Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1921, Band 336 (S. 281–288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj336/ar336039

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Automobiltechnik.

Sechszylinder-Motorwagen. Zur Zeit ist man mit Berücksichtigung der Gestehungs- und Betriebskosten bestrebt, in erster Linie kleine Wagen zu bauen. Die bekannten Automobilfirmen suchen aber trotz der ungünstigen Marktlage auch die größeren Wagen weiterhin zu vervollkommnen. Die österreichische Daimler-Motoren-Gesellschaft hat einen neuen Sechszylinder-Wagen auf den Markt gebracht, der vollkommen neu konstruiert ist. Besonders der Motor ist nach ganz neuen Gesichtspunkten gebaut. Das Motorgehäuse, der Zylinderblock und der Kühlwassermantel bestehen aus einem Aluminiumgußstück. Die Zylinderlaufbüchsen sind aus Gußeisen hergestellt. Die Zylinderbohrung ist 85 mm, der Kolbenhub 130 mm. Die Steuerleistung berechnet sich zu 17 PS, die Höchstleistung wird zu 60 PS angegeben. Der für alle sechs Zylinder gemeinsame Zylinderkopf ist aus Gußeisen hergestellt und abnehmbar. Die hängend angeordneten Ventile werden mittels Schwinghebel und Rollen durch eine oben liegende Steuerwelle betätigt. Die hohlgebohrte Steuerwelle wird durch Schraubenräder angetrieben. Die Steuerung ist durch einen Aluminiumdeckel abgeschlossen.

Auf ein geräuschloses Arbeiten des Motors ist besonders Wert gelegt. Deshalb sind die Steuerungsteile möglichst leicht ausgeführt und es ist eine besondere Dämpfung des Nackenstoßes angeordnet. Besonders vorteilhaft ist die Anordnung des Magneten, der Lichtmaschine und der Wasserpumpe. Sie sind auf der Auspuffseite angeordnet und werden durch eine gemeinsame, zur Motorachse parallel liegenden Welle angetrieben und sind durch einen Aluminiumdeckel vollkommen staub- und wasserdicht abgeschlossen. Die Kurbelwelle ist im Oberteil des Gehäuses in vier Gleitlagern gelagert und vollkommen ausgeglichen, sie ist aus Chromnickelstahl hergestellt.

Für die Kühlung ist eine leicht auswechselbare Zentrifugalpumpe vorgesehen. Das schmiedeeiserne Schwungrad ist als Gebläserad ausgebildet und saugt die Kühlluft durch den Kühler. Der Motor ist auf dem Traggurt des Rahmens verschraubt. Der Kühler steht nicht mehr unmittelbar mit dem Rahmen in Verbindung, sondern ruht auf dem Motorgehäuse. Er ist dadurch vor Verwindungen und Leck werden geschützt. Nach unten wird der Motorkörper ebenfalls durch eine Aluminiumschale abgeschlossen.

Eine zweckentsprechende Umlauf-Druckschmierung durch zwei Zahnradpumpen ergibt eine zuverlässige Schmierung. Man hat hier die Erfahrungen aus dem Flugmotorenbau nutzbar gemacht. Am Führersitz ist eine Signallampe angeordnet, die dann aufleuchtet, wenn in der Oelleitung der Druck zu gering wird. Die eine Zahnradpumpe saugt das Oel aus dem Motorgehäuse-Unterteil und befördert es zu einem Oelbehälter im Motorkörper. Eine zweite Pumpe preßt das Oel zu den einzelnen Schmierstellen.

Der Vergaser kann sowohl durch Handhebel als auch durch ein Pedal betätigt werden. Die Brennstoffförderung geschieht mittels eines Unterdruckförderapparates, der durch eine vom Motor angetriebene Vakuumpumpe unterstützt wird. Der Brennstoffvorrat von etwa 140 l reicht für 600–700 km Fahrt. Der Wagen ist mit einer besonderen elektrischen Anlaßvorrichtung, Bauart Bosch-Ruschmere, ausgerüstet. Der hierzu gehörige Anlaßmotor ist mit einem Ritzel versehen, das beim Anlassen in die Verzahnung des Schwungrades eingreift.

Der Motor ist mit dem Getriebe durch eine im Oelbad laufende Stahllamellen-Kupplung verbunden. Das Getriebegehäuse ist am Motor angeflanscht und bildet mit diesem einen Block. Es ist ebenfalls aus Aluminium hergestellt. Im Getriebekasten ist eine Pumpe zum Aufpumpen der Reifen eingebaut.

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Die Bremsvorrichtungen sind besonders sorgfältig ausgebildet. Es sind zwei voneinander unabhängige Bremsanlagen vorhanden. Die Getriebebremse ist im Getriebegehäuse eingesetzt und als. Backenbremse ausgebildet. Die beiden Hinterradbremsen wirken als Innenbackenbremsen. Zur Betätigung der Bremsen dient ein Handhebel oder ein Fußhebel. Die Fußhebel für die Getriebebremse und die Hinterradbremse liegen nebeneinander und können gleichzeitig mit dem rechten Fuß betätigt werden. (Auto-Technik 1921, S. 13–15.)

W.

Gastechnik.

Ein neues Handelsgas. Wie uns mitgeteilt wird, beabsichtigt eines unserer bekannten Hüttenwerke demnächst mit der Herstellung von Methan (Sumpfgas, Vulkangas) zu beginnen. Da bis jetzt dieses Gas in größeren Mengen im Handel nicht zu haben war, so bedeutet die nun ins Leben tretende neue Fabrikation eine Erweiterung unserer Industrie der verflüssigten und verdichteten Gase. Das Methan wird in den bekannten Stahlflaschen üblicher Größe und auf 125 bis 150 at komprimiert in Verkehr gebracht werden. Da die bekannten Wasserstoff-Stahlflaschen auch zur Füllung mit Methan ohne weiteres verwendet werden können, so brauchen weder neue Flaschen angeschafft, noch Aenderungen an Ventilen vorgenommen zu werden.

