Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1924, Band 339 (S. 132–136)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj339/ar339033

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Verwendung von Stickstoff zur Entgasung von Kesselspeisewasser. Die Wichtigkeit der Entgasung des Kesselspeisewassers, das stets Luft und geringe Mengen Kohlensäure gelöst enthält, ist in letzter Zeit allgemein erkannt worden, und es ist eine Reihe von Vorrichtungen zur Entfernung der im Wasser gelösten Gase angegeben worden, die schädliche Anfressungen der Kesselbleche verhüten sollen. Wo derartige Apparate nicht vorhanden sind, genügt es nach einem Vorschlag der A.-G. für Stickstoffdünger in Knapsack (Bez. Köln), durch das Kesselspeisewasser einen Strom von Stickstoffgas in feiner Verteilung hindurchzublasen, wodurch die im Wasser gelösten Gase bis auf einen kleinen Rest ausgetrieben werden. Die entweichenden Gase können von Kohlensäure und Sauerstoff durch Waschen mit geeigneten Absorptionsmitteln gereinigt werden, so daß der Stickstoff im Kreislauf stets wieder Verwendung finden kann. (Zeitschrift V. Dt. Ing. 1924, S. 62.)

Sander.

Der Verkehr auf den deutschen Binnenwasserstraßen im Jahre 1922. Die Langsamkeit, mit der sich unter dem Drucke der ungünstigen außerpolitischen Verhältnisse und der damit verbundenen Beunruhigung im Innern der |133| Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft vollzog, kommt auch deutlich in den Zahlen über den Nachkriegsverkehr auf den deutschen Binnenwasserstraßen zum Ausdruck. Wenn auch in 1922 gegenüber dem infolge niedriger Wasserstände sehr ungünstigen Jahre 1921 eine erhebliche Steigerung eintrat, so erreichte der Gesamtverkehr aller Stromgebiete doch nur 60 % des Vorkriegsstandes. Am weitesten hinter dem Vekehrsumfange von 1913 – um volle 78 % – blieb das östliche Wasserstraßennetz zurück, das von den Gebietsabtretungen und den unsicheren Verhältnissen in den neuen Staatengebilden an Deutschlands Ostgrenze besonders schwer betroffen wurde; am wenigsten litt in diesem Sinne das Rheingebiet, dem ein Teil der Reparationslieferungen zugute kam und das damit in noch höherem Maße als 1913 den Haupteil des Binnenwasserstraßen-Verkehrs in sich vereinigen konnte. Nur das Ems-Weser- Gebiet, dieses infolge neu eröffneter Kanalstrecken, und das an Verkehr wenig bedeutende Donaugebiet hatten in 1922 einen größeren Verkehr als in 1913. In allen Stromgebieten war aber die Schiffahrt umfangreicher als im Jahre 1921, vor allem im Odergebiet; hie sogar um 80 %. Verhältnismäßig recht erheblich war auch die Zunahme des Verkehrs auf den märkischen Wasserstraßen (+ 53 %) im Elbgebiet (+ 42 %) und im Rheingebiet (+ 49 %). Auf letzteres entfiel, wie auch in allen früheren Jahren, der absolut weitaus größte Teil des die Binnenwasserstraßen benutzenden Auslandsverkehrs, während im Donaugebiet der Auslandsverkehr mit 69 % des Gesamtverkehrs den verhältnismäßig größten Anteil hatte. Auch auf den östlichen Wasserstraßen war der Auslandsverkehr bedeutend, wenigstens anteilsmäßig.

