Titel: Polytechnische Schau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1931, Band 346 (S. 167–175)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj346/ar346039

Polytechnische Schau.

2. Englische Ausstellung für chemisches Apparatewesen. London, 13. bis 18. Juli 1931. Aus Anlaß der 50-Jahr-Feier der Society of Chemical Industry fand in London-Westminster in der Central Hall eine Ausstellung für chemisches Apparatewesen statt, die von dem Verband der englischen Fabrikanten für chemische Apparaturen (British chemical plant manufacturers' Association) gemeinsam mit der Ingenieur-Chemiker-Gruppe der Gesellschaft für chemische Industrie (Chemical engineering group of the Society of Chemical Industry) veranstaltet wurde, um die Fortschritte im chemischen Anparatewesen zu zeigen, die seit der ersten derartigen englischen Ausstellung 1926 in der Konstruktion und der Herstellung der Geräte und Apparate für die chemische Industrie und verwandten Betriebe erzielt wurden, und um den englischen Abnehmern dieser Apparate zu zeigen, in welchem Umfang und welcher Güte die von ihnen benötigten Geräte in England aus englischem Material hergestellt werden können. Die Ausstellung war auf englische Erzeugnisse beschränkt, d.h. es mußten mindestens 75 % der Material- und Herstellungskosten der Erzeugnisse auf England entfallen (einschließlich Kolonien), während die englischen Industriemessen diese Forderung nur auf 51 % beschränken. In Ergänzung zu der von den Apparate-Fabrikanten gezeigten. Ausstellung von fabrikmäßig hergestellten Laboratoriums-- |168| und Fabrikgeräten und Apparaturen zeigte die wissenschaftliche Abteilung der Ausstellung, die von der Chemical engineering group der Society of Chemical Industry mit Unterstützung der staatlichen Forschungslaboratorien, einer Reihe von Industrien und der von ihnen unterhaltenen Forschungsstätten organisiert war, die Bedeutung der Wissenschaft für die chemische Industrie. Die Ausstellung für chemisches Apparatewesen war von rund 50 der führenden englischen Firmen beschickt. Die ausgestellten Erzeugnisse zeichneten sich nicht so sehr durch Neukonstruktion aus als vielmehr durch die besondere Auswahl der für ihren Bau verwendeten, in England hergestellen, Bau- und Werkstoffe.

Einen großen Raum nahmen in der Ausstellung die für die chemischen Geräte und Apparaturen verwendeten Werkstoffe ein, unter denen naturgemäß wieder die Metalle an erster Stelle standen. Zahlreich sind die in England hergestellten hitze- und korrosionsbeständigen Legierungen für den Apparatebau.

Edelmetalle und ihre Verwendung in der chemischen Industrie zeigen Johnson Matthey & Co., Ltd., London, so Silbergeräte, silberplattierte Kupferröhren verschiedenster Durchmesser und Länge. Diese silberplattierten Geräte finden jetzt ausgedehnte Verwendung in der Essigsäure-, Essig- und Marmelade-Industrie infolge ihrer verhältnismäßigen Billigkeit und Beständigkeit gegen organische Säuren. Auch Platingeräte, Platinelektroden, Tigel usw. zeigt diese Firma.

F. W. Berk & Co., Ltd. London, zeigten Proben von 150 g Galliummetall, 500 g Rheniummetall und 500 g Kaliumperrhenat, wohl die größten Mengen, die von diesen seltenen Produkten bisher erzeugt wurden.

The Thermal Syndicate, Ltd. Wallsend-on-Tyne zeigt die Fortschritte in der Herstellung von geschmolzenem Quarz, das unter dem Namen „Vitreosil“ in den Handel kommt. Heute können aus diesem Material schon sehr große Gefäße hergestellt werden, wie über 400 Liter fassende Gefäße zeigten. Auch eine vollständige Anlage für die Salzsäuredarstellung wurde aus Vitreosil ausgeführt einschließlich Verbrennungskammer, Kühlsystem und Absorptionstürmen. Diese Apparatur zeichnet sich durch geringe Raumbeanspruchung und geringe Anschaffungskosten aus. Auch eine ventillose Pumpe aus Vitreosil wird von der Firma gezeigt, bei der die Flüssigkeit ausschließlich mit Vitreosil in Berührung kommt. Eines der neuesten Erzeugnisse des Thermal Syndikats sind die Vitreosil-Höhensonnenlampen.

An Laboratoriumsgeräten und -Apparaten zeigten Baird & Tatlock, Ltd. London, unter den zahlreichen sowohl für wissenschaftliche wie Industrielaboratorien wichtigen Gegenständen 2 neue Apparate. Der Apparat von Dr. Vogel dient zur Darstellung eines Wassers von sehr geringer Leitfähigkeit, wie es für die jetzt vielfach angewandten kolorimetrischen, potentiometrischen und Leitfähigkeitsmessungen zur Bestimmung der Wasserstoffionenkonzentration benötigt wird. Dieses Wasser wird gewonnen, indem aus einer alkalischen Lösungvon Kaliumpermanganat im reinen Luftstrom Wasser abdestilliert wird. Das Verfahren ist sehr einfach und bedarf sehr wenig Wartung. Der Apparat ist, mit Ausnahme des Wasserbehälters, aus Pyrexglas, vollständig aus Metall, die einzelnen Teile sind verschraubt und leicht zugänglich. Ein besonders konstruiertes Gefäß aus Pyrexglas gestattet es, Wasser monatelang ohne irgend welche Veränderungen aufzubewahren. Neu war auch der gezeigte Vakuumdestillationsapparat nach Burstin-Winkler zur Destillation von Rohöl, Phenol, Naphtenen. Der Apparat eignet sich besonders für die Destillation organischer Flüssigkeiten, die sehr leicht zersetzlich sind. Ueberhitzen höher siedender Bestandteile wird durch die große Heizoberfläche und den großen Verdampfungsraum vermieden. Während der Destillation können auch leicht Wasserdampf oder inerte Gase eingeleitet werden. Eine weitere Neuheit dieser Firma ist ein Filterpapier von großer Festigkeit, Whatman Nr. 54, das sehr rasch filtriert und gegen starke Alkalien sehr widerstandsfähig ist.