Methan ist ein schwach riechendes, physiologisch anscheinend fast indifferentes Gas mit einem Heizwert von etwa 9000 WE/m3. Sein Heizwert ist mithin mehr als dreimal so hoch wie der des Wasserstoffs und zweimal so hoch wie der des besten Leuchtgases. Die Benutzung des Methans hebt vollkommen die schädlichen Wirkungen der sogen. „Sperrstunden“ auf und macht unabhängig von Betriebsstörungen und Arbeitseinstellungen in den Gasanstalten. Das Methan kann direkt aus der Stahlflasche vermittelst eines Reduzierventils entnommen und der Verbrauchsstelle, z.B. dem Beleuchtungskörper (Gasglühlicht) oder dem Gaskocher oder Gasofen zugeführt werden, ohne daß es nötig ist, das aus der Flasche strömende Methan durch Zwischenschaltung irgend welcher Vorrichtung zu reinigen oder zu homogenisieren. Denn da das Methan bei seiner Gewinnung vermittelst Verflüssigung bei tiefen Temperaturen von sämtlichen flüssigen Kohlenwasserstoffen befreit wird, so ist es ganz ausgeschlossen, daß einzelne Fraktionen des Stahlfascheninhaltes verschiedene Zusammensetzung haben. Aus den mit der Fabrikation zusammenhängenden Gründen ist das in Verkehr gelangende Methan völlig frei von Schwefel- und Cyan-Verbindungen, so daß das Gas ohne jeglichen schädlichen Einfluß auch auf empfindliche Pflanzen, Bijouteriewaren usw. ist.

Es ist daher damit zu rechnen, daß sehr bald das Methan in Haushaltungen, Gastwirtbetrieben, im Kleingewerbe, in Laboratorien und überall dort Eingang finden wird, wo man selbst beim Versagen der Gasanstalten mit Leucht- und Heizgas versorgt bleiben will.

Eine „Normalflasche“ von 40 l wie solche zum Transport von Wasserstoff überall in Benutzung steht, enthält 5 bis 6 m3 komprimiertes Methan, das im Gebrauche und Heizwerte 12 m3 besten städtischen Leuchtgases entspricht. Methan läßt sich ohne weiteres in den meisten Gasglühlichtlampen, ob stehend oder hängend, (hängendes Gasglühlicht) und auch als Preßgas verwenden, weil das Methan aus der Stahlflasche vermittelst des Reduzierventils unter jedem beliebigen Druck entnommen werden kann. Auch die meisten Koch- und Heizgasapparate und Laboratoriumbrenner können ohne weiteres mit Methan betrieben werden. Wie sparsam das Methan im Gebrauche ist, ersieht man daraus, daß, um eine vollkommene Verbrennung zu erzielen, der Lampe oder dem Kochapparate, die gewöhnlich auf eine bestimmte Luftzufuhr eingestellt sind, knapp die Hälfte der üblichen Leuchtgasmenge zugeführt zu werden braucht, d.h. beim Einhalten desselben Gasdruckes der Gashahn der Lampe oder des Gaskochers nur zur Hälfte aufgedreht werden darf.

Besonders willkommen wird das Methan überall dort sein, wo ein Anschluß an eine Gasanstalt nicht vorhanden oder nicht möglich ist, wie z.B. auf Dörfern Gütern, Villen, in Fabrikbetrieben außerhalb der Städte, in Eisenbahnzügen, auf Schiffen usw.

Nach Versuchen von Prof. Hermann Richter in Hamburg eignet sich Methan besonders gut zur autogenen Bearbeitung von Kupfer, Messing, Aluminium und ähnlichen leicht schmelzenden Metallen, weil das Methan trotz seines überaus hohen Heizwertes mit dem Sauerstoff eine sehr milde Flamme ergibt.

Der Vertrieb des Methangases liegt zur Zeit in Händen der Firma Fritz Hamm, G. m. b. H., Düsseldorf, und zwar wird er von einer rechtsrheinischen Abfertigungsstelle im unbesetzten Gebiet stattfinden, so daß Ausfuhrbestimmungen und Zulaufgenehmigungen nicht benötigt werden.

Metalltechnik.

Aluminiumlegierung für Automobilbau. Das Aluminium findet in Legierungen mit anderen Metallen im Automobilbau mit Berücksichtigung seines geringen spezifischen Gewichtes und seiner großen Wärmeleitfähigkeit immer mehr Verwendung. Das spez. Gew. des Reinaluminiums ist 2,6, während der gewöhnliche Aluminiumguß ein solches von etwa 2,95 hat. Der Wärmeleitungskoeffizient von Aluminium ist 0,450, während der des Graugusses nur 0,120 beträgt. Das Aluminium findet legiert mit andern Metallen Verwendung, weil dadurch seine Zerreißfestigkeit und seine Härte günstig beeinflußt wird. Die Zerreißfestigkeit des Reinaluminiums beträgt nur 9–12 kg/mm2, seine Dehnung 12–15 v. H., und die Härtezahl nach Brinell ist 22. Nach den Angaben der Zeitschrift „La Fondérie moderne,“ 1920, S. 170–174 kommen hauptsächlich folgende Legierungen zur Verwendung:

1. Aluminium-Mangan-Legierungen: Mangan erhöht die Zerreißfestigkeit des Aluminiums bedeutend. Ein Gehalt von 3 v. H. Mangan ergibt 15 kg/mm2 Zerreißfestigkeit bei 5 v. H. Dehnung. Ein höherer Mangangehalt vergrößert die Sprödigkeit der Aluminiumlegierung.

2. Aluminium-Nickel-Legierungen: Nickel hat auf die Festigkeitseigenschaften des Aluminiums einen noch größeren Einfluß als Mangan. Aluminium-Mangan-Legierungen sind aber widerstandsfähiger gegen chemische Einflüsse als Aluminium-Nickellegierungen. Beide Legierungen sind nicht einfach herzustellen, da die Schmelzpunkte von Aluminium und Mangan bzw. Nickel zu weit auseinander liegen. (Aluminium 655°, Mangan 1245°, Nickel 1470°). Deshalb können bis jetzt aus wirtschaftlichen Gründen die beiden genannten Legierungen nicht allgemein verwendet werden.

3. Aluminium-Kupfer-Legierung: Bei wachsendem Kupfergehalt steigt die Elastizitätsgrenze und die Zerreißfestigkeit an, während die Dehnung von 2 v. H. |283| Kupferzusatz langsam abnimmt. Die zweckmäßigste Legierung enthält 6 v. H. Kupfer, mit folgenden Eigenschaften: Elastizitätsgrenze = ρ kg/mm2, Zerreißfestigkeit = 11–12 kg/mm2 und Dehnung = 1,5 v. H.

