Titel: SENGER, Die Auslegung des neuen Deutschen Azorenkabels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1927, Band 342 (S. 37–43)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj342/ar342010

Die Auslegung des neuen Deutschen Azorenkabels.*)

Von M. Senger.

Die erste 670 Seemeilen (sm) lange Strecke des Telegraphenkabels Borkum-Azoren ist, wie in Heft 10, S. 327, dieses Jahrgangs der TFT berichtet wurde, Anfang August ausgelegt worden. Mit der Auslegung der zweiten, der Tiefseestrecke, wurde am 12. September begonnen. Diese Strecke von ungefähr 1200 sm Länge war zum größten Teil in Meerestiefen von 3000 Faden (rd. 5000 m) auszulegen. Trotz der fast doppelt so großen Länge ist das Gewicht des Kabels (rd. 3000 t) bedeutend geringer als das des Kabels für die erste Strecke (rd. 5000 t), da die Tiefseekabel besonders leicht sein müssen, um die Kabel bei Instandsetzungen aus der großen Wassertiefe heben zu können.

Gelegentlich der Darstellung der Auslegung dieser Strecke sollen nachstehend die technischen Vorgänge auch für Fernerstehende näher erläutert werden.

Am 12. September fuhr der Dampfer von Nordenham ab und steuerte am 14. abends östlich Ouessant die Bojen an, die die Lage des Endes des bereits verlegten Kabelstücks bezeichneten.

Die Kabelbojen sind birnenförmige, aus Eisenblech gefertigte Hohlkörper von einer Tragfähigkeit, die dem Gewicht der Trossen und Ketten bis zum Meeresgrund entspricht (bis zu 5000 kg). Die Bojen (Abb. 1 und 2) haben oben zwei bewegliche Haken, deren oberes Ende durch einen Ueberwurf an dem eisernen Griff, um den sie sich drehen, festgehalten werden kann. In den einen Haken wird die Kette am Ende der Ankertrosse so eingehakt, daß noch ein Stück Kettenende frei bleibt. Dieses freie Ende wird nach oben an die Halter des Flaggenstocks angebunden. Von der Kette (dem Zügel) zweigt etwas unterhalb der Boje eine kürzere Seitenkette (der Reiter) ab. Dieser Reiter wird durch die eiserne Oese am Ende der Boje gezogen und an dem anderen beweglichen Haken befestigt. Soll das Kabel hochgenommen werden, so wird das freie Ende der Hauptkette an der Ziehtrosse angeschäkelt und die Hauptkette durch Hochschlagen des Ueberwurfs ausgehakt. Sodann wird auch die kurze Seitenkette ausgehakt und durch das Gewicht der Hauptkette und der Ankertrosse durch die Oese am unteren Ende herausgezogen, sodaß die Boje frei schwimmt. Oben trägt die Boje noch eine Vorrichtung zur Befestigung eines Flaggenstocks oder eines Lampenträgers.

Textabbildung Bd. 342, S. 37
Textabbildung Bd. 342, S. 37

Nachdem die Bojen aufgenommen waren, wurde das Kabelende an den Ankertrossen der Boje eingeholt.

Die Länge der Ankertrosse richtet sich nach der Meerestiefe. Die Trossen bestehen aus 3 × 6 Stahldrähten, die mit Hanf überzogen sind. Sie haben eine Zugfestigkeit von 9 oder 18 t. Jede Trosse ist 200 oder 400 Faden (1,852 m) lang und an den Enden mit einer Kausche versehen. Zwischen je |38| zwei Trossen ist ein drehbarer Schäkel angebracht. Am Grunde sind an der Trosse etwa 20 Faden Kette angeschäkelt, und seitlich an dieser Kette sitzt ein Pilzanker (Abb. 7.) Von dem Anker bis zum Kabel liegen in der Regel noch Trossen aus (bis zu 400 Faden), damit die Ankerkette bei ihren Bewegungen nicht das Kabel beschädigt (Abb. 3).

Textabbildung Bd. 342, S. 38

Zum Aufnehmen oder Auslegen des Kabels dienen die Aufnahme- oder Auslegemaschinen (zwei vorn und eine große hinten im Schiff). Diese Maschinen (Abb. 4) haben eine drehbare Scheibe von etwa 5 m Umfang, um deren breiten, vertieften Rand das Kabel oder die Trosse in 3 bis 4 Umwindungen gelegt wird. Auf jeder Seite schleift innen gegen die vordere bzw. hintere Begrenzung des Randes ein Keil, der den Zweck hat, die Kabelringe seitlich zu verschieben, so daß das Kabel sich immer wieder neben die vorhandenen Ringe legt und nicht gedrückt wird. Auf derselben Achse ist eine breite Bremsscheibe befestigt, auf deren Umfang die aus Hartholzgliedern bestehende Bremse schleift. Diese bilden ein fest um den ganzen Umfang der Scheibe gehendes Band, welches mit einer Schraube ohne Ende angezogen oder nachgelassen werden kann oder durch Hebel mit Gewichten gespannt wird (Abb. 5 und 6). Bei der großen Auslegemaschine am Heck ist neben dieser Gewichtsbremse eine Flüssigkeitsbremse zur feineren Regelung des Auslegens angebracht. Als Flüssigkeitsbremse wird ein hydraulisches Dynamometer von Froude benutzt (Abb. 8). Bei diesem Dynamometer bewegt sich eine Scheibe mit Näpfen an beiden Seiten an festen Wänden vorbei, die gegenüber den Näpfen der Scheibe ebenfalls eine Reihe von Näpfen tragen, sodaß die. weiten Oeffnungen der Näpfe sich scharf aneinander vorbeibewegen. Durch die Maschine wird ein Wasserstrom geschickt. Das Wasser bremst durch die Wirbelströme die mit etwa 500 Umdrehungen in der Minute laufende Scheibe. Zur Regelung der Bremswirkung kann zwischen die Näpfe der Scheibe und der Wand eine Scheibe geschoben werden, die die Wirbelströme teilweise oder ganz unterbricht. Die Flüssigkeitsbremse ist mit einer Zahnradübertragung, die sehr hohe Belastungen aufnehmen kann und deshalb sehr groß und breit ist, mit der Auslegemaschine gekuppelt. Zum Aufnehmen von Kabeln kann die Achse der Maschine mit einer Dampfmaschine gekuppelt werden.

Die Spannung der Trosse oder des Kabels wird mit dem Dynamometer, das schon Werner von Siemens angegeben hat, gemessen, d. i. eine bewegliche Rolle, die in einer senkrechten Führung auf dem Kabel liegt, zwischen zwei festen Rollen, über die das Kabel hinweggeht (Abb. 6). An einer Skala sind die Spannungen abzulesen, die bei den verschiedenen Stellungen des Dynamometers auf das Kabel wirken. Die Bewegungen der Rolle werden durch einen Stempel, der in einem mit Flüssigkeit gefüllten Zylinder auf und ab geht, gedämpft.

Zum Aufnehmen und Auslegen der Kabel sind am Bug zwei Rollen, am Heck eine Rolle von 3 in Durchmesser eingebaut.

Das bei Ouessant aufgenommene Kabel wurde mit dem Borkumende geprüft, mit dem Kabel in den Tanks verspleißt und das ganze Kabel nochmals geprüft.

Textabbildung Bd. 342, S. 38

Die Spleißstelle wird so hergestellt, daß von dem einen Kabelende auf 16 m + Lötstellenlänge die Asphaltpapierumwicklung und die Bewehrungsdrähte abgeschält, letztere aber am Kabel belassen werden. Vom anderen Ende werden die Bewehrungsdrähte auf Lötstellenlänge abgelöst und abgetrennt. Die Jute wird so lang an beiden Enden belassen, daß die Lötstelle gut damit bewickelt |39| werden kann. Die Lötstelle wird, wie in der TBO beschrieben, angefertigt, jedoch mit den Abweichungen, daß das Permalloyband abgebunden und mit der Kupferlitze verlötet wird, ebenso die Kupferlitze in sich; beide Litzenenden werden dann in ein durchlöchertes Kupferröhrchen gesteckt und das Röhrchen mit den beiden Litzenenden verlötet.

Textabbildung Bd. 342, S. 39
Textabbildung Bd. 342, S. 39

Die Lötstelle wird nach Fertigstellung in Eiswasser gekühlt, mit der Jute sorgfältig umwickelt und dann mit den Bewehrungsdrähten umgeben, bei dünnen Bewehrungsdrähten unter Benutzung eines kreisförmigen Windeeisens (Abb. 9), in dessen Oeffnungen die Bewehrungsdrähte hineingelegt werden und das mit Hebeln fest um das Kabel gedreht wird (Abb. 10).

Textabbildung Bd. 342, S. 39
Textabbildung Bd. 342, S. 39

Bei stärkeren Bewehrungsdrähten werden die Drähte mit der Hand umgelegt und mit einem Hammer angeklopft. In Abständen von 3 bis 4 m werden Drahtbunde um die Bewehrungsdrähte fest umgewickelt. Hierzu benutzt man ein zweimal durchbohrtes Stück Holz (Abb. 11), durch dessen Oeffnungen der Draht hindurchgeleitet und fest angezogen werden kann. Darauf wird die ganze Spleißstelle (16 m + Lötstelle) mit geteertem Hanfgarn unter Benutzung des in Abb. 12 dargestellten Werkzeugs fest umwickelt.

Textabbildung Bd. 342, S. 39
Textabbildung Bd. 342, S. 39

Nach Fertigstellung des Spleißes beginnt die Auslegung, indem das Schiff sich langsam in Fahrt setzt und das Kabel der Bewegung des Schiffes entsprechend ausgegeben wird. Die Verlegung erfolgte mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 7 sm die Stunde. Das Schiff hält dabei möglichst den vorher festgelegten Kurs. So genau wie irgend möglich wird täglich der Standort des Schiffes durch Peilung oder Längen- und Breitenbestimmung festgestellt und genau vermerkt, so daß die richtige Lage des Kabels feststeht. Die Länge des ausgelegten Kabels wird nach den Umdrehungen der Scheibe der Auslegemaschine selbsttätig genau aufgezeichnet.

Textabbildung Bd. 342, S. 39
Textabbildung Bd. 342, S. 39

Von Viertelstunde zu Viertelstunde wird der Stand abgelesen. Aus der Länge des Schiffsweges und der Länge des ausgegebenen Kabels lassen sich die Lose berechnen, mit der das Kabel ausgelegt ist. Da jedoch die Länge des Schiffsweges zuverlässig nur nach den Ortsbestimmungen nachträglich festzustellen ist, das Loggen dagegen bei Strömungen falsche Ergebnisse gibt, so wird die Länge des Schiffsweges durch einen gleichzeitig mit dem Kabel ausgelegten, straff gespannten Stahldraht von 0,9 mm Stärke laufend festgestellt. Der Stahldraht wird auf große Spulen gewickelt, deren jede 100 sm fassen kann. Durch die Oeffnung der Spule wird eine Achse gesteckt, |40| die auf Kugellager läuft (Abb. 13). Vorn in der Achse befindet sich ein Arm, der sich bis über die Drahtlagen der Spule krümmt und am Ende eine Rolle trägt. Ueber diese wird der Draht von der festen Spule abgewickelt, während sich die Achse mit dem Arm dreht. Hinten auf der Achse befindet sich ein Bremsrad, das mit einer Bremse, ähnlich derjenigen der Kabelauslegemaschine, gebremst wird.

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Um eine gleichmäßige Bewegung zu erzielen, ist außerdem eine Kupferscheibe auf die Achse gesetzt, die von Elektromagneten gebremst wird. Der Draht wird so gebremst, daß er mit etwa 16 kg gespannt ist; die Spannung wird an einem kleinen Dynamometer nach dem Prinzip des Kabeldynamometers gemessen. Die Länge des ausgelegten Drahtes wird an den Umdrehungen einer Scheibe, über die er führt, fortlaufend gemessen und registriert. Der Unterschied der Länge des ausgelegten Kabels und Drahtes wird an einem Registrierwerk dauernd aufgezeichnet und ist außerdem an einer Marke sichtlich, nach der der Arbeiter die Bremse der Auslegemaschine reguliert, so daß das Kabel möglichst mit gleicher Lose ausgelegt wird. Wie die Nachprüfung auf Grund der Berechnung des Schiffsweges ergibt, ist die Uebereinstimmung der Drahtlänge und des Schiffsweges sehr groß; die Abweichung beträgt nur ½–1% der Kabellänge. Die Drahtauslegung ist daher ein vorzügliches Mittel, die Lose des Kabels fortlaufend zu überwachen. Die Zugspannung am Dynamometer richtet sich nach der Tiefe und beträgt etwas weniger als das Gewicht des senkrecht bis zum Grunde hängenden Kabels im Wasser, damit das Kabel nicht ganz straff ausgelegt wird1). Beispielsweise wiegt beim Tiefseekabel 1 sm im Seewasser etwa 1,1 t, bei 3000 Faden Tiefe = 3 sm wiegt also das senkrecht hängende Kabel 3,3 t. Die Spannung am Dynamometer beträgt etwa 2,8 t bei einer Lose von etwa 7 %.

Die Kabel laufen aus den Tanks in Führungen (Abb. 14). Ueber die Kabel sind drei eiserne Ringe gespannt, die die Führung außen begrenzen. Der erste wird etwa 1 m über der obersten Kabellage gehalten, der dritte ist oberhalb eines in der Mitte des Tanks stehenden abgestumpften Kegels in der Luke angebracht. Der Kegel soll verhindern, daß die Schläge über die Mitte hinaus schlagen und sich verwirren. Oben über der Mitte des Kegels befindet sich ein großes Leitauge, durch das das Kabel hindurchgezogen wird. Der richtige Ablauf wird von Leuten überwacht, die die Latten zwischen den Lagen wegnehmen, die ferner aufpassen, daß die ablaufenden Schläge nicht unten eine untere Lage fassen können, und bei den inneren Schlägen den Ablauf am Kegel bremsen. Die Kabel laufen über das Verdeck durch Leitaugen. Beim Tankwechsel wird langsam gefahren, damit die Schleife, nachdem die Ringe und das Auge in und über dem Tank seitlich geöffnet sind, aus dem Tank herausgenommen und ausgezogen werden kann und dann der Spleiß ruhig durchläuft und langsam zu Wasser geht.

In dieser Weise lief das Kabel 7 Tage lang vom 15. bis 22. September Tag und Nacht gleichmäßig aus dem Schiff heraus. Scheinbar eine eintönige Arbeit und doch voller Unruhe und Sorge. Was W. v. Siemens über die erste Tiefseekabellegung von Sardinien nach Bona in Algier in seinen Lebenserinnerungen sagt, gilt auch jetzt noch trotz der inzwischen vollkommener gewordenen Maschinen und Instrumente, die die Kabellegung sichern. Ständig wird die Zugspannung des auslaufenden Kabels beobachtet, seine Länge mit der Länge des gleichzeitig auslaufenden Drahtes verglichen, damit nicht zu viel und nicht zu wenig Kabel abläuft und das Kabel sich gut in alle Unebenheiten des Bodens legt. Ständig überwacht eine Kolonne den Ablauf des Kabels im Tank, damit er glatt vonstatten geht. Ständig wird der Zustand des Kabels elektrisch geprüft, damit etwaige Fehler sofort entdeckt und beseitigt werden können. Täglich wird der Schiffsort sorgfältig ermittelt, um Abweichungen von der vorgesehenen Kabelführung zu vermeiden.

Textabbildung Bd. 342, S. 40

Die elektrische Prüfung des Kabels erfolgt derart, daß eine Spannung über ein Galvanometer an das Kabel gelegt und der Ausschlag des Lichtscheins dauernd beobachtet wird. Am Landende ist das Kabel über ein Galvanometer und einen hohen Widerstand geerdet, so daß praktisch der Isolationswiderstand durch das Galvanometer im Schiff gemessen wird. Damit festgestellt werden kann, daß der Stromweg bis zum Landende nicht unterbrochen ist, wird alle 5 Minuten am Landende ein Kondensator an das Kabel gelegt und damit das Kabel entladen. Diese Entladung macht sich am |41| Galvanometer im Schiff durch einen Ausschlag des Lichtscheins bemerkbar. Alle ½ Stunde wird im Schiff die Stromrichtung umgekehrt. Will das Schiff das Landende rufen, so kehrt man den Strom außerhalb dieser Zeit öfter um; ebenso ruft die Uferstation das Schiff durch wiederholtes Anlegen des Entladungskondensators. Außerdem wird täglich der Leitungswiderstand gemessen.

Am 22. September morgens machte das Schiff an der Picoinsel halt, nachdem beinahe 1200 Seemeilen ausgelegt waren. Das Kabel wurde abgeschnitten, sein Ende isoliert und ins Meer versenkt. Die Lage des Kabelendes wurde durch eine Boje bezeichnet.

Zu diesem Zweck wird das Schiff abgestoppt und das Kabel mit der Bremse festgehalten. Sodann werden auf das Kabel Stopper gesetzt, die es ohne Bremse festhalten und so sichern (Abb. 17 und 15 C). Das Kabel kann nun geschnitten und mit einer Stahltrosse verbunden werden. Nach dieser Arbeit werden die Stopper gelöst, die Bremse wird nachgelassen und die Stahltrossenverbindung langsam mit dem Kabelende über Bord gelassen. Hinter dem Ende der 1. Stahltrosse (200 Faden) wird eine Trosse nach dem Bug eingeschäkelt (die von der Bugrolle an der Schiffsseite außen bis zum Heck herumgenommen ist), und darauf die 2. Trosse hinter dem Schäkel abgehauen (Abb. 15 A). Das Kabel hängt jetzt an der Bugtrosse. Das Schiff wird so gestellt, daß die Trosse neben dem Schiff liegt. Am Ende der 2. (200 Faden) Trosse (der 1. Bugtrosse) folgt Kette, an der der Pilzanker seitlich hängt (60 Faden), dann wieder Trosse 5 × 200 Faden (gelotete Tiefe 950 Faden). An der letzten Trosse wird seitlich die Bojentrosse angeschäkelt; die Trosse selbst wird kurz hinter dem Schäkel abgehauen und die Boje zu Wasser gelassen (Abb. 15 B).

Nach dem Aufbojen des Kabelendes fuhr der Dampfer nach Horta. Am folgenden Tage (23.) wurde die Trace des 600 Faden langen Küstenkabels ausgekundet und mit Bojen bezeichnet sowie ferner das Küstenkabel und Landkabel (200 Faden) bis zur Kabelhütte gelegt. Zu diesem Zweck wird das Küstenkabel mit dem Landkabel auf einen Leichter geladen. Am Mittelsteg des Leichters wird ein Bock angebunden und nach vorn und hinten mit je zwei Tauen verankert (Abb. 18). An dem Bock hängt an einem Flaschenzug eine Rolle. Ueber diese Rolle wird das Kabel nach hinten herausgezogen. Zur Führung sind am Hinterteil zwei Latten angebracht. Hinter dem ersten Schlepper wird ein zweiter angehängt, der vorn und in der Mitte ein Führungsauge, am Ende eine einfache Bremse besitzt (zwei Augen und dazwischen an einem Hebel ein halbes Auge, das auf das Kabel gedrückt werden kann). Im zweiten Schlepper kann das Kabel durch Stopper festgehalten werden. Am 24. früh wurden die Leichter zur Landungsstelle geschleppt und so dicht wie möglich aus Ufer gebracht. Das Landkabel und das Küstenkabel wurden vom Leichter ausgegeben und über die etwa 200 Faden lange Strecke bis zum Ufer durch angebundene Ballons getragen. Nachdem das Kabel bis zur Kabelhütte ausgelegt und im Land eingegraben war, wurde der Leichter auf dem ausgekundeten Wege geschleppt und so das Kabel ausgelegt. Das Ende des Kabels, das mit einer kurzen Kette und einer Trosse verbunden war, ging über Bord. Am Ende der Trosse wurde eine Bojentrosse angeschäkelt und die Trosse mit einem Tau über Bord gelassen. Darauf wurde die Boje über Bord geworfen und das Tau abgeschnitten. Wassertiefe ungefähr 20 Faden.

Textabbildung Bd. 342, S. 41

Am 25. legte sich der Kabeldampfer früh bei der Boje hin (Abb. 20) und nahm die Boje und das Kabelende über die Heckrolle auf. Wegen der starken Strömung, die das Schiff gegen die Felsen vom Monte da Guia trieb, konnte jedoch das Kabel an diesem Tage nicht angespleißt werden.

