Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1924, Band 339 (S. 49–53)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj339/ar339012

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Chilenische Eisenbahnwagen. Um die Jahreswende von 1923 auf 1924 verließ der erste Sonderzug mit 3 Personenwagen I. Klasse das Werk Breslau der Linke-Hofmann-Lauchhammer A.-G., um von Hamburg zu Schiff nach Valparaiso (Chile) überführt zu werden. Im ganzen umfaßt der für das gesamte deutsche Wirtschaftsleben überaus wichtige Auftrag 47 gleichartige Wagen, die in wöchentlichen Teillieferungen von 3 bis 4 Wagen die Ausreise antreten sollen.

Die eisernen Wagen unterscheiden sich in mehrfacher Beziehung von den in Deutschland üblichen. Sie haben eine gesamte Länge von etwa 22,5 m bei einer Kastenbreite von 2948 mm und einer Spurweite von 1676 mm. Sie laufen auf 2 zweiachsigen Drehgestellen. Die Entfernung der Drehzapfen beträgt 15,8 m. Wegen der größeren Spurweite erfolgte die Ueberführung nach dem Ausgangshafen auf besonderen Transportachsen, während die eigenen auf einem angehängten Güterwagen mitgenommen wurden.

Die Wagen haben Mittelpufferung und sind mit durchgehender Luftdruck- und damit verbundener Notbremse, sowie Handbremse ausgerüstet.

Die Beleuchtung erfolgt durch 24 elektrische Glühlampen. Der erforderliche Strom wird während der |50| Fahrt selbst erzeugt und über eine zwischengeschaltete Akkumulatorenbatterie den Beleuchtungskörpern zugeleitet.

Mit Rücksicht auf die klimatischen Verhältnisse sind die Wagenwände wegen der auftretenden großen Hitze besonders isoliert, durch Oeffnen der Fenster im Oberlichtaufbau wird für reichliche Entlüftung gesorgt.

Die Wagenräume sind seitlich durch Türen abgeschlossen und haben an den Stirnwänden Uebergangseinrichtungen für Mittelpufferung.

Textabbildung Bd. 339, S. 50

Der 20 m lange Innenraum ist mit naturfarbenem polierten Mahagoniholz und mit Gepäcknetzen sowie Beschlägen in Rotguß ausgestattet. Die mit verstellbaren Rückenlehnen ausgeführten Sitze haben roten Lederüberzug. An jedem Wagenende befindet sich eine Toilette mit Waschgelegenheit. Die beiden an die Toilette anschließenden Sitze können durch Stoffvorhänge für die Nacht als Damenraum abgeteilt werden. Zur Luftbewegung im Wageninnern ist an jeder Toilette ein Ventilator angebracht.

Auch äußerlich zeigen die Wagen durchaus geschmackvolle Formen und Ausstattung, obschon für ihre konstruktive Durchbildung die Vorschriften der Betriebssicherheit vor allem anderen maßgebend waren. waren.

Die vorzügliche Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie, die sich sowohl in dem verwendeten Material, als auch in der konstruktiven Durchbildung und der Ausführung, sowie in der pünktlichen Einhaltung der vorgeschriebenen Lieferfristen offenbart, ist ein neuer Beweis dafür, daß Kriegs- und Nachkriegszeit auf ihr Können keinen nachteiligen Einfluß ausüben konnten. Nach wie vor ist es oberster Grundsatz der deutschen Industrie nur Erstklassiges zu liefern.

Cr.

