Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1916, Band 331 (S. 265–275)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj331/ar331058

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Ueber Untersuchungen und Erfahrungen auf dem Gebiete des Sprengens mit flüssigem Sauerstoff und Ruß berichtet G. Nicolai in der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate, 1916, Heft 1. Diejenigen Verfahren, bei denen aus dem Kohlenstoffträger als Aufsaugestoff und der flüssigen sauerstoffreichen Luft ein Brei gebildet wurde, der als solcher entweder unmittelbar oder in Hülsen gefüllt in das Bohrloch gebracht wurde, sowie diejenigen Verfahren, bei denen die flüssige Luft erst nachträglich durch Röhrchen in den im Bohrloch befindlichen Aufsaugestoff gefüllt wurde, sind heute überholt durch das Patronentauchverfahren, das sich schon verschiedentlich gut bewährt hat. Dieser große Fortschritt der deutschen Arbeit ist um so mehr zu begrüßen, als vor kurzem eine der größten englischen Zeitungen die deutschen Meldungen über die Erfolge mit dem Flüssige-Luft-Sprengverfahren als Bluff zu bezeichnen geruhte.

Der Aufsaugestoff wird in zylindrische, mehr oder weniger durchlässige Hülsen (Leinewand, Papier, Pappe) gefüllt, in die flüssige Luft eingetaucht und getränkt; sodann kann die so vorbereitete Patrone ebenso weiter behandelt werden, wie es schon bisher bei Dynamit- und anderen Patronen üblich war. Bedingungen zu Erfolgen mit den Verfahren des Sprengens mit flüssiger Luft sind unter andern: Gefahrlosigkeit, Sicherheit, Einfachheit in der Handhabung, Billigkeit. Die Sprengladung muß möglichst klein sein, gleichwohl aber die Fähigkeit besitzen, möglichst viel Sauerstoff aufzusaugen. Die Durchtränkung muß durchaus gleichmäßig sein. Die Patrone darf die zum Tränken eingeführte sauerstoffreiche Luft nur sehr langsam verdunsten lassen. Die Zündverfahren müssen möglichst einfach und sicher sein.

Als Patronenfüllmasse eignen sich nur Stoffe, die für sich oder in Verbindung mit Sauerstoff unter Gasentwicklung rasch verbrennen. Unter allen Stoffen, mit denen Versuche in dieser Richtung angestellt wurden, hat sich Ruß als der bestgeeignetste erwiesen. Am besten unter den Rußsorten wieder eignet sich ein feinkörniger Ruß von 99 v. H. Kohlenstoffgehalt, der sich durch Billigkeit und außerordentliche Betriebsicherheit unter andern auszeichnet. Er ist imstande, etwa das Vierfache seines Gewichts an flüssigem Sauerstoff aufzusaugen.

Von den heute im Bergbau angewandten Patronen beschreibt Nicolai sodann die Messer sehe genauer. Die Ausführungen sind durch Abbildungen unterstützt.

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Tauchflüssigkeit. Die Verwendung reinen oder annähernd reinen flüssigen Sauerstoffs ist der einer sauerstoffreichen flüssigen Luft vorzuziehen. Nach Angaben der Lieferfirmen für Luftverflüssigungsanlagen scheinen die Gestehungskosten zur Erzeugung annähernd reinen Sauerstoffs die zur Erzeugung sauerstoffreicher flüssiger Luft nicht erheblich zu übersteigen.

Was den fertigen Sprengstoff anlangt, so bringt Nicolai eine Zahlentafel, die über Größe, Durchmesser, Länge, Füllung, Gewicht, über die zur Tränkung einer Patrone notwendige Sauerstoffmenge, die zur Verbrennung notwendige Kohlenstoffmenge und einige andere Punkte Auskunft gibt. Die Lebensdauer des Sprengstoffes wächst demnach mit dem Patronendurchmesser. Als Ergebnis praktischer Untersuchungen auf den Mechernicher Bleiwerken wird mitgeteilt, daß zum vollwertigen Ersatz von 1 kg Dynamit etwas über zwei Rußpatronen, Größe IV (Durchmesser 38 mm, Länge 320 mm, Rußfüllung 80 g, erforderlicher Sauerstoff 450 g), erforderlich sind. Der Verbrauch an flüssigem Sauerstoff, einschließlich aller Verluste durch Aufbewahrung, Beförderung, Schadhaftwerden der Gefäße usw. beträgt etwa 1 l.

Die Zündung der unter Verwendung flüssiger Luft oder flüssigem Sauerstoff hergestellten Sprengstoffe muß sich den Betriebsverhältnissen, besonders den Eigenschaften des Gesteins anpassen, darf jedoch zwecks leichter Einführung und Gewöhnung der Arbeiter von den bisher üblichen Zündverfahren nicht zu sehr abweichen. Es kann sowohl Schnurzündung als auch elektrische Zündung angewandt werden. Beide Verfahren werden alsdann genau beschrieben. Besonders hingewiesen ist hierbei auf die bisher zur Anwendung gekommenen Mittel, um die durch den im Bohrloch an der Zündschnur entlangstreichenden, aus den Patronen entweichenden Sauerstoff hervorgerufenen Früh- oder Vorzündungen zu verhindern.

Nicolai bespricht dann noch die Bedingungen wirtschaftlicher und betriebssicherer Schießarbeit mit flüssiger Luft oder flüssigem Sauerstoff und führt als solche unter andern an: Die gut getrockneten Patronen müssen vollständig getränkt sein. Die theoretisch ermittelte verfügbare Zeit vom Herausnehmen der Patronen bis zum Abtun der Schüsse darf nicht überschritten werden. Anderenfalls läßt die Leistung nach, es bilden sich schädliche Nachschwaden oder die Schüsse versagen ganz.

Im allgemeinen kann man auf Grund der heutigen Erfahrungen bereits sagen, daß das Sprengen mit flüssigem Sauerstoff und Ruß einen technisch vollwertigen Ersatz der zurzeit schwer oder überhaupt nicht zu erlangenden Sprengstoffe darstellt. Und nicht nur dies, sondern es geht auch Hand in Hand hiermit eine Ersparnis sowohl an Gestehungskosten des neuen Sprengstoffes als auch der Bohrarbeit.

Wüster.

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Ueber die Festigkeit von Asbest bei höheren Temperaturen berichtet Dr.-Ing. Fritz Beyer, Dresden, in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure Bd. 60 Nr. 26 S. 533 bis 535. Im Anschluß an Isolierversuche an Asbestpappen und -Matratzen, die im mechanisch-technischen Institut der Technischen Hochschule in Dresden vorgenommen wurden, sind Versuche über den Einfluß höherer Temperaturen auf dieselben Materialien angestellt worden. Die untersuchten Asbeststoffe wurden hierbei je 1½ Stunden lang Temperaturen ausgesetzt, die stufenweis mit 60° C beginnend in Zwischenstufen um je 40° C bis 300° C stiegen.

Zunächst wurden zwei Asbestpappen von 3,120 bzw. 3,214 kg/m2 Gewicht der Untersuchung unterworfen, insbesondere wurde die Aenderung der Berst- und Zerreißfestigkeit geprüft. Es ergab sich, daß mit zunehmender Erhitzung die Abnahme der Zerreißfestigkeit bedeutend größer war als die der Berstfestigkeit. So wiesen von den beiden Pappsorten, die zur Untersuchung kamen,

die Sorte I eine Abnahme der Berstfestigkeit um 28,2 v. H.

die Sorte II eine Abnahme der Berstfestigkeit um 13,0 v. H.

die Sorte I eine Abnahme der Zerreißfestigkeit um 59,5 v. H.

die Sorte II eine Abnahme der Zerreißfestigkeit um 18,8 v. H.

auf. Als Grund für die starke Abnahme der Festigkeit ist wohl die Zersetzung des den Pappen zugefügten Leimes bei hoher Temperatur anzusehen, die auch rein äußerlich durch Braunfärbung der ursprünglich weißen Pappen zu Tage tritt. Es hat sich aus den Versuchen ergeben, daß die Verwendung von Asbestpappen durch die Temperaturhöhe begrenzt ist. Bei Erhöhung der Temperatur bis 300° C werden die Pappen mürbe und brüchig, ihre Dehnungsfähigkeit nimmt mit der Zeit und Temperatur ab, und der Stoff geht in verhältnismäßig kurzer Zeit seinem Zerfall entgegen.

Es wurden dann weiter Asbestgewebe aus reiner Asbestfaser und aus mit Baumwolle gemischter Faser untersucht. Für die Untersuchung standen reine Asbestgewebe von kanadischem (weißem) und afrikanischem (blauem) Asbest zur Verfügung.

Die Untersuchung der Gewebe ergab die bekannte Tatsache, daß der blaue afrikanische Asbest infolge seiner Sprödigkeit und Sperrigkeit bedeutend lockerer gewebt und gröber versponnen wurde als der weiße. Rein äußerlich tritt die Verschiedenheit der Gewebe schon dadurch hervor, daß die Gewebe aus Blauasbest sich rauher anfühlen als die aus weißem.

Die Gewebe wurden dann ebenfalls auf Berst- und Zerreißfestigkeit geprüft. Hierbei ergab sich, daß die Gewebe aus weißem kanadischem Asbest auch durch die mehrfach wiederholte Erhitzung bis 300° nur in geringem Maße an Berstfestigkeit einbüßten, wohl aber nahm die Zerreißfestigkeit mit der Zeit und Wiederholung hoher Temperaturen infolge der Ausscheidung des chemisch gebundenen Wassers in stärkerem Maße ab. Gewebe aus blauem afrikanischem Asbest zeigten dagegen eine erhebliche Abnahme der Berstfestigkeit, die schon bei zweimaliger Erhitzung 20,5 v. H. betrug, während die Dehnungsfestigkeit sich gleichblieb. Hierin liegt der wesentliche Unterschied des afrikanischen Asbests gegenüber dem kanadischen, welcher selbst bei hundertmaliger Erhitzung keine Abnahme in der Berstfestigkeit zeigt. |267| Aus diesem Grunde wird, da die Isolierfähigkeit der beiden Asbestsorten sich als gleich erwiesen hat, in der Praxis stets der Weißasbest dem blauen afrikanischen vorgezogen.

Weiterhin wurden Asbestschnüre aus Weißasbest mit einem Baumwollgehalt von 14,2 v. H. und 5 mm ∅ bzw. von 15,9 v. H. und 20 mm im Geviert untersucht. Bei diesen Schnüren war die Abnahme der Festigkeit wegen des Baumwollengehaltes bedeutend größer als bei den Fasern der Gewebe aus reinem Asbest; sie betrug bei der dünneren Schnur 50,2 v. H. und bei der dickeren 31,8 v. H. der ursprünglichen Festigkeit. Zurückzuführen ist diese Erscheinung auf die Zersetzung der beigemischten Baumwolle bei Temperaturen von 300° C. Es ist somit in allen Fällen, wo hohe Temperaturen zu erwarten sind, dem reinversponnenen langfaserigen Asbest der Vorzug zu geben.

Sonntag.

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Die Durchführung der Gaswerksbetriebe im Kriege. Hierüber berichtet Direktor Lempelius im Journal für Gasbeleuchtung, 58. Jahrg. S. 306 bis 309. Zu den für die Mobilmachung vorgesehenen Maßnahmen gehörte auch die Kohlenzufuhr zu den Gaswerken. Die Gaswerke erhielten denn auch hinreichende Kohlenmengen, jedoch waren diese in einzelnen Fällen für die Gaserzeugung nicht verwendbar. Immerhin war es möglich, die Kohlenzufuhr so zu regeln, daß ernste Schwierigkeiten für die Gaserzeugung fast nirgends auftraten. Dabei ist zu berücksichtigen, daß durch den Ausfall der englischen Kohleneinfuhr weite Gegenden mit deutschen Gaskohlen versorgt werden mußten, in die bis dahin zum Teil noch niemals deutsche Gaskohlen gelangt waren. Von sehr großer Bedeutung war hierfür auch, daß es gelang, das oberschlesische Kohlenrevier vor einem Einfall der Russen zu bewahren. Ein Ausfall der oberschlesischen Kohlenförderung hätte nicht nur für unsere Gasindustrie, sondern für unser ganzes Wirtschaftsleben sehr schwere Folgen gehabt. Wie die Kohlenzufuhr zu den Gaswerken durch die Fürsorge der Behörden für jede Dauer des Krieges sicher gestellt wurde, so ist auch die Lage des Koksmarktes als befriedigend zu bezeichnen. Ferner wurde den Anträgen der Gaswerke auf Zurückstellung des unbedingt nötigen Betriebspersonals fast überall Rechnung getragen, so daß die Gasversorgung, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, genau wie im Frieden bewirkt werden konnte.

Dem Außendienste der Gaswerke wurden durch den Petroleummangel sehr große, unvorhergesehene Aufgaben gestellt. Die Nachfrage nach neuen Gasanschlüssen stieg bei den größeren Werken in die Tausende, und der Absatz in Gaskochern und -Beleuchtungsartikeln erreichte eine Höhe wie nie zuvor. Die Gaswerke haben es verstanden, diesen Verhältnissen Rechnung zu tragen, und haben zum Teil durch Erleichterungen für den Gasbezug die Anschlußbewegung noch gefördert.

Von amtlicher Stelle wurde befürwortet, die Gaserzeugung im Interesse der Landesverteidigung soviel als möglich zu steigern, was auf den Umstand zurückzuführen ist, daß die Teerausbeute aus einer bestimmten Menge Kohlen in den Gasanstalten fast doppelt so groß ist als in den Kokereien. Die Bedeutung des Teers, die schon im Frieden recht groß war, hat sich im Kriege noch außerordentlich gesteigert; namentlich durch die Verwendung der Teeröle für Marinezwecke. Das Gleiche gilt für das Ammoniak, das nicht nur den Chilesalpeter ersetzen muß, sondern auch für die chemische Industrie im Kriege ein besonders wertvoller Rohstoff ist. Der Krieg hat schließlich noch die Gewinnung eines weiteren Nebenproduktes aus dem Gase, des Benzols, lohnend gemacht. Alles in allem hat durch den Krieg die Erkenntnis, daß die Kohle, der wertvollste Schatz unseres deutschen Bodens, in unseren Gasanstalten besser als auf jede andere Weise nutzbar gemacht wird, eine starke Förderung erfahren.

Sander.

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Zur Thermodynamik des Wasserdampfes. Die thermischen Eigenschaften des Wasserdampfes im technisch wichtigen Gebiete dürften durch Versuche mit ausreichender Genauigkeit festgestellt sein. Auf Grund der Versuchsergebnisse wurden verschiedene Zustandsgleichungen von der Form aufgestellt. Darin bedeuten v das spezifische Volumen in m3/kg, R die Gaskonstante, T die absolute Temperatur, P den Druck in kg/m2 und Δv ein Berichtigungsglied. Diese Gleichungen ermöglichen die Berechnung des spezifischen Volumens mit befriedigender Genauigkeit, versagen aber bei der Bestimmung der spezifischen Wärme cp. Dies ist auf die einfache Form des Berichtigungsgliedes Δv = φ1 (P) φ2 (T) zurückzuführen. Der Zusammenhang zwischen Zustandsgleichung und der spezifischen Wärme ist nämlich nach Clausius durch die Formel

gegeben, wo A das mechanische Wärmeäquivalent ist. Zur Berechnung von cp aus v wäre demnach eine zweimalige Differentation von v nach T erforderlich, deren Ausführung von dem kleinen und unsicheren Berichtigungsgliede Δv abhängt; und die oben erwähnte Form von Δv scheint die Entstehung von Fehlern zu fördern. Plank stellt daher in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure Nr. 10 und 11 eine Zustandsgleichung auf, deren Berichtigungsglied die allgemeinere Form Δv = φ (PT) hat. Er geht dabei von dem cpt-Diagramm Jacobs aus, für dessen hyperbelähnliche Isobaren der spezifischen Wärme er den Ausdruck gibt. Es bedeutet hierin cp° den Grenzwert der spezifischen Wärme für P = 0. Durch die Formel wird das cp-System im technisch wichtigen Gebiet mit hinreichender Genauigkeit wiedergegeben, wenn man und setzt. Aus der Gleichung für cp folgt der partielle Differentialquotient , wobei und gesetzt |268| ist. Führt man diesen Wert in die Clausiussche Gleichung ein, so ergibt sich Zur Zustandsgleichung gelangt man nun durch zweimalige Integration zwischen den Grenzen Θ und T, wenn Θ die Temperatur bei endlichem Druck bedeutet, für die eine Abweichung vom idealen Gaszustände nicht besteht. Man nimmt an, daß Θ eine Druckfunktion ist und gleich 920 + 15 p gesetzt werden kann. Die sich aus dem gekennzeichneten Rechnungsgang ergebende Zustandsgleichung nimmt eine ziemlich verwickelte Form an, die aber zu richtigen Werten für das spezifische Volumen führt. Auch läßt sich die Abkühlung beim Drosseln daraus berechnen.

Schmolke.

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Einschraubenmotorschiffe. Die Ostasiatische Kompagnie in Kopenhagen hat die Einschraubenmotorschiffe Bandon, Chumpon und Pangan für den Gesamtpreis von 7657000 Kronen oder rund 520 Kronen für die Tonne an die norwegische Regierung verkauft, die die Schiffe für die staatliche Lebensmittelversorgung verwenden will. Die drei Schiffe von je 3500 Br.-Reg.-Tonnen wurden im Jahre 1909 bei Barclay & Co. in Glasgow als Dampfer gebaut und erhielten im Jahre 1914 an Stelle der Dampfmaschinen Dieselmaschinen mit je sechs Zylindern und 1600 PSi Leistung. Die Tragfähigkeit der Schiffe wurde dadurch nach Angabe der Zeitschrift. Der Oelmotor 1916 Heft 37 um 400 t vergrößert. Die täglichen Betriebskosten aber um 25 v. H. verkleinert. Die Tragfähigkeit beträgt rund 5000 t bei 6,4 m Tiefgang mit etwa 7780 m3 Getreide. Bei einer Schiffsgeschwindigkeit von 10,5 Knoten ist der tägliche Brennstoffverbrauch 7,5 t. Die Hauptmaschinen wurden von der Burmeister & Wain Oil Engine Co. in Glasgow gebaut. Wie bereits D. p. J. Bd. 331 S. 189 ausgeführt wurde, hat man mit größeren in England erbauten Dieselmaschinen schlechte Erfahrungen gemacht. Auch hier ist der Versuch ungünstig ausgefallen.

W.

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Motorlokomotiven. Wie bereits früher darauf hingewiesen (D. p. J. Bd. 330 S. 190), werden Verbrennungskraftmaschinen nun auch zum Antrieb von Lokomotiven mit geringer Leistung verwendet. Im Förderbetriebe untertage wird die Druckluftlokomotive vorgezogen, besonders an solchen Stellen, wo schlagende Wetter zu befürchten sind. Unglücksfälle mit Motorlokomotiven sind seltener als beim Betriebe elektrischer Lokomotiven mit Oberleitung, die in wirtschaftlicher Hinsicht bei niedrigem Strompreise den Motorlokomotiven überlegen sind. Da ferner die Druckluftförderung von Leitungen und Kraftwerken abhängig ist, so ist man im Zechenbetriebe dazu übergegangen, Motorlokomotiven häufiger zu verwenden.

Die Ruhrthaler Maschinenfabrik in Mühlheim-Ruhr hat nach der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure 1916 S. 409 bis 414 in neuerer Zeit verschiedene Uebertaglokomotiven mit bemerkenswerten Neuerungen gebaut. Bei einer Schmalspurlokomotive dieser Firma von 40 PS Leistung ist ein einzylindriger Benzolmotor mit 280 Uml./Min. eingebaut. Die Maschine hat Druckluftanlaßvorrichtung und zwei Geschwindigkeitsübersetzungen für 6 und 12 km/Std. Das Brennstoffgemisch wird ohne besonderen Vergaser unmittelbar im Einlaßventil nach Abb. 1 erzeugt.

Textabbildung Bd. 331, S. 268

Es ist hier ein kleines schirmartiges Ventil a angeordnet. An der Verengung b vermischt sich Brennstoff mit der einströmenden Verbrennungsluft. Auf diese Weise erhält man beim Anlassen sofort ein zündfähiges Gemisch. Zur Uebertragung der Bewegung können bei kleineren Lokomotiven mit Vorteil Gelenkketten verwendet werden.

Textabbildung Bd. 331, S. 268

Da solche Ketten große Elastizität besitzen, so treten beim Einrücken anderer Geschwindigkeiten keine Stöße auf. Auch bei Verwendung von Zahnrädern muß für eine gewisse Elastizität Sorge getragen werden. Dies wird dadurch erreicht, daß das Hauptübertragungsrad als Federrad ausgebildet wird (Abb. 2). Bei der in Abb. 3 dargestellten Lokomotive wird der Kühlwasserverbrauch sehr verringert. Der Kühlwasserbehälter ist hier mit rund 40 Kühlröhren aus Messing versehen. Die Verbrennungsluft wird durch die Röhren hindurch gesaugt, |269| womit die Abkühlung des Wassers und zugleich die Vorwärmung der Verbrennungsluft erreicht wird.

Eine Normalspurlokomotive mit einem 35 PS-Einzylinder-Benzolmotor kann bei 6 km/Std. Geschwindigkeit 180 bis 200 t Last fördern. Der Motor macht dabei 290 Uml./Min. Das Anlassen geschieht mittels Druckluft. Hierzu genügen bereits 3 at Druck. Der Druckluftbehälter wird aber, um öfters hintereinander anlassen zu können, auf 12 at aufgepumpt.