In der Nacht des 25. brach ein heftiger Sturm aus, der das Schiff zwang, bis zum 29. zu kreuzen, weil der Hafen von Horta keinen Schutz gewährte.

Am 30. früh wurde in der Pim-Bucht das Schiff verankert, das Kabelende wurde über Heck an |42| Bord genommen, geprüft und mit dem Anschlußkabel im Schiff verspleißt. Dann wurde das Kabel bis zur Boje des Borkumkabels bei der Picoinsel ausgelegt (etwa 35 sm östlich von Horta). Diese Boje wurde aufgenommen und das Borkumkabel eingehievt. 100 m vor dem Pilzanker riß die Trosse, die während des Sturmes am Felsen teilweise durchgescheuert war. Nunmehr mußte das Fayalende aufgebojt und die Nacht hindurch mit Suchanker das Kabel nach Borkum gesucht werden. Morgens gegen 6 Uhr wurde das Kabel gefaßt und langsam hochgewunden (Zugkraft ungefähr 4 t).

Der Suchanker besteht aus einem etwa 1 m langen Eisen von quadratischem Querschnitt, das an allen vier Seiten Haken zum Greifen des Kabels trägt. Er ist an einer Kette von mehreren Faden Länge und dann an Trossen (von je 200 Faden Länge aus 3 × 6 Stahllitzen, mit Hanf umsponnen, für 18 t Last) befestigt, die durch drehbare Schäkel verbunden werden. Sobald die Kabelbucht aus dem Wasser heraus und bis an die Bugrolle herangezogen ist, werden zwei Mann an den Davits über den Rollen mit Flaschenzügen herabgelassen und befestigen je eine Kette und einen Stopper an jedem Kabelende (Abb. 19). Die Kette wird in drei Schlingen um das Kabel gewunden und zwischen den Schlingen mit geteertem Schiemannsgarn abgebunden; die Stopper werden kreuzweis darunter um das Kabel geschlungen und ebenfalls mit geteertem Schiemannsgarn festgebunden. Alsdann wird das Kabel durchgesägt, und beide Enden hängen an je einer Trosse, die über die Bugrollen und Einholmaschinen geführt sind.

Textabbildung Bd. 342, S. 42
Textabbildung Bd. 342, S. 42
Textabbildung Bd. 342, S. 42

Das Borkumende wurde zunächst eingeholt, geprüft und mit dem Kabel im Tank verbunden; dann wurde das neue Kabel aus dem Tank über die Steuerbordbugrolle ausgegeben, während gleichzeitig das Pilzankerkabelende über die Backbordbugrolle aufgenommen wurde. Das neue Kabel wurde dann bis zur Fayalendenboje ausgelegt, festgehalten |43| und die Fayalboje mit dem Ende nach Fayal eingehievt. Nachdem das Fayalende aufgehoben und geprüft war, wurde zwischen Borkumende und Fayalende der Schlußspleiß gefertigt. Zu diesem Zwecke wurde eine Trosse mit zwei besonders langen Stoppern auf beide Kabelenden gesetzt. Mit dieser Trosse wurden beide Enden festgehalten. Die Enden wurden sodann aus den Einholmaschinen herausgenommen und vor ihnen zusammengespleißt (Abb. 15 D). Die Bucht mit dem Schlußspleiß wurde vorsichtig an der Trosse heruntergelassen und die Trosse dann feierlich abgehauen.

Textabbildung Bd. 342, S. 43

Damit war am Abend des 1. Oktober das Werk vollendet. 1882,7 sm Kabel sind von Borkum bis Horta ausgelegt worden. Die Prüfung des Kabels ergab, daß es den Vertragsbedingungen in jeder Hinsicht entspricht und daß seine Dämpfung sogar erheblich unter der vertraglich festgesetzten bleibt.

Textabbildung Bd. 342, S. 43

Die Norddeutschen Seekabelwerke in Nordenham haben durch die vorzügliche Herstellung und Auslegung des Kabels einen neuen Beweis für die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie erbracht.

Aus TFT 1926, mit Genehmigung des Verfassers.

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s. W. v. Siemens Lebenserinnerungen, S. 131.

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