Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1923, Band 338 (S. 164–170)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj338/ar338032

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Jahrestagung des Maschinenbaues. Der Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten, dem gegenwärtig fast 1153 Einzelfirmen mit 64 Zweigwerken und insgesamt rund 525000 Beschäftigten angehören und 143 Fachverbände angeschlossen sind, tagte vom 31. Mai bis 2. Juni in München. Bedeutungsvolle Fragen waren es, die der Spitzenverband des deutschen Maschinenbaues gerade jetzt zu erwägen hatte und auf der Münchener Mitgliederversammlung durch den Mund seiner führenden Persönlichkeiten kundgab.

Am 31. Mai nachmittags wurden innere Vereinsangelegenheiten, Erstattung des Geschäftsberichtes, Rechnungslegung, Wahlen und Satzungsänderungen erledigt. Einstimmig wurde unter dem Beifall der Mitglieder beschlossen, dem langjährigen Vorsitzenden des Vereins, Herrn Geh. Kommerzienrat Dr.-Ing. e. h. Ernst von Borsig die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Der Erholung war ein Bierabend mit künstlerischen Unterhaltungen gewidmet, der nach der Versammlung Mitglieder und Gäste im Münchener Künstlerverein zusammenhielt.

Die allgemeine öffentliche Mitgliederversammlung, die am l. Juni in der Technischen Hochschule stattfand, wurde durch eine

Ansprache des Vorsitzers des Vereines, Generaldirektor Dr.-Ing. e. h. W. Reuter, eröffnet, der als Ursache des Tiefstandes der deutschen Wirtschaft die Schuldlüge des Vertrages von Versailles kennzeichnete.

Auch der deutsche Maschinenbau steht unter dem Zeichen des uns weiter zugefügten Unrechts, des Einbruches in friedlich arbeitende Gebiete. Der scheinheilige Vorwand zu diesem Rechtsbruche wird aus dem Versailler Vertrage hergeleitet, der, statt der Welt den Frieden zu bringen, Enttäuschungen, Unsicherheit und Streit verewigt. Das Unnatürliche des Vertrages liegt in der Verbindung von unerfüllbaren Ansprüchen mit dem Willen zur politischen und wirtschaftlichen Vernichtung des Deutschen Reiches.

Obwohl die innere Unwahrhaftigkeit des Vertrages längst erkannt ist, fehlt es den verantwortlichen Staatsmännern an Mut zur Wahrheit, nachdem den Völkern als Folge der Bestrafung des deutschen Volkes goldene Berge verheißen worden sind. Die Lüge von der alleinigen Schuld Deutschlands am Kriege und ihre Verbreitung bis in die kleinste Hütte der entferntesten Weltteile ist das Gift, das die schlechtesten Leidenschaften der Völker entfacht hat. Die Schuldlüge muß beseitigt werden.

Dr. Reuter konnte auf persönliche Erfahrungen im Auslande hinweisen, das nicht versteht, daß das deutsche Volk nichts zu seiner Entlastung unternimmt. Unsere ausländischen Freunde fordern als Unterstützung die Veröffentlichung aller zur Entlastung dienenden Unterlagen durch die deutsche Regierung. Erst wenn die Legende von der alleinigen Schuld Deutschlands am Weltkriege beseitigt ist, werden die Völker selber ein erhöhtes Interesse an der Regelung der deutschen Frage nehmen.

Gegen die weitere von den Gegnern über Deutschland verbreiteten Lüge von der angeblichen Blüte der deutschen Wirtschaft und dem mangelnden guten Willen der deutschen Regierung wandte sich Redner mit aller Schärfe. Das Anerbieten des Reichsverbandes der deutschen Industrie an den Reichskanzler beweist auch den guten Willen der deutschen Industrie. Auch der Maschinenbau bekennt sich zur Mithilfe.

Der Vorwurf der Prosperität der deutschen Industrie wird durch die überaus geringen Golderträgnisse der Aktiengesellschaften widerlegt. Wenn es hoch kommt, wird eine Goldmark als Dividende von den Unternehmungen gezahlt, das ist 0,1 v. H. des Aktienkapitals. Die deutsche Wirtschaft muß dazu übergehen, dies deutlicher als bisher in ihren Veröffentlichungen zum Ausdruck zu bringen, ebenso die ungeheuerlichen Zahlen der bisherigen Leistungen aus dem Versailler Vertrag.

Solange die Schuldlüge nicht beseitigt ist, stehen wir allein im Kampfe gegen das uns zugefügte Unrecht. Volk und Regierung müssen eines Willens sein, die Parteiunterschiede müssen fallen; Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen sich die Hand reichen. Auch im Wirtschaftsleben müssen die Beteiligten einheitlich vorgehen, um die Arbeit weiter zu vereinfachen und zu verbilligen und Arbeitslosigkeit fernzuhalten. Auch in der Verbandsorganisation muß diese Vereinfachung Platz greifen, durch Vermeidung von Doppelarbeit und durch Zusammenfassung kleiner Verbände zu größeren Gruppen. Wenn nicht sehr ökonomisch gearbeitet wird, zerfällt die Kraft des Volkes. Dr. Reuter schloß mit den Worten:

„Lasse ein jeder von uns, die wir hier vereinigt sind im Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten, sein Streben einstellen auf Aushalten in dem Kampfe, der uns unbewaffnetem Volke durch Ueberfall mitten im Frieden aufgezwungen wurde und der geht um Deutschlands Freiheit und Bestehen. Ebenso wie die Gegensätze der verschiedenen Gesellschaftsklassen hinter der gemeinsamen Abwehr gegen das uns zugefügte Unrecht zurücktreten sollten, so sollten heute auch alle Stämme unseres lieben Vaterlandes in Nord und Süd der großen gemeinsamen Not gegenüber ein einig Volk von Brüdern sein. Mehr denn je gilt heute für jeden Deutschen sein Vaterland, sein Deutschland, Deutchland über alles.“

Anschließend an die Eröffnungsansprache folgten Ansprachen der Vertreter von Behörden und der Gäste.