Auf den deutschen Binnengewässern wurden im Jahre 1913 im ganzen 99,6 Mill. t Güter befördert, das sind etwa ⅕ des Gesamtverkehrs an Gütern auf den deutschen Eisenbahnen, der sich 1913 auf 501 Mill. t belief. Während des Krieges ist der Verkehr auf den Binnenwasserstraßen bis auf 39,6 Mill. t im Jahre 1917 zurückgegangen; der niedrigste Verkehr seit 1913 ist für das Jahr 1919 zu verzeichnen mit nur 33,7 Mill. t. Im Jahre 1920 stieg die beförderte Gütermenge wieder auf 43,3 Mill. t. Im Jahre 1921 ist der Verkehr auf den deutschen Binnenwasserstraßen wieder erheblich zurückgegangen, im Durchschnitt etwa um 12 %. Nur in wenigen Häfen, z.B. in Hamburg, Emden, Alsum mit Schwelgern konnte der Verkehr weiter zunehmen. Als Ursachen dieses Rückganges gelten, neben schlechten Wasserständen in 1921, vielfach preispolitische Gründe, die eine Abwanderung des Güterverkehrs vom Wasserweg auf die Eisenbahn bewirkten, und dann die Verringerung unserer Binnenschiffahrtsflotte, schließlich auch die Schrumpfung unseres Gesamtgüterverkehrs, und dann noch die Umstellung unserer heimischen Produktion, die immer mehr anstrebt, ihren Standort so einzurichten, daß der erforderliche Frachtaufwand für die Beschaffung von Rohstoffen und die Verteilung der Fertigprodukte möglichst klein ist. Letzteres darf man auch nicht außer Acht lassen, daß unser Durchfuhrhandel, also der Frachtgüterverkehr noch lange nicht die Vorkriegshöhe wieder erreicht hat. – Im Jahre 1922 ist der Transport von Steinkohlen, welcher die Grundlage des Verkehrs auf den deutschen Binnenwasserstraßen bildet, gegenüber dem Jahre 1913 immer noch um etwas mehr als ¼ zurückgegangen; – allerdings ist dieser Rückgang um etwas geringer als derjenige des Gesamtverkehrs in 1922. Die Beförderung von Braunkohlen und Torf, die vielfach als Ersatz für die fehlenden Steinkohlen dienen mußten, hatte sich sogar erhöht. Damit ist der Anteil der Brennstoffbeförderung an den Gesamttransportmengen des Jahres 1922 von 32 % in 1913 auf 44 % gestiegen. Die Beförderung an Baumaterialien ist 1922 auf die Hälfte gegenüber 1913 gesunken. Der Transport von Erzen aller Art hat sich in 1922 gegen das Vorjahr 1921 im Zusammenhang mit der Steigerung der Eisen- und Stahlerzeugung, die hauptsächlich auf erhöhter Erzverarbeitung beruhte, fast verdoppelt und damit seinen Vorkriegsanteil an der Gesamtbeförderung von Gütern auf unsern heimischen Wasserstraßen schon um etwas überschritten. Dagegen erreichten die Roheisentransporte in 1922 nur erst ⅓ der Vorkriegsbeförderung, obgleich sie sich gegenüber dem Vorjahr 1921 gleichfalls verdoppelt hatten. Der Holztransport betrug, hauptsächlich wegen der Abtretungen im Weichsel- und Memelgebiet und der Schwierigkeiten im Holzhandel selbst, besonders mit Litauen und Polen, weniger als ⅓ des Vorkriegsstandes. Bei allen Landwirtschaftsprodukten ist der Anteil an der Gesamtbeförderung in 1922 gegen 1913 zurückgegangen; am stärksten bei den Müllereierzeugnissen, von denen nur ⅕ der Vorkriegsmengen befördert wurde, und bei Zucker. Gegen das Vorjahr jedoch hat sich nur die Verschiffung von Getreide verringert. Die Salzbeförderung auf dem Wasserwege war, im Einklänge mit der Ausfuhrsteigerung an Salzen überhaupt, doppelt so groß wie 1913. Bei den meisten anderen Gütern beliefen sich die für 1922 ermittelten Transportmengen auf höchstens die Hälfte des Vorkriegsumfanges. – Die folgende Znsammenstellung bietet einen Ueberblick über den

Gesamtverkehr (Ein- und Ausladungen) auf den deutschen Binnenwasserstrassen und Anteil der Stromgebiete am Verkehr in den Jahren 1913,1920,1921 und 1922.

