Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1925, Band 340 (S. 149–152)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj340/ar340045

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Die elektrische Bildübertragung und das Fernsehen. (Professor Dr. Paul Kirchberger und Max Fischer.) In einer Zeit, wo das gesprochene Wort auf unbegrenzte Entfernungen übermittelt und die Stimme eines Menschen jedem anderen Menschen aufder Erde deutlich vernehmbar gemacht werden kann, ist das Streben begreiflich, auch Bilder in die Ferne zu übermitteln. Insbesondere hat der Rundfunk diese Aufgabe volkstümlich gemacht; haben doch die Hörenden das selbstverständliche Verlangen, den Vortragenden |150| auch zu sehen, bei der Uebertragung von Schauspielen und Opern die Handlung nicht nur mit dem Ohr, sondern auch mit dem Auge zu genießen.

Nun muß man zwischen zwei Dingen unterscheiden: Zwischen der Bildübertragung und dem wirklichen Fernsehen. Die Uebertragung von Bildern, um die sich namentlich Professor Korn verdient gemacht hat, unterscheidet sich vom Fernsehen dadurch, daß sie unabhängig sowohl von der Zeit des Geschehens als auch der Dauer der Uebertragung ist; beim Fernsehen soll aber ein Ereignis im gleichen Augenblick als bewegtes Bild in der Ferne wahrgenommen werden, in dem es sich abspielt. Bei der Bildübertragung verfährt man gewöhnlich so, daß man das zu übertragende Bild gewissermaßen in ganz schmale Streifen schneidet – beispielsweise in solche von einem halben Millimeter Breite – und diese Streifen aneinander klebt. Es ergeben sich somit bei einem Bild von 10 × 10 Zentimeter 200 Streifen, die aneinander gereiht, da jeder 10 Zentimeter lang ist, eine Länge von 20 Meter haben. Auf diesen langen Streifen sieht man nun kein Bild mehr, sondern nur noch eine Folge von verschieden dunkeln und hellen Stellen, deren Helligkeitsgrad auf irgend eine Art, gewöhnlich mit Hilfe einer sogenannten Selenzelle, in elektrische Ströme von der Helligkeit. entsprechender Stärke umgewandelt werden und auf der Empfangstelle einen gleichen 20 Meter langen Streifen entsprechend färben müssen. Schneidet man nun diesen Empfangsstreifen in 10 Zentimeter lange Stücke und klebt diese nebeneinander, so muß man das ursprüngliche Bild wieder erhalten.

Natürlich verfährt man in der Wirklichkeit nicht so, sondern man macht es sich bequemer. Man wickelt z.B. das Bild, das man übermitteln will, auf eine Walze von 10 Zentimeter Umfang, die man bei jeder Umdrehung um ihre Achse um einen halben Millimeter seitwärts wandern läßt. Man macht diese Walze aus Glas und setzt eine bis auf einen Punkt abgeblendete Glühlampe hinein, wickelt einen das Bild tragenden Film darauf und erhält so in Gestalt des ausfallenden Lichtstrahls helleres oder dunkleres Licht, je nach dem gerade durch den Strahl wandernden Punkt des Films. Auf der Empfangsstelle läßt man einen noch unbelichteten, gleichfalls auf eine Walze gewickelten Film gleich schnell umlaufen und belichtet ihn ebenso schraubenförmig mit einem Lichtstrahl, dessen Helligkeit elektrisch von der Sendestelle gesteuert wird. Die Schraubenlinie, die abtelegraphiert werden muß, ist dabei natürlich auch 20 Meter lang; so dauert es eine ziemlich lange Zeit, bis man das Bild übermittelt hat, denn man muß bedenken, daß, wenn die Helligkeit auf dem 20 Meter langen Streifen alle halben Millimeter eine Aenderung erfährt, 40000 Helligkeitspunkte zu übertragen sind. Der Uebertragungszeit setzt ja die Trägheit Grenzen. Zwar haben der Lichtstrahl und die elektrische Welle – bei Funkübertragung des Bildes – keine Trägheit, aber schon bei der Drahtübertragung hat man gegen durch Trägheitserscheinungen bedingte Bildverzerrungen anzukämpfen. Die Hauptschwierigkeiten liegen aber in den Vorrichtungen, die das schwankende Licht in schwankenden elektrischen Strom und diesen wieder in schwankendes Licht umsetzen. Insbesondere das elektrische Auge, die Selenzelle, hat eine ganz erhebliche Trägheit, nicht minder aber das menschliche Auge, das letzte Glied in der Uebermittlung bewegter Bilder.