4. Aluminium-Zink-Legierungen: Diese sind die bekanntesten und wichtigsten. Die Elastizitätsgrenze und die Zerreißfestigkeit nehmen mit wachsendem Zinkgehalt zu. Die Dehnung sinkt von 15 v. H. Zink an. Die besten Legierungen enthalten 10–15 v. H. Zink und können leicht bearbeitet werden. Die Elastizitätsgrenze ist dann 9–11 kg/mm2, die Zerreißfestigkeit 14–17 kg/mm2 und die Dehnung 11–6 v. H. Die Legierung läßt sich gut formen und ist widerstandsfähig gegen chemische Einwirkungen, ist dagegen Erschütterungen gegenüber nicht so widerstandsfähig als Kupferlegierungen. Ein Gehalt von 20–30 v. H. Zink macht die Legierung hart und spröde und ist dann besonders gut auf der Drehbank zu bearbeiten.

5. Sonstige Legierungen: Eisen vergrößert nur wenig die Zerreißfestigkeit des Aluminiums. Von 5 v. H. Zusatz an Eisen wird das Aluminium hart und spröde. Zinnzusatz hat keinen günstigen Einfluß auf die Festigkeitseigenschaften des Aluminiums, ebenso wenig Blei, das sich infolge des bedeutenden Unterschiedes der spezifischen Gewichte nicht gut mit dem Aluminium verbindet. Aehnlich verhält sich auch Antimon. Legierung mit 5 v. H. Magnesium ergibt geringes Gewicht (Magnalium). Der hohe Preis des Magnesiums verhindert eine größere Verwendung dieser Legierung.

Ueber die zweckmäßigste Zusammensetzung der Aluminiumlegierungen gehen die Ansichten noch auseinander. Folgende Legierungen werden empfohlen:

1. Für einfache Stücke, die keiner Erschütterung ausgesetzt sind: 15 v. H. Zink, Elastizitätsgrenze 11 kg/mm2, Zerreißfestigkeit 17 kg/mm2, Dehnung 6 v. H.

2. Für widerstandsfähige Stücke, die Erschütterungen auszuhalten haben: 4 v. Kupfer, 8 v. H. Zink, Elastizitätsgrenze 10 kg/mm2, Zerreißfestigkeit 14 kg/mm2, Dehnung = 4 v. H.

3. Für schwierige Gußkörper: 6 v. H. Kupfer, Elastizitätsgrenze = ρ kg/mm2, Zerreißfestigkeit 11,5 kg/mm2, Dehnung 1,5 v. H.

Die folgende Zusammenstellung zeigt die Festigkeitseigenschaften von Leichtlegierungen mit bekannten Kupferlegierungen:

spez.
Gew.
Elast.-Grenze
kg/mm2
Zerreißfestigk.
kg/mm2
Dehnung
in v. H.
Leichtlegierung I
(85 Al., 15 Zn.)

3,3

11

17

6
Leichtlegierung II
(88 Al., 4 Cu., 8 Zn.)
3,2 10
14

4
Leichtlegierung III
(94 Al., 6 Cu.)

3,0

9

11,5

1,5
Maschinenbronze
(90 Cu., 10 Zn.)

8,7

12

25

35
Gewöhnl. Messing
(67 Cu., 33 Zn.)

8,35

7

18

22

W.

Motortechnik.

Temperaturmessungen an Kolben von Verbrennungskraftmaschinen. Kolben von Verbrennungskraftmaschinen, besonders solche ohne besondere Kühlvorrichtung, werden durch die hohen Betriebstemperaturen stark beansprucht. Um festzustellen, welche Temperaturen unter den verschiedenen Betriebsverhältnissen auftreten, wurden bereits besonders in letzterer Zeit Temperaturmessungen mit Hilfe von Thermoelementen an solchen Kolben ausgeführt. Bei solchen Versuchen der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (Z. d. V. d. I. 1921, S. 923–925) wurden Thermoelemente aus Eisenkonstantan- und Kupfer-Konstantandraht verwendet und die Drähte mit Glasröhren isoliert. Bei den Versuchen mit verschiedenen Belastungen war die Kühlwasserablauftemperatur auf etwa 45° eingestellt. Der Einblasedruck betrug entsprechend der Belastung 40–65 at. Die Versuche wurden an einer stehenden Dieselmaschine von 70 PS bei 400 mm Zylinderdurchmesser, 600 mm Hub und 165 Uml/min. ausgeführt. Dabei wurden die folgenden Versuchsergebnisse erhalten:


Belastung

PSe
Temperaturer an den
Meßstellen
1 2 3 4 5
12 271 235 205 172 104
½ 39 337 300 276 216 122
¾ 53 384 344 324 247 133
1/1 70 443 398 380 281 144
11/10 78 468 431 405 304 156

Bei diesen Versuchen wurde auch der Einfluß des Einblasedruckes auf die Kolbentemperatur untersucht. Bei hohem Einblasedruck und hoher Einblasegeschwindigkeit wächst die Höchsttemperatur in der Bodenmitte, sowie das achiale und das radiale Temperaturgefälle. Für die Festigkeitsberechnung wird der Kolbenboden als eingespannte obere Platte angenommen, mit radialem und achialem Temperaturabfall. Die höchste Beanspruchung tritt in der Kolbenmitte ein. Diese Beanspruchungen sind Druckbeanspruchungen, die heißere Kolbenmitte dehnt sich gegen den kälteren Kolbenrand hin aus. Bei den hohen Temperaturen und Drucken des Gleichdruckverfahrens gehen die Spannungen über die Elastizitätsgrenze hinaus. Wird die Maschine abgestellt, dann treten in der Mitte des Kolbenbodens Zugspannungen auf, die zu Rißbildungen führen. Nach der Zeitschrift Aerial Age Weekly 1921, S. 251, wurden an einem Lyberty-Einzylinder-Versuchsmotor mit Aluminiumkolben ebenfalls Temperaturmessungen im Kolben (Mitte Kolbenboden, Seite Kolbenboden, unter den Kolbenringen und am Kolbenende) ausgeführt. Die Versuche haben ergeben, daß die Wärme vom Kolbenboden vorwiegend in der Nähe der Kolbenringe an die Zylinderwandung weitergeleitet wird. Der Unterteil des Kolbens hat einen sehr geringen Einfluß auf die Kolbentemperatur. Es wurden Kolben mit verschieden großer Wandstärke bei den Versuchen verwendet. Die Versuchsergebnisse sind in folgender Zahlentafel zusammengestellt:

Schwerer
Kolben
Mittlerer
Kolben
Leichter
Kolben
Gewicht kg 1.77 1.36 1.12
Drehzahl Uml/min. 800 800 800
Bremsleistung PS 12.9 13.1 13.2
Wassereintrittstemp. °C 64 63 63
„ austritts „ 77 76 77
Kolbentemperatur: Mitte Boden 336 363
Seite Boden 286 278 326
unter den Kolbenringen 130 85 109
am untern Rand 72 61 61

Der schwerste Kolben mit 9,5 mm Bodenstärke hat die kleinste Bodentemperatur und leitet noch eine beträchtliche Wärmemenge an die unteren Stellen der Zylinderwandung ab. Beim mittleren Kolben mit 6,4 mm Bodenstärke ist die Bodentemperatur höher, dagegen der untere Kolbenmantel kühler. Die Wärme aus dem Kolbenboden wird fast ausschließlich zwischen den Kolbenringen an die Zylinderwand weitergeleitet. Der leichte Kolben (mit 5,6 mm Bodenstärke) wird am |284| heißesten. Auch hier wird die Wärme vorwiegend zwischen den Kolbenringen an die Zylinderwand weitergeleitet. Nach diesen Versuchen hat es sich auch ergeben, daß bei Aluminiumkolben das Kolbenspiel 1/1000 Durchmesser betragen soll.

W.

Materialtechnik.

Textabbildung Bd. 336, S. 284

Einfache Materialprüfvorrichtungen. Es ist auffallend, daß in Fabrikbetrieben nur wenig Materialprüfungen vorgenommen werden, trotzdem die große Bedeutung derartiger Untersuchungen von keiner Seite bezweifelt wird. Begründet ist diese Erscheinung durch die hohen Kosten der Prüfmaschinen, die überdies für Versuche mit halbfertigen Bauteilen wenig geeignet sind. Man verzichtet daher meist auf die Beschaffung derartiger Vorrichtungen und schreitet auch nicht zu deren Selbstanfertigung, da die Meinung besteht, wirklich brauchbare Anlagen seien nur sehr schwer herzustellen. Daß diese Ansicht eine irrige ist, zeigt H. Steudel in Heft 30 der Zeitschrift für Dampfkessel und Maschinenbetrieb, indem er einige Prüfmaschinen beschreibt, die während des Krieges in der Forschungsanstalt von Prof. Junkers in Dessau geschaffen und späterhin vervollkommnet wurden. Sie sollten in erster Linie für die Entwicklung der Metallflugzeugkonstruktion nutzbar gemacht werden und mußten daher sowohl zur Untersuchung von Maschinenelementen wie auch von zusammengesetzten Bauteilen geeignet sein. Es zeigte sich, daß es durchaus zulässig ist, die Gewichte unmittelbar an das Probestück anzuhängen, sofern nur kleine Zugkräfte in Frage kommen. Auch konnte man Biegungsprüfungen vornehmen, indem man einen Stab auf zwei Schneiden lagerte und in der Mitte belastete. Handelt es sich aber um größere Kräfte, so ist die Benutzung einer Prüfvorrichtung unvermeidlich. Vielfach ist es möglich, sich eine solche herzustellen, indem man zeitweise unbenutzte Werkzeugmaschinen in geeigneter Weise umbaut. So kann man beispielsweise eine Spindelpresse ohne wesentliche Schwierigkeit für die Ausführung von Druck- und Knickversuchen einrichten, wenn man eine Dezimalwage unter Vorschaltung einer größeren Hebelübersetzung als Kraftmeßvorrichtung verwendet. Auch für Zugprüfungen kann eine solche Maschine benutzt werden, sofern ein anderer Zwischenhebel eingebaut wird, wie Abb. 1 zeigt. Eine Fräsmaschine wurde für Druckproben brauchbar gemacht, indem man einen Stahlstab in zwei ringförmige Schneiden legte, die in den Spindelkanus beziehungsweise den Gegenhalter eingesetzt wurden. Unter dem Stab befindet sich das zu untersuchende Stück. Mit ihm war eine dritte Schneide fest verbunden, welche die auftretenden Druckkräfte auf die Mitte des Stahlstabes übertrug. Die Durchbiegung desselben konnte unter Zwischenschaltung eines hoch übersetzten Zeigers an einer Skala abgelesen werden und bildete einen Maßstab für die Belastung. Außer Zug- und Druckprüfungen war es möglich, auch Biege- und Scherversuche an der Fräsmaschine auszuführen. Als diese später wieder in Betrieb genommen wurde, trat an ihre Stelle eine alte Granatenabdrückvorrichtung, deren Umbau zu den genannten Zwecken ebenfalls gelang. Man erreichte sogar die selbsttätige Aufzeichnung eines Arbeitsdiagrammes. Für große und sperrige Stücke bewährte sich eine als „Prüfsäule“ bezeichnete Vorrichtung. Sie besteht aus zwei etwa 5 m hohen, aus Eisenträgern zusammengesetzten Säulen, die oben durch einen Querträger verbunden sind. Auf diesem läuft eine Laufkatze, welche einen Flaschenzug trägt, der zur Ausübung der erforderlichen Zugkräfte dient.

Textabbildung Bd. 336, S. 284
Textabbildung Bd. 336, S. 284

An seinen Haken hängt man, wie Abb. 2 zeigt, mit Hilfe passender Einspannstücke den Probestab a und unter diesen in einer Schneide das kurze Ende eines zweiseitigen Hebels h, dessen Drehpunkt in der Schneide s liegt, welche an der Querplatte b angebracht ist. Der längere Arm des Hebels überträgt die vom Flaschenzug ausgeübten Zugkräfte auf eine Dezimalwage. Bei der Vornahme einer Prüfung muß natürlich auch das Eigengewicht des Hebels berücksichtigt werden. Wenn man die Prüfsäule zu Druckversuchen benutzt, (Abb. 3) so kann zur Messung ein Dynamometer verwendet oder der Druckkörper unmittelbar auf die Wage gesetzt werden. Auch größere Konstruktionsteile, z.B. Kastenträger und Bügel von Preßwerkzeugen, sind mit Hilfe der Säule untersucht werden. Erstere wurden gleichzeitig auf Biegung und Torsion, letztere nur auf Biegung belastet. Die auftretenden Kräfte konnten bis 15000 kg gesteigert werden, und nach einer Verstärkung der Prüfvorrichtung erwiesen sich sogar Beanspruchungen bis 80000 kg als zulässig. Zur Herstellung der einfachen Säule einschließlich der Entwurfskizzen waren 14 Tage erforderlich. Die Bauzeit für die verstärkte Säule von der ersten Skizze bis zur Inbetriebsetzung war 3 Wochen. Hinsichtlich der Genauigkeit |285| der Versuchsergebnisse standen die beschriebenen Vorrichtungen hinter den käuflichen Materialprüfmaschinen nicht zurück. Sie übertrafen dieselben in Bezug auf die Verwendungsmöglichkeit. Bei Vornahme von Massenversuchen erwiesen sie sich allerdings als weniger bequem.

