Titel: SPEISER: Die Maschine Mensch, ihr Wirtschaftswert und ihre Leistungsfähigkeit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1916, Band 331 (S. 379–385)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj331/ar331078

Die Maschine Mensch, ihr Wirtschaftswert und ihre Leistungsfähigkeit.

Von Dipl.-Ing. W. Speiser.

(Schluß von S. 371 d. Bd.)

III. Steigerung des Wirtschaftswertes

(Steigerung des wirtschaftlichen Wirkungsgrades).

Es liegt im Interesse der Volkswirtschaft, die Verhältniszahl des erreichten Wirtschaftswertes zu den aufgewendeten Kosten möglichst hoch zu gestalten. Das kann geschehen durch Herabsetzung des Kostenaufwandes oder durch Erzielung eines höheren Wirtschaftswertes. Beides muß angestrebt werden und kann um so eher geschehen, als die Verfolgung beider Ziele zum großen Teil auf dem gleichen Wege liegt. Zur bewußten Voranarbeit in diesem Sinne finden sich erst Ansätze; aus dem, was nächstliegende, selbstverständliche Ueberlegung gebietet, rankt sich heute erst eine ihrer selbst bewußte, werdende Wissenschaft empor, die an hundert Zweigen tausend Knospen zeigt und eine schöne Blüte und reiche Frucht zum Wohle der Menschheit verspricht.

1. Auswahl der Geeigneten. Der schwerste Hemmschuh für alle gedeihliche Entwicklung ist es, wenn eine Arbeit von Menschen geleistet werden soll, die keine Veranlagung, keine Neigung, kurz keine 'Eignung für sie haben. Es scheint kaum zu viel gesagt, daß heute der größte Teil aller Menschen sich mit Arbeiten abmüht, für die er nicht geeignet ist, die ihm „nicht liegen“. Das trifft für die geistigen Berufe in erschreckender Weise zu, aber auch für die rein handwerksmäßige Tätigkeit, die heute so viel von ihrer früheren Vielseitigkeit und dadurch bedingten Lebensfülle, von ihrem Charakter eingebüßt hat.

Somit drängt sich die Auswahl der Geeigneten geradezu auf als eine der ersten, wichtigsten Aufgaben in unserem Sinne. Was bis vor kurzem in dieser Hinsicht geschehen ist, war nur wenig, und die planlose Durchführung konnte einen vollen Erfolg nicht in Aussicht stellen. Berufswahlberatung in den Schulen, in neuerer Zeit namentlich auf den höheren Schulen einigermaßen ausgebaut, kann selbst in der Form von Einzelvorträgen durch Vertreter verschiedener Berufe über ihr eigenes Fachgebiet immer nur ein schwaches Bild von den bestehenden Möglichkeiten geben, wird aber gerade dem jungen Menschen sehr selten ein Urteil darüber geben können, ob er für einen zu wählenden Beruf nach seinen persönlichen Eigenschaften tauglich ist oder nicht. Wohl noch weniger klar werden häufig dem jungen Handwerker oder Arbeiter die Anforderungen sein, die ein bestimmter Berufszweig an ihn stellt.25) Ueberdies ist es bei der heutigen Spezialisierung gerade für den Fabrikarbeiter meistens dem baren Zufall überlassen, in welchem Gebiet dem Anfänger eine Arbeit zufällt. Nicht zum Segen der Berufsausbildung oder der Arbeit selbst wird die Beschäftigung dann ebenso unter dem Einfluß von Zufälligkeiten häufig gewechselt; ein Interesse für den Beruf wird seltener und seltener. Das mangelhafte Zusammenpassen des Arbeiters mit der Arbeit ist hierführ wohl viel mehr und viel öfter ausschlaggebend als die so oft verantwortlich gemachte Eintönigkeit der Arbeit selbst. Es sei übrigens betont, daß ein solcher Zwang zu einer Arbeit, für die der Arbeiter nicht geeignet ist, nicht nur häufig durch das Vorurteil geschaffen wird, das die Kinder eines auf geistigem Gebiet Arbeitenden stets nur wieder geistiger Arbeit zugeführt wissen will, sondern daß auch ein gewisser Berufsstolz in einzelnen Handwerken es dem Angehörigen oft zu seinem eigenen Nachteil verwehrt, eine Arbeit zu suchen, die ihm besser liegt und in der er mehr leisten könnte, nur weil es sich nicht ziemt, das erlernte Handwerk zu verlassen. Zunft- und Innungsgebräuche spielen hier wohl noch in bewußtem oder atavistischem Sinne mit.

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Dieser Zustand ist für beide Beteiligte, die Arbeit wie den Arbeiter unerfreulich und unzweckmäßig; er ruft eine ungeheure Vergeudung von Energie und Lebensglück hervor und setzt die an sich mögliche wirtschaftliche Ausnutzung der verfügbaren Kraft herab. Er ist überdies eine ständige Quelle für eine große Zahl von Unfällen im Betriebe und damit eine stets gegenwärtige, unmittelbare Gefahr für Leib und Leben des Arbeiters.26) Es liegt daher nicht nur im Interesse der Volkswirtschaft, sondern auch der Arbeiter selbst, wenn sie sich gegen die Verwendung ungeeigneter Elemente wehrt und durch neue wissenschaftlich ausgebaute Methoden die Feststellung der Eignung und den Ausschluß der Nichtgeeigneten versucht.

Zu einer solchen Feststellung, wer für eine bestimmte Arbeit geeignet ist und wer nicht, sind der Natur der Sache entsprechend in jedem einzelnen Falle drei Untersuchungsreihen anzustellen: Das Studium der Arbeit, das des Arbeiters und endlich der Wechselbeziehungen zwischen beiden.

Das Studium der Arbeit selbst, d.h. der einzelnen Arbeitsvorgänge und ihrer Eigentümlichkeiten, ist in einzigartiger, bis dahin nicht gekannter Weise ausgebaut worden durch F. W. Taylor und seine Schule. Sein Name und das Wesen seines Vorgehens sind der heutigen Industrie bekannt. Andere Gebiete des Arbeitslebens fangen an, mit Staunen einzusehen, daß seine Maßnahmen fast auf alle Zweige menschlicher Arbeitsverrichtungen, körperliche wie geistige Tätigkeit anwendbar sind und überall, wo sie zur bewußten Anwendung gelangen, ungeahnte, zum Teil ans Märchenhafte grenzende Erfolge aufweisen. Taylors Vorgehen ist im wesentlichen gekennzeichnet durch eine planmäßige Zergliederung jedes Arbeitsvorganges in seine kleinsten Einzelverrichtungen, so daß für diese einzelnen Arbeitselemente die Ausführungsbedingungen unabhängig von den benachbarten untersucht werden können. Für diese werden dann in weiterer planmäßiger Untersuchung die erforderlichen Bewegungen und ihr Zeitbedarf festgestellt, um gleichzeitig zu finden, welches der zweckdienlichste Vorgang bei der Ausführung ist. Werden dann die auf ihre zweckentsprechendste Form gebrachten einzelnen Arbeitselemente zu einer ebenfalls wieder planmäßig untersuchten zweckmäßigsten Reihenfolge zusammengestellt, so ist für einen Arbeitsvorgang das geleistet, was Taylor die „Uebertragung der Geschicklichkeit“ nennt: Das geistige Schaffen des wissenschaftlichen Untersuchers hat für den Handarbeiter den Weg zu bester, arbeit- und zeitsparender Ausführung ausgemittelt. Dieses, von Taylor hauptsächlich für Industriearbeit, also vorwiegend körperliche Arbeit angewandte Verfahren läßt sich mit geeigneter Ueberlegung sehr wohl auch auf geistige Arbeit ausdehnen. Beispiele dafür bieten unsere verschiedenen Rechenverfahren, man denke an das Wurzelziehen oder an die verschiedenen Schnellrechenmethoden, an Ferrol u.a.

Für den vorliegenden Zweck, die Auswahl der für eine bestimmte Arbeit Geeigneten, ist von besonderer Wichtigkeit die Zerlegung der Arbeit in ihre Elemente, da sie das beste Mittel in die Hand gibt, Wesentliches von Unwesentlichem zu scheiden und die Erfüllbarkeit der wesentlichen Bestandteile durch den zu Prüfenden festzustellen. So bewegen sich wohl alle Bestrebungen auf diesem Gebiet in diesem Sinne. Taylors Vorgehen fand eine begeisterte Anhängerschaft, um so- mehr, als seine Erfolge auf industriellem Gebiet überraschend groß waren. Die Namen Sinclair, Gannt, Gilbreth sind jedem Betriebstechniker bekannt; viele arbeiten daran, das System weiter auszubauen und es für andere Gebiete nutzbar zu machen.

Das Studium des Arbeiters in bezug auf seine Arbeit ist mit der Feststellung der bloßen mechanischen Leistungsfähigkeit bei weitem nicht erschöpft. Die heutige, aufs höchste spezialisierte Arbeit verlangt, (und ermöglicht!) die Heranstellung von ebenfalls aufs höchste spezialisierten Arbeitern; dadurch ist aber unmittelbar gesagt, daß bestimmte Sondereigenschaften in jedem einzelnen Falle ausschlaggebend sein werden für die Eignung, während die Bedeutung anderer mehr oder weniger, vielleicht ganz zurücktreten kann. Diejenigen Eigenschaften herauszufinden, die beim Einzelnen hervorstechen, die ihn also für bestimmte Berufsarbeiten besonders geeignet oder ungeeignet erscheinen lassen, und ihre wissenschaftlich einwandfreie Feststellung, gewissermaßen also eine allgemeine Inventuraufnahme der Fähigkeiten des Menschen, ist daher die vornehmste Aufgabe, wenn jeder Arbeit der geeignete Arbeiter zugeführt werden soll. Auch dies ist noch wissenschaftliches Neuland.

Gewissermaßen als Vorarbeiten zu betrachten sind die Untersuchungen Kräpelins27) über die Arbeitskurve, d.h. über den Einfluß, den Uebung, Ermüdung, Anregung, Gewöhnung usw. auf den Verlauf der Arbeit haben, ferner die großartige Zusammenstellung M. Webers28) über die bis dahin vorliegenden Ergebnisse der industriellen Psychophysik. Unter der Führung Münsterbergs29) bestehen sodann sehr bedeutsame Anfänge, aber sie sind naturgemäß im allgemeinen erst auf einzelne Sonderfälle und Untersuchungen beschränkt.30) Praktische

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Anwendungen sind bisher selten.31) Es fehlt noch der weitere systematische Ausbau, die Durchbildung eines umfassenden Verfahrens, das die erwähnte „Inventuraufnahme“ übersichtlich und restlos gestattet. Aber auch hieran wird gearbeitet. Sehr bedeutsam ist der Versuch Piorkowskis,32) die einzelnen Berufsarten je nach ihren Anforderungen an Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit, Ermüdbarkeit, Konzentrationsfähigkeit usw. in verschiedene Gruppen einzuteilen und so auf psychologischer Grundlage ein Berufsschema zu schaffen, in dem gänzlich unqualifizierte, spezialisierte industrielle, „mittlere“ und „höhere“ Berufe unterschieden werden je nach den Ansprüchen, die sie an die einzelnen psychologischen Eigenschaften und ihre Verbindungen stellen.