1913 1920 1921 1922

Stromgebiet
Gesamtverkehr Gesamtverkehr Gesamtverkehr Davon Aus-
landsverkehr
in 1000 t

in 1000 t
in % des
Verkehrs aller
Wasserstr.

in 1000 t

in 1000 t

in 1000 t
in % des
Verkehrs aller
Wasserstr.
Östliche Wasserstrassen
Oder-Gebiet
Märkische Wasserstrassen
Elbe-Gebiet
Ems-Weser-Gebiet
Rhein-Gebiet
Donau-Gebiet
5047
14866
15722
25506
10650
83914
559
3,2
9,5
10,1
16,3
6,8
53,7
0,4
706
6091
5885
8157
12322
38292
340
801
3091
5369
7268
12675
35788
435
1100
5559
8202
10307
15083
53221
626
1,2
5,9
8,7
10,9
16,–
56,6
0,7
249
1
30
654
976
19802
431
Gesamtgüterverkehr in 1000 t 156264 100,– 71793 65427 94098 100,– 22143

*) Ehemaliges Gebiet.

Nach „Wirtschaft und Statistik„ 2. Jahrgang 1922 Seite 446 und 4. Jahrgang 1924 Seite 8 und 9.

Si.

|134|

Die Landesstromversorgung in Sachsen. Nachdem bereits im Jahre 1916 die gesetzlichen Grundlagen für die allgemeine Versorgung des Landes mit elektrischem Strom geschaffen worden sind, hat der sächsische Staat diese Pläne in kürzester Zeit verwirklicht, wobei die bereits bestehenden privaten Kraftwerke in Ost- und Westsachsen, in Pirna usw. den Bestrebungen einer einheitlichen Kraftversorgung nutzbar gemacht wurden. Als Grundlage dienen dabei die bedeutenden Braunkohlenvorkommen des Landes, die auf 4 Milliarden t geschätzt werden. Die unmittelbar an den Gruben errichteten Großkraftwerke bilden die Ausgangspunkte eines weitverzweigten Netzes von Starkstromleitungen.

Die größte Zentrale Sachsens ist das Kraftwerk Hirschfelde bei Zittau, dessen Maschinenleistung gegenwärtig 85000 kW beträgt. Es liegt im Braunkohlenbecken der südlichen Oberlausitz und nimmt 55 v. H. der Förderung auf, während nur 17 v. H. als Rohkohle verkauft und die restlichen 28 v. H. zur Briketterzeugung verwertet werden. Die Kohle wird im Tagebau gewonnen und es werden täglich 10000 t mit elektrischen Zügen bis zu den Bunkern des Kraftwerkes befördert. Ein zweites Großkraftwerk ist in Bohlen im Leipziger Braunkohlenbecken geplant, das erst seit dem Jahre 1921 abgebaut wird. Dieses Kraftwerk soll bis auf 100000 kW ausgebaut werden und mit einer Wasserkraftanlage zusammenarbeiten. Neuerdings ist die Zusammenfassung aller noch verfügbaren, ausbauwürdigen Wasserkräfte des Landes (rd. 150000 PS) geplant. Außerdem hat der sächsische Staat noch Stromlieferverträge für 30000 bis 40000 kW Gesamtleistung mit den in Preußen gelegenen Kraftwerken Lauta, Zschornewitz und Bitterfeld abgeschlossen.

Der Strom wird von den Kraftwerken mit einer Spannung von 100000 Volt abgegeben, das staatliche Leitungsnetz, das gegenwärtig bereits eine Länge von 350 km hat, wird nach Vollendung der im Bau befindlichen und geplanten Leitungen 530 km umfassen. Zur weiteren Verteilung des Stromes an die Städte und Gemeinden sind zahlreiche Umspannwerke und Schaltstellen vorhanden. Die Ausdehnung des Hochspannungsnetzes ist auch über die Grenzen des sächsischen Landes hinaus nach Thüringen und Bayern geplant. (Zeitschr. V. Dt. Ing. 1924, S. 264.).