Nun wissen wir von der Vorführung bewegter Bilder, vom sogenannten Kinematographien her, daß wir zur Darstellung eines Bewegungsvorgangs 16 Bilderin der Sekunde auf die Leinwand werfen müssen, um die Bilder ineinander übergehen, sie als ein einziges bewegtes Bild erscheinen zu lassen. Dabei dürfen wir aber nicht so verfahren, daß sich die Bilder unmittelbar aneinanderreihen, denn sie würden sonst infolge der Trägheit unseres Auges ineinanderfließen: Zwischen zwei Bildern muß immer eine Pause sein. Von der Trägheit des Auges können wir uns leicht durch einen einfachen Versuch überzeugen: Wenn wir im Dunkeln einen glühenden Span schnell bewegen, so sehen wir statt des bewegten glühenden Punktes einen langen glühenden Strich; der Lichteindruck bleibt im Auge an Punkten noch längere Zeit bestehen, die er in Wirklichkeit längst verlassen hat.

Wenn wir nun einen wirklichen Vorgang telegraphieren, also fernsehen wollen, so müssen wir ebenfalls mindestens alle sechzehntel Sekunde die Helligkeit jedes Bildpunktes in die Ferne senden, d.h. wir müssen in jeder sechzehntel Sekunde, um eine Bildfläche von zehn mal zehn Zentimeter damit zu bedecken, 40000 Punkte versenden, in einer Sekunde also 640000 Punkte gleich einem Streifen von 16 mal 20 = 320 Meter Länge – wahrlich eine gewaltige Aufgabe! Da man nun wirkliche Menschen, Bäume, Häuser usw. nicht auf einen Glaszylinder wickeln kann, muß man ihr Bild gewissermaßen mit einem Lichtstrahl in Streifen abtasten, d.h. man muß die von jedem Punkt ausgehenden Lichtstrahlen schnell nacheinander auffassen, z.B. indem man sie von links unten nach oben abnimmt, dann etwas nach rechts geht und den nächsten Streifen von oben nach unten abnimmt usw. Den so gewonnenen, dauernd in seiner Helligkeit schwankenden Lichteindruck muß man in einen entsprechend schwankenden elektrischen Strom verwandeln und diesen wieder in einen gleich stark schwankenden, etwa auf eine weiße Fläche fallenden Lichtstrahl – und das alles in der angeführten Zeit von 1/640000 Sekunde für jeden Punkt.

Die bekannten Selenzellen zeigten nun eine so große Trägheit, daß es infolge des Nachhinkens der elektrischen Stromschwankungen hinter den Lichtschwankungen ganz unmöglich war, eine so ungeheuer schnelle Folge von Lichteindrücken zu übermitteln. Es gelang jedoch Mihaly, die Selenzellen so zu verbessern, daß sie keine nennenswerte Trägheit mehr zeigten. Selbst bei Belichtung mit einer an sich sehr ungünstigen Bogenlampe wurde der Höchstwert des elektrischen Stromes, wie genaue Messungen ergeben haben, 1/10 Sekunde nach der Belichtung erreicht, eine erstaunlich kurze Zeit, die aber, wie der Vergleich mit den vorher gegebenen Zahlen zeigt, noch lange nicht ausgereicht hätte. Bei den praktisch vorkommenden Belichtungen war aber die Trägheit der Selenzelle erheblich geringer.

Eine weitere ungemein schwierige Aufgabe war die Erreichung der vollkommenen Gleichmäßigkeit in der Bewegung der Bildzerlegungs- und der Bildzusammensetzungsvorrichtung. Zwar ist die Aufgabe des sogenannten Synchronismus an sich alt; sie spielt z.B. bei unseren druckenden Telegraphenapparaten eine große Rolle; aber noch niemals wurden solche Anforderungen an die Genauigkeit der Lösung gestellt wie hier. Sie gelang Mihaly durch Benutzung zweier vollkommen gleichschwingender Stimmgabeln, deren Bewegung auf optischem Weg, nämlich durch besondere an dem zu übertragenden Bild angebrachte Marken kontrolliert und geregelt werden konnte.

Nicht weniger schwierig war auch der Bau der Bildzusammensetzungsvorrichtung, des sogenannten Oszillographen. Da man eine Lichtquelle nicht schnell |151| genug ändern kann, benutzt Mihaly einen bewegten Spiegel, um den Empfangslichtstrahl mehr oder weniger stark auf die zu belichtende Stelle zu werfen. Dieser Spiegel mußte einerseits schon auf sehr schwache Aenderungen des elektrischen Stromes ansprechen, andererseits mußte er den auf ihn ausgeübten Drehkräften augenblicklich folgen, um die ungemein große Zahl der von ihm verlangten Bewegungen in einer Sekunde ausführen zu können. Die vor Mihaly bekannten Vorrichtungen lösten wohl eine oder die andere dieser Aufgaben, aber nicht beide gleichzeitig. Ueber die neue Lösung macht Mihaly folgende Angaben: Der Spiegel war an zwei Silberdrähten von nur ein Vierzigstel Millimeter Dicke und 45 Zentimeter Länge mit einem Fadenabstand von 0,4 Millimeter befestigt. Die Länge des Spiegels betrug einen, die Breite einen halben Millimeter. Wird die so entstandene Drahtschleife in einem Magnetfeld aufgehängt, so ist sie tatsächlich imstande, selbst bei ungemein schwachen Strömen viele Tausende von Bewegungen in der Sekunde mit Sicherheit auszuführen. Trotz der hohen Empfindlichkeit des Oszillographen würde aber die Stärke der ankommenden Ströme nicht entfernt ausgereicht haben, wenn Mihaly nicht ausgiebig von Verstärkerröhren Gebrauch gemacht hätte.

Wer Schlagworte liebt, kann die Leistung Mihalys als einen Kampf gegen die Trägheit bezeichnen, nämlich die Ueberwindung der Trägheit der Selenzelle einerseits und der seines Oszillographen andererseits. Daß beide Vorrichtungen den wechselnden Eindrücken mit einer bisher unerhörten Schnelligkeit folgten, war eine wesentliche Voraussetzung des Erfolges. Aber alle Mühe wäre umsonst gewesen, wenn die Trägheit nicht auch wiederum ein Bundesgenosse des Erfinders gewesen wäre, nämlich die Trägheit des menschlichen Auges, das infolgedessen den in rasender Geschwindigkeit über die Bildfläche sausenden Lichtpunkt nicht als solchen wahrnimmt, sondern die ganze Bildfläche von einem Bild bedeckt sieht.

Die geschilderte Erfindung ist aus dem Stande des ersten Tastens längst herausgerückt, sie bedarf aber noch mancher Vervollkommnung, ehe sie der allgemeinen Benutzung übergeben werden kann. Ueber ihre Bedeutung ein Wort hinzuzufügen, dürfte wohl kaum nötig sein; wird sich doch jeder selbst sagen, was es zu bedeuten hat, wenn wir die Züge eines Freundes, vielleicht während wir mit ihm fernsprechen, im Fernseher verfolgen können, wenn die Polizei das Konterfei des Uebeltäters in einer Minute in alle Richtungen der Windrose hinaussenden kann, oder wenn irgendwelche Ereignisse gleichzeitig in beliebige Fernen übertragen werden und sich so nicht nur, wie es jetzt schon durch den Funk der Fall ist, das Ohr, sondern auch das Auge des Menschen über die ganze Erde erstreckt. Die Verbesserungen, die dazu noch getroffen werden müssen, scheinen in der Richtung zu liegen, daß die Zahl der Punkte, in die ein Bild zerlegt wird, möglichst erhöht wird, denn je feiner die Unterteilung ist, desto schöner und feiner wird das Bild. Das wird vermutlich nicht anders möglich sein, als daß man mit mehreren Streifen arbeitet, die gleichzeitig übermittelt werden. Man kann dazu natürlich nicht mehrere Leitungen, auch nicht mehrerer Wellen verwenden: Aber wie wir z.B. bei der Uebertragung von Musik die verschiedensten Töne gleichzeitig über eine Leitung senden oder von derselben Welle in die Ferne tragen lassen, so kann man auch Lichteindrücke in Gestalt verschiedener Töne gleichzeitig übermitteln und diese Töne am Ende durch sogenannte Siebe wieder trennen, wie dies in der Mehrfachtelegraphiebereits geschieht. Die Helligkeit wird dann durch die Stärke des Tones ausgedrückt. So wird vielleicht in nicht allzu ferner Zeit die Bildübertragung durch Musik erfolgen, durch eine wahrscheinlich außerhalb unseres Hörbereichs liegende Musik freilich; und das ist gut; gegen sie wäre nämlich die schauderhafteste Katzenmusik ein hoher musikalischer Genuß, denn für diese Art der Musik gelten wesentlich andere Gesetze als für die, die wir als wirkliche Musik empfinden.

