Titel: HANFFSTENGEL, Ein Universal-Modell für den Unterricht in Mechanik.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1925, Band 340 (S. 67–68)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj340/ar340025

Ein Universal-Modell für den Unterricht in Mechanik.

Gibt es wohl heute noch einen Lehrer, der versucht, Chemiker ohne Laboratoriumsunterricht auszubilden? Gibt es jemand, der darüber klagt, daß durch den Laboratoriumsunterricht zu viel Zeit verloren ginge, und der glaubt, durch den Unterricht an der Wandtafel allein schneller voran zu kommen? Wir dürfen ruhig sagen, daß es solche Lehrer nicht gibt, denn jeder weiß, daß der Laboratoriumsunterricht den Schülern etwas gibt, was sie auf andere Weise eben überhaupt nicht lernen können.

Textabbildung Bd. 340, S. 67

In der Mechanik ist man zu dieser Erkenntnis noch nicht überall durchgedrungen. Die Mechanik bildet neben Materialkunde das Fundament jeder technischen Arbeit, und doch hat man sich hier bisher in den meisten Fällen mit einem geradezu unglaublich gerringen Wirkungsgrad des Unterrichts begnügt. Der Erfolg ist deshalb so schlecht, weil sich in jedem praktisch gut veranlagten Menschen ein gewisses Widerstreben gegen begriffliches Denken findet. Kreidestriche und Formeln lassen ihn kalt; sie berühren nicht die Saite, die bei ihm mitschwingt. Er verlangt Anschauung, Wirklichkeit. Es ist daher die große Kunst des Lehrers im theoretisch-technischen Unterricht, den Geist des Schülers allmählich zum begrifflichen Denken zu erziehen, das gegenüber dem anschaulichen Denken keinesfalls vernachlässigt werden darf.

Man darf die Fähigkeit, begrifflich zu denken, nicht verwechseln mit dem Auswendiglernen von Lehrsätzen und Formeln. Das bringt jeder einigermaßen Veranlagtemit dem nötigen Fleiße schließlich zuwege. Aber damit ist dieses Wissen nicht sein Eigentum geworden; es ist Ballast, der bald wieder über Bord geworfen wird. Der junge Mann muß lernen, das, was er vor sich sieht, sozusagen im Begriffe umzuformen, oder – um es anders auszudrücken – er muß die Mechanik in die Fingerspitzen bekommen.

Der unentbehrliche Vermittler hierfür ist das Modell. Es bringt die Dinge anschaulich und greifbar, der Wirklichkeit entsprechend, vereinfacht sie aber doch so weit, daß das Gesetz in reiner Form dargestellt wird. Diese halb-abstrakte Darstellung bildet eine Brücke, die den Schüler von dem vertrauten Ufer der Wirklichkeit in das graue Reich der Theorie hinüberführt.

Textabbildung Bd. 340, S. 67

Die Schwierigkeit der Modellbeschaffung mit den heute verfügbaren Mitteln ist durch ein neues billiges Universal-Modell für Mechanik behoben, das unter dem Namen „Pantechno“ von der Technisch-Wissenschaftlichen Lehrmittelzentrale, Berlin NW. 87, Sickingenstr. 24, hergestellt und vertrieben wird. Es soll in erster Linie der Stützung des technischen Unterrichtes dienen, ist aber ebensogut für den physikalischen Schulunterricht geeignet. Das Modell besteht aus einem Wandbrette mit wagerechten und senkrechten Lochreihen und einer Anzahl besonders durchgebildeter Hebel, Scheiben, Rollen, Stifte, Schrauben, Gewichtsplatten, Haken u. dergl. zum Aufbau der Versuche. Indem der Schüler sieht, wie der Lehrer den Versuch zusammenstellt, oder indem er selbst hierbei mitwirkt, wird sein Interesse noch unendlich |68| viel stärker geweckt, als wenn er nur die Resultate am fertigen Modell abliest. Schülerübungen mit dem „Pantechno“, bei denen 5 oder 6 Schüler an einem Apparat arbeiten, sind deshalb ganz besonders zu empfehlen.

Die Abbildungen geben einige Beispiele von Versuchsanordnungen. Daß es möglich ist, nicht nur die einfachen Versuche der Statik, sondern auch schwierigere Probleme aus der Dynamik mit den Elementen des Modelles darzustellen, beweist das von der TWL. herausgegebene Verzeichnis der Versuche. Hierin finden sich z.B.: Bestimmung des Trägheitsmomentes einer Scheibe aus Schwingungsversuchen (durch verschiedene Anordnungen zu lösen), Resonanz bei Schwingungen, kritische Umlaufzahlen bei rasch umlaufenden Wellen, gekuppelte Schwingungen, Wirkungsweise des Schiffskreisels u.a. mehr. Auch die wichtigsten Versuche aus der Elastizitätslehre lassen sich in sehr anschaulicherWeise vorführen. Dem Apparat wird eine ausführliche Gebrauchsanweisung beigegeben, die auch getrennt zu beziehen ist.

Der „Pantechno“ hat sich rasch eingeführ und ausgezeichnet bewährt. Es wird im Unterricht an Lehranstalten jeder Art, von den Universitäten und Technischen Hochschulen bez. in den Werk- und Berufschulen, vom Gymnasium bis zur Volksschule in großem Umfange benutzt.

Auf die für den technischen Unterricht so außerordentlich wichtigen, mustergültig durchgearbeiteten Diapositive, welche die TWL. herausgibt, sei bei dieser Gelegenheit gleichfalls besonders hingewiesen. Die Leitsätze für TWL-Lichtbilder sind auf TWL-Blatt 1143 niedergelegt. Die TWL. übernimmt auch die Beratung bei der Anschaffung von Projektions- und Kino-Apparaten.

Professor G. v. Hanffstengel.

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