Wenn nunmehr in diesem Sinne die Wechselbeziehungen zwischen Arbeit und Arbeiter festgestellt sind, nämlich was die Arbeit verlangt und was der Arbeiter bietet, so kann mit viel größerer Wahrscheinlichkeit als bisher der geeignete Mann der ihm passenden Arbeit zugeführt werden – zum Wohl des Arbeiters und der Arbeit, ein Ziel, des Schweißes der Edlen wert, denn nichts ist erstrebenswerter, als die Befriedigung an der täglichen Arbeit, eine Befriedigung, die unbedingt unterbunden sein muß, die im Keim erstickt werden muß, wenn der Arbeiter seiner Arbeit nicht gewachsen ist, wenn er sie fürchten oder hassen muß. Und man sehe mit offenen Augen umher, wie unendlich häufig dieser Zustand besteht, wie unendlich viel Elend und innerste Unzufriedenheit aus diesem Mißverhältnis zwischen Arbeiter und Arbeit entspringt.

Freilich besteht gerade bei dem restlosen Ausnutzen der Leistungsfähigkeit des für seine Arbeit Geeigneten eine ständige Gefahr für diesen selbst, die von den sachlichen und politischen Gegnern des Taylorismus immer wieder betont wird: die Ausbeutung der gesamten Kraft in der Form des Raubbaues und damit die baldige gänzliche Erschöpfung des Arbeiters. Zwar liegt das keineswegs unmittelbar in der Absicht des Taylorsystems, im Gegenteil soll ja die beabsichtigte Mehrleistung gerade dadurch ermöglicht werden, daß Widerstände aus dem Wege geräumt werden, Kräfteverluste bei der Arbeit vermindert werden. Das ist richtig; aber wenn auch dadurch die Bewältigung des ursprünglichen Arbeitsausmaßes mit geringerer Anstrengung möglich wird, so wird doch als selbstverständliche Folgerung der weitere Schritt getan, die somit freiwerdende Arbeitskraft zur Bewältigung neuer Arbeit heranzuziehen. Und dabei darf nicht vergessen werden, daß die so erzielte Mehrarbeit häufig einen sehr erheblich vermehrten Energieumsatz im Körper, d.h. mehr Nahrung und deren Verarbeitung verlangt, wodurch einmal der erzielte Mehrverdienst zum Teil wieder aufgebraucht wird, außerdem aber an die Leistungsfähigkeit der Verdauungsorgane und des Herzens Ansprüche gestellt werden können, die über das Erfüllbare hinausgehen und damit eine Dauerabgabe der verlangten Arbeitsleistung ohne ernsthafte Gesundheitsstörungen unmöglich machen, – ohne daß der Zustand einer Tagesübermüdung merkbar in die Erscheinung tritt.33)

2. Erziehung und Ausbildung. Ist für die Heranstellung an eine bestimmte Tätigkeit zur gedeihlichen Arbeit die Auswahl des geeigneten Arbeiters eins der wichtigsten Erfordernisse, so ist demnächst zu fragen, woher diese Eignung erworben wird. Neben der natürlichen persönlichen Anlage trägt natürlich die gesamte; Erziehung, häufig schon im frühesten Kindesalter, dann in der eigentlichen Schulzeit dazu bei, Fähigkeiten zu wecken und zu entwickeln, die für die spätere Berufswahl ausschlaggebend sind oder sein sollten. Es sollte eine Hauptaufgabe der Schule sein, zunächst die |382| im Schüler überhaupt vorhandenen Fähigkeiten zu wecken und zu entwickeln, jeden Zweig der Veranlagung und des Interesses zu möglichst hoher Blüte zu bringen. Es sollte der Abschluß der Arbeit der niederen Schule sein, die Anlagen und Fähigkeiten des Schülers so weit herauskristallisiert zu haben, daß mit bewußter Auswahl auf Grund der erwiesenen Eignung die Zuteilung zur weiteren Vorbereitung für bestimmte Berufsgruppen erfolgen kann. Die weitere Schulbildung, – Mittelschule, Fachschule, Hochschule, Fortbildungsschule, Lehrlingsschule usw. – hat dann für Weiterbildung im Sinne der vorhandenen Fähigkeiten und tunlichst der Neigungen zu sorgen. Damit soll nicht auf eine Spezialisierung hingearbeitet werden, – obwohl sie bei der Art unserer heutigen Arbeitsverteilung fast unvermeidlich ist, sie kommt von selbst – sondern es soll auch hier bereits bewußt versucht werden, den geeigneten Menschen auf die geeignete Stelle zu führen. Nur so kann Zufriedenheit und Befriedigung an der Berufsarbeit, die so vielen Menschen verloren gegangen ist, für die Allgemeinheit wiedergewonnen werden. Die Gestaltung unserer heutigen Arbeitswelt ist so vielgestaltig, daß jeder Veranlagung ein Platz an der Sonne neigungsgemäßer Berufstätigkeit geschaffen werden kann.