Als Hausherr der technischen Hochschule begrüßte S. Magn. Rektor Geheimrat v. Dyck den Maschinenbau unter Hinweis auf die wechselseitigen Beziehungen und Aufgaben der technischen Wissenschaft zur Praxis, Die gesamte Belegschaft des Maschinenbaues ist geinsbesonders auch hinsichtlich der Einführung der Studierenden in die Wirtschafts-Wissenschaft. In Würdigung seiner besonderen Verdienste um diese wurde dem 2. Vorsitzenden des Vereins, Herrn Dr.-Ing. ter Meer, Hannover, die Doktorwürde ehrenhalber seitens der Technischen Hochschule München verliehen.

Im Namen der Bayerischen Staatsregierung begrüßte alsdann Herr Staatsminister Dr. von Meinel insbesonders die Vertreter aus den Grenz- und besetzten Ländern und rief zur Einigkeit auch in allen Berufsständen auf, nicht zuletzt auch hinsichtlich der Opferwilligkeit. Die Regierung erwartet von der Industrie, daß sie zum Besten der Wohlfahrt des Reichs zu Opfern bis zum Letzten bereit ist unter Wahrung der durch den Selbsterhaltungstrieb gezogenen Grenzen. In Anerkennung der Verdienste des Vorstandsmitglieds des Vereins, Baurat Dr. G. Lippart, Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, um die Förderung |165| des technischen Bildungswesens wird ihm der Titel Geheimer Baurat seitens der Staatsregierung verliehen.

Der Vertreter der Reichsregierung, insbesonders des Reichwirtschafts- und des Reichsverkehrministeriums, Ministerialrat Waldeck, würdigt die Schwierigkeiten des Maschinenbaues bei der Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit trotz Besetzung der Rohstoffgebiete. Der Maschinenbau kann bei diesem Bestreben der Mithilfe der Reichsregierung versichert sein.

Exzellenz Jahn vom Reichsfinanzhof betont die Armut des deutschen Volkes nicht nur an materiellen Gütern, sondern auch an allen geistigen. Ein Aufstieg aus dieser Armut wird nur möglich sein mit Hilfe der Industrie.

Als Sprecher der Wirtschaftsverbände erwähnte der Vorsitzende des Bayerischen Industriellenverbandes Dr. Clairmont, daß der Maschinenbau aus deutschem Material mit deutscher Arbeit eine deutsche Veredelungs-Industrie geschaffen hat, womit sein volkswirtschaftlicher Wert erwiesen sei. Dieser aber verpflichtet dann zur Sorge für den technischen Nachwuchs, auf daß diesem ebensolche opferwillige und vaterländish sich verhaltende Männer entsprießen, wie Krupp und seine Leidensgenossen, denen die heute Versammelten ehrfurchtsvollen Gruß und tiefen Dank entbieten.

Für die technisch-wissenschaftlichen Vereine drückte Herr Prof. Matschoss vom Verein deutscher Ingenieure dem Maschinenbau Dank aus für die stets bereitwilligst gegebene Unterstützung zur Förderung der Wissenschaft.

Hierauf ergriff Direktor Dr.-Ing. ter Meer von der Hannoverschen Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft das Wort zum Hauptvortrage der Tagung über

Wirtschaftsfragen des deutschen Maschinenbaues.

Er gab einleitend einen kurzen Ueberblick über die Bedeutung des deutschen Maschinenbaues im deutschen Wirtschaftsleben. Die Zahl der Beschäftigten im reinen Maschinenbau beträgt zurzeit rund 750000. Die Maschineneinfuhr betrug im Jahre 1922 nur 10700 Tonnen gleich rund 2 v. H. der Maschinenausfuhr. Der Wert der gesamten Erzeugung ist unter den heutigen Währungsverhältnissen außerordentlich schwer zu schätzen; zurzeit wird der Maschinenbau wahrscheinlich nur noch von der Textilindustrie, der chemischen und der Eisenhüttenindustrie übertroffen. Das Gewicht der Erzeugung muß im ganzen auf 2 bis 2,5 Millionen Tonnen geschätzt werden.

Das weite Gebiet des Maschinenbaues erhellt aus den mannigfaltigen Herstellungszweigen, die in 12 Gruppen vereinigt sind. Der Maschinenbau steht nach zwei Seiten hin im innigsten Verhältnis zu den anderen Industrien. Er ist nicht nur Lieferer für sämtliche Industriezweige und für die Landwirtschaft, sondern bezieht auch seine Roh- und Hilfsstoffe wieder aus der Industrie.