Ein Vierteljahrhundert amerikanischer Technik. Eindrücke von Studienreisen nach Nordamerika 1898 und 1924. (G.-Rat. Buhle in der D. Maschinentechn. Ges. 19./5. 25.) In etwa 100 trefflichen Lichtbildern führte der Redner, indem er die Ergebnisse der 2 Forschungsreisen einander gegenüberstellte, den gewaltigen Fortschritt vor Augen, den das deutsche und amerikanische Ingenieurwesen während eines Zeitraumes von rd. 25 Jahren gemacht hat. In großen Zügen wurde die über Boston, Albany, Montreal und Niagarafalla nach Buffalo führende Reise behandelt. Dort war seinerzeit gerade der größte Getreidesilo der Welt (1280000 Zentner) errichtet. – Ueber den Eriesee ging die Reise weiter nach Cleveland (Ohio), woselbst in der Hauptsache die damals das Staunen der Welt erregenden, an 100 m langen Erzverladebrücken studiert wurden.

Bei der Weatinghouse-Bremsen-Gesellschaft in Wilmerding wurden damals die ersten Spuren der sogenannten „fließenden Fertigung“ (auch „Bandarbeit“ genannt) gefunden, die zur Zeit der zweiten Reise, also ein Vierteljahrhundert später zu einer zweiten Blüte der sogenannten „Dauerförderer“ geführt hat. Die stetig arbeitenden Gießereieinrichtungen für die zuerst bei den W.-Bremsen zur Verwendung gelangte Massenerzeugung haben bekanntlich (ebenso wie die geistvollen Transporteinrichtungen der Großschlächtereien der Armour, Swift usw. in Chicago) zu den fabelhaften Leistungen der Fordwerke in Detroit geführt. In Pittsburg interessierten vor allem die 1898 rd. 70 cbm oder 50000 kg fassenden Eisenbahn-Großgüterwagen, die vorwiegend als „Selbstentlader“ gebaut wurden. Inzwischen sind die Amerikaner (auf ihren „Privat bahnen“) bei der doppelten Menge angelangt (d.h. bei Wagen von über 100000 kg Nutzlast).

Auf der zweiten Reise des Vortragenden (1924) führte eine dreiwöchige Schleifenfahrt über Schenectady (American Locomotiv Co., selbsttätige Befeuerung von Lokomotiven) nach Detroit, wo in 4 Tagen die berühmten Fordwerke: Dearborn, Riverrouge, Higland Park und Lincoln eingehend studiert wurden. Den Höhepunkt der Reise bildete der Besuch bei Henry Ford und seinem Sohn Etzel, dem jetzt die eigentliche Leitung der Fabriken übertragen ist.

Henry Ford wurde am 30. Juli 1863 geboren. Sein erster Wagen ward 1892 vollendet, 1896 der zweite. 1897 zeigte der amerikanische Zirkuskönig Barnum in seinem Zelt einen der 4 Kraftwagen, die damals auf den Straßen der Neuen Welt liefen. 1903 entstanden bei Ford 195 Fahrzeuge, 1908/09: 10660 (zu 950 Dollar je Wagen), 1923: 2090009 (zu 295 Dollar je Wagen). Die Fordwerke stellen jetzt täglich 7500 Automobile her. 1923 waren in den U. S. A. mehr als 15 Millionen Kraftwagen in Betrieb. Während der Fordwagen rd. 2 ℳ je kg. kostet, stellt sich der günstigste Preis für ein deutsches Fahrzeug auf 8 je kg, und während bei uns eine Fabrik im Mittel ihr Kapital jährlich dreimal umsetzt, gibt es in den Vereinigten Staaten mehrere Autofabriken, die ihr Kapital 50 mal umsetzen, – Chicago mit den benachbarten Riesen-Stahlwerken in Gary, das allein im Februar des Vorjahres 326000 Tons |152| Stahl erzeugt hat, führte zu Betrachtungen über die z. Zt. größten Krane der Welt (rd. 400000 kg Tragkraft). Das Pullmanwagen-Zentrum gab Anlaß zur Besprechung der älteren und neueren Schlafwagen. Pittsburg zeigte sich (wie Detroit) hervorragend deutschfreundlich; in dem nahe gelegenen Clairton (Carnegie-Werke) können täglich 6000000 kg Koks erzeugt werden. Baltimore und Philadelphia besitzen die größten Hafenanlagen für Kohlen- und Kornumschlag und letzteres besitzt auch eine überaus bemerkenswerte Anlage für Müllverwertung, d.h. für ein in Zukunft sehr wichtiges Massenförder- und Lagergebiet.

Das Betriebsmodell auf der Deutschen Verkehrsausstellung München 1925. Das große Publikum ist mit den Aufgaben des Eisenbahnbetriebes und Verkehrs im allgemeinen nur soweit vertraut, als es gelegentlich seiner Reisen oder gelegentlich der Aufgabe oder Abnahme von Gütersendungen mit der Eisenbahn in Berührung kommt. Alle die Vorgänge aber, die bei der Zugbildung, Zugabfertigung, Zugauflösung, Zugförderung usw. sich abspielen, die Grundsätze und Arbeitspläne, nach denen Züge zerlegt, neu gebildet und in Lauf gesetzt worden, die Einrichtungen, die der Zugsicherung dienen, die Wirkungsweise dieser Einrichtungen, die Rangieranlagen der Verschiebebahnhöfe u.s.f. sind dem Publikum im großen und ganzen fremd. Da aber die Kenntnis dieser Vorgänge und Einrichtungen das Verständnis für eine Reihe von Ausstellungsgegenständen vermittelt, ist in der Ausstellungsgruppe der Deutschen Reichsbahn ein Betriebsmodell aufgestellt, das verschiedene Bahnhöfe in gegenseitiger Verbindung und betriebsgetreuer Ausrüstung umfaßt und zu bestimmten Stunden erläutert und planmäßig elektrisch in Betrieb gesetzt wird.

Eine Industriebau-Ausstellung in Essen. Die Essener Bauausstellung hat eine besondere Gruppe „Industriebau“ geschaffen, die das stärkste Interesse der Fachkreise findet. Maßgebende Verbände und große Firmen des Industriebaues, vor allem auch Architekten und Ingenieure dieses Sondergebietes, haben sich bereiterklärt, diese Sonderabteilung zu fördern. So wird dann das Gesamtgebiet des Industriebaues in Essen zu sehen sein. Wenn man bedenkt, wie stark gerade die Verbindungen von Industrie und Bauwesen in dieser Sondergruppe verkörpert sind, so darf man schon mit Rücksicht darauf, daß in Deutschland eine derartige Gruppe „Industriebau“ noch nicht auf einer Bauausstellung stattgefunden hat, viel von dieser Darstellung erwarten. Das Gebiet des Industriebaues umfaßt ja nicht nur die Geschäfts- und Verwaltungsgebäude der Industrie, sondern vor allem auch den Werkstättenbau, den Lager- und Speicherbau, den Bau von Wasserbehältern, Kohlenbunkern, Silos aller Art, Kraftwerken (Dampf, Elektrizität und Wasserkraft), die Lagerung feuergefährlicher Flüssigkeiten, Spezialbauten für die verschiedensten Industriezweige in Eisenbeton, Eisen- und Holzkonstruktion, die Verkehrseinrichtungen von Industriebauten und vor allem auch die Gesamtanlagen der heutigen Industrieunternehmungen. Es erübrigt sich zu bemerken, daß eine große Zahl von Zweigen der Technik und Industrie gerade an dieser Ausstellung interessiert ist. Auch die anderen Abteilungen für Baustoffe, Baumaschinen und Baugerät finden auf der Essener Bauausstellung ein starkes Interesse. Die Sondergruppe „Deutsches Bauwesen“, die der Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine veranstaltet, findet bei dem sachlichen Charakter der Ausstellung ein lebhaftes Interesse aller Fachkreise. Die Ausstellungwird am 18. Juli 1925 eröffnet und ist die erste große Fachausstellung, die Essen nach der Besatzung veranstaltet.

Persönliches.

Dr.-Ing. e. h. Fritz Neuhaus 25 Jahre bei A. Borsig, Tegel. Am 1. Juni dieses Jahres war Dr.-Ing. e. h. Fritz Neuhaus, Generaldirektor bei A. Borsig, Tegel, 25 Jahre in dieser Firma tätig. Es ist ungemein schwer, in wenigen Worten zu sagen, welche Werte Neuhaus mit seiner großen Arbeitsleistung in dieser Zeitspanne nicht allein seinem Werke, sondern der deutschen Industrie überhaupt geschenkt hat. Als Bahnbrecher wissenschaftlicher Betriebsführung ist Neuhaus jedem deutschen Ingenieur bekannt. Seine umfassenden technischen Kenntnisse und Erfahrungen, gepaart mit seltener Organisationsgabe, führten seine schon vor dem Kriege mit Zähigkeit angestrebten Gedankengänge, die industrielle Fertigung zu vereinheitlichen, zu rascher Verwirklichung. Jedem ist klar, daß der Existenzkampf der deutschen Industrie heute schwer ist, weniger bekannt ist der Allgemeinheit, daß er überhaupt nur zu führen ist durch die Typisierung und Normung der Erzeugnisse, wie sie durch den Normenausschuß der deutschen Industrie ausgearbeitet wird. Es gibt in Deutschland keine technisch-wissenschaftliche Gemeinschaftsarbeit, die an Umfang und Bedeutung der Arbeit des Normenausschusses der deutschen Industrie gleichzurechnen ist. Seine glänzenden Erfolge verdankt er in erster Linie seinem Vorsitzenden Neuhaus. In seinem Kopfe mußten die Ergebnisse rastlosen Fleißes auf allen eingeschlagenen Gebieten und sein Ueberblick über die Industrien des In- und Auslandes immer neue fruchtbringenden Werte schaffen. Besonders die Fortschritte der amerikanischen Industrie verfolgte er sorglich und studierte sie auf wiederholten Reisen. Der Wirkungskreis dieses Industriellen hat eine seltene Arbeitskraft zur Voraussetzung. Neuhaus ist, neben seinem umfangreichen Arbeitsgebiet als Generaldirektor bei A. Borsig, Tegel, tätig als Vorsitzender des Normenausschusses der deutschen Industrie, des Deutschen Dampfkesselausschusses, der Gesellschaft von Freunden der Danziger Hochschule und als stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes. Als Vorstandsmitglied gehört er dem Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung, dem Ausschuß für das Schiedsgerichtswesen, dem Dampfkessel-Ueberwachungsverein Berlin, dem Mitteleuropäischen Motorwagenverein, der Deutschen Maschinentechnischen Gesellschaft und der Hauptstelle der Wärmewirtschaft an. Ferner ist Neuhaus Mitglied des Repräsentanten-Ausschusses des Automobilklubs von Deutschland, des Prüfungsausschusses der Beuthschule, des Technischen Ausschusses des Berliner Bezirksvereins deutscher Ingenieure, des Reichkuratoriums für Wirtschaftlichkeit, des Industrieausschusses des Verbandes Technisch-Wissenschaftlicher Vereine, des Deutschen Verbandes für die Materialprüfungen der Technik, des Ausschusses für Dampfkesselwesen beim V.D.I., der American Society of Mechanical Engineers und des Ehrenausschusses der Deutschen Verkehrsausstellung München 1925, dazu kommt noch eine Reihe von Aufsichtsratsstellen.

Im Jahre 1918 wurde Neuhaus anläßlich der Fertigstellung der 10000. Lokomotive des Werkes Tegel zum Kgl. Baurat ernannt. Die Technische Hochschule in Aachen verlieh ihm auf Grund seiner Verdienste um den Maschinenbau, insbesondere die Normung, die Würde eines Dr.-Ing. e. h.

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