Sander.

Die Wiener städtischen Elektrizitätswerke. In den Jahren 1901 und 1902 wurden von der Gemeinde Wien zwei Elektrizitätswerke von zusammen 24000 PS in Betrieb genommen, die der Stromversorgung für den Straßenbahnbetrieb und für Beleuchtung und Kraftzwecke dienten. Die Verhältnisse der Nachkriegszeit zwangen dazu, diese Werke vom Bezug ausländischer Steinkohle möglichst unabhängig zu machen. Zu diesem Zweck wurden die Dampfkessel zum Teil für die Verfeuerung von Rohbraunkohle sowie für Oelfeuerung umgebaut. Gegenwärtig sind in den zwei im Stadtgebiete gelegenen Zentralen 85 Kessel mit 31000 qm Heizfläche, 13 Kolbendampfmaschinen und 15 Dampfturbinen von zusammen 165000 PS vorhanden; neben den zwei Kraftwerken bestehen noch 11 Unterstationen, die den Verbrauchern Gleichstrom, Drehstrom und Wechselstrom liefern.

Bereits im Jahre 1912 hatte die Gemeinde Wien durch Kauf die Braunkohlen-Bergbaugewerkschaft Zillingdorf erworben, die im südlichen Teil des Wiener Beckens und in den damals noch zu Ungarn gehörigen, jetzt im Burgenland liegenden Gemeinden Zillingtal und Neufeld Braunkohlengruben besitzt. Diese Gruben wurden während des Krieges und besonders nachher infolge der wachsenden Kohlennot durch Anlage neuer Tagebaue sowie einer Schachtanlage stark erweitert, ferner wurde eine Brikettfabrik und eine 31 km lange Bergwerkbahn gebaut. Zur wirtschaftlichen Verwertung der Zillingdorfer Braunkohle wurde bereits im Jahre 1913 in Ebenfurth mit dem Bau eines Ueberlandkraftwerkes begonnen, das im ersten Ausbau mit zwei Dampfturbinen von je 8000 PS ausgerüstet wurde. Die 38 km lange Fernleitung nach Wien konnte infolge des Kupfermangels erst 1916 in Betrieb genommen werden. Mit der fortschreitenden Erhöhung der Braunkohlenförderung wurde auch das Kraftwerk im Jahre 1918 weiter ausgebaut; es besitzt derzeit 12 Kessel mit zusammen 6000 qm Heizfläche und vier Dampfturbinen von zusammen 40000 PS. Ebenso wurde die Spannung der Fernleitung von 35000 auf 70000 Volt erhöht. Die Entwicklung der Stromerzeugung im Kraftwerk Ebenfurth zeigen folgende Zahlen: 1915: 3 Mill. kWh, 1917: 33 Mill. kWh, 1919: 48,6 Mill. kWh, 1922: 85 Mill. kWh.

An die Fernleitung ist auch eine Reihe kleiner privater Wasserkraftanlagen angeschlossen, die ihre überschüssige Energie (rd. 4,8 Mill. kWh) an das Ueberlandnetz abgeben. Ferner werden im Wiener Stadtgebiete selbst rd. 7,6 Mill. kWh aus sechs Wasserkraftwerken mit zusammen 4000 PS Leistung gewonnen, die in die großen Hauptrohrstränge der zweiten Hochquellenleitung eingeschaltet sind und den in diesen Leitungen vorhandenen überschüssigen Wasserdruck zur Krafterzeugung ausnutzen. Schließlich hat die Gemeinde Wien im Jahre 1921 eine Wasserkraft-A.-G. gegründet, deren Zweck die Nutzbarmachung der Wasserkräfte des Ybbstales (Niederösterreich), der Hochquellenleitungstrecke Lunz–Kienberg–Gaming, später auch noch der Donau ist. Die Fertigstellung der Bauten an der Hauptstufe des Ybbstales ist noch in diesem Sommer zu erwarten. Diese Anlage wird 12000 PS liefern, wodurch die Elektrizitätswerke dann in der Lage sein werden, 50 Mill. kWh aus diesen inländischen Wasserkraftwerken zu beziehen. Der Ausbau der anderen Wasserkräfte ist in Vorbereitung und es schweben auch Verhandlungen wegen des Bezugs von elektrischer Energie aus dem Wasserkraftwerk Partenstein in Oberösterreich.

Im Jahre 1922 erzeugten die Wiener Elektrizitätswerke 309,5 Mill. kWh, hiervon entfielen 212 Mill. kWh auf die beiden städtischen Zentralen, 85 Mill, kWh auf das Ueberlandwerk Ebenfurth und 12,5 Mill. kWh auf die Wasserkraftwerke. Die Werke sind heute bereits mit mehr als einem Drittel ihrer gesamten Erzeugung vom Bezug ausländischer Kohle unabhängig und werden es in 1 ½ Jahren mit mehr als 60 v. H. sein. Außer den Braunkohlen von Zillingdorf und Neufeld, wo 1922 bereits 429000 t gewonnen wurden, verwenden die Elektrizitätswerke auch Steinkohlen aus den Ybbstaler Steinkohlenwerken, zu deren Ausbeutung eine Gesellschaft gegründet wurde, deren Aktien zu drei Vierteln der Gemeinde Wien gehören. Diese Steinkohlenwerke liegen in der nächsten Nähe der Wasserkraftwerke, weshalb beabsichtigt ist, später auf der Grube ein Dampfkraftwerk zu errichten und die darin erzeugte elektrische Energie zum Ausgleich der Wasserkraft und gemeinsam mit ihr auf derselben Fernleitung nach Wien zu leiten. (Wasser und Gas 1924, S. 451–454.)

Sander.

Motorschiff „Challenger“ wurde als erstes amerikanisches Frachtschiff mit Sun – Doxford – Oelmaschinen ausgerüstet. Es war vorgesehen, das im Jahre 1919 gebaute Schiff mit 11800 t Wasserverdrängung von der Bethlehem-Schiffswerft mit einer fünfstufigen Curtisturbine |135| von 2400 PS. bei 3500 Umdrehungen in der Minute als Antriebsmaschine auszurüsten, die durch Zahnradvorgelege die Schraubenwelle mit 90 Umdrehungen antreiben sollte. Die bisher gemachten guten Erfahrungen mit Oelmaschinenantrieb, verbunden mit elektrischer Kraftübertragung für die Hilfsmaschinen, gaben Veranlassung an Stelle einer Dampfturbine eine Sun-Doxford-Zweitakt-Oelmaschine mit gegenläufigen Kolben und einer indizierten Leitung von 3200 PS bei 77–90 Umdrehungen zu verwenden. Die vier Zylinder haben 578 mm Bohrung und 2mal 1155 mm Hub. Der Brennstoff wird ohne Einblaseluft eingeführt. Für das Anfahren und für das Manöverieren der Maschine ist eine Zylinderheizung mit Dampf vorgesehen, der in einem mit Oel gefeuerten Kessel erzeugt wird. Dadurch wird erreicht, daß die Maschine in zuverlässiger und gleichmäßiger Weise noch bei 21 Umdrehungen in der Minute arbeitet.

Zum Antrieb der Hilfsmaschinen sind drei 100 PSe-Worthington-Schweröl-Motoren, ventillose Zweitaktmaschinen mit Vorkammerzündung für je 65 kW bei 220 Volt vorhanden. Die Maschinen haben ebenfalls Kreuzkopfführung, um das Schmieröl der Zylinder von den der Getriebeteile ganz zu trennen.

Die elektrisch angetriebenen Hilfsmaschinen sind von der American Engineeering Co. in Philadelphia geliefert, die über langjährige Erfahrungen in der Ausrüstung von Motorschiffen verfügt. (Schiffbau 1924, S. 373.)

W.

Oelfeuerung für Zentralheizungskessel. Ueber günstige Erfahrungen mit Teerölfeuerung bei einer Zentralheizung berichtet Th. Zanders. Die Ergebnisse der von ihm angestellten Heizversuche sind geeignet, den Koks als Heizstoff für Zentralheizkessel in vielen Fällen zu ersetzen. Der hohe Heizwert von Steinkohlen- und Braunkohlenteeröl sowie die Möglichkeit, fast mit der theoretischen Luftmenge auszukommen, gestatten, sehr hohe Verbrennungstemperaturen zu erreichen. Die Versuche wurden an einem Strebelkessel, Eca II, ausgeführt, wobei an die Stelle der Feuertüre ein Vorflammkessel gesetzt wurde, der jederzeit wieder entfernt werden kann. Durch Auslegen des eigentlichen Kesselflammraumes mit normalen Schamottesteinen wurde erreicht, daß die einzelnen Kesselglieder nicht höher beansprucht wurden als bei normaler Koksfeuerung. Zur Zerstäubung des Heizöles wurde Wind von 280 mm WS - Pressung verwendet. Der Oelverbrauch je qm Heizfläche betrug höchstens 2,4 kg/st, doch wurde diese Menge nur bei äußerster Beanspruchung des Kessels benötigt. Wenn in den zu beheizenden Räumen die gewünschte Temperatur einmal erreicht ist, kann der Oelverbrauch stark verringert, von Zeit zu Zeit sogar ganz unterbunden werden, wodurch große Betriebersparnisse zu erzielen sind. Ein weiterer Vorzug ist der einfache und saubere Betrieb durch den Fortfall der Schlacke und ihrer Abfuhr. Der Oelbrenner muß so beschaffen sein, daß er das Heizöl restlos zerstäubt und daß er sehr fein zu regulieren ist. Besonders vorteilhaft ist die Anlage einer Oelfeuerung dort, wo der Wärmebedarf sich nur auf wenige Stunden im Tage erstreckt, zumal die Anheizdauer außerordentlich kurz ist. Bei richtiger Einstellung des Brenners läßt sich leicht ein sauberer, rußfreier Betrieb erzielen, der fast keine Bedienung erfordert. (Anzeiger f. Berg-, Hütten- und Maschinenwesen 1924, Nr. 32.)

Sander.

Abscheidung von Teernebel auf elektrischem Wege. Durch elektrostatische Anziehung können Stäubchen und Tröpfchen bekanntlich aus der Luft niedergeschlagen werden. Hierauf beruht auch das Cottrell-Verfahren, das im großen Maßstabe angewendet wird, um Flugstaub von Schwefelsäurefabriken und Hochöfen niederzuschlagen. Man hat dieses Verfahren auch bereits zum Verdichten nitroser Gase verwendet, indem man Dampf in die Gase einströmen ließ und auf diese Weise 40 v. H. Salpetersäure erhielt. Besonders eignet sich das elektrische Verfahren zum Teerabscheiden in Kokereien, die das Ammoniak unmittelbar aus den heißen Gasen gewinnen, an Stelle der mechanischen Teerstrahlreiniger, die viel Kraft verbrauchen. Amerikanische Teerabscheider, die mit Glaswolle gefüllt sind, haben eine überraschende Wirkung. Es ist anzunehmen, daß dies durch elektrostatische Anziehung hervorgerufen wird, indem sich die Tröpfchen durch Reibung an der Glaswolle elektrisch laden. Auf den Hütten der Anaconda-Gesellschaft (V. St. A.) werden die Gase beim Rösten des Kupferkieses zunächst in einem Cottrell-Scheider von Staub befreit und dann durch Zutritt kalter Luft stark abgekühlt. Dabei scheidet sich das in den Gasen enthaltene Arsenik als feiner Nebel aus, der in einem zweiten Cottrell-Apparat niedergeschlagen wird. Die elektrische Gasreinigung beansprucht eine sachgemäße Ueberwachung, die Gasgeschwindigkeit spielt hier eine große Rolle. (Glückauf, Bd. 58, S. 144.)

W.

Die Gold- u. Silberproduktion der Welt im Jahre 1923.

Gold Produktion in Millionen Pfd. zu 84 sh 11 ¾ d pro Unze fein.

Jahr

Transvaal
Übr. Gr.-
Britanien
Gr.-Bri-
tan. insges.
Übrige
Länder
Welt-
Produkt.
1913 37,4 21,4 58,8 35,9 94,7
1918 35,8 15,2 51,0 28,0 79,0
1919 35,4 14,7 50,1 24,9 75,0
1920 34,7 13,4 48,1 21,9 69,3
1921 34,5 13,5 48,0 20,0 68,0
1922 29,8 14,4 44,2 19,8 64,0
1923 38,8 13,7 52,5 20,0 72,5
Silberproduktion in Mill.Unzen fein (1911 war Rekordjahr f. Silber).
Jahr Mexiko U. S. A. Kanada Weltprodukt.
1911 79 60 33 226
1918 62 68 21 198
1919 66 57 16 176
1920 67 55 13 173
1921 65 53 13 175
1922 77 56 19 191
1923 90 65 17 212

Nach dem Berichte von Samuel Montagu & Co, London (Schweizerischer Bankverein, Monatsbericht 1924 Nr. 1 Seite 22).

Si.

Die Kohlenförderung Oesterreichs. Die Kohlenförderung weist nach der amtlichen Statistik im Jahre 1923 sowohl für Braunkohle als auch für Steinkohle einen Rückgang gegenüber dem Vorjahre auf. Es wurden gefördert:

1923 1922 1921
Steinkohlen 158183 t 165727 t 137633 t
Braunkohlen 2658907 t 3135902 t 2478862 t

Auf die einzelnen Reviere verteilt sich diese Förderung wie folgt:

1. Steinkohlen:

1923 1922 1921
Niederösterreich 153152 t 162525 t 135875 t
Oberösterreich 5011 t 2795 t 1758 t
Steiermark 20 t 407 t

Von der Steinkohlenförderung entfallen somit rund 97 v. H. auf Niederösterreich, wo im Jahre 1922 allein |136| 15 Betriebe vorhanden waren, während die beiden anderen Gebiete nur je 2 Betriebe aufweisen.

2. Braunkohlen:

1923 1922 1921
Niederösterreich 176068 t 170132 t 158026 t
Oberösterreich 350288 t 481190 t 467032 t
Steiermark 1575025 t 1932062 t 1722928 t
Kärnten 85037 t 100593 t 88266 t
Tirol 36912 t 44471 t 42610 t
Burgenland 435577 t 407454 t
––––––––––––––––––––––––––––––
Zusammen 2658907 t 3135902 t 2478862 t

Steiermark, das im Jahre 1922 von den insgesamt vorhandenen 76 Braunkohlengruben allein 48 Betriebe zählte, liefert somit fast 60 v. H. der Gesamtförderung, an zweiter Stelle steht das Burgenland, das erst im Jahre 1922 von Ungarn an Oesterreich kam, weshalb die Förderung dieses Gebietes im Jahre 1921 in obiger Zahlentafel nicht mitangeführt ist.

Sander.

Urheber- und Musterrechte während der Messen. Schutz gegen Verletzungen. Kunstgewerbliche Muster können in zweierlei Form Rechtsschutz genießen:

1. Das Reichsgesetz vom 11. Januar 1876 betreffend das Urheberrecht an Mustern und Modellen schützt gewerbliche Muster und Modelle. Dieser Geschmacksmusterschutz hat nach der Rechtsprechung zur Voraussetzung, daß es sich um neue und eigentümliche Erzeugnisse handelt. Erfordert wird eine Formbildung, die den Formensinn des Anschauenden in einer eigentümlichen, von der Wirkung früher bekannter Verbindungen von Formelementen verschiedener Weise berührt und sich dadurch als das Ergebnis einer originalen formenschöpferischen Kraft darstellt.

