Titel: LANDGRAEBER, Der deutsche Eisenkies-Bergbau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1925, Band 340 (S. 73–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj340/ar340028

Der deutsche Eisenkies-Bergbau.

Von Bergwerksdirektor W. Landgraeber (Passau).

Eisenkies, auch Schwefelkies oder Pyrit genannt, ist ein Schwefeleisen von stark metallglänzender Farbe. Es kommt derb oder auch in schön ausgebildeten Kristallen fast überall vor. Nicht mit Unrecht wird er als „Hans auf allen Gassen“ unter den Mineralien bezeichnet, Bauwürdige Lagerstätten dieses bedeutsamen Rohstoffes gibt es verhältnismäßig wenig.

Eisenkies bildet das Ausgangsmaterial für die Schwefelsäure. Diese wiederum gehört zu den bedeutsamsten aller Grundstoffe. Sie gibt gewissermaßen einen Gradmesser für die Entwicklung des industriellen Lebens, dem Wohlstand und die Kultur eines Volkes. Sie findet Verwendung im Sulfitverfahren der Zellstoffabriken, zur Herstellung wunder wirkender künstlicher Düngemittel aus dem Ammoniak der Gasanstalten und Kokereien, zur Scheidung verschiedener Metalle in der Hüttentechnik, ferner in der Bleicherei, der Sprengstoffabrikation sowie zum Schwefeln bei der Bekämpfung von Schädlingen im Obst- und Weinbau, und als Imprägnierungsmittel für Sandstein, Holz und dergleichen. In der chemischen Industrie spielt sie in ihren verschiedenen Formen als verdünnte, konzentrierte und rauchende Säure eine hervorragende Rolle. Während Schwefelsäure schon seit Jahrzehnten zur Herstellung des wichtigen Arzeneimittels Ichtyol aus dem Rohöl bituminöser Schiefer verwandt wird, wendet man in neuerer Zeit Schwefeldoxyd zur Raffinierung des Erdöls, der Braunkohlenöle und der Schieferöle an. Bereits vor einem Jahrhundert benutzte sie der Erfinder der Sodafabrikation zur Herstellung von Soda im Großbetriebe. Die Durchführung dieses genialen Verfahrens wird von Fachleuten als die Grundlage der chemischen Großindustrie bezeichnet, von der sich alles andere ableitete. In den Zauberküchen der „Alchimisten“ diente sie zu mystischen Zwecken. Im 14. Jahrhundert wurde die Schwefelsäure durch Verbrennen von Schwefel mit Salpeter dargestellt. Auf die geschichtliche Entwicklung der Schwefelsäurefabrikation soll hier nicht näher eingegangen werden. Das alte bekannte Bleikammerverfahren ist heute derartig verbessert, daß es den Wettbewerb mit dem neueren Kontaktverfahren im allgemeinen aufzunehmen vermag. Jährlich werdenetwa 4 Milliarden Kilo in der Schwefelsäureindustrie erzeugt.

Nicht aller Schwefelkies, der in der Natur vorkommt, ist für die Fabrikation geeignet. Die Verwendungsfähigkeit hängt von dem Gehalt an Schwefel und dem mit dem Mineral auf gleicher Lagerstätte vorkommenden Bestandteile ab. Die unterste Gehaltsgrenze ist etwa bei 35 Prozent Schwefel. Ein recht lästiger Bestandteil ist Arsen.

Die nachstehenden Zahlen geben einen Ueberblick über die in Deutschland aus eigenen Gruben in den letzten Jahrzehnten gewonnenen Kiesmengen. Im Jahre 1872 wurden rund 153000 Tonnen, 1882 rund 158000 t, 1892 nur 115000 t, 1902 rund 165000 t und 1912 rund 250000 t gefördert. Der Schwefelgehalt schwankte zwischen 34 und 48 Prozent. Die deutschen Schwefelsäurefabriken verbrauchten in den letzten Friedensjahren etwa 750000 t jährlich. Für andere fabrikatorische Zwecke wurden annähernd ebenso große Mengen benötigt. Die heimischen Gruben lieferten um diese Zeit etwa nur 270000 t. Wir waren daher genötigt, große Mengen aus dem Auslande zu beziehen. Spanien war mit etwa 700- bis 800000 t der Hauptlieferant. Größere Mengen kamen aus der Türkei, Norwegen, Oesterreich-Ungarn und Griechenland. Italien führte damals von seiner etwa 300000 t betragenden Produktion an geschmolzenem Schwefel rund 45000 t an Deutschland ab. In den letzten Jahren ist der Verbrauch etwas zurückgegangen und beträgt ungefähr 1 Million Tonnen gegen 1,5 Millionen wie früher. Spanien und Norwegen deckten hauptsächlich unseren Bedarf. Im Jahre 1924 dürfte schätzungsweise mehr als eine halbe Million vom Auslande eingeführt worden sein.

In deutschen Grubenbetrieben wurde um die Jahrhundertwende und im ersten Jahrzehnt Schwefelkies gewonnen in der Gegend von Aachen, bei Manebach und Kirn. In den Ramsbecker Lagerstätten sowie bei Altenförde, Madfeld, Schwelm, Iserlohn im Rheinland sowie bei Riol und Mehring an der Mosel sind reiche Geschicke von Schwefelkies gefunden worden. In Schlesien wird Eisenkies bei Rohau, Schreiberhau und Waltersdorf gefunden. Bei Schriesheim dm Odenwaldgranit |74| und bei Gersbach im Schwarzwald sind Vorkommen bekannt. Ferner findet sich im Keupersandstein von Wefesleben im Harz, im Sormitztale bei Leutenberg (Thüringer Wald).

Größere Mengen Schwefelkies werden bei der Ausbeutung eisenkiesreicher Braunkohlenlager und Tonschichten gewonnen, zum Beispiel bei Rott, Neuhof, bei Gießen, unter der Blätterkohle von Anerod, bei Oberkaufungen, bei Großalmerode bei Westeregeln, bei Olbersdorf und bei Oppersdorf in Sachsen, bei Inowratzlow und anderen Orten mehr. Ob die bei Stuttgart kürzlich angetroffenen Schwefeleisenlager mit 34 Prozent wirtschaftliche Bedeutung erlangen, kann derzeit noch nicht gesagt werden.

Das nachhaltigste deutsche Vorkommen im rheinischen Schiefergebirge ist das Lager bei Meggen an der Lenne. Es liegt konkordant im Massenkalk des oberen Mitteldevons. Eine in ihrer Mächtigkeit schwankende Schicht aus Tonschiefer trennt das Lager in zwei Packen von verschiedenem Aussehen. Dieses Lager hat eine Mächtigkeit von 3–4 Meter, die stellenweise sogar bis auf 6 Meter anschwillt.

Ueber die Entstehung der Schwefelkieslager besteht in der Gelehrtenwelt noch immer eine große Meinungsverschiedenheit. Die Ansicht über die syngnetische Natur scheint die meisten Anhänger zu haben. Der Gehalt an Schwefel beträgt 44 bis 45 Prozent. Ein sehr bedeutender Vorteil des von den Meggener Werken gelieferten Schwefelkieses besteht darin, daß die Ware fast durchweg gleichmäßig ausfällt. Um die Wende des Jahrhunderts wurden bereits über 150000 Tonnen gefördert. Das war gleichbedeutend mit der gesamten Förderung aus der Rheinprovinz und bildete ungefähr zwei Drittel der in Deutschland überhaupt geförderten Menge. In neuerer Zeit wurde im Bergrevier Diez, ein Vorkommen auf dieses Mineral verliehen. Dieses Vorkommen war allerdings schön vor einigen Jahrzehnten auf der Grube Waldsaum angeschlagen und eingemutet, aber nicht weiter beachtet. Leider wurde auch in neuerer Zeit der Betrieb wieder eingestellt, trotzdem ein bauwürdiges Vorkommen, aus dem über 1000 t Kies gewonnen wurden, nachgewiesen war. Das Vorkommen befindet sich in einem etwa 100 m tiefen Schacht, südwestlich von Lohrheim in der Nähe von Hanstätten. Der Kies hat nach den gemachten Aufschlüssen teils festes Gefüge, teils mulmige Beschaffenheit. Die Gangart ist Quarz. Der Schwefelgehalt schwankt zwischen 40 und 45 Prozent. Es ist demnach ebenfalls ein brauchbares Erz. Für die Entstehung dürfte ebenfalls Syngegenese angenommen werden. Die Lager befinden sich zwischen Alaun- und Kieselschiefer; die zwischen Phorphyr und Massenkalk der Lahnmulde eingebettet sind. Neuere Aufschlüsse in dem 10 Kilometer langen Lagerzuge dürften aller Wahrscheinlichkeit lohnende Betriebe auf dieses sehr gesuchte Mineral ergeben. In der Nähe dieser Vorkommen befindet sich ein anderes erwähnenswertes Vorkommen dieser. Art. Es ist der Schwefelkies auf dem Magneteisenlager der Kruppschen Grube Strichen bei Aumenau. Im Hängenden dieser Erzlager befindet sich in wechselnder Mächtigkeit ein Packen Eisenkies von schwärzlicher Farbe. Er wird leider nicht abgebaut, da er vorzügliche Hangende gegen den bröckelnden Schiefer bildet, der sehr rollige Eigenschaften besitzt. Der ganze Charakter des Vorkommens deutet darauf hin, daß es mit den einschließenden Gebirgsschichten entstanden, also syngenetisch, und ferner wie die Eisenerzlager der Lahn als kolloidaler Absatz zu betrachten ist.

Ob auf Grund dieser Feststellungen nun alle Schwefelkiesvorkommen, die diesem ähneln, syngenetischer Natur sind, dürfte wohl kaum mehr zu bezweifeln sein. Ein dem Meggener Schwefelkiesvorkommen am meisten ähnelnder Typus ist das Rammelsberger Kieslager bei Goslar am Harz. Das dortige Material ist vergesellschaftet mit Kupferkies, Zinkblende, Bleiglanz und Schwerspat. Aus diesen Betrieben wurden bereits zu Beginn des Jahrhunderts rund 2000 t Schwefelkies gewonnen.

In Bayern ist die Schwefel-Magnetkies-Lagerstätte am Silberberg bei Bodenmais eine der am längsten bekannten. Die bergbauliche Tätigkeit geht hier auf Jahrhunderte zurück, was schon daraus hervorgeht, daß die Erze früher durch Feuersetzen gewonnen wurden. Das Ausgehende dieser Kieslager zeigt deutlich Bildungen des „Eisernen Hutes“ (Brauneisen). Dieses Eisenerz mag wohl die erste Veranlassung für den dortigen Bergbau gegeben haben. Weiter in der Tiefe setzt die eigentliche Kiesführung ein. Es ist ein Gemenge von Schwefelkies und Magnetkies, die häufig zu ganz bedeutenden Linsen anschwellen. Im sogenannten „Großen Barbaraverhau“ ist ein Erzkörper von 14 m Mächtigkeit ausgebeutet. Bald überwiegt in den unregelmäßig geformten strukturlosen Erzanhäufungen der Eisenkies und bald der Magnetkies. Liegendes und Hangendes werden allenthalben von Gesteinen verschiedenen petrographischen Habitus gebildet. Besonders reich sind die Erze zwischen hornfelsartigen Gebilden und Orthoklasgestein. Das Gangmittel ist vornehmlich Quarz. Die Gänge setzen im Gneis auf. Es gilt als Regel, daß dort, wo Quarz vorhanden ist, meist auch Erz zu finden ist. Der Gneis wird als injizierter Schiefer angesprochen, in denen die Erzmassen fast durchweg parallel der Granitgrenze eingelagert sind. Im Granit sind bisher noch nie Erzlinsen angeschlagen. Sie befinden sich auch nie unmittelbar an der keineswegs scharf ausgeprägten Gneisgranitgrenze, sondern stets in einiger Entfernung der Kontaktzone. Es wird ein unteres, mittleres und hangendes Lager von einander unterschieden. Das mittlere ist das Hauptvorkommen. Die Erzkörper lagen konkordant in den Schiefern. Neuerdings nimmt man als Entstehung Epigenese an. Die Erze sollen mit dem granitischen Magma im Zusammenhang stehen. Gümbel erklärte die Erzlager als syngenetisch und dürfte damit nicht so ganz unrecht gehabt haben, um so mehr als auch die analog auftretenden Graphitlager des Bayerischen Waldes, denen man bislang ebenfalls phneumatolytisch – hydatogene Entstehung in Gefolgschaft granitischer Intrusion zuschrieb, zweifellos syngenetischen Ursprungs sind. Im Nebengestein der Graphitlager ist allenthalben Magnet- und Schwefelkies zu beobachten. Die Erze der Bodenmaiser Lagerstätte treten meist vergesellschaftet mit Kupferkies, Bleiglanz und Zinkblende auf. Die unregelmäßige Ausbildung der Erzmassen ist glaublich auf tektonische Ursachen zurückzuführen, analog den vorbenannten Graphitlagern.