Aus dieser Stellung des Maschinenbaues im Wirtschaftsleben geht seine Aufgabe hervor, nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen Industrien, die er beliefert, mit Aufwendung der geringsten Mittel an Material und Menschenkraft das in Aussicht genommene Ziel zu erreichen. Das verkleinerte und verarmte Deutschland ist nicht mehr so aufnahmefähig für die Erzeugnisse des Maschinenbaues wie früher. Die gesamte Belegschaft des Maschinenbaues ist gewachsen. Deshalb muß noch mehr wie früher Sorge getragen werden, daß vom Auslande Arbeit nach Deutschland gebracht wird. Neben bester Konstruktion und Ausführung müssen die Maschinen preiswert angeboten werden. Die Bestimmung der Herstellungskosten ist angesichts der Geldentwertung eine schwierige geworden, ganz besonders für den Maschinenbau. Die Anfertigung seiner Erzeugnisse erstreckt sich stets über viele Monate. Beim Abschluß des Verkaufsvertrages kann nicht überblickt werden, in welchem Maße sich Werkstoffe und Arbeitslöhne verteuern. Gleitende Preise sind deshalb eine Notwendigkeit für das Inland. Für die Zahlung, besonders bei der im Maschinenbau üblichen Teilzahlung, müssen besondere Abmachungen getroffen werden, um das Werk vor Verlusten zu schützen. Nach dem Auslande kann nur zu festen Preisen und in Auslandswährung verkauft werden, trotz des damit verknüpften großen Wagnisses.

Dadurch, daß infolge der Gleitpreise bei der endgültigen Abwicklung eines Geschäftes stets ein höherer Betrag an Papiermark eingeht, als der ursprüngliche Preis betrug, wird die Erkenntnis sehr erschwert, ob der Auftrag einen Gewinn gebracht hat oder ob mit Verlust gearbeitet worden ist. Die Bilanzen, wie sie heute aufgestellt werden, mit ihren Zusammenwerfen von Papiermark allerverschiedensten Wertigkeit und Goldwerten lassen die so unbedingt erforderliche Bilanzklarheit und -Wahrheit vermissen.

Wenn man die Verhältnisse für den einzelnen Auftrag erst richtig erkannt hat, ist auch die Wiederherstellung einer Bilanzklarheit möglich. Man kann, auf einem allerdings umständlichen Wege, zu einer richtigen Papiermarkbilanz kommen und von dieser wieder zur Goldmarkbilanz. Die jetzt bestehende Gefahr, daß Scheingewinne errechnet werden und von diesen Dividenden und Steuern bezahlt werden müssen, wird dadurch beseitigt, ein Substanzverlust der Werke verhütet. Dann könnten auch Abschreibungen und Rückstellungen wieder in richtiger Weise vorgenommen werden. Der größeren Belegschaft, die der Maschinenbau heute aufweist, steht keine Mehrerzeugung gegenüber. Die unproduktiven Kräfte sind unverhältnismäßig stark gestiegen. Daher ist die Leistung der Werke, auf den einzelnen Kopf der Belegschaft berechnet, durchweg gesunken, die Herstellungskosten sind dadurch verteuert worden. Da für jede Tonne Fertigerzeugnis des Maschinenbaues mehrere Tonnen Kohlen gebraucht werden, so macht sich jede Lohnerhöhung im Kohlenbergbau, jede Steuerbelastung der Kohle in vielfach verstärktem Maße bei dem Enderzeugnis, der Maschine, bemerkbar. Der Rückgang der Mark während der Monate Februar und März hat eine große Stockung des Auftragseinganges, insbesondere aus dem Auslande, bewirkt und ist ein Warnungszeichen für jene Zeit, wenn wir zu einer endgültigen Stabilisierung der Mark kommen sollten. Dann wird eine harte Zeit für die deutsche, besonders für die Maschinenindustrie, kommen. Daher muß dahin gestrebt werden, jede unproduktive Arbeit, die das Erzeugnis nutzlos verteuert, zu vermeiden. Die dann vielleicht eintretende Arbeitslosigkeit muß in energischer Weise bekämpft werden, nicht allein dadurch, daß bereits arbeitslos Gewordene unterstützt werden, sondern daß man durch geeignete großzügige Mittel verhütet, noch in Arbeit Stehende erst arbeitslos werden zu lassen, um sie dann zu unterstützen.

Zum Schlusse führte der Redner aus, von welcher Wichtigkeit für den Maschinenbau ein gut ausgebildeter Arbeiter- und Beamtenstand ist, und welche wichtige Aufgabe dabei für die Ausbildung der Ingenieure den Technischen Hochschulen zufallen. Nur durch einmütige Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis wird der deutsche Maschinenbau in den |166| Stand gesetzt, sich den schweren Aufgaben gewachsen zu zeigen, das Inland mit guten und preiswerten Maschinen zu versehen und auch im Auslande jenen Platz wieder zu erobern, den er dort früher erfolgreich behauptet hat. So schwer die heutige Zeit auch ist, so liegt doch keine Ursache vor, die Hände resigniert in den Schoß zu legen. Vielmehr ist tatkräftiges Regen, die Zusammenarbeit aller Stände eine unbedingte Notwendigkeit. Dann wird auch Deutschland die trübe Zeit überwinden können und sich wieder zu seiner früheren politischen und wirtschaftlichen Höhe aufschwingen.

Die sich anschließende Aussprache gab weitere aufklärende Anregungen zu den vorbehandelten wirtschaftswissenschaftlichen Fragen.

Nachmittags wurde der Neubau des deutschen Museums auf der Museumsinsel besichtigt und dann die in seinen Räumen vom Deutschen Ausschuß für Technisches Schulwesen, Berlin, veranstaltete Ausstellung der von ihm ausgearbeiteten Lehrgänge besucht. Baurat Dr.-Ing. Lippart, Direktor der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, wies in einer Ansprache auf die Bedeutung der ausgestellten Arbeiten hin, Wandtafeln zeigten Beispiele in Form von vorzüglichen Lehrgangszeichnungen, darunter lagen auf Tischen die zugehörigen Werkstücke ausgearbeitet, ferner die früheren literarischen Arbeiten des Ausschusses und die Methoden der neuen Betriebsfachschule in Berlin. Den richtigen Einblick in die geleistete mühevolle Einzelarbeit gestatteten die Lehrgänge für die einzelnen Berufsrichtungen in ihrer Vielseitigkeit. Die Grundlagen hierfür sind unmittelbar von den erfahrensten deutschen Großbetrieben entnommen. Das Ganze ist ein erfreuliches Werk der Selbsthilfe des Maschinenbaues zu Nutz und Frommen des technischen Nachwuchses.

Am Abend des l. Juni fand im Konzertsaal des Hotels Bayerischer Hof ein gemeinsames Essen der Teilnehmer statt. Am 2. Juni wurde das Walchenseekraftwerk besichtigt.

Kohlen- und Kokszerkleinerung. Die ungeheuren Kohlen- und Kokspreise, die heute sowohl jeden Fabrikbetrieb außerordentlich belasten, als auch im Haushalt schwer empfunden werden, bedingen die sparsamste Verwendung aller Brennstoffe. Es ist daher erforderlich, Kohlen und Koks in einer Stückgröße zu verfeuern, wie die betreffende Feuerungsanlage zur Vermeidung einer unvollkommenen Verbrennung bedingt. Da aber diese Brennstoffe von der Grube oder Zeche selten in einer derartigen Stückgröße erhältlich sind, wie sie gerade benötigt ist, ist man gezwungen, diese Stoffe einer Zerkleinerung zu unterziehen.

Im allgemeinen unterscheidet man im Kohlenhandel 6 verschieden groß gebrochene Kohlensorten, nämlich

Gries unter 10 mm,

Nuß IV von 10–20 mm Korn,

Nuß III von 20–35 mm Korn,

Nuß II von 35–50 mm Korn,

Nuß I von 50–85 mm Korn,

Würfel von 85–100 mm Korn,

welche durch die Zerkleinerung der grob angelieferten Kohlenstücke hergestellt werden müssen. Ist es aber nun schon bei Kohle zweckmäßig, eie Stückgröße der jeweiligen Feuerung anzupassen, so lassen sich gröbere Koksstücke wirtschaftlich überhaupt nicht verbrennen. Die Korngröße dieses Brennstoffes soll für industrielle Zwecke im allgemeinen nicht größer als 60–90 mm, für größere Zentralheizungsanlagen etwa 40–70 mm, für Füll- und Regulieröfen ca. 30–50 mm und für Zimmeröfen ca. 10–30 mm sein. Es ist also die Aufgabe des Kohlen- und Koksbrechers, diese verschiedenen Körnungen ev. unter nachfolgender Sortierung herzustellen, dabei aber die Griesbildung möglichst zu vermeiden, weil Griese leicht unverbrannt durch die Spalten der Roste fallen und daher verloren gehen.

Textabbildung Bd. 338, S. 166
Textabbildung Bd. 338, S. 166
Textabbildung Bd. 338, S. 166

Die ältesten Kohlenbrecherwurden als Backenbrecher nach dem System der bekannten Steinbrecher gebaut (Abb. 1), sie ergeben recht zufriedenstellende Leistungen, haben aber den Nachteil einer ziemlich erheblichen Griesbildung. Trotzdem werden sie auch heute noch für die Zerkleinerung von Braunkohle und in Gasanstalten zum Brechen der Gaskohle verwendet, da sie sehr große Stücke aufnehmen können. In kleiner Ausführung nach Abb. 2 kommen ähnliche Brecher zum Brechen von Zechenkoks für Zentralheizungen zur Anwendung. Ein Produkt mit sehr geringem Griesabfall erhält man durch die Anwendung von Walzenbrechern nach Abb. 3. Bei diesen Brechern erfolgt die Zerkleinerung |167| des Brechgutes durch 2 Walzen, die aus einzelnen Hartguß-Brechringen zusammengesetzt sind, und zwar reiht sich an eine mit Spitzen immer eine mit Schneiden. Dadurch wird bewirkt, daß der Brennstoff nicht zerquetscht, sondern zur Vermeidung von Griesbildung nur gesprengt wird. Im übrigen eignen sich diese Brecher ebenso gut für Kohle als auch für Koks. Eigenartig ist der Arbeitsvorgang bei den sehr in Aufnahme gekommenen Doppelschwingenbrechern (Abb. 4), bei denen die beiden beweglichen Brechbacken, die jede für sich an einem Schwinghebel gelagert sind und durch einen Exzenter angetrieben werden, sowohl eine zangenartige Oeffnung mit Schließbewegung, als auch eine solche in senkrechter Richtung, d.h. also eine einziehende Bewegung ausführen. Es werden diese Brecher vorzugsweise zum Brechen von Zechenkohle benutzt, sie eignen sich aber auch für Steinkohle. Für Lignitkohle, in der häufig größere Holzstücke vorkommen, verwendet man den Lignitkohlenbrecher nach Abb. 5. Bei diesem Brecher fällt das aufgegebene Gut, das stets bereits einen großen Prozentsatz von genügend kleinstückigen Brocken enthält, zunächst auf 2 sich in derselben Richtung drehende Speisewalzen, durch deren Spalt die kleineren Brocken unzerkleinert hindurchfallen, während die gröberen Stücke und insbesondere die holzigen Teile den eigentlichen Brechwalzen zugeführt werden. Diese bestehen aus einzelnen, mit starken Brechzähnen versehenen Brechringen. Jede Walze wird für sich durch eine Schwungradriemenscheibe angetrieben.

