Titel: FÖRSTER, Das Bereich der ultravioletten Strahlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1927, Band 342 (S. 1–5)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj342/ar342001

Das Bereich der ultravioletten Strahlen und ihre Anwendung.

Von Oberingenieur Fritz Förster, Berlin.

I.

In dem Begriff „Licht“ fassen wir alle diejenigen Erscheinungen zusammen, die uns durch unser optisches Organ, das Auge, vermittelt werden. Licht ist die Ursache, daß wir überhaupt etwas sehen, denn nur auf die Lichtreizungen, welche die Netzhaut (retina) im Innern unseres Auges erfährt, reagieren die optischen Medien des Auges. Die empfindlichste Stelle der Netzhaut ist der sogenante gelbe Fleck (macula lutea retinae), dessen vertiefter mittlerer Teil die Netzhautgrube (fovea centralis), die Stelle der konzentrierten Sehschärfe, der Fixationspunkt ist. Diese Stelle der Netzhaut fällt nicht etwa mit der Eintrittsstelle des Sehnervs in das Auge zusammen, sondern beide Stellen liegen in der Netzhaut sehr nahe in gleicher Höhe nebeneinander, so zwar daß an beiden Augen die Eintrittsstelle des Sehnervs, der sogenannte „blinde Fleck“ (papilla optica) nach innen liegt. Der Sehnerv (nervus opticus) verästelt sich von hier aus über die ganze Netzhaut im Innern des Auges. Die Lichteindrücke werden durch den Sehnerv der hierfür zuständigen Stelle des Gehirns vermittelt und uns so zum Bewußtsein gebracht.1)

In einem völlig dunklen Raum werden wir mit unseren Augen gar nichts wahrnehmen. Bringen wir aber eine Lichtquelle von beliebiger Lichtstärke in den Raum, so werden wir nicht nur die Lichtquelle selbst, sondern auch alle anderen Gegenstände in dem Raume wahrnehmen, welche von den der Lichtquelle entströmenden Lichtstrahlen direkt oder indirekt getroffen werden. Die Lichtquelle leuchtet also nicht nur selbst, sondern sie bringt durch ihren Lichtstrom auch alle anderen Gegenstände im Raume je nach ihrem Reflexionsvermögen zum Leuchten. Nur ein „absolut schwarzer Körper“ dessen Reflexionsvermögen gleich Null ist, wird auch hier unsichtbar bleiben.

Fast alle uns bekannten natürlichen und künstlichen Lichtquellen sind nach Helmholtz sogenannte „Temperaturstrahler“ zum Unterschiede von den durch Lumineszenz, Fluoreszenz und Phosphoreszenz leuchtenden Lichtquellen, die aber z. T. noch wenig erforscht sind und deren Lichterscheinungen nach Eilhard Wiedemanns Vorschlag unter dem Sammelbegriff „Lumineszens-Erscheinungen“ zusammengefaßt werden. Unter „Fluoreszenz“ im eigentlichen Sinne versteht man die Eigenschaft mancher Substanzen, die, vom Lichte getroffen, während der Dauer der Einwirkung des Lichtes selbstleuchtend werden, meist aber dann ein anderes Licht ausstrahlen als dasjenige, welches auf sie fällt. Unter „Phosphoreszenz“ im eigentlichen Sinne versteht man die Eigenschaft gewisser Körper, die, vom Lichte getroffen, noch eine Zeitlang nachleuchten, nachdem die Einwirkung des auf sie fallenden Lichtes bereits aufgehört hat.

Es ist anzunehmen, daß das Quecksilberdampflicht der Quarzlampe, ebenso wie das Licht aller glühenden Gase und Dämpfe vorherrschend Lumineszenzlicht ist, was auch in dem Emissions-Spektrum der Quarzlampe (vergl. Abb. 1 Seite 3) zum Ausdruck kommt. Wie alle glühenden Gase und Dämpfe von hoher Temperatur zeigt das Quarzlicht im Spektroskop kein kontinuierliches Spektrum, wie die Temperaturstrahler, sondern ein sogenanntes Linienspektrum. Glühende Gase und Dämpfe von niederer Temperatur dagegen (Geisler- und Hittorfsche Röhren, Teslalicht und Moorelicht) ergeben ein charakteristisches Bandenspektrum. Als weiterer Beweis dafür, daß das Quecksilberdampflicht vorherrschend als Lumineszenzlicht aufzufassen ist, mag u.a. das Ergebnis eines Experimentes dienen, bei welchem das eingeschlossene Quecksilberdampflicht bis auf die Temperatur der flüssigen Luft (– 191° C) abgekühlt wurde, dennoch aber mit unverminderter Lichtstärke weiterleuchtete.2)