Daß das Muster einen künstlerischen Wert besitze, ist gesetzlich nicht erforderlich. Der Geschmacksmusterschutz wird aber nur gewährt, wenn das Muster zur Eintragung ins Musterregister angemeldet ist.

2 Das Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie vom 9. Januar 1907 gewährt Schutz den Urhebern von Werken der bildenden Kunst und rechnet zu diesen Werken nach § 2 ausdrücklich die Erzeugnisse des Kunstgewerbes.

Als Werke der bildenden Künste sind solche Werke anzusehen, die nach ihrem Hauptzwecke der ästhetischen Darstellung dienen. Dieser Zweck muß aus der Darstellung erkennbar sein und verliert seine Eigenschaft nicht durch die Benutzung des Werkes.

Der Urheberschutz nach diesem Gesetz wird schlechthin bis zu 30 Jahren nach dem Tode des Urhebers gewährt und ist an irgendeine Anmeldung nicht gebunden.

Die Durchführung des Schutzes begegnet jedoch häufig erheblichen Schwierigkeiten, die in der Art unseres Prozeßverfahrens liegen. Im ordentlichen Prozeß wird der an sich schon langsame Gang des Verfahrens durch die Einholung von Sachverständigen-Gutachten belastet, gegebenenfalls durch Gutachten der vorgesehenen Sachverständigenkammer. Auch das summarische Prozeßverfahren (einstweilige Verfügung) muß darunter leiden, daß die Sachverständigen-Gutachten erst im Laufe des Verfahrens beigezogen werden. Ein derartiger Prozeß über Musterverletzungen nimmt erfahrungsgemäß erhebliche Zeit, mitunter ein oder mehrere Jahre in Anspruch.

Eine Besserung kann nur dadurch erzielt werden, daß sofort nach der Entdeckung einer Musterverletzung an Ort und Stelle eingegriffen wird. Wird eine solche Musterverletzung z.B. während der Leipziger Mustermessen beobachtet, so muß bei dem Leipziger Gericht als dem „forum delicti commissi“ sofort ein Antrag auf einstweilige Verfügung – gegebenenfalls auch auf Strafverfolgung – gestellt werden und die Tatsache der Verletzung des Urheberrechts durch Ueberreichung eines ad hoc beizuziehenden Gutachtens von Sachverständigen glaubhaft gemacht werden.

Um den Meßfremden diese Glaubhaftmachung zu erleichtern, hat das Leipziger Meßamt einen Gutachterausschuß ins Leben gerufen, der sich aus namhaften Künstlern, Kunstgewerben und erfahrenen Fachleuten aus dem ganzen Deutschen Reiche zusammensetzt und während der Dauer der Leipziger Mustermessen stets zu Begutachtungen bereit ist. Glaubt ein Aussteller, daß sein geistiges Eigentum verletzt worden sei, so kann er sofort dem Meßamt für die Mustermessen Mitteilung machen, und – falls es sich um künstlerische und geschmackliche Verletzung handelt – sofort ein maßgebendes Gutachten erhalten.

Gerade bei dem Zusammenströmen Tausender deutscher Fabrikanten ist für den Künstler die Möglichkeit gegeben, in den Musterlagern festzustellen, ob sein geistiges Eigentum nicht unberechtigterweise anderweitig verarbeitet worden ist.

Die vornehmste Aufgabe eines Kulturstaates ist es, das geistige Eigentum zu schützen und dadurch den Künstler zu weiterer Tätigkeit anzuspornen. Der beim Meßamt eingerichtete Gutachterausschuß soll dazu beitragen, dem Künstler diesen Schutz sicherzustellen.

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