Textabbildung Bd. 338, S. 167
Textabbildung Bd. 338, S. 167

Viele Betriebe sind in letzter Zeit auch dazu übergegangen, Torf in größerer Menge als Brennstoff zu verwenden und für diesen möge auf den Messerbrecher (Abb. 6) aufmerksam gemacht werden, der dazu dienen soll, die Torfsoden in etwa Eiergröße zu zerschneiden. Derartige Brecher bestehen aus einem trogartigen Gehäuse, in welchem sich eine mit Stahlmessern versehene Welle dreht. Das in den Trichter des Brechers geworfene Gut wird in der Drehrichtung der Achse auf das gegenüberstehende Messersystem geworfen und hier scherenartig zerschnitten.

Textabbildung Bd. 338, S. 167
Textabbildung Bd. 338, S. 167

Schließlich sei noch auf die Groß-Hammermühlen (Abb. 7) verwiesen, die für Massenleistungen im Braunkohlenbergbau und für die Zerkleinerung von Kohle für Verkokungsanlagen sowie für Brikettierungszwecke bestimmt sind. Die hauptsächlichsten Bestandteile dieser Zerkleinerungsmaschine sind ein rotierendes Schlägerwerk mit gelenkig aufgehängten Schlägern, das sich in einer Mahlkammer mit großer Geschwindigkeit dreht. Dabei stellen sich die Schläger infolge der Betriebskraft starr nach außen ein und zertrümmern das aufgegebene Mahlgut auf einer nachstellbaren Hammerplatte, worauf es durch einen der gewünschten Korngröße angepaßten Rost die Mahlkammer verläßt. (Die Abbildungan zeigen Ausführungen der Alpine-Maschinen-Fabrik-Gesellschaft, Augsburg.)

Die Verwendung schwerer Brennstoffe bei Fahrzeugmotoren. Die Schwierigkeiten, für den Betrieb von Leichtmotoren geeignete Brennstoffe zu noch wirtschaftlichen Preisen zu erhalten, werden von Tag zu Tag größer. Deshalb ist man in allen Ländern und im erhöhten Maße bei uns bestrebt, für Leichtmotoren billige Brennstoffe zu beschaffen. Innerhalb eines Jahres sind die Preise für die gebräuchlichen Brennstoffe, |168| wie Benzin und Benzol, etwa um das 30fache gestiegen, wie die folgende Preistabelle für 1 Liter zeigt:

Benzin Benzol
1. 1. 1922: 17 Mk. 25 Mk.
1. 3. 1922: 19 Mk. 27 Mk.
1. 6. 1922: 24 Mk. 30 Mk.
1. 9. 1922: 132 Mk. 150 Mk.
1. 12. 1922: 690 Mk. 488 Mk.
1. 1. 1923: 690 Mk. 680 Mk.

Neue Brennstoffarten für Fahrzeugmotoren lassen sich nur dann dauernd einführen, wenn die vorhandenen Motoranlagen ohne große Aenderungen dem neuen Brennstoff angepaßt werden können. Dabei genügt es aber nicht, den Vergaser allein für den betreffenden schwerer Brennstoff entsprechend abzuändern, um einen störungsfreien Betrieb zu erreichen. Unsere jetzigen Vergaserbauarten zerstäuben auch schwere Brennstoffe in genügendem Maße und erzeugen ein gleichbleibendes Brennstoff-Luftgemisch bei allen Motorbelastungen. Dieses Gemisch aus schweren Brennstoffen mit hohem Siedepunkt kann aber nicht ohne weiteres störungsfrei in allen Motoren in jedem Betriebzustande verbrannt werden. Die Vergasung der im Vergaser fein zerstaubten höher siedenden Brennstoffsorten erfolgt erst im Motor. Die mit dem Brennstoff in Berührung kommenden Motorteile, besonders die Zylinderwände, müssen deshalb stets so heiß gehalten werden, daß sich der fein zerstäubte Brennstoff an diesen Flächen nicht kondensieren kann.

