Bd. 330, S. 475

Die Bewegung der Schubstange unter Verwendung der Vektorenrechnung. Die Anwendung der Vektoranalysis zur Lösung von Aufgaben aus dem Gebiete der Mechanik ist in der Praxis vielfach noch wenig bekannt. Es dürfte daher manchem Ingenieur erwünscht sein, wenn an dieser Stelle durch ein treffendes Beispiel auf die Bedeutung des genannten Hilfsmittels hingewiesen wird. Bekanntlich treten in der Technik Größen auf, die sich nicht nur in bezug auf den Zahlenwert, sondern auch durch Richtung und Richtungssinn voneinander unterscheiden. Sie werden als Vektoren bezeichnet und stehen den Skalaren gegenüber, denen nur ein Zahlen wert zukommt. Die im Nachstehenden durch fette deutsche Buchstaben bezeichneten gerichteten Größen werden nach der Parallelogrammregel geometrisch addiert. So ist z.B. pq = l der Vektor der in Abb. 1 dargestellten Stange von der Länge l, und man kann, wenn letztere durch die vom Fixpunkte 0 ausgehenden Geraden im Verhältnis λ : μ geteilt ist, vektoriell schreiben (xp) = λ (qp) und (qx) = μ (qp) für λ + μ = 1, woraus folgt μ (xp) = λ (qx) oder x = λ q + μ p. Diese Vektorengleichung drückt die Bedingung aus, daß der Endpunkt von x auf der Verbindungsgeraden der Endpunkte |476| von p und q liegt und sie im Verhältnis λ : μ teilt. Bei einer Bewegung der Stange ändern sich λ und μ nicht, während die Vektoren Funktionen der Zeit t sind, und man findet durch ein- bzw. zweimaliges Ableiten nach t als Gleichungen für die Geschwindigkeiten und Beschleunigungen ε' = λ q' + μ p' und ε'' = λ q'' + μ p''. Hierbei bezeichnet ein Strich am Buchstaben den ersten, ein Doppelstrich den zweiten Differentialquotienten nach t. Die Ausdrücke für die Ableitungen haben dieselbe Form wie der für x. Daraus kann man schließen, daß die Endpunkte der von einem Fixpunkte aus abgetragenen Geschwindigkeiten und Beschleunigungen einer Punktreihe einer starren Geraden auch wieder je auf einer Geraden liegen und eine der gegebenen Punktreihe ähnliche Punktreihe bilden. Man braucht daher nur die Geschwindigkeiten und Beschleunigungen zweier Punkte, um durch Proportionalteilung die entsprechenden Größen für alle übrigen Punkte derselben Stange konstruieren zu können.

Textabbildung Bd. 330, S. 476
Textabbildung Bd. 330, S. 476

Als skalares Produkt (a b) bezeichnet man nun das Produkt aus dem Betrage eines Vektors und dem Betrage der Projektion eines anderen auf ihn, also nach Abb. 2 a b cos γ, wenn der Betrag eines Vektors durch den zugehörigen lateinischen Buchstaben bezeichnet wird. Bemerkt sei, daß für skalare Produkte das sogenannte distributive Gesetz gilt, z.B. (a + b c) = (a c) + (b c) ist, was leicht geometrisch gefolgert werden kann. Das Differential eines skalaren Produkts ergibt sich nach den bekannten Regeln der Analysis. Sind z.B. u und v Funktionen von t, so ist d (u v) = (u d v) + (v d u). Aus diesen Definitionen folgt (qp q p) = (l l) = l2. Bildet man hiervon die Ableitung nach der Zeit, so erhält man (qp q' – p') =(l l') = 0. Gemäß der Erklärung des skalaren Produkts müssen die beiden Vektoren l und l' aufeinander senkrecht stehen, d.h. die geometrische Differenz der Geschwindigkeiten der Stangenenden steht senkrecht auf dem Vektor der Stange. Da man ferner schreiben kann (qp q') = (qp p'), darf gefolgert werden, daß die Projektionen der Geschwindigkeiten der beiden Stangenenden auf die Stange gleich lang und gleich gerichtet sind, d.h. q' cos (l, q') = p' cos (l, p'). Nach den gefundenen Sätzen ist es ferner möglich, die Kreuzkopfgeschwindigkeit eines Kurbelgetriebes auch der Größe nach zeichnerisch festzustellen (Abb. 3). Man wählt den Geschwindigkeitsmaßstab so,daß die gegebene Umfangsgeschwindigkeit p' = 15, des Kurbelzapfens so groß wie der Halbmesser r ist, fällt von 5 das Lot auf die Schubstange und zieht 14 parallel der Kreuzkopf bahn. Dann ist 14 die Kreuzkopfgeschwindigkeit, da die Linie Richtung und Richtungssinn der Bewegung des Kreuzkopfes hat und ihre Projektion auf die Schubstange ebenso groß und gleich gerichtet ist wie die Projektion von 15. Verlängert man die Schubstange bis C, so ist M C die gesuchte Größe, weil Dreieck 1 4 5 kongruent M C 1 ist. Man erhält einen um 90° gedrehten Geschwindigkeitsplan, aus dem, wie die Abbildung andeutet, mit Hilfe der Proportionalteilung leicht die Geschwindigkeit eines beliebigen Stangenpunktes zu ermitteln ist.

Textabbildung Bd. 330, S. 476

Zur Feststellung des Beschleunigungszustandes der Stange bildet man die zweite Ableitung von (l l') = 0 nach t: (l l'') + (l' l') = 0 oder (p q . q'' – p'') = (p' q' p' q'). Die linke Seite dieser Gleichung ist gleich dem Produkt aus Stangenlänge und der Projektion der Beschleunigungsdifferenz der Stangenenden auf die Stange, gleich l d. p' q' ist der nach Obigem zu ermittelnde Vektor der Geschwindigkeitsdifferenz der Stangenenden, dessen Absolutwert u sei, so daß l d = u2. Die Strecke d läßt sich nach Abb. 4 zeichnen. Man schlägt mit u als Halbmesser einen Kreis um das Kreuzkopfende Q der Stange, zieht von P die Tangente P D. Dann schneidet das von D auf die Schubstange gefällte Lot Q F = d ab. Zieht man noch durch P die Parallele zu O Q, welche das von D gefällte Lot in E trifft, und zieht E G parallel zu O P, dann entsteht das Dreieck Q E G, aus dem, wenn Vektor O P gleich Vektor E G gleich p'' gewählt worden ist, folgt Q G = q'' – p'' + p'' = q''. Die gesuchte Kreuzkopfbeschleunigung ist somit gefunden. (Vgl. Autenrieth-Ensslin: Technische Mechanik.)

Schmolke.

Motorschiffe. Das umfassende Register des Lloyds enthält die Namen von 321 Motorschiffen mit etwa 400000 t Wasserverdrängung. Dagegen umfaßt die Welthandelsschiffahrt etwa 24500 Dampfer mit etwa 45730000 t. An Neubauten wurden ausgeführt:

Im Jahre 1912 46 mit etwa 56000 Brutto-Reg.-Tonnen
1913 61 64700
1914 43 82700
1915 13 27000

Aus den unvollständigen Angaben über das Baujahr 1915 läßt sich entnehmen, daß drei Motorschiffe über 5000, eines über 4000 t und sonst nur kleinere Motorschiffe gebaut wurden. Die erteilten Bauaufträge sind dagegen im starken Zunehmen begriffen. Die Entwicklung |477| des Motorschiffes würde ohne die Kriegsereignisse eine weit größere gewesen sein. Für das Jahr 1915 kann eine Zunahme von etwa 100000 t angenommen werden.

England besitzt verhältnismäßig wenig Motorschiffe. Nur neun der für England eingetragenen Motorschiffe übersteigen 1000 t Wasserverdrängung. Die größte Anzahl besitzt Dänemark. Zehn dänische Motorschiffe haben über 4000 t Wasserverdrängung. Deutschland besitzt 42 Motorschiffe, davon besitzen vier eine Wasserverdrängung über 5000 t, zwei 4000 bis 5000 t, drei 3000 bis 4000 t, zwei 2000 bis 3000 t, und eines 1000 bis 2000 t.

Für Transportschiffe eignen sich die Motorschiffe besonders gut, besonders für Tankschiffe zum Transport von Petroleum, Rohöl oder Benzin. Die Petroleumgesellschaften besitzen deshalb die meisten Motorschiffe. Die deutsch-amerikanische Petroleumgesellschaft verfügt über die größten Motorschiffe der Welt: Wilhelm A. Riedmann 9800 t, Wotan 5700 t, Hagen 5460 t und Loki 5456 t.

W.

Ueber das Verhalten mehrerer Eisen- und Stahlsorten beim Druckversuch hat Herbert Monden interessante Untersuchungen angestellt. Als Versuchsmaterial dienten verschiedene Flußeisen- und Stahlsorten mit Kohlenstoffgehalten von 0,07 bis 0,77 v. H. Die Untersuchung erstreckte sich auf die Beziehungen zwischen Streckgrenze und Dehnung beim Druck- und Zugversuch, im Zusammenhange mit der Kugeldruckhärte und dem Kleingefüge. Bezüglich des Einflusses der Form der Probekörper beim Druckversuch ergab sich, daß die Spannung an der Fließgrenze – σ durch die Probekörperform in den untersuchten Grenzen wohl in ihrer Deutlichkeit, nicht aber ihrem Werte nach beeinflußt wird. Die Dehnungen – ε nehmen mit wachsendem Verhältnis für innerhalb der angewandten Grenzen von (0,5) l bis 3 zu, und sind bei gleichem Verhältnis von beim kreisförmigen Querschnitt kleiner als beim quadratischen. Bezüglich der genannten wechselseitigen Beziehungen fand Monden, daß die Spannungen an der Fließgrenze bei Druck gleich denen bei Zug sind, d.h. σ + s = σ – s. Die Spannung an der Fließgrenze σs wird durch die Korngröße des Materials wesentlich beeinflußt, und zwar insofern, als sie unter sonst gleichen Bedingungen mit wachsender Korngröße abnimmt. Die von Kürth aufgestellte lineare Beziehung zwischen Steigerung der Fließgrenze und Kugeldruckhärte durch Kaltrecken hat für die technischen Flußeisen- und Stahlsorten allgemeine Giltigkeit, indem die Konstante für alle Flußeisensorten gleich bleibt, während die Konstante H0 von der jeweiligen Korngröße abhängig ist und mit deren Zunahme sich verringert. (Stahl und Eisen 1915 Heft 41.)

Loebe.

Der Eisenabsatz Oesterreichs in den essten neun Monaten 1915. Der Ausweis der österreichischen Eisenwerke für den Monat September verzeichnet eine Steigerung des Absatzes um rund 257000 dz, wovon auf Stab- und Fassoneisen allein über 203000 dz entfallen. Gegenüber dem Monat September 1914 hat sich der Absatz von Stab- und Fassoneisen nahezu verdoppelt; er betrug 414000 dz gegen 211000 dz im Vorjahr und näherte sich den Ziffern des Jahres 1912, wo der September den hohen Absatz von 451000 dz gebracht hatte. In den ersten neun Monaten stellte er sich wie folgt:

Januar–September
1915 gegen 1914
Stab- und Fassoneisen 3242339 dz + 634237 dz
Träger 613078 dz – 251761 dz
Grobbleche 387766 dz + 60668 dz
Schienen 455188 dz – 86205 dz
––––––––––––––––––––
Summe 4698371 dz + 356939 dz

In den ersten drei Vierteljahren bezifferte sich demnach der Absatz auf 4,7 Mill. dz, und zwar um 357000 dz höher als gleichzeitig im Vorjahr. Von Stabeisen wurden um 634000 dz und von Grobblechen um 60000 dz mehr abgesetzt, dagegen weisen Träger infolge des Stillstandes der Bautätigkeit einen Ausfall von 251000 dz auf. Die Schienenablieferungen waren um 86000 dz geringer als in den ersten drei Vierteljahren 1914. (Prager Tagblatt Nr. 290, 19. Oktober 1915.)

Eisenindustrie des Ural in den ersten sechs Monaten 1915. Im ersten Halbjahr 1915 sind in den Uralwerken im ganzen 19718045 Pud Eisen und Stahl gewonnen worden, was im Vergleich zu der Erzeugung in derselben Zeit des Jahres 1914 eine Steigerung um 555000 Pud ausmacht. Gestiegen ist die Herstellung von Eisenblech zum Dachdecken – 7792860 Pud gegen 7135000 Pud im Jahre vorher –; sodann von Draht 738218 Pud, um 199000 Pud mehr, sowie von Fabrikaten aus Draht 458405 Pud, um 102000 Pud mehr. Die Herstellung von Eisenbahnschienen hat etwas abgenommen; hergestellt wurden 3558709 Pud gegen 3829065 Pud in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Die Herstellung von Sorteneisen hat dagegen zugenommen, sie betrug 4447955 Pud, um 355000 mehr. Was die Gewinnung von Roheisen anbelangt, so sind im ersten Halbjahr 1915 im ganzen 27815132 Pud ausgeschmolzen worden, um 445000 Pud mehr als in der entsprechenden Zeit des Jahres 1914. (Torg. Prom. Gaz., 18. September/1. Oktober 1915.)

Eine Reichs-Ausstellung von Ersatzgliedern und Arbeitshilfen für Kriegs- und Friedensbeschädigte. Auf Veranlassung des Herrn Staatssekretärs des Innern veranstaltet die Ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt, Reichsanstalt in Charlottenburg, in nächster Zeit eine Sonderausstellung, in deren allgemeiner Abteilung wie in den für die einzelnen Berufe eingerichteten einzelnen Abteilungen die persönliche Ausrüstung der Kriegsbeschädigten, |478| Unfallverletzten und Krüppel mit Behelfsgliedern, dauernden Ersatzgliedern, Arbeits- und Ansatzstücken und Arbeitshilfen, sowie Hilfsvorkehrungen an Betriebsmitteln gezeigt werden sollen.

Diese Sonderausstellung wird auch Einrichtungen und Werkstätten für die Berufsausbildung von Kriegsbeschädigten und Ausbildungskurse vorführen, wie sie an zahlreichen Stellen bereits eingerichtet sind, um Invaliden z.B. im Schreiben mit der linken Hand, im Maschinenschreiben, Zeichnen, gewerblichem Rechnen, Modellieren, Malen usw. zu unterrichten.

Die Verwendung der verschiedenen Arten, von Arbeitshilfen bei der gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsarbeit soll den beteiligten Kreisen durch Kriegsbeschädigte vorgeführt werden.

In Verbindung mit der Ausstellung wird eine Auskunftsstelle eingerichtet, um Anfragen zu beantworten und die vermehrte Anwendung der ausgestellten Einrichtungen zu fördern. Die Eröffnung ist für Anfang Dezember in Aussicht genommen. Anfragen sind an die Verwaltungder Ständigen Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt, Berlin-Charlottenburg, Fraunhoferstr. 11/12, zu richten.

Verein deutscher Brücken- und Eisenbau-Fabriken, Berlin. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 1914/15 wurden insgesamt 263848 t gegen 413000 t im Jahre 1913/1914 an neuen Auftägen hereingenommen, was einem Ausfall von etwa 36 v. H. entspricht. Von den Aufträgen entfielen rund 15½ v. H. auf öffentliche Ausschreibungen von Behörden gegen 18 v. H. im Vorjahr. Die Beteiligung auf dem Auslandsmarkt mußte infolge des Krieges bedeutend zurückgehen. Der Wert der Ausfuhr stellte sich auf 3½ Mill. M, gegen 13¾ Mill. M im Vorjahre. Hierin sind die Lieferungen nach den von unseren Truppen besetzten feindlichen Gebietsteilen nicht einbegriffen.

Den genannten Werken sind durchschnittlich 50 bis 55 v. H. ihrer Arbeiter und Angestellten durch den Heeresdienst entzogen, so daß bei dem vorhandenen Beschäftigungsgrade von etwa 65 v. H. gegen das Vorjahr ein Mangel besonders an geschulten Arbeitern eingetreten ist.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: