Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1927, Band 342 (S. 19–22)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj342/ar342006

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Die 9. Hauptversammlung der Brennkrafttechnischen Gesellschaft in Dresden am 3. und 4. Dezember 1926. Zum ersten Male hielt die Brennkraft-technische Gesellschaft ihre Hauptversammlung außerhalb Berlins ab. Befürchtungen, der Besuch möchte deshalb weniger rege als sonst sein, haben sich als unbegründet erwiesen, es sei gleich hier festgestellt, daß diese Dresdner Tagung einen vollen Erfolg bedeutete.

Nachdem am 3. Dezember eine Sitzung des Hauptausschusses den Auftakt gegeben hatte, begann der 4. Dezember in der Aula der Technischen Hochschule mit einer geschäftlichen Sitzung, an die sich der wissenschaftlich-technische als öffentlicher Teil anschloß.

Nach einer kurzen Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Generaldirektors Henrich, eröffnete Dipl.-Ing. M. Biener von der Sächsischen Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann, Chemnitz, die Vorträge mit dem Thema: Neuzeitliche Kraft- und Wärmeanlagen in Textil- und Papierfabriken. Die Nöte der Kriegs- und Nachkriegszeit, so führte der Redner aus, haben die Industrie zu allergrößter Sparsamkeit gezwungen. Demgemäß haben viele Firmen bereits ihre Betriebsmittel umgestaltet und verbessert; in manchen Betrieben allerdings wird auch heut noch sehr unwirtschaftlich verfahren. Es sind Kohlenkonten zu führen, die über Art, Herkunft, Preis, Verbrauch usw. an Kohle Aufschluß geben. Das ergibt die Rohbilanz, die eine ständige Kontrolle des Kohlenverbrauchs im Verhältnis zum Fertigfabrikat nötig macht. In dieser Bilanz sind zu unterscheiden:

  • 1. Kessel-, d. i. Kohlenverbrauchsanlage,
  • 2. Die Kraftmaschine, das ist die Krafterzeugungsanlage.
  • 3. Die Kraftübertragung, das ist die Kraftverbrauchsanlage.
  • 4. Die Dampf- bzw. Wärmeübertragungsanlage.
  • 5. Die Abdampfverwertungsanlage.

Der Redner besprach diese Fälle und ging dann zum Schlusse seiner Ausführungen noch auf die Einzylinder-Gegendruckmaschine, die Verbunddampfmaschine mit Zwischendampfentnahme und Vakuumheizung, die Zwillingsdampfmaschine mit Abdampfverwertung sowie auf das Prinzip der Hochdruck-Vorschaltmaschine ein, die zweckmäßig mit 30–40 at Eintrittsspannung und 12 at Gegendruck ausgeführt wird und deren nachträgliche Hinzufügung zu älteren Anlagen – abzusehen natürlich von den neu aufzustellenden Hochdruckkesseln – mit verhältnismäßig geringen Kosten verknüpft ist.

Für den zweiten Vortrag hatte Dr.-Ing Dolch, Direktor des Universitätsinstitutes für technische Chemie in Halle (Saale), das Thema gewählt: Die Verschwelung der Kohlen als wirtschaftliches Problem. In heutiger Zeit hat jede Behandlung der Kohlenverschwelung noch recht problematischen Charakter, weil die technische Durchführung noch der festen Form entbehrt und eine Vielheit recht verwickelter Fragen noch der Lösung harrt, ja, selbst die Grundlagen des Problems in wirtschaftlicher Beziehung noch sehr umstritten sind. Ausgangspunkt bildet die Aufgabe, aus der Kohle – zunächst der Braun-, dann aber auch der Steinkohle |20| – flüssige Brennstoffe herauszuwirtschaften. Die Richtlinien für die weitere Entwicklung der Verschwelung sind heute ebenfalls noch nicht einheitlich; man hat vielmehr folgende drei Fälle zu unterscheiden:

1. Die Verschwelung als Fortsetzung der technisch und wirtschaftlich wohl befriedigenden, aber bis zu einem gewissen Grade überholten Verschwelung der mitteldeutschen Braunkohle.

2. Die Verschwelung von Braunkohle ganz anderer Art (Lignitkohlen), deren Teergehalt beträchtlich geringer als derjenige der deutschen Braunkohlen ist und bei denen die Aufbereitung des Teers neue Fragen aufrollt.

3. Die Verschwelung der Steinkohlen.

In seinen tiefgründigen Ausführungen kam Dolch auch auf die sogenannte Kohlenverflüssigung zu sprechen. Es sei zweifelhaft, ob sie bessere Ergebnisse als die Verschwelung liefern kann, die ja als Rückstand noch hochwertigen Schwelkoks ergibt. Für mitteldeutsche Braunkohle bietet die Verschwelung jedenfalls vorläufig noch die besseren Aussichten, erst wenn ein Absinken des Teeranfalls eintreten sollte, bedeutet die Verflüssigung für sie eine Gefahr.

Prof. Dipl.-Ing. Seidenschnur, Direktor des Braunkohlenforschungsinstitutes zu Freiberg, sprach über den Stand der Schweltechnik nach den neuesten Forschungen. Anknüpfend an die alte Streitfrage „Retorten oder Spülgasschwelung,“ berichtete er über in Freiberg angestellte Versuche, die diese Streitfrage ihrer Lösung wohl erheblich näherbringen werden. Ein Mitarbeiter des Vortragenden, Dipl.-Ing. Raithel, hat sich eingehend mit den „Grundlagen der Braunkohlenentteerung mittels Spülgasen“ befaßt. Diese Arbeiten lassen die großen Vorzüge des Spülgasverfahrens erkennen, das 100% Teerausbeute (gemäß Analyse nach Fischer) ermöglicht. Die Temperatur kann dabei in einfacher Weise geregelt werden, und da Spülgas den Prozeß beschleunigt, so sind große Durchsätze erzielbar. Professor Seidenschnur machte auf die Fehler der bisherigen Schnelltrocknung aufmerksam und zeigte, wie sie z.B. bei einem langsam arbeitenden Bandtrockner vermieden werden können.

Als nächster Redner sprach Dr.-Ing. W. Anderhub von Escher Wyss u. Cie., Zürich, über: „Neuzeitliche Dampfturbinenanlagen für hohe und höchste Drücke für vereinigte Heiz- und Kraftbetriebe, mit besonderer Berücksichtigung der Textil- und Papierindustrie.“ Der Vortragende behandelte dabei vorzugsweise die Bedeutung des Hochdruckdampfes für vereinigte Heiz- und Kraftbetriebe. Diese Bedeutung ist bei Gegendruckbetrieben anders als bei Kondensationsbetrieben zu beurteilen, denn bei letzteren ist der Hauptzweck die Verbesserung des thermischen Wirkungsgrades, bei ersterem dagegen Leistungssteigerung. Der Vortragende zeigte in sehr interessanten Kurvendarstellungen für die verlustlose Turbine die Zusammenhänge zwischen Druck und Leistung und legte dar, daß der thermische Wirkungsgrad des Gegendruckbetriebes bei geschlossener Speisung 100% ist, während er bei gesondertem Heizbetrieb und Krafterzeugung im Kondensationsbetriebe stets kleiner als 100% und zwar um so kleiner ausfällt, je größer die Leistung wird. Er behandelte sodann den Einfluß des Turbinenwirkungsgrades auf die Zusammenhänge von Heizfähigkeit, Leistung und Dampfdruck.

An einem Beispiel aus der Zellstoffabrikation wurde von Dr.-Ing. Anderhub nachgewiesen, daß mit neuzeitlichen Turbinen in Betrieben mit verhältnismäßig kleinem Heizdampfverbrauch mit reinem Gegendruckbetrieb auszukommen ist. Am Schlusse führte der Vortragende im Lichtbilde eine Reihe neuzeitlicher Zoelly-Turbinen vor, wie sie von der Firma Escher Wyss & Cie. in ihren Werken zu Zürich und Ravensburg hergestellt worden sind, bzw. werden. Von besonderem Interesse waren dabei eine bei S.S.W. in Berlin-Siemensstadt bereits in Betrieb befindliche 1000pferdige Turbine für 1000 atm. Betriebsdruck, 15 atm Gegendruck, 400 C Dampftemperatur, n = 10000/Min., untersetzt auf 3000/Min., ferner eine zurzeit in der Werkstatt fertiggestellte, in Hoch- und Niederdruck unterteilte Turbine für 3700-PS-Leistung, 180 atm Betriebsdruck und 420 C Dampftemperatur; bei dieser Anlage beträgt das Druckgefälle des Hochdruckteiles (180–34) atm, das des Niederdruckteiles (34 bis 6,5) atm.

Oberingenieur Schultz von den S.S.W. Berlin-Siemensstadt besprach nunmehr die elektrischen Kraftanlagen in Textilfabriken. Die Textilindustrie zeichnet sich durch die große Zahl und Mannigfaltigkeit der von ihr verwendeten Arbeitsmaschinen aus. Dementsprechend sind auch die Aufgaben, die sie für den elektrischen Einzelantrieb stellt, sehr verschieden und umfangreich.

Der elektrische Einzelantrieb hat sich deshalb durchgesetzt, weil die Elektrizität ein bequemes Energie- und Transportmittel darstellt und die zugeführte Energie mit Hilfe des Elektromotors in einfachster Weise in mechanische Arbeit umgewandelt werden kann. Während man bei mechanischen Antrieben an bestimmte Leistungsgrößen gebunden ist, also bei Überschreitung gewisser Leistungsgrenzen verschiedene Kraftstellen im Werke anordnen muß, gibt die Elektrizität die erwünschte Möglichkeit zum Einzelantrieb trotz Zentralisierung der Primärkraftstation. Der Einzelantrieb aber gibt mannigfache Vorteile. Von den Antrieben für die Spinnerei erläuterte Schultz die regelbaren Drehstrom-Spinnmotoren und ihre Arbeitsweise. Interessant war hierbei die Mitteilung, daß neuerdings an Stelle der Reihenschlußmotoren, die ziemlich drehzahlempfindlich sind, Nebenschlußmotoren verwendet werden, die dieselben Eigenschaften wie die bekannten Gleichstromnebenschlußmotoren besitzen. Das ist besondevs wichtig beim Anschluß an Überlandzentralen, in denen größere Stromschwankungen vorkommen.

Eine große Zahl von Lichtbildern zeigte, wie mannigfaltig die Elektrotechnik heute bereits in Textilfabriken Verwendung findet und in wie hohem Maße sie sich den besonderen Anforderungen dieses Gebietes anzupassen verstanden hat. Das gleiche Urteil läßt sich auch für die elektrischen Kraftanlagen in Papierfabriken abgeben, die Oberingenieur O. Kessler, ebenfalls von den S.S.W. in Berlin-Siemensstadt, unter Vorzeigung einer schier erdrückenden Fülle von Lichtbildern eingehend besprach. Die elektrische Kraftübertragung, so leitete der Redner seinen Vortrag ein, hat sich in Papierfabriken trotz anfänglicher Widerstände heute auf |21| der ganzen Linie durchgesetzt, da sie ein unentbehrlich gewordenes Hilfsmittel zur Rationalisierung der Produktion und Wahrung höchster Wirtschaftlichkeit und größter Betriebssicherheit ist. Die höchste Wirtschaftlichkeit der elektrischen Kraftübertragung ist erreichbar, wenn der Elektromotor möglichst in direkter Kupplung oder mit einer einfachen Riemen- oder Zahnräderübertragung die Arbeitsmaschine selbst antreibt. Die elektrische Kraftübertragung schafft den großen produktionstechnischen Vorteil, daß man die Arbeitsmaschine ohne Rücksicht auf ihre Antriebsverhältnisse so aufstellen kann, wie es der rationelle Produktionsgang erfordert. Der Vortragende erläuterte nun die Ausführung des elektrischen Einzelantriebes an den hauptsächlich in Betracht kommenden Arbeitsmaschinen der Papierfabrikation, und zwar in der Holzschleiferei, bei den Holländern und Kegelstoffmühlen sowie beim Antrieb des konstanten und variablen Teiles der Papiermaschine. Am schwierigsten war die Lösung des Problems, den variablen Teil der Papiermaschine elektrisch anzutreiben. Man verwendet jetzt allgemein hierfür die Leonard-Schaltung. Die Entwicklung großer schnellaufender Papiermaschinen zur Massenherstellung von Zeitungspapier war nur durch Verwendung des elektrischen Einzelantriebes an den einzelnen Gruppen der Papiermaschine selbst möglich. Auch bei der Beschaffung von Feinpapiermaschinen muß heute die Frage, ob besser Transmissionsantrieb oder elektrischer Einzelantrieb zu wählen ist, sorgfältig geprüft werden.

Als letzter Redner erhielt sodann Direktor Lest von der Muskauer Papierfabrik Graf Arnim, Muskau, das Wort zur Behandlung des Themas: Wärme- und Kraftwirtschaft im Rahmen der Gesamtwirtschaft.

Die Aussprache wurde von Herrn Direktor Teufer, Berlin, eröffnet, der über die in der Textilveredlungsindustrie zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit ergriffenen Maßnahmen berichtete.

Über verschiedene Einzelheiten zu den VortѲägen sprachen dann noch Direktor Lösel, Dipl.-Ing. Strecker und Dipl.-Ing. Vorbrodt.

Der Vorsitzende, Generaldirektor Henrich, schloß hierauf die 9. Hauptversammlung der Brennkrafttechnischen Gesellschaft mit Worten des Dankes.

Zur Frage der Konzessionen in Rußland. Nach den letzten russischen Angaben verteilen sich die wichtigsten Konzessionen auf folgende Länder: Deutschland 20, England 16, Amerika 11, Schweden 4, Frankreich 3 usw.; auf die Montanindustrie erstrecken sich hiervon am meisten: 20, Verarbeitende Industrie 19, Baugewerbe 2 usw. In der letzten Zeit ist in Deutschland offenbar ein Abflauen des Interesses an den Konzessionen in Rußland eingetreten. Die Gründe hierfür sind nicht schwer zu finden. Die Schaffung von Konzessionsunternehmungen bedingt eine Aufwendung von neuem in der Produktion anzulegenden Geldkapital, das man dort sicher nur anlegen wird, wenn man sich eine höhere Verzinsung verspricht als in Deutschland, abgesehen von Einzelfällen, wo für spätere Interessen auch momentan Opfer gebracht werden. Da außerdem Konzessionen langfristige Kapitalanlage bedeutet, konnte bei den zeitweilig sehr hohen Zinssätzen in Deutschland für langfristiges Geld ein ebenso hoher Gewinn aus Konzessionen in Rußland nicht vorausgesetzt oder auch nur erhofft werden.

In der Krisenperiode der deutschen Wirtschaft tauchte oft von deutscher Seite der Gedanke auf, ganze Unternehmungen, für deren Produkte in Deutschland kein Absatz zu finden war, nach Ruß-Land zu verkaufen bzw. als Konzessions-Unternehmen hinüberzutransportieren. Von der großen Anzahl dieser Angebote wurde bisher nur eins von den Sowjetleuten zum Abschluß gebracht (Rheinmetall, Lokomotivfabrik). Die Gründe hierfür hat man in folgendem zu sehen: Die Bewertung von ganzen Industrieunternehmungen bei einer Ueberführung in ein anderes Land ist außerordentlich schwierig. Die Loslösung der ganzen Maschinerie von ihrem Standort, die Ueberführung derselben nach Rußland, der Verlust des Absatzes und der Bezugsquellen für Rohstoffe, das alles vermindert natürlich den Wert der Ausrüstung. Hinzu kommt noch, daß große Kosten durch den notwendigen Bau von Fabrikgebäuden in Rußland für die Unterbringung der Ausrüstung entstehen. In dem Falle der erwähnten Lokomotivfabrik kamen noch erschwerend für die Verhandlungen die Absatzschwierigkeiten hinzu, in denen sich die deutschen Lokomotivfabriken befinden, was die gegnerische Partei natürlich ausunutzen versuchte.

Nun ist in den letzten Monaten eine Veränderung auf dem Geldmarkt insofern eingetreten, als er durch das Vorhandensein größerer Mengen freien Geldkapitals außerordentlich flüssig geworden ist. Dies drückt sich vor allem in der Tatsache aus, daß die Zinssätze nicht nur für tägliches Geld sanken (3% und darunter), sondern auch für Monatsgeld (5%) und länger, während der Reichsbankdiskont 5% beträgt, ein Satz, der nur von den nordischen Ländern und Holland in Europa unterboten wird. Dies bedeutet, daß, wenn es sich um die Möglichkeit einer neuen Kapitalanlage in Rußland handelt, der Rentabilitätsvergleich nicht mehr mit dem Zinssatz für Geldkapital, sondern mit der bei einer industriellen Anlage in Deutschland selbst erreichbaren Profitrate zu ziehen ist. Man wird sich also bei der Anlage von Kapital für das Land entscheiden, in welchem man für die Zukunft mit einem höheren Gewinn rechnen zu können glaubt.

Nun ist anzunehmen, daß nach Beendigung des englischen Bergarbeiterstreiks, wenn auch nicht sofort, so doch nach einiger Zeit, die Lage der deutschen Industrie wieder schwieriger werden und der Absatz auf dem Weltmarkte wieder auf größere Schwierigkeiten stoßen wird. Ferner ist in Betracht zu ziehen, daß nach der Modernisierung der technischen Einrichtungen der Industrie eine Erhöhung der Produktion und damit unweigerlich die Notwendigkeit sich ergeben wird, eine noch größere Menge der Produktion als bisher auf dem Weltmarkt abzusetzen. Da dies nur unter Preisopfern möglich sein wird, wird die Durchschnittsdividende in Deutschland nach wie vor eine niedrige sein und es wird wenig aussichtsreich bleiben, Geldkapital in neu zu schaffenden industriellen Unternehmungen anzulegen. Es scheint somit die Möglichkeit in Zukunft eher zu bestehen |22| deutscherseits Kapital im Auslande und auch in Konzessionen in Rußland anzulegen.

Die Sowjetregierung wird auch in Zukunft aus mehreren Gründen gezwungen sein, deutschen Konzessionären in jeder Weise entgegenzukommen. Die Ausdehnung, oder überhaupt das Wiederaufleben der industriellen Produktion war in Rußland nur möglich durch restlose Ausnutzung der vorhandenen Produktionsanlagen. Da aber zugegebenermaßen selbst bei der für jeden Industriezweig vorgesehenen Erhöhung der Produktion für 1926/27 die Aufnahmefähigkeit des bäuerlichen Marktes größer ist und bleiben wird, so ist die weitere Ausdehnung der industriellen Produktion für die Sowjetunion eine zwingende Notwendigkeit. Da also die ökonomische Möglichkeit besteht, deutsches Kapital für Unternehmungen in Rußland bereitzustellen, so kann man wohl für die Zukunft mit einer Belebung auf dem Gebiete der Konzessionen rechnen. Was auch immer bisher über die angeblichen Schädigungen, die deutsche Konzessionäre in Rußland durch amtliche Stellen erfahren haben sollen, in die Presse gedrungen ist, zahlenmäßig belegte Beispiele hat man nie dafür bisher erhalten können; wohl aber ist im Gegenteil durchaus einwandfrei festgestellt worden, daß sich z.B. die Wirthsche Holzkonzession mit ihren Sägewerken, Papierfabriken usw. weit über den ursprünglich vorgesehenen Rahmen hinaus entwickelt hat.

Aus einer offiziellen russichen Aufstellung, die in einem ganz andern Rahmen veröffentlicht wurde, sie sollte den Umfang der russischen Industrie darstellen, geht übrigens hervor:

Der Wert der Produktion betrug pro Arbeiter in Rubel pro Jahr (1925/26):

Maschinenbau: staatlich 1940
privat 3710
ein konzessionierter
Betrieb

4005
und
Chemische Industrie: staatlich 5459
privat 8605
ein konzessionierter
Betrieb

38400

Woraus wohl hervorgeht, daß das in Konzessionen angelegte Kapital sich wohl ganz gut verzinsen wird, wenn man außerdem noch beachtet, daß die Produktionszahlen, die oben für staatliche und private Betriebe angegeben wurden, annähernd den in europäischen Industrieländern üblichen entsprechen.

Rgl.

Gebrauchserlaubnis für Kraftomnibuslinien? – Eine Entscheidung des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 26.11.26. 78 T 1925. –

1. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hat entschieden: An öffentlichen Straßen und Plätzen steht einer Stadtgemeinde sowohl privatrechtliches Eigentum zu, sowie auch ein öffentlich-rechtliches Wegeherrschaftsrecht. Da aber die öffentlichen Wege dem Gemeingebrauch dienen, ist eine gewisse Einschränkung der gemeindlichen Rechte von selbst gegeben, d.h. die Gemeinde muß sich die Benutzung der Wege in mancherlei Hinsicht gefallen lassen.

So ist z.B. die Benutzung einer Straße durch Automobile etwas, was die Gemeinde im Hinblick auf die neuzeitliche Verkehrsentwicklung zu konzedieren hat. Hieran wird nichts dadurch geändert, daß das Befahren einer Straße in regelmäßigen Zeitabständen erfolgt. Auch sind die Interessen der Gemeinden durch § 3 des Gesetzes über Änderungen im Polizeiwesen vom 27. 6. 21 (Rgbl. S. 199) geschützt, wonach die Polizei im Einvernehmen mit der Gemeinde vorzugehen hat. Will sich eine Gemeinde gegen übermäßige Abnutzung der Straßenoberfläche schützen, so steht ihr zufolge § 17 des Wegebaugesetzes vom 12. 1. 70 das Recht zu, unter Umständen einen Kostenbeitrag zu verlangen.

2. In vielen Fällen wird jedoch durch eine örtliche Polizeiverordnung die regelmäßige Benutzung einer Straße von der Zustimmung der Gemeinde abhängig gemacht werden. Auch hat sie zufolge § 76 Gewerbeordnung einen Einfluß auf die Tarifgestaltung.

3. Dem Sächsischen Oberverwaltungsgericht lag ein Fall zur Entscheidung vor, wo infolge einer Polizeiverordnung ohne Zweifel eine Konzessionspflicht für den Unternehmer einer solchen Omnibuslinie bestand. In dem Kompetenzstreit, der zwischen Staat und Gemeinde entbrannt war, entschied das Oberverwaltungsgericht zugunsten des Staates mit folgender Begründung:

„Wenn im vorliegenden Falle das Sächsische Ministerium des Innern den Kompetenzstreit selbst zu lösen versucht hat, indem es die Zustimmung des Staates für erforderlich erklärte, so ist diese Entscheidung zu billigen. Die Behauptung der Stadt, ihr Wege-Hoheitsrecht sei verletzt worden, ist unrichtig.“

Zufolge § 97 der Sächsischen Gemeindeordnung gehört die Sicherheits- und Verkehrspolizei zu den staatlichen Aufgaben, die lediglich den Gemeinden delegiert werden können. Die Regelung des Kraftlinienwesens ist verkehrspolizeilicher Natur; somit auch die Konzessionserteilung für ein derartiges Unternehmen. Es bedarf daher der Zustimmung des Staates, im vor. Falle also der Zustimmung der Kreishauptmannschaft.“

L. Oppenheimer.

Kennfarben für Rohrleitungen. Der Fachnormenausschuß für Rohrleitungen, Gruppe Farben für Rohrleitungen, hat der Oeffentlichkeit soeben das Normblatt über Kennfarben für Rohrleitungen übergeben.1) Als Grundfarbe wurde festgelegt für

Dampf rot Lauge lila
Wasser grün Oel braun
Luft blau Teer schwarz
Gas gelb Vakuum grau
Säure orange

Die weitere Unterteilung für die verschiedenen Arten der Leitungsinhalte geschieht durch farbige Querbänder, deren Tönung in einigen Fällen ebenfalls von der früheren abweicht. Die Anbringung der Farbkennzeichen ist jedem Betriebe überlassen. Die obigen Grundfarben sollen möglichst auch bei Rohrplanzeichnungen angewandt werden. Dem Verwendungszweck entsprechende Unterscheidungen sind durch hellere oder dunklere Abtönung der Grundfarbe herbeizuführen und in einer Farbtafel auf den Rohrplänen zu erläutern.

Sbr.

|22|

Normblatt DIN 2403e „Kennfarben für Rohrleitungen“

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