Titel: Mitteilungen der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1927, Band 342/Miszelle 1 (S. 288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj342/mi342is24_1

Mitteilungen der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin.

Sitzungssaal: Berlin W, Köthener Str. 38, Meistersaalgebäude. Geschäftsstelle: Berlin-Friedenau, Kaiserallee 78, Fernsprecher: Amt Rheingau 9995.

Am 12. Januar, abends 8 Uhr, Vortrag mit Damen des Herrn Professors Dr. W. Scheffer über: „Untersuchungen im ultravioletten Licht“ mit zahlreichen Lichtbildern. – Gäste willkommen.

Der Vorstand: A. Nichterlein, 1. Ordner.

In der am 8. Dezember stattgefundenen Sitzung erteilte der Vorsitzende Herrn Direktor W. Schmidtke das Wort zu seinem Vortrage: Persönlichkeit und Redekunst.

Ausgehend von dem rein ethischen Begriff Persönlichkeit, wies der Redner nach, daß das Durchsetzen der Persönlichkeit im Wirtschaftsund Daseinskampfe von einer klugen Anpassung an die Zeitverhältnisse und vor allem von der geschickten Verwendung erworbener Kenntnisse und Fähigkeiten abhängig sei. Aber auch eine Kontrolle der auf- und absteigenden Erfolgskurve im eigenen Leben, in ihrem eigentlichen Ausgangspunkte sei nötig, um eine rationelle Oekonomie der Kräfte anwenden zu können. Jammer und Aerger machen eine Angelegenheit nie besser! Eine Fülle wertvoller Fingerzeige, offenbarte sich uns. Wir hörten, wie eine kraftgebende, Widerstände überwindende Selbstbeeinflussung zu erzielen sei, wie unterbewußte sehr nützliche Kraftquellen, die bei den meisten Menschen noch immer unbeachtet und unkontrolliert im Innern dahinströmen und sich verzetteln, leicht und zielbewußt geweckt und in den bewußten Dienst der Persönlichkeit gestellt werden können. Aufmerksamstes Interesse der Zuhörer aber erwachte, als der Vortragende auf den Wert der freien rednerischen Fertigkeit zu sprechen kam. Diese Fähigkeit sei in Jedem, der die deutsche Sprache und ihre Grundregeln beherrscht, oft überraschend leicht in kurzer Zeit so zu entwickeln, daß der Schüler – Alter und Geschlecht spielen keine Rolle hierbei – ohne lange Vorbereitung, gewandt, ohne Befangenheit und Furcht steckenzubleiben, die vorher nur allzu oft bis zur Verzweiflung peinigten, kraftvoll und überzeugend in jedem Kreise, oft zum hellsten Staunen seiner früheren Umgebung sprechen konnte. Abgesehen von den unschätzbaren Vorteilen, die eine solche erworbene rednerische Fertigkeit, die besonders oft in Berufen, die sich meist in einer gewissen Wortkargheit bewegen, wie u.a. in den technischen, sehr zu Unrecht vernachlässigt wird, im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben mit sich bringt, verdient auch eine andere Seite hervorgehoben zu werden. Es ist eine psychologisch bekannte Tatsache, daß Menschen, die oft über hohe Kenntnisse und reiches Wissen, aber nicht über die nötige gewandte sprachliche Ausdrucksfähigkeit verfügen, innerlich sehr darunter leiden und nicht selten erleben müssen, daß ein Sprechgewandterer, wenn auch vielleicht mit erheblich begrenzterem Können sie im Wettlauf der Konkurrenz zurückdrängt. So vermittelt, wie der Herr Vortragende, der als Leiter derartiger Vervollkommnungskurse aus ureigener reicher Beobachtung schöpfte, mit Recht bemerkte, eine derartige Arbeit von oft nur kurzer Zeit an sich eine Erweckung wertvollster innerer Energien, die oft schnell zu einem bedeutenden Wendepunkt im Vorwärtskommen führen und die Arbeit und Dasein überhaupt erst mit rechter Lebensfreude erfüllen. Reicher Dank wurde Herrn Direktor Schmidtke für seine fesselnden Ausführungen, die auch für manchen, der an diesem Abend fehlte. Wert gehabt hätten, zuteil.

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