Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1919, Band 334 (S. 129–135)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj334/ar334035

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Ueber die Verwertung der Wöllaner Braunkohle macht Dr. von Kozicki interessante Mitteilungen. Die Braunkohle von Wöllan (Südsteiermark) ist ein Lignit, sie bildet eine mächtige muldenförmige Ablagerung von 10 bis 12 km Länge und etwa 5 km Breite in einem weiten Talkessel. Die Flözmächtigkeit beträgt 60 bis 80 m, in dem Muldentiefsten vermutlich mehr als 115 bis 120 m, so daß hier ein riesiger Brennstoffvorrat aufgespeichert ist. Die Flözmasse ist ziemlich rein und besteht aus dichter graubrauner, stark wasserhaltiger Moorkohle, in der sich oft abgeplattete Holzstämme von vorzüglich erhaltener Holzstruktur eingebettet finden. Die Moorkohle besitzt im grubenfeuchten Zustande einen Heizwert von nur 3000 WE. Wenn sie somit bei direkter Verfeuerung auch nur ein minderwertiges Brennmaterial ist, so hat sie sich doch bei der Vergasung im Generator sehr gut bewährt und sich vielen anderen Braunkohlensorten als weit überlegen erwiesen.

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Die Vergasungsversuche wurden in der Gaszentrale der staatlichen Berg- und Hüttenverwaltung in Cilli angestellt, und zwar in Drehrostgeneratoren, Patent Auhagen, die bei einem lichten Durchmesser von 2,5 m etwa 35 bis 38 t Lignit in 24 Stunden durchsetzen konnten.

Die Generatoren besitzen einen sternförmigen Rost, der eine gleichmäßige Verteilung des Dampfluftgemisches auf die ganze Brennstoffsäule und damit eine gleichmäßige Temperatur in der Brennzone gewährleistet. Durch Regelung der Dampfmenge wurde eine Temperatur von 1100° eingestellt, bei welcher noch eine gute Ausbeute an Nebenprodukten erzielt wurde. Bei Temperaturen unter 1000° wurden zwar noch mehr Nebenprodukte erhalten, jedoch enthielt das Generatorgas in diesem Falle so viel Wasserstoff, daß die Beheizung der Ofenanlage Schwierigkeiten bereitete. Aus 1 kg Wöllanerkohle wurden 1,7 m3 Generatorgas erhalten, das 27,5 v. H. CO, 6,7 v. H. CO2, 14,1 v. H. H2 sowie 1,6 v. H. CH4 und andere Kohlenwasserstoffe enthielt. Ferner waren in 1 m3 Gas von 0° 19,3 g Teer, 250 bis 300 g Wasser und 3,7 g Ammoniak enthalten. Da die fünf Drehrostgeneratoren der Zinkhütte stündlich 12000 m3 Gas von 0° erzeugen, beträgt die im Gase mitgeführte Teermenge nahezu 240 kg in der Stunde.

Die Destillation des Teers hatte folgendes Ergebnis:

1. Mittelöl, SP. 120 bis 250°, Ausbeute 30 v. H.;

2. leichtes Paraffinöl, SP. 250 bis 350°, Ausbeute 20 v. H.;

3. schweres Paraffinöl, SP. über 350°, Ausbeute 25 v. H.;

4. Pech, Ausbeute 25 v. H.

Da die fünf Drehrostgeneratoren täglich 5800 kg wasserfreien Teer liefern, lassen sich somit täglich 1700 kg Mittelöl, 1150 kg leichtes Paraffinöl, 1400 kg schweres Paraffinöl, 1450 kg Pech sowie 345 kg Hartparaffinschuppen gewinnen.

Die Untersuchung des Generatorgases ergab, daß Benzol und seine nächsten Homologen nicht darin enthalten sind. Da die Wöllaner Kohle 0,9 v. H. Stickstoff enthält und da 1 kg Kohle 1,7 m3 Generatorgas mit 6,3 g Ammoniak ergibt, so beträgt das Ammoniakausbringen über 50 v. H. des Stickstoffs der Kohle. Da bei dem Betriebe der fünf Generatoren leicht eine Ausbeute von 60 v. H. erhalten werden kann, so können täglich 2250 kg Ammoniumsulfat gewonnen werden, zu deren Herstellung 2230 kg Schwefelsäure (58° Bé.) benötigt werden. (Bergbau und Hütte, Wien, 2. Jahrgang, S. 293 bis 296.)

Sander.

Rohstoffverluste im deutschen Kohlenbergbau und ihre Beschränkung. (Prof. Dr. Herbst, Techn. u. Wirtsch. 1918, 11. und 12. Heft.) Die Richtlinien bei Untersuchungen der Verluste bei der derzeitigen Kohlenwirtschaft sind durch zwei grundsätzliche Forderungen gegeben: 1. Wirtschaftliche Ausnutzung der Kohle bei der Gewinnung und Verwendung. 2. Stärkere Hervorhebung volkswirtschaftlicher Grundsätze.

Verluste bei der Kohlengewinnung entstehen durch Stehenlassen unbauwürdig erscheinender Flöze aus Gründen zu geringer Mächtigkeit, hohen Aschengehalts, gestörter Lagerung, wegen zu starken Gebirgsdruckes; auch Kohlenstaubgefahr und Grubengase spielen eine Rolle. Der große Schaden, der der Volkswirtschaft durch die Sicherheitspfeiler zugefügt wird, ist durch ein Beispiel erläutert. Bei 800 Schächten würde die verlorene Kohlenmenge bis 1000 m Tiefe etwa 1,2 Mill. t je Schacht im Sicherheitpfeiler, das heißt das mehrfache der Friedensförderung betragen.

Anschließend an die Kohlenverluste wird auf die ungeheuren Gasverluste aufmerksam gemacht und werden die Vorschläge zu ihrer Vermeidung erwähnt. Im zweiten Teil der Arbeit werden die Verluste bei der Kohlenaufbereitung und Brikettierung besprochen. Bei ersteren hat man 5 bis 10 v. H. in Rechnung zu stellen.