Im einzelnen arbeiten heute ja allenthalben Schulleute und Berufsvertreter in engem Zusammenschluß, um in den verschiedenen Berufszweigen die Ausbildung des Nachwuchses so zu gestalten, daß möglichst viele „Geeignete“ dem Beruf zugeführt werden können. Namentlich die Industrie leistet Großes an planmäßiger Durchbildung in Fortbildungs- und Lehrlingsschulen.34) Mit der wachsenden Erkenntnis von dem erheblichen Wirtschaftswert des Menschen, mit dem Klarwerden darüber, wie ungemein gut sich eine sorgfältig durchgeführte, wenn auch noch so kostspielige Erziehung rentieren kann, wenn sie dem geeigneten Menschen zuteil wird, entstehen großzügige, weitblickende Vorschläge zur bewußten Ausnutzung dieser Tatsachen. Man lese W. Rathenaus35) Ausführungen „Geschäftlicher Nachwuchs“. Am weitesten ausgesponnen hat diesen Gedanken, wenn auch nicht in der Absicht, den Nachwuchs für bestimmte Berufstätigkeiten sicherzustellen, W. Ostwald36) in seinen Vorschlägen zur „Züchtung des Genies“. Er sucht im Verfolg einer vergleichenden Feststellung über die Herkunft und Erziehung vieler als Genies zu betrachtender Menschen ihre „Lebensbedingungen“ zu ermitteln und schlägt nunmehr vor, etwa jährlich eine Anzahl junger Leute, die nach diesen aus der Erfahrung gewonnenen Voraussetzungen eine gewisse Wahrscheinlichkeit bieten, sich bei entsprechender Entfaltungsfreiheit zu „Genies“, zu überragenden Menschen zu entwickeln, auszuwählen und ihre Fortentwicklung durch Ausdemwegeräumen aller Hemmnisse zum Wohle der Gesamtheit, der Menschheit, mit allen Mitteln zu fördern.

3. Rationelle Arbeitsmethoden. Wird durch geeignete Ausbildung und Erziehung der Mensch für eine bestimmte Art der Arbeit vorbereitet, und geeignet gemacht, so kann durch sinnentsprechende Durchbildung der Arbeitsweise auch auf der Seite der zu leistenden Arbeit selbst für eine Steigerung des Wirkungsgrades der Arbeitsverrichtung außerordentlich viel getan werden.

Von den Untersuchungen Taylors über die Zusammensetzung der einzelnen Arbeitsvorgänge aus kleinsten Weg- und Zeitelementen wurde bereits gesprochen. Sie ermöglichen Abkürzungen und Vereinfachungen der Vorgänge durch Weg- und Zeitersparnis. Die „Uebertragung der Geschicklichkeit“ bezweckt, die Ergebnisse dieser theoretischen Untersuchungen, die der einzelne Arbeiter bei seiner Arbeit natürlich selbst nicht anstellen kann, der arbeitenden Gesamtheit nutzbar zu machen.

Auch auf die Bedeutung der Pausen in der Arbeit, ihrer Länge und Verteilung, wurde bereits andeutungsweise hingewiesen. Damit im Zusammenhang steht nicht allein die Verteilung der Arbeitszeit am einzelnen Tage mit ihrem Einfluß auf die körperliche und geistige Ermüdung, sondern in hohem Maße auch die absolute Länge der Arbeitszeit sowie die Unterbrechungen durch Sonntage, freie Samstagnachmittage und Erholungsurlaub, ganz besonders im Sinne ihres Einwirkens auf das Gemüt, auf Stimmung und Arbeitsinteresse. Auch hier stehen wir erst in den Anfängen bewußter, wissenschaftlicher Klärung, nachdem zunächst diese Fragen unmittelbar praktisch erprobt wurden der Hauptsache nach in der Form des wirtschaftlichen Kampfes des Arbeitnehmers, der für sich günstige Arbeitsbedingungen suchte, und des Arbeitgebers, der eine möglichst hohe Ausnutzung des Arbeiters anstrebte. Während der Einfluß der Tagesermüdung auf die zweckmäßige Länge der täglichen Arbeitszeit noch verhältnismäßig leicht übersehen und durch Versuche bestimmt werden kann, werden die Verhältnisse bei der Betrachtung der Wochenermüdung37) schon erheblich verwickelter und der Einfluß eines Erholungsurlaubs im Jahr liegt zwar menschlich und individuell klar auf der Hand, es würde aber zeitlich sehr ausgedehnte Versuchsreihen erfordern, ihn unmittelbar zahlenmäßig in bezug auf den Arbeitsertrag nachzuweisen.

Unter den Mitteln zur Rationalisierung der Arbeitsmethoden ist von besonderer Bedeutung die Mechanisierung der Arbeit, d.h. die Abtrennung der rein mechanischen Tätigkeit von der mit geistiger Arbeit verbundenen. Die tägliche Erfahrung zeigt, daß eine große Zahl von häufig vorzunehmenden Arbeiten unter dem Einfluß der Uebung viel zweckmäßiger, d.h. schneller und mit geringerem Energieaufwand ausgeführt werden, |383| wenn dabei das Denken vollständig ausgeschaltet wird bzw. durch andere Mittel ersetzt wird, die wohl ursprünglich auch auf einem Denkvorgang beruhen, in ihrer Anwendung aber gerade zur Ausschaltung der Denkarbeit bestimmt sind. Für die rein körperliche Arbeit geschieht dies häufig in der Gestalt der Rhythmisierung, über die uns Karl Bücher sein bekanntes, schönes Buch geschrieben hat.38) Die Arbeitslieder der Handwerker, der Gleichschritt und sonstige „Drill“ der Soldaten, das taktmäßige (und damit Pausen vermeidende) Zuschlagen der Schmiedehämmer sind Beispiele.

Aber auch ohne Verwendung des Rhythmus ermöglichen besondere Vorrichtungen die denkfreie Erledigung von Arbeiten, die anders ohne sehr zeitraubende und anstrengende Denkvorgänge nicht durchführbar wären. Man denke, um nur einige naheliegende Beispiele aufzuzählen, an die für den Techniker ganz unentbehrlich gewordene Benutzung des Rechenschiebers, an das Heer unserer neuzeitlichen Büromaschinen, ja, schließlich gehört hierher die einfachste Schablone, die sich ein Handwerker herstellt, um unbequeme Messungen und dergl. zu ersparen. Das ganze große Gebiet der Normalisierung hat in der heutigen Technik eine so gewaltige Bedeutung, weil durch Normalisierung das energieraubende, kraftzerstörende Denken an Kleinigkeiten entbehrlich und damit der Kopf und die Zeit frei wird für größere Aufgaben.