Die Lage des österreichischen Kohlenbergbaus wird in ihrer vollen Trostlosigkeit beleuchtet in einer sehr ausführlich gehaltenen Denkschrift, welche der Verein der Bergwerksbesitzer Oesterreichs in Wien veröffentlicht hat. Die Kohle wurde in Oesterreich bis Ende 1922 staatlich bewirtschaftet und die Verkaufspreise wurden seit 1915 amtlich vorgeschrieben, wobei man nach sehr engherzigen Grundsätzen verfuhr und, ohne Rücksicht auf die Zechen, lediglich bestrebt war, billige Kohle dem Verbraucher zu beschaffen. Trotz dieser und vielfacher sonstiger Hemmungen gelang es dennoch den Bergbauunternehmungen die Förderung der inländischen Kohlengruben seit dem staatlichen Zusammenbruch um mehr als 30 % zu erhöhen. – Oesterreich verbrauchte im Jahre 1922: 9 Mill. t Kohle oder rund 56 % seines Friedensbedarfs. Von diesem Verbrauch konnten aus den inländischen Gruben 3276000 t oder rund 36 % gedeckt werden, während 64 % des Verbrauchs aus dem Ausland eingeführt werden mußten, und zwar 4,01 Mill. t Steinkohle nebst 1,4 Mill. t Braunkohle. Die letztere wurde zur Hauptmenge aus der „ausländischen“ Tschechoslowakei bezogen, war also böhmische Braunkohle. Wie sehr diese Einfuhr von Kohle aus dem „Auslande“ die Handelsbilanz Oesterreichs belastet, ersieht man nach der Denkschrift daran, daß Oesterreich im Jahre 1922 nicht weniger als 3,6 Billionen Kronen für Kohle an das Ausland zu zahlen hatte. – Die Hebung des inländischen Bergbaus ist darum bei solcher mißlichen wirtschaftlichen Lage des Landes die größte Notwendigkeit und es muß alles daran gesetzt werden, um jeden vermeidbaren Passivposten in der Handelsbilanz auszuschalten. – Dabei hebt die Denkschrift hervor, daß die österreichischen Kohlenbergbaue noch sehr entwicklungsfähig sind und, daß es in Oesterreich noch große Gebiete gibt, die nachgewiesenermaßen Kohle führen und lediglich des Aufschlusses bedürfen. Es könnte dann in absehbarer Zeit die Förderung soweit gesteigert werden, daß der größere Teil des inländischen Kohlenbedarfs aus Eigenkohle gedeckt würde. – Die Denkschrift bringt einzelne vergleichende kurze Statistiken. So wird angeführt, daß Deutschland, einschließlich Polnisch-Oberschlesien, aber ohne Elsaß-Lothringen und ohne Saargebiet, gefördert hat:

1913 1921 1922
an Steinkohle 173 136 130
an Braunkohle 87 123 137
in Millionen Tonnen.

Daraus kann man schnell ersehen, wie sehr stark und mit welchem Erfolge Deutschland es verstanden hat, seine inländische Braunkohlenförderung zu steigern. Deutschland vermochte es, infolge dieser erhöhten Braunkohlengewinnung seine Einfuhr an böhmischer Braunkohle auf weniger als ein Drittel der Vorkriegsmenge herabzudrücken. Die Einfuhr Deutschlands an böhmischer Braunkohle hat nämlich betragen in Millionen t: 1913 ~ 6,5, 1920 ~ 2,3, 1921 ~ 2,7 und 1922 ~ 2. Würde in Oesterreich ein gleiches Vorgehen eingehalten werden, so könnte nach der Denkschrift in kürzester Zeit die Verwendung österreichischer Braunkohle erheblich erweitert werden. Statt dessen haben z.B. die österreichischen Bundesbahnen im Jahre 1922 eingeführt an Steinkohlen 1,1 Mill. t, an Braunkohlen 800000 t, während sie aus |51| dem Inland 200000 t Kohle bezogen. Heimische Braunkohle muß auf den Inlandbahnen darum in verstärktem Maße Verwendung finden. Jedenfalls verlangt die Tatsache, daß die österreichischen Bundesbahnen 1922 800000 t Braunkohlen aus dem Ausland einführten und nur 200000 t inländische Braunkohle verbrauchten, dringend eine planmäßige Untersuchung der hier vorliegenden Gründe. Vielfach liegen da Gewohnheit und Ueberlieferung vor, die ein Verbleiben bei den bisher benutzten Kohlensorten erklären sollen, heute aber, infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage des Landes, abgestellt werden müssen.

Kohlen und Koks. Im Saargebiet belief sich die Kohlenförderung innerhalb des ersten Halbjahres


1922

1923
1923 geg.
1922 in %
Staatsgruben t
Grube Frankenholz t
5162242
143459
2628581
60073
– 49,08
– 58,13
Zusamm. Förderung t 5305701 2688654 – 49,33
Kokserzeugung t 123014 42610 – 65,36

In Polnisch-Oberschlesien brachte der Steinkohlenbergbau im ersten Halbjahr 1923 folgende Resultate, verglichen mit 1922, erstes Halbjahr:

½ 1922 ½ 1923
Kohlenförderung insgesamt t 12594120 13181473
Arbeitstäglich t 86261 90285
Kokserzeugung t 650070 677175
Briketterzeugung t 125947 135799
Erzeugung an
Rohteer t
Teerpech t
Teerölen t
Rohbenzol t
schwefels. Ammoniak t

19944
5693
1979
7005
8224

25175
4089
2414
7106
8306
Versand an Kohle t 8798460 9[...]66050
Versand an Koks t 391708

Glückauf Nr. 36, 8. Sept. 1923, S. 863.