Gegen die Braunkohlenbrikettierung hat Herbst berechtigte Bedenken. Die Verwertung von Rohkohle zur Elektrizitätserzeugung unter Herstellung von Nebenerzeugnissen wird empfohlen, ebenso die Schwelung. Der Verfasser schätzt die Gesamtverluste des Steinkohlenbergbaues bei einer Förderung von 190 Mill. t auf 45,5 Mill. t gleich 24 v. H.

Wüster.

Ein neuer Vorschlag zur Verarbeitung des Braunkohlenteers. (Von Prof. Dr. E. Erdmann, Braunkohle 1918, Heft 37/38.) Auf Grund von Laboratoriumsversuchen wird zur Verarbeitung des nach dem Schwelverfahren oder nach dem Generatorverfahren gewonnenen Braunkohlenteers folgender Weg vorgeschlagen: Statt der fraktionierten Destillation unterworfen zu weiden, wird der Teer mit dem doppelten Volumen Azeton verrührt und auf 0° gekühlt. Dabei scheidet sich Rohparaffin ab; bei Kühlung auf – 21° findet eine weitere Abscheidung von Weichparaffin statt (im Ganzen 13 bis 19 v. H.). E. hält das so gewonnene braune Rohparaffin zu Isolationszwecken für unmittelbar verwendbar. Aus dem Azetonauszug des Teers wird das flüchtige Lösungsmittel durch Abdestillieren wiedergewonnen. Das zurückbleibende Oel wird mit überhitztem Wasserdampf behandelt. Das übergehende flüssige Oel ist gutes Treiböl (Siedepunkt 185°, Flammpunkt 77°, spezifisches Gewicht 0,920). Im Rückstand bleiben hochviskose Schmieröle (Viskosität bei 50° 17,6, bei 100 2,35, Flammpunkt 207°).

Wüster.

Ueber Kohlenanalysen und eine neue Form der Kohlenuntersuchung macht Dr. H. Gröppel in der Chemiker-Zeitung, 41. Jahrgang, S. 413 bis 414 und 431 bis 434, nähere Mitteilungen. Die verschiedenen Methoden zur Bestimmung der Feuchtigkeit, des Aschengehalts und der Koksausbeute, die in der Praxis Anwendung finden, sind recht zeitraubend und entsprechen auch nicht allen Anforderungen einer wissenschaftlichen Untersuchung. Es bleibt nur die direkte Methode der Feuchtigkeitsbestimmung übrig, diedarin besteht, daß man das aus der Kohle ausgetriebene Wasser wiegt oder mißt. Zu diesem Zwecke erhitzt man die Kohlenprobe im Stickstoff- oder Kohlensäurestrom auf 100° und fängt das entweichende Wasser in konzentrierter Schwefelsäure oder Chlorkalzium auf. Verfasser gibt dem Chlorkalziuin den Vorzug, weil bei Anwendung von Schwefelsäure auch Kohlenwasserstoffe absorbiert werden, die beim Erhitzen aus der Kohle entweichen. Er erwähnt noch das Verfahren von Schläpfer, das nach Anbringung verschiedener Korrekturen auch zuverlässige Werte liefert und schnell ausführbar ist.

Auch zur Bestimmung der Koksausbeute sind mehrere Methoden in Gebrauch, die voneinander recht abweichende Werte liefern (bis zu 7 v. H.). Von dem internationalen Kongreß für angewandte Chemie in London wurde 1909 die amerikanische Methode als Einheitsmethode festgelegt, doch hat sich diese Methode, die von allen die niedrigsten Werte liefert, in Deutschland nicht eingebürgert. Verfasser hält das Suchen nach einer Normalmethode überhaupt für zwecklos, weil die Ergebnisse der Praxis je nach der Bauart der Koksöfen auch ganz verschieden ausfallen. Die von Beck sowie von Lessing vorgeschlagenen Verfahren haben sich ebenfalls nicht eingeführt. Strache hat wiederum eine Probeentgasung im Kleinen vorgeschlagen, wobei nur 0,1 g Kohle in sauerstofffreier Atmosphäre in einem einseitig zugeschmolzenen Glasröhrchen erhitzt und das entweichende |131| Gas sowie der Teer aufgefangen werden; aber auch dieser Methode haften verschiedene Mängel an, worauf schon Hiller (Journal für Gasbeleuchtung 1916, S. 129) hingewiesen hat.

Der Aschegehalt einer Kohle wird ermittelt, indem man 1 g im Platintiegel über einem Bunsenbrenner oder im Muffelofen verbrennt. Auch hier können durch Entweichen von Kohlensäure aus den in der Asche enthaltenen Karbonaten oder durch Aufnahme von Sauerstoff Differenzen entstehen.

Verfasser hat eine neue Methode ausgearbeitet, bei der Feuchtigkeit, Koksausbeute und Aschegehalt hintereinander in demselben Glasröhrchen bestimmt werden. Man füllt etwa 1 g Kohle in das an beiden Enden offene Glasröhrchen ein und verbindet es mit einem größeren und einem kleineren, gewogenen Chlorkalziumrohr. Dann leitet man Wasserstoff durch den Apparat und taucht ihn, sobald die Luft verdrängt ist, in ein Schwefelsäurebad, das allmählich auf 105° erwärmt wird. Nach etwa einer halben Stunde ist die Kohlenprobe völlig wasserfrei und das entwichene Wasser in dem vorgeschalteten gewogenen Chlorkalziumrohr gebunden, das nun wiederum gewogen wird. Die so erhaltenen Werte geben den Wassergehalt der Kohle viel zuverlässiger an als bei der Austreibung des Wassers im Trockenschrank unter Luftzutritt.

Die Koksausbeute wird in der entwässerten Probe ebenfalls im Wasserstoffstrom bestimmt, indem man das Glasröhrchen allmählich bis fast zum Schmelzen erhitzt und dann langsam erkalten läßt. Bevor man den Koksrückstand mit dem Röhrchen wiegt, leitet man zur Verdrängung des Wasserstoffs noch kurze Zeit Luft hindurch. Die so gefundenen Werte sind um 1 bis 1,5 v. H. höher als bei Anwendung der Bochumer Methode, dagegen niedriger als bei Anwendung der Methode von Muck, sie stellen somit Mittelwerte dar. Der Koks wird in dem Röhrchen vollkommen entgast, anderseits ist infolge der Abwesenheit von Luft ein teilweises Verbrennen des Kokses ausgeschlossen.

