Text-Bild-Ansicht Band 74

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will, so braucht man nur 1 Th. Zinn hinzuzusezen. Damit dieß geschehen kann, muß man nochwendig das Gewicht des im Ofen befindlichen Kupfers oder der ganzen Metallmasse kennen. Das erstere ist ganz unmöglich, wenn man nicht aus neuem Metall gießt, und das zweite wird ebenfalls ganz unsicher, da man wohl weiß, wie viel Centner man in den Ofen gebracht hat, aber nicht die Menge des Abbrandes kennt, also nachher über die Menge des Metalls in Ungewißheit bleibt.

Wenn der daraus entspringende Fehler auch vielleicht nicht sehr bedeutend ist, so tritt eine andere Schwierigkeit von größerem Gewichte ein. Dieß ist nämlich die, eine Probe zu schöpfen, welche die Zusammensezung der ganzen Masse hat. Das spec. Gew. der chemischen Verbindung von Kupfer und Zinn ist größer als das der einzelnen Metalle; und es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser Unterschied bei dem geschmolzenen Metall noch viel bedeutender wird. Es hat daher die chemische Verbindung, welche im Kupfer aufgelöst werden soll, stets die Neigung, sich aus demselben abzuscheiden und sich, wenigstens großen Theils, am Boden des Ofens anzusammeln. Durch starkes und anhaltendes Umrühren wird dieß so viel als möglich gestört, kann aber natürlicher Weise bei einer dikflüssigen Metallmasse von 50–100 und mehr Cntrn. nur unvollständig erreicht werden.

Es leuchtet aus dem Angeführten ein, daß die Prüfungen des Metalls im Ofen kurz vor dem Gusse von wenig Bedeutung seyn können, und höchstens zuweilen annähernd angeben können, daß man gerade die gewünschte Mischung besize, ohne ein sicheres Mittel abzugeben, dieselbe bei unrichtigem Verhältnisse zu verbessern. Der neue Zusaz wird überdieß neue Schwierigkeiten hervorrufen, indem derselbe erst wieder vollkommen geschmolzen und durch Umrühren durch die ganze Masse vertheilt werden muß, während welcher Zeit neuer Abbrand, also auch ein neuer Wechsel des Verhältnisses entstehen muß.

Als ein hauptsächliches Hinderniß bei dem Guß aus altem Geschüz, wenn man sich bemüht, dem neuen eine bestimmte Zusammensezung zu geben, ist angeführt worden, daß man von keinem Geschüz die richtige Zusammensezung kennt, und daß es sogar in den meisten Fällen fast unmöglich seyn möchte, dieselbe zu erfahren. Es ist dieß kein Vorwurf, der die analytische Chemie trifft; denn es liegt in der Sache selbst, daß wir von der Chemie hier die größte Hülfe und Aufklärung zu erwarten haben.

(Der Beschluß folgt im nächsten Hefte.)