Zu dem Gebiet der rationellen Arbeitsmethoden gehören ferner auch die Erkenntnisse der neueren Zeit, die die Umgebung der Arbeit, d.h. den Arbeitsraum und die sonstigen Arbeitsverhältnisse zweckdienlich im weitesten Sinne auszubilden streben, Gute Beleuchtung, Ordnung, Reinlichkeit, Unfallsicherheit bedeuten eine Förderung der Wirtschaftlichkeit, weil sie nicht nur vom Standpunkt der Gewerbehygiene und Unfallverhütung eine größere Sicherstellung der Arbeiterschaft gewährleisten, sondern außerdem einfach durch ihren wohltuenden Einfluß eine läuternde Wirkung auch auf die Arbeit und die Art ihrer Ausführung ausüben.

IV. Bewertung der Nebenprodukte.

In der Industrie versteht man unter „Nebenprodukten“ jene Erzeugnisse, die bei fast jedem Industriebetrieb gewissermaßen nebenher entstehen, neben dem eigentlichen Hauptarbeitsvorgang, die früher infolgedessen wenig oder garnicht beachtet, gewöhnlich als lästig empfunden, heute häufig mit so hohem Erfolge nutzbar gemacht werden, daß ihre Bedeutung hier und da fast die des Haupterzeugnisses übersteigt. Als bekanntestes Beispiel sei an die Nebenerzeugnisse der Leuchtgasherstellung erinnert, die uns eine schillernde, segenspendende Welt von Farbstoffen und Heilmitteln darbieten.

Wenn wir den Vergleich des Menschen mit einer Maschine bis zum Ende durchführen wollen, so können wir nicht umhin, auch hier einen Blick auf das Gebiet der Nebenerzeugnisse zu werfen; und wir werden sehen, daß auch dieser Blick in ein farbenfrohes, segen- und lebensvolles Gebiet fällt – um so lebensvoller, als ja die Arbeit nicht von Natur an als das Hauptgebiet menschlicher Entfaltung gelten kann, sondern da das, was den Menschen eben zum Herrn der Natur macht, was ihn befähigt, die Kräfte der Natur zur Arbeit für ihn zu zwingen, abseits liegt von jener mechanischen und intellektuellen Arbeit im Sinne der nur kaufmännisch wertenden Industrie.

1. Sächliches. Abgesehen werden kann in diesem Zusammenhange von einem näheren Eingehen auf die unmittelbare Verwertung und Bewertung der Stoffe, die der Körper ausscheidet, und die noch eine gewisse Menge dort nicht ausgenutzter Wärmewerte mitnehmen, ebenso auf die Ausnutzung der städtischen Abwässer und des Hausmülls, die ja letztenendes ebenfalls als Nebenerzeugnisse der menschlichen Lebenshaltung gelten müssen.

Im Hinblick auf die Erwägungen zu Anfang dieser Arbeit erhellt ohne weiteres die große wirtschaftliche Bedeutung der Kinder-Erzeugung und Aufzucht, die ja vom arbeitenden Menschen gewissermaßen nur „im Nebenberuf“ betrieben wird. Die Gründung der Familie, der Aufbau und Ausbau von Haus, Hof, Garten, von Ackerland, Kleinviehzucht – das alles sind Wertschöpfungen, die die „Maschine Mensch“ „nebenher“ leistet. Blickt man dazu auf die unübersehbaren Werte, die gerade der in unserem heutigen Großbetriebe arbeitende Mensch zum Beispiel allein infolge der Befriedigung seines Wohnbedürfnisses für sich und die Allgemeinheit schafft durch Aufschließung von Bauland, Ausbau von Wohnkolonien, Gartenstadtanlagen, usw. und drückt alle diese Werte, so weit sie überhaupt durch Zahlen ergreifbar sind, durch Geldwerte aus, so ergibt sich – man denke an unseren oben entwickelten Begriff des „kaufmännischen Wirkungsgrades“ – ein Wirkungsgrad für diese menschliche Maschine, der das Zurückbleiben ihres mechanischen Wirkungsgrades hinter dem der mechanischen Maschine reichlich wettmachen dürfte.

2. Geistiges. Aber mehr. Und weiter. Während wir den Menschen als Maschine betrachten, wollen und dürfen wir nicht vergessen, daß dem Menschen als lebendem, denkenden Wesen nun einmal die Hergabe bloßer Nutzarbeit nicht möglich ist. Wir stecken heute so in der Arbeit drinnen, daß uns bisweilen fast das Gefühl dafür zu verschwinden droht, daß doch die Arbeit für den Menschen nicht Selbstzweck ist, sondern nur Mittel zum Hauptzweck, zum Leben. Und da die höchsten Güter des Menschenlebens nicht im Sattessen, sondern im Geistigen liegen, ist es nötig, die Arbeit in den Dienst des Geistigen zu stellen. Und zwar je unmittelbarer, desto besser, möglichst nicht erst auf dem Umwege über den Erwerb materieller Güter, mit denen dann geistige Genüsse käuflich sind. Die Arbeit selbst, unmittelbar, soll uns das Leben verschönen.

Daß sie das kann, weiß, wer jemals ernsthaft gearbeitet hat.

Den Bedingungen nachzuspüren, wie sie es kann, ist heiligste Pflicht, zum Wohle aller, die ihr Brot erarbeiten müssen.