Sodann bestimmt man die Asche, indem man den Koksrückstand im Sauerstoff ström verbrennt. Die vollständige Verbrennung des Kokses geht, sobald er sich entzündet hat, ohne äußere Wärmezufuhr vor sich, so daß man das Glasröhrchen nur zum Schluß nochmals auf Rotglut zu erhitzen braucht. Man läßt dann langsam abkühlen, verdrängt den Sauerstoff durch Luft und wiegt. Die so gefundenen Werte stimmen gut mit denen überein, die man beim Verbrennen einer Kohlenprobe in der Muffel erhält, doch nimmt letztere Methode erheblich mehr Zeit in Anspruch.

Schließlich hat Verfasser auch noch den gebildeten Teer und das Zersetzungswasser bestimmt, indem er an das die Kohlenprobe enthaltende Glasröhrchen ein mehrfach umgebogenes Glasrohr, das in seinem letzten Teil mit Glasperlen gefüllt ist, angeschmolzen hat. Dieses Ansatzrohr wird während der Verkokung der Kohlenprobe in eine Kältemischung gestellt, so daß sich Teer und Gaswasser darin verdichten; Nach beendeter Verkokung wird das Ansatzrohr mittels einer Feile abgetrennt und gewogen. Hierauf wird der Teer mit Benzol und Chloroform in Lösung gebracht und das leere Ansatzrohr nach dem Trocknen wieder gewogen.

Sander.

Strömung in Düsen und Strahlvorrichtungen, mehrdimensional betrachtet. Im Maschinenlaboratorium der Eidgen. Technischen Hochschule hat A. Stodola weitere Versuche ausgeführt, um die Strömungserscheinungen in Dampfturbinen aufzuklären. Die untersuchten Dampfstrahlen wurden erzeugt, indem man gesättigten Dampf von 7 at Ueberdruck mit entsprechender Drosselung in die Atmosphäre ausströmen ließ, und zwar kamen dabei zur Verwendung eine gut abgerundete Mündung von 17 mm l. W., ein zylindrisches Rohr von 20 mm l. W. und eine Düse von 12 mm engstem Durchmesser. Dabei hat sich ergeben, daß die Strömungsgeschwindigkeit in einem Dampfstrahl, der aus einer Mündung oder aus einer Düse austritt, im größten Teil des Austrittquerschnitts unveränderlich ist und erst unmittelbar am Rande auf Null sinkt.

Aus der Unveränderlichkeit der Strömungsgeschwindigkeit darf aber nicht auf die Abwesenheit von Reibungen geschlossen werden. In der Mitte des Querschnitts herrscht offenbar die Turbulenz vor. Unter dieser versteht man bekanntlich eine unregelmäßige Geschwindigkeitsschwankung, die sich über die regelmäßige Grundbewegung lagert.

Um die Verdichtungserscheinungen mehrdimensional zu untersuchen, wurde eine große Glasdüse mit 20 mm engstem Durchmesser benutzt. Der sogenannte Dampfstoß in der Düse ist eine verwickelte Verdichtungserscheinung, bei der sich der Dampfstrahl von der Düsenwandung ablöst. Kann sich der Dampfstrahl bei genügender Düsenlänge bald wieder an die Düsenwandung anlegen, dann gilt eine der früheren Stoßgleichung ähnliche Beziehung zwischen den Zustandsgrößen. Die Aufklärung dieser eigenartigen Verhältnisse muß weiteren Studien, insbesondere einer Untersuchung des vom Strahle ausgeübten Reaktionsdruckes, vorbehalten fileiben.

Bei den Strahlvorrichtungen, besonders bei den Strahlverdichtern (Ejektoren) für gasförmige Stoffe kommt auch die Turbulenz in Betracht. Um die Vorgänge in diesen immer mehr Wichtigkeit gewinnenden Vorrichtungen genauer untersuchen zu können, wurden weitere Versuche an einem zylindrischen Verdichter ausgeführt. Dabei hat sich herausgestellt, daß die Turbulenz durch eine Art Mantelreibung ersetzt werden kann, die vom radialen Geschwindigkeitsgefälle in gleicher Weise abhängt wie die Zähigkeitsreibung, aber außerordentlich viel größer ist. (Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ingenieure 1919, S. 31 bis 36 und 96 bis 100.)

W.

Messung des Dampfverbrauchs mittels stark erweiterter Meßdüsen und der Wirkungsgrad von Curtis-Stufen. Die durch eine Düse mit oder ohne Erweiterung strömende Dampfmenge hat den Höchstwert

Darin bedeutet Fm den engsten Querschnitt in m2, p1 den absoluten Druck in at vor der Düse, v1 das spezifische Volumen in m3/kg vor der Düse, k einen Beiwert (200 bis 209) abhängig vom Grade der Ueberhitzung. Diese Gleichung gilt nur, so lange der Druck pm im engsten Querschnitte gleich dem „Schalldrucke“ ps ist. Wird mit p2 der Gegendruck bezeichnet, dann wird .

Während durch die nicht erweiterte Düse die größtmögliche Dampfmenge Gm hindurchfließt, wenn das Druckverhältnis ε ≦ 0,545 ist, ist dies bei erweiterten Düsen nur dann der Fall, wenn näherungsweise ist, wobei q das Erweiterungsverhältnis bedeutet. Ist ε > ε1, so ist die durch die erweiterte Düse fließende Dampfmenge näherungsweise . In der Gleichung kann man für die Grenzen p1 = 1 bis 4 at abs. |132| und t1 = 180 bis 240° k = 198,5 + 1,5 p1 setzen. Für dieselben Grenzen wird dann Gm = 0,5 fmp1 (1,158 + 0,01 p1 – 0,001 t1). (Zeitschr. d. Vereins deutsch. Ing. 1919, S. 74 bis 79.)

W.