Schmolke.

Die künstliche Trocknung von Nutzhölzern. In der Zeitschrift: Der praktische Maschinenkonstrukteur Nr. 24, Jahrgang 1921, berichtet Oberingenieur Otto Brandt, Charlottenburg, über künstliche Trocknung von Nutzhölzern. Einleitend werden die Bestandteile und Eigenschaften des Holzes, seine Feuchtigkeitsgrade und das Schwinden der gebräuchlichsten Hölzer behandelt. Dann wird das Wesen der Holztrocknung erörtert, die künstliche Holztrocknung und die Rolle der Luftfeuchtigkeit bei dem Trocknungsvorgang behandelt. Anschließend wird die Dämpfung der Hölzer besprochen, sowie ein Ueberblick über ältere und neuere Warmluft-Holzrocknungsanlagen gegeben. Es werden künstliche Holztrocknungsanlagen mittels Temperaturdifferenz, Saugluftbetrieb, und nach dem Druckluftverfahren behandelt. Dann erörtert der Verfasser die Gesichtspunkte bei Errichtung von Kammer- und Kanal-Trocknungsanlagen nach dem Druckluftverfahren und die Ausführung des baulichen und maschinellen Teils solcher Trocknungsanlagen. Hierauf folgt die Erörterung des Wärme- und Luftbedarfes für Holztrocknungsanlagen, das Stapeln der Hölzer, die Arbeitsweise von Kammer- und Kanaltrocknungsanlagen. Auch die Trocknung von gemesserten Furnieren ist kurz gestreift. In dem Abschnitt „Arten der Heizmittel für Warmluft-Holztrocknungsanlagen“ weist der Verfasser besonders auf die Abwärme-Ausnutzung bei einer Auspuffdampfmaschine, Kondensations-Dampfmaschine, Lokomobile mit Kondensation hin.

Der Schlußabschnitt behandelt die künstlichen Holztrocknungsverfahren durch Elektrizität, auf chemischem Wege und durch Kälte.

B.

Werkstattstechnik.

Gleitende oder rollende Reibung? Das Gleitlager ist in hohem Maße durch das Wälzlager ersetzt, das als Rollen- und Kugellager ausgebildet ist und die gleitende Reibung in eine rollende umsetzt. Für die Wahl der einen oder anderen Ausbildung sind von Fall zu Fall die Betriebsverhältnisse maßgebend. Man unterscheidet Drucklager zur Aufnahme des Druckes in der Achsenrichtung und Traglager für den Druck quer zur Achse. Die Zapfenreibungszahl von Wälzlagern ist nach Versuchen von Stribeck weniger abhängig von Lagerbelastung, Zapfenumfangsgeschwindigkeit, Temperatur usw. als bei Gleitlagern. Für Wälzlager ist namentlich die Bauart des Lagers, die Härte des Materials und die Form der Laufrillen von Wichtigkeit. Die bereits früher auf dem Gebiete des Transportwesens verwandten Rollenlager haben den Nachteil, daß die Walzen zu lang sind und daher leicht schränken und klemmen. Die neuen Präzisionsrollenlager besitzen daher Wälzkörper, deren Länge höchstens das 1,5-bis 2fache des Rollendurchmessers beträgt. Der Außenring des Rollenlagers wird schwach ballig geschliffen, wodurch eine gewisse Selbsteinstellung des Lagers und Verlegung des Druckes auf das mittlere Drittel der Rolle ermöglicht wird.

Ein von Stribeck aufgestelltes Schaubild veranschaulicht, daß für Gleitlager ein Vielfaches derjenigen Arbeit erforderlich ist, die bei Wälzlagern für die Ueberwindung der Lagerreibung genügt; besonders ist beim Inbetriebsetzen der Gleitlager die Reibungsziffer erheblich höher, als während des Betriebes, weil im Ruhezustand unmittelbare Berührung von Zapfen und Lager stattfindet und erst in der Bewegung das verdrängte Schmiermittel wieder eintritt und eine günstigere Reibungsziffer einstellt. Demgegenüber ist der Kraftverbrauch oder die Reibungsziffer beim Wälzlager in jedem Falle gleich niedrig. Sonderausführungen des Wälzlagers gestatten Winkeländerungen und Wellenbiegungen oder Fehler bei der Aufstellung bei gleichbleibendem Lagerdruck. So führt das Pendellager zwei Reihen Stahlkugeln im Käfig und ermöglicht infolge der kugelförmigen Laufbahn im Außenring eine Selbsteinstellung des Lagers bei Winkeländerung von Achsen und Wellen. Zur Aufnahme reiner Achialdrücke dienen die Druck- oder Längslager, deren Kugeln zwischen gerillten Druckscheiben liegen. In Fällen, wo die Beanspruchung nicht genau achial erfolgt, wird durch Verwendung kugeliger Druckscheiben eine Einstellbarkeit der Längslager erzielt. Rollenlager wirken durch Linienberührung im Gegensatz zur Punktberührung bei Kugellagern und gestatten im Verein mit der günstigen Faserlage des Materials vorübergehende Ueberlastung bis 50 %. (Dipl.-Ing. Joesten in Braunkohle 1921, Heft 16).

Kae.

Wärmewirtschaft.