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Auf die oft erörterte Frage, wie es kommt, daß heute so viele unzufrieden mit ihrer Arbeit sind, während früher – in der guten alten Zeit, als es noch keine Maschinen gab – die Menschen Befriedigung an ihrer Arbeit fanden, ist eine umfassende Antwort nicht leicht; dagegen liegt ein Teil der Ursachen klar und leicht greifbar zutage (sofern man die Voraussetzung der Frage, die allgemein größere Zufriedenheit mit dem Tagewerk in früherer Zeit überhaupt als gegeben hinnehmen will).

Abgesehen davon, daß, wie oben ausgeführt, heute häufig nicht der rechte Mann an den rechten Platz gesetzt wird (was früher, wo das ruhigere Arbeitstempo wohl ein bedächtigeres Auswählen zuließ, wahrscheinlich leichter zu ermöglichen war), hatte tatsächlich – das sollen auch wir Ingenieure, die Schöpfer und Verteidiger der Maschine, uns vor Augen halten – die Arbeit des früheren Handarbeiters viel mehr Wesenseigenes in sich als die des heutigen, der gar zu oft – noch! – gedankenlos und ohne die Möglichkeit vielen Denkens „die Maschine bedient“. Aber unablässig ist ja die Technik bemüht, ihm diese Bedienungspflicht – Bedientenpflicht – abzunehmen, den Sklaven zu befreien und ihn zum Herrn der Maschine zu machen, zum geistigen Leiter der unter seiner Führung arbeitenden mechanischen Naturkraft. Wir sind auf dem Wege!

Ein weiterer Grund ist neuerdings, wenn auch in anderem Zusammenhange, wieder einmal recht einleuchtend dargelegt worden von dem englischen Kunstgewerbler W. R. Lethaby.39) Er weist auf den Wert der künstlerischen Tätigkeit auch im Handwerklichen hin: „Es ist etwas Ungeheuerliches, daß während etwa vor hundert Jahren die große Masse der Bevölkerung künstlerische Handwerke ausübte, wie etwa Stiefelmachen, Büchereinbinden, Stühletischlern, Schmieden und dergleichen, jetzt ein großer Keil zwischen den Handwerker und seinen Kunden durch die Massenherstellung mittels Maschinen getrieben worden ist. Wir können nicht zurückgehen, das ist wahr; es ist ebenso wahr, daß wir nicht stehen bleiben können, wo wir sind.“ Und er zieht dann – für das englische Kunstgewerbe – den Schluß, den längst vor ihm das mit seinen Zielen im deutschen Werkbund vereinigte deutsche Kunstgewerbe gefunden hat, daß die bewußte Ausnutzung der technischen und mechanischen Eigenheiten und Möglichkeiten der Maschinenarbeit im Verein mit einer Neubelebung des leider zum Teil verloren gegangenen oder verschütteten Gefühls für die Eigenheiten des Baustoffs, für Form und Farbe, sehr wohl eine Durchgeistigung der Handwerksarbeit ermöglicht und damit den Handarbeiter selbst auf eine ganz neue, erhabene Höhe weiteren Blickes, froherer Arbeit und höherer Arbeits- und Lebensfreude gelangen läßt. Eine Neubelebung der Arbeitsfreude, der Kunstfreude, des Sinnes für den Adel der Arbeit und des Werkes, der Ware. „Nur wer vom Sinn für Qualität durchdrungen ist, kann eine Ware erzeugen, die das Vertrauen (des Käufers) rechtfertigt. Ein Unternehmen, das Vertrauenswäre herstellt, muß in jedem Mitarbeiter den Sinn für Qualität wecken und vertiefen. Dazu gehört, daß alles, was die Qualitätsarbeit umgibt, ihrer würdig, also gut und schön gestaltet sei. In edler Umgebung gedeiht edle Arbeit“ – schrieb ein großes Industriewerk über seinen Schauraum auf der Werkbundausstellung in Köln.40 7)

Wie edel die Umgebung der heutigen Industriearbeit sein kann, das lehren uns die Paläste der Arbeit, die mehr und mehr die heutige Industrie sich schafft. Mehr aber und von dem natürlichen Adel der Geburt zeugt die Schönheit der Arbeit selber in ihren eigenen Lebensformen, wenn wir sie mit Auge und Herz aufzufassen wissen. Die Kunst – und die Größten der Kunst – haben oft genug gerade in den letzten Jahrzehnten an die Stätten der Arbeit geführt41) und ihre Schönheit offenbart. Möchte das Empfinden für diese große Schönheit mehr und mehr Allgemeingut werden, möchte es vor allem auch dem aufgehen, den es am meisten angeht, dem Arbeiter selber, daß er sich einfühlen, sich heimisch fühlen möge in seinem Reich, in dem schönen Reich der wertschaffenden Arbeit!

Weiter aber müssen wir das Auge schulen, um recht das Edle und Veredelte unserer heutigen Arbeit zu sehen. Wie ganz anders als früher wirkt doch die heutige Arbeit auf den Arbeitenden selbst zurück. Welches starke Bild von Verantwortungsbewußtsein, gespanntester Aufmerksamkeit und Geistesgegenwart zeigt uns heute der Führer einer Schnellzuglokomotive, der im Beobachten der Strecke, der Signale, der Maschine mit seinem Steuerhebel Leben und Gesundheit Hunderter in der Hand hält, die seinem Pflichtbewußtsein blind vertrauen. Welcher Unterschied zwischen dem heutigen Kraftwagenführer, der eine Fülle von Kenntnissen über seine Maschine und die Naturgesetze ihres Wirkens mit einer regen Aufmerksamkeit und körperlichen Widerstandsfähigkeit verbinden muß, gegenüber dem schwerfälligen Rosselenker, der der Vergangenheit anzugehören beginnt. Gewiß, wir bewundern die künstlerische Geschicklichkeit des mittelalterlichen Kunstschmiedes, der in. mühsamer Handarbeit Blätter und Blüten zum kunstvollen Eisengitter schuf – aber ist nicht auch zum Beispiel die unter der Schmiedepresse entstehende gewaltige Kurbelwelle einer neuzeitlichen Dampfmaschine ein Schmiedestück, das voll und ganz auf den Namen eines Kunstwerkes Anspruch machen kann, wenn auch an die Stelle der kunstsinnig erfaßten Schönheitsform die reine nackte Zweckform getreten ist mit ihrer herben, im Verstandesmäßigen wurzelnden Schönheit? Und was will die arbeitsame Beschaulichkeit jenes ehrwürdigen Kunstschmiedes besagen gegenüber der Verantwortung des heutigen Werkmanns, der mit einem falschen Hebeldruck, mit einem unglücklichen Schlage des Dampfhammers Stücke von vielen Tausend |385| Mark Wert wertlos machen kann. Ein neues Geschlecht der Arbeit ist erwachsen, die Hand voll Ruß, aber den Geist voll Licht.42)

Ohne eine Einbeziehung der letzten Betrachtungen durfte der Kreis der Gedanken um den Menschen als arbeitende Maschine nicht geschlossen werden. Denn sie enthalten ein gut Teil der Antwort auf eine Frage, die für die arbeitende Menschheit von unermeßlicher Bedeutung ist: Seit die Menschen aus dein Paradiese gewiesen und zur Arbeit verurteilt wurden, das heißt also seit dem Verlassen des ursprünglichsten, bedürfnislosen Naturzustandes hat die Arbeit, zu der sie gezwungen, immer mehr zugenommen mit dem Steigen ihrer Bedürfnisse. Sie hat heute einen Grad von Menge und Anspannung erreicht, der kaum noch einer Steigerung fähig scheint. Wie wirkt nun diese Arbeit mit ihrem Drängen zu immer weiterer Steigerung auf den inneren Lebenswert, auf Glück und Zufriedenheit der Menschen ein?

Durch das Vorstehende ist wie gesagt ein Teil der Antwort vorweggenommen. Es hat sich gezeigt, daß einer menschenwerten Arbeit Lebens- und Schönheitswerte innewohnen können, die dem Arbeiter die Freude an seiner Tätigkeit geben. Wenn wir heute von diesem Ideal noch vielfach recht weit entfernt sind und im Ganzen vielleicht weiter denn je, so liegt die Schuld an der beispiellosen Geschwindigkeit, mit der seit der Einführung der Maschinenarbeit die Industrialisierung um sich gegriffen hat, eine Schnelligkeit in der Entwicklung, die zu einer einseitigen Ausbildung der Gesichtspunkte materiellen Erwerbs führte und höhere Ziele zunächst außer acht lassen mußte. Aber wir erkennen allmählich die Mittel, uns ihm zu nähern und wenden diese Mittel mehr und mehr bewußt an. In der bewußten Voranarbeit in diesem Sinne, an der jedermann teilnehmen kann und soll, liegt der Schlüssel zur Lösung einer der wichtigsten Aufgaben der Menschheit, sich selber nämlich die Freude am Leben und an der Arbeit zu erhalten oder wiederzugeben und dem Gespenst entgegenzutreten, das da murrt, die Welt der Arbeit werde immer häßlicher, die Arbeit freudloser.

Das eben soll den Menschen vom Tier, von der gedankenlosen Naturkraft scheiden, daß er seiner Arbeit einen geistigen Inhalt gibt, daß er für seine Arbeit das in sich nutzbar macht, was eben ihm als denkenden Wesen eigentümlich ist. Die Maschine Mensch wird in der Hergabe rein mechanischer Nutzarbeit von den durch den Menschen erdachten Maschinen übertroffen, sein Geist befähigt ihn so, auf die Erzielung größter Körperleistung zu verzichten. Das aber, was er an die Stelle der entbehrlich werdenden Körperarbeit setzt und ausbaut, das freie Reich der Gedanken, bietet ihm ein unbeschränktes Gefilde der freien Fortentwicklung, die ihm den Weg frei macht zu immer weiterem, zu immer höherem, zu immer größerem Menschenglück.

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Sehr zu begrüßen sind in diesem Sinne die von der „Zentrale für wissenschaftliche und Unterrichts-Kinematographie“ ins Leben gerufenen Vorführungen von Kino-Films aus dem Wesen und Betrieb des Handwerks in Schulen, mit denen bezweckt wird, das Interesse der schulentlassenen Jugend für das Handwerk zu heben. (Zentralstelle für Lehrstellenvermittlung in Berlin.) S. „Prometheus“ Nr. 1338 vom 19. Juni 1915, Beiblatt S. 151.

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S. z.B. R. Apt, Taylorsystem und Unfallverhütung, „Werkstattstechnik“ 1914 S. 359.

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E. Kräpelin, Die Arbeitskurve, Wundts philosophische Studien, Bd. XIX (Wundt-Festschrift), auch als Sonderdruck, Leipzig 1902.

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Max Weber, Zur Psychophysik der industriellen Arbeit. Arch. für Sozialw. und Sozialpol. Band 27 bis 29, 1908–09.

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Münsterberg, Psychologie und Wirtschaftsleben, Leipzig 1912; Grundzüge der Psychotechnik, Leipzig 1914.

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S. z.B. Schriften des Vereins f. Sozialpolitik, Bd. 133, 1910: Marie Bernays, Auslese und Anpassung der Arbeiterschaft in der geschlossenen Großindustrie; Band 134, 1910: v. Bienkowski, Hinke, Heiß, Deutsch und Landé, Auslese und Anpassung der Arbeiterschaft in der Maschinenindustrie, darin besonders die Arbeit von Bienkowski: Untersuchungen über Arbeitseignung und Leistungsfähigkeit der Arbeiterschaft einer Kabelfabrik.

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Ein gegenwärtig besonders interessantes Beispiel für die Anwendung wissenschaftlicher Verfahren zur Auswahl Geeigneter bieten die Prüfungen der französischen Militärbehörde für Flieger, über welche der „Matin“ berichtet (nach Berl. Tageblatt Nr. 172 vom 3. April 1916):

„Die physiologischen Prüfungen, die man jetzt auf Grund der gemachten Versuche mit den angehenden Aviatikern vornimmt, sind für den Laien so mysteriös wie die seltsamen Riten bei der Aufnahme in einen Geheimbund. Der Fliegerkandidat muß mit beiden Armen lange Zeit rhythmische Bewegungen ausführen, die auf der Registriertrommel eines Kontrollapparates bezeichnet werden und deren Resultat sich durch irgend einen geheimnisvollen Vorgang automatisch in Kilogrammetern ausdrückt. Dann werden die Regelmäßigkeit der Atembewegung und der Herztätigkeit überprüft. Hierzu ist ein ganzes System von Apparaten ersonnen worden. Dies sind aber nur Vorprüfungen. Besteht sie der Kandidat mit zufriedenstellendem Erfolg, so beginnt die eigentliche Prüfung. Zu diesem Zweck wird eine heftige Sensation für die Sehnerven oder das Tastgefühl des Patienten, wenn man so sagen darf, inszeniert. Diese Ueberrumpelung trifft völlig unerwartet ein und besteht meist im Aufblitzen eines Magnesiumlichtes oder in einer Detonation oder in einem Guß eiskalten Wassers. Es hängt von dem Grade der Selbstbeherrschung des Prüflings ab, ob er diesen Ueberraschungen ohne äußerliche Kennzeichen der Aufgeregtheit zu begegnen weiß. Jedenfalls verzeichnen die Registriertrommeln unbarmherzig jedes Zittern der Hand, jede Beschleunigung des Atmens und des Herzschlages. Kann man auch durch einen starken Willen diese Erscheinung beherrschen, so verrät doch der Organismus durch seine mehr oder weniger heftigen Reflexbewegungen den wahren Zustand des Nervensystems. Da aber der Flieger nicht nur moralisch, sondern auch physiologisch nicht aus der Fassung gebracht worden darf, scheinen diese Prüfungsmethoden die einzig brauchbare Handhabe zur Beurteilung seiner Eignung zu bieten. Der Flieger darf keine Ermüdung kennen und muß der Gefahr stets ins Auge blicken können. Sein Organismus muß daher der leisesten Willensregung unverzüglich gehorchen. Die bisher gemachten Erfahrungen gestatten es, einige Normen für den Flieger aufzustellen. Die Arbeitsleistung seiner Armmuskeln muß 150 bis 200 Kilogrammeter betragen, ohne daß sich der Rhythmus der Bewegung verlangsamt, was den Beginn der Erschöpfung anzeigt. Die Zeitdifferenz zwischen der Wahrnehmung einer Gleichgewichtsstörung und der Reaktion auf diese Wahrnehmung darf nur zwischen 15 und 23 Hundertel einer Sekunde schwanken. Ferner darf die normale organische Reaktion auf eine Sensation, die im Zittern der Hände und im schnelleren Atem zum Ausdruck kommt, nicht anhalten. Sie muß ihr Maximum bereits im Moment der Wahrnehmung erreichen und darf sich nicht weiterhin äußern.“

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Beiträge zur psychologischen Methodologie der wirtschaftlichen Berufseignung, Leipzig 1915. (Beihefte zur Zeitschr. f. angew. Psychologie u. psychol. Sammelforschung Nr. 11.)

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H. Boruttau, Die Arbeitsleistungen des Menschen, Berlin-Leipzig 1916. B. G. Teubner.

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Technik und Wirtschaft 1911, 1912, 1913, Aufsätze von Frölich, von Rieppel, Lippart, Mühlmann, Waldschmidt.

|382|

W. Rathenau, Zur Kritik der Zeit, Berlin 1912.

|382|

W. Ostwald, Der energetische Imperativ. 1. Reihe, Leipzig 1912, S. 444.

|382|

S. Bienkowski a. a. O., ferner M. Bernays, Untersuchungen über die Schwankungen der Arbeitsintensität während der Arbeitswoche und des Arbeitstages (Schriften d. Ver. f. Sozialpol., 135 IV, Leipzig 1912.

|383|

Karl Bücher, Arbeit und Rhythmus, 4. Auflage. Leipzig 1909.

|384|

Deutscher Werkbund: Englands Kunstindustrie und der deutsche Werkbund. 2. Aufl. München 1916. S. 24 ff.

|384|

Max Eisler, Oesterreichische Werkkultur. Wien 1916. S. 66. Ausstellungsraum der Tiegelgußstahlfabrik Poldihütte.

|384|

Arthur Fürst, Das Reich der Arbeit (in der Sammlung „Leuchtende Stunden“ von Franz Goerke). Berlin-Charlottenburg 1913. Vitaverlag.

|385|

S. auch W. Ostwald, „Der fliegende Mensch“ in „Die Forderung des Tages“. 2. Auflage. Leipzig 1911 und Kammerer, Entwicklungslinien der Technik, „Technik und Wirtschaft“ 1910, S. 1 ff.

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