Si.

Die bergbauliche Gewinnung in Tunis hat sich im Jahre 1922 sehr vorteilhaft entwickelt und dementsprechend auch die Ausfuhr wie die folgende offizielle Zusammenstellung dies zeigt:

Gewinnung t Ausfuhr t
1921 1922 1921 1922
Kalkphosphate 1828000 1958000 1455239 2075132
Eisenerz 273410 500000 204012 601622
Bleierz 19945 3000 5997 4921
Bleimetall 13200 10811
Zinkerz 4541 8000 4065 6071
Braunkohle 22207 270

Besonders beachtenswert ist dabei die fast auf das doppelte gestiegene Förderung von Eisenerz, dessen Ausfuhr sogar in 1922 das Dreifache gegenüber 1921 erreichte. Glückauf 1923 Nr. 36 S. 864.

Si.

Chemisch-physikalische Untersuchung von Kohlen in England. Wie in anderen Industrieländern, besonders in Deutschland und in großem Maßstabe auch in den Vereinigten Staaten, so hat man neuerdings auch in England der Konstitution der Kohle eingehende Arbeiten gewidmet. Die Ergebnisse dieser neueren englischen Kohlenforschung faßt der Leiter des berggewerkschaftlichen Laboratoriums zu Bochum Dr. H. Winter in einer umfangreichen Abhandlung (Glückauf 1923 S. 873–880) zusammen. Das Kleingefüge verschiedener englischer Kohlensorten wird in guten Dünnschliffabbildungen vor Augen geführt und unter Beigabe reichlichen Analysenmaterials werden die vielfachen Arbeiten neuerer englischer Spezialforscher charakteristisch beleuchtet. Die Wintersche Abhandlung bietet dem Fachmann dankenswerte Hinweise auf die Konstitution englischer Kohlensorten verschiedenen geologischen Alters, besonders hinsichtlich bituminöser Streifenkohle. Ueberwiegend chemisch -physikalisches Interesse.

Si.

Die Beschaffenheit des Brikettpechs. Infolge der Kohlennot hat die Brikettierung von feinkörnigen Brennstoffabfällen der verschiedensten Art (Schlammkohle, Brikettabrieb, Koksgrus, Rauchkammerlösche, Flugstaub usw.) in den letzten Jahren eine große Verbreitung erlangt. In der Regel benutzt man hierbei als Bindemittel den Destillationsrückstand des Steinkohlenteers, das sog. Hartpech, dessen Beschaffung jedoch in letzter Zeit, namentlich seitdem die großen Teerdestillationen des Ruhrgebietes stilliegen, recht schwierig geworden ist. Infolge der großen Nachfrage nach Brikettpech kommen neuerdings Materialien der verschiedensten Beschaffenheit, bisweilen auch offensichtliche Verfälschungen, unter der Bezeichnung Brikettpech oder Hartpech auf den Markt, so daß es für die Verbraucher von großem Interesse ist, die Anforderungen zu kennen, die an gutes Brikettpech gestellt werden müssen.

Um die Tauglichkeit von Pech für die Brikettierung festzustellen, benutzt man in der Praxis häufig die Kauprobe, wobei das Pech zwischen den Zähnen nicht zerspringen und knirschen darf, sondern knetbar und plastisch werden soll. Zur eingehenderen chemischen Prüfung des Peches ist es nötig, seinen Schmelzpunkt, seinen Gehalt an flüchtigen Bestandteilen und an unlöslichem Kohlenstoff, evt. auch seinen Aschegehalt festzustellen, der indessen nur selten 0,5 v. H. übersteigen dürfte. Der Schmelzpunkt von gutem Brikettpech soll zwischen 65 und 75 Grad C. liegen, der Gehalt an flüchtigen Bestandteilen soll 40–50 v. H., nach Spilker jedoch mindestens 55 v. H. betragen. Ferner sollen in Anilin und Pyridin 70–75 v. H. des Peches löslich sein, woraus sich ein Gehalt an freiem Kohlenstoff von 30–25 v. H. ergibt. In der Regel enthält Pech, das aus Gasteer gewonnen ist, etwas mehr freien Kohlenstoff als Pech, das aus Kokereiteer stammt. Von dem Gehalt des Peches an freiem Kohlenstoff ist zweifellos in hohem Maße seine Bindefähigkeit und bis zu einem gewissen Grade auch sein Erweichungspunkt abhängig, doch verbietet sich in der Praxis vielfach die Verwendung eines niedrig schmelzenden Peches trotz seiner größeren Bindekraft, weil sich derartiges Pech, namentlich im Sommer, nicht zu Staub vermählen läßt und häufig die Mahlanlagen verschmiert, wodurch leicht Betriebsstörungen hervorgerufen werden. Man muß somit auch hierauf bei der Auswahl des Peches Rücksicht nehmen und wird zweckmäßig im Sommer ein Pech von etwas höherem Erweichungspunkt verwenden als im Winter.

In jüngster Zeit hat sich Grounas eingehend mit der Beschaffenheit des Brikettpechs und seiner Prüfung befaßt und hierbei eine Reihe von interessanten Beobachtungen gemacht, worüber Thau in „Glückauf“ 1923, S. 97, berichtet. Er führt als Kennzeichen eines guten Peches an, daß ein in warmem Wasser von 50 bis 55 Grad liegendes Pechstäbchen sich wie eine Schraubenspirale verdrehen läßt, ohne seine Form zu verlieren oder zu reißen. Auch er betont, daß ein Gehalt des Peches an freiem Kohlenstoff von mehr als 30 v. H. die Bindekraft nachteilig beeinflußt. Zur Bestimmung des freien Kohlenstoffs, benutzt er Schwefelkohlenstoff, |52| während bei uns für diese Prüfung meist Anilin und Pyridin Verwendung finden. Einen weiteren wertvollen Anhaltspunkt für die Beurteilung von Brikettpech bietet die Verkokungsprobe im Platintiegel. Gutes Pech liefert hierbei einen vollständig flachen Kokskuchen mit einer Oberfläche von gleichmäßig schwarzgrauem Aussehen, wogegen ein stark aufgetriebener Kokskuchen mit einer ausgesprochenen Kuppe und bräunlich gefärbter, schillernder Oberfläche ein Erkennungszeichen für schlechtes Brikettpech ist. Gutes Brikettpech wird bei der Destillation von Kokerei- und Gasteer sowie auch von Wassergasteer erhalten, dagegen besitzen die aus Hochofenteer und Generatorteer gewonnenen Peche nur sehr geringe Bindekraft. Diese Peche bestehen vorwiegend aus aliphatischen Verbindungen, denen anscheinend jede Bindefähigkeit fehlt; vermutlich gilt dies auch für das ähnlich zusammengesetzte Urteerpech! Das beste Brikettpech liefert der in stehenden Gasretorten erzeugte Teer sowie der bei der Herstellung von karburiertem Wassergas anfallende Teer, doch ist derartiges, bestimmten Teersorten entstammendes Pech nur schwer zu erhalten, da auf den Teerdestillationen die verschiedenen Teere gewöhnlich in gemeinsame Sammelbehälter abgefüllt werden. Beachtenswert ist schließlich noch, daß bei der Verarbeitung weicheren Peches in Brikettfabriken die sonst auftretenden Hautkrankheiten und Augenentzündungen bei den Arbeitern viel seltener vorkommen.

Sander.

Zerstörender Angriff von Beton durch Gaswasser. Ueber diesen, die in Betracht kommenden Fachleute aufs höchste interessierenden Gegenstand (vergl. die vielen einschlägigen Veröffentlichungen der letzten Zeit) veröffentlicht Dr. Mezger (Stuttgart) eine lesenswerte Arbeit, die in den komplizierten Chemismus dieser Zerstörungserscheinung Licht bringt und auf Grund von bemerkenswerten Eigenerfahrungen den Weg zur Abhilfe weist.

Er prüft zunächst die chemischen Komponenten des Betons auf den Grad ihrer chemischen Angreifbarkeit und kommt zum Schluß, daß der mögliche Angriff des Betons beim Zement und vor allem bei dem im jungen Beton noch reichlichen vorhandenen Aetzkalk dieses zu suchen ist. Dieser ist chemisch außerordentlich wandlungsfähig. Abgesehen davon, daß schon Wasser genügt, um Aetzkalk mehr oder weniger auszulaugen, ist es ja eine jedem Chemiker bekannte Tatsache, daß in allen Ammonverbindungen, und – das Gaswasser besteht ausschließlich aus solchen – bei Gegenwart von Aetzkalk das Calcium unter Freiwerden von Ammoniak an die Stelle dieses tritt. Unter den Ammonverbindungen des Gaswassers wirkt nur das Ammonkarbonat günstig und zwar unter sogenannter Carbonisation auf den Erhärtungsvorgang des Betons. Die andern bilden mit dem Aetzkalk zum Teil lösliche Verbindungen wie das Ammonchlorid oder wirken sie wie schwefelhaltige Verbindungen unter schließlicher Bildung der sehr verhängnisvollen Calciumsulfaluminate, deren sprengende Zerstörungswirkung auf den Beton allgemein bekannt ist. Bei der Besprechung der Schutzmaßnahmen weist der Verfasser darauf hin, daß Versuche durch Erhöhung des Kieselsäuregehaltes durch Mitverwendung von Hochofenzement oder gar Traß um den freien Aetzkalk möglichst rasch abzubinden, leider nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt haben. Denn die Versuche des Moorausschusses des Deutschen Betonvereins gaben in dieser Hinsicht keine Ueberlegenheit von in solcher Mischung hergestelltem Beton gegenüber normalem Beton. In diesem Zusammenhang zitiert der Verfasser die Arbeit von Haas (Referat Dinglers Polyt. Journ. 1924 S. 15), dem er insofern vollkommen zustimmt, als auch er die Wichtigkeit der von diesem gegebenen Anleitung zu einer sachgemäßen sorgfältigen Betonbereitung unterstreicht. Damit lasse sich viel, aber nicht alles erreichen. Den freien Aetzkalk im jungen Beton gegen die angreifenden Komponenten des Gaswassers zu schützen ist nur dadurch in wirksamer Weise denkbar, daß man zwischen Betonoberflächen und das angreifende Agens eine Schutzschicht legt. Dies kann aber durch einen geeigneten Schutzanstrich gelingen. Verfasser bespricht eine Reihe solcher bekanntgewordener Schutzanstriche und soweit etwas über deren Bewährung laut geworden ist, wird auch darauf eingegangen. Anschließend wird dann über sehr gute Erfahrungen des Verfassers mit Inertol-Anstrichen (Hersteller Paul Lechler, Stuttgart) an den betonierten Gaswasserbehältern des Stuttgarter Gaswerks berichtet und deren Herstellungsweise und Größe beschrieben. Diese Betongaswasserbehälter haben seit ihrer ersten Inbetriebnahme vor 14 Jahren keine undichten Stellen gezeigt, obwohl der Inertol-Anstrich niemals erneuert wurde. (Bauingenieur 1922 S. 408 ff.)

Preisausschreiben des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen. Der Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen hat beschlossen, die im Preisausschreiben vom August 1922 bekanntgegebenen Geldpreise unter Berücksichtigung der Verschiebungen in den Währungsverhältnissen seit Veröffentlichung des Ausschreibens mit Wirkung vom Tage der Auszahlung der Preise in angemessener Höhe anderweit festzusetzen. Von den zwei Druckstücken schriftstellerischer Werke, die zur Bewerbung eingesandt werden, wird das eine Stück nach der Preisverteilung zurückgegeben.

Das Preisausschreiben ist seinerzeit in der Nr. 21/22 Jg. 1922 dieser Zeitschrift veröffentlicht worden. Berlin W. 9, Köthener Straße 28/29, im Februar 1924. Geschäftsführende Verwaltung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen.

Vom Bayerischen Arbeitermuseum in München (Staatl. Soziales Landesmuseum) geht uns nachstehender Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung zu:

In jedem Betriebe gibt es an Kraft- und Arbeitsmaschinen, Aufzügen, Transmissionen und Transportvorrichtungen, in Höfen, an Verkehrswegen usw. einzelne besonders gut gelungene Vorrichtungen, Vorkehrungen oder Anordnungen irgend welcher Art, welche Unfallgefahren oder Unfallmöglichkeiten erschweren, vor solchen warnen oder sie verhüten. Manchmal sind solche dankenswerte Einrichtungen der Stolz der betriebsleitenden Persönlichkeiten, manchmal aber auch werden sie, in einem glücklichen Augenblick geschaffen, als Selbstverständlichkeit nicht mehr weiter beachtet. Die Museumsleitung stellt die herzliche und dringende Bitte, von bemerkenswerten Einrichtungen und Vorkehrungen, welchen Zweckes und welcher Art sie auf dem großen Gebiete der Unfallverhütungstechnik nur immer sein mögen, dem bayer. sozialen Landesmuseum (München 22, Postfach 82) Zeichnungen, Abbildungen, Photographien, Skizzen, Negative usw. mit kurzen Beschreibungen schenkungs- oder leihweise zu überlassen, sofern sie sich irgendwie zur Abnahme von Diapositiven für Vortrags- und Vorlesungszwecke eignen. Die Mühe nach solchen, leider meist wenig beachteten und doch so wichtigen |53| Dingen im Betriebe wieder einmal Umschau halten und sie mit Stift oder Platte fixieren zu lassen, lohnt sich reichlich und die Museumsleitung spricht schon jetzt hierfür den herzlichsten Dank aus.

Großer Ausstellerandrang zur Kölner Messe. Die Bekanntgabe des Termins der ersten Kölner Messe (11.–17. Mai) hat zur Folge gehabt, daß eine große Zahl Firmen, sowohl des besetzten Gebietes als auch aus dem übrigen Deutschland, sich neu zur Kölner Messe angemeldet hat. In der vergangenen Woche gingen beim Messeamt täglich ungefähr 100 bis 200 Ausstelleranmeldungen ein. Die Zahl der bis jetzt angemeldeten Firmen beträgt über 10000. Die Raumverhältnisse der Messe gestatten aber einstweilen nur die Unterbringung von rund 2500 Ausstellern. Bei der Standverteilung werden zunächst diejenigen Firmen berücksichtigt, denen bereits im vorigen Jahr ein Platz auf der Messe zugesagt war und die auch schon einen Teil der Standmiete entrichtet haben.

Ueber Wirtschaftsprophetie ist in Nr. 44, 3. Jahrg 1923 der V. d. J.-Nachrichten ein bemerkenswerter Aufsatz von Dr.-Ing. Brasch (Dresden) erschienen, der heute besondere Bedeutung hat. Denn die Rückkehr zur Goldwährung, die jetzt mit der Schaffung der Rentenmark begonnen hat, wird uns die Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft von der gesamten Weltwirtschaftslage wieder vor Augen führen, nachdem das jahrelange Rechnen mit riesigen Papiermarksummen nebst den anderen Folgen der Inflation unser Gefühl für diese Abhängigkeit stark vermindert hatte. Es erscheint also an der Zeit, die Bestrebungen der ausländischen Wirtschaft zur Hebung der Konjunktur und Sicherung des Absatzes zu betrachten, um daraus die entsprechenden Lehren für die deutsche Wirtschaft zu ziehen.

Mit etwas ganz Neuem tritt da das „Committee on Economic Research“ der Harvard-Universität in Cambridge U.S.A. auf den Plan, indem es versucht, aus dem Verlauf der Wirtschaftskrisen von 1907, 1911 und 1919 Schlüsse auf den Konjunkturverlauf in der näheren Zukunft zu ziehen. Der Erfolg ist so verblüffend, daß es wertvoll erscheint, darüber zu berichten.

Wohl allen Wirtschaftlern ist aufgefallen, daß die Krisen stets plötzlich nach Zeiten größter Geschäftstätigkeit einsetzen und daß der Aufstieg und Niedergang des Wirtschaftslebens etwa mit dem Verlauf einer Welle verglichen werden kann. Infolge dieser Erkenntnis versuchte man, Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu ziehen, denn den hohen Wert dieser „Wirtschaftsprophetie“ für alle Unternehmer hatte man wohl erkannt. Dem oben genannten Institut ist es jedoch nun wohl erstmalig gelungen, die Analyse des Wirtschaftsverlaufes in einer allgemein verwendbaren und verständlichen Form auszuführen. Hierzu ist die an Uebersichtlichkeit unübertroffene graphische Darstellung gewählt worden, und zwar sind in Abhängigkeit von der Zeit folgende drei Kurven aufgetragen:

A. Der Umfang der Geschäftsdispositionen, spekulativ (Neuyorker Clearingverkehr, Höhe der lombardfähigen Lagerbestände der Industrie, bare Bankeinlagen in Neuyork),

B. Die Geschäftstätigkeit selbst (Warenhandelspreise, Clearingverkehr und bare Bankeinlagen außerhalb Neuyorks [140 Provinzbanken], Roheisengewinnung),

C. Der Geldmarkt (Wechseldiskont, gewährte Kredite und Höhe der Einlagen bei Neuyorker Banken).

Die Kurven sind auf Grund von Monatsdurchschnitten errechnet und auf einen gemeinsamen Index gebracht, da ihr absoluter Wert bei dieser Untersuchung ja nicht von Interesse ist.

Es zeigt sich nun, daß die drei Kurven in der Reihenfolge A-B-C verlaufen, und zwar in ganz bestimmten Abständen, und daß sie ferner nahezu gesetzmäßige Schwingungen ausführen. Die Kurve A verläuft beim Anstieg etwa 2 Monate vor der Kurve B; sie beginnt aber schon zu fallen, wenn B noch weiter ansteigt. Der Sturz letzterer beginnt etwa 6 bis 8 Monate nach dem von A, ist aber dann bedeutend steiler. In einem weiteren Abstand von etwa 2 bis 8 Monaten hinter B folgt die Kurve C; ihr Sinken erfolgt flacher, als der steile Abfall von B. Noch während C fällt, beginnt A wieder zu steigen.

Diese überraschende Gesetzmäßigkeit läßt sich nun recht einfach erklären. In den Zeiten steigender Konjunktur sucht jeder möglichst große Einkäufe zu machen, um die Lager zu füllen. Die Furcht, bei der nun einsetzenden Preissteigerung teurer einkaufen zu müssen, veranlaßt die Erteilung möglichst großer Aufträge, die ihrerseits die Aufnahme von Bankkrediten erforderlich machen. Noch während dieser Zeit der Hochkonjunktur beginnt infolge der einsetzenden Versteifung des Geldmarktes die Kurve A, also das spekulative Moment der Wirtschaft, langsam abzufallen; die Kurven B und C steigen jedoch noch weiter. Das ist ein untrügliches Vorzeichen des nach 6 bis 8 Monaten einsetzenden Niederganges. Teils aus Mangel an Geldmitteln, teils auch aus Mißtrauen beginnen nämlich etwa zu diesem Zeitpunkt die Banken, ihre Kreditgewährung einzuschränken. Nun müssen Teile der Vorräte billiger verkauft werden, um flüssige Mittel heranzuschaffen, und sofort stockt der Absatz, die Kunden stutzen, ziehen gegebene Aufträge zurück und der rapide Niedergang der Geschäftstätigkeit setzt ein. Der Geldmarkt versteift sich jedoch noch weiterhin, namentlich steigen die Zinssätze mit Rücksicht auf die sinkende Konjunktur. Erst nach einigen Monaten erfolgt eine allmähliche Abdeckung der Schulden, dadurch ein Sinken der Zinssätze, und der Geldmarkt verflüssigt sich. Damit kommen aber auch wieder neue Betätigungsmöglichkeiten für die Spekulation, Kurve A steigt und das Spiel beginnt von neuem.

Einen hervorragenden Erfolg hat die auf diesen Grundlagen aufgebaute Wirtschaftsprophetie schon aufzuweisen, indem im Herbst 1919 die tatsächlich nach etwa 6 Monaten einsetzende Krise der Jahre 1920/21 vorausgesagt wurde, während allgemein ein weiteres Anhalten der Hochkonjunktur erwartet wurde. Das sichere Eintreffen dieser Vorhersage gewährt die Aussicht, daß in Zukunft den Geschäftsdispositionen eine festere, nicht allein auf das persönliche Gefühl begründete Stütze gegeben werden kann, zumal die wöchentlich erscheinenden Harvard-Berichte die Kurven fortlaufend ergänzen. Vielleicht wäre es wünschenswert, auch in Deutschland eine ähnliche, auf die deutschen Anforderungen zugeschnittene Einrichtung ins Leben zu rufen, um damit unserer um ihre Zukunft schwer kämpfenden Wirtschaft ein wertvolles Hilfsmittel in die Hand zu geben.

Parey.

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