Licht und Laden. Die lichttechnische Spezialfabrik Dr.-Ing. Scheider & Co. in Frankfurt am Main gibt eine Zeitschrift „Licht und Laden“ heraus, die eine Reihe von Abhandlungen über das Problem der Schaufenster- und Ladenbeleuchtung bringt.

Untersuchungen über Aluminium. (Mitteilung aus der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, E. T. Z. 10. April 1918.) In Anbetracht der steigenden Wichtigkeit des Aluminiums wurden sehr eingehende Untersuchungen über die mechanischen und elektrischen Eigenschaften sowohl des handelsmäßigen als auch eines Metalles von besonderer Reinheit (0,4 v. H. Fremdstoffe) ausgeführt.

Es ist bemerkenswert, daß wesentliche Unterschiede nicht bestehen. Das Metall höchster Reinheit besitzt etwas kleineren spezifischen Widerstand, einen höheren Temperaturkoeffizienten und geringere Festigkeit.

Da der Einfluß hoher Temperaturen auf den Leitungswiderstand von anderen Metallen her bekannt war, so wurden auch hier sorgfältigste Versuche angestellt. Es zeigte sich, daß in der Tat die Leitfähigkeit bis zu etwa 5 v. H. durch Erhitzen auf 250° verbessert werden konnte. Bei höherer Erhitzung tritt Rekristallisation des Metalles ein, nach der Widerstandswerte verbleiben, die noch unter denen des hartgewalzten Metalles liegen können.

Rich. Müller.

Elektrische Zugförderung auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen. (Reg.-Baumeister Wechmann, E. T. Z. 10. April 1919.) Es wird über das bisherige Ergebnis der Vorarbeiten allgemein berichtet. Einerseits der Fortfall der bisher bestandenen militärischen Bedenken, andererseits die in der Zukunft notwendige sparsamste Wirtschaft werden die allgemeine Einführung des elektrischen Betriebes beschleunigen. Es werden jetzt Entwürfe aufgestellt, die als ersten Bauabschnitt die Strecken Berlin-Bernau und Berlin – Oranienburg vorsehen. Die Triebgestellzüge werden mit niederperiodigem Einphasen-Wechselstrom gespeist. In den Kraftwerken sollen hauptsächlich minderwertige Brennstoffe verfeuert werden, deren Rückstände bzw. Abgase möglichst restlos ausgenutzt werden sollen. Ein Braunkohlenkraftwerk wird aus den Lübbenauer Feldern versorgt werden, ein zweites soll in einem Torfgebiete in der Nähe Berlins liegen. Unter den Kraftmaschinen wird auch die Gasturbine vertreten sein.

Für Strecken geringen Verkehrs werden voraussichtlich Diesel elektrische Lokomotiven nach dem Muster einer von den S. S. W, erbauten Probeausführung zur Verwendung kommen.

Rich. Müller.

Fortschritte der deutschen elektrischen Beleuchtungstechnik in den Kriegsjahren. In der E. T. Z. vom 3. April 1919 berichtet A. Steinhaus über die Entwicklung dieses Gebietes in den letzten Jahren, die trotz der Rohstoff- und Arbeiterschwierigkeiten bemerkenswerte Neuerungen besonders in Lampen mit Gasfüllung brachten. Betreffs der bekannten Halbwattlampe war es allerdings nicht gelungen, niedrigkerzige Lampen für die gebräuchlichen Netzspannungen herzustellen, die eine annehmbare Lebensdauer besaßen. Als Gasfüllung wurde auch eine Mischung von Stickstoff und Argon verwendet. Die Bezeichnung nach Kerzenstärken wird allgemein ihrer unbestimmten Definition wegen aufgegeben und dafür die Wattzahl und die mittlere sphärische Lichtstärke angegeben.

Die gasgefüllten Lampen höherer Lichtstärke verdrängen auf fast allen Gebieten die Bogenlampe, so unter anderen bei der photographischen Aufnahme, in der Theater- und in der Außenbeleuchtung.

Eine wichtige Verbesserung in bezug auf Haltbarkeit erfuhren die gewöhnlichen Metalldrahtlampen dadurch, daß es gelang, den Leuchtfaden aus einem einzigen Kristall aus Wolfram mit einem Zusatz von Thoroxyd herzustellen.

Um eine höhere Wirtschaftlichkeit in der Umsetzung von elektrischer Energie in Licht zu erzielen, wurde der durch die Luminiszenzlampen gewiesene Weg, bei denen ein glühendes Gas als Leuchtkörper dient, weiter verfolgt. Sowohl die Quecksilberdampflampe als auch das Moorelicht konnten ja hauptsächlich wegen ihrer großen Abweichung von der Zusammensetzung des Tageslichts keine allgemeine Verwendung finden.

In der Vakuum-Salzdampflampe von Nernst brennt ein Lichtbogen in einer Atmosphäre von Zinkbromid oder Zinkchlorid und ergibt bei einam Verbrauch von 4 Amp. bei 120 Volt 3000 HK, also 0,16 W/HK. Das Licht ist nahezu weiß.

Eine andere Luminiszenzlampe ist die Neon-Bogenlampe, bei der ein Lichtbogen zwischen metallischen Thalliumelektroden, die mit Kadmium legiert sind, in Neon-Heliumgasfüllung brennt. Der mittlere spezifische Wattverbrauch ist 0,5 W/HK, das Licht ist gelbrot gefärbt, die Anwendung ist daher beschränkt.

Eine besondere Abart ist die Neon-Glimmlampe für geringe Kerzenstärken. Sie verbraucht bei 220 Volt kaum 5 Watt und erzeugt etwa 5 Kerzen, was für Signalbeleuchtung, Beleuchtung von Notausgängen usw. völlig hinreicht. Die Lampe ist insofern für schlagwettergefährdete Betriebe von Bedeutung, als sie sofort erlischt, wenn auch nur geringe Spuren von Luft in das Lampeninnere treten. Nützlich ist auch noch die Wirkung als Gleichrichter, bzw. als Ventilzelle bei Wechselstrom, so daß kleine Sammler aufgeladen werden können.

In der Wolfram-Bogenlampe dient die Gasfüllung nur dazu, die Verdampfung von Wolframelektroden zu vermindern, zwischen denen der Lichtbogen brennt. Der spezifische Wattverbrauch ist 0,4 W/HK. Hergestellt werden die Lampen für 500 und 1000 HK, sie sind ihres rein weißen Lichtes bei großer Flächenhelligkeit besonders für Projektionszwecke geeignet.

Rich. Müller.

Toleranzen für Längenmaße. (Der Betrieb, März 1919.) Nachdem die Grenzlehren für runde Teile sich mit gutem Erfolg eingebürgert haben, liegt es nahe, auch für Längenmaße Toleranzen einzuführen und die Austauschbarkeit der Maschinenteile auch nach dieser Hinsicht zu erweitern, so daß die Montage erleichtert wird. Im Märzheft der Zeitschrift „Der Betrieb“ erörtert Ingenieur Müller die Grundsätze, die für die Normierung der Längenmaße, die Festlegung der Toleranzen und die Messungen der Längen in der Werkstatt aufzustellen wären.

Die bisher vielfach übliche Art, Längenmaße fortlaufend hintereinander einzuschreiben und darunter das Additionsmaß zu setzen, ist auf Längenmaße mit Toleranzen nicht ohne weiteres übertragbar. Für das Gesamtmaß müßte dann die Summe der Minus- und der Plustoleranzen gültig sein, was erstens für die praktische Ausführung nicht immer zulässig wäre und zweitens unter Umständen die Einhaltung der einen oder anderen Toleranz unmöglich machen würde, besonders wenn alle |133| Einzelmaße nach der Plusseite oder das Gesamtmaß nach der Minusseite hin zuerst ausgeführt sind. In diesen Fällen müßten Gesamt- bzw. Einzelmaße nach demselben Grenzmaß hin hergestellt werden, und dadurch fällt der eigentliche Zweck der Toleranzen fort. Wesentlich günstiger liegen die Verhältnisse, wenn sämtliche Einzelmaße und das Gesamtmaß von ein und derselben Kante aus nach einer Seite hin gemessen werden, weil dann die Toleranzen unabhängig voneinander sind. Der Vorschlag von Kühn im Forschungsheft 206, Maße, deren genaue Einhaltung nicht verlangt wird und die sich durch die anderen Längen ergeben, nicht in die Zeichnung einzuschreiben, läßt sich leider nicht in allen Fällen durchführen, weil unter Umständen alle Einzelmaße von Wichtigkeit sind.

Erschwerend für die Einführung fester Lehren ist auch der Umstand, daß der Konstrukteur sich in den Längenmaßen nicht die gleiche Beschränkung auferlegen kann wie bei den Durchmessern, für die bekanntlich eine Reihe von Normaldurchmessern aufgestellt ist, die ausschließlich gebracht werden sollen. Es würde also ein sehr viel umfangreicherer Lehrensatz notwendig werden, ganz abgesehen von den verschiedenen Passungen, die für die einzelnen Nennlängen in Frage kommen.

Je nach ihrer Lage am Werkstück lassen sich die Längen mit verschiedenen Hilfsmitteln messen. Es kommen in Betracht:

1. Anlegemaßstab für Strecken, deren Endpunkte am Werkstück in gleicher Höhe liegen und nicht eine Erhöhung zwischen sich haben. Zum Beispiel Breite von Schlitzen und Leisten, Zwischenräume zwischen bearbeiteten Flächen, Länge von Absätzen an Wellen, Breite von Bunden. Unter Zuhilfenahme eines Anlegelinials läßt sich der einfache Maßstab noch für solche Strecken verwenden, deren Endpunkte nicht in einer Höhe liegen, vorausgesetzt, daß überhaupt eine Möglichkeit besteht, das Lineal anzulegen. Die Messung mit dem Maßstab ist nicht immer einfach, schnell und zuverlässig ausführbar und dürfte außerdem kaum mehr als 0,2 mm Genauigkeit verbürgen.

2. Schiebelehre für Außen- und Innenmaße, die sich zwischen die Schnäbel der Lehre fassen lassen. Auch diese Messung ist nicht immer einfach auszuführen und geht über 0,1 mm kaum hinaus.

3. Tiefenschiebelehre für Höhenunterschiede paralleler Flächen, Tiefe von Bohrungen usw. Genauigkeit wie bei 2.

4. Mikrometerschrauben für Außenmaße, die sich zwischen Meßflächen fassen lassen. Die Genauigkeit ist zwar bis zu 0,01 mm möglich, jedoch ist der hohe Preis und die notwendige sorgsame Behandlung unangenehm. Außerdem werden selten zwei Arbeiter mit der Mikrometerschraube genau dasselbe Ergebnis erzielen. Mikrometerschrauben eignen sich ferner auch nur für kleinere Längen.

5. Parallelendmaße eignen sich, gegebenen Falles unter Zuhilfenahme eines Anlegemaßstabes, für fast alle vorkommenden Längenmessungen. Die Genauigkeit der Ablesungen ist bei einfachster Handhabung recht groß, nämlich etwa 0,02 mm. Unangenehm ist es aber, daß eine unmittelbare Ablesung nur möglich ist, wenn die zu messende Länge mit derjenigen des Endmaßes übereinstimmt. Man muß also in den Fällen, wo eine Länge am Werkstück festgestellt werden soll, der Reihe nach eine Anzahl verschieden langer Endmaße anlegen oder solche in entsprechenden Abstufungen zu einem Gesamtmaß zusammenbauen. Für große Längen versagt dann das Verfahren leicht, weil die aufgebaute, lange Säule ausknickt. Vorzüglich aber eignet sich das Endmaß zum Einstellen von Werkzeugen an allen möglichem Werkzeugmaschinen und wird auch dafür schon viel angewendet.

6. Kaliberdorne und Rachenlehren sind in recht wenig Fällen brauchbar, nämlich wenn ihr Nennwert mit dem entsprechenden Längenmaß übereinstimmt Ein Zusammenbauen von Dornen und Rachenlehren, wie sie bei den Endmaßen möglich ist, scheidet hier ohne weiteres aus.

Besonders umständlich ist die Messung der Mittelentfernungen von Wellen und Bohrugen. Ohne Hilfe von, wenn auch einfachen, Rechnungen lassen sie sich überhaupt nur in Ausnahmefällen messen oder einstellen. In den meisten Fällen wird man in Bohrungen genau passende Bolzen einstecken und von deren äußerem Umfange aus mit Schiebelehre oder Endmaß messen müssen. Eine praktische Meßvorrichtung, die mit einer in einer Büchse drehbaren Winkelschiebelehre arbeitet, wird in dem erwähnten Aufsatz beschrieben. Die Genauigkeit dieser Vorrichtung entspricht derjenigen der Schiebelehre.

Für die allgemeine Einführung von Toleranzen der Längenmaße dürften demnach die Parallelendmaße die größte Aussicht haben. Für Sonderzwecke, zum Beispiel Aufspannuten an Werkzeugmaschinen, sind sie als Grenzlehren schon einige Zeit eingeführt. Vorteilhaft ist dabei, daß die Genauigkeit der Herstellung der Werkstücke nach den Sollmaßen mit zunehmenden Längen viel weniger abnimmt als bei Wellen und Bohrungen. Bei letzteren müssen die Toleranzen mit zunehmenden Durchmessern wachsen, weil die Herstellung schwieriger wird und auch die Berührungsflächen der zusammenpassenden Teile größer werden. Bei Längenmaßen ist die Herstellung der Genauigkeit beinahe unabhängig von dem Wert des Maßes. Hingegen ist es für die Art der Passung nicht gleichgültig, ob die beiden ineinander zu passenden Teile sich mit einer großen oder einer kleinen Fläche berühren. Die Meßflächen werden hingegen in allen Fällen klein sein, also braucht man je nach kleiner, mittlerer oder großer Berührungsfläche der fertig bearbeiteten Flächen einen besonderen Satz von Lehren.

Prg.

Eine neue technische Behörde. Als Zeichen der neuen Zeit darf angesehen werden, wenn eine neue Behörde sich nicht durch neue Verbote und Verordnungen, sondern durch eine neue Zeitschrift mit sachlichem Inhalt, durch Angebot zur Unterstützung von Industrie und Privaten, sowie durch eine höfliche Bitte um Mitarbeit der sachkundigen Volksgenossen einführt. Diesen neuen und ungewohnten Weg beschreitet die Kraftfahrtechnische Prüfungskommission (K. P. K.) in ihrem soeben in der ersten Nummer erschienenen amtlichen Nachrichtenblatt, der Auto-Technik (Verlag Klasing & Co. G. m b. H. Berlin W 9). Wie aus programmatischen Aufsätzen des Präses Hauptmann Fries und von Geheimrat A. Riedler hervorgeht, hat unter andern die K. P. K. die Aufgabe, die ihr von den aufgelösten Militärbehörden hinterlassenen umfassenden Kriegserfahrungen, die Fülle des bisher streng geheimen Versuchs- und Erfahrungsmaterials, das bisher in dicken Aktenbündeln nutzlos verstaubt, zu sichten und der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Außerdem will sie aber als Sammelpunkt der neu entstehenden Erfahrungen auf dem Gebiete des Kraftfahrwesens nutzbringend wirken, indem sie diese sammelt und teils durch eigene Fachbeamte, teils durch einen großen Stab als a. o. Mitglied hinzugezogener hervorragender Fachgelehrter und Techniker der wissenschaftlichen und technischen Institute bearbeiten läßt. Jedermann |134| soll bei der K. P. K. zuverlässige Auskunft über jede Frage auf dem Gebiete des Kraftfahrwesens erhalten können, insbesondere auch die Namen und Adressen solcher Dienststellen und Fachleute, die ihm sonst noch dienlich sein können.

Das vorliegende erste Heft der Zeitschrift enthält an Berichten der K. P. K. unter andern Aufsätze über die Normalisierung von Kraftwagenteilen und Brennstoffen, über die Mischungs- und Entmischungsverhältnisse von Benzolspiritus, eine Gebrauchsanweisung für „Benzolöl“, den neuesten Ersatzbetriebsstoff und dergleichen mehr. Eine Uebersicht über laufende Arbeiten der K. P. K. läßt erkennen, daß sie auf allen Gebieten des Kraftfahrwesens eifrig tätig ist und weitere beachtenswerte Arbeiten von ihr zu erwarten sind. Auch der nichtamtliche Teil der Zeitschrift „Auto-Technik“ ist technisch vielseitig.

