Titel: Mitteilungen der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1927, Band 342/Miszelle 1 (S. 203–204)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj342/mi342is17_1

Mitteilungen der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin.

Fugeneisen mit ineinander greifenden Verzahnungen zur Verhinderung der Stoßwirkungen der Räder bei Ueberschreiten der Fugen. Bekanntlich reißt der Beton in gewissen Entfernungen, wenn keine Ausdehnungsfugen angeordnet werden; dies ist darauf zurückzuführen, daß Wasseraufnahme ein Ausdehnen und Austrocknen eine Verringerung der Länge herbeiführt. Diese Längenveränderungen treten übrigens auch bei allen Eruptivgesteinen ein, wie Basalt, Granit usw.

Die Fugen im Beton, sowohl in Fußbodenflächen wie namentlich auch in den Betonstraßen, bieten nun den Rädern sofort Angriffsflächen, von welchen die Zerstörung der Decke beginnt. Hier an der Kante ist

  • 1. die Festigkeit schon an und für sich nicht so groß wie in der Mitte der Fläche.
  • 2. Findet hier eine größere Beanspruchung statt, wie Dr.-Ing. Leitz, München, in seiner Abhandlung „Zur Berechnung des Betonstraßenoberbaues“ die in der „Bautechnik“ 1926, Heft 44, erschienen ist, nachgewiesen hat.
  • 3. Bleibt in den Fugen auch stets Wasser stehen, und da nasser Beton sich fast doppelt so stark |204| abnutzt als trockener, wie bei Abschleifversuchen in Laboratorien festgestellt worden ist, findet somit hier eine größere Abnutzung als in der Mitte der Fläche statt.

Um daher überall eine gleichmäßige Abnutzung zu erreichen bzw. den Kanten dieselbe Festigkeit zu verschaffen wie der zusammenhängenden Fläche, muß für die Herstellung der Kanten ein härteres widerstandsfähigeres Material Verwendung finden als für die inneren Flächen.

Bei den mit den Fugeneisen (D. R. P.) eingefaßten Flächen wird nicht nur eine Verstärkung der Tragkonstruktion erreicht, so daß die sonst erforderlichen Eiseneinlagen wegfallen, sondern es werden dadurch auch die Fugenkanten so geschützt, daß sie nicht beschädigt werden können.

Textabbildung Bd. 342, S. 204

Wie die Abb. 1 zeigt, sind die Fugeneisen so ausgebildet, daß sie wechselseitig zahnartig ineinander greifen; sie werden so eingebaut, daß sie mit der anschließenden Oberfläche in einer Ebene liegen. Durch die wellenförmigen Vorsprünge der gegenüberliegenden Kanteneinfassungen werden die darübergehenden Räder dauernd gestützt und können so schädliche Schläge auf die andere Kante nicht ausüben; denn wenn das Rad auf der einen Seite bis zur Fuge kommt, wird es durch den Vorsprung von der anderen Seite her schon gestützt, findet somit keine Fuge vor und beansprucht daher diese Stelle genau so in bezug auf Abnutzung wie die daran anschließenden Flächen.

Textabbildung Bd. 342, S. 204

Wie die Fugen aussehen, wenn sie nicht mit Fugeneisen bzw. wenn sie damit eingefaßt sind, zeigen Abb. 2 und 3, die Stahlbetonstraßenfelder am Breitenbachplatz darstellen, die Ende des Jahres 1924 hergestellt sind. Die Aufnahmen sind im April 1927 gemacht worden.

Insbesondere zeigt Abb. 2 zwei zusammenstoßende Fugen ohne Fugeneiseneinfassung; diese Fugen sind stark abgebröckelt und ausgefahren.

Textabbildung Bd. 342, S. 204

Abb. 3 zeigt eine Fugeneiseneinfassung mit der patentierten Fugenausbildung; diese Fuge ist schon ¾ Jahr nach Fertigstellung mit dem Fugeneisen eingefaßt worden, weil sie vollständig abgebröckelt war. Die daran anstoßenden Flächen haben gut gehalten, Ausbesserungen sind bisher nicht nötig geworden. In der Mitte der 7,5 m breiten Straße sieht man einen Riß, bei Feldern von 5 m Breite hat sich kein Riß gezeigt.

Abb. 1 zeigt den Querschnitt und die Aufsicht auf das neue Fugeneisen, das gegenüber dem aus Z-Eisen hergestellten Fugeneisen den Vorteil hat, daß es nur mit einer Blechstärke von 1 mm in der Oberfläche liegt und sich daher mit den anschließenden Flächen gleichmäßig abnutzt. Da bei dieser Ausbildung eine Biegungsbeanspruchung des Fugeneisens durch irgendeine Belastung nicht eintreten kann, dürfte die Haftfestigkeit des Eisens im Beton vollständig ausreichen, so daß sich eine weitere Verankerung mit dem Unterbeton erübrigt: der Beton, der zwischen den Versteifungswinkeln und den gewellten Blechen eingestampft wird, dürfte eine hinreichende Verankerung ergeben.

Textabbildung Bd. 342, S. 204

Abb. 4 zeigt die Aufsicht auf eine mit dem neuen Fugeneisen ausgeführte Fläche.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: