Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1925, Band 340 (S. 212–215)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj340/ar340061

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Das neue Gaswerk der Stadt Gera ist das erste nach dem Kriege von Grund auf neu errichtete Gaswerk, bei dem alle Fortschritte und Erfahrungen der letzten Jahre Anwendung finden konnten. Bei der von der Firma Aug. Klönne in Dortmund gebauten Anlage waren Uebersichtlichkeit und Ausdehnungsfähigkeit die Leitgedanken; so war die spätere Erweiterungsmöglichkeit der sämtlichen Anlagen von 50000 auf 100000 cbm Tagesleistung vorgeschrieben, weil die Fernversorgung einer Reihe von Nachbarorten geplant ist. Dank der günstigen Lage des 350 m langen Bauplatzes unmittelbar an der Staatsbahn war die Schaffung einer weitläufigen und planmäßig gegliederten Anlage möglich, die G. Nonnenmacher in der „Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure“ an Hand guter Abbildungen eingehend beschreibt. Die einzelnen Gebäude liegen zu beiden Seiten einer 10 m breiten und 315 m langen Werkstraße; parallel zu ihr laufen an der Außenseite des Grundstücks die Anschlußgleise, in deren unmittelbarer Nähe das Kohlen- und Kokslager, das Ofen- und Kesselhaus sowie die Kokssieberei errichtet sind, während jenseits der Straße die Gebäude für die Gasreinigung und die Nebenproduktengewinnung, die Magazine, Werkstätten und Wohlfahrtgebäude liegen.

Zur Gaserzeugung dienen 6 freistehende Vertikal-Kammeröfen, Bauart Klönne, denen jederzeit noch zwei weitere Kammeröfen angereiht werden können. Jeder Ofen besteht aus 6 Kammern von je 3 t Fassung, die aus feuerfestem Beton an Ort und Stelle gestampft und während des Trocken- und Hochfeuerns der Oefen von selbst gebrannt worden sind, auch die Decken und Wände der Heizkanäle sind auf diese Weise hergestellt. Dieses neue Verfahren arbeitet wesentlich rascher und billiger, es ist unabhängig von der Schamottefabrik, schließt die Bruchverluste bei der Beförderung der bisher benutzten Formsteine aus und liefert vor allem glatte, fugenlose Kammern, die ein schnelleres Entgasen der Kohle und leichteres Ausstoßen des Kokses gewährleisten. Die Kammern werden mit Hilfe eines an einer Hängebahn laufenden Füllwagens, der 3 t Kohle faßt, von oben gefüllt. Die Ausstehzeit beträgt 24 Stunden, der glühende Koks wird in einen von einer Benzollokomotive gezogenen Wagen gestürzt, unter einen Löschturm gefahren und dort abgelöscht. Die Beheizung der Oefen erfolgt nach dem Rekuperativsystem, jeder Ofen hat seinen eigenen Generator mit Treppenrost.

Das Löschen des Kokses dauert nur 2 Minuten, da der glühende Kokskuchen unter dem Löschturm nicht nur von oben gebraust, sondern auch von unten mittels einer besonderen Vorrichtung gelöscht wird. Darauf wird der Koks wagen unter die Hängebahn gefahren, wo der Kokskorb aus dem Wagen herausgehoben und zur Sieberei gefördert wird. Auf diese Weise wird der Koks ohne jegliche Umladung aus der Ofenkammer in die Sieberei oder auf den Lagerplatz geschafft; dank dieser schonenden Behandlung bleibt seine Stückigkeit erhalten. In der Sieberei wird der Koks in fünf verschiedene Korngrößen getrennt, die gesondert gelagert werden, während der beim Brechen und Sieben anfallende Koksgrus direkt in den Bunker des benachbarten Kesselhauses gefördert wird. Zum Antrieb der sämtlichen Maschinen sowie zur Heizung der Gebäude und des 30000 cbm fassenden Gasbehälters sind zwei Flammrohrkessel von 75 und 100 qm Heizfläche mit Unterwindgebläse, Bauart Deutsche Evaporator-A.-G., aufgestellt. Der Koksgrus wird mittels der Hartmannschen Wurfvorrichtung auf den Rost gebracht.

Zur Kühlung des Rohgases dient ein Raumkuhlen von 30 m Höhe und 3,5 m Durchmesser, der dicht neben den Kammeröfen steht. Das heiße Rohgas wird durch eine besondere Abteilhorde auf den ganzen Querschnitt des Kühlers verteilt und steigt langsam in einem Strom aufwärts. Der mit fortschreitender Abkühlung sich ausscheidende Teer fällt regenartig dem aufsteigenden Gas entgegen und wäscht aus diesem hierbei das Naphthalin so vollständig aus, daß ein besonderer Naphthalinwäscher entbehrlich wird. Der Teer läuft unten dünnflüssig aus dem Kühler ab. Das vorgekühlte Gas strömt sodann durch 2 Wasserkühler und wird hierauf von 3 Flügelsaugern mit parallel geschalteten Umlaufreglern und direktem Dampfmaschinen-Antrieb durch einen Teerscheider, einen umlaufenden Ammoniakwascher und die 4 Reinigungskästen für die Schwefelreinigung gedrückt. An diese schließt sich ein Schleuderwäscher mit senkrechter Welle an, in dem mittels Oeles das Benzol (20 g je cbm) ausgewaschen wird. Das Gaswasser wird in bekannter Weise auf schwefelsaures Ammonium verarbeitet. Das fertig gereinigte Gas strömt durch die Stationsgasmesser in den Behälter. Für die später geplante Fernversorgung wurden 2 umlaufende Gebläse für 1 m WS Gegendruck aufgestellt, von denen das eine durch einen Elektromotor, das andere als Reserve dienende Gebläse durch |213| einen Gasmotor angetrieben wird. Für die spätere Aufstellung eines dritten Gebläses ist noch Platz vorhanden. (Zeitschr. V. Dt. Ing. 1925, S. 57–61.)

Sander.

Ueber verkehrspolitische Maßnahmen zur Stärkung des Wettbewerbs der deutschen Seehäfen, (Reg.-Rat Dr. Werner Teubert-Potsdam, Tagung der Hafenbautechnischen Gesellschaft Oderbund, Mai 1925.) Die Betrachtungen über die Verkehrslage und die Entwicklungsmöglichkeiten unserer Seehäfen sind etwa dahin zusammenzufassen, daß wohl die erfolgreichsten Maßnahmen zu ihrer Förderung durch die Tarifpolitik der Reichsbahn möglich sind. Es sollen nicht die Schwierigkeiten verkannt werden, in der sich die Reichsbahn durch die ihr auferlegten Lasten befindet und die noch durch den Wettbewerb der jüngsten Verkehrszweige, des Luftverkehrs und besonders der Kraftfahrzeuge, vermehrt werden – auch nicht die neuesten Bemühungen der Reichsbahn, durch Ausnahmetarife die deutschen Seehäfen zu fördern. Jedoch ersieht man aus dem Dargelegten, daß die Reichsbahn vielfach noch andere Wege einschlagen muß, um den deutschen Außenhandel, sowie die Durchfuhr durch Deutschland in erhöhtem Maße den deutschen Seehäfen zuzuführen und besonders die seewärtsgehenden Frachtmengen zu vermehren. Ueberall dort, wo die für den Wettbewerb erforderlichen Frachtsätze durch gewinnbringende Tarife nicht erzielt werden können und wo Binnenschiffahrtswege zu und von den Seehäfen vorhanden sind, die geringere Selbstkosten ermöglichen, sollten ermäßigte Umschlagtarife eingeführt werden, die die Gesamtfracht herabsetzen, der Eisenbahn dennoch Gewinn bringen und zugleich die Binnenschiffahrt fördern, deren Gedeihen trotz aller Eisenbahnpolitik für die deutsche Wirtschaft unbedingt erforderlich ist. Wo Binnenwasserstraßen den Seehäfen fehlen, müßte eine weitere Tarifermäßigung einsetzen, die, wie die niedrigen Frachten des Auslandes zeigen, in Ausnahmefällen möglich sind. Dies würde der Auffassung des Dawes-Gutachtens nicht widersprechen, denn nach ihm sollen die Eisenbahntarife der deutschen Industrie nur keinen unangemessenen Vorteil am Weltmarkt verschaffen. Wie wir sahen, sind aber die deutschen Tarife weit davon entfernt, die Ausfuhr über die Seehäfen auch nur annähernd so zu fördern, wie es das Ausland tut. Neben den Eisenbahnen werden die Binnenwasserstraßen sehr erheblich zur Förderung unserer Seehäfen beitragen können, und dies am ehesten, wenn der Gesamtverkehr wieder den früheren Umfang erreicht hat. Sollte die Reichsbahn bei ihrem System der scharfen Staffelung nach Entfernungen und Güterarten bleiben, so wird die Binnenschiffahrt, wie schon in den letzten Jahren, sich dem Verkehr höherwertiger Güter zuwenden müssen und vielleicht vielfach in Verbindung mit Lastkraftwagen grade in den Großstädten viel Verkehr zum Nachteil der Eisenbahn an sich ziehen. Bedenkt man dazu, wie infolge des Staffelsystems der Eisenbahn nicht nur der Binnenschiffahrt Massengüter entzogen werden, sondern andererseits auch der Eisenbahn bedeutender Verkehr durch die Kraftwagen genommen wurde, so kommt man dazu, daß doch eine Prüfung nötig wäre, ob nicht das frühere Tarifsystem der Eisenbahn vielfach richtiger war. Würde die allgemein geltende Staffelung abgeschwächt, so würden manche Wirtschaftszweige nicht aus ihren gewohnten Absatzgebieten verdrängt werden, die Eisenbahnen würden einen Teil gewinnbringender Transporte wiedererhalten und könnten vor allem, ihrer Hauptaufgabe nachkommend, neuen Güteraustausch anregen und für sich verkehrswerbend mehr wirken und so der Entfaltungder Gesamtwirtschaft mehr nützen als durch Tarifpolitik, die meist darauf hinausläuft, daß anderen Verkehrsmitteln, besonders der Binnenschiffahrt, Verkehr entzogen wird. Die Binnenschiffahrt aber wird zugleich ihren Betrieb weiter vervollkommnen müssen und hierbei gerade zur Stärkung unserer Seehäfen, durch Verbesserung und Vermehrung unserer Wasserstraßen unterstützt werden müssen.

75jähriger Bestand der deutschen Kaliindustrie. Von Bergwerksdirektor W. Landgraeber. Die Kalischätze, die der deutsche Boden in überreicher Menge birgt, haben Jahrhunderte lang der Nutzbarmachung für die deutsche Volkswirtschaft geharrt. Hervorgegangen ist die Kaligewinnung aus der bergmännischen Ausbeutung der Steinsalzlager. Da die frühere Gewinnungsart des Salzes lediglich ein verlustreicher Raubbau war, und den Salzbedarf nicht deckte, begann man die Salzlager regelrecht bergmännisch auszubeuten. Um das Jahr 1850 entschloß man sich dazu, die ersten Schächte, mit denen Stein- und Kalisalze angefahren wurden, abzuteufen.

In gewissem Sinne verdankt die Kaliindustrie lediglich einem Zufall ihre Entstehung, insofern, als man mit den geplanten Schächten nicht Kalisalze, sondern Steinsalze erschließen wollte. Als man mit ihnen das Salzgebirge erreichte, stieß man zunächst auf mächtige Schichten, die aus buntgefärbten Kali- und Magnesiumverbindungen bestanden, für die man keinerlei Verwendung hatte. Man nannte sie, da sie erst abgeräumt werden mußten, um zu den gesuchten Steinsalzen zu gelangen, „Abraumsalze“. Damals warf man sie als wertlos auf die Halde. Niemand kümmerte sich darum, und es hatte fast den Anschein, als ob das darin enthaltene wertvolle Naturgeschenk keinerlei Bedeutung erhalten sollte. Erst als die Haldenbestände infolge der sich ansammelnden Mengen recht lästig wurden, besann man sich auf ihre Verwertung. Es war der damalige Oberberghauptmann Krug von Nidda, der diese wichtige Kaliquelle richtig erkannte und Chemiker an die Front rief, um Arbeitsmethoden zur Nutzbarmachung zu ersinnen. Viele Jahre hat es trotzdem gedauert, bis die Kaliindustrie einen nennenswerten Aufschwung nahm. Grundlegend hierfür waren die für die gesamte Menschheit so bedeutungsvollen Versuche des populärsten deutschen Chemikers Justus von Liebig, der bereits lange vorher auf die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Kalisalze für die Volksernährung hingewiesen hatte. Mit bewundernswerter Schnelligkeit wurden alsdann die Methoden für die fabrikatorische Gewinnung gefunden. Die erste Chlorkaliumfabrik wurde im Jahre 1861 gebaut. Alle Fabriken arbeiten heute noch nach dem damals erfundenen Löseverfahren. In dem kleinen Staßfurt entstanden in rascher Reihenfolge eine ganze Anzahl Werke, die neben Chlorkalium noch schwefelsaure Magnesia, Pottasche, Glaubersalz, Bittersalz, Brom, Bromsalze, Chaliumchromat, Cyankalium, Salzsäure, Chlormagnesium und Borsäure herstellten. Nicht nur die Chemische Industrie war die Hauptabnehmerin, sondern auch in der Landwirtschaft wurde die Bedeutung der Kalisalze zur Erzielung von Höchsterträgnissen immer mehr erkannt. Bald wurden die Kaliwerke ihre Rohprodukte ohne weitere Verarbeitung mit glänzendem Erfolge los. Der steigende Bedarf ließ weitere Kaliwerke entstehen. Aus den eigentlich beabsichtigten Steinsalzbetrieben wurde ein blühender Kalisalzbergbau. Steinsalz wurde Nebensache. Im Laufe weniger Jahre wurden in Thüringen, Hannover, Braunschweig, Hessen, Mecklenburg und Elsaß mächtige Lagerstätten |214| entdeckt. Neuzeitlich sind Baden und der Niederrhein noch hinzugekommen. In dem gewaltigen Kristallisationsbecken des „Deutschen Zechsteinmeeres“ sind bis jetzt 25 verschiedene, technisch wichtige Salzmineralien als Chloride und Sulfate der Elemente Kalium, Natrium, Magnesium und Calzium festgestellt. Hierzu kommen noch hunderte von Salzgesteinen. Das Kalifieber, das auf Grund reichlicher Funde und der guten Geschäftslage um die Jahrhundertwende einsetzte, machte die Kali-Industrie mehr und mehr zum Gegenstand kapitalistischer Spekulation. Unter dem Einfluß der Kaligesetznovelle im Jahre 1909 stampften die folgenden sogenannten „Uebergründungsjahre“ die Kaliwerke geradezu aus dem Boden. Die Folge war, daß in einigen Jahren nicht weniger als 239 Kaliwerke und 87 Fabriken gebaut wurden. Der Gesamtabsatz des im Jahre 1879 gegründeten Kalisyndikats G.m.b.H., in dem alle Werke vereinigt sind, betrug im Jahre 1880 2,5 Millionen dz. Bis zum Jahre 1900 stieg er auf 15,4 Millionen und auf 51,8 Millionen im Jahre 1913. Heuer dürften diese Zahlen noch übertroffen werden. Insgesamt ist ein Kapital von ungefähr 2000 Millionen Goldmark in dieser Industrie investiert. Hinzu kommen neuerdings noch die Badischen Kaliwerke, die kürzlich mit dem ersten Schacht das Salz angefahren haben. Starke und schwache Werke haben sich zu Betriebsund Verwaltungseinheiten, Gruppen, Konzernen und Großkonzernen zusammengeschlossen. Der Wintershall-Großkonzern umfaßt 4 Konzerne und zwar den Ronnenbergkonzern mit 10 Kaliwerken, den Glückauf-Konzern mit 13, die Deutschen Kaliwerke mit 31 und den Wintershall-Konzern mit 29 Werken. Hinzu kommen der Anhaltische und Preußische Fiskus mit 6 bzw. 11 Werken, Neustaßfurt-Friedrichshall mit 10, Gumpelgruppe mit 43 Werken. Neuzeitlich werden nicht nur gewaltige Fabrikneubauten errichtet, die mit den alten Fabrikationsmethoden aufräumen, sondern es werden gleichzeitig Verfahren ausgearbeitet, um hochwertige Kaliprodukte und andere chemische Edelfabrikate nach ganz neuartigen Gesichtspunkten auf breiter chemischer Grundlage herzustellen. In dem salzigen Reich des deutschen Bodens dürften etwa ½ Billion Tonnen nutzbarer Salzmineralien vorhanden sein.

In keinem Lande der Welt kommen derartige Lagerstätten in ähnlicher Beschaffenheit und Menge vor, wie in Deutschland. In aller Herren Länder, besonders in Amerika, suchten Privatunternehmer und Unternehmungen mit staatlicher Unterstützung nach dem geschätzten Mineral. Der Erfolg, bauwürdige Lager aufzuspüren, war bisher nur ein geringer.

Kolonnenexplosionen bei der Sauerstoffgewinnung. Verschiedentlich sind in letzter Zeit Anlagen zur Sauerstoffgewinnung aus flüssiger Luft durch Explosionen. zerstört worden, ohne daß sich die Veranlassung einwandfrei feststellen ließ. Bekanntlich ist eine Mischung von festem Azetylen und verflüssigtem Sauerstoff ein starkes Sprengmittel; ebenso bilden Methan, Äthylen und andere Kohlenwasserstoffe mit Luft oder Sauerstoff explosive Gemenge. Da nun in Industriegegenden solche Gase stets in größerer oder geringerer Menge in der Luft enthalten sind, namentlich dann, wenn Azetylenapparate oder Gaserzeuger sich in der Nähe einer Sauerstoffanlage befinden, so darf man wohl, worauf H. Kinder hinweist, annehmen, daß die vorgekommenen Explosionen auf den Gehalt der Luft an den oben erwähnten Gasen zurückzuführen sind. Wenn auch der Gehalt der zur Verdichtung gelangenden Luft an Kohlenwasserstoffen in der Regel kaum analytisch nachweisbar sein dürfte, so ist doch zu beachten, daßsich diese Bestandteile der Luft in den Kolonnenapparaten anreichern, zumal diese Gase leicht in festem Zustand abgeschieden werden können. Zur Verhütung von hieraus entstehenden Explosionen sind also geeignete Maßnahmen zu treffen, um diese Gase vor dem Eintritt der Luft in den Kompressor zu entfernen. Die bereits früher versuchte Ansaugung der zu verdichtenden Luft aus größerer Entfernung ist kein sehr wirksames Schutzmittel, da je nach der Windrichtung und der Lage die Luft wechselnde Mengen von Kohlenwasserstoffen enthalten wird, vielmehr müßten andere Maßnahmen ergriffen werden, weshalb H. Kinder einen Meinungsaustausch über diese Frage anregt. (Stahl und Eisen, 44. Jahrgang, S. 1251.)

Sander.

Die Berechnung der wirksamen Kupolofenhöhe. Der Russe Karnaoukhoff liefert einen bemerkenswerten Beitrag zur Berechnung der wirksamen Höhe eines Gießereischachtofens und versteht dabei unter wirksamer Höhe den Abstand zwischen der Ebene der Düsenachsen und der Unterkante der Gichtöffnung. Nach ihm läßt sich diese Höhe für mit Koks betriebene Kupolöfen nach folgender Formel mit genügender Sicherheit berechnen:

wobei bedeutet:

H die wirksame Höhe in Metern,

D den Ofendurchmesser in Metern,

R das Gewicht der Gicht in Kilogramm.

Diese Formel hat Karnaoukhoff aus einer Wärmebilanz von Hueser abgeleitet, wobei der thermische Wirkungsgrad des betreffenden Ofens 38,4 % betrug. Er beabsichtigt weiter die Nachprüfung bzw. die Berichtigung dieser Formel zwecks Anwendung auf die besten Kupolöfen, sobald er im Besitze eingehender Wärmebilanzen ist, die für Oefen mit erprobter zweckdienlicher Höhe und schwachem Koksverbrauch arbeiten.

Im Folgenden werden einige Beispiele aufgeführt welche die Gültigkeit der genannten Formel darlegen:

1. Beispiel: Der Durchmesser eines Kupolofens betrug D = 1,205 m, die Stundenleistung 6,55 t, der Querschnitt des Ofens 1725 dcm2 je t/St., R (Gewicht der Gicht) = 1300 kg, die wirksame Höhe H = 3,140 m, der Koksverbrauch (Koks zu 7030 WE) etwa 12,82 % einschließlich Füllkoks.

Die Höhe H läßt sich nun nach Formel (1) berechnen, nämlich:

d.h. die Höhe muß um 4,06 – 3,14 = 0,92 m vergrößert werden.

2. Beispiel: Bei einem großen Kupolofen (20t Stundenleistung) sei D = 2 m, R = 1500 kg, also:

3. Beispiel: Ein kleiner Kupolofen (3 t Stundenleistung) habe D = 0,75 m, R = 1300 kg; daraus ergibt sich:

|215|

Es ist selbstverständlich, daß bei großen Kupolöfen mit Dauerbetrieb, wie sie z.B. zur Bedienung von Bessemer-Birnen dienen, und mit schwachem Koksverbrauch arbeiten (6–7%), die Wärmeverteilung eine ganz andere ist als beim Hueser-Ofen; infolgedessen werden auch die von Karnaoukhoff in der Formel zugelassenen Koeffizienten andere sein, so daß die Formel sich ändern muß.

Demnächst sollen die notwendigen Richtlinien angegeben werden zwecks Berechnung der Koeffizienten für Kupolöfen, die mit einem möglichst geringen Koksverbrauch arbeiten.

Die Formel (1) ist nach allgemeineren Formeln aufgestellt worden, nämlich nach:

wo bedeuten:

Die Feststellung der Koeffizienten K1, K2 und K3 soll später bestimmt werden für die verschiedenen im praktischen Betrieb sich bietenden Fälle. (Revue de Métallurgie.)

Dr. Ing. Kalpers.

Motorbetriebstoff aus hydrierten Phenolen. Die Nutzbarmachung der im Urteer enthaltenen Phenole ist eine Frage von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Nach dem DRP. 402617 von Dr. W. Schrauth lassen sich aus den Urteerphenolen sehr brauchbare Betriebstoffe für Motoren gewinnen, wenn man die Phenole der Hydrierung unterwirft und die dabei erhaltenen Erzeugnisse danach mit wasserabspaltenden Mitteln behandelt. Man erhält so aus den Phenolen vorwiegend Zyklohexane, denen bis zu 25 v. H. höher siedende Polymerisationsprodukte beigemischt sein können; diese lassen sich aber ebenfalls in Explosionsmotoren restlos verbrennen. Wenn man z.B. Phenol in bekannter Weise durch katalytische Hydrierung in Zyklohexanol verwandelt und dieses dann über Phosphorpentoxyd, Kaliumbisulfat oder geglühte Magnesiumsulfat destilliert, so erhält man ein Erzeugnis, das zu etwa 75 v. H. aus Zyklohexen und zu etwa 25 v. H. aus polymerisierten Verbindungen besteht, die zwischen 100 und 200° sieden. Vom Rohkresol ausgehend, gelangte Schrauth durch Wasserstoffanlagerung zu einem Methylzyklohexanolgemisch, das nach der Behandlung mit wasserabspaltenden Mitteln einen Betriebstoff liefert, der zu etwa 80 v. H. zwischen 90 und 120° siedet, während der Rest bis 210° überdestilliert. Sander.

Die Kohlenförderung der Welt. Nach den Feststellungen des amerikanischen Geologischen Landesamtes hat die Kohlenförderung der Welt im Jahre 1924 einen Rückgang von 9 Mill. t gegenüber dem Vorjahre erfahren und gegenüber der Förderung im Jahre 1913 bleibt sie sogar um 16 Mill. t zurück. Im einzelnen erreichte die Weltförderung in den letzten drei Jahren folgende Mengen (in metrischen Tonnen):

1924: 1350 Mill. t 1922: 1226 Mill. t
1923: 1359 Mill. t 1913: 1366 Mill. t

Der Anteil der Vereinigten Staaten an der Weltförderung ist von 44 v. H. im Jahre 1923 auf 39 v. H. im vergangenen Jahre zurückgegangen. Die Förderung der wichtigsten Länder in den letzten 3 Jahren stellte sich wie folgt:


Land
1000 Mtr. Tonnen
1924 1923 1922
Vereinigte Staaten, Weichkohle 438420 511792 383072
Anthrazit 82000 84675 49607
Großbritannien 273453 280430 253613
Deutschland, Steinkohle 118829 62225 129965
Braunkohle 124360 118249 137207
Frankreich 44955 38544 32582
Tschechoslowakei 34866 28613 29639
Polen 32000 36296 24195
Belgien 23360 22922 21209
Japan 30000 30751 29330
Brit.-Indien 20524 19973 19316
Canada 11900 15413 13751

(Stahl und Eisen 1925, S. 562). S.

Die Kohlenförderung der Tschechoslowakei und die Kohlenausfuhr nach Deutschland. Auch in dem Bergbau der Tschechoslowakei macht sich gegenwärtig eine starke Absatzkrise bemerkbar und namentlich die Kohlenausfuhr weist einen erheblichen Rückgang auf. Dies ist abgesehen von den gegenwärtig in allen Ländern bestehenden Absatzschwierigkeiten in erster Linie auf die starke Belastung der böhmischen Kohle durch die Kohlen- und Umsatzsteuer und ferner auf die hohen Frachten zurückzuführen, die beide den Kohlenpreis sehr verteuern. Welche große Bedeutung besonders die Ausfuhr nach Deutschland für den böhmischen Bergbau vor dem Kriege hatte und wie sehr sich diese Ausfuhr seitdem verringert hat, ersieht man deutlich aus der folgenden Zahlentafel, die der „Montanistischen Rundschau“ 1925, S. 371, entnommen ist.


Jahr
Förderung Ausfuhr nach Deutschland
Steinkohle Braunkohle Steinkohle Braunkohle
Mill. t % Mill. t % 1000 t % 1000 t %
1913 14,23 100 23,01 100 480 100 7200 100
1919 10,38 72,9 17,11 74,3 0,5 0,1 1936 26,9
1920 11,13 78,2 19,69 85,6 28 6,0 2411 33,5
1921 11,64 81,8 21,05 91,5 70 14,7 2745 38,1
1922 9,90 69,6 18,94 82,3 96 20,1 2052 28,5
1923 11,62 81,7 16,20 70,4 816 170,1 1343 18,7
1924 14,35 100,9 20,50 89,1 233 48,6 2114 29,4

Danach hat die Steinkohlenförderung im letzten Jahre zum ersten Male wieder die Fördermenge des Jahres 1913 erreicht, während die Braunkohlenförderung nur 89% der im Jahre 1913 geförderten Menge betrug. Wesentlich anders hat sich jedoch die Ausfuhr nach Deutschland entwickelt. So ist die nach Deutschland ausgeführte Menge im Jahre 1924 bei der Steinkohle auf weniger als die Hälfte und bei der Braunkohle gar auf nur 29,4% der im Jahre 1913 abgesetzten Menge gesunken. Vor dem Kriege hat Böhmen mehr als 30 % seiner gesamten Braunkohlenerzeugung nach Deutschland ausgeführt, und in der Glas-, Porzellan- und Papierindustrie Bayerns und Sachsens wurde vorwiegend böhmische Braunkohle verfeuert, die die Elbe abwärts sogar bis Hamburg verfrachtet wurde. Die starke Ausdehnung der deutschen Braunkohlengewinnung hat diese Verhältnisse aber von Grund auf geändert und im böhmischen Braunkohlenbergbau eine recht schwierige Lage geschaffen, die um so fühlbarer ist, als zugleich auch die Ausfuhr von Braunkohle nach Gestenreich stark zurückgegangen ist. Insgesamt wurden im Jahre 1924 nur 1738761 t Steinkohle und 2856549 t Braunkohle aus der Tschechoslowakei ausgeführt.

Sander.

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