Die Gewichts- und Volumenveränderung des Holzes. Im Auftrage der Direktion der Domänen und Forste des Kantons Bern hat Forstinspector J. A. Frey zu Münster im Jura an den in der nebenstehenden Tabelle genannten 12 hauptsächlichsten Waldholzarten in Bezug auf Gewichts- und Volumenveränderungen eine Reihe von Erhebungen veranstaltet. Die erhaltenen Resultate wurden zur Beschickung der jetzigen Landesausstellung in Zürich durchgesehen und in einer eigenen Schrift veröffentlicht. Das Material zu den Untersuchungen lieferten mittelstarke, 75- bis 100jährige Stämme, welche Anfangs Januar 1877 gefällt wurden. Die Waldparzelle war an einem Nordwestabhange, bei 750 bis 800m über dem Meere gelegen; der Boden war gebildet aus Korallenkalktrümmern und Oxford-Mergel und mit einer ordentlichen Humusschicht bedeckt. Etwa 60cm über dem Stocke wurden Stücke von passender Länge abgesägt und hierauf sofort von jeder Holzart 8 vollkommen genau gearbeitete Cubikdecimeter-Würfel hergestellt. Diese wurden unter Beobachtung aller Vorsichten gegen Austrocknung nach Basel geschafft und im dortigen naturwissenschaftlichastronomischen Institute gewogen. Aus den acht Wägungen wurde das mittlere Gewicht eines Cubikdecimeter und hieraus das specifische Grüngewicht für jede Holzart berechnet. Von diesen acht Würfeln wurden vier zur Verkohlung bestimmt, welche zugleich auch zur Erhebung der Gewichtsveränderung durch „Abtrocknen“ dienten, und je zwei zum „Austrocknen“ und „Ausdörren,“ wobei die Wahl so getroffen wurde, „daſs das mittlere Gewicht in jeder Gruppe möglichst genau dem allgemeinen Mittelgewichte der Holzart entsprach.“ – Alle in den Versuchen vorgenommenen Wägungen gingen auf 0g,1, die Messungen auf 0mm,1. Zur Feststellung des Gewichtes des Holzes im „sommertrockenen“ Zustande wurden aus den halbentrindeten, an luftigen Orten nach Wagnerartliegen gebliebenen Resten Anfangs August noch je zwei Würfel verfertigt. Es erschien die Erhebung des Gewichtes in diesem Zustande deshalb wichtig, weil für mannigfache technische Verwendungen dieser Zustand die Regel ist. Dies war auch der Grund, weshalb in der Tabelle die Holzarten nach den in dieser Richtung ermittelten Gewichten geordnet erscheint. Die Abtrocknung wurde erzielt, indem man die zur Verkohlung bestimmten Würfel ohne jede weitere Vorkehrung bis Mitte Juni auf dem Estrichboden liegen lieſs. Die Schwindung in diesem Grade der Trockenheit war noch unmeſsbar und konnte daher kein specifisches Gewicht, sondern nur das absolute Gewicht erhoben werden. Der Zustand „ausgetrocknet“ wurde dadurch erreicht, daſs man die betreffenden Würfel in einem Zimmer auf hohen Möbeln luftig aufschichtete. Der Raum wurde bis Ende April meist geheizt und Anfangs August dürfte der Zustand des Holzes ziemlich dem entsprochen haben, welchen man in der Regel als eine Folge des „jahrelangen Liegens unter Dach“ bezeichnet. Zur Herstellung des Zustandes „dürr“ wurden zuerst Versuche vorgenommen, das Holz chemisch trocken herzustellen. Da dies miſslang, so brachte man die Würfel Anfangs Mai in den Darrraum der Parquettenfabrik am Sulgenbach bei Bern. Die Resultate dieser durch 2 Monate fortgesetzten Darrung bei allmählich steigender Temperatur, welche in den letzten 41 Tagen bis 100° betrug, wurden an Ort und Stelle durch Messungen und Wägungen festgestellt. Zur Verkohlung bediente man sich der Apparate der Pulverfabrik in Worblaufen. Die Würfel wurden in eingemauerten Retorten mittels überhitzter Luft vollständig verkohlt und nach vollendetem Verkohlungs- und Abkühlungsprozesse an Ort und Stelle gemessen und gewogen. In der tabellarischen Zusammenstellung sind die wichtigsten der in der genannten Schrift niedergelegten Angaben vereinigt. Daselbst sind auſserdem noch 3 Tafeln enthalten, welche den Verlauf des absoluten Gewichtes, des Volumens und des specifischen Gewichtes durch die verschiedenen Stadien hindurch darstellen. Es kann schlieſslich nur lebhaft dem Wunsche des Verfassers zugestimmt werden, daſs durch fortgesetzte Erhebungen, durch Ausdehnung derselben auf andere Standorte, Raumtheile u. dgl. die erlangten Resultate vervollständigt, berichtigt und ihnen hierdurch ein allgemeinerer Werth verliehen werden möge. (Nach den Mittheilungen des Technologischen Gewerbemuseums, Section für Holzindustrie, Wien 1883 S. 108.)