Die Imperial Chemical Industrie Ltd. Northwich, Cheshire, zeigen eine Reihe der in ihrem Forschungslaboratorium verwendeten Apparate, so unter anderem einen Apparat für fraktionierte Gasanalyse sowie die kinematographische Aufnahme wachsender Kristalle und einen Apparat zur Bestimmung der Gleichgewichtszusammensetzung des Dampfes über Lösungen von 2 oder mehr Bestandteilen. Die von den Imperial Chemical Industries eingeführte automatische Kontrolle von Ofentemperaturen für sehr genaue Untersuchungen gestattet es z.B., die Temperatur eines Metallblocks einige Tage automatisch innerhalb 0,25° auf konstanter Temperatur zu erhalten. Die Genauigkeit der Temperatureinhaltung bei sehr tiefen Temperaturen wird durch einen Cryostaten ermöglicht, der Temperaturen zwischen 0° und 160° C auf 0,01° genau einzuhalten gestattet. Ein Dampfkalorimeter zur Bestimmung des Feuchtigkeitsgehaltes von Abdampf beruht auf dem Nachweis der Temperatursteigerung bei Einleiten von Dampf in eine Kochsalzlösung. Weiter waren von den Imperial Chemical Industries ausgestellt ein einfacher Wärmeregler und ein adiabatisches Kalorimeter zur Bestimmung der spezifischen Wärme von Lösungen und ein Strömungsmesser für Gase bei hohen Drucken.

Für die Temperaturkontrolle haben Negretti & Zambra, London, eine Reihe von Thermometern ausgebildet, insbesondere auch Thermometer für Fernmessungen von großer Genauigkeit.

Die Elliott Brothers, Ltd., London, zeigen Vorrichtungen zur Temperaturkontrolle für sehr hohe Temperaturen. Wo die Verwendung thermo-elektrischer Pyrometer nicht möglich ist, dient das Ardometer, eine Art Gesamtstrahlungspyrometer mit festem Brennpunkt. Das Element ist in einer mit inerten Gasen gefüllte Glaskugel eingeschlossen. Die optischen Pyrometer der Firma gestatten Temperaturmessungen bis zu 2400°.

Auf dem subjektiven System der Kolorimetrie beruhende Kolorimeter zeigen the Tintometer, |169| Ltd. Salisbury, Wilts. Dieses nach den Patenten von J. W. Lovibond hergestellte Tintometer-Kolorimeter beruht auf der Absorption von weißem Licht durch eine Reihe von Rot-, Gelb- und Blauglasfiltern, die in konstanter Farbe hergestellt und sehr sorgfältig und genau nach Tiefe und Reinheit der Farbe abgestuft sind. Das Tintometer gestattet die genaue Messung und Bestimmung der Farbe von transparenten oder opaken Stoffen. Für die Farbenbestimmung von Substanzen, die sehr rasch Aenderungen ihrer Farbe erleiden, dient das Lovibond-Tintometer (Patent Nr. 299194 der British Drug Houses). Der Apparat war ursprünglich für die kölorimetrische Bestimmung des Vitamin-A-Gehalts von Lebertranöl bestimmt wird aber jetzt vielfach für andere Zwecke verwendet, so in der Gerberei! Es ist überall dort anwendbar, wo die Farben sehr rasch bestimmt werden müssen. Besondere Tintometer sind für Farbenbestimmung von Schmierölen und Fetten konstruiert.

Für die rasche Bestimmung und Registrierung des Gehalts der Luft an Kohlenmonoxyd und Kohlensäure dienen selbsttätig registrierende Apparate von Elliott Brothers.

Anlagen zur Wiedergewinnung von Lösungsmitteln wurden von der Silica Gel. Ltd. London, errichtet. Das Lösungsmittel wird durch Silicia-Gel adsorbiert und das Lösungsmittel wird aus den Gelporen wieder entfernt, indem Dampf bei Atmosphärendruck durch den Adsorber durchgeleitet wird. Mischt sich das Lösungsmittel mit Wässer, dann wird die Mischung in eine Rektifizierkolonne gebracht und dort das Lösungsmittel abgeschieden. Ist das Lösungsmittel mit Wasser nicht mischbar, dann wird es dekantiert und in reinem Zustand wieder gewonnen.

Die International Electrolytic Plant Co. Sandycroft, Chester, zeigte ihre „Knowles-Zellen“ für die elektrolytische Gewinnung von Wasserstoff und Sauerstoff mit garantierten Reinheitsgraden von 99,5 % für Wasserstoff und 99 % für Sauerstoff. Eine Zelle, die mit einem Strom von 1000 Ampères und 2,125 Volt betrieben wird, erzeugt in der Stunde 16,1 Kubikfuß Wasserstoff und 8,05 Kubikfuß Sauerstoff bei einem Stromverbrauch von 132 Kilowattstunden für 1000 Kubikfuß Wasserstoff. Die Temperatur des Elektrolyten wird bei allen Belastungen konstant gehalten durch die patentierte Knowles-Temperaturkontrolle. Es gestattet dies den besten Nutzeffekt der Zelle bei jeder Belastung.

An der wissenschaftlichen Abteilung, die von der Chemical Engineering Group organisiert war, haben sich unter anderem beteiligt die staatlichen Forschungsanstalten, die unserer physikalisch-technischen und chemischtechnischen Reichsanstalt entsprechenden Institutionen, the National Physical Laboratory und the Chemical Research Laboratory in Teddington, die Brennstofforschungsstation (Fuel Research Station), die Baustofforschungsstation (Building Research Station), ferner die Forschungsgesellschaften einer Anzahl Industrien. Von den verschiedenen Laboratorien war eine Reihe von Prüfgeräten gezeigt, so von the BuildingStation ein Apparat zur Messung der Temperaturen, die sich im Innern von Beton während des Abbindens einstellen. Die zu untersuchende Zement- oder Betonprobe wird in ein Bad getaucht, jede Temperaturdifferenz zwischen dem Bad und der Probe erzeugt während der Hydration einen Strom in einer Differentialthermosäule, deren eines Element in die Probe, das andere in das Bad taucht. Mit Hilfe lichtempfindlicher Zellen und geeigneter Relais betätigt dieser kleine Strom einen Heizstrom, der die Temperatur des Bades regelt. Die Temperatur der Probe steigt allmählich bis zu einem Maximum an, wie im Innern einer großen Betonmasse. Die gleiche Forschungsanstalt zeigte auch eine Apparatur zur Bestimmung der Kapillareigenschaften von Baumaterialien. Die Kapillareigenschaften bestimmen die Struktur des Materials, ihre Ermittlung ist besonders für die Untersuchung der Verwitterung wichtig.

Das Holzforschungslaboratorium zeigte verbesserte Verfahren zur Auswahl der Probestücke für die Druckprobe von Holz.

Das National Physical Laboratory zeigte die Anwendung der Röntgenanalyse in der Iudustrie, ferner die für die Aufstellung der internationalen Temperaturskala verwendeten Apparate, ein Platinwiderstandsthermometer für die Temperaturen von – 183 bis 660° C. ein Platinthermoelement für die Temperaturen von 660 bis 1063° und ein optisches Pyrometer für die Temperaturen über 1063°. Das vom National Physical Laboratory gezeigte Guild Trichromatische Kolorimeter arbeitet mit einer Kombination von 3 Farbkomponenten, rot, grün und blau, die man erhält, indem Licht einer gasgefüllten Fullolitlampe durch rote, grüne und blaue Filter geschickt wird. Die 3 Farbkomponenten werden im Gesichtsfeld durch ein rasch rotierendes Prisma gemischt.

Die Forschungsgesellschaft der englischen Farben- und Lack-Fabrikanten zeigt die Bestimmung der Färbekraft von Pigmenten an Proben von Preußisch-blau, Bleichrot-mat, Eisenoxyd, Meergrün und Rot, die mit Blanc Fix und Lithopone in Mengen von 40 %, 10 %, 1 % und 0,1 % vermengt werden. Auch wird die Widerstandsfähigkeit der Pigmente gegen Verblasen gezeigt.

Die Forschungsgesellschaft der englischen Kautschuk-Fabrikanten zeigt ihre patentierten Apparate zur Messung der Härte und Dicke von Kautschuk (englische Patente Nr. 324504 und 329629) sowie den patentierten Apparat Nummer 260741 zum Nachweis gröberer Teilchen in Pulver. Von der gleichen Gesellschaft ist auch ein Apparat zur Bestimmung der Plastizität von Ebonit konstruiert worden, der es gestattet, den Einfluß der Zusammensetzung und Herstellungsverfahren nachzuweisen. Besondere Verfahren wurden entwickelt für die Untersuchung des Einflusses von Licht auf die Oberflächenbeständigkeit von Ebonit sowie für die Ermittlung der Plastizität von Rohgummi.

Um die Abnutzung der verschiedenen Gummisorten im Betrieb feststellen zu können, sind Schnellprüfverfahren ausgearbeitet. Hierzu dienen der Ofen nach W. C. Geert, bei dem die zu |170| untersuchenden Gummiproben bei 70° C im Dunklen in einem langsamen Luftstrom erhitzt werden und eine Bombe nach J. M. Bierer und C. C. Davis, in der die Proben in einen Sauerstoffstrom bei hohem Druck auf hohe Temperatur erhitzt werden. Dieses Verfahren gibt gegenüber der Ofenprobe schon in viel kürzerer Zeit Ergebnisse. Zur Bestimmung der Abnutzung von Gummi dient der von der Akron-Standard Mold Co. entworfene und von der Forschungsgesellschaft der englischen Kautschuk-Fabrikanten modifizierte Apparat, bei dem die zu untersuchende Probe gegen ein Schleifrad unter konstanter Belastung gedreht wird. Der Gewichtsverlust des Kautschuks bei einer bestimmten Zahl von Umdrehungen wird festgestellt.

Die Forschungsgesellschaft des englischen Schuhgewerbes und verwandter Betriebe zeigt einen Apparat zur Bestimmung der Gasdurchlässigkeit von Leder sowie einen Apparat zur Bestimmung der Wasserdurchlässigkeit und einen Apparat für die Ausmessung des Fußes.

Plohn.

Bitumen. Unter dem Begriff Bitumen darf man sich keinen einheitlichen, feststehenden chemischen Körper vorstellen. Seine Anwesenheit ist durchaus nicht an irgend einen Rohstoff gebunden, der sein Besitzrecht allein geltend machen könnte. In physikalisch-chemischer Beziehung, unter dem Sammelnamen Bitumen gewertet, ist er ein Gemenge kohlenstoffreicher Kohlenwasserstoffe von amorpher nicht krystallisierter Beschaffenheit, für welche man die Bezeichnung „bituminöse“ gewählt hat, und als solche einen Bestandteil fossiler Produkte ausmachen, die in früheren Epochen der trockenen Destillation durch Ueberlagerung von Gesteinsschichten ausgesetzt waren, als das Meer von seinen ursprünglichen Ufern zurücktrat. Durch allmähliches Austrocknen der oberen Erdrinde entstanden Ausbuchtungen und Erhöhungen mit Druck auf die darunter lagernden Schichten. Es entstanden Flötze. Wenn sich dort Tier- und Pflanzenreste befanden, erlitten diese in Jahrtausenden weitgehende Veränderungen ihrer chemischen und physikalischen Struktur. Entsprechend der Länge der Zeit, der Art, der Materie und der im Innern der Erde herrschenden physikalischen Bedingungen, wie hauptsächlich Druck und Temperatur, entstanden verschiedene, feste, dick- und leichtflüssige bituminöse Brennstoffe des Erdreichs und Naturgas, welche sich der Mensch zunutze zu machen verstand.

Den größten Anteil bituminöser Stoffe dieser Erdschätze besitzt die Braunkohle und Asphalt, vor dem Erdöl und der Steinkohle. Diese 4 braunschwarz und tiefschwarz aussehenden Fossilien enthalten mehr oder weniger Bitumen. Unter den Braunkohlen ist wiederum eine Modifikation, die Bogheadkohle, so reich an diesem Stoff, daß sie auch mit „Bituminit“ bezeichnet wird. Von schöner brauner Farbe zeichnet sich die mit dem Namen „Kasseler Braun“ belegte Malerfarbe aus, welche bergmännisch nahe bei Kassel aus Braunkohle gewonnen wird. Wertvolle Produkte derDestillation bietet die Schwelkohle genannte Braunkohle der Provinz Sachsen aus ihrem reichen Gehalt an Bitumen, die durch viel Paraffinbildung ausgezeichnet ist. Da Paraffin bei längerem Erhitzen an der Luft unter Braunfärbung Sauerstoff absorbiert, ist anzunehmen, daß Paraffin als Modifikation im Bitumen enthalten ist. Daß Briketts aus Braunkohlen durch Pressung zu haltbaren Stücken verkittet werden, ist dem Bitumen-Gehalt zuzuschreiben. Von allen Verwendungsmöglichkeiten der Bitumenarten ist keine so verbreitet wie die zu Straßenbauzwecken und Bauisolierungen, für den das bevorzugte Material der natürliche Asphalt ist, welcher teils rein, teils mit Kalk und Sandstein durchsetzt z.B. bei Hannover und Braunschweig vorkommt. Während Mineralpulver das Gerüst für den Stampf- oder Gußasphalt als Pflaster bildet, werden Korkabfälle mit Bitumen häufig zu Isolierungen verwandt. Die Fugen der Pflastersteine werden, um besser Widerstand der saugenden Wirkung von Autoreifen und dem Druck schwerer Lastkraftwagen zu bieten, oftmals mit bituminöser Vergußmasse ausgegossen. Dagegen ist bei Steinschlag mehr der Straßenteer in Aufnahme gekommen, welcher einer besonderen Behandlung mit Schwefel unterzogen wird, um als Straßenteer zu gelten, und bestimmten Anforderungen hinsichtlich seiner Zusammensetzung entsprechen muß. Ihm ist stets Pech beigemengt, welcher extrahierbaren Bestandteil an Bitumen enthält. Hier findet sich erst der bituminöse Anteil der Steinkohle vor, dem ebenfalls verkittende Eigenschaft besonders im Hartpech zukommt. An der leichten Löslichkeit in Schwefelkohlenstoff und Benzol mit dunkelbrauner Farbe ist ein Gehalt an Bitumen in einem der genannten Materialien festzustellen. Wässrige Bitumen-Emulsionen für Straßenbauzwecke werden verschiedentlich hergestellt, die mit ganz vorzüglicher Klebkraft Schotter verkleben, was durch Aufgießen sehr einfach bewerkstelligt werden kann. Weit größer als bei den erwähnten Fossilien ist der Verbrauch an Erdölbitumen oder Petroleumpech, wie es auch genannt wird. Es ist der Rückstand der Erdöldestillation. Besonders das mexikanische Rohpetroleum ist reich an gutem Bitumen. Die Produkte „Mexphalt“ und „Spramex“ gehören unter diese Kategorie von Produkten für Straßenbeläge, die an Zähigkeit unübertroffen sind, so daß unter Einwirkung des Verkehrs eine vollkommene Dichtung der Straßendecke eintritt. Alle bituminösen Straßenbaumaterialien müssen den Vorschriften des deutschen Straßenbauverbandes entsprechen. Das Arbeiten mit diesen Substanzen erweist sich bei ihrer zähflüssigen Beschaffenheit im Laboratorium zur Untersuchung als schwierig und bedarf der Uebung und ist feuergefährlich. Die Auflösung reinen Bitumens iii Benzol mit Zusatz von Dammarharz bildet den zur Verhütung von Rost auf Eisengegenständen aufgetragenen Asphaltlack. Mit ihm behandelte Eisenteile, Holz, Leder, bekommen ein weit gefälligeres Aussehen durch den Glanz der Oberfläche, was er den Ruß- oder Graphit-Anstrichen mit Leinöl voraus hat. Im natürlichen und künstlichen Asphalt ist Schwefel schon enthalten. Der Asphaltmastix, wie er in |171| den Verkehr kommt, enthält 15–25 % Bitumen. Als Gußasphalt mit Kies vermengt wird er heiß ausgegossen. Diese Masse heißt auch Goudron, mit welchem Namen man auch den zuerst mit wenig Paraffinölen verschmolzenen unfertigen Asphalt bezeichnet. Für manche gilt die Bezeichnung Bitumen überhaupt nur auf den Erdölrückstand seiner Destillation. Es herrscht in dieser Beziehung der Benennung noch ein ziemliches Durcheinander. Nach gewissenhafter Prüfung der einschlägigen Literatur scheint der Begriff Bitumen jedoch auf Bestandteile aller Fossilien anwendbar zu sein, seine Konstitution noch nicht festgelegt und ein kompliziertes Gemenge von Kohlenwasserstoffen vorzuliegen, die auch sauerstoff- und stickstoffhaltig sind. Das Anwendungsgebiet erstreckt sich noch auf Dachpappe und als Isoliermaterial für Kabel und elektrische Drähte. Bei letzterem Prozeß wird zum Bitumen, welcher meist mit dickem Teer vermengt wird, noch Lithopone, Magnesit, Ocker, Kreide zugeschmolzen, welche Zusätze fein gemahlen sein müssen. Sie müssen so berechnet sein, daß nach dem Erkalten ein Brechen der Masse nicht eintritt. Die Geschmeidigkeit muß erhalten geblieben sein. Je nach der Größe der Spannung, welcher Bitumenprodukte ausgesetzt sind, muß das Verhältnis von Zusatz zur Grundsubstanz genau geregelt sein, wobei praktische Erfahrungen viel dabei mitsprechen. Als bituminöse Wachse sind das Erdwachs – Ozokerit – und das Montanwachs der Braunkohlen anzusehen, aus denen es gewonnen wird, die erst gebleicht ihre dunkle Farbe verlieren, was darauf hindeutet, daß ihnen kein fein verteilter Kohlenstoff wie bei den anderen Materialien beigemengt ist. Die Entstehung des Ozokerit deutet auf Rohpetroleum, in dessen Fundort Galizien es gewonnen wird. Es sei noch des Schieferteeröles gedacht, welches aus bituminösen Schiefern durch trockene Destillation gewonnen wird, das dem Erdöl ähnelt. Therapeutischen Wert hat das aus Tiroler Schiefern gewonnene Ichthyol, ein vielseitig anwendbares Heilmittel von brauner Farbe mit eigentümlichen Geruch.

Der Name Bitumen ist dem Lateinischen entnommen und bedeutet eigentlich Erdpech, was den Tatsachen entspricht, denn alle bituminösen Stoffe entstammen schließlich dem Schöße der Erde, die uns mit lebenswichtigen Gütern versieht. Die Fundstätten der Bitumen sind über die ganz Erde verteilt. Die Insel Trinidad ist bekannt für ihren reinen Asphalt. Arm an Erdöl ist Afrika, Tiefbohrungen in Deutschland haben erneute Mengen zutage befördert, so daß anzunehmen ist, daß Erdöl reichlicher unter der Erde verteilt ist, als man anzunehmen glaubte, so daß an Bitumen sobald kein Mangel sein dürfte.

Dr. E. Lehmann, Lübeck, an der Mauer 1.

Praktische Winke für die autogene Schweißung des Eisens (Nachdruck verboten). ATK. Obwohl die autogene Schweißung des Eisens sich schon seit langem eingeführt hat und heute in sehr umfangreicher Weise Anwendung findet, kann man doch immer wieder beobachten, daß aus Unkenntnis und Nachlässigkeit hierbei Fehlerbegangen werden, welche die schwersten Folgen haben können. So sind z.B. viele Schweißer der Ansicht, daß die Flammeneinstellung beim Schweißen von Eisen keine allzu große Bedeutung hat und ein Acetylenüberschuß nichts schadet. Das ist aber nicht richtig, denn ein Acetylenüberschuß führt zur Kohlung der Schweißnaht, da Acetylengas sehr kohlenstoffreich ist. Eine so gekohlte Naht wird hart und spröde und wenn das betreffende Werkstück Erschütterungen und Stößen unterworfen wird, wie dies z.B. bei Fahrzeugen der Fall ist, dann bricht die Naht sehr rasch. Die Schweißung muß also in einem solchen Fall als mißlungen betrachtet werden. Aber auch ein Sauerstoff-Ueberschuß ist zum Schweißen von Eisen nicht zu gebrauchen. Unter dem Einfluß eines Sauerstoffüberschusses wird die Schweißnaht weich, weil ihr Kohlenstoff entzogen wird. Eine solche Naht unterliegt der Korrosion. Für die Eisenschweißung kommt also nur eine sogenannte neutrale Flamme in Betracht.

Eine andere Frage erstreckt sich auf die Behandlung der fertigen Schweißnaht. Soll man die Schweißnaht abhämmern oder nicht? Die Antwort ergibt sich aus der Tatsache, daß die Festigkeitseigenschaften des Eisens in hohem Maße auf dessen mechanische Bearbeitung durch Schmieden, Walzen, Pressen usw. zurückzuführen sind. Besaß ein Material seine Festigkeitseigenschaften auf Grund mechanischer Bearbeitung, so sind diese durch das autogene Schweißen verschwunden, da ja das Material sozusagen neu eingeschmolzen wird. Solche Schweißstücke werden also ihre guten Festigkeitseigenschaften nur dann wieder erhalten, wenn man die Naht beim Schweißen auch mechanisch bearbeitet. Hierzu dient das Abhämmern durch Hämmer mit abgerundeter Bahn; das Abhämmern erfolgt mit leichten Schlägen unter gleichzeitiger Einwirkung der Schweißflamme. Vorteilhaft taucht man dabei den Hammer immer wieder von Zeit zu Zeit ins Wasser. Man achte darauf, daß man nur bei hellglühender Naht hämmern darf, setzt man das Hämmern bei erkaltender Naht fort, so wird diese leicht brüchig. Darauf wird häufig nicht geachtet und der Schweißer kommt dann zur irrtümlichen Anschauung, daß überhaupt nicht abgehämmert werden soll.

Die Güte der Sehweißnaht kann man bei Eisen durch ein Ausglühen der Naht verbessern, da hierdurch eine Verfeinerung des Gefüges eintritt. Es ist aber dabei zu beachten, daß das beim Schweißen erhitzte Material zuerst vollständig erkaltet sein muß, bevor man an ein Ausglühen herangeht. Das Ausglühen kann mit Hilfe der neutral eingestellten Schweißflamme erfolgen.

Diese angeführten Winke mögen manchem als Kleinigkeiten erscheinen, tatsächlich aber hängt von ihnen häufig das Gelingen der ganzen Schweißarbeit ab.

Dipl.-Ing. Steger.

Elektrische Schwimmpumpen. (Nachdruck verboten.) ATK. Neuerdings sind kleine elektrische Pumpen entwickelt worden, die in gedrängter Form in eine wasserdichte, mit Luft gefüllte Boje eingebaut sind und infolgedessen nur in die auszupumpenden Brunnen, Gruben |172| Schächte hinabgelassen bzw. auf offene Gewässer wie Seen und Flüsse gelegt und an den Steckkontakt angeschlossen zu werden brauchen, um sogleich mit ihrer Pumparbeit zu beginnen. Infolge dieser Eigenart fallen bei dieser Pumpe jegliche Montagearbeiten weg, das geringe Gewicht macht sie leicht transportierbar, und die ständige Betriebsbereitschaft macht sie sehr wertvoll für rasche Hilfsarbeit bei Gefahr, also bei Bränden, Kellerüberschwemmungen usw.

Der Motor leistet ½ PS und ist von der Schwimmboje umschlossen, die ihn auf dem Wasserspiegel schwimmen läßt und ihn außerdem gegen mechanische Beschädigungen schützt. Der Motor läuft auf Kugellagern und ist so ausgeführt, daß sich seine tägliche Wartung erübrigt. An der Saugseite ist ein leicht herausnehmbares Reinigungssieb vorgesehen. Der Stromverbrauch des Motors beträgt etwa 600 Watt pro Stunde. Wenn die Pumpe kein Wasser mehr fördern kann, also wenn beispielsweise der Brunnenschacht oder die Grube leer gepumpt ist, stellt sich der Motor automatisch ab, was zu einer Schonung und damit zur Verlängerung seiner Lebensdauer beiträgt. Die mit dem Wasser in Berührung kommenden Metallteile sind gegen chemische Einflüsse geschützt, so daß sie nicht nur gegen die Einwirkungen des Wassers widerstandsfähig sind, sondern auch von Jauche und Säure nicht angegriffen werden können.

Was die Leistung der schwimmenden Pumpen betrifft, so fördern sie 1,3 bis 5,5 cbm in der Stunde bei einer Förderhöhe von 6 bis 20 m. Ihre Hauptanwendungsgebiete sind die Bewässerung von Gärten und Parks, das Zubringen von Wasser für Löschzwecke, das Auspumpen überschwemmter Keller, Gruben usw., die Förderung von Wasser für Viehtränken, zum Füllen von Hochreservoiren, zum Treiben von Regenanlagen, für die allgemeine Wasserversorgung usw. In sehr zahlreichen dieser Fälle haben sich die neuen Pumpen bestens bewährt. Welche Bedeutung ihnen besonders als stets betriebsbereite Hilfe bei Bränden beizumessen ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß Feuerversicherungen auf Objekte, die durch solche Pumpen geschützt sind, Prämiennachlaß gewähren.

G. Hth.

Ueber das dauernde Abblasen von Dampfkesseln.1) Die gesteigerte Aufmerksamkeit, die dem Salzgehalt des Kesselwassers geschenkt wird, brachte das Verfahren, die Kessel dauernd abzublasen in den Vordergrund des Interesses. Wichtig ist dabei die Art und Weise, wie vorgegangen wird, um die sonst verlorengehende Wärme und auch das Wasser selbst wiederzugewinnen. In den meisten Fällen kann das Wasser, abgesehen von dem mit der Ausscheidung von Schlamm und Salzen verbundenen unvermeidlichen Verlust, zum größten Teil wiedergewonnen werden. Die Menge des abzublasenden Wassers wird nach dem Salzgehalt geregelt, dessen Grenze vom jeweiligen Kesselsystem abhängt. Die Behandlung des abgeblasenen Wassers hängt von den örtlichen Verhältnissen ab, z.B. von den Mengen des zur Erwärmungbzw. Verdampfung zur Verfügung stehenden Abdampfes.

Bei einem System für das ständige Abblasen ist eine selbsttätige Regelung für jeden einzelnen Kessel vorgesehen, indem jeder Kessel in eine bestimmte Abteilung eines Wärmeaustauschers abbläst, das Wasser verläßt diesen durch einen besonderen Auslaß, kann so nachgeprüft und der Abfluß entsprechend eingestellt werden.

In anderen Fällen geht das Wasser durch eine Niederdruckkammer am oberen Ende eines senkrechten Wärmeaustauschers, wobei es zum Teil verdampft und Niederdruckdampf zu Heizzwecken liefert. Dieser Dampf kann aber auch wiederum zur Speisewasservorwärmung oder sonstwie verwendet werden, der betreffende Vorwärmer arbeitet dann ähnlich wie ein Ekonomiser, er wird zwischen den eigentlichen Speisewasservorwärmer und den Kessel eingeschaltet.

Bei einer englischen Ausführung wird praktisch alle Wärme und der größte Teil des Wassers wiedergewonnen. Die Menge des abgeblasenen Wassers wird hier durch ein Spezialventil, der Zusammensetzung des Wassers nach, geregelt, in einem Behälter gesammelt, der unter einem Druck von 0,7 at steht, das Wasser verdampft und geht als destilliertes Wasser zum Speisewassersammelbehälter. Das übrige heiße Wasser fließt über eine Scheidewand, hinter der der Schlamm zurückbleibt, ebenfalls zum Sammelbehälter. Verloren geht nur soviel, als zur Entfernung des Schlammes und Einhalten einer bestimmten Dichte nötig ist, auch dieses Schlammwasser geht noch durch eine Heizschlange im Sammelbehälter, um seine letzte Wärme abzugeben.

Die Systeme zum dauernden Abblasen können kombiniert werden, besonders aber mit solchen, natürlich mit jeder Art von Speisewasserreiniger bei denen Kolloide verwendet werden, die die Härtebildner im Kessel in Schlamm verwandeln.

Kolloidale Brennstoffe.1) Der Begriff „Kolloidale Brennstoffe“ kann, genau genommen, die folgenden Brennstoffe einschließen: Kohle, Stein- und Braunkohle, Lignite, Torf, bituminöse und Oelschiefer, Holz und natürliche Bitumen und Petroleum.

Alle diese Stoffe, die organischen Ursprungs sind und deren Hauptbestandteile aus Zellulose, Lignin, Humussäuren, Harzen, Faulschlamm, Sporen und Algen bestehen, sind typische Kolloide.

Diese große Gruppe natürlicher Rohstoffe enthält Gele, Sole und amorphe Kolloide, die mehr oder weniger mit kolloidalen Mineral-Substanzen vereinigt sind.

Heute bedeutet aber der Ausdruck: „Kolloidale Brennstoffe“ die nachstehenden Gemische:

  • a) Fein pulverisierte Kohle in viskosen Oelen suspendiert.
  • b) dasselbe wie a) doch ist ein weiteres Kolloid hinzugefügt, mit dem Zweck, die feine Verteilung der Staubteile stabiler zu machen und Zusammenballen und Absetzen derselben zu verhindern.
  • c) wie a) doch sind Stoffe hinzugefügt, die die leichten festen Bestandteile dauernd in der Schwebe halten sollen, so daß sie unter dem Ultramikroskop die charakteristische Brown'sche Bewegung zeigen. In bestimmten Fällen erreicht man dies durch Kombination von a) und b).

Man hat solche Brennstoffe dadurch hergestellt, daß man z.B. geringwertige französische Kohle mit russischem Masut gemischt hat, die Teilchen haben Größen von 0,1 Mikro-mm aufwärts, und einen Gehalt an festen Stoffen von etwa 60 %, dieselben sind noch nach 15 Monaten, bei gewöhnlichen atmosphärischen Verhältnissen, stabil.

In Amerika wurde in den ersten Nachkriegsjahren auf diesem Gebiet viel gearbeitet und dabei nach den oben unter a bis c geschilderten Verfahren vorgegangen. Diese Brennstoffe haben eine Viskosität, die bei normaler Temperatur der von typischem Treiböl bis zu plastischen Pasten oder Gallerten ähnlich ist, sie werden vor der Verbrennung erwärmt und dadurch beweglich und flüssig und können dann direkt zerstäubt werden.

Diese Brennstoffe zeigen, unabhängig von der Viskosität des verwendeten Mischungsmittels, eine große Abweichung von dem Stokes'schen Gesetz, das für das Absetzen kugelförmiger Teilchen in Flüssigkeiten gilt, und zwar hauptsächlich deshalb, weil die Teilchen selbst sehr vielgestaltig sind und sich gegenseitig stören und die innere Reibung erhöhen. Die leichte Bindung zwischen dem Oel und den Kohleteilchen, durch Adsorption an den festen und flüssigen Oberflächen bedingt, verstärkt diese Erscheinung. Die ersten dieser Mischungen enthielten als Emulsionen oder Kolloide, Stoffe, die den alkalischen Erdseifen, Harzen usw. ähnlich waren, in einer Beimengung von etwa 1–3 %.

Bei den Mischungen unter c) wurden Nebenprodukte aus der Teerdestillation verwendet, und zwar Naphtalin, Kreosot, Teerphenole und Säuren, die bei 65–95° in der Größenordnung von 5–20 % beigegeben wurden.

Die Eigenschaften dieser Brennstoffe sind folgende:

1. sie sind flüssig und können wie Heizöl behandelt werden.

2. Sie enthalten in der Raumeinheit mehr Heizwert als die Heizöle, da ihr spezifisches Volumen geringer ist als das der Oele, aus denen sie hergestellt sind, ihr spez. Gewicht beträgt etwa 1,18–1,38, je nach dem Gehalt an Kohle, Koks, Pech usw.

3. Sie enthalten wenig Feuchtigkeit und Asche, wobei letztere in der Hauptsache durch die der festen Bestandteile bedingt ist. Bei Verwendung hochwertiger Brennstoffe kann sie sehr niedrig gehalten werden.

4. Der Zündpunkt liegt bei etwa 93°, sie neigen nicht zu Selbstentzündung.

5. Da erst bei höheren Temperaturen Gasentwicklung auftritt, sind sie nicht explosiv und können außerdem, wegen ihres höheren spez. Gewichtes mit einer Wasserschicht abgedeckt werden.

6. Aus demselben Grunde können sie auch leicht mit Wasser abgelöscht werden. Sie sind also so sicher wie Anthracit.

7. Sie sind die kompaktesten Brennstoffe, die es gibt, und enthalten etwa 10–11 Millionen kcal/m3.

8. Störungen, wie in Oelfeuerungen, durch Feuchtigkeit und Wassertropfen treten nicht auf.

9. Der Zündpunkt liegt höher als der des Ausgangsöles.

10. Die kolloidalen Brennstoffe sind erheblich wirtschaftlicher als die festen oder Oele, da sie relativ billiger sind. Ihre Verwendungsmöglichkeit ist fast unbegrenzt, sowohl für Feuerungen, wie als Treiböle. Besonders geeignet sind sie für Tiegelöfen.

Bei der Herstellung und Verwendung derselben sind eine Reihe von Gesichtspunkten zu beobachten, deren wichtigste die nachstehenden sind. Die Kohle muß so fein vermählen sein, daß sie auf dem 200 Maschensieb etwa 90 % Rückstand ergibt, je nach der Art des Kolloides, Oel, Teer, Destillationsrückstände usw., sowie der weiteren Zutaten, zur Verbesserung der Schwebfähigkeit der Stäube, wie Leim, Seife, Gummi u. ä. ändert sich ihre Beständigkeit usw. Die Mischung dieser Stoffe muß unter Berücksichtigung der mechanischen, physikalischen und chemischen Gesetze erfolgen. Die Kohle muß gut trocken und fein vermählen sein, die Grenze liegt bei 95 % auf dem 180 Maschensieb. Die Größe und Gestalt der Teilchen kann innerhalb der gegebenen Grenzen weit schwanken. Die Kolloide sollen so wenig kolloiden Kohlenstoff wie möglich erhalten und in allen Arten von Oel löslich sein. Wichtig ist auch die Wahl der Mischer, um eine gute Durchmischung der festen und flüssigen Teile zu erzielen.

Die kolloidalen Brennstoffe können wie Heizöl bei etwa 65° und unter 10 at zerstäubt werden. Ebenso kann man dieselben Brenner verwenden. Meist ist nur die Saugleistung der Pumpen, wegen der größeren Viskosität, etwas zu erhöhen. Der Wärmeverbrauch je PS ist nahezu derselbe wie bei Heizöl, der nach Gewicht etwa 30 % geringer, da aber der Heizwert etwa 10 % niedriger ist, gleicht sich das aus. Der Wärmeverbrauch, um den Brennstoff zu verflüssigen und zu zerstäuben, ist etwa 10–15 % geringer als bei Oel.

Der kolloidale Brennstoff kann in gewöhnlichen Oeltanks gespeichert werden, ohne daß Korrosionen zu befürchten sind, die Verluste durch Verdampfen, die beim Oel bis zu 8 % im Jahr betragen können, fallen weg, wenn man den Brennstoff mit einer dünnen Wasserschicht bedeckt. Die Flamme ist wegen des Gehaltes an festen Teilen wirksamer. Kohlenstaub nimmt etwa 1,58–1,67 m3/t ein, während der kolloidale Brennstoff nur 0,93 m3/t braucht, (bei einem spez. Gewicht von 1,12.) Der thermische Wirkungsgrad dieser Brennstoffe ist wegen der vollständigeren Verbrennung bei allen Kesselarten größer als bei anderen Brennstoffen. Die im gleichen Rauminhalt gespeicherte Energie ist gegenüber Staubkohle doppelt so groß, und 75 % höher als bei sortierter Dampf kohle und noch 6 % höher als die von Oel.

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Diese Brennstoffe haben im allgemeinen alle Eigenschaften von Roh- oder Heizöl und können deshalb auch in hochwertigere Produkte verwandelt werden, indem man sie destilliert oder crackt usw. Dadurch ergibt sieh eine vielseitige Verwendungsmöglichkeit für Abfallstoffe aller Art, namentlich für Feinkohle, die sonst schwer verkäuflich ist.

Hält man die Temperaturen beim Cracken z.B. unter der Verkokungstemperatur der zugemischten Kohle, so tritt keine besondere Koksbildung auf. In der Petroleumindustrie können hochwertigere Nebenprodukte erzeugt werden. Beim Cracken der kolloidalen Brennstoffe kann man klopffeste Benzine, hochwertiges Gas und Rückstände erhalten, die einen höheren Heizwert als das Ausgangsmaterial besitzen.

Auf diesem Wege kann man auch einen Treibstoff für Dieselmaschinen herstellen, der dem ursprünglichen Ideal Diesels sich nähert.

Amerikanische Hochdrucklokomotive.1) Die erste Hochdrucklokomotive der Canadian Pacific Railway machte vor kurzem ihre Probefahrt. Die Maschine stellt eine neue Entwicklungsphase im Lokomotivbau dar. Der Kessel hat Oelfeuerung und besteht aus drei selbständigen Abteilungen, jeweils mit anderem Druck. Feuerbüchse und Brennkammer werden durch ein Röhrensystem gebildet, in dem Dampf von 91–95 at aus destilliertem Wasser erzeugt wird. Dieser Dampf zirkuliert durch die Hochdrucktrommel, in der Dampf von 60 at entwickelt wird, dieser geht durch einen Ueberhitzer und in den Hochdruckzylinder. Der Niederdruckkessel, der dem Langkessel der normalen Lokomotive entspricht, arbeitet mit 17,5 at, der Dampf geht durch einen zweiten Ueberhitzer zu den beiden Niederdruckzylindern, die außerdem auch den Abdampf des Hochdruckzylinders erhalten. Die Lokomotive wiegt rund 220 t, der Tender 135 t. Die Gesamtlänge beträgt rund 31 m. Die Zugkraft mit 41 t übertrifft die zuletzt gebaute größte Maschine um 7,7 t. Die Maschine durchfuhr mit einem Zug von 6977 t 207 km in 5 h 45 min.

Die Herstellung von nahtlosen Sperrholzfässern.2) Die Verwendung von Sperrholz zu Behältern und Kisten aller Art hat in den letzten Jahren steigende Verwendung gefunden. In Rußland und Polen werden vor allem Kisten zur Verpackung von Tee und Gummi hergestellt. Neuerdings ging man, nach langjährigen Versuchen auch dazu über, Fässer aus Sperrholz herzustellen. Hierbei war eine Reihe von technischen Problemen zu lösen. Erst nachdem man erkannt hatte, daß sich vorbehandeltes Sperrholz auf hydraulischen Pressen auch kümpeln und ziehen läßt, gelang die Lösung der Aufgabe, ein Faß ganz aus Sperrholz herzustellen. Die Herstellung der nahtlosen Sperrholzfässer „Hermeta“ (D.R.P. und A.P.) geht folgender Weise vor sich. Die nach dem Verfahren der Filmverleimung hergestellten Sperrholzmäntel werden, je zwei, mit der Stoßfugeum 180° gegen einander versetzt, zu einem Faßmantel vereinigt. Nach dem genannten Verfahren werden diese mit in einer dazu besonders gebauten hydraulischen Presse (Hydraulik G. m. b. H., Duisburg) hergestellten gebördelten Böden zusammengepreßt. Für die Deckel werden entsprechende Metallringe mit eingeleimt und eingepreßt. Ebenso kann man auch Versteifungs- und Rollringe anheften. Die Deckel sind ebenfalls gebördelt und können auf verschiedene Weise, z.B. durch Vernageln, befestigt werden. Die so hergestellten Fässer sind staubdicht, so daß sie zur Verpackung von feingemahlenen Produkten, wie Farben u. ä. verwendet werden können. Diese Sperrholzfässer haben außerdem noch den großen Vorteil, daß sie nicht schwinden, also unverändert jahrelang aufbewahrt werden können. In Deutschland werden solche Fässer auf Hydraulikmaschinen und Pressen von der Rheinischen Faß- und Sperrholzfabrik in Andernach hergestellt. Eine Reihe ähnlicher Anlagen wurde auch ins Ausland geliefert.

K.

Schau von Meßgeräten für staubförmiges Arbeitsgut. Die Technologie der Mehle, Pulver, Puder und anderer Staube hat stets mit der feinen Verteilung des Arbeitsgutes zu rechnen. In vielen Fällen werden gerade die bei dieser feinen Zerteilung neu auftretenden physikalischen und chemischen Eigenschaften für den Verwendungszweck vorteilhaft benutzt. Für die Schaffung der hierfür notwendigen Grundlagen sind zuverlässige Meßgeräte die erste Voraussetzung.

Daher hat der Fachausschuß für Staubtechnik beim Verein deutscher Ingenieure beschlossen, eine „Schau von Meßgeräten für staubförmiges Arbeitsgut“ zu veranstalten, deren Vorbereitung und Leitung er ehrenamtlich in die Hände des Obmannes Seines Arbeitsausschusses „Meßwesen“, Patentanwalt Dr.-Ing. Meldau, Berlin, gelegt hat, der sich dabei der Unterstützung zahlreicher Fachgenossen erfreut.

Die Schau wird in wissenschaftlicher Ordnung bewährte Meßgeräte, Verfahren und Meßergebnisse sowie aussichtsvolle neue Vorschläge bringen. Nach Möglichkeit sind die Geräte betriebsfähig. Die fachmännische Vorführung erfolgt nach Vereinbarung.

Nach den bisherigen Anmeldungen wird die Schau gut beschickt sein und eine Anzahl beachtlicher Geräte und Verfahren erstmalig zeigen. Für die wissenschaftlichen Grundlagen des Staubmeßwesens und den Erfahrungsaustausch der beteiligten Fachkreise ist eine wesentliche Befruchtung zu erwarten. Eintrittskarten werden von der Geschäftsstelle des Vereines deutscher Ingenieure, Berlin NW 7, Ingenieurhaus, kostenlos abgegeben.

Carl von Bach † Am 10. Oktober 1931 ist Exzellenz Staatsrat Professor Dr.-Ing. e. h. Carl von Bach im 85. Lebensjahre in Stuttgart verschieden. Er wurde 1847 in Stollberg im sächsischen Erzgebirge geboren und besuchte dann die staatlichen Lehranstalten in Chemnitz und Dresden, und die Technische Hochschule in Karlsruhe. 1868 kam er als Dozent an das Stuttgarter Polytechnikum, wo er 1878 Professor wurde.

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Seine Bedeutung weit über die deutschen Grenzen hinaus beruht auf seinen Arbeiten über Materialforschung, die Materialprüfungsanstalt in Stuttgart verdankt ihm ihre Entstehung und seinen grundlegenden Arbeiten für den Dampfkesselbau, den Ehrentitel „Altmeister des deutschen Dampfkesselbaues“ trug er mit Recht. Sein Hauptwerk „Die Maschinenelemente“ dürften wohl keinem Ingenieur unbekannt sein. Zahlreiche andere Abhandlungen und Werke sind in den deutschen technischen Zeitschriften enthalten. Auch in D.P.J. sind namentlich in den Jahren 1880–1886 Arbeiten von ihm erschienen.

Eine unverwüstliche Arbeitskraft und Energie zeichneten ihn aus, als Lehrer an der Hochschule Stuttgart hat er ganze Generationen von Ingenieuren ausgebildet, denen er nicht nur Lehrer, sondern auch väterlicher Freund und Berater war.

Zahlreiche Ehrungen bewiesen die Anerkennung seines Schaffens in der technischen Welt, schon 1894 erhielt er die Grashof Denkmünze des V.D.I., 1903 den Ehrendoktor der Berliner Technischen Hochschule, zu seinem 70. Geburtstage wurde die „Bach-Stiftung für technisch wissenschaftliche Forschung“ ins Leben gerufen. Zu seinem 80. erhielt er den Ehrendoktor der technischen Wissenschaft der Hochschule in Wien.

Ein deutscher Mann und deutscher Ingenieur ist mit ihm dahingegangen, die gesamte technische Welt trauert an seiner Bahre. In die Tafeln der Geschichte der Technik eingeschrieben, wird der Name „Carl von Bach“ unvergeßlich bleiben.

Kuhn.

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World Power 1931 Angust. S. 128.

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Nach John L. Strevens Fuel Eeonomist 1930 Juli S. 437.

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Power 1931 Bd. 74. S. 180.

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Hydraulik Nachrichten Jahrgang 1 No 4 1931.

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