Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1929, Band 344 (S. 74–85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj344/ar344017

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszüge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Städteheizung in Utrecht (Holland). Die Stadt Utrecht hat ihre alte Kraftzentrale umgebaut und an deren Stelle eine neuzeitliche Heizungsanlage für die Beheizung der Universitätsgebäude, der Krankenhäuser, des Hauptbahnhofs, von Eisenbahnverwaltungsgebäuden u.a.m. errichtet. Die Wärme wird in Gestalt von übersättigtem Dampf von 10 atm durch drei Kessel von je 180 m2 Heizfläche geliefert. Die früheren Ueberhitzer sind abgeschafft und durch einen Dampfkühler, Bauart Urbscheidt, ersetzt worden. Dieser Dampfkühler erhält den überhitzten Dampf von 15 atm bei 350° durch einen Wasserröhrenkessel. Er umfaßt sechs Hauptzerstäuber, die kaltes Wasser in den Dampf einspritzen, und drei Zerstäuber mit selbsttätiger Einstellung. Der Dampf, dessen Druck und Temperatur so erniedrigt werden, wird in einen Behälter geführt, von dem aus Leitungen zur Versorgung der zu erwärmenden Gebäude abzweigen. Die Leitungen selbst durchziehen die Straßen in Betonkanälen. Das Hauptkrankenhaus, das durch Warmwasser geheizt wird, besitzt im Keller drei Gegenstrom-Vorrichtungen, in denen das Wasser durch eine Reihe von Kupferröhren von geringem Durchmesser fließt. Zwei Elektropumpen sichern den Umlauf des Warmwassers. Das Kondensationswasser wird selbsttätig entführt. Die Räume der Eisenbahnverwaltungsgebäude werden auf ähnliche Weise geheizt. Vor dem Hauptbahnhof wurde ein Kellerraum errichtet, in dessen einer Hälfte die Anlagen für die Versorgung des Bahnhofs, in dessen anderen die Anlagen für die Versorgung der Nachbargebäude Aufstellung finden werden. Die Heizungszentrale wird noch eine Turbine erhalten, die den Druck- und Temperaturunterschied von dem hohen Druck an bis zu dem in der Heizung angewendeten in Elektrizität umformen wird. Diese Turbine, die mit 375° arbeiten soll, wird den Dampf von einem bestehenden Babcock-Wilcox-Kessel erhalten. Die Turbine wird voraussichtlich 2,25 Millionen Kw/h jährlich leisten. Man hat sich bereits mit dem Gedanken der Heizung der ganzen Stadt umgetragen. In diesem Falle müßte ein Kessel Aufstellung finden, der Dampf von 60 atm bei 400° liefert. (Le Genie Civil 1928, S. 18.)

K.

Vorbereiten von Metallstücken vor dem Verchromen. Das Verchromen, das sich mehr und mehr einzuführen im Begriffe ist, erfordert einige Aufmerksamkeit in bezug auf die Vorbereitung der zu überziehenden Metallstücke; infolge der besonderen Eigenschaften des Chromniederschlages hat die Kunst des Polierens die Entwicklung einer Sondertechnik hervorgerufen. Der wesentlichste Umstand, der das Verchromen teurer gestaltet als das Vernickeln, ist darin zu erblicken, daß die Oberfläche des zu überziehenden Stückes vor dem Verchromen ein vollendetes Aeußere aufzuweisen hat. Eine derartige Vorbereitung, deren Ergebnis oft mit der Lupe geprüft wird, ist teuer. Der Chromniederschlag verfließt nicht wie der von weicheren Metallen; die Polierstreifen werden nicht allein auf dem Chromüberzug wiederkehren, sondern sie scheinen sogar vergrößert. Eine fehlerfrei erscheinende Oberfläche von Nickel oder Kupfer zeigt nach dem Verchromen zahlreiche Politurstreifen. Als Geschwindigkeit der Drehbänke für die Zubereitung der Stücke wird die Reihenfolge empfohlen: zum Schleifen 1200 bis 1800 Umdrehungen/min, zum Polieren 1800 bis 2200, dann 2200 bis 2700 Umdrehungen/min, zum Polieren des Chroms 2700 bis 3000 Umdrehungen/min. Die Einhaltung |75| dieser Zahlen ist wichtig. Eine große Geschwindigkeit verbunden mit einem leichten Druck ergibt das beste Aussehen. Bei dem letzten Polieren des Chroms ist es unmöglich, eine ebene Fläche bei geringer Geschwindigkeit zu polieren, da sonst die Überfläche feine Strahlen von Politurstreifen aufweisen wird. Die größte Anwendung findet das Verchromen für Kraftwageneisen- und stahlwaren und für Messingarmaturen. Stahl wird selten direkt verchromt; wenn man ein schönes Aussehen erhalten will, wird er erst vernickelt oder verkupfert. Für kleine Stücke aus Stahl wird folgende Zubereitung empfohlen: schrubben auf einer Scheibe mit Schmirgel Nr. 120, Uebergang zu Schmirgel Nr. 140, 160 und 180, schließlich Behandlung mit der Bürste. Bei geschmiedetem Stahl und bei Stahlguß wird nach dem Schrubben Schmirgel Nr. 36, 60, 80 und 100 verwendet. Gußeisen wird ebenso zubereitet wie Stahl.

Die Zubereitung von Messingguß für das Verchromen ist ähnlich derjenigen, die man für das Vernickeln anwendet. Dabei muß man danach streben, ein schönes Aussehen der Oberfläche mehr durch Schleifen zu erzielen als durch Polieren. Risse, Sandlöcher und Narben auf der Gußoberfläche kommen auf der Chromschicht wieder zum Vorschein, wenn das Polieren übertrieben wurde. Entgegen der allgemeinen Auffassung überdeckt die Verchromung nicht in genügendem Maße alle diese Unvollkommenheiten. Die Behandlung von Messing besteht in einem Schrubben mit Schmirgel Nr. 80 und in einem Uebergang auf Schmirgel Nr. 120, 150 und 180 mit folgendem Polieren. Das Polieren nach dem Vernickeln und vor dem Verchromen muß gut ausgeführt sein, zu welchem Zweck man sich weichen Leders bedient. Die Nickelschicht muß stark glänzend sein, ferner soll die Fläche vor dem Verchromen frei von Unvollkommenheiten sein. Zu empfehlen ist auch ein Nachpolieren mit Flanell und mit Wiener Kalk.

Bei Metallstücken, wie bei Spritzguß und Neusilber wird folgendermaßen verfahren: die Rohgußstücke werden mit den Schmirgeln Nr, 140, 160, 180 und 200 behandelt, schließlich mit Flanell und Wiener Kalk poliert. Auch hier muß die Geschwindigkeit der Polierscheibe 2700 bis 3000 Umdrehungen/min betragen. (The Iron Age 1928, Bd. 121. S. 1680–1682.)

K.

Einfluß von Arsen auf Messing. Da das Elektrolytkupfer sehr teuer ist, erscheint es angebracht, vorn kaufmännischen Standpunkt aus zu betrachten, ob die Verwendung von Kupfer mit geringen Anteilen von Verunreinigungen für die Herstellung der verschiedenen Legierungen möglich ist.

Wenn es sich um Kupfer allein handelt, so fügt man oft bis zu 0,50 % Arsen zwecks Verbesserung der Zähigkeit und Härte hinzu, ohne daß die Dehnung dabei vermindert wird; derartige Gußstücke aus Kupfer sind auch gesund und widerstehen dem Einfluß reduzierender Gase. Der Einfluß des Arsens auf die gewöhnliche Bronze ist gering; er erhöht etwas das Verhältnis der Elastizitätsgrenze zur Bruchgrenze. Von größerem Interesse ist das Verhalten des Arsens in den verschiedenen Messingsorten. Bekanntlich wird das Messing 70 % Kupfer-30 % Zink durch einen einzigen Bestandteil Alpha gebildet, während die Legierung 60 % Cu-40 % Zn die Bestandteile Alpha und Beta enthält. Der Bestandteil Beta ist viel härter als der Bestandteil Alpha, so daß die beiden Messingsorten auch nicht die gleichen Eigenschaften aufweisen. Das Messing 70-30 läßt sich warm und kalt bearbeiten und wird praktisch kalt verwendet, während die Legierung 60-40 sich kalt nur schwer bearbeiten läßt. Prüft man Probestäbe von gegossenem 70-30 %-Messing mit 0,50 % oder mehr Arsen, so nimmt man eine größere Sprödigkeit des Metalles beim Zerreißversuch wahr. An sich ist diese Erscheinung nicht schwerwiegend, da für Gußzwecke diese Legierung nur wenig gewählt wird. Was die Kaltbearbeitung anbetrifft, so ist die Gegenwart von Arsen bis zu 0,50 % unbedeutend.

Der Unterschied in der Wirkung des Arsens ist dadurch zu erklären, daß das Arsen im Gußstück in Form von freiem Arsenid vorhanden ist, daß das Arsenid dagegen nach dem Walzvorgang und nach Glühen in feste Lösung übergeht. Im freien Zustand neigt das Arsenid dazu, jedes einzelne Kristall zu umschließen; da es aber einen spröden Bestandteil darstellt, bricht das geprüfte Metall in den harten Zonen der umschlossenen Kristalle. Da nach Warmbearbeitung und -behandlung die spröden Arsenidnetze in die Lösung übergehen, werden sie wirkungslos. Man kann daher ohne Nachteil arsenhaltiges Kupfer für die Herstellung von 70-30 %-Messing verwenden; es ist nur zu beachten, daß bei Gegenwart von Arsen die Glühtemperatur etwas zu erhöhen ist, nämlich von 650° auf 680–690°. Bei einem Vergleich mit der Legierung 60-40 ergibt sich, daß der Einfluß des Arsens verschiedenartig ist. In diesem Messing vermindert das Arsen die Zähigkeit und die Schlagfestigkeit beträchtlich. Eine eigentümliche Erscheinung ist die, daß hier das Arsen bei der Warmbearbeitung der Legierung wirkungslos bleibt. Ein Gehalt von nur 0,12 % Arsen genügt, um die Dehnung und die Einschnürung dieser Legierung um 25–30 % im gegossenen Zustand und um über 50% im gewalzten Zustand zu vermindern. Ein höherer. Arsen-Anteil ist selbstverständlich noch schädlicher. In der Legierung 60 % Kupfer-40 % Zink muß daher das Arsen vermieden werden. (Technique Moderne.)

