Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1916, Band 331 (S. 122–130)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj331/ar331024

Polytechnische Schau.

Die nutzbaren Kohlenlagerstätten Serbiens und ihre wirtschaftliche Bedeutung für die Zentralmächte. (Geh. Bergrat Prof. Dr. P. Krusch, Metall und Erz 1916, Heft 4.)

Der serbische Kohlenbergbau befindet sich noch im Anfangsstadium. Kohle wurde zuerst im Jahre 1843 entdeckt. Man kennt heute Kohle aus verschiedenen Formationen, und zwar sowohl Stein-, als auch Braunkohlen.

A. Steinkohlen.

I. Steinkohle der Karbonformationen. Sie kommt vor a) zwischen Mlava und Pek, b) am Malenikberg. Nur das erstere Vorkommen ist genauer bekannt. Die dort auftretenden Flöze gehören einem höheren Horizonte des produktiven Karbons an. Im Hangenden der Flöze sind Lagen von Kohleneisenstein mit einer Mächtigkeit bis zu 30 cm bekannt. Vorläufig sind durch Stollen und Schürfschächte drei Kohlenflöze festgestellt, deren Mächtigkeit zwischen 0,2 und 2,5 m schwankt. Die Kohle (Magerkohle) ist ziemlich unrein und leicht zerbrechlich.

II. Steinkohle der Liasformation. Lias (Jura) kommt im Königreich Serbien nur verhältnismäßig selten, und zwar im Nordosten, vor. Er liegt auf kristallinen Schiefern. Die Steinkohlen treten in unregelmäßigen Linsen auf, die eine Beurteilung des Vorrates erschweren. Immerhin dürften die Liaskohlen für Serbien noch große Bedeutung erlangen. Die Kohle ist unrein, leicht zerbrechlich, sie muß, um verwendungsfähig zu sein, gewaschen und brikettiert werden. Sie ist nicht verkokbar, mager, sie brennt mit kurzer Flamme. Der Heizwert steigt bis zu 8000 WE.

Liaskohlenbecken sind bekannt bei Dobra, wo sich die Drenkova-Liasformation Ungarns über die Donau fortsetzt. Die Kohle kommt in Linsen vor. Ihre Gesamtmächtigkeit beträgt 1 bis 10 m. Sie ist stark verunreinigt, so daß beim Waschen 25 v. H. der Förderung verloren gehen. Es werden in diesem Gebiete jährlich etwa 25 bis 30000 t gefördert. – Ferner im Becken von Miroc. Dieses Vorkommen gehört zu den größten Serbiens, es hat eine Länge von fast 30 km. Durch Schürfarbeiten waren 1913 vier Flöze bekannt von 0,50 bis 1,60 m Mächtigkeit. – Endlich im Becken von Zajecar mit Vrska-Cuka und Prljita im Timokflußgebiet. Die Kohle von Vrska-Cuka wird bereits seit 25 Jahren, teils auf serbischem, teils auf bulgarischem Gebiet abgebaut. Die Durchschnittsmächtigkeit der Flöze beträgt 2 bis 3,5 m. Die Kohle wird durch eine Schmalspurbahn von 81 km |123| nach Radujevac an der Donau gebracht und dort brikettiert. Die jährliche Förderung beträgt 30 bis 40000 t.

III. Steinkohle aus der Kreide. Die Kreidekohlen sind von größter Bedeutung für Serbien. Sie treten in der weitverbreiteten oberen Kreide auf und haben erhebliche Erstreckung im Streichen und im Fallen. Die Kohle ist im allgemeinen rein und fest. Es sind vier Gruben im Betriebe: 1. Die Rtanjgrube, die drei bis zu 5 m starke Flöze ausbeutet. Die Kohle dieser Flöze ist unrein; sie muß gewaschen und brikettiert werden. 2. Auf der Dobra Streca Grube bei Vina sind drei Flöze mit 1,5 bis 2 m Mächtigkeit aufgeschlossen. 3. Auf der Grube Podvis am Timok kennt man zwei Flöze mit 0,5 bis 7 m Mächtigkeit. Hervorgehoben zu werden verdient der Paraffinschiefer, der das Hangende und das Liegende der Flöze bildet. Am anderen Ufer des Timok wurden bei Oresac Aufschlußarbeiten gemacht, wobei drei Flöze von 1,50 bis 30 m Mächtigkeit festgestellt wurden. Eine große Zahl weiterer Fundpunkte sind bekannt geworden, jedoch sind die Kohlenvorkommen bisher wenig erforscht. Der Heizwert der Kreidekohlen schwankt zwischen 5100 und 8100 WE.

B. Braunkohlen.

Unter den im Tertiär vorkommenden Braunkohlen Serbiens unterscheidet man jüngere Lignite und ältere Braunkohlen.

Die älteren Braunkohlen sind fest, schwärzlich und steinkohlenähnlich. Sie stellen einen wertvollen Brennstoff dar. Im nördlichen Serbien findet man das Tertiär in den großen Niederungen der Drina, Morava, Mlava, des Pek und des Timok. Man findet die Braunkohlen in verschiedenen Becken: Becken östlich von Golubac, das 6 km lang und 1 bis 3 km breit ist. Man kennt hier fünf Flöze von 7,40 m Gesamtmächtigkeit. Abgebaut wird die Kohle bisher nur an einer Stelle. – Bei Rakova-Bara und Kljucata befindet sich ein ebenso großes Becken, in dem Aufschlußarbeiten ein Flöz von 10 m Mächtigkeit aufdeckten. Ferner befinden sich bekannte Kohlenvorkommen im oberen Lauf des Mlavatales bei Stamnica und Magudica. Ein weiteres großes Kohlenbecken gibt es im Moravatal. In den nördlichsten Gruben dieses Moravabeckens sind mehrere Flöze aufgeschlossen worden, Gesamtmächtigkeit 2 bis 14 m. Am wichtigsten scheint hier zurzeit der Tagebau von Zidilje zu sein. Die Staatseisenbahnen betreiben die Grube bei Welika-Mala-Ravna Reka und die Senjegrube. Auf der ersteren geht Tagbebau um, zum großen Teil ist die Kohle aber bereits abgebaut. Der Tiefbau ist schon ziemlich weit vorgeschritten. Es wird ein Flöz von 5,80 m Stärke abgebaut. Man hat hier 5 Mill. t gewinnbare Kohle berechnet. Die Senjegrube besteht schon seit 20 Jahren, der Bergbau ging auf einem 3 bis 30 m starken Flöz um. Die Förderung wurde bis zu 120000 t jährlich gesteigert. Nach dem Ankaufe der vorgenannten Grube aber kam hier der Bergbau fast völlig zum Erliegen. Außer den genannten Vorkommen kennt man in diesem nördlichen Moravabecken noch viele andere Fundpunkte.

Im südlichen Teile des Moravabeckens findet sich das Alexinacer Kohlenlager, das eine streichende Erstreckung von 30 km hat. Es besteht aus zwei Flözen von 4 bis 5 m Mächtigkeit. Die Kohle ist zum Teil bereits abgebaut. 15 km östlich von Nisch liegt die Kohlengrube Felasnica. Sie baut das obere, stärkere von zwei Flözen, von denen das eine 2,5, das andere 1,2 m stark ist. Auch in diesem südlichen Teil sind noch viele andere Ausbisse bekannt.

In Mittelserbien (Cumadia) kennt man eine ganze Reihe von tertiären Braunkohlenlagerstätten. So die Kohlengruben von Orasac und Misaca, die zwei Flöze von 1,5 bis 2 m bauen. Obgleich das Lager recht ausgiebig zu sein scheint, ist es doch bisher nur wenig aufgeschlossen. Ferner sind Kohlen bekannt aus dem westlichen Moravabecken, dem Ibartal, aus dem nördlichen Tertiärbecken bei Tekia an der Donau, gegenüber Orsova, und im Timoker Tertiärbecken.

Was die jüngeren Lignitvorkommen angeht, so sind auch diese ziemlich verbreitet. Im Becken von Kostulac und Kragujevac besteht die Kostolazer Grube. Durch Bohrungen sind hier nachgewiesen vier Flöze von 18,6, 4,5, 4 und 3,6 m Stärke. Der berechnete Vorrat ist 5 Mill. Tonnen. Bedeutende Vorräte hat auch die Klenovnikgrube. Im tertiären Mlavabecken, in der Umgebung von Petrovatz bestehen ähnliche Vorkommen. Auch in Mittelserbien kommen Lignit vor. In der Umgegend von Kragujevac sind durch Schürfarbeiten einige Flöze unter 4 m festgestellt. Weitere Lignitlagerstätten kennt man aus den Tertiärbecken der Kolubara und der Save, ferner bei Kraljevo. Von diesen dürften namentlich die letzteren größere Bedeutung erlangen.

Im allgemeinen haben die serbischen Braunkohlen einen Heizwert von 3100 bis 5800 WE.

Die Kohlenvorräte Serbiens sind von serbischen Bergleuten 1910 wie folgt berechnet worden:

Steinkohlen,

nachgewiesener
wahrscheinlicher
möglicher
Vorrat

2 Mill. t
10 Mill. t
33 Mill. t

45 Mill. t
Braunkohlen,

nachgewiesener
wahrscheinlicher
möglicher


27 Mill. t
83 Mill. t
105 Mill. t

215 Mill. t
Lignit,

nachgewiesener
wahrscheinlicher
möglicher


30 Mill. t
99 Mill. t
138 Mill. t

267 Mill. t

(Eine westfälische Kohlenzeche beansprucht etwa vier preußische Maximalfelder mit 80 Mill. t abgebohrten Vorrates.)

Es erhellt aus diesen Berechnungen, daß die serbische Kohle nur für Serbien selbst wirtschaftliche Bedeutung haben kann, wo sie ja auch heute schon für die Staatseisenbahnen als Feuerungsmaterial in ausgedehntestem Maße Anwendung findet. Für die Zentralmächte kommen die verhältnismäßig geringen Kohlenvorräte kaum in Betracht.

Wüster.

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Knickfestigkeit und Sicherheitsgrad. Die Frage der Knickbeanspruchung von Stäben hat stets das besondere |124| Interesse erweckt. In aller Erinnerung wird noch der Einsturz des Gasbehälters in Hamburg vom 7. Dezember 1909 sein, dessen Ursache nach den Untersuchungen von Krohn und Müller-Breslau die ungenügende Steifigkeit einiger Druckstreben des Stützgerüstes des Behälterbodens bildete. Im Anschluß hieran wurde seinerzeit eine der Druckstreben im Königl. Materialprüfungsamt zu Berlin-Lichterfelde eingehend untersucht (vgl. Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes 1912, Heft 10 und Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1913, S. 615). Unter Bestätigung der früher gefundenen Tatsache, daß die Eulersche Formel bei Berechnung der Knicklast zusammengesetzter Druckquerschnitte zu hohe Werte liefert, ergaben diese Versuche insbesondere noch, daß geringe Exzentrizitäten oder Verbiegungen der Stabachse eine bedeutende Verminderung der Knicklast bewirken.

Dem gleichen Problem der Knickfestigkeit und ferner einer Betrachtung des Sicherheitsgrades bei Knickbelastung ist ein Aufsatz von Gümbel in Heft 52 der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1915 gewidmet. Das dort in knapper Form zusammengestellte Material unseren Lesern im Auszug mitzuteilen, würde die Uebersichtlichkeit stören, weshalb das Studium des Originalaufsatzes selbst empfohlen sei. Der Verfasser stützt sich insbesondere auf die anerkannten Versuche von Tetmajer. Die Tatsache, daß außer der Knickbeanspruchung noch eine Biegungsbeanspruchung vorhanden ist, erklärt Gümbel damit, daß es einmal nicht möglich ist, den Kraftangriff genau in die Stabachse zu legen, und daß ferner die Schwerpunktsachse materieller Stäbe im allgemeinen nicht geradlinig, sondern eine einfach oder mehrfach gebogene Linie ist. Nimmt man hierzu die obengenannten Versuche an dem Stabe des Hamburger Gasbehälters, so findet man sogleich die Begründung für die Erfahrung, welche man mit der Unzulänglichkeit der Eulerschen Knickformel gemacht hat. Die Berechnung von Knickstäben erfordert also eine besondere Beachtung dieser Tatsache, und deren Herstellung eine äußerst sorgfältige Ueberwachung. Des weiteren erläutert Gümbel den Begriff des Sicherheitsgrades einer auf Knickung beanspruchten Konstruktion und leitet durch Rechnung ab, daß für ein Konstruktionselement das Verhältnis der höchsten Materialbeanspruchung zur Streck- oder Quetschgrenze dem Verhältnis der Arbeitsinanspruchnahme zu der im Konstruktionselement vorhandenen Arbeitsfähigkeit bis zur Streck- oder Quetschgrenze gleich sein muß, wenn man von einem gleichen Sicherheitsgrade in jedem Falle sprechen will. Mehrere Zahlentafeln und Beispiele erläutern die theoretischen Erörterungen.

Ritter.

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Organisation des Normalienbüros. Eine Würdigung des für eine Fabrik, die in jeder Beziehung wirtschaftlich arbeiten will, unerläßlichen Normalienbüros und einen Vorschlag für die Einrichtung eines solchen gibt Clambus in Heft 24 1915 der Werkstattstechnik. Besonders hervorzuheben ist der darin ausgesprochene Satz, daß der Vorsteher dieses Büros nicht Tabellenmacher, sondern Ingenieur und gründlicher Fachmann sein soll.

Als erstes muß das gesamte Zeichnungswesen vereinheitlicht werden bezüglich Ausführung, Aenderung, Ersetzen der Zeichnungen usw. Sodann ist in Buchform oder Kartenform ein Nachschlagewerk (Katalog) über sämtliche im Werke ausgeführte Maschinenteile anzulegen, nach dem sich alle Konstruktionsbüros zu richten haben. Jedes Katalogblatt enthält eine etwa mittels Storchschnabels hergestellte verkleinerte Darstellung des Gegenstandes mit den Hauptmaßen, der zugehörigen Zeichnungsnummer und sonst erwünschten Angaben. Neben diesem Nachschlagewerk über Konstruktionsteile sind auf einzelnen Tafeln sämtliche Materialien zusammenzustellen, die halbfertig (wie Stangen-, Träger-, Plattenmaterial usw.) und ganz fertig (Schrauben, Muttern, Niete, Keile usw.) bezogen werden, unter Beschränkung auf das Notwendige. Auch hiernach müssen die Konstrukteure, aber auch die Einkäufer sich richten. Nach Verbrauch noch vorhandener anderer Materialien sind infolgedessen bei Verwendung alter Zeichnungen entsprechende Aenderungen zu machen, doch wird dieses schrittweise vor sich gehen und daher keine zu großen Schwierigkeiten mit sich bringen. Die Bestellbureaus erhalten zweckmäßig zur Vermeidung von Irrtümern Nachweistafeln über die Nummern der einander entsprechenden alten und neuen Teile. Sobald die Tafeln für fertig bezogene Materialien herausgegeben sind, werden unter Benutzung der bis dahin im Katalog gesammelten Unterlagen die Konstruktionsteile eingehend bearbeitet. Dieses ist Aufgabe des Normalienbüros, das sich in allen für die Herstellung und Verwendung in Frage kommenden Büros ins Einvernehmen zu setzen hat. Die Einteilung des Normalienbüros, wie sie z.B. für eine größere elektrotechnische Spezialfabrik besteht, zeigt nachstehendes Schema. Die einzelnen Abteilungen können natürlich für kleinere Betriebe ganz nach Bedarf vereinigt werden.

Textabbildung Bd. 331, S. 124

Um ein dauerndes ersprießliches Zusammenarbeiten zwischen Normalien- und Konstruktionsbüro zu erzielen, sollen die Mitglieder der Abteilungs-Normalien-Büros |125| sich täglich auch einige Stunden in dem ihnen zugeteilten Konstruktionsbüro zur Besprechung der vorliegenden Arbeiten aufhalten.

Zur Einholung des Einverständnisses und der Angaben der zuständigen Büros über zur Anfertigung erforderliche neue Werkzeuge, der Benennung und der Modellnummer wird ein Meldeschein herumgesandt. Nachdem so eine neue Konstruktion allseitig festgelegt ist, wird sie in das Nachschlagewerk aufgenommen. Zur Erleichterung des Meinungsaustausches sind wöchentliche „Normaliensitzungen“ zweckmäßig.

Das Arbeitsgebiet der im Schema genannten Abteilung geht aus ihrer Bezeichnung hervor. Das Büro für Sonderzeichnungen soll die bestimmten Vorschriften unterworfenen Zeichnungen wie z.B. für die Marine und andere Behörden anfertigen.

Neben den Fabriknormalien besondere Abteilungsnormalien festzusetzen ist wegen der dabei eintretenden Zersplitterung nicht ratsam.

Ritter.

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Schlackenzement und Schlackenbeton. Mehr und mehr zeigt sich heutzutage in der Technik das Streben nach nutzbringender Verwertung der industriellen Abfallprodukte. Neuerdings ist man dazu übergegangen, die in der Eisenindustrie in gewaltigen Mengen entstehenden Schlacken dem Zement und Beton zuzusetzen. Auch die Müllverbrennungsschlacke hat man diesem Zwecke dienstbar gemacht. In der Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins (67, 660, 1915) beschäftigt sich P. Rohland mit den Eigenschaften dieser Schlackenzemente und Schlackenbetone. Die Müllschlacke wird zunächst gemahlen und dann unter Zusatz von Zement und Sand zur Herstellung von Beton- und Eisenbetonkörpern verwendet. Es stand nun zu befürchten, daß das in diesen Schlacken enthaltene Eisenoxyd sich im Beton oxydieren und durch den Uebergang in Eisenoxydul andere schädliche Reaktionen herbeiführen könnte. Dies scheint indessen nach den bisherigen Erfahrungen nicht einzutreten. Hingegen muß man unbedingt vermeiden, mit der Müllverbrennungsschlacke zusammen Kiese und Sande zu verwenden, die Schwefelverbindungen enthalten, da sonst dieser Schwefel mit dem Eisenoxydul der Schlacke Eisensulfid bildet, das sich zu Sulfat oxydiert und aus dem Zement ausgelaugt wird, wodurch das Gefüge des Betons eine Lockerung erfährt. Ein aus drei Teilen Müllschlacke oder Flugasche mit einem Teil Kalk hergestellter Betonkörper zeigte nach vier Wochen eine Zugfestigkeit von 4 bis 5 kg/cm2, ein Preßkörper aus Müllschlacke mit 6 v. H. Aetzkalk nach dem Härten im Dampfkessel eine Druckfestigkeit von etwa 400 kg/cm2. In einem Eisenbeton aus 75 v. H. Müllschlacke mit Portlandzement blieb Eisen unoxydiert. Auch die Entrostung angerosteten Eisens erfolgte in diesem Gemisch gerade so wie im Portlandzement selbst. Etwas schwieriger liegen die Verhältnisse bei der Müllverbrennungsschlacke in Städten, in denen viel Braunkohle und Briketts verbrannt werden. Dieses Material liefert nämlich im Gegensatz zur Steinkohle eine sehr lockere Müllschlacke, die überdies bis zu 5 v. H. Schwefel enthält. Diese Schwefelverbindungen entstehen durch Reduktion des in den Kohlen enthaltenen Gipses zu Schwefelkalzium bzw. anderer Sulfate zu den entsprechenden Sulfiden. An feuchter Luft oder unter Wasser oxydieren sich diese Verbindungen zu wasserlöslichen Sulfaten, die dann die Zerstörung des Betons oder Eisenbetons verursachen. Derartige Schlacken müssen daher vor der Verwendung entschwefelt werden.

Die Gießereiroheisenschlacken sind basische Schlacken. Läßt man sie nach dem Ausfließen aus dem Hochofen langsam erkalten, so zerfallen sie mehr oder minder schnell zu einem feinen Mehl, dem Schlackenmehl, das zementtechnisch wertlos ist, vermutlich deshalb, weil beim langsamen Erkalten die kolloiden, erhärtungsfähigen Stoffe in amorphe und kristalloide übergehen. Durch sofortige starke Abkühlung der aus dem Hochofen kommenden Schlacke kann man die Mehlbildung vermeiden und ein sandartiges Material erhalten. Bei dieser schnellen Abkühlung können sich die Kalkverbindungen nicht mehr von den übrigen Bestandteilen trennen, und es erfolgt anscheinend eine chemische Reaktion. Gut gekörnte Hochofenschlacke sieht unter dem Mikroskop durchsichtig aus wie Glas, wogegen mangelhaft gekühlte ein Aussehen wie Milchglas zeigt oder polarisierende Kristallausscheidungen aufweist. Diese sandige Schlacke wird im Verhältnis 1 : 1,2 mit Kalkstein vermischt, nachdem sie zuvor in Trommeln gut getrocknet worden ist, dann gemahlen und zu Steinen geformt, die dann im Schachtofen gebrannt werden; oder man mischt, ohne Steine zu formen, in Drehrohröfen 30 v. H. granulierte Schlacke mit 70 v. H. der Masse. Diese Produkte kommen als Eisenportlandzement in den Handel.

Alle diese Schlackenbetonarten sind feuersicher und haben ein geringes Wärmeleitvermögen. Ihre Haltbarkeit nimmt mit dem Alter zu, bis sie vollständig erhärtet sind. Beim Eisenbeton muß das Eisen mit einer mindestens 2,5 cm starken Schlackenbetonschicht umgeben werden.

Iklé.

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50 Jahre Straßenbahnen in Deutschland. Am 22. Juni 1915 waren 50 Jahre seit Inbetriebsetzung der ersten Pferdebahn in Deutschland vergangen. Sie vermittelte den Personenverkehr zwischen Berlin und Charlottenburg. Verhältnismäßig weit schneller als die Bevölkerung wuchs die Anzahl der Straßenbahnunternehmungen, wie die Abbildung erkennen läßt. Schon im Anfange der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts machte sich das Bestreben geltend, die tierische Betriebskraft durch die Maschine zu ersetzen. Der Versuch, Dampfbetrieb einzuführen, scheiterte, da die Mitführung von Kohle und Wasser Schwierigkeiten verursachte, die Anfahrverhältnisse ungünstig sind, viel Bedienung erforderlich ist und die Dampf- und Rauchentwicklung in den Straßen einer Stadt unangenehm empfunden wird. Bei der Anwendung von Gasmotoren ergaben sich Mißstände infolge des umständlichen Anlassens und wegen der Notwendigkeit, Kühlwasser und Betriebsgas mitzuführen. |126| Auch ließ sich Feuer- bzw. Explosionsgefahr nicht völlig beseitigen. Dennoch verschwanden die Pferdebahnen in den Großstädten, da die seit 1879 von Werner v. Siemens angestellten Versuche zu dem Erfolge geführt hatten, daß im Jahre 1881 die erste elektrische Bahn zu Groß-Lichterfelde dem Verkehr übergeben werden konnte. Anfangs bezogen die Straßenbahnen den elektrischen Strom von vorhandenen Kraftwerken und waren bemüht, sich deren Betriebsverhältnissen anzupassen. Später bauten sich größere Unternehmungen eigene Stromerzeugungsanlagen und lieferten ihrerseits Elektrizität für Beleuchtung und Kraftbetriebe. Jetzt wiederum geben vielfach die den Bedürfnissen größerer Verwaltungseinheiten dienenden Ueberlandzentralen Strom für den Straßenbahnbetrieb mittels besonderer Umformanlagen auf große Entfernungen ab.

Textabbildung Bd. 331, S. 126

In der ersten Zeit traten im Ortsverkehr als Unternehmerfirmen fast ausschließlich Aktiengesellschaften auf, die bisweilen ihren Sitz im Auslande hatten. Erst später entschlossen sich Stadtverwaltungen dazu, die Straßenbahnen in eigene Verwaltung zu übernehmen. Zurzeit findet man auch vielfach eine Beteiligung der Gemeinden an Privatunternehmungen, die jenen die Möglichkeit bietet, auf die Erfüllung von Wünschen der Bevölkerung nachdrücklich hinzuwirken. Eine weitsichtige Stadtobrigkeit wird sich nämlich der Erkenntnis nicht verschließen, daß eine schnelle und sichere Bewältigung des Personenverkehrs innerhalb der Städte und zwischen diesen und Nachbarorten die größte Bedeutung für die weitere Ausgestaltung des Gemeinwesens besitzt. Wenn es gelungen ist, die Verkehrsfrage zu lösen, wird der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben, außerhalb der Geschäftsviertel ein gesundes Unterkommen im Vororte zu finden. Ferner beeinflussen die Straßenbahnunternehmungen das Wirtschaftsleben, indem sie durch Ausgabe von Aktien Gelegenheit schaffen, flüssiges Kapital gut zu verzinsen. Auf den Arbeitsmarkt wirken sie durch den mittelbaren und unmittelbaren Verbrauch vieler Arbeitskräfte merklich ein. Den verschiedensten Industrien geben sie durch Aufträge Gelegenheit zum Verdienst. Vielfach kommt auch der Reingewinn der Unternehmungen der Allgemeinheit zu gute, wenn beispielsweise der Straßenbahn eine Bahnkörperunterhaltungspflicht auferlegt wurde. Das stete Anwachsen kleinerer Gemeinden zu Großstädten wird auch fernerhin fördernd auf die Entwicklung des örtlichen Verkehrswesens einwirken. (Winkler in Deutsche Straßen- und Kleinbahn-Zeitung Nr. 49 u. 50 1915.)

Schmolke.

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Schießen mit flüssiger Luft auf Brandenburg-Grube bei Ruda (Oberschlesien). Auf der Brandenburg-Grube bei Ruda sind im Schuckmannflöz in Gegenwart der Bergbehörden vom Bergverwalter Bock verschiedentlich Versuche angestellt worden, die darauf hinauszielen, die verhältnismäßig teuere Füllung der Marsitpatronen zum Sprengen mit flüssiger Luft oder flüssigem Sauerstoff durch einen billigeren Stoff zu ersetzen.

Die angewandte Patrone besteht aus einer aus gewöhnlichem Papier gewickelten Hülse, die unten geschlossen ist. Der Durchmesser der Hülse beträgt 32 mm. Sie wurde mit getrocknetem und gesiebtem Sägemehl gefüllt. Man durchlochte dann die gefüllte Hülse durch Messerschnitte reihenweise und tauchte sie in die Tauchgefäße für flüssige Luft.

Die Gewichte der leeren, sowie der mit Luft gefüllten Patronen geben folgende Zahlentafeln an; zum Vergleich sind bei der ersten Versuchsreihe die entsprechenden Gewichte von Marsitpatronen angeführt.

Sägemehl-
patronen
Marsit-
patronen
1. Versuchsreihe
Länge der Patronen cm 20 25 20 25
Gewicht der leeren Patronen g 45 60 60 75
Gewicht der Patr. nach d. Füllung 145 185 220 275
Aufgesaugte Luftmenge 100 125 160 200
2. Versuchsreihe
Gewicht der leeren Patronen g 59 71
Gewicht der Patr. nach d. Füllung 188 250
Aufgesaugte Luftmenge 129 179

Die Tauchzeit betrug in allen Fällen etwa zwei Minuten. Ueber die Ergebnisse der angestellten Versuche geben folgende Zahlentafeln Aufschluß:

Der Grund für das Ausblasen der beiden letzten Schüsse ist hauptsächlich darin zu suchen, daß die verdunstende Luft bei der Dichte des Gesteins keine Gelegenheit hatte, durch Poren, Schlechten usw. zu entweichen. Daher wurden Besatz und Patronen durch den im Bohrloch entstandenen Druck herausgeschleudert. Ferner waren auch die beiden Löcher schon am Tage vorher gebohrt worden, so daß der Besatz an den feuchten Wänden schlecht haftete. Am nächsten Tage konnten aber auch diese beiden Schüsse mit gutem Erfolge, mit derselben Ladung abgetan werden.

Was die Kosten anbelangt, so werden die einer ungetränkten 20 cm-Marsitpatrone auf 7 Pf., die einer 25 cm-Marsitpatrone auf 7,25 Pf. angegeben, während die Kosten |127| der ungetränkten 20 oder 25 cm-Sägemehlpatrone nur 1 Pf. betragen sollen.

Textabbildung Bd. 331, S. 127

Bei allen Schießversuchen wurde elektrische Zündung mit „Sirius“-Zündern angewandt. (Kohle und Erz 1916 Nr. 7/8.)

Wüster.

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Die Entwicklung der englischen Steinkohlenausfuhr im Kriege. Da die englischen Kohlenreviere alle im nordwestlichen Großbritannien liegen, so hat dieses nach Eröffnung des Steinkohlenbergbaues gegenüber dem südöstlichen, ackerbauenden England und dem an Kohlen überaus armen Irland einen mächtigen Vorsprung gewonnen. Wenn also irgendwo in Europa, so mußte in Großbritannien die Ausbeutung der Steinkohle beginnen, wo mächtige Flöze zum Teil zu Tage ausgehen, die Kohle somit im einfachen Tagebau gewonnen werden könnte. Irlands Kohlenlager sind unbedeutend; es gibt dort nur zwei kleine Kohlenbezirke, der eine in Leinster bei Castlecomer, der andere in Ulster bei Dungannon. Die schottischen Kohlenlager finden sich alle im mittleren Schottland, den sogenannten Lowlands, sind hier jedoch sehr stark entwickelt und gehen quer durch das Land von der Nordsee bis zum Atlantischen Ozean. Die schottische Förderung beträgt etwa 15 v. H. der Gesamtbritischen und wird zum Teil an Ort und Stelle von den Hochofenwerken, von der Metall- und Textilindustrie verbraucht. Ein Teil gelangt aber auch zur Ausfuhr, und zwar nach Irland, dem Nord- und Ostseegebiet, dem Mittelmeer. Im Nordosten von England liegt das bedeutende Kohlenrevier von Durham und Northumberland, welches etwa 20 v. H. der englischen Steinkohlenförderung liefert. Die Kohle gelangt einmal in der dortigen eigenen blühenden Eisenindustrie zur Verwendung, andererseits im größten Maße nach London, Hamburg, Dänemark, Skandinavien über die Ausfuhrhäfen Newcastle, Blyth, Sunderland, Hartlepool. Da viele große englische Kohlenfelder unmittelbar an der Meeresküste liegen, so wird naturgemäß dadurch die Ausfuhr englischer Kohle ganz außerordentlich erleichtert. Weiter südlich von Durham und Northumberland liegt das große Kohlengebiet von Yorkshire, Derbyshire und Nottinghamshire, das etwa 23 v. H. der britischen Förderung liefert und somit das bedeutendste Kohlenbecken Englands ist. Westlich des trennenden Penninengebirges liegt dann noch das Kohlenrevier von Lancashire, das allerdings mehrfach zerstückelt ist und etwa 10 v. H. der Landesförderung an Steinkohle liefert. Eine ganz eigenartige Stellung nimmt das große Revier von Südwales ein, wo etwa 19 v. H. der gesamten Förderung gewonnen werden. Hier in Südwales wird vorzügliche Anthrazitkohle gewonnen, die beste Dampferkohle der Welt, die zum allergrößten Teil zur Ausfuhr gelangt, doch wird auch ein nicht unerheblicher Teil von den dortigen Hüttenwerken verbraucht. Ausfuhrhäfen für die südwalliser Kohle sind Cardiff, Swansea, Newport, Port Talbot.

Bei diesen Verhältnissen lag die Annahme nahe, |128| daß England von dem Kriege, zunächst wenigstens, wesentliche Vorteile hätte haben müssen. Da Deutschland auf dem Weltmarkt als Konkurrent ausgeschaltet war, so hätte Englands Stellung auf dem nun freien Weltmarkte sich vorteilhaft gestalten sollen, wenn eben Englands Berechnung richtig gewesen wäre. Indessen sah man bald in England, daß sich die Bewegung der Preise für die Hauptwaren, darunter auch besonders Kohle, doch wesentlich anders vollzog, als man bei Ausbruch des Krieges erwartet hatte. Zwar hat bei einer Reihe von Waren, in denen England die Monopolstellung einnimmt, der Preis für England eine günstige Entwicklung genommen, aber im großen und ganzen ist doch in England die Preisentwicklung eine ganz andere und wesentlich ungünstigere geworden, als wohl die ärgsten Pessimisten im Lande vermutet haben. Die großen Preissteigerungen in England sind im wesentlichen auf die Verteuerung der Gestehungskosten, besonders der Löhne zurückzuführen. Infolge der Arbeiterbewegungen – die ja in England an der Tagesordnung sind – sind einige der wichtigsten Sorten Industriekohlen gegen die Zeit vor Beginn des Krieges mehr als doppelt so teuer geworden. Ungefähr im gleichen Schritt mit dieser Steigerung des Kohlenpreises vollzog sich auch eine Erhöhung des Kokspreises, der sofort alle Hochofenwerke belastete. Bei der Preissteigerung von Eisenerz, das England ja zum allergrößten Teile aus dem Auslande bezieht, sind es nicht so sehr Gründe wirtschaftlicher Natur, als vielmehr die jedenfalls nicht unbedeutenden Schiffstransportschwierigkeiten als Folge der deutschen U-Boottätigkeit. Wie in allen Bergbauländern die Preise für die Bergbauprodukte seit dem Jahre 1912 im allgemeinen gesunken waren und bei Beginn des Krieges sogar niedriger standen als in den letzten Jahren vorher, so hielt diese Preisabwärtsbewegung für einige Bergwerksprodukte mit Kriegsausbruch noch weiter an. Dieser Preisrückgang trifft nun besonders die englische Steinkohle, die zumal für Newcastler Bunkerkohle recht erheblich im Preise gesunken war. Beste Newcastler Dampferkohle kostete nur 15 sh für die Tonne im Mai 1914 und sank im Dezember 1914 sogar bis auf 13,3 sh. Dann aber trat eine starke Erhöhung des Kohlenpreises ein, der schon im März 1915 17,6 sh erreicht hatte. An der englischen Ostküste zu Newcastle kosteten Ende März 1915 beste großstückige Blythkohle 20 sh die Tonne, an der Westküste Admiralitätsstückkohlen, nur lieferbar auf Erlaubnisschein der Admiralität, 23 sh 6 d bis zu 24 sh und kleine Dampfkesselkohle 17 sh 6 d Der Grund für diese neuere Preissteigerung der englischen Steinkohle mit der Jahreswende 1914/15 ist vorzugsweise darin zu suchen, daß Englands Kohlenausfuhr zu einem nicht geringen Teile unterbunden ist. Im Jahre 1914 betrug die Kohlenausfuhr Englands nur 61,8 Mill. Tonnen gegen 76,7 Mill. Tonnen im Jahre 1913, also ein Weniger von 14,85 Mill. Tonnen. Dem Werte nach stellten sich die Kohlenexporte auf 54 Mill. Lstl. in 1913 und nur 42 Mill. Lstl. in 1914. Im Jahre 1914 exportierte also England über ein Fünftel Kohle weniger in das Ausland als im Jahre vorher. Dieser Ausfall ist in der Hauptsache durch den verringerten Kohlenexport nach Deutschland, Belgien, Argentinien, aber auch Frankreich und Italien, also Verbündetenländern, hervorgerufen. Der Rückgang in Englands Kohlenausfuhr betrifft ganz naturgemäß allein die zweite Hälfte des Jahres 1914. Hier machte sich der Ausfall Deutschlands, Belgiens, Rußlands und die verringerte Nachfrage der neutralen Länder auf dem englischen Kohlenmarkt sehr fühlbar und drückte darum zunächst auf die Kohlenpreise. Bis zum Ende des Jahres fielen daher die Kohlenpreise. Im Jahre 1915 setzte dann aber aus anderen Gründen die schon angedeutete Aufwärtsbewegung der Kohlenpreise ein; die Gestehungskosten, die Arbeitslöhne, Betriebseinschränkungen, Transportspesen, Seefrachten sind alle gewachsen. Vor allem hat aber der englische Steinkohlenbergbau zu leiden unter den vielen Einberufungen zum Heere, die eine starke Verminderung der bergmännischen Belegschaft der Steinkohlengruben erzeugt haben. Der Arbeitermangel, der sich infolgedessen fühlbar machte, führte zur Produktionsverringerung und diese Fördereinschränkung wiederum zu einer Verteuerung der Steinkohlen. Es scheint in England, wenigstens zeitweilig, geradezu eine Kohlenknappheit geherrscht zu haben, denn im Mai 1915 wurde in beschränktem Umfange sogar ein Kohlenausfuhrverbot erlassen. So hat also schon sehr bald der Krieg bewirkt, daß Englands Kohlenversorgung nicht mehr absolut sicher stand, noch viel weniger diejenige seiner von ihm abhängigen Verbündeten. Wie die Ausfuhr Englands im ganzen, so hat auch besonders die englische Steinkohlenausfuhr in der bisherigen Kriegszeit eine recht erhebliche Abnahme erfahren. Die Ursachen, welche diesen, den Engländern jedenfalls recht unerwünschten Minderexport von Kohle hervorgerufen haben, sind nur allzu deutlich ersichtlich. Ohne weiteres kamen ja sofort mit Kriegsbeginn schon die Kohlenlieferungen an die mit England im Kriege befindlichen Staaten in Wegfall, nämlich an Deutschland, Oesterreich-Ungarn und die Türkei. Nach der Statistik verzeichneten aber diese drei großen Kohlenabnehmer die beträchtliche Einfuhr von 9,1 Mill., 1,2 Mill. und 409000 t englischer Steinkohle. Hierzu kam dann noch im weiteren Verlauf des Krieges die mit der Zeit beinahe vollständige Abschließung Rußlands vom Verkehr mit Westeuropa in bezug auf Hereinnahme von Kohlendampfern und weiter die durch die deutsche Besetzung Belgiens erfolgte Sperrung dieses Landes gegen englische Kohleneinfuhr. Rußland erhielt 1913 6,2 Mill. Tonnen und Belgien 2,0 Mill. Tonnen Steinkohlen aus England. Auch die Bezüge der neutral gebliebenen Länder an englischer Kohle wurden naturgemäß mit Fortschreiten des Krieges von Monat zu Monat geringer. Das Wirtschaftsleben dieser Staaten machte keineswegs Fortschritte, sondern der Krieg rief gesteigerten Rückgang fast überall bei ihnen hervor, und die überwiegende Mehrzahl dieser Staaten bezog ganz erheblich geringere Mengen englischer Steinkohle, als dies früher der Fall war. Schließlich bewirkten auch die deutschen U-Boote und Minen, welche die englische Schiffahrt stark belästigten, sowie |129| unsere damals noch tätigen Auslandkreuzer, daß der englische Kohlenexport ungünstig beeinflußt wurde. Die Gesellschaften wollten das Risiko nicht mehr tragen, die Versicherungsraten stiegen ganz bedeutend, und ebenso stiegen auch die Frachtsätze. Gerade die Frachtsätze für Kohlen haben in England eine Höhe erreicht, die ganz außergewöhnlich und keinesfalls ohne Rückwirkung auf den englischen Kohlenexport bleiben kann. Die Kohlenausfuhr Englands wurde denn auch durch den Krieg stark beeinträchtigt, sie zeigt für die einzelnen Kriegsmonate 1914 die folgende einschneidend rückgängige Entwicklung in 1000 long tons zu 1016 kg.

1913 1914 Gegen 1913
Januar bis Juli 42501 41186 – 1315
August
September
Oktober
November
Dezember
5819
6197
6739
5913
6229
3071
3859
3944
3280
3699
– 2748 = – 47 %
– 2338 = – 37 „
– 2795 = – 41 „
– 2663 = – 45 „
– 2530 = – 40 „
August bis Dezember 30897 17853 – 13044
Januar bis Dezember 73400 59040 – 14360
Dazu Bunkerkohle 21032 18536 – 2496

Bei den wichtigsten Ländern gestaltete sich die Versorgung mit englischer Kohle in 1914 folgendermaßen, ebenfalls in 1000 long tons.

1913 1914 Gegen 1913
Deutschland 8952 5257 – 3695
Oesterreich Ungarn 1057 564 – 493
Türkei 370 430 + 60
Belgien 2031 1169 – 862
Frankreich 12776 12331 – 445
Italien 9647 8625 – 1022
Rußland 5998 3088 – 2910
Dänemark 3043 3059 + 25
Norwegen 2298 2462 + 104
Schweden 4563 4250 – 315

Den größten Minderbezug an englicher Kohle zeigt natürlich Deutschland, da wir sofort mit Ausbruch des Krieges keine Tonne englischer Kohle mehr erhielten. Dann folgen aber gleich Englands Verbündete, Rußland und Italien, denen ganz erhebliche Mengen Kohle nicht geliefert wurden.

Deutschlands Kohlenversorgung ist indessen ohne jegliche Schwierigkeit gesichert, wenn wir auch auf die etwa 91/4 Mill. Tonnen englischer Kohle heute verzichten müssen, da bei uns bald nach der Beendigung der Mobilmachung die Transportverhältnisse günstiger wurden, auch Arbeiter aus dem Kalibergbau und aus der schweren Industrie für den Kohlenbergbau herangezogen werden konnten. Mit der Eroberung Belgiens haben wir zudem auf dessen Kohlenförderung, die sich zuletzt auf etwa 23 bis 24 Mill. Tonnen stellte, Beschlag gelegt. Ebenso hat Deutschland einen sehr großen Teil der Kohlenförderung Nordfrankreichs diesem Lande durch die erfolgte Besetzung entzogen. Für Frankreich kommt noch die deutsche und belgische Kohlenzufuhr von 5¾ und 3,6 Millionen Tonnen jährlich in Wegfall, so daß also dieses Land arg in seiner Kohlenversorgung bedrängt ist. Die Kohlengewinnung Frankreichs betrug etwa 40½ Mill. Tonnen Steinkohle und ¾ Mill. Tonnen Braunkohle, deren Förderung zu fast drei Vierteln in den nordfranzösischen Gebieten Pas de Calais und Depart. du Nord stattfand. Rußlands Kohlenversorgung ist gleichfalls stark beschnitten, da das polnische Kohlenbecken von Dombrowa sich in deutschen Händen befindet, das bisher etwa ein Viertel der russischen Gewinnung lieferte. Italien hat eine eigene Kohlenförderung von nicht ganz 700000 t, erhielt aus Deutschland jährlich 1 Mill. Tonnen und aus England 9 Mill. Tonnen zu normalen Zeiten. Gleich im ersten Kriegsjahre erhielt Italien über 1 Mill. Tonnen Kohle aus Rußland, nahezu 3 Mill. Tonnen Kohle weniger aus England und die deutsche Kohleneinfuhr fiel später selbstverständlich ganz aus. So haben in bezug auf ihre heimische Kohlenversorgung die Hauptverbündeten Englands, Frankreich, Italien und Rußland, starke Einschränkungen erlitten, die sich noch durch Wagenmangel und U-Bootgefahr weiter steigerten. In der Zeit vom 1. August 1914 bis zum 31. Juli 1915 hat England 45,97 Mill. Tonnen Kohlen, Koks und Briketts ausgeführt gegen 75,42 Mill. Tonnen in der entsprechenden Zeit 1913/14. Der Ausfuhrrückgang im ersten Kriegsjahr beträgt daher 29,45 Mill. Tonnen oder 39,05 v. H.

B. Simmersbach.

––––––––––

Welterzeugung und -Verbrauch von künstlichen Düngemitteln. Von dem Internationalen Ackerbau-Institut in Rom werden halbjährig sehr eingehende statistische Erhebungen über die Erzeugung, die Ein- und Ausfuhr sowie den Verbrauch der hauptsächlichsten künstlichen Düngemittel in den verschiedenen Ländern veröffentlicht. Dem letzten dieser Berichte, der die Jahre 1912 bis 1914 umfaßt, entnehmen wir die folgenden Angaben über die Erzeugung und den Verbrauch an Stickstoffdüngemitteln, die ja gegenwärtig im Vordergrunde des Interesses stehen.

1. Chilesalpeter.

1912 1913
Erzeugung in Chile 2586975 t 2773459 t
Ausfuhr aus Chile 2494166 t 2739530 t
Lieferungen für den Verbrauch 2530645 t 2556973 t
Sichtbare Vorräte (am 31. Dez.) 1620056 t 1765867 t

Das Jahr 1914 brachte in seiner zweiten Hälfte eine starke Verminderung sowohl der Ausfuhr wie auch der Erzeugung. So betrug die Ausfuhr nach Deutschland vom 1. Juli bis 30. November 1914 nur 34183 t gegenüber 285479 t in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Gesamtausfuhr aus Chile erfuhr im Jahre 1914 durch den Krieg einen Rückgang von 895000 t. Da die Erzeugung nur um 312000 t eingeschränkt wurde, erreichten die Vorräte in Chile Ende 1914 die gewaltige Höhe von 640000 t.

|130|

2. Ammoniumsulfat.


Erzeugung
1912
t
1913
t
1914
t
Deutschland 492000 549000 (500000)
Großbritannien 394226 438932 427756
Vereinigte Staaten 149700 176900 166014
Frankreich
Belgien
Oesterreich-Ung.
Italien
Spanien
Holland
Rußland
Japan
Australien
Dänemark
Schweden
Andere Länder
69100
43700
35500
11100
12000
6000
4000
7300
3000
2400
1400
(25000)
75400
48600
39000
15000
15000
6000
8000
8000
3000
2800
1400
(25000)





(200000)
––––––––––––––––––––––––––––––––
Zusammen 1256426 1412032 (1293770)

3. Kalkstickstoff.


Erzeugung
1912
t
1913
t
1914
t
Deutschland 22000 24000 (36000)
Oesterreich-Ungarn 5000 (7500) (24000)
Vereinigte Staaten (14000) 31000 (64000)
Frankreich (7500) (7500) (7500)
Italien 10304 14982 22500
Japan 5199 (7500) (7500)
Norwegen 13892 12111 (23500)
Schweden 6043 17000 (17000)
Schweiz (7500) (7500) (7500)
––––––––––––––––––––––––––––
Zusammen (91438) (139093) (209500)

Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Produktionsfähigkeit der einzelnen Länder, die übrigen Zahlen die wirklich erzeugten Mengen.

Sander.

––––––––––

Plastische Massen aus Hefe. H. Blücher berichtet in der Chemiker-Zeitung 1915 S. 934 über interessante Versuche in dieser Richtung, die er in Gemeinschaft mit E. Krause angestellt hat. Sie beobachteten, daß die Abfälle der Hefeextraktfabrikation, die aus den sehr feinen Zellhäuten der Hefe bestehen, bei der Behandlung mit Aldehyden plastische Massen liefern, die durch starke Pressung unter gleichzeitiger Erwärmung zu einem harten festen Produkt verdichtet werden können. Dieses eignet sich als Ersatz für Ebonit, Zelluloid, Galalith und andere Kunststoffe. Außer den Hefeextraktabfällen kann auch Brauereiabfallhefe sowie jede nach dem Delbrückschen Verfahren hergestellte Lufthefe als Ausgangsmaterial Verwendung finden. Die ursprünglich schwarze Farbe des neuen Erzeugnisses kann durch Einverleibung von Farbstoffen beliebig geändert werden, ferner lassen sich durch bestimmte Zusätze und Füllmittel auch die mechanischen und chemischen Eigenschaften beeinflussen.

Die Fabrikation erfolgt in zwei Phasen: Zunächst wird aus Formaldehyd und Hefe ein Halbfabrikat hergestellt, das als feines Pulver in mehreren, den verschiedenen Verwendungszwecken angepaßten Marken an die Verarbeiter geliefert wird. Dieses Pulver, das unbegrenzt lange haltbar ist, kann nun nach Belieben mit Füllmitteln versetzt und in der verschiedensten Weise gefärbt werden; sodann wird es in heizbaren hydraulischen Pressen geformt. Die auf diesem Wege erhaltenen Gegenstände geben die feinsten Einzelheiten der Form wieder, beispielsweise können die zartesten Reliefs mit höchster Schärfe erzeugt werden. Außer durch seine unmittelbare Formbarkeit zeichnet sich das neue Erzeugnis auch durch weitgehende mechanische Bearbeitbarkeit aus, es ist ferner fast unentflammbar und verkohlt sehr schwer. Das spezifische Gewicht des ungefüllten Stoffes ist 1,33 bis 1,35. Man kann auch Metallteile sehr fest in das neue Produkt einpressen, was für die Herstellung von Türklinken, Fenster- und Werkzeuggriffen recht wertvoll ist. Weiter lassen sich Knöpfe, Wandplatten, Lampenfüße, sowie zahlreiche Teile für die Feinmechanik und die Schwachstromtechnik aus dem neuen Material herstellen. Zur Ausnutzung der Erfindung wurde die Ernolith-G. m. b. H. in Leipzig gegründet.

Sander.

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