Wärmewirtschaft in der Ziegelei- und Tonwarenindustrie. Ofenanlagen, insbesondere Kammer- und Ringöfen verlangen in erster Linie einen Untergrund, der von Bodenfeuchtigkeit und Grundwasser frei ist. Sonst wird ein Teil der Wärme nutzlos zur Verdampfung von Wasser verbraucht, die Zugverhältnisse werden ungünstig beeinflußt, auch leidet die Haltbarkeit der Ofenanlage infolge von Spannungen und Lockerungen. Arbeitet der Ofen ununterbrochen, so wird der Boden allmählich ausgetrocknet und saugt um so gieriger Feuchtigkeit an. Hiergegen schützt man sich durch eine starke Schicht von festgestampftem gröberem Kies unter dem Ofen mit vielen Abzügen, um das Wasser abzuleiten. Unter den Brenn- und Feuerkanälen si*d noch besondere Isolierschichten aus Bruchstein, Kies oder sandigem Lehm anzubringen, die mit Ziegelsteinen gepflastert werden. Felsiger Baugrund ist nur für Oefen mit kleiner Grundfläche vorteilhaft. Bei Oefen von großer Breite und Länge wird zweckmäßig über den Baugrund eine Schicht aus sandigem Lehm oder Ton gelegt. Bei allen Ofenanlagen sind die Verankerungen so einzurichten, daß man sie nach Bedarf nachlassen oder anziehen kann.

Mit Rücksicht auf die Ausnutzung der Brennstoffe kann man unterscheiden: 1. Behelfsöfen, wie Feldbrandöfen und die sogenannten alten deutschen Oefen; 2. absatzweise arbeitente Einzelöfen mit überschlagender Flamme und halbkontinuierliche Gruppenöfen mit Plan–, Treppenrost- oder Schüttferungen, Halbgas- oder Gasfeuerungen und besonderen Schornsteinanlagen; 3. fortlaufend arbeitende Brennöfen, wie Ringöfen, Kammer- oder Kanal- und Tunnelöfen mit Schutt-, Halbgas- oder Gasfeuerungen. Behelfsöfen verlangen ungewöhnlich viel Brennstoff und sollten nur in Ausnahmefällen verwendet werden. Die Oefen mit unterbrochenem Betrieb werden hauptsächlich zum Brennen besonderer Waren gebraucht. Am ausgiebigsten läßt sich der Brennstoff in den ununterbrochen arbeitenden Oefen ausnutzen. (Fabrikdirektor P. Schneider, Vortrag in einem Wärmekursus, der auf Veranlassung der Hauptstelle für Wärmewirtschaft, Berlin, in Breslau und Görlitz für die Ziegelei- und Tonwarenindustrie abgehalten worden ist.)

Ausnutzung von Abwärme bei Wassergasanlagen. Die vom Kühlwasser das Gaswäschers aufgenommene |286| Wärme wird im Gaswerk der Stadt Leipzig zum Vorwärmen von Wasser für das 300 m entfernte städtische Bad verwertet. Das Werk erzeugt jährlich rd. 9 Mill. m3 Wassergas, zu deren Kühlung rd. 84000 m3 Wasser erforderlich sind. Das Wasser verläßt die Gaswäscher mit rd. 70° C und heizt, da es nicht unmittelbar für Badezwecke verwendbar ist, zwei Oberflächenvorwärmer von je 75 m2 Heizfläche (Dr.-Ing. A. Paul, „Das Gas- und Wasserfach,“ 27. 8. 1921.)

Technik der Kesselspeisewasser-Behandlung. Es wird erneut auf den Unfug hingewiesen, der mit der Anpreisung von Geheim- oder Universalmitteln zur Verhinderung von Kesselstein getrieben wird, deren wirklicher Wert in keinem auch nur annähernd angemessenen Verhältnis zum Verkaufspreis steht. Die „Erfinder“ rechnen vielmehr mit mangelnder Einsicht und Sachunkenntnis weiter Kreise und ziehen daraus ungerechtfertigten Gewinn, garnicht zu reden von der Gefahr, die diese zweifelhaften Mittel dem Kesselbetriebe bringen. Die wirksamen Bestandteile der Geheimmittel sind hauptsächlich Soda und Aetznatron, daneben einige Salze, die ihres hohen Preises wegen für eine wirtschaftliche Wasserreinigung nicht in Frage kommen. Die den Gebrauchsanweisungen beigegebenen Berechnungen sind wertlos, da meist ungewöhnlich günstige Wässer zugrunde gelegt sind, und sie ihrer Herkunft nach nicht fachlicher Seite entstammen. Organische Mittel bewirken zwar die leichtere Ausfällung der Härtebildner, jedoch brennt einerseits der dabei entstehende Schlamm leicht fest, andererseits wird der Dampf durch die meist leichtflüchtigen Stoffe verunreinigt. Die Verwendung von Anstrichmitteln, Graphit, Ruß usw. mit Teer, Asphalt oder Oelen gemischt, bedarf größter Vorsicht, da die leichtflüchtigen Stoffe vielfach die Arbeiter beim Anstreichen gefährdet haben. Jeder Sachkundige weiß, daß jedes Speisewasser einer individuellen Beurteilung und Behandlung bedarf, und unsere heutige Wasserbehandlungstechnik besitzt wirtschaftliche, auf wissenschaftlicher Grundlage beruhende Verfahren zur sicheren und gefahrlosen Verhütung des Kesselsteins. Es ist also von jeder Verwendung von Geheim- oder Universalmitteln abzuraten. (Ing. Chemiker Graulich, Zeitschrift f. Dampfkessel und Maschinenbetrieb 1921, Nr. 32).

Kae.

Die Selbstverwaltung in der industriellen Wärmewirtschaft. Die Hauptstelle für Wärmewirtschaft hat am 22. und 23. September in Dresden ihre Jahresversammlung abgehalten, die ein für die weitere Entwicklung der wärmewirtschaftlichen Organisation bedeutsames Ergebnis gehabt hat.

Auf Veranlassung des Vorstandes hielt der Geschäftsführer der Hauptstelle, Herr Professor Eberle, einen Vortrag über „Die Selbstverwaltung in der industriellen Wärmewirtschaft,“ der in der Forderung gipfelte: „Ueberlassen wir der Industrie und deren Wärmestellen die Förderung ihrer Wärmewirtschaft; sie haben den richtigen Weg beschritten und werden im Bewußtsein der Verantwortung auch zum Ziel gelangen.“ Die aus den Spitzen sämtlicher mit der Brennstoffbewirtschaftung betrauten Behörden des Reiches und der Länder, den Vertretern sämtlicher von der Industrie gegründeten Wärmestellen und zahlreichen sonstigen Fachleuten bestehende Versammlung schloß sich dieser Forderung einstimmig an.

Aus dieser Tatsache kann geschlossen werden, daß auch die Reichs- und Landesbehörden sich von der Zweckmäßigkeit des baldigen vollständigen Abbaues der amtlichen Wärmewirtschaftstätigkeit überzeugt haben.

Brennstofftechnik.

Rohbraunkohlenverwendung beim Ziegelbrennen. Wie in anderen industriellen Zweigen ist man auch in der Ziegelindustrie beim Ringofen dazu übergegangen an Stelle langflammiger Steinkohle, Rohbraunkohle oder in wechselnder Mischung Rohkohle, Briketts oder Koks mit Steinkohle zu gebrauchen. Wegen der größeren Brennstoffmengen sind höhere Sohlkanäle und erweiterte Schächte anzubringen. Zumeist verfeuern die Ziegeleien den Brennstoff unmittelbar im Streufeuer. Betriebsergebnisse haben gezeigt, daß man bei Braunkohlen-Briketts etwa die doppelte, bei Rohkohle mit 40 % H2O und 5 % Asche das 3- bis 3,5fache der Brennstoff menge bei Steinkohlenfeuerung benötigt; zugleich verringert sich naturgemäß der Feuerfortschritt.

Auch für gasbeheizte Ringöfen (Generatorbetrieb) ist die Rohkohle geeignet, es empfiehlt sich aber das Gas vor Eintritt in den Ofen zu trocknen. Im Aachener- und Westerwäldergebiet werden zur Zeit Ziegeleien auf Gasheizung umgestellt. Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit ist die. unmittelbare Verfeuerung der Kohle als die behelfsmäßige, Gasheizung als die endgültige Umstellung anzusehen. Letztere kommt wie auch sonst in der Industrie nur für Ziegeleien in Betracht, die am Gewinnungsorte von Braunkohle liegen oder aber für den Dauerbetrieb Steinkohlen schwieriger beschaffen können als Braunkohle. (Dipl.-Ing. Weiß und Dr.-Ing. Becker in Braunkohle 1921, Heft 20).

Kae.

Ueber die Hydrierungsprodukte des Naphthalins macht Dr.-Ing. Schön nähere Mitteilungen. Bekanntlich gelingt es, mit Hilfe der Wasserstoffanlagerung das feste Naphthalin in flüssige Kohlenwasserstoffe zu verwandeln, die mannigfacher technischer Anwendung fähig sind. Da das Naphthalin fünf Doppelbindungen enthält, lassen sich fünf verschiedene Hydronaphthaline gewinnen, je nachdem 2, 4, 6, 8 oder 10 Wasserstoffatome in das Naphthalinmolekül eingeführt werden. Diese Verbindungen sind alle bereits seit längerer Zeit bekannt, ihre Herstellung erfolgte jedoch bisher nur im Laboratorium in kleinen Mengen und auf recht mühevolle Weise. Die technische Gewinnung der Hydronaphthaline beruht auf den bahnbrechenden Arbeiten von Sabatier und Senderens, die in dem feinverteilten Nickel ein vorzügliches Mittel zur Anlagerung von Wasserstoff an ungesättigte organische Verbindungen fanden. So stellten sie vor etwa 20 Jahren durch Ueberleiten von Naphthalindämpfen zusammen mit Wasserstoff über einen aus metallischem Nickel bestehenden Katalysator bei 190° das Tetrahydronaphthalin her und aus diesem gewann etwas später Leroux nach dem gleichen Verfahren das Dekahydronaphthalin.

Dieses Verfahren ist im wesentlichen das nämliche, wie es auch bei der Fetthärtung zur Anwendung gelangt, indessen geht die katalytische Wasserstoffanlagerung bei den ungesättigten Oelen und Fetten viel leichter vor sich als bei den aromatischen Verbindungen (Benzol, Naphthalin usw.), weil diese häufig Verunreinigungen enthalten, die den Katalysator unwirksam machen. Zu diesen sog. Kontaktgiften gehört z.B. auch der Schwefel, der, wie die Untersuchungen von Willstätter und King zeigen, in einer Menge von etwa 0,25 % auch in dem reinsten Naphthalin des Handels enthalten ist und nur sehr schwer zu entfernen ist. Die sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten sind jedoch überwunden worden und die während des Krieges gegründete Tetralin-Ges. m. b. H. stellt in ihrer Fabrik in Rodleben nach einem von Prof. Schröter ausgearbeiteten Verfahren täglich bis zu 100 t Tetrahydronaphthalin |287| her, das unter der Bezeichnung „Tetralin“ im Kriege als Heizöl für unsere U-Boote, heute als Lösungsmittel für Harze, Firnisse, Fette und Wachse sowie auch als Betriebstoff für Kraftwagen Verwendung findet. So ist es gelungen, für das bei der Teerdestillation in großen Mengen anfallende Naphthalin eine neue großzügige Verwendung zu finden. (Oesterr. Chem.-Zeitg., 23. Jahrg., S. 69–70).

Sander.

Elektrotechnik.

Ueber eine neuartige Scheinwerfer-Reklame, die als deutsche Erfindung sich im Fluge das Ausland erobert hat, berichtet Geh. Oberregierungsrat Geitel im „Elektrotechnischen Anzeiger.“ In der Vorkriegszeit suchte sich die Geschäftswelt bei der Lichtreklame, die ja das moderne öffentliche Leben immer mehr beherrscht, in der brutalen Steigerung blendender Helligkeit, in der Häufung schreiender Farbeneffekte zu überbieten. Der Erfolg war eine zunehmende Abstumpfung des Publikums gegen solche rein dynamische Lichtwirkung. Dieser Widerwille und die Notwendigkeit der Elektrizitätsersparnis stellten die Aufgabe, mit einfachen Mitteln starke Wirkungen zu erzielen. Der Atrax-Gesellschaft in Berlin gelang es, einen kleinen, handlichen und billigen, dem Hausgebrauche dienenden Projektor zu konstruieren, der nicht durch aufdringliche und schreiende Lichteffekte, sondern durch die äußere und innere Werbekraft eines künstlerischen farbigen Lichtbildes wirkt. Das Atrax-Lichtbild taucht plötzlich aus unbekannten Tiefen geheimnisvoll auf, um ebenso wieder zu verschwinden. Die angenehme Ueberraschung des Beschauers verwandelt sich immer mehr in lebhaftes Interesse an der eigenartigen Schönheit der Erscheinung und schließlich an dem Werbeinhalt des Bildes selbst. Ein starkes Nachbild bleibt im Gedächtnisse des Beschauers zurück. Die Reklame sitzt. Das Geheimnis der Wirkung des Projektors beruht in seiner zweifachen Originalität: in der Originalität seiner Form und in der Originalität der Oertlichkeit. Das Atrax-Lichtbild kann ohne Projektionsschirm oder Leinwand überall, d.h. auf jeder Fläche und Grundfarbe erscheinen und infolgedessen auch gerade dort auftauchen, wo man es am wenigsten erwartet. Bei alledem ist die Konstruktion so einfach, daß jeder Laie den Projektor ohne weiteres zu bedienen vermag. Der kleine Apparat läßt sich an jeden Lichtkontakt anschließen und verbraucht nur 1/10 kW Strom in der Stunde.

Wirtschaft.

Betriebstechnische Ausstellung in Berlin. Im technisch-industriellen Ausstellungswesen bereitet sich insofern eine Wandlung vor, als man neuerdings dazu übergeht, als Ergänzung zu der bei Messen üblichen Art der Schaustellung fertiger Erzeugnisse für die Zwecke des Warenabsatzes den technischen Fortschritt an ausgewählten für die Belehrung geeigneten Musterbeispielen zu zeigen. Einen Versuch in dieser Hinsicht stellt die Betriebstechnische Wanderausstellung dar, die von der Arbeitsgemeinschaft deutscher Betriebsingenieure im Vereine deutscher Ingenieure zusammengebracht worden ist.

Inhalt und Ziel der Ausstellung werden am besten gekennzeichnet durch die Ausdrücke: „Steigerung der Güte“ und „Verminderung der Kosten.“ Die Steigerung der Güte kommt in der Hauptsache in der „Abteilung Messen“ zum Ausdruck. Es werden hier die für die Fertigung in der mechanischen Industrie wichtigsten Meßwerkzeuge und zwar sowohl einfachste Handmeßwerkzeuge wie genaueste optische Meßgeräte gezeigt. Von der Handhabung und dem Verwendungsbereich kann sich jeder Besucher durch eigene Messung ein Bild machen, sowie Anhaltspunkte für die Wahl des bestgeeigneten Meßgerätes gewinnen. Die Möglichkeit der Verringerung der Kosten wird in den Abteilungen Arbeitsverfahren, wirtschaftliche Vergleiche der verschiedenen Fertigungsarten, Fabrikanlagen und Fabrikorganisation gezeigt. Beachtung verdient auch die Abteitlung Berufseignung, in der an Beispielen die Verfahren und Apparate für die Prüfung der Berufseignung gezeigt werden. Die damit erzielten Ergebnisse sind ausgewertet und übersichtlich zusammengestellt.

In sämtlichen Abteilungen ist besonderer Wert auf eine sinnfällige Darstellung durch Vergleiche und Gegenüberstellungen gelegt worden.

Die Ausstellung soll durch die Ortsgruppen der Arbeitsgemeinschaft deutscher Betriebsingenieure wandern und laufend ergänzt und der Entwicklung angepaßt werden. Sie ist bereits in Cassel und Stuttgart den Fachkreisen zugänglich gemacht worden und gelangt nunmehr in der Akademischen Hochschule für bildende Künste in Charlottenburg, Hardenbergstr. 33, zur Aufstellung. Sie ist täglich von 9 bis 6 Uhr geöffnet. Der Zutritt ist den Mitgliedern des Vereins deutscher Ingenieure und der Arbeitsgemeinschaft deutscher Betriebsingenieure gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte gestattet. Für Angehörige deutscher Firmen sind Eintrittskarten bei der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft deutscher Betriebsingenieure, Berlin NW 7, erhältlich.

Der Bund der Reichsdeutschen in Oesterreich hat folgendes wirtschaftliche Programm aufgestellt:

1. Förderung und Ausbau der gemeinsamen Interessen und wechselseitigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und Deutschland

  • a) durch Beseitigung der bestehenden Hemmnisse in: Ausfuhr-, Einfuhr-, Durchfuhr- und Zollfragen;
  • b) durch Ausbau des Verkehres und Einschränkung der Paßformalitäten auf das unumgänglich notwendige Maß;
  • c) durch finanzpolitische und Warenkredit-Hilfe, insbesondere Erleichterungen bei Beschaffung der Valuta.

2. Fühlung- und Einflußnahme auf die Behörden für Industrie, Handel und Arbeit

  • a) durch ständige Verbindung mit den deutschen Vertretern des Reiches;
  • b) durch Stellung eines Beirates von Vertretern der Industrie und des Handels bei den deutschen Behörden; Vertretung von Arbeitsinteressen;
  • c) durch ständige Berichterstattung über die in den gegenseitigen wirtschaftlichen Beziehungen gemachten Erfahrungen; Verwertung der letzteren bei allen behördlichen Anordnungen.

3. Förderung und Ausbau der sozialen Aufgaben für alle Mitarbeiter deutscher Industrie und Handels

  • a) durch Hebung des Versicherungswesens bei Krankheit usw.;
  • b) durch Schaffung und Nachweis von Arbeitsgelegenheit;
  • c) durch Ausgleich der Bestrebungen von Kapital und Arbeit.

4. Förderung der wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Bundesmitglieder

  • a) durch Nachweis von Absatzmöglichkeiten;
  • b) Vermittlung von Geschäftsverbindungen, von guten Vertretern usw.;
  • |288| c) Vertretung u. Bearbeitung von Steuerangelegenheiten;
  • d) Vertretungen – Kriegsforderungen;
  • e) Interessenvertretung durch gemeinsamen Abschluß von Verträgen mit Versicherungs-, Speditions- und Revisions-Gesellschaften;
  • f) Schaffung eines Nachschlagewerkes für ständige Benützung durch die Mitglieder.

5. Errichtung von Zweigwirtschaftsgruppen in anderen Staaten.

6. Schaffung einer ständigen Musterausstellung deutscher Erzeugnisse in Wien (Exportmusterlager).

7. Vertretung der deutschen Interessen bei Mustermessen in Oesterreich und den angrenzenden Staaten.

8. Errichtung von Vertretungen für Balkan und die Türkei.

9. Möglichste Zusammenarbeit mit Verbänden ähnlicher Wirtschaftsziele zwecks Förderung aller gemeinsamen Interessen.

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