Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1931, Band 346 (S. 9–16)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj346/ar346005

Polytechnische Schau.

Die Herstellung des Atropins. Von Dr. Walter Peters. (Nachdruck verboten.) ATK. Die Darstellung des Atropins wird neuerdings von Dr. Duilius vervollkommnet. Atropin kommt in geringer Menge im Bilsenkraut, Hyoscyamus albus und niger, und im Stechapfel, Datura strammonium, vor, wird aber nur aus Blättern und Wurzeln der Tollkirsche, Atropa belladonna, gewonnen, die davon größere Quantitäten enthalten. Die Ausgangsmaterialien werden auf der Schlagkreuzmühle gemahlen und mit Sodalösung angefeuchtet. Die getrocknete Droge extrahiert man mit Aether, Benzol oder Chloroform. Danach destilliert man den Aether ab und löst den erhaltenen Rückstand in mit 5 Prozent Schwefel oder Essigsäure versetztem Wasser. Hat man sich zum Extrahieren des Benzols bedient, so muß man den Auszügen die Alkaloide mit angesäuertem Wasser im Schüttelapparate entziehen. Darauf neutralisiert man die Extrakte (Salze) mit wässerigem Ammoniak, so daß Atropin und Hyoscvamin ausfallen, die auf einer sogenannten Nutsche abgesaugt werden. Auch die Mutterlaugen schüttelt man nochmals aus.

Blätter extrahiert man besser mit Alkohol. Bevor man den Weingeist abtreibt, setzt man zum Auszuge verdünnte Essigsäure, um die Basen zu binden. Den alkoholischen Extrakt filtriert man durch nasse Tücher und schüttelt ihn dreimal mit Chloroform aus, um ihn von Fett und Harzen zu befreien. Nachdem man das untenschwimmende Chloroform abgelassen hat, neutralisiert man die Lösung im Schüttelapparate mit Ammoniak und macht sie mit Pottasche alkalisch. Um die Basen auszuziehen, muß man 4–5 mal mit Chloroform schütteln. Die ersten drei dieser Extrakte trocknet man über fester Pottasche und destilliert aus einer kupfernen Blase ab. Das als Rückstand erstarrte basische Alkaloidgemisch saugt man schließlich auf Nutsche ab und trocknet es bei 50 Grad im Trockenkasten.

In der Tollkirsche ist größtenteils Hyoscyamin enthalten. Um es in Atropin überzuführen, löstman die Rohbasen in saurem Wasser, schüttelt mit Aether Farbstoffe und Harze aus und bleicht, wenn das Rohprodukt dunkel ist, mit verdünnter schwefliger Säure. Danach überschichtet man die Lösung handbreit mit Aether, setzt Pottasche portionenweise bis zur eintretenden Fällung zu und schüttelt in enghalsigen Flaschen von 10 Liter Inhalt. So werden die Basen aus ihren Salzen ausgeschieden und gelangen in den Aether. Den ätherischen Auszug bringt man in eine andere Flasche, trocknet ihn mit fester Pottasche und filtriert ihn hurtig durch ein Faltenfilter in den bereitstehenden Siedekolben. Der benützte Aether muß wasserfrei sein, weil er sonst zu langsam durch das Filter liefe und schon im Faltenfilter sich Kristalle abschieden. Es ist selbstverständlich, daß man mehrmals ausschüttelt. Die letzten Auszüge destilliert man nicht ab, sondern verwendet sie als erste bei den folgenden Herstellungen.

Den mit Alkaloiden angereicherten Aether destilliert man so weit ab, bis sich in der Wärme Hyoscyamin abscheidet. Dann gießt man in einen Topf den Rückstand und stört die Kristallisation, damit sich nicht große Kristalle bilden, die viel Mutterlauge einschließen. Ist die Kristallabscheidung zu Ende, saugt man die Basen ab und wäscht mit Aether nach. Die so gewonnene Hyoscyamin-Reinbase wird im Vacuum getrocknet und enthält auch Atropin. Die ätherischen Mutterlaugen dampft man ein, bis sie keine Kristalle mehr ausscheiden, sondern nur mehr eine „Schmiere“ als Rückstand bleibt, die man zu Tropin abbaut und mit Mandelsäure in Homatropin umwandelt.

Um aus dem Hyoscyamin das Atropin zu erhalten, erhitzt man es auf 116 Grad. Zu diesem Ende überschichtet man 1–2 kg Hyoscyamin im Kolben mit 50–100 ccm Chloroform und erhitzt im Oelbade unter vorsichtigem, öfterem Schütteln eine halbe Stunde lang auf eine Innentemperatur von 116 Grad. Dann gießt man den Kolbeninhalt in eine weithalsige Flasche, in die man Aceton vorlegt, das halb so viel wiegt wie die fraglichen |10| Alkaloide. Man stört die Kristallisation und saugt nach dem Erkalten ab. Man wäscht die Atropinkristalle mit Aceton und trocknet sie zum Schlüsse.

Um Atropinsulfat darzustellen, verfährt man so: Man löst 1 kg Base in 1,3 l absolutem Alkohol, filtriert in eine weithalsige Flasche von ca. 15 l Inhalt, läßt bis zu gerade beginnender Kristallisation erkalten. In einem anderen Gefäße verdünnt man 170 g reine konzentrierte Schwefelsäure vom spezifischen Gewichte 1,84 mit der gleichen Menge absoluten Alkohols. Diese Lösung dient dazu, die alkoholische Atropinlösung zu neutralisieren (Prüfung mit Lackmuspapier), was langsam zu geschehen hat, da sonst der Weingeist zu sieden anfängt. Man setzt nach dem Neutralisieren noch einige Kubikzentimeter Atropinlösung hinzu, da selbst bei einer schwachen Spur von Säure kein trocknes Atropinsulfat erhalten werden kann. Zu der auf Stubenwärme abgekühlten Sulfatlösung setzt man einen halben Liter Aether hinzu, impft und rührt mit einem Holzstabe um, um Kristallisation einzuleiten. Hat dieselbe begonnen, so gibt man Aether (bis 10 l) in Portionen hinzu. Rühren und entstehende Klumpen zerdrücken! Schließlich ist die Flasche bis zum Rande mit Kristallisation gefüllt. Am darauf folgenden Tage saugt man das Sulfat schnell ab, um Wasseranziehung zu vermeiden, wäscht das Salz mit wasserfreiem Aether nach, bis er klar durch die Nut sehe läuft, drückt es durch ein weitmaschiges Sieb von ca. 3–4 mm Maschenweite, bringt es auf Horden mit zuklappbarem Deckel und trocknet es im Vacuum.

Empfindliche Apparate für momentane Gasanzeige. (Nachdruck verboten.) ATK. Zur Feststellung von Gasausströmungen in Leuchtgas-Rohrnetzen, von Erdgas und schlagenden Wettern hat eine Düsseldorfer Firma einen sehr einfachen Apparat herausgebracht, der gleichwohl sehr feinfühlig ist und beispielsweise noch bei stündlicher Gasentweichung unter 0,5 Liter anspricht. Die Abbildung zeigt seinen inneren Aufbau.

Im Handgriff befindet sich eine Stabbatterie und eine Taschenlampen-Glühbirne, deren Licht durch ein kleines Fensterchen beobachtet werden kann. Der Fühler am anderen Ende enthält ein Diaphragma, das aus einem porösen Hohlzylinder mit gelochtem Schutzmantel besteht. Dieses Diaphragma ist allseitig geschlossen, mit Luft erfüllt und von Luft umgeben. Sein Innenraum steht mit dem gasdicht abgeschlossenen Membrankasten in der Mitte des Apparates in Verbindung. – Wenn Gase untersucht werden, die leichter als Luft sind, so diffundieren sie bei Annäherung des Fühlers durch den porösen Körper und erzeugen in dessen Innern einen Ueberdruck, der sich auf die im Membrankasten befindliche Membrane überträgt und sie hochdrückt. Die Membrane berührt auf diese Weise die Kontaktstelle der Stellschraube und schließt damit den Stromkreis der Glühlampe, deren Aufleuchten also augenblicklich und mit großer Sicherheit das Vorhandensein von Gas anzeigt. Die zweite, am Ende des Handgriffs sichtbareKontaktschraube schützt die Batterie vor unnötigem Verbrauch, indem sie deren doppelpolige Abschaltung bei Nichtgebrauch ermöglicht. – Die Empfindlichkeit des Apparats ist groß, da bei feinster Einstellung der Abstand zwischen Membrane und Kontaktstelle nur ein Tausendstel Millimeter beträgt. Nach Prüfung eines wissenschaftlichen Instituts ist festgestellt worden, daß ein Gasgehalt der Luft von 0,03 Prozent noch nachweisbar ist. Und dieser Wert wiegt weit unter der gesundheitlichen Schädlichkeitsgrenze.

Kommen schwere Gase mit dem Fühler in Berührung, dann diffundiert die Luft im Innern des Diaphragmas aus diesem heraus und erzeugt einen Unterdruck. Stellt man jetzt so ein, daß die Kontaktstelle der Stellschraube vor der Benutzung des Apparates auf der Membrane leicht aufliegt und die Glühlampe gerade noch leuchtet, so wird durch den Einfluß jenes Uhterdrucks die Membrane eingezogen und der Strom unterbrochen: Die Lampe erlischt. – Nach dieser Methode läßt sich z.B. das Austreten der Verbrennungsgase von Heizöfen und, was oft wertvoll zu wissen ist, der Weg dieser Abgase feststellen.

Textabbildung Bd. 346, S. 10

Will man Straßenrohrnetze untersuchen, so braucht man nur in Abständen von mehreren Metern Löcher in die Erde zu schlagen und deren oberen Teil so zu erweitern, daß der Fühler des Gasmelders in die Erde gesteckt werden kann. Da es bei derartigen Untersuchungen in manchen Fällen nicht immer sicher ist, daß lediglich Leuchtgas in der Straße vorkommt, ist es ein großer Vorzug des Apparates, daß man im Anschluß an die etwa negativ verlaufene Prüfung auf Leuchtgase nach Ausschwenken mit reiner Luft und entsprechender Neueinstellung auch die Prüfung auf schwere Gase vornehmen kann.

Während man bei dem vorbeschriebenen Gasmelder ein zahlenmäßiges Maß für das ausgeströmte Quantum nicht feststellen und höchstens durch mehrmaliges Probieren nach verschiedenartiger Einstellung mit stufenweise gesteigerter Empfindlichkeit seine Größenordnung ungefähr abschätzen kann, dient ein weiterer Apparat, der Gasfinder dazu, den Gaswerken bei Aufsuchen von Undichtheiten und Rohrbrüchen den genauen Betrag des Gasautritts auf einer in Liter pro Stunde geeichten Skala zur Kenntnis zu bringen. – Hier ist eine biegsame Metallmembrane in der Art der Kapsel eines Aneroidbarometers auf der einen Seite durch eine poröse Tonplatte abgeschlossen. Diffundiert an einer Stelle, wo die Luft gashaltig ist, das Gas in den Hohlraum zwischen Platte und Membrane hinein, so wird die Bewegung der sich aufblähenden Metallmembrane auf ein Zeigerwerk übertragen, das den |11| Gasgehalt der Luft an dem Zifferblatt anzeigt. – Um das Instrument gebrauchsfertig zu machen, öffnet man durch Drehen des Unterteils das Kegelventil, das ein Loch der Tonplatte abschließt, wodurch der Innenraum mit der Außenluft verbunden wird und entsprechender Druckausgleich stattfindet. Nach Wiederschließen bringt man den Skalen-Nullpunkt mit der Zeigerstellung zur Deckung, – Wird jetzt der Apparat in einen gaserfüllten Raum gebracht, so wartet man nur, bis der Höchstwert des Ausschlags erreicht ist, da auch hier nur Momentan-Anzeigen gemacht werden. Der Wert von stündlich ein Liter Gasaustritt ist noch deutlich ablesbar. Hat man sich durch die Messung davon überzeugt, daß der Gasgehalt unter der Explosionsgrenze bleibt, so kann nun auch das Ableuchten ohne Gefahr vorgenommen werden. Bei höherem Gasgehalt ist dagegen erst für geeignete Lüftung zu sorgen.

Zur Auffindung von Undichtheiten in Straßenrohrnetzen bohrt man Riechrohre (mit Luftlöchern am unteren Ende) etwa alle drei bis fünf Meter in den Boden und verschließt sie mit einem Tellerhahn, der wiederum ein kurzes Rohrstück trägt. Nach Ueberstülpen des Gasfinders auf dieses ist der Hahn zu öffnen und der Ausschlag festzustellen. Der Apparat soll möglichst nur an der Holzverschalung angefaßt werden, damit nicht eine Erwärmung durch die Hand das Ergebnis fälscht.

Dipl.-Ing. E. A.

Behandlung abgenutzter Feilen. (Nachdruck verboten). ATK. Abgenutzte, d.h. durch den Gebrauch stumpf gewordene Feilen würden schon von jeher durch Aufhauen wieder brauchbar gemacht. Mit Abfeilraspeln gab man der frischgeschmiedeten Feile wieder die Glätte, die zum Aufhauen nötig war, indem man die alten Hiebe in hellrotglühendem Zustande der Feile abraspelte. Nach dem Erkalten wurde die Feile noch nachgefeilt, also nachgeglättet. Man verwendete zu dieser Arbeit einspännige und zweispännige Abfeilraspeln im Gewicht von 4 bzw. 11 Kilogramm, sie wurden von einer bzw. von zwei Personen gehandhabt, daher der Name.

Nachdem die Maschine in unsere Betriebe Eingang gefunden hatte, suchte man das Abraspeln einer Maschine zu übertragen, und zwar baute man zunächst für diesen Zweck Fräsmaschinen, mit denen die verbrauchten Hiebe in rotwarmem Zustande abgefräst werden konnten. Die Fräser mußten aus sehr hartem Material hergestellt werden. Sie erhielten Hand- oder Kraftantrieb. Es war außerordentlich schwer, mit ihnen eine gleichmäßige Arbeit zu erzielen, so daß sich diese Maschinen nicht in größerem Maßstabe einzuführen vermochten.

Aber auch das Abschleifen der unbrauchbar gewordenen Feilen konnte sich nicht einführen, denn einmal war die Abnützung der Schleifsteine hierbei eine sehr große, auf der anderen Seite erfordert der Betrieb hohe Kraftkosten. Man mußte also nach einem anderen Verfahren Umschau halten, um die alten Hiebe solcher Feilen rasch und billig entfernen zu können. Man fand diese Abhilfe in der sogenannten Feilenhobelmaschine,welche den alten Hieb einer Feile möglichst in einem Zug mit dem Hobelstahl entfernt. Schon im Jahre 1891 wurde eine Feilenhobelmaschine auf den Markt gebracht, die es ermöglichte, Feilenflächen von beliebiger Form nach dem Ausglühen ganz gleichmäßig abzufeilen. Auch in der Folge kam noch eine Reihe von Feilenhobelmaschinen auf den Markt. Alle diese Maschinen hatten aber den Nachteil der komplizierten Bauart. Zur Umsteuerung des Schlittens kamen viele Zahnräder zur Anwendung, wodurch die Arbeitsweise der Maschine kompliziert wurde. Erst der neueren Zeit war es vorbehalten, Feilenhobelmaschinen auf den Markt zu bringen, welche modernen Anforderungen genügen. Der Antrieb einer solchen Maschine erfolgt heute durch Schnecke und Schneckenrad, die Umsteuerung ist selbsttätig. Der Rücklauf, also der Leerlauf, weist die doppelte Geschwindigkeit des Vorlaufes auf. Die zu bearbeitende Feile wird auf einer Halbrundpatrone beweglich gelagert. Der Arbeitsdruck wird mit Handrad und kräftiger Spindel auf den Hobelmeißel übertragen. Alle beweglichen Teile der Maschine sind gut verkapselt, so daß eine Beschädigung durch Hobelspäne und Stahlstaub nicht eintreten kann.

Natürlich kommt eine solche Maschine nur da in Frage, wo es sich darum handelt, größere Mengen abgenutzter Feilen wieder herzurichten Für einzelne Feilen wird man nach wie vor zurr. Abraspeln seine Zuflucht nehmen.

Steger.

Die Kolbendampfmaschine auf der Weltkraftkonferenz Berlin 1930. Die Sektion 10 der Weltkraftkonferenz „Dampf- und Gasturbinen und Kolbenmaschinen“ enthält nur zwei Beiträge, die die Kolbenmaschine behandeln, nämlich den Bericht Nr. 16 „Die wirtschaftlichen Grundlagen für die Beurteilung neuzeitlicher Dampfkraftmaschinen“ (Prof. Dr.-Ing. E. A. Krafft) und Bericht Nr. 166 „Technische und wirtschaftliche Ergebnisse der Höchstdruckkolbenmaschine in Floridsdorf“ (Oesterreich, Ing. A. Demmer).

Man könnte daraus den Schluß ziehen, daß die Kolbendampfmaschine auf der Weltkraftkonferenz nicht die Würdigung gefunden hat, die, trotz aller Konkurrenz von Dampfturbine, Dieselmaschine, Großgasmaschine und Elektromotor, ihrer Bedeutung in der modernen Krafterzeugung zukommt. Dies ist aber nicht der Fall, denn eine Reihe weiterer Berichte anderer Sektionen, auf die weiter unten eingegangen werden soll, befassen sich ebenfalls mit der Kolbendampfmaschine, wobei ihre Bedeutung und Zukunft zur Geltung kommen. Nicht übersehen darf man auch die zur Weltkraftkonferenz erschienenen Sondernummern der technischen Zeitschriften, sowie diejenigen der Firmenzeitschriften (z.B. Borsig, Demag, Sulzer u.a.m.), in denen wir Mitteilungen über modernste Kolbenmaschinen finden. Außerdem war es auch einer Reihe von Teilnehmern möglich, sich bei den Besichtigungen der Werkstätten von Borsig in Berlin und auf den anschließenden Besichtigungsreisen bei den anderen führenden Firmen, vom Stande des heutigen Kolbenmaschinenbaus zu überzeugen.

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Eine Uebersicht über die einzelnen Berichte in den Sektionen ergibt in großen Zügen folgendes Bild.

Vergleicht man Turbinen und Kolbendampfmaschinen, so wird die wirtschaftliche Grenze für die Kolbenmaschine dadurch bedingt, ob Kondensations- oder Gegendruckbetrieb, auch Entnahmebetrieb in Frage kommen. Für mittlere Drücke, etwa bis 16 atü und Kondensation dürfte diese Grenze bei etwa 500 kW liegen, bei Gegendruckbetrieb geben vor allem die Dampfmenge und der Dampfdruck den Ausschlag, so daß die Grenzen bei 20 t/h und 20 at. Eintrittsdruck etwa 2000 PS, bei 50 t/h und 100 at etwa 9500 PS liegen, wobei der Gegendruck etwa 4 at betragen kann. Im allgemeinen bewegt er sich zwischen 2–6 at, sofern die Maschine nicht speziell als Vorschaltmaschine gebaut werden soll. Erfahrungen liegen mit Maschinen bis 60 at und Gegendruck bis etwa 12 at vor. Die neueste Maschine dieser Art ist die von Borsig für Amerika in zwei Exemplaren gebaute 6000 PS stehende Dreifachexpansionsmaschine für 100–110 at Eintrittsdruck und 4 at Gegendruck, die Dampftemperatur beträgt 425°. Bekannt ist ferner die 60 at Maschine liegender Bauart, die Borsig in seinem Werk aufgestellt hat und die bei 10 at Gegendruck 800 PS leistet. Eine ähnliche Maschine leistet bei 45 auf 2,5 at 7501) PS. Eine liegende Hochdruck-Vorschaltdampfmaschine für 32 at 360° und 10 at Gegendruck mit 1100 PS, eine Verbundventilmaschine von 900–1000 PS bei 13 at und 250° mit einer stündlichen Entnahme bis 1800 kg, eine Gleichstrommaschine von 750 PS und eine Schiffsmaschine mit 1250 PS, von Sulzer2), ein Dampfkompressor mit 2500 PS ebensolche für 1000, 1360 usw. PS, der DEMAG,3) stellen nur eine kleine Auswahl modernster Kolbenmaschinen dar.

Damit ist schon ein wichtiges Anwendungsgebiet der Kolbenmaschine berührt, nämlich das zum Antriebe anderer Kolbenmaschinen, wie Pumpen4) und Kompressoren und sonstiger Arbeitsmaschinen, z.B. Walzenzug- und Fördermaschinen. Dazu kommt noch das große Gebiet der modernen Kleindampfmaschinen (Schnelläufer, meist als Kapsel-Einzylinder- oder Zwillingsmaschinen ausgeführt), die zum Antrieb aller möglichen Hilfsmaschinen, wie Ventilatoren, Pumpen, Krane, Bagger, in Amerika, im Gegensatz zu uns auch zum Antrieb der Stoker und Wanderroste usw., dienen.

Die Sektionen 7 und 8 „Bau und Betrieb von Energiegroßanlagen“ und „Werke mit kombinierter Energiewirtschaft, insbesondere auch Heizkraftwerke“ enthalten verschiedentliche Hinweise auf die Kolbendampfmaschine, besonders die letztere. Bei den kombinierten Werken, indenen die erzeugte Kraft vielfach als Nebenprodukt auftritt und die Hauptsache wirtschaftlichste Herstellung entspannten oder niedriggespannten Dampfes ist, hat die Dampfmaschine noch eine große Bedeutung, und wie die oben genannte 6000 PS-Maschine zeigt, Zukunft. Die eingangs erwähnten Grenzen gelten natürlich auch hier und das Verhältnis der Entnahmemenge zur erzielbaren Leistung, bedingt hier die Wirtschaftlichkeit der Maschinen. Sie werden deshalb meist in ihrer Größe von der erforderlichen Dampfmenge aus bemessen und der Mehrbedarf über die abfallende Kraft hinaus durch Fremdstrombezug oder Dieselmaschinen gedeckt. Dabei wird die Eigenschaft der Kolbenmaschine, sich weitgehenden Lastschwankungen leicht anzupassen, ausgenützt.

Die Bedeutung der Kolbendampfmaschine im Verkehrswesen ergibt sich aus den Berichten der Sektionen 26 und 27, „Eisenbahnen mit Dampf- und elektrischem Betrieb“ und „Energiewirtschaft auf Schiffen“, in denen der Kampf zwischen Kolbenmaschine, Diesel, Turbine und elektrischen, bzw. turboelektrischen Antrieb zum Ausdruck kommt. Sowohl im Lokomotiv- wie im Schiffsbetrieb ist hier durch Einführung des Hochdruckdampfes die Entwicklung noch keineswegs abgeschlossen. Die Versuche mit den Höchstdrucklokomotiven und Kohlenstaubfeuerung sind bekannt. Die Bedeutung der Kolbenmaschine als Hilfsmaschine im Schiffsbetrieb geht aus den Abmessungen solcher Maschinen auf den großen deutschen Dampfern „Europa“ und „Bremen“ hervor.5) So haben z.B. die Ankerspillmaschinen der „Bremen“ 350 PS, die Rudermaschinen 400 PS. Der Generalbericht Sektion 27 nennt die Kombination Hochdruckkolbenmaschine mit Abdampfturbine, die geeignetste Kraftmaschine auch für kleinere Anlagen. Die Berichte 222, 115, 19 der Sektion 26 und Bericht 21 und 80, der Sektion 27 behandeln die Kolbendampfmaschine.

Gestreift werden solche Fragen auch in den Sektionen 6 und 31 „Kosten und Betriebsvergleich verschiedener Energiearten beim Abnehmer“ und „Kraftübertragung in Fahrzeugen und in Werkstätten“, wobei allerdings die Kolbenmaschine zum Antrieb von Kraftfahrzeugen nicht erwähnt ist.

Wenngleich die Kolbendampfmaschine in den Berichten der Sektionen 32–34, „Forschungsarbeiten“, Normungsprobleme und Methodik der Statistik und Ausbildung“ nicht besonders erwähnt ist, so sind doch die dort behandelten Fragen, vor allem die Eigenschaften des Wasserdampfes, von großer Bedeutung auch für den Bau der Kolbendampfmaschine.

K.

Flugaschebeseitigung. Sprechabend im Berliner Bezirksverein Deutscher Ingenieure, am 29. Oktober 1930.

Gemeinsam mit dem Fachausschuß für Staubtechnik beim V.D.I., hatte der Berliner Bezirksverein einen Sprechabend über Flugaschebeseitigung, |13| unter dem Vorsitz des Obmannes dieses Ausschusses Herrn Barkow, veranstaltet. Wie der Vorsitzende ausführte, sollte der Abend zeigen, wie die Flugaschenfrage bearbeitet worden ist und noch wird.

Den ersten Vortrag hielt Herr Dr.-Ing. Heitmann vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat, Hannover, über „Wege und Ziele der Flugaschebekämpfung in Deutschland“. Die Flugaschenbeseitigung ist in den letzten Jahren zu einer wirklichen Wissenschaft geworden, dabei ist nicht nur die Frage der eigentlichen Beseitigung von Wichtigkeit, sondern ebenso die Frage nach dem zulässigen Auswurf, nach Menge, Größe usw. Die Meßtechnik hierfür ist noch sehr wenig einheitlich. Höhe der Schornsteine, Geschwindigkeit der Gase in denselben und beim Ausströmen sind von großem Einfluß auf die Verdünnung der Gase. Von den verschiedenen Typen der Abscheider hat jede ihren Wirkungsbereich, der Entstaubungsgrad wird durch die örtlichen Verhältnisse und das System bedingt. Ob mechanische, elektrische oder Naßreinigung angewendet werden sollen und können, hängt von dem aufzuwendenden Kapital, dem vorhandenen Platz und in erster Linie natürlich von der Zusammensetzung der Gase, ihrem Gehalt an Verbrennlichem, festen und gasförmigen Verunreinigungen, wie z.B. SO2, ab, die ihrerseits wieder durch die Bauart von Kessel und Feuerung und der Zusammensetzung des Brennstoffes, seinem Aschengehalt und Art der Asche beeinflußt werden.

Im zweiten Vortrag behandelte Herr Direktor Dipl.-Ing. Heilmann, Zschocke Werke A. G., Kaiserslautern, das Thema: „Ueberlegungen und Untersuchungen, die dem Entwurf einer nassen Flugaschenabscheidung vorausgehen müssen“. Der Staubgehalt der Gase, beziehungsweise der Luft ist eine Meßgröße, es gibt aber keine Vorschriften oder Normen über die zulässige Größe desselben und die Leistungsfähigkeit von Abscheidern. Man muß ähnlich, wie bei den Gewässern, den Begriff der gemein üblichen Verschmutzung aufstellen und die Größe der auf die Flächeneinheit abgesetzten Staubmenge bestimmen, etwa mit Methoden ähnlich der Regenmessung. Man muß Menge, Temperatur und Zusammensetzung der Gase berechnen. Die Größe der Grenzfeinheit für den Staub festlegen, diese schwankt in weitem Maße. Man wird aus einer Formel, die den Staubgehalt je m3 Gas, also den Reinheitsgrad, die Höhe des Kamins, Fall- und Schwebezeit des Staubes usw. enthält, die Konzentration am Schornsteinende bestimmen, die Rückstände sind z.B. auf dem 6400-Maschensieb zu prüfen. Die Elektrofilter erreichen eine sehr hohe Reinheit, die Naßreinigung kommt namentlich bei SO2- und Cl-Gehalt in Frage, diese Lösungen müssen dann mit Kalk usw., neutralisiert werden. Es werden verschiedene Anordnungen solcher Anlagen geschildert. Die Naßreinigung erfordert enge Zusammenarbeit zwischen Kesselbauer und Staubfachmann. Die Platzfrage bedingt oft den möglichen Wirkungsgrad, der sich aus dem Verhältnis: abgeschiedeneStaubmenge zur ursprünglich vorhandenen ergibt.

Herr Dr.-Ing. Buff, Siemens-Schuckert Werke A. G., behandelte die: „Flugaschenabscheidung durch Elektrofilter“, ihren Aufbau, Arbeitsweise und Reinigungsleistung, sowie ihre Eigenschaften und Anwendungsgebiete werden, durch Lichtbilder unterstützt, geschildert.

Herr Dipl.-Ing. Bretthauer, Lurgi Apparatebau Ges. m. b. H., Frankfurt a. Main, sprach dann über: „Projektierung elektrischer Gasreiniger zur Reinigung von Kesselabgasen, die durch Verbrennung von Staubkohle erzeugt werden.“ Wichtig ist es, einen Einblick in die Entstehungsursachen des Staubes zu gewinnen. Die Aufgaben der Staubtechnik greifen in das Gebiet der Aerodynamik über, Bewegungs- und Auftriebgesetze der gewaltigen Gasmengen, die Zahlen von 360000 m3/h erreichen, müssen erforscht werden. In den Gasen befinden sich feste und flüssige, beziehungsweise gasförmige Stoffe in engster Durchdringung, sie stellen also ein „disperses System“ dar, und sind durch und durch inhomogen. Die Feinheit der Teile ist sehr schwankend, Siebanalysen zeigen auf dem 10000-Maschensieb, daß etwa 78 v. H. aller im Elektrofilter gefangenen Teile, durch dasselbe hindurchgehen, das Mikroskop zeigt dann in diesen noch große Unterschiede. Das zu reinigende Medium muß die Konstruktion der Filter bedingen, bei Kesseln wird sich immer die Frage erheben, wie weit kann man gehen? Dimension der Filter und ihr Wirkungsgrad werden oft durch die Oertlichkeit bedingt. Da die Rauchgasreinigung immer ein Unkostenposten ist, muß immer die günstigste Anlage, den gegebenen Möglichkeiten entsprechend, gesucht werden. Bei hüttenmännischen Feuerungen sind meist wertvolle Produkte zu gewinnen, die eine Amortisation in entsprechender Zeit ermöglichen.

In der Diskussion wird darauf hingewiesen, daß die atmosphärische Feuchtigkeit, Windrichtung und Wechsel derselben, von Einfluß auf die natürliche Staubabscheidung aus den Gasen sind. Herr Illert berichtet über eine Versuchsanlage von Rotator an der technischen Hochschule Hannover, die Wirkungsgrade von 85–95 v. H. ergeben soll, die Anlage und die Meßeinrichtungen werden im Bilde vorgeführt. Herr Meldau betont die Zersplitterung im Meßwesen, 3–400 Meßverfahren sind in der Literatur beschrieben, viele davon werden benützt, Mengenmeßverfahren gibt es etwa 100, auch die Hüttenleute, bei denen die Reinigung der Hochofengase von Staub sehr wichtig ist, haben noch kein genormtes Verfahren. Messungen mit den Regenmessern ähnlichen Apparaten werden von einer deutschen Stadt vorgenommen, in England sind ähnliche seit Jahren in Anwendung. Im zweiten Vortrage wurden die „Schichtfilter“ als aussichtsreich erwähnt, es sind dies solche mit nicht kapilaren Löchern (Schüttgut, Raschig Ringe oder ähnliche), sie haben bisher nicht befriedigt, weil infolge der hohen Temperaturen eine Benetzung nicht oder nur unter ziemlichen Kosten anzubringen ist, bei hoher Belastung und Schwankungen |14| sind sie sehr empfindlich, die Poren werden solange mit dem abgeschiedenen Staub verlegt, bis die „Durchbruchsbelastung“ erreicht ist. Dann pendelt die Leistung hin und her. Außerdem er fordern diese Filter noch eine „Abreinigung“, bei der die Schichten umgelagert werden müssen, was eine Aufwirbelung des Staubes zur Folge hat. In der Lüftungstechnik haben sich aber diese Filter gut bewährt. Der Redner betont die Wichtigkeit klarer einheitlicher Bezeichnungen bei Veröffentlichungen. Herr Rechtsanwalt Hase erwähnt die auftretenden juristischen Fragen, wie „Einwirkung auf Eigentum“, Forderungen und Ansprüche zur Beseitigung dieser, die damit verbundenen Kostenfragen und ihre Behandlung, das Staubthema hat zurzeit ein großes öffentliches Interesse, mit dem sich die verschiedensten Berufskreise, Aerzte, Hygieniker, Landwirte u.a.m. beschäftigen. Andere Redner betonen die Bedeutung der Kostenfrage für die Staubbeseitigung, die so weit gehen kann, daß ein Unternehmen dadurch unwirtschaftlich wird. Oberbaurat Jahr betont, daß, selbst wenn der Rauch und Staub verschwunden sind, doch noch die schädlichen Gase übrig bleiben, auf deren Beseitigung beziehungsweise Verdünnung zu achten ist. Herr Barkow schließt mit dem Dank der Veranstalter an die Redner.

Ferngasversorgung.1) Im Berliner Bezirksverein Deutscher Ingenieure sprach Herr Bergassessor Baum, Direktor der Ruhrgas Aktiengesellschaft, Essen, Ruhr, am 5. November 1930 über obiges Thema.

Der Koksbedarf für die Rohstahlerzeugung bringt die Gewinnung von großen Mengen hochwertigen Gases (1929 10 Milliarden m3) mit sich, sein Heizwert beträgt im Mittel etwa 4300 kcal/m3. Die Ferngasleitungen der Ruhrgas A. G. gehen heute von Aachen, Köln, bis Hannover und nach Süden bis Siegen, mit Ausdehnungsmöglichkeiten bis Berlin einerseits und Frankfurt a. M. andererseits. Das Ferngas hat eine Reihe technischer und wirtschaftlicher Probleme ausgelöst, deren wichtigste das Sortenproblem, moderner Koksofenbau, Rohrleitungen, Behälter, Reinigung und Messung sind. Dazu gehört natürlich die Anpassung vorhandener Feuerungen in Gewerbe und Industrie. Das vielfach noch zur Unterfeuerung der Koksöfen verwendete Gas derselben kann durch Hochofengas oder andere Schwachgase (Generatorgas) ersetzt werden. Die minderwertigen Kohlensorten dienen zur Dampferzeugung oder zur Herstellung des obengenannten Generatorgases, allerdings sind hier noch große Aufgaben, die Herstellung von Hochleistungsgeneratoren usw. zu lösen. Dem Ferntransport muß eine Aufbereitung, Entfernung von Naphtalin, Benzol, Schwefel usw. vorausgehen. Neue Verfahren sind hier entwickelt worden, durch die enorme Schwefelmengen gewonnen werden, so daß der Import von Schwefel erheblich verringert werden kann. Das Gas wird dann zum Transport verdichtet. Die billige Herstellung von Dampfauf den Anlagen der Zechen macht die Verwendung von Kolbenkompressoren, die mit Kolbendampfmaschinen angetrieben werden, wirtschaftlich. Dazu kommen noch die Vorteile dieser Maschinen, wie größte Betriebssicherheit und große Regulierfähigkeit. Von großer Wichtigkeit ist die Messung der großen Gasmengen. Die Strömungsmesser sind hier besser und billiger als die bisher üblichen Stationsgasmesser, sie haben geringen Platzbedarf und ermöglichen die Fernübertragung der Meßwerte. Ebenso wichtig ist auch die Fernübertragung der Meßwerte für den Druck und zum Teil auch der Temperatur, sowie die Nachrichten- und Kommandoübermittelung. Das Speicherproblem zum Ausgleich der Spitzen in Erzeugung und Verbrauch ist von Bedeutung, zurzeit herrschen die Niederdruckspeicher noch vor. Besonders eingehend wird die Verwendung des Ferngases in der Industrie behandelt. Die meisten Oefen haben heute noch verhältnismäßig niedrige Wirkungsgrade, die durch die Verwendung von Ferngas in Verbindung mit geeigneten Brennern usw., erheblich verbessert werden können. Die Temperaturen sind besser einstellbar. Der Wärmeverbrauch je Einheit geht zurück. Ebenso auch der absolute Gasverbrauch, in einem großen Werk wurden für eine bestimmte Erzeugung anstatt der berechneten 60 Millionen m3 nur 43 Mill. erforderlich. Der Druck des Gases beträgt für die Nähe 2–4 atü, für größere Entfernungen (Hannover) 25 atü. Wichtig ist die Ferngasversorgung für die Industrie der großen Städte, hochwertiges billiges Gas kann die Abwanderung mancher Industrien verhindern. Die Ruhrgas hat der Durchbildung der Oefen große Aufmerksamkeit geschenkt und amerikanische Patente für Blankglühöfen erworben, die besonders für die Automobilindustrie von Wichtigkeit sind. Das größte Hindernis ist heute noch der Kapitalmangel. Die Sicherheit der Lieferung ist gewährleistet. Die modernen in weitgehendem Maße mechanisierten Anlagen verlangen nur geringes Bedienungspersonal.

In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß das Ferngas staubfrei ist. Die angeschnittene Frage der Verwendung im Hausbrand, besonders z.B. für die Berliner Kachelöfen, ist keine technische, sondern nur eine Preisfrage. Die erforderlichen Brenner usw. sind vorhanden und im Industrierevier in vielen Heizungen eingebaut. Für Zentralheizungen ist die Frage des Koksabsatzes von Bedeutung. Die Aufgabe der Kompression kann auch mit Rotationskompressoren gelöst werden, für deren Antrieb entsprechende explosionssichere Elektromotoren zur Verfügung stehen (AEG-Kommutatormotoren mit Drehzahlreglern und Luftspülung wurden gezeigt), doch ist hier bisher, wie oben erwähnt, der billig zur Verfügung stehende Dampf vorgezogen worden. Die Frage nach der Krafterzeugung durch Ferngas in Gasmaschinen und -Motoren, z.B. zur Spitzendeckung, ähnlich der mit Dieselmaschinen wird dahingehend beantwortet, daß hier Maschinengröße und Kapitalaufwand sowie die Brennstoffkosten ausschlaggebend sind, Gasmaschinen werden heute bis zu Größen von mehreren 1000 PS (Hochofengasmaschinen) |15| hergestellt2)2). Herr Direktor Lempelius wies darauf hin, daß der Ton bei Ferngas mehr auf Gas zu legen sei, bei der Frage Ferngas- oder Gruppenversorgung werde sich die wirtschaftlichste Erzeugung durchsetzen. Das Ideal wäre ein einheitliches Gasnetz durch ganz Deutschland, das überall dort gespeist wird, wo man das Gas am wirtschaftlichsten herstellen kann.

K.

Patentnachrichten

nach amtlichen Veröffentlichungen zusammengestellt von Patentanwalt, Dipl.-Ing. Hans Wolff, Berlin SW. 68.

Patent-Anmeldungen. Einspruchsfrist bis 24.2.31

14c, 19. S. 90395. Siemens-Schuckertwerke Akt.-Ges., Berlin-Siemensstadt. Oelpumpenanlage, insbes. für Dampfturbinen. 9. 3. 29.

14c, 19. S. 46.30. Siemens-Schuckertwerke Akt.-Ges., Berlin-Siemensstadt. Oelpumpenanlage für Kraftmaschinen. 20. 3. 30.

14h, 4. A. 49394. Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, Berlin NW 40, Friedrich-Karl-Ufer 2-4. Dampfkraftanlage mit mehrstufiger Dampfkraftmaschine mit Frischdampf- und Zwischendampf-Ueberhitzer. 29. 11. 26.

14a, 16. D. 17.30. Demag Akt.-Ges., Duisburg, Werthauser Str. 64. Liegender Kraftmaschinenzylinder. 26. 3. 30.

14a, 19. B. 34.30. A. Borsig G. m. b. H., Berlin-Tegel. Auslaßsteuerung für Entnahmedampfmaschinen. 11. 7. 30.

35c. 3. S. 83137. Siemens-Schuckertwerke Akt.-Ges., Berlin-Siemensstadt. Einrichtung zur Erhöhung der Sicherheit von Fördereinrichtungen; Zus. z. Pat. 512471. 15. 12. 27.

46c4, 2. J., 38149. Dr.-Ing. e. h. Hugo Junkers, Dessau, Anhalt, Kaiserpl. 21. Ventilkühlung für Brennkraftmaschinen. 23. 5. 29.

46c2, 24. E. 38123. Ehrlich & Graetz A.-G., Berlin SO 36, Elsenstr. 90-96. Kolbenvergaser. 12. 10. 28.

46c1, 16. A. 24.30. Argus Motoren Ges. m. b. H., Berlin-Reinickendorf, Flottenstraße 39–42. Ansaugleitung für Brennkraftmaschinen mit zwei Zylinderreihen. 11. 2. 30.

46f, 1. S. 90 136. Siemens-Schuckertwerke Akt.-Ges., Berlin-Siemensstadt. Regelanordnung für Maschinensätze, die aus einer Verbrennungskolbenmaschine zur Treibgaserzeugung und einer nachgeschalteten Gasturbine bestehen. 26. 2. 29.

46f, 1. S. 92 276. Siemens-Schuckertwerke Akt.-Ges., Berlin-Siemensstadt. Verfahren zum Betriebe eines als Kolbenmaschine ausgebildeten Treibgaserzeugers für Gasturbinen. 15. 6. 29.

46d, 13. A. 54 684. Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, Berlin NW 40, Friedrich-Karl-Ufer 2–4. Verfahren und Vorrichtung zur Erzeugung von Quecksilberdampf. 5. 7. 28. V. St. Amerika 11. 7. 27.

46f, 8. A. 56 468. Aktiengesellschaft Brown, Boveri u. Cie, Baden, Schweiz; Vertr.: Dr. e. h. Robert Boveri, Mannheim-Käfertal. Verfahren zur Anpassung des freien Durchgangsquerschnittesverstellbar eingesetzter Leitschaufeln von Turbinen, insbes. Abgasturbinen. 11. 1. 29.

Einspruchsfrist bis 28. 2. 1931.

46d, 5. D. 49.30. Demag Akt.-Ges., Duisburg, Werthauser Str. 64. Zahnradmotor mit in die Zuleitung des Treibmittels eingebautem Luftfilter. 6. 5. 30.

46a2, 86. M. 108 170, Motoren-Werke Mannheim A.-G. vorm Benz Abt. stationärer Motorenbau, Mannheim, Carl-Benz-Str. Verfahren zur Verbrennung natürlicher Dicköle (Oele von großer Zähigkeit, aber niedrigem Zündpunkt) in kompressorlosen Vorkammer-Dieselmaschinen. 22. 12. 28.

46b1, 1. M. 106 292. Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A.-G., Augusburg. Steuerung für Zweitaktgasmaschinen mit Schlitzspülung. 22. 8. 28.

46c2, 11. F. 197.30. Fichtel & Sachs A.-G., Schweinfurt. Schwimmerloser Spritzvergaser. 7. 5. 30.

Einspruchsfrist bis 18. 2. 1931.

13c, 12. Sch. 89 029. Schmidt'sche Heißdampf-Gesellschaft m. b. H., Kassel-Wilhelmshöhe. Verfahren und Vorrichtung zum Messen des Flüssigkeitsstandes. 14. 1. 29.

13d, 3. Sch. 90 433. Schmidt'sche Heißdampf-Gesellschaft m. b. H., Kassel-Wilhelmshöhe. Aus zwei getrennten Teilen bestehender Ueberhitzerdampfkästen; Zus. z. Pat. 486 347. 28. 5. 29.

46a7, 1. M. 110 962. Humboldt-Deutzmotoren A.-G., Köln-Deutz, Deutz-Mülheimer Straße 149. Vorrichtung zum Ingangsetzen von Dieselmaschinen. 5. 7. 29.

46b1, 21. M. 110 218. Humboldt-Deutzmotoren A.-G., Köln-Deutz, Deutz-Mülheimer Str. 149–155. Umsteuerbare Viertakt-Brennkraftmaschine mit einer Einrichtung zur Verschiebung der Steuerwelle in vier verschiedene Stellungen zum Anlassen in beiden Richtungen und für normalen Betrieb in beiden Richtungen. 18. 5. 29.

Einspruchsfrist bis 11. 2. 1931.

46c2, 60. D. 8.30. Daimler-Benz A. G., Stuttgart-Untertürkheim. Regelvorrichtung für die Temperatur der Ansaugeluft bei Brennkraftmaschinen. 6. 1. 30.

46a2, 86. H. 124 838. Hannoversche Maschinenbau-A.-G. vorm. Georg Egestorff, Hanomag, Hannover-Linden. Dieselmaschine mit seitlich ungeordneter Vorkammer. 31. 12. 29.

46a4, 3. S. 94 021. Siemens & Halske Akt.-Ges., Berlin-Siemensstadt. Mehrzylindrige Zweitakt-Brennkraftmaschine. 20. 9. 29.

46a2, 68. W. 76 005. Maschinenfabrik Buckau R. Wolf Akt.-Ges., Magdeburg. Zweitaktdieselmaschine mit unmittelbarer luftloser Brennstoffeinspritzung und Schlitzsteuerung. 12. 5. 27.

13d, 10. D. 6.30. Deutsche Babcock & Wilcox Dampfkessel-Werke A.-G., Oberhausen, Rhdl. Dampferzeugeranlage. 29. 1. 30. V. St. Amerika 2. 2. 29.

14h, 1. K. 108 895. Fried. Krupp Germaniawerft Akt.-Ges., Kiel-Gaarden. Regeleinrichtung für Kraft- und Wärmeanlagen. 7. 4. 28.

24g, 6. J. 36 199. I. G. Farbenindustrie Akt.-Ges., Frankfurt a. M. Vorrichtung zur Reinigung |16| von Gasen, insbes. von Abgasen aus Feuerungsanlagen. 22. 11. 28.

24i, 5. S. 90 375. Siemens-Schuckertwerke Akt.-Ges., Berlin-Siemensstadt. Saugzuganlage; Zus. z. Pat. 471 903. 2. 3. 29.

35b, 1. D. 22.30. Demag Akt.-Ges., Duisburg, Werthauser Straße 64. Luftkran. 6. 2. 30.

Einspruchsfrist bis 8. 3. 1931.

60, 15. B. 142 250. A. Borsig G. m. b. H., Berlin-Tegel. Mit einem Druckregler arbeitende Sicherheitsvorrichtung zur Verhütung des Durchgehens von durch Servomotor geregelten Kraftmaschinen beim Ausbleiben des Oeldruckes. 28. 2. 29.

14c, 18. W. 84 132. Waggon- und Maschinenbau A.-G. Görlitz, Görlitz. Einrichtung zum Ausgleich des Axialschubes bei radial beaufschlagten Dampf- oder Gasturbinen. 7. 11. 29.

13d, 7. Sch. 91 364. Schmidt'sche Heißdampf-Ges. m. b. H., Kassel-Wilhelmshöhe. Ueberhitzer aus einer Mehrzahl von Röhren. 28. 8. 29. V. St. Amerika 12. 3. 29.

13d, 11. A. 58 417. Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft u. Dr. Friedrich Münzinger, Berlin NW 40, Friedrich-Karl-Ufer 2-4. Dampferzeugungsanlage mit Ueberhitzer, 12. 7. 29.

13d, 1. A. 55.30. Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft u. Dr. Friedrich Münzinger, BerlinNW 40, Friedrich-Karl-Ufer 2–4. Fernleitungen für hochgespannten Frischdampf. 10. 7. 30.

24f, 17. B. 138 926. A. Borsig G. m. b. H., Berlin-Tegel. Unterwindwanderrost, bei welchem die Luft von unterhalb der oberen Rostbahn liegenden Querkanälen aus zu nach der Rostbahn offenen Unterwindkammern geführt wird. 15. 8. 28.

24g, 5. K. 112 576. Kosmos G. m. b. H. Rud. Pawlikowski Görlitzer Maschinenfabrik, Görlitz Entaschungsvorrichtung mit einem Austropfspalten enthaltenden Sammel- und Löschschacht. 12. 12. 28.

24e, 1. B. 136 049. Bamag-Meguin Akt.-Ges., Berlin NW 87, Reuchlinstraße 10-17, u. Dr.-Ing. Oswald Heller, Berlin-Wilmersdorf, Sächsische Straße 67. Anlage zur Vergasung von Brenn staub mit einem im Kreislauf umgewälzten Wasserdampfgasstrom. 17. 2. 28.

24b, 10. J. 37 459. Dr.-Ing. e. h. Hugo Junkers, Dessau. Einrichtung zur mechanischen Regelung der Brennstoffzufuhr zu einem mit flüssigem Brennstoff zu speisenden Brenner. 21. 3. 29.

35c, 3. D. 58 243. Demag Akt.-Ges., Duisburg. Sicherheitsbremse für Fördermaschinen. 25. 4. 29.

35a, 25. U. 10 798. Unruh & Liebig, Abteilung der Peniger Maschinenfabrik und Eisengießerei Akt.-Ges., Leipzig-Plagwitz. Spindelaufzug. 17. 6. 29.

|12|

Borsig, Wärme und Kraft, 4 Sonderhefte der Borsig-Zeitung überreicht anläßlich der Zweiten Weltkraftkonferenz Berlin 1930.

|12|

Sondernummer der Revue Sulzer zur Zweiten Weltkraftkonferenz Berlin 1930.

|12|

Demag Nachrichten Sonderheft zur Zweiten Weltkraftkonferenz Berlin 16 bis 25 Juni 1930.

|12|

Demag Nachrichten 1930 Februar.

|12|

Z Vdi 1930, Nr. 21, S. 686. ff.

|14|

Ferngasversorgung von A. Kemper, Verlag W. Knapp, Halle 1930. S. Dingler 1930, S. 173.

|15|

Demag Nachrichten, Sonderheft zur Zweiten Weltkraftkonferenz 1930, S. 27. S. Dingler 1930, S. 177.

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