Neben den genannten Kieslagern am Silberberg treten noch eine ganze Anzahl anderer ähnlicher Vorkommen im selben Streichen auf. Es sind dies die Kiese von Maisraith, Rehberg und Unterried. Ferner diejenigen auf der Apleg und am Hühnerkobel sowie endlich diejenigen am Roten Koth bei Zwiesel. Die auf diesen Vorkommen früher umgegangenen regen Bergbaubetriebe liegen seit langem in Fristen. Auf der Johanneszeche bei Lahn wurde während des Krieges der Eisenkiesbergbau wieder aufgenommen. Hier sind Erze aufgefunden worden, die den Bodenmaiser ziemlich ähnlich sehen; nur ist der Eisenkies vorherrschend.

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Er liegt in verhältnismäßig starken, abwechselnd erzarmen und erzreichen Bändern von fast gleichbleibender Mächtigkeit auf große Erstreckung, konkordant zwischen Gneis- und Glimmerschiefer. Der Betrieb ist erst kürzlich wieder eingestellt worden.

In neuerer Zeit wurde bei Pfaffenreuth in der Oberpfalz ein seit langem in Fristen liegender Betrieb auf Eisenkies wieder aufgenommen. Das Ausgehende dieser Lagerstätte ist ebenfalls ein aus Brauneisen bestehender „Eiserner Hut“, der früher Veranlassung zum Bergbau auf Eisenerz gegeben hat. In einer Tiefe von etwa 40 m stellt sich hier reiner Schwefelkies ein. Die Kieslager treten in Linsen von schwankender Mächtigkeit in einer gegeneinander verschobener und wieder zusammengeschachtelter Schollen getrennt auf. Infolge dieser Vorgänge läßt sich eine genaue Mächtigkeit der Lager nicht angeben.

Bisher sind drei Schwefelkieslager bekanntgeworden. Allem Anschein nach sind aber noch mehr vorhanden. Das Hauptlager in der Nähe der Schächte hat eine Mächtigkeit von 8–10 Meter. Das Erz hat nach zahlreichenAnalysen einen Gehalt von 39 bis 45 Prozent Schwefel. Der Eisengehalt schwankt zwischen 35 und 40 Prozent. Der Gehalt an Kupfer ist so beträchtlich, daß während des Krieges das Erz als Kupfererz gewonnen werden sollte. Arsen ist so gut wie nichts darin gefunden.

Zum Schluß wären noch einige Eisenkiesvorkommen, die mit Eisenerzgängen vergesellschaftet aufgefunden wurden, zu erwähnen. So enthält der Eisenglimmer am Gleisinger Fels bei Fichtelberg fast stets Eisenkies, ferner das Roteisenerz von Goldmühl, von Obereisenberg, am Oberen Eichberg, am Schärtlaß sowie die metasomatischen Lager im Arzberger Revier und nicht selten auch die Frankenwälder Spatgänge am Schwarzenberg bei Kulmain, im Lamnitzgrund und endlich der bekannte Kemlaser-Gang. In der Gegend von Kupferberg-Wirsberg treten im sogenannten Schwefelkieslagergang vorwiegend Pyrit und untergeordnet Magnet- und Kupferkies sowie Zinkblende und Galmei auf. Der Eisenkies von Sparneck enthält durchschnittlich 40 % S und ist demnach ein brauchbares Schwefelerz.

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