Bei den Temperaturstrahlern bestehen zwischen Wärme- und Lichtemission gewisse Abhängigkeiten. Wärme und Licht sind ebenso wie der |2| Schall, die Schwere, oder wie Magnetismus und Elektrizität, Bezeichnungen für eine bestimmte Form von Energie, und zwar bezeichnet man Schall, Licht und Wärme als kinetische Energie (Energie der Bewegung), im Gegensatz zur potentiellen Energie (Energie der Ruhe), wie Magnetismus und statische Elektrizität im Ruhezustande. Analog wie die Schwere z.B. in einem hochliegenden Körper, der am Herabfallen gehindert wird, als potentielle Energie, und im freifallenden Körper als kinetische Energie aufzufassen ist, so auch die Elektrizität. Der elektrische Strom ist kinetische Energie im Gegensatz zu der ruhenden statischen Elektrizität, als potentielle Energie, z.B. der Elektrizität eines geladenen Konduktors.

Die kinetische Energie der Wärme äußert sich durch Strahlung. Jeder Körper, der wärmer ist als seine Umgebung, gibt Energie an seine Umgebung ab. Diese Energie kann uns als Wärme, oder als Wärme und Licht wahrnehmbar sein, je nach der Intensität der Strahlung, oder, was dasselbe sagt, je nach der Temperatur des Energie ausstrahlenden Körpers.

Bringen wir einen Eisenstab, welchen wir an einem Ende beinahe bis zur dunkelsten Rotglut erwärmt haben, in einen völlig dunklen Raum, so werden wir zunächst, so lange der Stab nicht glüht, in dem dunklen Raum nur die Wärme, die von dem Eisenstab ausstrahlt, als Strahlungsenergie mit unseren Sinnen (Gefühl) wahrnehmen können. Erwärmen wir den Eisenstab aber bis zur Rot- oder Weißglut, so werden wir jetzt, wenn wir den Stab wieder in den völlig dunklen Raum bringen, neben einer intensiveren Wärmestrahlung auch Licht als Strahlungsenergie erhalten.

Bis zur Temperatur von etwa 500° C werden wir von der ausstrahlenden Energie mit unseren Sinnesorganen nur die Wärmestrahlung wahrnehmen. Von da ab werden sich unserem Auge auch Lichtstrahlen bemerkbar machen.

Nach einem von Draper um die Mitte des vorigen Jahrhunderts aufgestellten Gesetz sollen alle festen Körper bei einer Temperatur von 525° C zu leuchten beginnen, wenn man von dem theoretisch interessanten, praktisch aber belanglosen Phänomen der Grauglut vor Eintritt der Rotglut absieht. H. F. Weber und E. Emden haben aber später nachgewiesen, daß Gold schon bei 423° C, Neusilber sogar schon bei 403° C zu leuchten beginnen.

Die Helligkeit des Glühens wächst stärker an als die Temperatur. Bezeichnet man die Helligkeit mit H, die absolute Temperatur mit T, so kann man das Verhältnis zwischen Helligkeit und Temperatur durch die Gleichung ausdrücken:

wobei mit steigender Temperatur zwischen 600 und 2000° C die Potenzwerte für x von 10 bis zu 30 ansteigen.