Bei Verwendung von Brennstoffen mit Siedegrenzen bis zu 300 Grad hat man deshalb bereits versucht, sie durch Abgase stark vorzuwärmen und dann in einem mit heißem Kühlwasser beheizten Vergaser zu zerstäuben, der stark vorgewärmte Luft ansaugt. Außerdem muß das Kühlwasser annähernd auf Siedetemperatur gehalten werden, damit die Zylinderwände möglichst gleichmäßig heiß bleiben. Von wesentlicher Bedeutung ist hier auch eine sicher wirkende Zündung, wobei darauf zu achten ist, daß ein Verölen der Zündkerzen vermieden wird. Auf diese Weise ist es bereits gelungen, Lastkraftwagen mit Teeröl zu betreiben, wobei beim Anlassen des Motors Benzol verwendet wird. Erst wenn der Motor genügend warm ist, kann auf Teeröl umgeschaltet werden. Da aber beim Lastwagenbetrieb der Motor nicht stets gleichmäßig belastet ist, und dementsprechend die Wandungstemperatur schwankt, so hat sich als zweckmäßig erwiesen, neben dem Hauptvergaser, der nur Teeröl verarbeitet, einen kleinen Vergaser zu schalten, der mit Benzol gespeist wird. Weitere Versuche mit Steinkohlenteerölen ergaben, daß diese im warmen Motor gut verbrannt wurden, wobei die Zündkerzen nicht verrußten und der Auspuff klar blieb. Jedoch zeigte sich bei diesen Versuchen, daß sich an den Einlaßventilen eine klebrige Schicht von Kohlenwasserstoffen aus dem Brennstoffe ansetzte, die schließlich ein Hängenbleiben der Einlaßventile zur Folge hatte. Die Erhöhung der Verdichtungsspannung bis zu einem Verdichtungsverhältnis von 6,5 ergab keine weitere Verbesserung, sondern verursachte Klopfen und Selbstzündung.

Um Kraftwagen mit schweren Brennstoffen betreiben zu können, verwendet man neuerdings wiederum Doppelvergaser, die mit zweierlei Brennstoffsorten gespeist werden. Die Deutsche Reichspost befaßt sich neuerdings mit solchen Versuchen. Vergaser dieser Bauart haben zwei Schwimmerbehälter mit entsprechender, für schweren bzw. leichten Brennstoff einregulierter Zerstäubungsvorrichtung, wobei dann das Brennstoffluftgemisch noch durch einen Vorwärmer geleitet wird, der durch Abgase erhitzt wird. Auf diese Weise bietet sich die Möglichkeit, die Kraftwagen mit ⅓ Leichtbrennstoff und ⅔ Gasöl zu betreiben.

Um Petroleum rauchlos verbrennen zu können, hat man die Zündkerze in eine Hilfszündkammer eingebaut, die aus einem kleinen Hilfsvergaser ein Benzolluftgemisch oder dergl. ansaugt, so daß die Zündung durch das leicht entzündbare Benzol eingeleitet wird und dann schnell die Rohöldämpfe zur Verbrennung bringt. Man hat auch bereits versucht, an Stelle der Hilfszündkammer, in die Benzolluftgemisch eingeführt wird, Azetylen durch eine entsprechende Vorrichtung in kleinen Mengen in den Zylinder einzuführen. Die leichte Entzündbarkeit dieses Gases soll eine sichere und schnelle Entzündung der Schweröldämpfe herbeiführen. Mit einem Lastwagen sind damit bereits längere Versuchsfahrten ausgeführt worden. Man hat auch wiederholt versucht, besonders in den letzten Jahren in der Schweiz, den reinen Azetylenbetrieb (also ohne Verwendung noch anderer Brennstoffe) für Kraftwagen einzuführen, doch ist bis jetzt ein bleibender Erfolg nicht zu verzeichnen gewesen.

Es ist bereits darauf hingewiesen worden, daß eine einwandfreie Verbrennung schwerer Brennstoffe durch erhöhte Temperaturen herbeigeführt werden kann, so z.B. durch heiße Zylinderwandungen oder durch erhöhte. Verdichtung. Die widerspenstigen schweren Brennstoffe haben während der Verbrennung im Motor unangenehme Begleiterscheinungen im Gefolge. Es treten bei großer und lang anhaltender Belastung des Motors, wobei sich dieser naturgemäß stärker erhitzt, Unregelmäßigkeiten während der Verbrennung ein, die die Verbrennungsspannung wesentlich erhöhen. Der Motor fängt dann an zu klopfen, wodurch eine starke Beanspruchung des Getriebes entsteht. Schon aus diesem Grunde ist das Klopfen für den Motor sehr nachteilig. Die Drucksteigerung hat naturgemäß eine Temperatursteigerung des Motors zur Folge, er überhitzt sich. Deshalb treten beim Klopfen des Motors meistens bereits nach kurzer Zeit Frühzündungen auf, die die Motorleistung wesentlich verkleinern. Wie in D. p. J. 338, Ste. 100 ausgeführt wurde, sind Untersuchungen im Gange, um festzustellen, auf welche Weise schwere Brennstoffe einwandfrei bei Leichtmotoren verwendet werden können. Diese Versuche haben bereits ergeben, daß durch einen geringen Zusatz gewisser Metallverbindungen usw. auch widerspenstige Brennstoffe ohne Klopfen im Motorzylinder verbrennen.

Wimplinger.