Textabbildung Bd. 331, S. 269

Auch Rohölmotoren mit Glühkopfzündung finden bereits als Lokomotivmotoren Verwendung. Damit die Lokomotive stets betriebsbereit ist, wird der Motor mit Benzin angelassen. Nach einigen Minuten, wenn der Glühkopf glühend geworden ist, wird auf Rohöl umgeschaltet. Sämtliche Hebel zur Umschaltung, zur Steuerung und zur Regelung des Kühlwassers befinden sich am Führerstande, so daß die Lokomotive nach dem Anlassen des Motors sofort anfahren kann. Umschaltung und Regelung können dann während der Fahrt ausgeführt werden. Zum Dämpfen des Auspuffgeräusches sind doppelte Auspufftöpfe vorhanden. Zum Anlassen des Motors dient die von einem ausrückbaren kleinen Kompressor erzeugte Druckluft, die in der im Führerstande angebrachten Stahlflasche bis auf 30 at verdichtet wird. Eine solche Lokomotive mit einem Zweizylinder-Glühkopfmotor von 30 PS Leistung verkehrt auf einer 28 km langen Kleinbahnstrecke mit 6 und 12 km Geschwindigkeit. Die neueren Lokomotiv-Rohölmotoren der Ruhrthaler Maschinenfabrik werden nunmehr liegend angeordnet. Die Kurbelkasten-Spülluftpumpe ist durch eine Stufenkolbenluftpumpe ersetzt, damit ein Ueberschuß von Spülluft erhalten werden kann.

W.

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Eine neue Form der Kohlenuntersuchung nach Strache. Hierüber berichtet H. Hiller in der Zeitschrift des Vereins der Gas- und Wasserfachmänner in Oesterreich und Ungarn 1915 S. 261 bis 266. Um eine Steinkohle auf ihre Brauchbarkeit zur Gaserzeugung zuverlässig zu untersuchen, benutzt man auf allen größeren Gaswerken die Probevergasung, die in besonderen Versuchsgasanstalten ausgeführt wird. Hierbei werden die Gasausbeute, der Heizwert des Gases sowie die Menge und Beschaffenheit sämtlicher Nebenprodukte in einer der Praxis genau entsprechenden Weise ermittelt. Allerdings erfordert eine derartige Probevergasung eine recht kostspielige Anlage, sowie einen großen Aufwand an Material und Zeit. Aus diesem Grunde wäre es sehr wertvoll, wenn es gelänge, durch einen Versuch in kleinem Maßstabe die Menge und den Heizwert der aus der Kohle bei der Entgasung zu gewinnenden Stoffe zu ermitteln. Einen Weg hierzu hat vor mehreren Jahren Strache durch die Konstruktion seines Explosionskalorimeters gewiesen; diesen Apparat hat Verfasser nun in verschiedener Hinsicht vervollkommnet. Bei dieser Methode wird etwa 0,1 g Kohle in einem Röhrchen aus schwer schmelzbarem Glas in sauerstoffreier Atmosphäre vergast. Das entwickelte Gas wird durch ein gekühltes Rohr geleitet, wo es von Teer befreit wird, und gelangt dann in die Explosionspipette des Kalorimeters, wo es nach Zumischung von Luft mittels eines elektrischen Funkens zur Explosion gebracht wird. Die hierbei gelieferte Wärme wird auf den die Explosionspipette umgebenden Luftmantel übertragen und die sich ausdehnende Luft drückt auf ein Flüssigkeitsmanometer. Dieses Manometer ist so geeicht, daß man auf der Skala direkt den Heizwert von 1 m3 des Gases in Wärmeeinheiten (bezogen auf trockenes Gas bei 0° und 760 mm Druck) ablesen kann. Eine zweite Skala gestattet die Ablesung der Wärmeeinheiten, die das verpuffte Gas tatsächlich geliefert hat. Dieser Wert ist, da man die absolute Gasmenge nicht kennt, auf das Gewicht der ursprünglichen Kohle zu beziehen. Die Ausführung der Heizwertbestimmung wird von Verfasser an Hand einer Skizze näher geschildert, ebenso die Bestimmung des in dem gekühlten Rohre kondensierten Teers sowie die eventuelle Aschenbestimmung in dem Koksrückstand. Wegen dieser Einzelheiten muß auf das Original verwiesen werden. Als Anhang sind mehrere nach dieser Methode ausgeführte Kohlenanalysen angeführt.

Sander.

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Die Entwicklung der Gasverflüssigungstechnik seit 20 Jahren. Im Jahre 1896 wurde auf der Ausstellung zu Nürnberg der Oeffentlichkeit die erste Luftverflüssigungsmaschine von C. Linde gezeigt, durch deren Erfindung ein neuer, im Laufe von zwei Jahrzehnten hochentwickelter Industriezweig ins Leben gerufen |270| wurde. Linde benutzte zur Erreichung der kritischen Temperatur der Luft die Abkühlung, die eintritt, wenn man Luft drosselt, d.h. ohne Energieaustausch nach außen von einem höheren zu einem niedrigeren Druck überströmen läßt. Es wird nämlich bei der Volumenvergrößerung Arbeit zur Ueberwindung innerer Anziehungskräfte verbraucht. Die Größe der dadurch verursachten Kühlwirkung ist schon von Thomson und Joule untersucht worden. Sie faßten ihre Versuchsergebnisse in der Formel zusammen, wo a ein Festwert ist. Aus dieser Gleichung fand Linde für den Fall, daß Luft bei der Temperatur T vom Druck p auf den Druck p0 herabgedrosselt wird, durch Integration die Abkühlung . Man sieht, daß bei großen Druckunterschieden und Vorkühlung der zur Entspannung kommenden Luft eine wesentliche Temperaturabnahme eintritt. In den ersten Luftverflüssigungsmaschinen (Abb. 1) erreichte man eine Vereinigung mehrerer Kühlwirkungen folgendermaßen.

Textabbildung Bd. 331, S. 270

In den Zylindern A und B eines zweistufigen Kompressors wurde Luft auf 200 at verdichtet und durch die in einer Kältemischung liegende Rohrschlange C sowie das innere Rohr einer dreiwandigen Spirale D zum Regulierventil E geleitet. Die infolge der Entspannung abgekühlte Luft kehrte im Gegenstrom durch das mittlere Rohr der Spirale zum Kompressor zurück. Hierdurch wurde die nachströmende Luft vorgekühlt, so daß deren Temperatur nach der Drosselung bereits recht niedrig war. Bei Fortführung des Prozesses wurde die Luftverflüssigungstemperatur erreicht, und es stellte sich infolge des Freiwerdens von latenter Wärme bei der Kondensation ein Beharrungszustand ein. Die gebildete Flüssigkeit floß durch das Ventil F zum Sammelbehälter G. Ein Teil verdampfte beim Durchströmen des Ventils und verließ durch das äußere Rohr der Spirale den Apparat. In der Patentschrift vom 29. September 1896 zeigte Linde nicht nur den Weg zur Verflüssigung der Luft, sondern auch die Möglichkeit, ein sauerstoffreiches Gasgemisch zu erzielen. Führt man nämlich vorgekühlte, komprimierte Luft durch ein in flüssiger Luft liegendes Spiralrohr, so wird sie kondensiert, während die Flüssigkeit die Kondensationswärme aufnimmt und verdampft. Da der flüchtigere Stickstoff in reichlicherem Maße abdampft als Sauerstoff, so werden die Dämpfe immer sauerstoffreicher. Eine vollständige Trennung der beiden Bestandteile der Luft gelingt indessen nicht. Eine solche zu erreichen, war man im Laboratorium Lindes zu München unausgesetzt bemüht. Wichtige, zum Teil nicht unmittelbar diesem Zweck dienende Ergebnisse wurden dort erzielt. So fanden Kohlrausch und v. Bayer im Petroläther ein selbst bei Luftverflüssigungstemperatur brauchbares Schmiermittel und gaben Claude dadurch die Möglichkeit, das Kondensieren von Luft mit Hülfe eines Expansionszylinders zu erreichen. Sein Verfahren hat indessen den Nachteil, daß die Kühlung unter Leistung äußerer Arbeit nur vom Druckverhältnis abhängt, während die Entspannungskühlung mit dem Druckunterschiede wächst. Daß hierin ein Vorzug der Lindeschen Methode begründet ist, wird ersichtlich, wenn man bedenkt, daß die gleiche Kompressionsarbeit bei der Verdichtung von 1 auf 10 at und von 10 auf 100 at erforderlich ist. Ferner hat eine Drosselvorrichtung einen besseren thermischen Wirkungsgrad als ein Arbeitszylinder. Im Jahre 1902 gelang Linde die Herstellung des von der Medizin, der Chemie, der Glasindustrie sowie bei der autogenen Metallbearbeitung gebrauchten reinen Sauerstoffes dadurch, daß er flüssige Luft zum Verdampfen brachte und die Dämpfe einem Strom in einer Säule herabrieselnder kondensierter Luft entgegenführte. Hierbei verdichtet sich der Sauerstoff der Dämpfe, während der Stickstoff der Flüssigkeit abdampft. Unten sammelt sich reiner Sauerstoff, und oben entweicht ein Gas, das mit der dort eintretenden Flüssigkeit von atmosphärischer Zusammensetzung im Gleichgewicht steht und noch 7 v. H. Sauerstoff enthält. Trennt man nach Claude die Rieselflüssigkeit in einen sauerstoffärmeren und einen sauerstoffreicheren Teil, von denen ersterer der Säule oben, letzterer in der Mitte zugeführt wird, so ist die entweichende Sauerstoff menge kleiner, da der sauerstoffarmen Flüssigkeit im Gleichgewichtzustande ein nur wenig sauerstoffhaltiges Gasgemisch entspricht. Wie dies erreicht wird, zeigt Abb. 2. Die Luft tritt in die Spirale A im Verdampfungsgefäß B der unter 4 at Druck stehenden Säule C, kondensiert und wird nach Durchströmen des Rohres D und des Ventils E in der Mitte der Säule als Rieselflüssigkeit ausgegossen. Beim Herabfließen erfolgt in oben geschilderter Weise eine Sauerstoffanreicherung. Die sich unten sammelnde Flüssigkeit enthält 60 v. H. Sauerstoff. Sie steigt durch Rohr F und Ventil G zur Mitte der unter Atmosphärendruck stehenden Säule H, berieselt deren untere Hälfte, fließt zum Gefäß J und verläßt bei K als reiner Sauerstoff |271| den Apparat. Die Rieselflüssigkeit für die oberen Hälften der Säulen wird im Kondensator L gewonnen. Ein Teil der sich dort bildenden Flüssigkeit fließt die untere Säule hinab. Der Rest gelangt durch Rohr M und nach Entspannung durch Ventil N zum Kopfe der Niederdrucksäule. Oben entweicht der Stickstoff.

Textabbildung Bd. 331, S. 271

In demselben Jahre, in dem Linde das beschriebene Rektifikationsverfahren fand, stellte er das Versuchslaboratorium der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen der Technischen Hochschule zu München für die Zwecke der technischen Physik zur Verfügung. Hier gelang es, in den nächsten Jahren, wichtige Fortschritte in bezug auf die Theorie der Gasverflüssigung zu erzielen. Während die oben angegebene Formel von Thomson und Joule die Folgerung zuläßt, daß eine weitgehende Steigerung der Druckunterschiede einen wesentlichen Leistungsgewinn mit sich bringt, wies Vogel nach, daß die Abkühlung für 1 at eine lineare Abnahme mit wachsendem Druck zeigt. Er faßte seine für die Praxis sehr wertvollen Versuchsergebnisse in der für Drosselung bei Zimmertemperatur gültigen Annäherungsformel zusammen, durch deren Integration sich die Abkühlung

ergab, wo T1, p1 Temperatur und Druck auf der Hochdruckseite, T und p dieselben Größen auf der Niederdruckseite, a und b Festwerte sind. Noell dehnte die Versuche auf das Temperaturgebiet zwischen + 250 und – 55° C aus und fand eine allerdings verwickelte Gleichung, die alle Versuchswerte im genannten Gebiete umfaßt. Auf Grund der Formel gelang eine dem Praktiker erwünschte zeichnerische Darstellung der Werte der Abkühlung bei Entspannung von verschiedenen Anfangsdrücken auf Atmosphärendruck. Auch stellte Noell fest, daß die spezifische Wärme der Luft mit wachsendem Druck und sinkender Temperatur steigt. Kurz vor Beginn des Krieges wurde ein neues, erweitertes Laboratorium für die angedeuteten Versuche der Münchener Hochschule übergeben. Zwar ruhen infolge der Zeitverhältnisse gegenwärtig dort die Arbeiten, indessen wirkte andererseits der Krieg befruchtend auf die Technik der tiefen Temperaturen ein. Infolge Mangels an Sprengstoffen findet nämlich die anfänglich meist für Laboratorien gelieferte flüssige Luft mehr und mehr in Bergwerken zu Sprengzwecken Verwendung.1) Auch wird sie mit Vorteil zur Speisung bergmännischer Rettungsvorrichtungen benutzt.

Bald, nachdem die Herstellung hochprozentigen Sauerstoffes geglückt war, bemühte man sich um die Gewinnung von reinem Stickstoff. Sie gelingt im Zweisäulenapparat, wenn man einen Teil des oben entweichenden Stickstoffes komprimiert, im Sauerstoffverdampfungsgefäß verflüssigt und zur Berieselung des oberen Säulenteiles benutzt. Das Ergebnis dieses Verfahrens findet Verwendung zur Herstellung des Kalkstickstoffes, eines Düngemittels, sowie bei der Gewinnung von Ammoniak aus seinen Elementen nach dem Verfahren Habers und als Schutzgas bei Lagerung brennbarer Flüssigkeiten nach dem Beispiele von Martini und Hüneke. Ein weiterer Fortschritt war die Gewinnung von Wasserstoff. Die dahin gerichteten Bestrebungen stießen auf Schwierigkeiten, weil bei dem genannten Gase anstatt der Entspannungskühlung eine Erwärmung beim Drosseln eintritt. Diese auffallende Erscheinung wird zwanglos durch die kinetische Gastheorie erklärt. Nach dieser wird der Gasdruck in einem begrenzten Raum durch die Stöße der in Bewegung befindlichen Moleküle gegen die Wandungen hervorgerufen. Diese Stöße treten um so häufiger auf, je größer die räumliche Ausdehnung der Moleküle ist, weil der diesen zur Verfügung stehende Spielraum vermindert wird. Mit dem Rauminhalt der Moleküle wächst somit der Druck p, und zwar nach van der Waals im Verhältnis , wo v das spezifische Volumen des Gases, b das vierfache Molekularvolumen ist. Andererseits wird infolge der gegenseitigen Anziehung der kleinsten Teile der nach außen wirkende Druck abnehmen. Die Molekularattraktion ist gleich , wo a ein Festwert ist, so daß an die Stelle der Formel durch Einführung des Gasdruckes bei fehlender Molekularanziehung sowie des korrigierten Volumens der Ausdruck tritt. Bei Wasserstoff ist der Einfluß der Volumenkorrektion größer als der Einfluß der molekularen Anziehung, sofern die Temperatur nicht vor der Drosselung stark erniedrigt wurde, d.h. bei Volumenvergrößerung erfährt der zweite Klammerwert eine Zunahme, die durch die Abnahme des ersten Klammerwertes nicht aufgehoben wird. Somit |272| steigt die Temperatur. Eine Entspannungskühlung tritt erst bei Vorkühlung des Wasserstoffes auf mehr als – 80° ein. Indessen kann man dies Gas durch partielle Kondensation von komprimiertem Wassergas gewinnen, dessen Kohlenoxydgehalt unter Benutzung von flüssigem Stickstoff niedergeschlagen wird, während der Wasserstoff gasförmig bleibt. Er wird zum Füllen von Luftschiffen und in der Fettindustrie gebraucht.

Schmolke.

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Die Kälteindustrie und der Krieg.1) Hierüber macht Oberingenieur L. Hirsch in der Chemiker-Zeitg. 1916 S. 273 bis 276, 294 bis 296 interessante Mitteilungen, denen wir folgendes entnehmen. Verfasser gibt zunächst einen kurzen Ueberblick über den heutigen Stand der Kälteerzeugung in wirtschaftlicher Hinsicht. Die heute vornehmlich verwendeten sogenannten Kaltdampfkompressionsmaschinen, die mit Kohlensäure, Ammoniak oder Schwefeldioxyd arbeiten, sind so vervollkommnet, daß sie für je 1 PS, die zum Antrieb der Maschine dient, bis zu 3500 WE stündlich leisten. Da die Herstellungskosten von 1 eff. PS/Std. zuzüglich Verzinsung, Tilgung und Bedienung in mittleren Betrieben rund 20 Pf. betragen, so kann man für 1 M einen stündlichen Kältebetrag von rund 17500 WE gewerbsmäßig erzeugen. Für den gleichen Betrag von 1 M könnte man in einer guten Heizanlage etwa die zehnfache Menge WE in der Stunde erzielen, woraus sich ergibt, daß die Herstellung „negativer“ Wärme erheblich teurer ist als die Erzeugung „positiver“ Wärme. Wenn trotzdem die Kälteverwendung im letzten Jahrzehnt einen so ungeahnten Aufschwung genommen hat, so erkennt man hieraus ihre große Bedeutung für die Erhaltung aller zerstörbaren Gebrauchsgüter und Werte. Im Kriege hat sich die Kälteindustrie zunächst zur Bergung unserer Fleischvorräte von großer Wichtigkeit erwiesen. Dies wird an einem Beispiel aus der Praxis, nämlich der im Frühjahr 1915 erforderlich gewordenen Abschlachlung von 10 Millionen Schweinen, näher erläutert. Die Hälfte dieser Schweine sollte eingefroren und als Gefrierfleisch aufgestapelt werden. Die hieraus sich ergebenden technischen Aufgaben wurden unter Mitwirkung des Deutschen Kältevereins gelöst, namentlich galt es zu untersuchen, ob die bereits vorhandenen Kälteanlagen in Schlachthöfen, Kühlhäusern und Brauereien zum Einfrieren und Stapeln von Schweinen geeignet sind, ob zur Ergänzung dieser Anlagen in zwei bis drei Monaten Neubauten sachgemäß hergestellt werden können, wie diese Anlagen baulich, hygienisch und betriebstechnisch beschaffen sein müssen, und schließlich, wie das Gefrierfleisch beim Uebergang aus den Gefrieranlagen in den Konsum behandelt werden muß. In den Kühlanlagen, wie sie fast alle deutschen Städte auf ihren Schlachthöfen und außerdem viele Fleischer und Wurstfabrikanten in ihren Privatbetrieben besitzen, wird das Fleisch bei einer Temperatur von + 2 bis 4° C und bei etwa 75 v. H. relativer Luftfeuchtigkeit freihängend aufbewahrt; auf diese Weise kann das Fleisch bis zu sechs Wochen aufbewahrt werden. Will man das Fleisch dagegen länger als sechs Wochen aufbewahren, so muß es durch Einfrieren konserviert werden. Dieser Gefriervorgang muß sachgemäß vorgenommen werden, da das Fleisch hierbei in seiner Struktur merklich verändert wird. Das Einfrieren des Fleisches erfolgt am besten bei – 6 bis – 8° unter starker Luftbewegung, während für die Lagerung des vollständig durchgefrorenen Fleisches eine Lufttemperatur von – 4 bis – 6° erforderlich ist. Auf 1 m2 Grundfläche können bei einer Stapelhöhe von etwa 3 m bis zu 1000 kg Fleisch gelagert werden, wogegen bei der in unseren Schlachthäusern üblichen Kühllagerung nur etwa 150 kg Fleisch auf 1 m2 untergebracht werden können, weil hierbei die einzelnen Fleischstücke sich nicht berühren dürfen. Die Gefrierlager sind demgemäß bei einer sechsfach größeren Fassungskraft erheblich wirtschaftlicher als die Kühllager, und zwar auch hinsichtlich der Betriebskosten. Aus diesem Grunde eignen sich auch Gefrieranlagen im Gegensatz zu Kühleinrichtungen bestens zu gewerbsmäßiger Ausnutzung, wie an einem Beispiel näher erläutert wird. Von großer Wichtigkeit ist ferner das Auftauen des Gefrierfleisches, das allmählich bei einer Temperatur von + 3° C in gut bewegter, etwas trockner Luft vorgenommen werden muß. Nur sachgemäß aufgetautes Gefrierfleisch ist frischem Fleisch hinsichtlich Geschmack, Hatbarkeit und Verarbeitbarkeit ebenbürtig. Die Erkenntnis der Gleichwertigkeit des Gefrierfleisches mit Frischfleisch bei sachgemäßer Behandlung veranlaßte zahlreiche Städte, im Kriege ausgedehnte Gefrieranlagen zu schaffen bzw. vorhandene Kühlanlagen in Gefrieranlagen umzubauen. Ebenso wie Schweinefleisch können natürlich auch alle anderen Fleischarten eingefroren werden, ferner wird auch bei Geflügel, Wild und Fischen von dem Einfrieren in großem Umfang Gebrauch gemacht. Nicht minder wichtig ist die Kaltlagerung von Butter, Eiern, Obst und Gemüse. So wäre zum Beispiel die große Ausfuhr von frischem und getrocknetem Obst (Bananen) aus Amerika und Australien ohne die Kältetechnik ganz ausgeschlossen. Die heute schon recht beträchtliche Bedeutung der Kältetechnik für die Nahrungsmittelversorgung wird nach dem Kriege sicher noch eine Steigerung erfahren.

Von anderen Anwendungsgebieten der Kältetechnik ist die Sprengstoffabrikation zu nennen, wo namentlich bei der Herstellung des Nitroglyzerins durch Abkühlung des Nitriergemisches auf mehrere Grad unter Null die Explosionsgefahr stark herabgemindert wird. Der Kältebedarf dieser Fabriken ist ziemlich groß, und es sind in dem gegenwärtigen Kriege zu den bereits vorhandenen Anlagen dieser Art noch eine ganze Reihe neuer hinzugekommen. Die Kältemaschinen werden bei Sprengstofffabriken mehrere hundert Meter vom Nitrierhaus entfernt aufgestellt, so daß das zur Kühlung dienende Salzwasser mittels Pumpen durch die Kühlschlangen der Nitriergefäße gedrückt werden muß. Auch die Munitionskammern der Kriegsschiffe sind mit Kältemaschinen ausgerüstet, um das Pulver vor Zersetzung und Selbstentzündung, die bei stärkerer Temperaturerhöhung eintreten |273| können, zu bewahren. Diese Maschinen dienen gleichzeitig zur Kühlung der Provianträume und des Trinkwassers sowie zur Herstellung von Kunsteis. Für Schiffskühlanlagen verspricht die Vakuumkältemaschine nach Westinghouse-Leblanc, die von der A.-G. L. A. Riediger gebaut wird, Bedeutung zu erlangen. Diese Maschine arbeitet nicht mit den bei den Kompressionsmaschinen üblichen Kälteträgern Ammoniak, Kohlensäure und Schwefeldioxyd, sondern mit hochgespanntem Wasserdampf oder Abdampf, der zur Erzeugung eines hohen Vakuums mittels Ejektoren dient. Sehr wichtig für die Landesverteidigung sind ferner die Festungskühlanlagen, die in großer Zahl in den deutschen Grenzfestungen in den letzten Jahren erbaut worden sind. Diese Anlagen ermöglichen dem Verteidiger den Widerstand bei einer Belagerung viel länger auszudehnen, weil mit ihrer Hilfe alle verderblichen Nahrungsmittel lange Zeit frisch erhalten werden können. Auch Rußland hat in den letzten Jahren die Festungen Grodek, Nowo-Georgiewsk und Brest-Litowsk mit leistungsfähigen Kälteanlagen ausgerüstet, die in Deutschland hergestellt worden sind, während eine entsprechende Anlage für die Festung Kowno bei Kriegsausbruch in Deutschland versandbereit lag. Auch in den von uns besetzten Etappengebieten sind provisorische Kühl- und Eiserzeugungsanlagen errichtet worden. Nicht minder zahlreich sind schließlich die Anwendungsgebiete, bei denen die Kältetechnik nur mittelbar den Zwecken der Kriegführung dient.

Sander.

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Geplante Einrichtung einer staatlichen Automobilfabrik in Sibirien. Der russische Militärfiskus ist beim Ministerrat darum eingekommen, 50650000 Rubel für die Einrichtung einer staatlichen Automobilfabrik in Sibirien anzuweisen. Von dieser Summe sind etwa 8½ Millionen Rubel für die Einrichtung der Fabrik selbst bestimmt und 42 Millionen Rubel für die Herstellung von 3000 Automobilen. (Russkoje Slowo vom 5. April 1916.)

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Prüfstelle für Ersatzglieder. Um eine sachgemäße Prüfung der Ersatzglieder für Kriegsbeschädigte durchführen zu können, ist eine Prüfstelle dafür in Charlottenburg, Fraunhoferstr. 11/12, errichtet worden, die auch als Gutachterstelle für das Kgl. preuß. Kriegsministerium dient. Der Vorstand der Prüfstelle setzt sich aus Ingenieuren, Aerzten und Orthopädie-Mechanikern zusammen, die gemeinsam die zur Prüfung eingereichten Ersatzglieder hinsichtlich ihrer baulichen Durchbildung und ihrer Verwendbarkeit einer Untersuchung unterziehen. Ein Stab von fünf Diplom-Ingenieuren, einem Meister, einem Vorarbeiter und einem Bandagisten steht dem Vorstand zur Seite; er überwacht die Erprobung der Glieder im Dauerbetriebe und macht gleichzeitig Vorschläge für etwaige bauliche Abänderungen und Verbesserungen. Das Arbeiten mit den Gliedern geschieht durch Kriegsbeschädigte, die mit der Handhabung vertraut gemacht werden und später andere anzulernen haben. Die Glieder werden an der Bedienung von Maschinen und Arbeitsgeräten aller Art erprobt, und zwar etwa zwei bis drei Monate lang bei sechs- bis siebenstündiger Arbeitszeit, um dem Arbeiter genügend Zeit zu lassen, sich mit dem Gliede vertraut zu machen, andererseits aber um die Betriebssicherheit auch bei Dauerbeanspruchung einwandfrei feststellen zu können.

Eine weitere wichtige Tätigkeit der Prüfstelle ist die Normalisierung der Verbindungstelle der Glieder, der Schraubengewinde und der Ansatzzapfen, um gegebenenfalls diese Teile in Massen und daher billig und schnell herstellen zu können und um auch eine bequeme Auswechselung zu ermöglichen.

Die Prüfstelle wird fortlaufend Merkblätter herausgeben, in welchen über ihre Erfahrungen berichtet wird. Zwei dieser Merkblätter sind bereits erschienen. Das erste gibt eine allgemeine Uebersicht über die Zusammensetzung und das Arbeitsgebiet der Prüfstelle und bringt dann einen Bericht über die von dem Landwirt Keller erfundene und seit zwölf Jahren benutzte sogenannte Keller-Hand.

Das soeben erschienene zweite Merkblatt befaßt sich mit der Normalisierung der Schrauben und der Befestigungszapfen für die Ansatzstücke. Sowohl für die Befestigungsschrauben, die zum Verbinden zweier Teile dienen, als für die Schrauben zum Einstellen zweier Teile gegeneinander werden Normalien festgesetzt, und zwar die bereits im Maschinenbau und in der Feinmechanik allgemein eingeführten. Von außerordentlicher Wichtigkeit ist auch die Normalisierung der Befestigungszapfen für die Ansatzstücke. Für jedes Armgerät wird der gleiche Befestigungszapfen für irgend welche Ansatzstücke festgesetzt. Der Benutzer kann dann je nach seinem Beruf und der auszuführenden Hantierung beliebige Ansatzstücke in sein Kunstglied einsetzen, gleichgültig, welche Bauart dieses hat und woher es bezogen ist. Zu diesem Zweck ist jedes Ansatzstück mit einem zylindrischen Zapfen von 13 mm ∅ versehen, der in ein entsprechendes Loch im Kunstglied eingesteckt wird. Durch einen Stift oder einen Bajonettverschluß erfolgt alsdann die sichere Befestigung. Die Abmessungen für alle diese Teile sind im Merkblatt genau angegeben, auch ist eine Anweisung für die Prüfung der normalisierten Teile mittels Lehren vorgesehen.

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Meldestelle der Stückschlackenkommission. Auf Ersuchen des Vereins deutscher Eisenhüttenleute hat der Minister der öffentlichen Arbeiten vor einigen Jahren eine Kommission eingesetzt, die die Verwendbarkeit der Hochofenschlacke als Zuschlag zu Beton und Eisenbetonbauten eingehend prüfen soll. Diese Kommission, in der unter andern auch die Baubehörden des Reiches und Preußens sowie die Beton- und Zementindustrie vertreten sind, hat durch das Kgl. Materialprüfungsamt Berlin-Lichterfelde größere Versuchsreihen durchführen lassen, die dem Abschluß nahe sind. Daneben hat die Kommission auch eine Rundfrage über die bisherige Bewährung der Hochofenstückschlacke im Betonbau veranstaltet, Nur in ganz vereinzelten Fällen wurden schlechte Erfahrungen mitgeteilt. Da diese Fälle aber zum Teil viele Jahre zurück |274| liegen, so konnte bei ihnen meist eine einwandfreie Aufklärung nicht mehr erfolgen. Um nun in Zukunft etwaigen Schäden, die bei Betonbauten durch Verwendung von Hochofenschlacke auftreten sollten, sofort aufklärend nachgehen zu können, soll eine Meldestelle eingerichtet werden. Ebenso wie es seit Jahren beim Eisenbetonbau geschieht, sollen gemäß Kommissionsbeschluß von jetzt ab alle ungünstigen Erfahrungen mit Hochofenstückschlacke und Hochofenschlackensand im Beton- oder Eisenbetonbau an den Verein deutscher Eisenhüttenleute, Düsseldorf 74, Breitestr. 27, berichtet werden. Der Verein wird die eingehenden Meldungen sammeln, untersuchen und der Kommission den Befund mitteilen.

Es ergeht daher an alle Kreise, insbesondere Baukreise, die dringende Bitte, ihnen bekannt werdende Fälle, in denen die Verwendung von Hochofenschlacke, sei es in Form von Stückenschlacke oder Schlackensand, zu Schäden an Beton- oder Eisenbetonbauten geführt hat, der vorgenannten Meldestelle umgehend anzuzeigen. Ausdrücklich sei bemerkt, daß unter Schlackensand nur Hochofenschlacke verstanden wird, die durch Luft- oder Dampfstrahl zerstäubt oder durch Einlaufenlassen in Wasser gekörnt (granuliert) worden ist, nicht aber Hochofenschlacke, die beim Lagern an der Luft von selbst in Pulverform übergegangen ist und die man als Schlackenmehl bezeichnet.

Die Meldungen sollen möglichst ausführlich sein. Am besten bedient man sich hierzu eines Fragebogens, der von der oben bezeichneten Meldestelle auf Verlangen sofort abgegeben wird.

Die Meldungen sollen unter andern enthalten: Angaben über das Alter des Bauwerks; welche Mängel beobachtet wurden; bei welchen Bauteilen diese aufgetreten sind; worauf sie nach Ansicht des Bauleiters zurückzuführen sind; welche Zuschläge zum Beton verwendet wurden; wie das Mischungsverhältnis war, usw. Von besonderer Wichtigkeit ist es, bei auftretenden Schäden sofort von dem benutzten Zuschlagsmaterial und Zement Proben von mindestens 5 kg zurückzulegen.

Die Kosten für die Einsendung der Proben werden von der oben genannten Meldestelle gern erstattet.

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Deutscher Ausschuß für technisches Schulwesen. Für junge Leute, die während des Krieges die Schule verlassen und die Ingenieurlaufbahn einschlagen wollen, bestehen zurzeit verhältnismäßig große Schwierigkeiten, eine Praktikantenstelle in der Industrie zu erlangen, um die für ihre Ausbildung vorgeschriebene praktische Arbeitszeit durchzumachen. Wir empfehlen allen angehenden Ingenieuren und ihren Angehörigen, sich wegen Beschaffung einer Praktikantenstelle an die bereits vor mehreren Jahren eingerichtete Praktikanten-Vermittlungsstelle des Deutschen Ausschusses für technisches Schulwesen, Charlottenburg, Hardenbergstr. 3, zu wenden; irgend welche Gebühren werden von dieser gemeinnützigen Organisation für ihre Bemühungen nicht berechnet. Die Vermittlungsstelle befaßt sich sowohl mit der Beschaffung von einjährigen Praktikantenstellen für künftige Hochschulstudierende als auch mit der Beschaffung von zweijährigen Praktikantenstellen für junge Leute, die später eine technische Mittelschule beziehen wollen. Nach Meldung bei dieser Vermittlungsstelle geht dem Bewerber zunächst ein Fragebogen zur genauen Angabe seiner Wünsche zu. Da die Beschaffung einer Praktikantenstelle ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt, so empfielt es sich, die Bewerbung um eine Praktikantenstelle geraume Zeit, und zwar mindestens zwei Monate vor dem Verlassen der Schule, bei der erwähnten Vermittlungsstelle einzureichen.

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Von der Adolf von Ernst-Stiftung an der Kgl. Technischen Hochschule Stuttgart ist auf 1. Juli 1916 das im Jahre 1914 erlassene Preisausschreiben, für das infolge des Kriegszustandes Bearbeitungen nicht eingegangen sind, erneuert worden. Es lautet:

„Es wird eine Zusammenstellung der Erfahrungen verlangt, die in bezug auf Einrichtung und Betrieb von Aufzügen vorliegen. Es genügt bereits eine gute, ausreichend kritische Abhandlung über einen der Hauptbestandteile von Aufzugsanlagen, wobei die jeweils Einfluß nehmenden Konstruktions- und Betriebsverhältnisse eingehend zu erörtern sind.“ Der Preis für die beste Lösung beträgt 1800 M.

Gleichzeitig ist folgendes, zweite Preisausschreiben, unabhängig von dem erneuerten, erlassen worden:

„Kettenglieder mit und ohne Steg, Schekel, Oesen, Ringe aller Art, Stangenköpfe usw., ferner Gehänge und dergleichen werden zurzeit meist auf Grund von mehr oder weniger rohen Annahmen oder überhaupt nicht berechnet. Es wird eine kritische und nach Möglichkeit erschöpfende Darlegung des derzeitigen Standes unserer Erkenntnisse auf diesem Gebiete verlegt, die sich auch auf hakenförmige Körper erstrecken kann. Dabei darf die Herstellungsweise der in Betracht kommenden Teile nicht außer Acht gelassen werden.

Ausfüllung von als vorhanden erkannten Lücken durch eigene Forschung ist erwünscht, wird jedoch nicht verlangt.“ Der Preis für die beste Lösung beträgt 1800 M.

Gemäß der Verfassung der Stiftung gelten für beide Preisausschreiben folgende Bestimmungen: Die Arbeiten, die in deutscher Sprache abgefaßt sein müssen, sind spätestens am 1. Juli 1918 an das Rektorat der Technischen Hochschule in Stuttgart abzuliefern. Jede Arbeit ist mit einem Kennwort zu versehen und ihr ein Zettel mit dem Namen und dem Wohnort des Verfassers in versiegeltem Umschlag beizugeben, der als Aufschrift das gleiche Kennwort trägt. Die Bewerbung ist nur an die Bedingung geknüpft, daß der Bewerber mindestens zwei Semester der Abteilung für Maschineningenieurwesen einschließlich der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Stuttgart als ordentlicher Studierender angehört hat. Das Preisgericht besteht aus sämtlichen Mitgliedern des Abteilungskollegiums. Den Preis erteilt das Preisgericht. Dieses ist, wenn die Arbeit den Anforderungen nicht voll entspricht, berechtigt, einen Teil des Preises |275| als Anerkennung zu verleihen. Die mit dem Preise bedachte Arbeit ist vom Verfasser spätestens binnen Jahresfrist zu veröffentlichen.

Stuttgart, den 1. Juli 1916.

Das Preisgericht der Adolf von Ernst-Stiftung.

Prof. Dr. Ferd. Fischer, außerordentlicher Professor für Technologie an der Universität Göttingen, der zusammen mit Professor Johann Zemann (Stuttgart) Dinglers polytechnisches Journal von 1875 bis 1886 herausgegeben hat, ist am 28. Juni d. J. gestorben.

|271|

Vgl. D. p. J. S. 27 und 51 d. Bd.

|272|

Vgl. D. p. J. Heft 15 d. Bd.

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