K.

Ueber den Stahlformguß. Den Stahl für Formgußstücke kann man folgendermaßen einteilen: Klasse A: Stahl für Stücke, bei denen besondere physikalische Eigenschaften nicht verlangt werden; Klasse B: weicher Stahl mit 42 kg/mm2 Zerreißfestigkeit (Kz), 22 % Dehnung (D), 30 % Einschnürung (E), halbweicher Stahl mit 49 kg/mm2 Kz, 18 % D, 25 % E, harter Stahl mit 56 kg/mm2 Kz, 15 % d, 20 % E. Das Glühen der Stahlformgußstücke bezweckt eine Verbesserung des Gefüges, eine Steigerung der Widerstandsfähigkeit und eine Beseitigung der inneren Spannungen. Die Erwärmungstemperatur richtet sich nach dem Kohlenstoffgehalt und beträgt bei bis zu 0,16 % C 925°, bei 0,16–0,34 % 875°, bei 0,35–0,54 % 850°, bei 0,55 bis 0,79 % 830°. Die Höchsttemperatur ist ziemlich lange aufrechtzuerhalten für die Sicherung der Kornumwandlung und die Erwärmungsdauer ist um so länger, je größer die Querschnitte der Stücke |76| sind. Für Automobilteile wird die Zusammensetzung empfohlen: 0,70% C, 0,10–0,30% Si, 0,35% Mn, unter 0,05 % p, unter 0,05 % S; für Stücke mit kleinen Abmessungen 0,50 % C, 0,25 % Si, 0,50 % Mn; für große Stücke 0,10–0,40 % C, 0,20–0,40 % Si, 0,50–0,80 % Mn, für Schiffsteile 0,20–0,40 % C, 0,30 % Si, 0,50 % Mn, für Mahl- und Zerkleinerungskörper 0,80–1 % C, 0,20–0,40 % Si und 0,50–1 % Mn. Ein Anteil von 0,2 % Vanadin genügt, um die Festigkeit des Stahlstückes merklich zu steigern. Manganstahl mit 12,5 % Mangan wird durch Einführung von 80%igem Ferro-Mangan in der Gießpfanne erhalten; seine Schwindung ist ziemlich gering. Derartige Formgußstücke sind langsam abzukühlen und bei 400° 3–6 Stunden lang je nach ihren Abmessungen zu glühen; beim Herausnehmen aus dem Glühofen werden sie in kaltem Wasser gehärtet. Das so erhaltene Metall weist einen hohen Härtegrad, eine Zerreißfestigkeit von 60 kg/mm2 und eine Elastizitätsgrenze von 42 kg auf. (Fond. Moderne.)

K.

Beitrag zum Studium der elastischen Eigenschaften und der Viskosität der Metalle und Legierungen. Die mechanischen Eigenschaften, die mit Genauigkeit zu kennen wichtig sind, sind für die Kaltbearbeitung der betreffenden Metalle die Elastizitätsgrenze und der Elastizitätsmodul, sowie die innere Reibung, für die Warmbearbeitung die Viskosität, sei es, daß das Metall Beanspruc(ungen bei hohen Temperaturen ausgesetzt ist, sei es, daß die Gestaltung durch Umformung in der Wärme vorzunehmen ist, sei es, daß das Verschwinden innerer Spannungen im Metallstück ins Auge gefaßt wird. Alle diese Eigenschaften werden aber durch die üblichen Verfahren zur Untersuchung der Zerreißfestigkeit, Härte und Schlagfestigkeit nicht bestimmt oder nicht genügend erkannt. Mit verhältnismäßig groben Meßapparaten lassen sich bei Bestimmung der Durchbiegung und Drehung Werte für den Elastizitätsmodul erhalten, die durchaus vergleichbar sind mit den durch komplizierte, die Verformung durch Zug berücksichtigende Feinmeßapparate erhaltenen Werten. Bei der Bestimmung der viskosen Eigenschaften handelt es sich nicht darum, die Verformung als Funktion der Beanspruchung und der Temperatur, sondern die Verformungsgeschwindigkeit zu messen, die allerdings durch die Temperatur beeinflußt wird. Auf Grund der bisherigen Forschungsarbeiten kommen Chevenard und Portevin zu dem Ergebnis, daß der Modul für die Ferro-Nickel- und die Kupfer-Legierungen, sowie für Aluminiumbronze sich fast linear als Funktion der chemischen Zusammensetzung ändert und daß hierbei das Gefüge nur eine sekundäre Rolle spielt. Der Modul eines Metalles läßt sich durch eine Behandlung in dem Sinne, wie die Elastizitätsgrenze, Zerreißfestigkeit und Härte erhöht werden können, nicht steigern. Zur Prüfung der Viskosität leistet das Viskosimeter nach Chevenard gute Diesten. (Chimie et Industrie.)

K.

Das Verhalten von Grauguß bei wiederholten Erwärmungen. Auf dem internationalen Gießereikongreß zu Detroit berichtete Kennedy über seine Arbeiten, deren Zweck darin lag, ein Eisen ausfindig zu machen, das unter dem Einfluß der wiederholten Erwärmungen nicht blähte; durch gewisse Zusätze in der Pfanne gelang es auch, ein derartiges Eisen zu erhalten.

Es ist schon früher von verschiedenen Forschern darauf hingewiesen worden, daß das Blähen auf eine Oxydation des Graphits durch die Luft zurückzuführen ist, daß jedes Graphit enthaltende Gußeisen bei Erwärmung oberhalb des kritischen Punktes bläht und daß das Blähen durch das Silizium beschleunigt, durch den Schwefel, Phosphor und das Mangan verzögert wird. Ein Eisen mit 0,4 % Silizium, 2,7 % Kohlenstoff, 1,6 % Mangan zeigt keine Spuren von Blähungen nach mehreren Erwärmungen; wegen seines geringen Siliziumgehaltes kann man es aber nicht als graues Eisen erhalten. Bei der Vornahme von neuen Versuchen wurde nun ein Eisen im Kupolofen niedergeschmolzen, verschiedene Zusätze in der Pfanne eingeführt und das Eisen zu Stäben von 350 mm Länge und 30 mm Durchmesser gegossen; diese Stäbe wurden dann geteilt und auf 25 mm Durchmesser und 125 mm Länge bearbeitet. Man erhielt folgende Analysen:

Nr. C Si Mn P S Ni Cr
1 3,12 2,90 0,58 0,60 0,070
2 3,54 2,19 0,51 0,52 0,080
3 3,41 2,39 1,51 0,61 0,068
4 2,96 2,88 0,10 1,56 0,076
5 3,23 1,84 0,45 0,49 0,083 1,12 0,17

Die Erwärmung dieser Stäbe erfolgte in einem Stahlkessel, der mit Gußeisenspänen angefüllt und zugedeckt war, auf 858° und dauerte 3 Stunden; es wurden 50 Erwärmungen nacheinander vorgenommen. Die stärkste Blähung zeigte der Stab Nr. 1 mit sehr hohem Silizium-Gehalt, der auf der Oberfläche Risse aufwies. Die Stäbe Nr. 2 mit geringerem Si-Gehalt blähen auch stark, aber ohne Risse. Auch bei den manganreichen Stäben Nr. 3 war eine hohe Blähung festzustellen, welche Tatsache beweist, daß das Mangan in dieser Hinsicht keinen mildernden Einfluß ausübt. Die Stäbe Nr. 4 besaßen die geringsten Blähungen. Der Zusatz von Nickel und Chrom zum Eisen mit niedrigem Si-Gehalt übt einen nur geringen Einfluß aus. Zusammenfassend wurde die Feststellung gemacht, daß ein Eisen mit hohem Phosphoranteil am wenigsten bläht und weiter, daß ein mit Titan desoxydiertes Eisen langsamer bläht als ohne Titan. (La Technique Moderne.)

K.

Ueber die Schmelzung von Stahlspänen im Kupolofen. Beim Schmelzen von Stahlspänen in Gegenwart von Koks, Anthrazit oder Holzkohle im elektrischen Ofen ist es bekanntlich möglich, alle Arten von Gußeisen zu erschmelzen. Die sich dabei abspielenden chemischen Vorgänge sind nicht die gleichen wie im Kupolofen, da im elektrischen Ofen das Kohlenoxyd eine zu flüchtige Berührung mit dem Stahl eingeht, um eine vorläufige Zementation zu verwirklichen: hier erfolgt die Kohlung durch Berührung des Kohlenstoffs mit dem geschmolzenen Metall. Die Verhältnisse im Kupolofen bei seiner Beschickung mit Stahlschrott sind anderer Natur. Die Festlegung der Schmelzzone bedarf einer besonderen Sorgfalt, der Winddruck sollte 37 bis 40 cm betragen; dementsprechend ist auch der Querschnitt der Düsen zu bemessen. Der aufgegebene |77| Stahl ist dem Einfluß der aufsteigenden Gase ausgesetzt und es wird eine Zementation stattfinden ähnlich derjenigen im Hochofen. Diese Zementation geht bei einer Temperatur vor sich, bei der noch keine Bildung von Mischkristallen zwischen dem Eisen und Kohlenstoff erfolgt. Zwei Kupolöfen einer Tempergießerei, die 2 Jahre lang ständig überwacht und die mit 90 % Schrott betrieben wurden, ergaben einen Höchstgehalt an Kohlenstoff von 3,25–3,30 %. Neuerdings ist es möglich geworden, in einem Poumay-Kupolofen eine gleichmäßige Kohlung durchzuführen, die regelmäßig 3,05–3,06 % beträgt. Für gewisse Sonderzwecke ist dieser Kohlenstoffgehalt von besonderer Bedeutung; so ist z.B. ein solches Eisen den Schwarzkern-Tempergießereien erwünscht. (Fond. Moderne.)

K.

Manganreiches Roheisen und Manganerze im Siemens-Martin-Ofen. Die Punkte, die gegen die Verwendung von Roheisen mit hohem Mangangehalt bzw. von manganreichen Erzen im Siemens-Martin-Ofen ins Feld geführt werden, sind: schlechte Arbeitsbedingungen des Ofens, Metallverluste im Ofen, Steigerung des korrosiven Einflusses auf die Auskleidung von Ofen und Pfannen, während als ernste Vorteile angesprochen werden: Entfernung des Schwefels, eine reinigende Wirkung auf das Metallbad, die in einer Verbesserung der Stahlbeschaffenheit zum Ausdruck kommt, Ersparnis an Ferro-Mangan, Zunahme der Ofen-Tonnenleistung, geringere Chargen an Kalkstein und Flußspat. All diese Vorteile überwiegen die Nachteile, die man übrigens noch mildern kann. Als ein Eisen mit hohem Mangangehalt ist ein solches mit 1,75 bis 2 % Mangan zu bezeichnen, als eines mit geringem Mangangehalt ein solches mit bis zu 1 %. Bei einem hohen Mangangehalt im Eisen ist die Desoxydation im Siemens-Martin-Ofen durchgreifender, die Schlacke dünnflüssiger und die Ersparnis an Ferro-Mangan kann je t Stahlblock 1 kg erreichen. Den Schlüssel zu der Durchführung dieses Prozesses im Martinofen bildet die Schlacke, deren vollkommene Kenntnis unbedingt vorauszusetzen ist. (Usine.)

K.

Einfluß der chemischen Zusammensetzung der Legierungen auf die Formfüllfähigkeit. Die erste zu verwirklichende Bedingung bei der Herstellung von Formgußstücken besteht in der vollständigen Ausfüllung der Gußform durch die Legierung. Abgesehen von dem genügenden Flüssigkeitsgrad bei Gießtemperatur hängt diese Fähigkeit, die Form ganz auszufüllen, von einer ziemlich großen Anzahl physikalischer Faktoren des Metalles (Flüssigkeit, Wärmekapazität, latente Wärme, Erstarrungsgeschwindigkeit), der Form (Wärmekapazität, Dicke usw.), sowie der Art des Gußstückes und den Gießbedingungen ab. Die Flüssigkeit ist eine bestimmte und meßbare physikalische Größe, Funktion der Temperatur und der Zusammensetzung der Legierung, während die vorgesehenen Eigenschaften sich nicht allein nach diesen veränderlichen Umständen, sondern auch nach der Gußform und nach dem Stück richten. Bei den vorgenommenen Versuchen zur Feststellung der Formfüllfähigkeit war es bei den Legierungen mit niedrigem Schmelzpunkt leicht, die Versuchsstäbe in Metallformen zu gießen. Aus diesen Untersuchungen mit Zinn-Wismut- und Zinn-Blei-Legierungen (Gießtemperaturen 550 und 450°) geht hervor, daß die Unterscheidung zwischen Flüssigkeit und Formfüllfähigkeit bestätigt wurde; während nach Ragnar Arpi die Flüssigkeit flüssiger Zinn-Blei-Legierungen bei einer bestimmten Temperatur sich linear als Funktion der chemischen Zusammensetzung ändert, stellt die Formfüllfähigkeit nach Guillet und Portevin einen Höchstwert für die eutektische Zusammensetzung dar. Die beträchtliche Zunahme der Formfüllfähigkeit, die die eutektische Temperatur kennzeichnet, könnte einzig dem niedrigen Schmelzpunkt der Legierung zugeschrieben werden, da die Formfüllfähigkeit in diesen Legierungen als veränderliche Größe in umgekehrtem Sinn der Anfangs – Erstarrungstemperatur erscheint. Nachdem die Formfüllfähigkeit durch zwei Temperaturen bestimmt wird, kann man unter weiterer Berücksichtigung des Umstandes, daß sie lineare Funktion von diesen ist, einen Temperaturkoeffizienten der Formfüllfähigkeit berechnen und beobachten, wie sie sich bei Gießtemperaturen verhalten würde, wenn die Anfangs – Erstarrungstemperatur um eine Anzahl von Grad überschritten wird. (Académie des Sciences.)

Dr. K.

Einfluß von Aluminium auf eine Eisen-Kohlenstoff-Legierung. Das Aluminium wird zwar allgemein zum Desoxydieren von Eisen und Stahl verwendet, doch was seine Verwendung in der Gießerei anbetrifft, hatte man bisher angenommen, es mache das Gußeisen hart, spröde und ungesund. Bei seinen neuesten Versuchen ging nun Everest von der Absicht aus, den tatsächlichen Einfluß des Aluminiums auf Gußeisen an einer größeren Anzahl von Legierungen zu untersuchen, die 0–30 % Aluminium enthielten in einem Eisen der Zusammensetzung 3,5 % Kohlenstoff, 0,029 % Silizium, – Mangan, 0,028 % Schwefel und 0,016 % Phosphor. Diese Eisenzusammensetzung mit niedrigem Silizium- und Mangangehalt war aus dem Grunde gewählt worden, damit der Einfluß des Aluminiums besser zum Ausdruck kam und nicht durch denjenigen von Silizium und Mangan verschleiert wurde. Der Probeguß des ursprünglichen Eisens ohne Aluminiumzusatz war ungesund und porös, während sich in allen Fällen, wo Aluminium zugesetzt wurde, gesunde Stücke ergaben. Schon bei 25 % Aluminium bekam der Guß ein gesundes Aussehen, doch war er bei diesem Gehalt ziemlich hart und der Bruch war weiß. Von 1 % Aluminium ab ist der Bruch grau und der Guß zäh, während er bei 8 % Aluminium hart, spröde und der Bruch silberweiß wird. Bei 18 % Aluminium tritt wieder eine Aenderung ein, indem der Bruch wieder eine graue Farbe annimmt und das Stück wieder weich und weniger spröde wird. In bezug auf seine graphitausscheidende Wirkung weist das Aluminium eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Silizium auf. Ein Maximum an Graphit mit 2 % Graphit bei 3,3 % Gesamtkohlenstoff wurde in dem untersuchten Eisen bei 4 % Aluminium festgestellt. Der Graphit sinkt dann bei 9 % Aluminium fast auf Null, um dann von 18 % Aluminium ab allmählich wieder zu steigen. Von 18 bis 26 % Aluminium besteht eine zweite graphitische Phase mit einem Höchstgehalt an Graphit von 1,8 %. Von 26 % Aluminium ab |78| sinkt der Graphitgehalt dann endgültig und bei 29 % Aluminium ist kein Graphit mehr vorhanden.

Was die Härte anbetrifft, so ändert sich diese mit der Kohlenstofform. Die größte Härte von 430 Brinelleinheiten besitzen die Legierungen mit 12 bis 14 % Aluminium, die sehr spröde sind. Die Legierungen mit 23 % Aluminium waren mit 180 Brinelleinheiten weicher als die mit 5 % Aluminium, die 230 Brinelleinheiten ergaben. Diese letzteren waren aber besser bearbeitbar. Bei den Legierungen der zweiten graphitischen Phase sind nämlich harte Kristalle in einer weichen Grundmasse eingelagert, so daß das Metall schnell die Werkzeugschneide zerstört. In metallographischer Hinsicht zeigt sich der Graphit bei 1 % Aluminium in Form von feinen Flocken. Bei über 6 % Aluminium nimmt die Perlitmenge auf Kosten des Austenit-Zementit-Eutektikums zu. Bei 7–8 % Aluminium erscheint eine neue Phase mit kleinen weißen Flächen, die sich durch ihre Härte auszeichnen; der Graphit ist dabei verschwunden.

Im allgemeinen kann man auf Grund dieser neuen Versuche annehmen, daß das Aluminium auf Gußeisen ähnlich wirkt wie Silizium, nur nicht so kräftig. 2–3 % Aluminium wirken etwa so wie 1 % Silizium. Der Graphit erscheint bei Aluminiumgehalt in feinerer Form als bei Silziumgehalt. Die Legierungen mit über 25 % Aluminium sind in der Atmosphäre unbeständig. (Foundry Trade Journal, Bd. 37, S. 169-73.)

K.

Die gemeinsame Verbrennung von Sägespänen und Kohlenstaub. Die Menge des Abfallholzes bei der Hayes Wheel Co. in Amerika nahm einen solchen Umfang an, daß man sich entschloß, eine aus drei Dampfkesseln bestehende Kraftanlage für die Verwertung dieses Holzes zu errichten. Die vorher ausgeführte Wirtschaftlichkeitsberechnung ergab, daß die täglich zur Verfügung stehende Abfallholzmenge für einen Betrieb dieser Kraftanlage von 19 Stunden ausreichen würde, so daß sich hieraus die Notwendigkeit erwies, die Wahl für einen anderen Brennstoff während der übrigen 5 Stunden des Tages treffen. Als solcher kam nur Kohle in Frage und man entschloß sich nun, Holz und Kohle in einer gemeinsamen Feuerung zu verbrennen. Für die Behandlung dieses Problems bestanden zwar nur geringe Anhaltspunkte, doch kam man schließlich doch zu einer befriedigenden Lösung. 90 % des Abfallholzes auf dem betreffenden Werk entfallen auf die Speichendreherei, wo u.a. 18 Radspeichenhobelmaschinen und 12 Radspeichenpoliermaschinen aufgestellt sind. Zur Vermeidung von Feuersgefahr wird das Sägemehl von den Spänen und größeren Abfallstücken entfernt und besonders gesammelt. Die Holzspäne werden nach ihrer Trennung vom Sägemehl durch eine Reihe von Röhren in das obere Kesselhaus geblasen und fallen aus den dort befindlichen Behältern durch ihre Schwere in den Feuerungsraum. Das Forschungsinstitut von Michigan hatte nun gefunden, daß ein derartiges Feuerungsverfahren 14 % von freien Alkalien ergebe, die bei Berührung mit den feuerfesten Steinen deren Auflockerung infolge chemischer Reaktionen zur Folge hatte. Es galt daher, einen besonderen feuerfesten Stoff für diesen Zweck ausfindig zu machen, und als solcher erwies sich ein Stein aus Michigan-Schamotte am besten. Die Kohle wird aus dem Eisenbahnwagen gesaugt und in Behälter über den Kesseln geblasen, eine Einrichtung, die durch einen 50-PS-Motor angetrieben wird einen 50-t-Eisenbahnwagen in 9 Stunden ausladen kann. Die Kohle ist eine Rohkohle mit hohem Aschengehalt und zuweilen von größeren Stücken durchsetzt. Selbsttätige Vorrichtungen bringen die Kohle in die Kesselfeuerung, nachdem sie noch vorher gesiebt worden ist. Die Verbrennung der Kohle kann so eingestellt werden, daß sie die gleiche Wirkung ergibt wie die Verbrennung des Holzes. Die mit dieser Feuerung gemachten Erfahrungen lassen sich in dem Sinne zusammenfassen, daß die Leistungsfähigkeit des Werkes beträchtlich gesteigert wurde, dem es nunmehr möglich ist, aus Abfallholz und etwas Kohle eine besonders billige Kraft zu erzeugen. Schon nach 13 Monaten Betriebszeit hatte sich die ganze Anlage bezahlt gemacht. k.

Gußstücke für Dieselmaschinen. Unter den üblichen Betriebsbedingungen werden die Zylinder der Dieselmaschinen einem Temperaturgrad von etwa 600° bei 35 atm Druck ausgesetzt. Eine anormale Temperatur kann möglicherweise durch Ueberlastung oder durch Fehler der Kühlwasseranlage eintreten, nämlich eine Temperatur bis zu 1000° an den Stellen, wo eine plötzliche Verbrennung des Brennstoffes erfolgt. Von dem für diesen Zweck verwendeten Gußeisen muß daher an erster Stelle verlangt werden, daß es bei hoher Temperatur einen bestimmten Druck aushält, ohne zu reißen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine gute Verschleißfestigkeit und die Beibehaltung von Form und Abmessungen auch bei längerer Erwärmung.

Die Frage des Verhaltens von Gußeisen verschiedener Zusammensetzung wurde von dem Japaner Matsuura an folgenden Proben untersucht:


Probe
Kohlen-
stoff

Silizium

Mangan

Phosphor

Schwefel
A 3,30 1,4 2,10 0,16 0,05
B 3,49 2,0 1,30 0,61 0,07
C 3,98 2,54 1,10 0,84 0,06

Die Zerreißfestigkeiten dieser Proben betragen bei 15° 27,5(A), 20,7(B) und 16,8(C) kg/mm2, bei 400° 26,8 bzw. 20,0 bzw. 16,7 kg/mm2, bei 600° 19,6 bzw. 12,0 bzw. 9,1 kg/mm2 und bei 700° 12 bzw. 6,0 bzw. 0 kg/rnm2. Die Erwärmungsdauer aller Proben betrug 30 Minuten. Die Abnahme der Zerreißfestigkeit ist bis zu 500° nicht beträchtlich. Die Ursache der Festigkeitsabnahme bei den höheren Temperaturen liegt in der durch die Erwärmung hervorgerufenen Veränderung des Korngefüges und in der Veränderung der interkristallinen Kohäsion bei gleichzeitigem Wachsen des Gußeisens. Nun war bisher schon bekannt, daß das Mangan das Wachsen von Gußeisen bei höherer Temperatur verzögert und die Beständigkeit des Karbids durch Erniedrigung des Silizium- und Steigerung des Mangangehaltes erhöht werden kann. Aus dem Grunde wurden weitere Untersuchungen an gußeisernen Proben angestellt, die mit 25 % Stahlzusatz in der Gattierung hergestellt worden waren und Mangangehalte von 0,66 % bis 2,54 % enthielten. Da diese Proben im Tiegelofen geschmolzen wurden, war auch ihr Kohlenstoffgehalt niedriger als das Kupolofeneisen. |79| Diese Proben wurden jedesmal während drei Stunden wiederholten Erwärmungen auf 880 bis 910° und Abkühlungen ausgesetzt und dann auf ihre mechanischen Eigenschaften nach 10, 20, 30 und 40 Glühungen untersucht. Die Ergebnisse sind folgende:

Zerreißfestigkeit nach
Nr. Mangan 0 10 20 30 40
Glühungen in kg/mm2
1 0,66 25,4 18,6 14,5 7,7 7,0
2 1,62 26,6 24,8 22,1 17,1 9,2
3 1,88 27,3 25,7 22,4 19,0 10,7
4 2,33 27,4 26,0 24,8 22,1 12,5
5 2,54 29,0 27,3 26,9 26,1 17,3

Der verbessernde Einfluß des Mangans geht aus diesen Ergebnissen deutlich hervor. Bei der Gattierung von Stücken, die für Dieselmaschinen bestimmt sind, muß man daher dem Mangangehalt eine besondere Bedeutung beilegen. Ebenso sind die Gehalte an Kohlenstoff und Silizium dementsprechend festzulegen. Zu empfehlen ist ein niedriger Kohlenstoff, ein Siliziumgehalt von 1,55 bis 1,6 % und ein höherer Mangangehalt. Zur Berechnung der Silizium- und Mangangehalte kann man folgende Formel zugrunde legen:

(Foundry Trade Journal, Bd. 37, S. 175–177.)

K.

Einfluß von Schrottzusatz im Hochofen auf die Roheisenbeschaffenheit. Wenn auch die Einführung von Schrott in den Hochofen seit längerer Zeit bekannt sein mag, so fand sie doch nur in vereinzelten Fällen Anwendung. Erst die Aufstapelung größerer Schrottmengen infolge des Krieges und die Notwendigkeit ihrer Verwertung haben dazu Veranlassung gegeben, diesem Verfahren eine besondere Verbreitung zu verschaffen. Die Vorteile, die dem Schrottzusatz im Hochofen zugesprochen werden, sind: ein um 30 % geringerer Koksverbrauch, eine um 60 % höhere Roheisenerzeugung und ein höherer Heizwert der Gichtgase. Andererseits konnte beobachtet werden, daß eingeführte Legierungsstähle die Roheisenbeschaffenheit nachteilig beeinflussen und dementsprechend auch die Roheisenpreise herunterdrücken. Ferner geben die Oxydation und der Mangel an Gleichmäßigkeit des Erzeugnisses zu Klagen Anlaß. So schreiben die Tempergießer das ungünstige Ausfallen ihrer Gußstücke der Gegenwart von Chrom zu, das die Zerreißfestigkeit und die Dehnung erniedrigt. Es erscheint daher wünschenswert, wenn der gewöhnliche Stahlschrott von dem chromhaltigen von vorneherein getrennt gehalten wird, da man sonst Gefahr läuft, daß das ganze Roheisen mit dem Chrom in Berührung kommt. Auch auf anderen Gebieten macht sich der nachteilige Einfluß des Chroms geltend, wie z.B. in Blechen für die Elektroindustrie, wo die elektrischen Eigenschaften durch das Chrom herabgesetzt werden.

Ein oxydiertes Eisen und mithin ein schlechter Guß kann sich ergeben, wenn man oxydierten Gußbruch, Roststäbe u. dgl. in den Hochofen bringt. Es hat sich herausgestellt, daß das Eisen fehlerhaft ausfiel, wenn der Anteil im Möller an derartigem Gußbruch mehr als 10 % betrug. Beim Umschmelzen dieses Eisens im Kupolofen muß man entweder den Kokssatz erhöhen oder Ferro-Mangan einführen, welche Maßnahmen befriedigende Ergebnisse, allerdings auch höhere Kosten zur Folge haben.

Am meisten wird dem unter Schrottzusatz erzeugten Roheisen seine Ungleichmäßigkeit in bezug auf seine Zusammensetzung und auf seine physikalischen Eigenschaften vorgeworfen. Namentlich sind die mitunter recht beträchtlichen Härteunterschiede zu bestätigen. Der Gefahr, daß ein Gußstück aus diesem Eisen rissig wird oder bei der Bearbeitung Schwierigkeiten bietet, kann durch einiges Glühen der Stücke bei 590° zwecks Beseitigung der Gußspannungen vorgebeugt werden. Die Verwendung von Vorherden, großen Gießpfannen in Verbindung mit dem Kupolofen oder, was noch besser ist, von elektrischen Oefen gestattet die Erzielung eines gleichmäßigen Erzeugnisses, auch wenn man von einem ungleichmäßigen Eisen ausgegangen ist. Sowohl die Hochofenwerke, die mit Schrottzusatz arbeiten, als auch die Gießereien als Abnehmer von Roheisen haben ein berechtigtes Interesse daran, den Einfluß von Schrott auf die Beschaffenheit des Roheisens genau zu kennen. In diesem Sinne haben zwei Hochofenwerke des Bezirkes von Chicago ihr Einverständnis zu einer Zusammenarbeit mit dem Roheisenausschuß der amerikanischen Gießereifachleute erklärt. Beide Teile haben sich dazu bereit gefunden, eingehende Untersuchungen über Roheisensorten anzustellen, die mit verschiedenen Schrottanteilen und Schrottarten gewonnen werden. (The Foundry, Bd. 56, S. 32-34.)

K.

Die Kontrolle der Fertigung in der Gießerei. Wenn man im allgemeinen von Kontrollverfahren spricht, so pflegt man hierunter diejenigen Verfahren zu verstehen, die die Prüfung des fertigen Erzeugnisses zum Gegenstand haben. Diese vor allem den Abnehmer interessierenden Prüfungen stellen aber nur den letzten Abschnitt der eigentlichen Kontrolle dar. Von größerer Wichtigkeit für den Erzeuger ist es, alle Faktoren zu kennen und zu regeln, die die Fertigung so beeinflussen, daß dabei die gewünschten Endziele erreicht werden. Mag es sich um Kontrollverfahren im Verlaufe der Fertigung oder um solche der fertigen Erzeugnisse handeln, so wird man von diesen Kontrollverfahren verlangen, daß sie wirksam, bestimmt, genau, einfach, wirtschaftlich und schnell sind.

Ein Kontrollverfahren ist wirksam, wenn es geeignet ist, diejenige Eigenschaft zu kennzeichnen, über die man sich Klarheit verschaffen will, oder eine Größe zu messen als direkte und ausschließliche Funktion dieser gesuchten Eigenschaft. Will man die Bearbeitbarkeit kennen, so wird man einen Bearbeitungsversuch machen; soll die Korrosionsfähigkeit untersucht werden, so wird man den Einfluß von Reaktionen unter den Verwendungsbedingungen beobachten; die Höhe des Siliziumgehaltes kann durch die chemische Analyse angegeben werden. Diese direkten Prüfungen werden aber oft durch indirekte Versuche ersetzt. So kann man sich über die Bearbeitbarkeit durch den Brinellkugel-Härteversuch Klarheit verschaffen, über den Siliziumgehalt beim Gußeisen durch das |80| Härtungsvermögen, indem das Bruchaussehen betrachtet wird, über den Kohlenstoffgehalt eines Stahles mit Hilfe des mikrographischen Bildes. Diese indirekten Verfahren kommen jedoch nur für den Fall ihrer schnellen und einfachen Ausführbarkeit in Betracht. Beim basischen Siemens-Martinofen-Verfahren z.B. wechselt der Kohlenstoffgehalt des Stahlbades zu schnell, als daß man auf die chemische Analyse zurückgreifen könnte, hier verschafft man sich einen Anhaltspunkt über den Kohlenstoffgehalt durch die Prüfung des Bruches und des Biegewinkels der geschmiedeten und gehärteten Probe. Die Erfahrungen der Praxis und die Erziehung des Auges spielen dabei eine große Rolle. Auch beim Thomasverfahren beurteilt man den Phosphorgehalt nach der Korngröße des Bruches; man ist weiter in der Lage, den Kupfergehalt von Messingspänen nach ihrer Farbe mit großer Genauigkeit zu schätzen. Dann soll man sich für das für den jeweiligen Zweck am besten geeignete Prüfverfahren entscheiden. Für Stücke aus Gußeisen z.B., die später unter Druck und auf Biegung zu arbeiten haben, ist es überflüssig, die mechanischen Eigenschaften durch den Zugversuch zum Ausdruck zu bringen, dies um so weniger, als die Druck- und Biegeversuche einfacher, genauer, schneller und wirtschaftlicher sind als der Zugversuch. Ein Kontrollverfahren soll dann bestimmt sein, d.h. es soll ein Maß umfassen, dessen Ergebnis sich zahlenmäßig ausdrücken läßt und unter genau bestimmten Bedingungen erhalten wird; dies letztere aus dem doppelten Grunde, um einen Vergleich und die Einteilung nach den Ergebnissen zu ermöglichen und um den Einfluß der persönlichen Beurteilung des Untersuchenden zu vermeiden. Diese Bedingungen lassen sich aber nicht immer erfüllen, da es Fälle gibt, bei denen der zahlenmäßige Ausdruck nicht möglich oder nur sehr schwer ist, wie die Farbe, die thermische Leitfähigkeit, die Klanghöhe, das Korn eines Bruches, das mikrographische Bild. In den meisten dieser Fälle kann man auf einen Vergleich mit einer Skala wohl eingeteilter, sich allmählich verstärkender Typen zurückgreifen. Jedenfalls ist der persönliche Einfluß auf den Ausfall des Prüfergebnisses so weit wie möglich auszuschalten. Wenn es sich ermöglichen läßt, soll man ein Prüfverfahren anwenden, das die Ergebnisse unabhängig vom Prüfenden selbsttätig registriert oder eine sichtbare Spur hinterläßt, wie z.B. Diagramme oder der Eindruck beim Härteversuch. Die Beurteilung der Perlitoder Graphitfeinheit im Gußeisen soll im Vergleich zu sorgfältig ausgesuchten und eingeteilten Mustersorten erfolgen. Bei der Fertigung sind solche Kontrollverfahren in der Regel schneller als die zahlenmäßigen Messungen, wie z.B. die kolorimetrischen Verfahren bei den chemischen Analysen. Dagegen gibt es eine wichtige Gruppe in der Gießereitechnik, die nicht von diesen Regeln erfaßt wird: die physikalischen Fehler, wie Schwindungen, Blasen, Risse usw. Die führenden Gießereikreise täten gut daran, sich näher mit diesen Fragen zu befassen und Ordnung in deren Bezeichnungen, Auslegungen und Beurteilungen zu bringen.

Die weitere von einem Kontrollverfahren verlangte Bedingung der Genauigkeit setzt die Kenntnis der Fehlerquellen und ihrer Bedeutung für den Ausfall des Prüfergebnisses und für die Empfindlichkeit der Untersuchung voraus. So kann ein Prüfverfahren für gewisse Werkstoffe geeignet sein, für andere wiederum nicht. Kann z.B. die mikrographische Prüfung unter gewissen Bedingungen für die Beurteilung des Kohlenstoffgehaltes in gewöhnlichen Stählen mit weniger als 0,9 vH Kohlenstoff dienen, so ist sie unanwendbar in Sonderstählen und in hypereutektoiden Stählen. Auch der für Stähle und Temperguß geeignete Zerreißversuch kann zu irrigen Schlüssen bei Gußeisen, harten gehärteten Stählen usw. führen. Die aus der Prüfung der gehärteten Gußeisenproben sich ergebenden Schlußfolgerungen sind nur selten von einer Gießerei auf die andere übertragbar, die die Eindringung der Härte bei kleinen Stücken beeinflussenden Faktoren anders wirken, wenn es sich um größere Stücke handelt.

Beispiel der Kontrolle bei der Tempergußerzeugung:

Bei der Tempergußerzeugung kommt es darauf an, ein schmiedbares Erzeugnis zu erhalten, das demnach eine bemerkenswerte Dehnung besitzen muß. Der für die Kennzeichnung des Enderzeugnisses geeignete Versuch ist der Zerreißversuch, der einen zahlenmäßigen Ausdruck dieser Dehnung ergeben wird. Man wird dabei bedacht sein müssen, in grünem Sand gegossene Stücke aus weißem Eisen zu erhalten, dann den gebundenen Kohlenstoff entweder durch eine Ueberführung in Temperkohle oder durch Oxydation zu beseitigen. Diese beiden letzten Verfahren entsprechen den Erzeugungsgruppen „Schwarzkerntemperguß“ bzw. „Weißkerntemperguß.“ Die 1. Bedingung besteht allgemein darin, einen gesunden Guß zu erhalten, und sie hängt ab von der Ausführung der Gußformen, von der Gießgeschwindigkeit und von der Formfüllfähigkeit. Das Gemisch und die Verwendungsbedingungen des Sandes sind durch Versuche festzulegen und die Feuchtigkeit und Festigkeit der Formen zu prüfen, während die Geschwindigkeit der Speisung der Form durch den Querschnitt der Eingußöffnung und durch die Gießhöhe geregelt wird. Für die Erhaltung eines weißen Eisens sind wichtig die Gießtemperatur, die Abkühlungsgeschwindigkeit, die beeinflußt wird von der Wandstärke, und die chemische Zusammensetzung. Je nach der Dicke der Stücke ist die Zusammensetzung einzustellen. Man wird darauf bedacht sein, die Zusammensetzung stets konstant zu halten mit Ausnahme des Siliziumgehaltes, der sich nach der Dicke der Stücke richten wird. Daß die Einsätze (Roheisen, Stahl, Brennstoff) und der Winddruck des Kupolofens zu überwachen sind, ist selbstverständlich.

Die Graphitisierung eines weißen Eisens durch den Glühvorgang ist Funktion des ursprünglichen Zustandes (Zusammensetzung, Gefüge) und der Glühkurve, die die Veränderung der Temperatur als Funktion der Zeit angibt und Aufschluß erteilt über die Dauer des Verweilens bei der höchsten Glühtemperatur und über die Abkühlungsgeschwindigkeit von der höchsten Glühtemperatur an bis auf 700°. Diese Kurve sollte selbsttätig aufgezeichnet werden. Es ist aber nicht außer acht zu lassen, daß die Temperatur der Stücke verschieden ist von der des Ofens und daß diese letztere im ganzen Ofen |81| nicht gleichmäßig ist. Beim Einfüllen des Temperofens wird man sich daher nach der Große und Wandstärke der Stücke zu richten haben. Nach der Glühung sind die Proben schnell durch den Biege- und Kugeldruckversuch zu prüfen.

Die Entkohlung durch Oxydation hängt ab von der Glühkurve, der Zusammensetzung, der Wandstärke und dem Entkohlungsvermögen des Erzgemisches. (Nach einem Vortrag von A. Portevin vor dem Gießereikongreß zu Barcelona.)

K.

Oberflächenschutz. Vortrag von Professor Schob (Berlin-Dahlem) über

Oberflächenschutz durch Anstrichstoffe.

(Betriebstechnische Tagung Leipzig 12. März 1929.)

Das Problem, eine Oberfläche zweckmäßig mit einem Anstrichmittel zu überziehen, ist in neuerer Zeit recht kompliziert geworden, da die Zahl und Verschiedenartigkeit der Anstrichmittel sehr stark zugenommen hat, insbesondere auch durch Einführung des chinesischen Holzöls und der Lacke auf Nitrozellulose-Basis. Auch hinsichtlich des Untergrundes sind besonders durch die ausgedehnte Verwendung von Leichtmetallen neue Aufgaben für die Anstrichtechnik entstanden. Abgesehen von der Erzielung eines guten und dauerhaften Anstrichs gehen die neuzeitlichen Bestrebungen in Richtung der Zeitersparnis. Man braucht also sehr rasch trocknende Anstrichmittel und eine Technik des Auftrages, die in der gleichen Zeit ein Vielfaches der alten Pinseltechnik leistet.

Die Entwicklung der Farbspritzverfahren hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und für dieses Gebiet ist insbesondere der Ingenieur zu schöpferischer Tätigkeit berufen. Der Ausbau der Spritzverfahren hat auch unter gewerbehygienischen Gesichtspunkten zu erfolgen, da manche Ueberzugsmittel Stoffe enthalten, deren längere Einatmung für den Arbeiter gesundheitliche Nachteile zur Folge hat.

Um die Eignung eines Anstrichmittels zu beurteilen, werden im ausgedehnten Maße physikalische und chemische Untersuchungen herangezogen. Da man aber das Gebiet der Prüfung von Anstrichstoffen lange Zeit vernachlässigt hat, sind unsere Kenntnisse über die Stoffeigenschaften und ihre zahlenmäßige Erfassung noch ziemlich lückenhaft; letzten Endes bleibt einstweilen noch die Beobachtung eines Anstrichmittels unter solchen Bedingungen, wie sie bei seinem praktischen Gebrauch auftreten, der zuverlässigste Maßstab für die Bewertung.

Die Wissenschaft und Prüfpraxis ist aber unablässig bemüht, in die ursächlichen Zusammenhänge der für die Haltbarkeit oder Nichthaltbarkeit eines Anstrichs maßgebenden Faktoren einzudringen. Deshalb werden neben der praktischen Beobachtung, die zum Beispiel bei Rostschutzfarben im Freilagerversuch besteht, noch Versuche an dem vom Untergrund befreiten Farbfilm hinsichtlich Festigkeit, Dehnung, Wasserdurchlässigkeit u.a.m. ausgeführt.

Die Einflüsse, denen der Anstrich im praktischen Gebrauch besonders ausgesetzt ist, läßt man im sogenannten Kurz- oder Schnellversuch in verstärktem Maße auf den Versuchsanstrich einwirken, um bei verkürzter Beobachtungszeit einen Anhalt für das mutmaßliche Verhalten des Anstrichs im Gebrauch zu gewinnen.

Unsere Kenntnisse über die Anstrichstoffe werden zweifellos in den nächsten Jahren große Fortschritte machen, zumal es sich der Ausschuß für Anstrichtechnik im Verein deutscher Ingenieure hat angelegen sein lassen, die Arbeiten verschiedener Forscher durch finanzielle Unterstützung zu fördern. Dieser Ausschuß bildet durch seine Zusammensetzung aus Erzeugern und Verbrauchern, Wissenschaftlern und Praktikern eine Gewähr für regen Erfahrungsaustausch.

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Vortrag von Herrn Dr. Schlötter (Berlin) über

Oberflächenschutz durch metallische Ueberzüge

  • a) Galvanisch und feuerflüssig aufgebrachte Ueberzüge;
  • b) aufgewalzte und aufgeschweißte Ueberzüge, anodische Oxydation.

(Betriebstechnische Tagung Leipzig 12. März 1929.)

Als Korrosionsschutz können nur diejenigen Metalle in Betracht kommen, die in der Spannungsreihe dem zu schützenden Metall vorausgehen; beim Eisen käme demnach Zink und Kadmium in Frage. Wenn man dennoch bei den Heißverfahren außer der Verzinkung noch die Verzinnung und Verbleiung, bei den galvanischen Prozessen die Vernicklung, Vermessingung, Verchromung u.a. anwendet, so geschieht dies, weil man auf besondere Eigenschaften dieser Metalle zurückgreift, bei der Verzinnung auf die Ungiftigkeit seiner Salze in geringen Konzentrationen, beim Blei auf die Widerstandsfähigkeit gegen schweflige Säure, bei Nickel und Chrom auf Härte, Polierfähigkeit und Hitzebeständigkeit.

Der Vortragende ging dann näher auf die Heißprozesse der Verzinkung, Verzinnung und Verbleiung ein, gab an, mit welchen Legierungen man die einzelnen Prozesse durchführt, erwähnte bei der Feuerverzinkung die sogenannte Sparverzinkung mit Bleieinsatz im Kessel, Trockenverzinkung, bei der Feuerverzinnung die Anwendung der Zentrifuge für Kleineisenzeug und die Doppelverzinnung für Guß- und Kleinzeug. Bei der Feuerverbleiung wurde im Anschluß noch die Homogenverbleiung erwähnt.

Die elektrolytischen Verfahren wurden nur kurz angeführt, um dann darauf hinzuweisen, daß die Vorbereitung der Waren für jede Art der Plattierung, gleichgültig, ob heiß oder galvanisch, ausschlaggebend für das Gelingen der Plattierung ist. Eingehender wurden dann die Vorgänge beim Beizen der Metalle, das Entfetten und Dekopieren bei Kupfer und seinen Legierungen besprochen.

Im Anschluß daran wurde besprochen, welche Anforderungen an einen brauchbaren Ueberzug gestellt werden müssen. In erster Linie muß Porenlosigkeit des Ueberzugsmetalls bzw. der aufgebrachten Schicht gefordert werden, weil nur dadurch ein wirklich wirksamer Schutz gewährleistet wird. Voraussetzung zur Erzielung eines solchen Schutzes ist, bei den galvanischen Verfahren die Abscheidung der Metalle mit möglichst kleinem Kristallkorn, damit die Zwischenräume zwischen den einzelnen Kristallen überwachsen werden.

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Bei dem heiß aufgebrachten Ueberzuge stellen sich die Verhältnisse bezüglich dieser Anforderungen komplizierter, weil man einerseits bemüht ist, in der Technik die Metallauflage zu verringern, also die Schichtdicke zu verkleinern, andererseits aber treten bei geringer Metallauflage durch die verschiedene Ausdehnung des Grundmetalls und des Ueberzugsmetalls leicht Risse und Sprünge im Ueberzugsmetall auf. Wie die Verminderung der Metallauflage die Qualität des plattierten Bleches verschlechtert, wurde an den verzinkten Blechen besprochen. Die früheren Bleche mit 800 bis 900 gr. Zink je qm haben im tropischen Klima (von den Philippinen liegen Beobachtungen vor) 10 bis 12 Jahre den Witterungseinflüssen standgehalten, während die Bleche mit 350 bis 450 gr. Zink je qm kaum 3 bis 4 Jahre halten.

Es wurden dann noch die verschiedenen Prüfungsmethoden auf Porosität besprochen, die Methoden für die Beständigkeit und Widerstandsfähigkeit der Ueberzüge und die Bedingungen, welche festgelegt sind für die verschiedenen Ueberzüge.

Schließlich wurde noch darauf aufmerksam gemacht, daß es besonders für den Apparatebau wichtig ist, möglichst gleichartige Metalle zu verwenden, und daß es grundfalsch ist, in eine Rohrleitung z.B. ein Rotgußventil einzubauen, während die Leitung aus Eisen besteht, weil beim Durchlauf von Wasser sich immer eine galvanische Kette bildet, die unter allen Umständen die Korrosion des elektronegativen Bestandteils herbeiführen muß.

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Vortrag von Dr.-Ing. E. Rackwitz (Berlin) über

Aufgewalzte,
aufgeschweißte Metallüberzüge und Oxydation von Leichtmetallen.

(Betriebstechnische Tagung Leipzig 12. März 1929.)

Festhaftende, aufgeschweißte Metallüberzüge verschiedenster Art lassen sich auf Eisen, Aluminiumlegierungen und anderen Metallen vorteilhaft auch durch gewisse Walz- und Preßprozesse in der Wärme bzw. durch geeignete Wärmebehandlung der zusammengewalzten Metalle erzielen.

Während bisher derartige Plattierungsverfahren mit z.B. Kupfer, Nickel, Aluminium o. dgl. in erster Linie für Eisen in größerem Umfange Anwendung fanden – abgesehen von Gold-, Silber- u. dgl. Plattierungsverfahren in der Edelmetall verarbeitenden Industrie – sind in neuerer Zeit Plattierungen mit Aluminium auch für Aluminiumlegierungen mit Erfolg angewendet worden.

Die auf Eisen aufgewalzten Ueberzüge können vielfach die entsprechenden auf galvanischem Wege oder durch das Spritzverfahren aufgebrachten Metallüberzüge vollwertig ersetzen. Sie haben den Vorteil, daß sie in der Regel auch bei starker Formänderung des Werkstoffes nicht abblättern und dicht sind.

Aluminiumplattierungen auf Eisen werden z.B. als Korrosionsschutz angewendet. Nickel-, kupfer- usw. plattiertes Eisen kann als billigerer Ersatz für eine Reihe von technischen Anwendungszwecken an Stelle der teueren Reinmetalle Anwendung finden.

Durch Aluminiumplattierung von veredelbaren Aluminiumlegierungen lassen sich hochfeste Leichtmetalle von bisher unerreichter Korrosionsbeständigkeit insbesondere unter Seewasserangriffen erzielen. Durch diese Eigenschaften werden solche plattierten Leichtmetalle ausgesprochene Baustoffe für Seeflugzeuge aber auch anderen Industriezweigen wie Schiffsbau, Apparatebau usw., die Aluminium bzw. Aluminiumlegierungen entweder wegen zu geringer Festigkeit oder nicht genügender Korrosionsbeständigkeit bisher nur in untergeordnetem Maße anwenden konnten, werden solche plattierten Leichtmetalle wie Alclad, Allautal, Duralplat Vorteile bieten.

Für den Oberflächenschutz von Leichtmetallen haben in neuerer Zeit auch eine Reihe von Oxydationsverfahren eine steigende Bedeutung gewonnen. Es sind dies entweder Verfahren, bei denen durch Behandlung des Aluminiums oder der Aluminiumlegierungen in Bädern wie Chromsäure, Schwefelsäure, Borax-Borsäure o. dgl. unter Stromdurchgang Oxydschichten gebildet werden oder aber lediglich durch Eintauchen der Leichtmetalle in oxydierende Schwermetallsalzlösungen metalloxydische Deckschichten entstehen. In Verbindung mit sehr dünnen Fett- oder Oelschichten sind solche Oxydationsschichten für den Seewasserschutz von Leichtmetallen im Flugzeugbau und im Schiffsbau insbesondere im Ausland mit Erfolg angewendet worden. Einige der oxydischen Deckschichten werden für elektrische Isolationszwecke verwendet. Durch Oxydation der Leichtmetalloberflächen wird außerdem die Haltbarkeit aufgebrachter Anstriche unter Seewasserangriffen verbessert. Diese Oxydationsverfahren sind auch bei den aluminiumplattierten Leichtmetallen anwendbar, wodurch wesentliche Fortschritte in der Frage des Oberflächenschutzes von Leichtmetallen entstehen und sich Aussichten für eine gesteigerte technische Anwendung von Leichtmetallen ergeben.

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Vortrag von Oberingenieur Gg. Kutscher (Berlin) über

Aufgespritzte metallische Ueberzüge.

(Betriebstechnische Tagung Leipzig 12. März 1929.)

Metallspritzverfahren werden in erster Linie angewandt zum Auftragen von Ueberzügen aus Zink und Aluminium. Auflagen anderer Metalle kommen für eine Reihe von Sonderfällen in Betracht. Ursache hierfür ist in erster Linie die Stellung dieser beiden Metalle in der elektrochemischen Spannungsreihe.

Die Spritzverzinkung. Die rostverhindernde Wirkung des Zinküberzuges ist seiner günstigen Stellung in der elektrochemischen Spannungsreihe dem Eisen gegenüber zuzuschreiben; es gehört zu jenen Metallen, die unedler als Eisen sind, d.h. also, es bildet in dem galvanischen Element Zink-Eisen den positiven Pol, die Auflösungselektrode. Die Rostschutzmöglichkeit eines Metallüberzuges hängt davon ab, inwieweit die schützende Metallschicht selbst wetterbeständig (bzw. überhaupt beständig) ist.

Bei Zutritt eines Elektrolyten, das ist aber in der Praxis jede Feuchtigkeit, geht der Sauerstoff zum Zink, der Wasserstoff zum Eisen, letzterer |83| schützt dieses also durch Reduktion vor dem Verrosten. – Die Zinkschicht wird bei diesem Prozeß allerdings oxydieren, aber das hierbei entstehende Zinkoxyd bildet mit der Kohlensäure der Luft Zinkkarbonat, einen Edelrost, der das unter ihm liegende Zink in analoger Weise schützt, wie es etwa bei der sich auf Kupfer bildenden Patina der Fall ist. – Das Zinkkarbonat ist also der eigentliche Schutzträger.

Die Spritzverzinkung wird demnach dort überall versagen, wo die Bildung von Zinkkarbonat nicht zustande kommt, z.B. in Beizereien, wo starke Säuredämpfe auftreten.

Die Vorteile der Spritzverzinkung:

Das reine Zink liegt auf dem reinen Eisen, ohne legierte Zwischenschichten, die Schichten können beliebig stark aufgetragen werden, die Durchführung der Verzinkung erfolgt unter Temperaturen, die in keiner Weise schädigend auf das Grundmetall einwirken; es lassen sich also Stahlteile verzinken, ohne die Qualitätseigenschaften des Materials zu schädigen. Uebrigens ist auch die Verzinkung von Gußeisen sowie von Schweißnähten anstandslos durchführbar. – Die Größe der Objekte, ihr Standort und ihre Formgebung spielen keine Rolle. Verwendet wird die Spritzverzinkung bei Eisentragwerken beliebiger Abmessungen, zum Schutz gegen Atmosphärilien, die auch mit Dünsten, Dämpfen usw. übersetzt sein können, ferner als Rostschutz in See- oder Tropenklima, sodann bei Apparaten, Behältern, Rohrleitungen, die unter starker Schwitzwasserbildung leiden. Die Innenmetallisierung von Hohlkörpern, z.B. Bohren von 1'' an aufwärts erfolgt unter Verwendung von Winkel- und Rotationsdüsen. Ein besonders großes Verwendungsgebiet stellt die Spritzverzinkung von Kleineisenzeug dar, wie Schrauben, Scharniere, Gelenkteile, Ketten, Fittings usw., die in einer Spezialtrommel erfolgt; dabei werden auch vorhandene Schraubengewinde gleichmäßig gut derart verzinkt, daß ihre Paßfähigkeit erhalten bleibt.

Ferner erfährt das Verfahren ausgiebige Verwendung zum Schütze von Eisenteilen, die direkt mit Rauch- und Kokslöschgasen in Berührung kommen, derart, daß die Teile zunächst mit einer gut deckenden Schicht von Aluminium und hierauf mit einer Zinkschicht bespritzt werden.

Gegenüber Verzundern und Verbrennen von Eisenteilen erweist sich eine Aluminium-Eisen-Legierung als besonders widerstandsfähig, die dadurch zustande kommt, daß die Objekte zunächst mit Aluminium bespritzt werden, das durch Wärmebehandlung in das Eisengefüge einsintert. Die gleiche Wirkung wird bei Behandlung von Kupfer erzielt.

Die Kosten für Spritzverzinkung von 1 qm Fläche setzen sich wie folgt zusammen:

0,3 kg Zink (1,30 RM pro kg) = 0,40 RM
0,125 cbm Sauerstoff (0,45 RM pro
Kubikmeter)

= 0,06 RM
0,400 cbm Wasserstoff (0,65 RM pro
Kubikmeter)

= 0,26 RM
ca. 8 Minuten Spritzzeit, Stunden-
lohn 0,90 RM

= 0,12 RM
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0,84 RM

Bei Verwendung von Leuchtgas statt Wasserstoff lassen sich die Kosten noch erheblich heruntersetzen.

Hinzu kommen die Kosten für das Sanden. Der Sandbedarf beträgt etwa 0,10 RM je qm, Zeit etwa 15 Minuten pro qm, Lohn etwa 0,20 RM pro qm.

Reinigungskosten (Sand und Lohn) = 0,30 RM
Verzinkungskosten = 0,84 RM
––––––––
1,14 RM
300 % Unkostenzuschlag auf die
Löhne

= 0,96 RM
––––––––
Gesamtaufwand 2,10 RM

Die Spritzverzinkungskosten von Kleineisenzeug, z.B. Dachpappstiften, mit dem Trommelverfahren stellen sich auf

0,06 RM pro kg Selbstkosten.

Internationaler gewerblicher Rechtsschutz. (Von Patentanwalt Dr. Oskar Arendt, Berlin W. 15.) Deutschland. Das neue Patentgesetz wird wahrscheinlich frühestens im Herbst wegen zahlreicher neuer Vorschläge dazu im Reichstag zur gültig ab 15. 2 29, kann das Reichsgericht ohne Einverständnis der Parteien ohne mündliche Verhandlung entscheiden. Die Revisionssumme ist für Entscheidungen nach dem 15. 2. 29 auf 6000 RM heraufgesetzt worden. – Zum Präsidenten des Reichspatentamtes ist Landgerichtsdirektor Eylau, zu dessen ständigem Vertreter Direktor Dr. Riedel ernannt worden. – Seit einiger Zeit siegelt auch das Reichspatentamt die Patenturkunden mit Schnurheftung in den Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold. – Gemäß Präsidialbescheid sind Nahrungs- und Genußmittel auch bestimmter Formgebung weiterhin vom Gebrauchsmusterschutz (Pralinen mit flüssiger Füllung) auszuschließen. – Eine Verordnung vom 27. 2. 28 regelt die Zulässigkeit der Ausstattung von Medaillen und Marken (Reklame-, Rabatt-, Spiel-, Speise- und sonstige Wertmarken). Danach ist u.a. außer für Marken in anderer als kreisrunder Form und mindestens 45 mm Durchmesser, die Anbringung des Reichsadlers oder verwechslungsfähig ähnlicher Wappen verboten.

Canada. Durch Sondergesetz können wegen Nichtzahlung von Gebühren oder Nichtausübung ungültig gewordener Patente wieder vom Parlament in Kraft gesetzt werden. Die Gesamtkosten dafür sind allerdings ziemlich beträchtlich (etwa 5000 RM). – Am 23. 11. 28 ist zum ersten Mal wieder seit 1903 vom; höchsten Gerichtshof ein Patentverletzungsgesetz mit bemerkenswerter Begründung und zwar i. Sa. The Pope Appliance Corporation gegen The Spanish River Pulp and Paper Mills Ltd. entschieden worden. Interessenten stellt Verfasser das Urteil zur Verfügung. –Gemäß einer im März 1928 in Kraft gesetzten Verordnung kann jede interessierte Person gegen amtlich festzusetzende Abgaben eine Lizenz beantragen für patentierte Gegenstände oder Verfahren, die in Canada nach Ablauf von 3 Jahren nach Patenterteilung nicht in ausreichendem Maße erzeugt bzw. ausgenutzt werden.

Chile. Inhaber eingetragener Schutzmarken sollten die Veröffentlichungen im Amtsblatt (Diario Oficial) über etwa ähnliche Neuanmeldungen überwachen lassen, um rechtzeitig in Monatsfrist Einspruch dagegen zu erheben, da andernfalls auch für gleiche und gleichartige Waren dieselben Zeichen für andere für die Dauer von 10 Jahren |84| eingetragen werden würden. Verfasser kann diese Ueberwachung auf Wunsch übernehmen.

China. Das neue Handelsmarkengesetz ist in deutscher Uebersetzung in Nr. 1, 1929, des „Blatt für Patent-, Muster- und Zeichenwesen“ veröffentlicht worden.

Japan. Der japanische Gebrauchsmusterschutz wird von deutschen Anmeldern bisher noch wenig benutzt, trozdem in vielen Fällen Gebrauchsmuster eingetragen werden könnten, wo die Patentierung auf Grund der schärferen Prüfung abgelehnt wird. Japanische Gebrauchsmuster gelten nach Neuheitsprüfung 10 Jahre vom Tage der Eintragung und können nur für durch Modell herstellbare Neuerungen erlangt werden.

Jugoslawien hat seinen Beitritt zum Haager Abkommen über die internationale Markenregistrierung angezeigt.

Mexiko. Neue Patent-, Gebrauchsmuster -und Warenzeichengesetze vom 26. 6. 28 sind in Uebersetzung in Heft 12 des „Blatt für Patent-, Muster- und Zeichenwesen“ veröffentlicht worden. Die Zahlung der Anmeldegebühren und Kosten für die Ausstellung der Patenturkunde schließt die drei ersten Jahrestaxen ein. Vom vierten Jahre an ist eine Jahrestaxe sowohl für Haupt- als auch für Zusatzpatente zu entrichten. – Das neue Warenzeichengesetz ist am 1. Januar 1929 in Kraft getreten. Für jede Warenklasse ist eine besondere Anmeldung und Vertretervollmacht erforderlich. Ferner ist anzugeben, seit wann die betreffende Marke im Gebrauch ist.

Polen ist am 10. 12. 28 dem Madrider Abkommen gegen falsche Herkunftsbezeichnungen, revidiert im Haag 1925, beigetreten.

Portugal ist ab 17. 11. 28 der Pariser Verbandsübereinkunft, revidiert im Haag am 6. 11. 25, beigetreten.

Rußland (U.S.S.R.). Am 11. 1. 29 ist das deutsch – russische Wirtschaftsprotokoll vom 21. 12. 28, das auch einige bis zum 21. 3. 29 geltend zu machende Vergünstigungen bezgl. des gewerblichen Rechtsschutzes enthält, bekanntgemacht worden. Es werden danach die Beglaubigungen vereinfacht, das Vorbenutzungsrecht geregelt und ein gegenseitiger Ausstellungsschutz angekündigt.

Schweden. Die Amtsgebühren werden wahrscheinlich ab 1. 7. 29 erheblich herabgesetzt werden, nämlich für Warenzeichenanmeldungen um 20 Kr. auf 80 Kr., für Patente auf je 10 Kr. für das zweite und dritte Jahr, je 30 Kr. für das vierte bis fünfte Jahr, je 60 Kr. für das sechste bis siebente Jahr, je 100 Kr. für das achte bis neunte Jahr und dann um je 50 Kr. jedes zweite Jahr steigend bis 300 Kr.

Tanganjika. Eine noch nicht in Kraft gesetzte Verordnung vom 21. 1. 28 regelt den Schutz von Erfindungen und Mustern.

Ungarn. Mit Wirkung vom 15. 1. 29 gelten folgende Patentgebühren: Anmeldegebühr 20 Pengö, für Abänderung der Beschreibung 10 Pengö, Beschwerde, Klage auf Rückziehung oder Nichtigkeit des Patentes, Antrag auf Umfangsfeststellung, Uebertragung: je 20 Pengö.

Jahrestaxen:

Jahr 1 2 3 4 5 6 7 8 9
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Pengö 25 30 35 50 70 90 110 130 150
Jahr 10 11 12 13 14 15
–––––– –––– –––– –––– –––– –––– ––––
Pengö 180 220 270 320 370 450

Uruguay. Deutsche Warenzeichen sind im gleichen Umfang wie inländische ab 7. 7. 28 zum Schutz zugelassen.

Geschweißte Gasleitungen. In Duisburg hat vor einiger Zeit das Undichtwerden der Schweißstellen in der Ferngasleitung den Verlust von Menschenleben zur Folge gehabt. Die gerichtliche Untersuchung des Falles schwebt zurzeit noch, doch ist bereits jetzt festgestellt, daß die Ursache des Undichtwerdens in mangelhafter Ausführung des Schweißens zu suchen ist.

Im Einvernehmen mit dem Preuß. Handelsministerium und der Ruhrgas- A.-G. hatte der Fachausschuß für Schweißtechnik beim Verein deutscher Ingenieure am 14. d. M. an der Herstellung und am Betrieb beteiligte Fachleute zu einer Zusammenkunft in Essen eingeladen. Ihr Gegenstand waren sehr eingehende Beratungen von Richtlinien für die Herstellung von Schweißverbindungen bei Gasrohrleitungen von mehr als 200 mm Durchmesser und mehr als 1 Atm. Ueberdruck. Der von der Gruppe für Arbeitsverfahren des Fachausschusses aufgestellte Entwurf dieser Richtlinien enthält 6 Abschnitte: 1. Zulassung von Schweißern und aufsichtsführenden Ingenieuren, 2. Ueberwachung der Schweißarbeiten an der Gasleitung, 3. Prüfung der Schweißungen, 4. Besondere Bedingungen für die Ausführung der Schweißungen, 5. Laufende Ueberwachung der in Betrieb befindlichen Gasleitungen, 6. Ausbesserungsarbeiten.

Die Richtlinien sind vordringlich erörtert und aufgestellt worden, um der Regierung und den Herstellern der Ferngasleitungen Unterlagen zu geben. Es wird daran gedacht, die Abnahme der Rohrleitungen den Dampfkessel-Ueberwachungs-Vereinen zu übertragen. Allgemeine Richtlinien für Herstellung und Abnahme geschweißter Rohrleitungen werden in einem besonders zu berufenden Ausschuß beraten werden. Nach den Gepflogenheiten des Vereines deutscher Ingenieure werden in diesem Sonderausschuß die Vertreter der erzeugenden und der verwendenden Industrie und die Wissenschaftler paritätisch vertreten sein.

Geleitwort zur Ausstellung „Technik im Heim“ in Essen. Von Geh. Baurat Dr.-Ing. E. h. Exz. Osk. v. Miller.

Die Technik hat in den letzten Jahrzehnten überall die größten Fortschritte zum Wohle der Menschheit erzielt. Für die Landwirtschaft hat sie wesentliche Erleichterungen im Feldbau gebracht und bei verringerter Arbeitsleistung eine große Vermehrung des Ertrages ermöglicht. Für die industrielle Arbeit hat sie ungezählte Arten von Maschinen geschaffen, so daß es möglich wurde, die zur Lebenshaltung nötigen Industrieprodukte zu vervielfachen und weitgehend zu verbilligen. Im Verkehr hat die Technik nicht nur das Reisen erleichtert, sondern vor allem den Austausch von Gütern in ungeahntem Maße gefördert. In das Hauswesen ist die Technik aber leider noch wenig eingedrungen, obwohl in den deutschen Haushaltungen |85| nahezu 20 Millionen Menschen tagaus tagein eine aufreibende Arbeit verrichten und jährlich 36 Milliarden des deutschen Volkseinkommens für die Hauswirtschaft verbraucht werden.

Dieser bedauernswerte Mangel beruht nicht etwa darauf, daß die Technik nicht fähig wäre, den Hausfrauen in ihrer mühevollen Arbeit zu helfen und weitgehende Ersparnisse zu ermöglichen, sondern dieser Fehler kommt daher, daß es bisher versäumt wurde, den Hausfrauen in einfacher und eindringlicher Weise darzustellen, was die Technik auch für sie zu leisten vermag. In jüngster Zeit sind hier allerdings eine Reihe von Fortschritten erzielt worden.

Es sind Bücher und, Zeitschriften erschienen, die sich ausschließlich mit der Verbesserung des Hauswesens befassen; in Frauenvereinen werden über die Anwendung der Technik im Haushalt Vorträge gehalten, zahlreiche Ladengeschäfte suchen in ihren Auslagen wichtige Neuerungen dem Publikum bekanntzugeben. In letzter Zeit sind auch große Ausstellungen gemacht worden, in dem richtigen Gefühl, daß hierdurch ein Zusammenarbeiten zwischen der Industrie und den Hausfrauen wesentlich gefördert wird.

Dieser Aufgabe dient auch die Ausstellung „Technik im Heim.“ Sie vermeidet es, durch eine übergroße Zahl gleichartiger Apparate und Einrichtungen zu verwirren, sondern bringt Belehrung und Aufklärung durch wenige, aber desto sorgfältiger ausgewählte Musterbeispiele auf den verschiedenen Gebieten der häuslichen Technik.

Gute Erläuterungen, Demonstrationen und vergleichende Kostenangaben sollen dazu dienen, den Nutzen jeder einzelnen Einrichtung möglichst klarzulegen. Vorträge, die an Hand des Ausstellungsmaterials gehalten werden, sollen in eindringlicher Weise die Hausfrauen aller Bevölkerungsschichten mit den für sie geeignetsten und zweckmäßigsten Apparaten bekanntmachen.

Wenn es hierdurch gelingt, einerseits die Hausfrauen über die technischen Fortschritte wirklich aufzuklären und anderseits die Industrie zu weiteren Verbesserungen anzuregen, wird die Ausstellung ihren Zweck erfüllen. Sie wird dazu beitragen, die schwere Arbeit des Haushaltes den Frauen zu erleichtern, den Haushaltbetrieb zu verbilligen und das Wohlbefinden der Menschen in ihrem Heim zu erhöhen.

Durferrit-Gesellschaft m. b. H. für Glüh- und Härtetechnik, Frankfurt a. M. Unter diesem Namen hat die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt, vormals Roeßler, Frankfurt a. M., eine Tochtergesellschaft mit Mk. 150000.- Kapital gegründet, um die Bearbeitung eines Spezialgebietes, das der Herstellung und des Vertriebes der Durferrit-Salzbadöfen, des Durferrit-Cyanhärtefluß III und anderer Spezialsalze zum Blankzementieren, Blankglühen, Blankhärten und Anlassen, einer nach außen hin gekennzeichneten Fachfirma zu übertragen. Das Kapital befindet sich im Besitz der Scheideanstalt, in deren Werk II in Frankfurt a. M., Gutleutstraße 215, auch weiterhin die Durferrit-Salzbadöfen und -Salze hergestellt werden. Dort befindet sich auch die durch ihre wissenschaftlichen und praktischen Arbeiten bekannte und anerkannte Versuchsanstalt für Glüh- und Härtetechnik. Aus dieser Gründung, die offenbar aus Zweckmäßigkeitsgründen erfolgt ist, darf wohl mit Recht geschlossen werden, daß die Tätigkeit der bisherigen Durferrit-Abteilung der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt erfolgreich gewesen ist und daß die Aussichten der neuen Gesellschaft auf diesem Gebiet günstig beurteilt werden. Tatsächlich soll die neue Gesellschaft außer den Durferrit-Oefen, Cyanhärtefluß III, Glüh- und Anlaß-Salzen noch Spezialverfahren zum Blankglühen, zur entkohlungsfreien Schnellstahlbehandlung in Vorbereitung haben, des ferneren ein neues Kohlungsbad (Durferrit K IV), das im Gegensatz zu Cyanhärtefluß III keine Kohlenstoff-Stickstoffzementation, sondern eine reine Kohlenstoffzementation darstellt und eine härtbare Schicht von über 1 mm Tiefe erzielt. Damit soll ein weiterer Fortschritt gegenüber der mehr und mehr veralteten, umständlichen und unzuverlässigen Härtepulverzementation erzielt sein.

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