Aus der Physik ist uns bekannt, daß das Sonnenlicht, welches von dem blendend-weiß glühenden Tagesgestirn zu uns dringt, sich – wie das Licht aller Temperaturstrahler – durch ein Glasprisma im Spektroskop in alle die verschieden farbigen Strahlengattungen zerlegen läßt, aus denen es sich zusammensetzt. Aus dem mehr oder weniger kontinuierlichen Spektrum eines Temperaturstrahlers ersehen wir, daß das Licht je nach der Höhe der Temperatur des leuchtenden Körpers sich aus ganz bestimmten Strahlengattungen zusammensetzt und daß bei einem reinen Temperaturstrahler mit steigender Temperatur immer mehr sichtbare und unsichtbare Strahlengattungen zu den bereits vorhandenen hinzutreten. Wir wissen, daß die Lichtstrahlen als äußerst kurzwellige Schwingungen des Lichtäthers von sehr hoher Schwingungszahl (Frequenz), die Wärmestrahlen dagegen als Aetherschwingungen von größerer Wellenlänge und geringerer Frequenz aufzufassen sind. Durch die zwischen der Wellenlänge und der Schwingungszahl bestehenden Relationen ist jede Strahlengattung des Lichtes durch ihre Wellenlänge ebenso wie durch die Schwingungszahl bestimmt. Ueber den Zusammenhang von Wellenlänge, Schwingungszahl und Farne der Lichtstrahlen gibt uns die nachstehende Spektraltabelle Aufschluß:

Spektral-Tabelle

Farbe rot orange gelb grün blau indigo violett Ausdruck für die
Energie
Wellenlänge 760 625 570 530 460 425 395 μμ = Millionstel
mm*)
Frequenz 395 480 525 565 650 700 760 Billionen Schwin-
gungen pro Sek.

*) Da man die verschiedenen Strahlengattungen des Emissions-Spektrums einer Lichtquelle im allgemeinen nach der Wellenlänge (λ) bestimmt, diese aber nur Tausendstel oder Millionstel mm beträgt, so hat man für Wellenlängen von Tausendstel mm die Bezeichnung μ und für Millionstel mm die Bezeichnung μμ eingeführt.

Die bei einem Temperaturstrahler an der untersten Grenze eben als Licht wahrnehmbare Strahlungsenergie, d. i. die dunkelste Glut, – ist rot. Die Wellenlänge λ der roten Lichtstrahlen ist laut vorstehender Tabelle ca. 0,0008 mm = 800 μμ bei einer Frequenz von ca. 400 Billionen Schwingungen pro Sek. Mit steigender Temperatur erhalten wir neben diesen Schwingungen auch solche von immer kürzeren Wellenlängen mit immer höheren Schwingungszahlen und damit auch Strahlen in orange, gelb, grün, blau, violett usw. mit allen Zwischenstufen. Jeder Farbenton der Spektralskala entspricht einer bestimmten Wellenlänge und Schwingungszahl. Das Produkt Wellenlänge × Schwingungszahl ist konstant und entspricht der Lichtgeschwindigkeit, welche 300000 km je Sekunde beträgt. Das hellste uns bekannte Licht, das auch die höchste Temperatur und damit die höchste Strahlungsintensität besitzt, strahlt nicht farbiges, etwa violettes Licht aus, sondern blendend-weißes Licht und dieses weiße Licht ist ein Gemisch von allen Strahlengattungen, sichtbaren und unsichtbaren, wie durch das bekannte Emissions-Spektrum `er Sonne überzeugend erwiesen. Als Beweis dafür, daß das weiße Licht aus allen farbigen Strahlengattungen zusammengesetzt ist, gilt das umgekehrte Experiment: Newtons „Farbenscheibe“ oder „Farbenkreisel.“ Teilt man eine kreisrunde Scheibe in 7 radiale Felder und trägt in die 7 Felder die 7 Hauptfarben des Sonnenspektrums auf, so wird, wenn man die |3| Farbenscheibe in schnelle Rotation versetzt, durch die Vermischung der Farben die vorher bunte Farbenscheibe dem Auge weiß erscheinen. Je reiner und übereinstimmender mit dem Spektrum man die Farben aufträgt, um so reiner wird das „Weiß“ der rotierenden Scheibe ausfallen.

Diesseits und jenseits des Bereiches der sichtbaren Strahlen vorstehender Spektral-Tabelle setzt sich diese, unserem Auge unsichtbar, an dem einen Ende über rot in ultrarote Wärmestrahlen bis zu 90000 μμ und am anderen Ende über violett in ultraviolette, chemisch-aktinische Strahlen bis zu 100 μμ, dem bis heute nachgewiesenen kürzest-welligen Ultraviolett fort. Wir unterscheiden also in unserer Schwingungsskala mit dem Wellenbereich von 90000 μμ bis zu 100 μμ: Wärmestrahlen (von 90000 bis zu 800 μμ), Lichtstrahlen (von 800 bis 400 μμ) und chemisch-wirksame Strahlen (von 400 bis zu 100 μμ). Die unsichtbaren ultraroten Wärmestrahlen können durch empfindliche Thermometer (Thermoelemente!), die unsichtbaren ultravioletten, chemisch-wirksamen Strahlen durch die photographische Platte (Bromsilber usw.) nachgewiesen werden. Bei der Temperaturermittlung wird man weiter die Beobachtung machen, daß die Wärmestrahlung in Richtung auf ultrarot der Spektralskala und darüber hinaus zunimmt, während sie in entgegengesetzter Richtung auf ultraviolett und darüber hinaus abnimmt. Nichtsdestoweniger ist die Temperatur der Gesamtstrahlung bei einem Licht, welches mit seiner Strahlenemission weit in das Bereich der ultravioletten, chemisch-wirksamen Strahlen hineinreicht, immer, größer als bei einem Licht, dem die ultravioletten Strahlen fehlen, weil diese nur durch höhere Gesamttemperatur erzeugt werden. Die ultravioletten Strahlen sind stets das Attribut starker Lichtenergien.

Für die praktische Beleuchtungstechnik sind sowohl die ultraroten Wärmestrahlen wie die ultravioletten, chemisch-wirksamen Strahlen vom Uebel. Ihre schädlichen Wirkungen werden durch die Hilfsmittel und Rüstzeuge der Beleuchtungstechnik aber in verhältnismäßig einfacher Weise beseitigt. Insbesondere sind es die kurzwelligen ultravioletten Strahlen, die eine gesundheitsschädliche physiologische Wirkung auf die Netzhaut unserer Augen ausüben3) und deshalb im Lichte unserer praktischen Beleuchtungsanlagen ausgemerzt werden müssen, was in sehr einfacher und sicherer Weise schon durch gewöhnliches Klarglas geschieht.

Aus der Zusammenstellung einiger Spektra der Sonne (Streifen 1), der Reinkohlen-Bogenlampe (Streifen 2), der Solluxlampe (Streifen 3) und der Quarzlampe ohne und mit verschiedenen Filtern (Streifen 4–11) auf obenstehender Spektraltafel (Abb. 1) ist ersichtlich, wie weit das Spektrum der Quarzlampe ohne Filter gegenüber anderen Lichtquellen von hoher Temperatur in das kurzwellige Ultraviolett hineinreicht. Da eine eigentliche reaktionskräftige chemische Wirkung der ultravioletten Strahlen erst bei einer Wellenlänge von 300 μμ beginnt, so ist die Ueberlegenheit der Quarzlampe in bezug auf ihre reiche Ultraviolett-Emission hier sehr deutlich zu erkennen. Das Spektrum der Quarzlampe ohne Filter (Streifen 4) zeigt auch im kurzwelligen Ultraviolett bis 230 μμ noch starke Strahlung. Diese Strahlung erstreckt sich weit über 230 μμ hinaus. Der zur Aufnahme benutzte Spektrograph vermochte sie nur nicht weiter aufzunehmen. Beweis dafür, daß die Quarzlampe noch starke Strahlungen sogar über 200 μμ hinaus emittiert, ist das Auftreten von Ozon (dreiatomiger Sauerstoff O3). Ozon entsteht, wie physikalisch nachgewiesen ist, bei Temperaturstrahlern nur, wenn diese ultraviolette Strahlen unter 190 μμ emittieren und zwar sind es vorzugsweise die Ultraviolettstrahlen von 187 μμ, bei welchen eine starke Ozonbildung auftritt. Aus Abb. 1 ersehen wir nun weiter: Durch Vorschaltung von 1,3 mm Uviol-Klarglas (Streifen 5) wird das kurzwellige Ende des Spektrums bis etwa 260 μμ hin ausgelöscht.

Textabbildung Bd. 342, S. 3

Durch doppelt starkes Uviolglas (Streifen 6) geht die Absorption weiter, etwa bis 270 (260 bis 280) μμ.

Streifen 7 zeigt die Veränderung des Spektrums durch das Normal-Uviolglas-Blaufilter. Man sieht am langwelligen Ende zwischen 500 und 600 μμ die beiden hellen Linien (in der Natur gelb und grün) vollkommen ausgelöscht, d.h. das Licht hat |4| das aktinisch-unwirksame Gelb und Grün, das oft durch unerwünschte Helligkeit stört, vollkommen verloren; es enthält im sichtbaren Gebiet, oberhalb 400 μμ, nur noch den letzten chemisch- und biologisch-wirksamen blauvioletten Teil der Strahlung, es erscheint rein dunkelblau-violett. Das wertvolle Ultraviolett-Gebiet zwischen 280 und 320 μμ ist ungeschwächt. Mit der Linie 280 μμ, die noch recht stark erscheint, endet die Strahlung.

Streifen 8 ist aufgenommen mit demselben Blaufilter in doppelter Stärke. Die letzte Linie liegt bei 297 μμ, was eine besonders milde Strahlung ergibt, die sich derjenigen der Natursonne noch mehr nähert und deshalb für ärztliche Zwecke meist erwünscht ist.

Textabbildung Bd. 342, S. 4

Streifen 9 zeigt die Absorption durch außergewöhnlich dünnes (1 mm) Fensterglas. Man sieht, daß nur langwelliges, wenig wirksames Ultraviolett hindurchgeht. Bei normaler Glasstärke von 2 bis 3 mm wird auch die Linie 313 μμ kaum noch erscheinen.

Textabbildung Bd. 342, S. 4

Streifen 10 und 11 zeigen noch die Absorption von dünnen Folien aus Zelluloid und Glimmer in 0,25 bzw. 0,05 mm, die für manche Versuche in Frage kommen.4)

Der Physiker Dr. Richard Küch, der Erfinder des Quarz-Schmelzverfahrens hat im Jahre 1905 auch die Quarzlampe erfunden.

Die Quarzlampe ist eine Quecksilberdampflampe, bei welcher das durch den elektrischen Strom im Quecksilber-Lichtbogen mit einer Temperatur von etwa 2000° C erzeugte Quecksilberdampflicht in einer luftleeren Quarzglasröhre eingeschlossen ist. (Abb. 2.)

Quarz ist der schwer schmelzbare und im geschmolzenen Zustande auch schwierig zu bearbeitende Bergkristall (Siliciumdioxyd oder Kieselsäureanhydrid SiO2).

Textabbildung Bd. 342, S. 4

Schon lange war es bekannt, daß glühende Quecksilberdämpfe chemisch-wirksame, ultraviolette Strahlen in großer Menge aussenden. Bei den gewöhnlichen Quecksilberdampflampen (Cooper-Hewitt) in der langen Glasröhre wurden die ultravioletten Strahlen aber von der Glasumhüllung wieder absorbiert. Quarz läßt einmal die ultravioletten Strahlen vollständig durch, dann aber gestattet er auch, den Quecksilberdampf auf weit höhere Temperatur zu bringen, als es in Glasröhren möglich ist, weil Quarz seine Festigkeit noch bei einer Temperatur behält, bei der gewöhnliches Glas schon flüssig wird. Infolge der sehr hohen Temperatur nimmt aber auch die Menge der vom Quecksilberdampf ausgesandten ultravioletten Strahlen ganz außerordentlich zu, und so gelang es – dank der von Küch erreichten Schmelzbarkeit |5| des Bergkristalls –, eine Lampe herzustellen, die alle bisher bekannten Lichtquellen in bezug auf Ultraviolett-Ausstrahlung weit übertrifft.

Textabbildung Bd. 342, S. 5

Bei Erfindung der Quarzlampe wußte man nun allerdings mit dem großen Reichtum der Lampe an ultravioletten Strahlen zunächst nicht recht etwas anzufangen. Dieser Reichtum wurde sogar in der praktischen Beleuchtungstechnik, wo die Quarzlampe zuerst für gewisse Fabrikationsbetriebe, wie Gießereien, Maschinenfabriken, Buchdruckereien, Setzereien usw. Verwendung gefunden hatte, bald als nachteilig, störend und schädlich angesehen. Vor allen Dingen weigerten sich die Arbeiter in dem blau-grünlichen Lichte, das alle Farben veränderte und dadurch auch dem Menschen ein wenig vorteilhaftes Aussehen gab, zu arbeiten und so verschwand die Quarzlampe allmählich aus den Beleuchtungsanlagen der Fabrikbetriebe wieder. Man suchte und fand bald andere Anwendungsgebiete für die Quarzlampe. Für praktische Beleuchtungszwecke mußte sie unbedingt mit einer Glasglocke, ähnlich der der elektrischen Bogenlampen, über den Quarzbrenner ausgerüstet werden, um dadurch (vgl. Streifen 9, Abb. 1) dem Quarzlicht die dem Auge schädlichen kurzwelligen Ultraviolettstrahlen zu entziehen. Diese erste Quarzlampe zu Beleuchtungszwecken hatte auch noch so etwas wie einen Bogenlampen-Mechanismus, er bestand im wesentlichen aus einer elektromagnetischen Kippvorrichtung, welche nach dem Einschalten die Zündung bewirkte. Dieser Mechanismus war erforderlich, weil die Quarzlampen zu Beleuchtungszwecken, genau wie die elektrischen Bogenlampen, außerhalb des Handbereiches hoch aufgehängt wurden. Die Quarzlampe zu Bestrahlungszwecken befindet sich aber stets im Handbereich (vgl. Abb. 3 u. 4). Sie besteht in der Hauptsache aus:

  • 1. dem Quarzbrenner als eigentliche Lichtquelle,
  • 2. dem Gehäuse mit Reflektor,
  • 3. der sehr einfachen Aufhänge- und Kippvorrichtung und
  • 4. dem Vorschalt-Widerstand oder Transformator.

Beide Quarzlampentypen, System Bach und Jesionek, als „künstliche Höhensonne“ werden sowohl in hängender Ausführung (nach Abb. 3) wie in stehender Ausführung mit Stativ (nach Abb. 4 u. 5) angefertigt. Die Quarzbrenner für Gleichstrom sind von denen für Wechselstrom durchaus verschieden. Die Quarzbrenner für Gleichstrom haben je nach der verfügbaren Netzspannung (110 oder 220 Volt) verschiedene Längen, während für Wechselstrom nur eine Brennertype und zwar für die hierfür günstigste Brennerspannung von ca. 180 Volt hergestellt wird. Auf diese Spannung wird durch den für jede Wechselstrom-Quarzlampe erforderlichen Transformator die jeweilig vorhandene Netzspannung transformiert.

In der nachstehenden Tabelle sind die wichtigsten technischen Daten für den Betrieb der Quarzbrenner, sowohl der Bach- wie der Jesionek-Quarzlampe, angegeben:


Netzspannung

Volt
Betriebs-
Strom-
stärke
Amp.
Anlauf-
strom

Amp.
Klemmen-
Spannung
am Brenner
Volt
Licht-
bogen-
länge
ca. mm
Ungefähre
Licht-
stärke
in Hk*

Strom-
ver-
brauch
Gleichstrom
Type
Bach
110
220
4
2,5
11
8
70–80
150–160
60
120
1200
2000
0,44 kW
0,55 kW
Type
Jesionek
110
220
6
3½-4
16
11
70–80
150–160
60
120
2000
3000
0,70 kW
0,90 kW
Wechselstrom (Primär)
Type
Bach
und
Jesionek
120

220
7,5

3,7
11

9

175–185
120

(dreipolig)

2500
0,60 kW

0,70 kW

*) Hk = Hefnerkerzen.

Die unter Anlaufstrom angegebenen Werte ergeben sich kurz nach dem Zünden und werden zunächst schneller, dann langsamer kleiner, bis nach sechs Minuten die Normalstromstärke erreicht ist.

(Teil II folgt.)

|1|

Näheres hierüber vgl.: O. Lummer, „Grundlagen, Ziele und Grenzen der Leuchttechnik.“ Aufl. 1918 Kapitel V (Verlag R. Oldenbourg, Berlin und München).

|1|

O. Lummer, „Grundlagen, Ziele und Grenzen der Leuchttechnik.“ Aufl. 1918 (Verlag R. Oldenbourg, Berlin und München).

|3|

O. v. Sicherer, „Die Hygiene des Auges.“ II. Auflage 1913.

|4|

L. J. Busse, „Ultraviolette Strahlen und ihre Eigenart“ (Sollux-Verlag, Hanau a. M.).

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