Eine technische Zentralbibliothek für Deutschland. Der deutsche Verband technisch-wissenschaftlicher Vereine, dem sich die großen industriellen Wirtschaftsverbände angeschlossen haben, hat der Reichsregierung in einer Denkschrift die Forderung unterbreitet, aus Staatsmitteln eine öffentliche technische Zentralbibliothek zu schaffen, die als eine Notwendigkeit für die Wiederaufrichtung unseres Wirtschaftslebens bezeichnet wird. Nachdem die völlig unzureichende Befriedigung des Bedürfnisses auf diesem Gebiet durch sprechende Beispiele charakterisiert und die bisherigen unzulänglichen Versuche dem Mangel abzuhelfen geschildert sind, werden die Forderungen präzisiert, deren Erfüllung Deutschlands technische Kreise von einer solchen Bibliothek erwarten. Sie unterscheiden sich durch die wesentlich anders gearteten Bedürfnisse, die aus der Arbeit des Ingenieurs fließen, so wesentlich von dem, was unsere wissenschaftlichen Bibliotheken für die gelehrten Kreise zu leisten haben, daß man mit Recht von der früher erhobenen Forderung Abstand genommen hat, nach der unsere öffentlichen staatlichen Bibliotheken auch die technischen Wissenschaften in ihren Kreis einbeziehen und so auch deren Bedürfnissen Rechnung tragen sollten. Die gelehrte Wissenschaft, der zu dienen sie in erster Linie bestimmt sind, hat Zeit, viel Zeit. Technik und Industrie, die dem Fortschritt, der Praxis des täglichen Lebens zu dienen haben, haben keine Zeit, sondern Eile. Wollen sie konkurrenzfähig bleiben in der Welt, so haben sie dem time is money zu folgen. Sind in den alten Bibliotheken die ältesten Jahrgänge ihrer Zeitschriften, die ältesten Auflagen ihrer Bücher die wertvollsten, so sind in der technischen Bibliothek die neuesten Zeitschriftenjahrgänge, ja das neueste Heft, die neuesten Auflagen technischer Handbücher die für die Benutzung ergiebigsten. Die neuesten Patentschriften, die neuesten Firmenkataloge, die neuesten gesetzlichen Bestimmungen sind selbstverständlich am begehrtesten. Dieses alles und vieles andere muß nicht nur rasch und unmittelbar nach Erscheinen- beschafft, sondern mit dem geringsten Zeitaufwand katalogmäßig erschlossen und zur Benutzung bereit gestellt werden. Was die Bibliothekarssprache in einem hübschen Vergleich mit dem „Darm“ bezeichnet, der Weg des Buches vom Erzeuger bis zum „Benutzer“, muß in der neuzeitlichen technischen Bibliothek so kurz sein, wie es irgend möglich ist, eine bis zwei Wochen bei ungebundenen, einen bis zwei Tage bei gebundenen Büchern, eine bis zwei Stunden bei Zeitschriftenheften. Wie die Verhältniszahl der verlangten, aber in den Bibliotheken nicht vorhandenen Bücher durch weite Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Gebiete auf ein Minimum gedrückt werden muß, so darf der Bescheid „Verliehen“ auf eine Bestellung überhaupt nicht vorkommen. Von jedem öfter verlangten Werk haben eben so viel Exemplare vorhanden zu sein, wie die Benutzung verlangt, wobei eine kurze Bemessung der Leihfrist, die nur auf Antrag zu verlängern ist, der sparsamen Verwendung der Mittel hilfreich an die Hand zu gehen hat. Besonderer Wert ist auf die Katalogisierung zu legen, die den Schlüssel zu den Schätzen darstellt. Damit der Katalog seinen Beruf restlos erfüllen kann, muß er nicht nur gedruckt auf dem Arbeitstisch jedes Interessierten stehen, sondern wie das Telephonadressenverzeichnis alle Jahr bei stehenbleibendem Satz um das Neueste vermehrt neu herausgegeben werden. Alle Bücher der Bibliothek mit wenigen zur Verleihung ungeeigneten und im Katalog als solche zu kennzeichnenden Ausnahmen werden sowohl in Berlin wie nach jedem Orte Deutschlands durch die Post verliehen. Es wird bei solcher Liberalität manches Buch in Verlust geraten. Da es sich aber fast ausschließlich um neuere, leicht ersetzbare Literatur handelt, wird der Schaden durch Einsetzen einer im Verhältnis zu den Gesamtkosten geringen Verlustrate in den Haushaltsplan leicht gutzumachen sein. Es handelt sich hier viel stärker als bei den gelehrten Bibliotheken um aktuelles Nutzbarmachen, da muß die Rücksicht auf das Konservieren eines nach einigen Jahren doch veralteten Buchs in den Hintergrund treten. An Ort und Stelle müssen alle Bücher in einen Lesesaal, der von morgens 9 Uhr bis abends 10 Uhr geöffnet und mit einer reichhaltigen Handbibliothek versehen ist, binnen 5 bis 10 Minuten auf Bestellung zur Verfügung stehen. Eine für die technische Praxis besonders wichtige Einrichtung soll in einer literarischen Auskunftsstelle geschaffen werden. Diese ist mit allen bibliographischen Hilfsmitteln aufs beste ausgestattet und schafft sich neben den Haupt- und Sonderkatalogen durch Kartotheken einen Apparat, der sie in den Stand setzt, die einlaufenden Anfragen prompt und so weit es im Rahmen der Möglichkeit liegt erschöpfend zu beantworten.

Das sind die Forderungen, die Deutschlands Techniker für, eine Bibliothek, die ihren Bedürfnissen entspricht, aufstellen und denen sie mit neuen, diesem Sonderzweck angepaßten Einrichtungen Rechnung tragen muß. In den Jahren unserer großen Siege 1915–1916 erwuchs der großzügige Plan, aus selbstaufgebrachten Mitteln der Industrie eine groß angelegte technische Zentralbibliothek als Mittelpunkt eines Hauses der Technik entstehen zu lassen, in dem alle technischen Vereine und Verbände mit ihren Büro- und Versammlungsräumen untergebracht werden sollten. Der Ausgang des Krieges und der sich daranschließende Niedergang der deutschen Industrie hat diese hochfliegenden Pläne zu Fall gebracht. Aber die Dringlichkeit der Aufgabe für die Wiedererstarkung der deutschen Wirtschaft bleibt bestehen. Die Denkschrift schlägt deshalb vor, daß das Reich aus Staatsmitteln seine Patentsamtbibliothek so ausbaut, daß die bisher fast nur den Amtsbedürfnissen dienende Sammlung allen, die daran Interesse haben, zugute kommt. Diese Bibliothek bietet mit ihren 200 000 Bänden, geschultem Personal, gedrucktem Katalog, dessen Satz für eine erweiterte Auflage steht, einen geeigneten Unterbau. Durch den Anbau eines Flügels und Gewährung eines erheblichen Zuschusses, der aus den Einnahmeüberschüssen des Amtes bestritten werden könnte, wäre sie nach einigen Jahren in der Lage, den hauptsächlichsten Forderungen der technischen und industriellen Kreise gerecht zu werden.

Dr. Otto.

Die Ursachen der ungleichen Wirtschaftlichkeit von Dampfturbinen. Die Verkleinerung des Wirkungsgrades von Dampfturbinen, insbesondere von Kleinturbinen laßt sich auf das Nachlassen des Vakuums in der Abdampfleitung und auf Dampf Verluste zurückführen. Der Prozentsatz des Dampfgewinnes für jeden Zentimeter |135| höherer Luftleere schwankt mit der Dampfspannung. Versuche, die an einer Kerr-Turbine für 1000 kW Leistung bei 10 at Dampfspannung und einer Drehzahl von 3600 in der Minute ausgeführt wurden, ergaben, daß die Turbine, die für ein normales Vakuum von 71,12 cm gebaut war, bei einer Belastung von 25 v. H. und einer Betriebsluftleere von 68,58 cm um 12 v. H. größeren Dampfverbrauch hatte als bei gewöhnlicher Luftleere. Bei einer Belastung von 100 v. H. betrug hingegen der Mehrverbrauch an Dampf bei der zuletzt angeführten Luftleere gegenüber der gewöhnlichen Luftleere nur 7 v. H. Dieselben Verluste ergeben sich, wenn die niedrige Luftleere auf Undichtigkeiten zurückzuführen ist. Die Ursachen hierzu können folgende sein: Undichtigkeiten in der Dampfaustrittsleitung zwischen Turbine und Kondensator, Undichtigkeiten im Kondensator selbst oder in den Turbinenstopfbüchsen, Lufteintritt bei den Kondensatorpumpen und schließlich Lufteintritt in den Kondensator durch das Zirkulationswasser.

Undichtigkeiten an den Rohrleitungen und am Kondensator können leicht durch eine Kerzenflamme festgestellt werden, die in die Nähe der betreffenden Stellen gebracht, bei vorhandener Undichtigkeit abgelenkt wird. Schmutzansammlungen im Kondensator verschlechtern ebenfalls die Luftleere. Ebenso nachteilig wie schlechte Luftleere wirkt zu starker Gegendruck bei Dampfturbinen ohne Kondensation. Turbinen, die für eine bestimmte Belastung gebaut sind, ergeben dann größeren Dampfverbrauch, da sich die Verluste innerhalb der Turbine im Verhältnis zur Belastung fast nicht verändern. Unterbelastungen können durch Manometer, die vor den ersten Stufen der Turbine angebracht sind, festgestellt werden. Im allgemeinen dürfen Turbinen auch nicht auf die Dauer überlastet werden.

Durch Undichtigkeiten innerhalb der Turbine kann der Dampf verbrauch ebenfalls verschlechtert werden. Solche Undichtigkeiten können an den Labyrinthdichtungen zwischen zwei verschiedenen Stufen auftreten, wenn der Druckunterschied zwischen beiden Stufen zu groß ist. Großer Dampfverbrauch tritt auch durch Ablagerung fremder Stoffe an den Schaufeln ein. Diese Ablagerungen treten insbesondere bei solchen Turbinen ein, welche von einer Dampfkesselanlage gespeist werden, die über ihre Leistungsfähigkeit beansprucht ist. Derartige Ablagerungen sind meist kesselsteinartiger Natur und bestehen dementsprechend aus Kalk, Magnesia usw. Am vorteilhaftesten ist bei größeren Turbinen die Anordnung eines Dampfaufnehmers oder eines Wasserabscheiders hinter dem Drosselventil. Bei der ersten Anordnung erfolgt die Ausscheidung der im Dampf enthaltenen festen Stoffe durch Verringerung der Dampfgeschwindigkeit, bei der letzteren wird die Ausscheidung der festen Stoffe gleichzeitig mit dem mitgerissenen Wasser durch Prallflächen erreicht. (Electrical World, Bd. 72, Nr. 1.)

W.

Die deutschen Unterseebote. Bis zum November 1918 sind im ganzen 372 Boote mit einer Besatzung von annähernd 12 000 Mann, in den Dienst gestellt worden. Beim Beginn des Krieges verfügte die deutsche Kriegsmarine nur über 28 Boote von geringer Wasserverdrängung. In den letzten Friedensjahren wurden durchschnittlich fünf im Jahre gebaut, in den letzten Kriegsjahren jährlich 100. Am Bau der Boote waren die frühere kaiserliche Werft in Danzig, die Germaniawerft in Kiel, Blohm & Voß, Vulkan-Hamburg, A.-G. Weser und Bremer Vulkan beteiligt. Die Hauptmaschinen für solche Boote wurden außerdem vor allem von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, Gebr. Körting-Hannover und Benz-Mannheim gebaut. Einige Maschinen kamen auch von der Daimler-Motoren-Gesellschaft, Berlin-Marienfelde noch während des Krieges zur Ablieferung. Im November 1918 waren bei elf deutschen Werften 437 Unterseeboote im Bau. Sämtliche U-Boote sind bereits unseren Feinden ausgeliefert und die Dockanlagen usw. hierfür werden zerstört.

Nach der Zeitschrift „Schiffbau“ 1919, S. 359 bis 362 umfaßt der gesamte Auftragbestand an fertigen und unfertigen Booten von „U 1“ angefangen an Bauwert über vier Milliarden Mark, von denen nur etwa der 35. Teil im Frieden bewilligt wurde. In der Hauptsache handelt es sich hier um Zweihüllenboote. Nur bei dieser Bauart ist es möglich, ohne Raumbeengung im Druckkörper große Treibölvorräte unterzubringen. Der Druckkörper hat fast durchweg kreisförmigen Querschnitt. Der kleinste vorkommende Durchmesser beträgt 2,80 m, der größte 5,80 m. Die Festigkeit des Druckkörpers ist für eine normale Tauchtiefe von 50 bis 75 m bemessen.

Der Antrieb sämtlicher Boote geschah durch Dieseldynamos. Der Dampfantrieb wurde bei keinem Boot ausgeführt Die Ueberwassergeschwindigkeit erreichte 16 bis 18 Seemeilen in der Stunde. Die Hauptmaschinen waren als Viertakt-Dieselmaschinen gebaut und erreichten bei sechs Zylindern 1800, bei zehn Zylindern 3000 PS Höchstleistung. Die Unterwasserfahrt geschah stets durch Akkumulatorenantrieb. Wegen Gewichtsersparnis sind Unterwassergeschwindigkeit und -Fuhrbereich stets klein geblieben. Der Ueberwasserfahrbereich wuchs dagegen in einzelnen Fällen bis zu einer den Erdball umspannenden Strecke. Eine ausführliche Tabelle a. a. O. gibt Aufschluß über Bauzeit, Verdrängung, Abmessungen, Maschinenleistung, Höchstgeschwindigkeit, Treibölvorrat, Fuhrbereich, Bewaffnung usw.

W.

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