Text-Bild-Ansicht Band 74

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Gew., der Schmelzpunkt u.s.w. Kennzeichen, aus denen man auf seine größere oder geringere Reinheit zu schließen vermag; indessen bleiben diese Schlüsse doch immer innerhalb sehr weiter Gränzen und können auf keine Weise die qualitative Analyse bei einem Verfahren ersezen, wo ein gewisser Grad von Genauigkeit erfordert wird.

Der Geschüzguß ist so äußerst kostspielig, und wird es namentlich für Mächte, welche eine bedeutende Anzahl von Kanonen zu besizen genöthigt sind, dadurch, wenn viele derselben mißlingen; das Beschießen derselben ist zugleich bei fehlerhaftem Gusse eine so gefahrvolle Beschäftigung und hat zu so vielen Unfällen Anlaß gegeben, daß man kein Mittel versäumen darf, diese Gefahren und die Kosten zu vermindern. Die qualitative Analyse ist ein Mittel dazu, und sie darf um so weniger unterlassen werden, da sie, wie gesagt, so leicht auszuführen ist.

Ein anderes Verhältniß findet bei der quantitativen Analyse Statt. Diese bietet aus mehreren Rüksichten viel bedeutendere Schwierigkeiten dar. Sie soll das relative Verhältniß der in dem Geschüzmetalle vorhandenen Metalle bestimmen, soll dieß mit der größten Genauigkeit, und zwar, um daraus einen Schluß auf die Güte und Brauchbarkeit des Metalls zu ziehen.

Der erste schwierige Punkt, welcher sich für die Praxis uns dabei entgegenstellt, ist die Frage: welches ist das beste Verhältniß, in dem man Kupfer und Zinn mit einander zu Kanonengut legiren soll? Diese Frage ist natürlicher Weise sehr häufig aufgeworfen, aber auch eben so oft anders beantwortet worden.

Betrachten wir die Vorschriften, welche in den verschiedenen Artillerien darüber gegeben sind, so finden wir die merkwürdigsten Differenzen, und alle diese Vorschriften gründen sich auf vieljährige Erfahrungen. Diese äußerst verschiedenen Angaben über das beste Verhältniß finden sich, so lange man überhaupt Geschüze goß. Um nicht in ein zu weitläufiges Detail einzugehen, genüge es, zwei Verhältnisse anzuführen, welche man gewiß als die äußersten Gränzen ansehen darf; es ist dieß die Vorschrift, nach welcher Luther in Sachsen um 1789 goß, und welche 5 Proc. Zinn angab, und eine andere, nach welcher in Turin gegossen wurde, und die 20 Proc. betrug.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es keine Zahl, welche nicht wenigstens einige Male versucht worden wäre.

Man sollte glauben, diese unzähligen Erfahrungen, welche sich im Grunde genommen bei dem Gusse eines jeden einzelnen Geschüzes wiederholen mußten, hätten zu einem sichern Resultate geführt, von dem man nicht abzugehen genöthigt wäre; indessen ist bekannt, wie wenig dieß der Fall ist.