Kritische Betrachtungen über Anlagen mit Wärmespeichern. Es gibt Dampfspeicher, die unregelmäßig zur Verfügung stehende Abdampfmengen aufnehmen und als gleichmäßig fließenden Dampfstrom abgeben, Dampfspeicher, die Frischdampf empfangen und ihn im Bedarfsfall dem Kesseldampf wieder beimischen, Dampfspeicher, die Frischdampf erhalten und bei starker Belastung der Anlage ihren heißen Wasserinhalt dem Kessel zuführen, sowie schließlich Dampfspeicher, die gleichmäßig fließende Abdampfmengen sammeln und nach Bedarf in stärkerem oder schwächerem Strom zurückliefern. Zu der an erster Stelle genannten Art gehört der Rateau-Speicher, den man etwa seit dem Jahre 1901 verwendet. In diesen läßt man den Abdampf von Fördermaschinen der Bergwerke oder Walzenzug-Reversiermaschinen der Hütten treten, die mit Auspuff arbeiten. Der Speicher sammelt die ihm unregelmäßig zufließende Energie und versorgt mit ihr eine Abdampfturbine. Die Temperatur- und Druckschwankungen, |169| die in dem Speicher auftraten, sind gering, da eine Unterbrechung in der Abdampfzufuhr nur minutenlang andauert. Durch Anwendung der Vorrichtung wurde die Ausnutzung des Dampfes beträchtlich erhöht, indessen auf die Kesselanlage keinerlei ausgleichende Wirkung erzielt. Ein Wärmespeicher der zweiten Art ist bereits im Jahre 1897 in Shoreditch, einem Stadtteil von London, auf Vorschlag von Druitt-Halpin in Betrieb gesetzt worden. Die Kessel einer dortigen Müllverbrennungsanlage waren ungefähr für den mittleren Verbrauch der Maschine bemessen. Diese hatte man für eine Spannung von 14 at eingerichtet. Sie konnte indessen auch noch bei 8,5 at Druck die volle Leistung erzeugen. Stieg bei geringem Kraftbedarf die Kesselspannung, so entwich der Dampfüberschuß in den Speicher, der voll aufgeladen war, wenn man einen Druck von 14 at erreichte. Nahm die Belastung der Maschine zu, so sank die Spannung im Kessel, ein Teil vom Inhalt des Speichers verdampfte und unterstützte die Energiezufuhr. Wenn die untere Druckgrenze von 8,5 at erreicht wurde, hörte die zusätzliche Verdampfung auf. Die Brennstoffausnutzung erfuhr eine Steigerung. Die oben an dritter Stelle genannte Lösung der Dampfspeicherungsfrage kann in nachstehender Weise erfolgen. Die Speisewasser-Rohrleitung führt in das Speichergefäß, und außerdem ist dessen Wasserraum mit dem Wasserraum des Kessels durch ein Rohr verbunden, welches vollkommen im Innern des Kesselsystems angeordnet und auf der ganzen Länge innen und außen dem gleichen Druck ausgesetzt ist. Es läßt sich durch ein Ventil absperren, das von außen bedient werden kann. Unmittelbar nach einer sehr starken Inanspruchnahme des Kraftwerkes ist der Dampfspeicher fast ganz entleert. Es wird jetzt die Speiseleitung geöffnet und kühles Wasser in den Speicher eingelassen. Das Ventil der zum Kessel führenden Rohrleitung ist so eingestellt, daß dem Kessel nur so viel Speisewasser zufließt, wie der augenblicklichen Verdampfung entspricht. Der Wärmespeicher füllt sich aber mit Wasser, während der überschüssige Kesseldampf durch einen Kanal, der am Dampfraum des Kessels seinen Anfang nimmt, ebenfalls zum Speicher gelangt und das Speisewasser vorwärmt. Bei steigendem Dampfverbrauch wird die Speiseleitung abgesperrt, und zur Versorgung des Kessels dient das heiße Wasser im Speicher. Der gesamte erzeugte Dampf steht zur Deckung des Bedarfes zur Verfügung. Eine Anlage der beschriebenen Art wurde im Kraftwerk der Hampstead Corporation Electric Light Station errichtet. Es soll durch diese Maßnahme möglich geworden sein, die Dampferzeugung auf das Doppelte und Dreifache zu erhöhen. Der Grund dieses Erfolges ist nach Angabe des Erfinders darin zu suchen, daß sich der Wärmedurchgang durch eine Fläche erheblich günstiger gestaltet, wenn dieselbe nur zum Verdampfen benutzt wird und von der Vorwärmung des Wassers entlastet ist. Man wird dessenungeachtet nicht in Abrede stellen können, daß die erwähnte Behauptung reichlich unwahrscheinlich klingt. Der Ruths-Speicher sammelt eine gleichmäßig fließende Abdampfmenge und gibt sie nach Bedarf ab. Der Kesseldruck ändert sich nicht. Der gesamte erzeugte Dampf durchströmt die Hochdruckmaschine, welche die Grundbelastung der Anlage deckt. Ihr Abdampf fließt zum Speicher und von dort aus zu den Heiz- und Kochapparaten bzw. zur Niederdruckmaschine. Im Kessel ist die Spannung somit höher als im Speicher. Ausnahmsweise kann auch Frischdampf vom Kessel durch eine Drosselverrichtung unmittelbar zum Speicher strömen.

Schwankungen im Kraft- und Heizbetrieb können durch Zentralisierung gemildert werden. Zum weiteren Ausgleich dient der Wärmespeicher. Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Handelt es sich nur um Schwankungen im Kraftverbrauch, so fällt ein Vergleich zugunsten der Frischdampfspeicher aus. Betrachtet man eine Anlage mit 1125 Kw mittlerer Leistung, die im Höchstfalle um 50 v. H. schwankt, so muß die Rohrleitung bei den Frischdampfspeichern 330 m3/St., bei den Ruthsspeichern 20000 m3/St. hindurchlassen. Das Volumen der Vorrichtungen, die lediglich den Kessel mit heißem Speisewasser versehen, ist am kleinsten. Es beträgt 9,4 m3 gegenüber 49,5 m3 bei den Frischdampfspeichern mit Dampfentnahme und 80 m3 bei den Ruthsspeichern. Ueber die zu wählende Art von Dampfsammler besteht somit kein Zweifel. Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Ruthsspeicher infolge des geringen Innendruckes verhältnismäßig leicht ausfallen. Dieser Vorzug geht indessen dadurch verloren, daß sie viel größere Abmessungen erhalten, wodurch die Blechstärke stark zunimmt, da sie bekanntlich proportional dem Durchmesser wächst. Ueberdies bekommen umfangreiche Kessel zwecks Erzielung einer hinreichenden Steifigkeit eine größere Wandstärke, als aus Festigkeitsrücksichten geboten ist. Die Wärmeverluste sind natürlich wegen der kleinen Oberfläche bei Frischdampfspeichern am geringsten. Bei ihnen steht fernerhin immer die ganze Kesselspannung und damit das volle Wärmegefälle für die Energieausnutzung zur Verfügung, während bei Ruths – Speichern der Druck schwankt. Die hierdurch verursachten Verluste lassen sich zwar verringern, indem man den Dampf entsprechend der Spannungshöhe im Speicher nach der ersten, zweiten oder dritten Druckstufe der Turbine strömen läßt. Diese Einrichtung ist aber konstruktiv lästig und ermöglicht überdies nicht die Vermeidung von Dampfwirbelungs- und Reibungsverlusten usw. in den ersten Druckstufen, die entweder gar nicht oder mit schlechtem Wirkungsgrad in geringem Maße mitarbeiten.

Ein anderes Bild erhält man beim Vergleich der Speicher, wenn diese nur zum Ausgleich von Schwankungen im Heizdampfverbrauch herangezogen werden. In diesem Falle ist die gleiche Größe für alle Speicher erforderlich, und wegen ihrer leichteren Bauart sind die Dampfsammler von Ruths am vorteilhaftesten. Dieselben halten überdies infolge ihrer Pufferwirkung alle Heizdampfschwankungen von der Kraftmaschine fern. Unangenehm bemerkbar macht sich bei Frischdampfspeichern die fehlende Ueberhitzung des Dampfes und das Abfallen der normalen Spannung in der Kesselanlage. Diese Mängel können folgendermaßen vermieden werden: Man ordnet den Frischdampfspeicher zwischen zwei Kesselanlagen von hohem und niedrigem Druck an. Bei wechselnder Belastung schwankt der Druck nur in der vorgeschalteten Teilanlage. Sind als Betriebsmaschinen Turbinen vorhanden, so fließen der ersten Hochdruckstufe die unter verschiedener Pressung stehenden Dampfmengen vermittelst getrennter Düsengruppen zu. Sie expandieren bis zum gleichen Druck, um sodann gemeinsam den Niederdruckteil zu durchströmen. Leitet man den Speicherdampf vor dem Ueberhitzer in das Rohrnetz, so tritt auch bei ihm die erwünschte Umwandlung in Heißdampf ein. Gelangen Frischdampfspeicher mit Heißwasserkesselspeisung zur Verwendung, so kann der Unterschied zwischen der maximalen und normalen für das Rohrnetz zur Verfügung stehenden Dampfmenge bei gleichbleibendem Brennstoffverbrauch dadurch vergrößert werden, daß |170| man wahlweise den Kessel mit schwach vorgewärmtem Wasser aus dem Oekonomiser, mit heißem Wasser oder mit einem Gemisch von Beiden speist. Treten sowohl Kraft- wie auch Kochdampfschwankungen auf, so empfiehlt es sich, der Maschine einen Frischdampfsammler vor- und einen Ruths-Speicher nachzuschalten. Bei großem Kraftbedarf leert sich der erstere, während letzterer gefüllt wird, da überreichlich Abdampf zur Verfügung steht. Bei geringem Energieverbrauch entnimmt man dem Ruths-Sammler die fehlende Heizdampfmenge, während sich der Frischdampfspeicher füllt. Der von Dr. Schreber gemachte Vorschlag, nicht Dampf, sondern überschüssige Wärme aus Feuergasen in sogenannten Osmose-Energiespeichern zu sammeln und später zur Dampferzeugung zu verwenden, dürfte zunächst nicht zur Schaffung von Vorrichtungen führen, die mit den beschriebenen Anlagen in Wettbewerb treten können. (W. Pape in Nr. 3 und 4 von Brennstoff und Wärmewirtschaft.)

Schmolke.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: